{"id":2186,"date":"2007-03-12T17:45:25","date_gmt":"2007-03-12T15:45:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2186"},"modified":"2009-09-06T11:12:50","modified_gmt":"2009-09-06T09:12:50","slug":"welche-wege-fuhren-nach-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2186","title":{"rendered":"Welche Wege f\u00fchren nach Rom?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Welche Wege f\u00fchren nach Rom? Reformatorische Ein\u2013 und Aussichten zwischen Kontroverstheologie und \u00d6kumene<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. TomTom, MartinMartin und BenediktBenedikt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich kennen die meisten von Ihnen diese n\u00fctzlichen, kleinen Helfer. Sie dr\u00fccken einfach ein paar Tasten \u2013 und schon lullt sie eine angenehme Frauenstimme ein und nimmt Ihnen fast alle Sorgen ab: \u201eIn 400 m biegen Sie rechts ab; biegen Sie jetzt rechts ab. Abfahrt rechts vor Ihnen. Sie haben Ihr Ziel erreicht.\u201c Genau. Ich rede von diesen wunderbaren Navigationssystemen, die einen nahezu unfehlbar von Ort A nach Ort B leiten, und mit denen es eigentlich nur dann Schwierigkeiten gibt, wenn man am Anfang irgendeinen Tippfehler bei der Zielorteingabe gemacht hat. Die Frage nach dem rechten Weg wird einem heute also bestens und erfolgreich beantwortet.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ahnen es schon. Ich habe durchaus vor, das Bild des Navigationssystems schamlos auszuschlachten, das Stichwort des \u201erechten Weges\u201c aufzunehmen und f\u00fcr diese Tagung ins Theologisch-\u00d6kumenische zu fragen: Was w\u00fcrde uns die freundliche Frauenstimme aus TomTom &amp; Co. wohl ansagen, wenn wir nach dem Weg fragten, der uns nach Rom f\u00fchrt? Gewi\u00df: Viele Wege f\u00fchren nach Rom. Aber gibt es einen richtigen? Und wollen wir, wenn wir nach \u00d6kumene fragen, \u00fcberhaupt nach Rom? Oder sollte Rom sich besser auf den Weg nach Wittenberg machen? Und was w\u00fcrde Frau TomTom dann aus dem Minilautsprecher fl\u00f6ten? Oder gilt es gar, das Navi Alternativrouten suchen zu lassen, um Staus und ewig nicht enden wollende Baustellen zu vermeiden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine folgenden Betrachtungen wollen also nach Chancen und Grenzen \u00f6kumenischer Bem\u00fchungen fragen, die ernsthaft nach dem Gemeinsamen suchen und nach Sichtbarmachung dieses Gemeinsamen, dabei aber sowohl das r\u00f6misch-katholische als auch das lutherische Profil respektieren. Ich m\u00f6chte ein bisschen TomTom spielen und dabei MartinMartin einerseits und BenediktBenedikt andererseits in ein fruchtbares Gespr\u00e4ch bringen. Dabei gilt es zu beachten: Ich bekenne, ich tue das als Kirchenhistorikerin mit einem leidenschaftlichen Interesse f\u00fcr Luther und die Reformation und f\u00fcr den r\u00f6mischen Katholizismus. Das hat mindestens drei Konsequenzen: Erstens werde ich zun\u00e4chst meinen Blick zur\u00fccklenken ins 16. Jahrhundert, also mitten hinein in die Hochzeit der kontroverstheologischen Auseinandersetzung; ich werde Martin Luther ausf\u00fchrlich zu Wort kommen lassen im vollen Wissen um die historische Bedingtheit mancher seiner Aussagen und im vollen Wissen darum, da\u00df er zuweilen sehr pointiert die Dinge ins Wort gebracht hat. Zweitens werde ich danach meinen Blick als gute Kirchenhistorikerin, die zuallererst Theologin ist, nicht im 16. Jahrhundert belassen. Ich werde nach vorne schauen in die \u00f6kumenische Gegenwart und eine m\u00f6gliche \u00f6kumenische Zukunft. Ich will \u2013 im Sinne und als Fortsetzung des Referates von gestern Abend \u2013 reformatorisches Gedankengut vergegenw\u00e4rtigen und von den Spitzenaussagen her fragen, was dies f\u00fcr die \u00f6kumenische Perspektive heute bedeutet. Und die dritte Konsequenz aus meinem Bekenntnis: Wer auf die Idee kommen sollte, da\u00df der folgende Vortrag in eine Katholikenschelte ausarten wird \u2013 denn schlie\u00dflich sieht es doch so aus, als w\u00fcrde Rom es sein, das st\u00e4ndig Stolpersteine in den \u00f6kumenischen Weg legen w\u00fcrde und als w\u00e4ren es die Kirchenoberen dort, die sich mittelalterlich und voraufkl\u00e4rerisch geb\u00e4rdeten \u2013, den mu\u00df ich arg entt\u00e4uschen. Genau das werde ich nicht tun. Und zwar nicht nur, weil sich das nicht ziemte, zumal ohne r\u00f6misch-katholischen Gespr\u00e4chspartner, der sich wehren k\u00f6nnte. Sondern weil es \u00f6kumenischen Leichtsinn, konfessionellen Starrsinn und theologischen Unsinn auf beiden Seiten gibt. So richtet sich das Folgende an Protestanten ebenso wie an Katholiken. Luther \u2013 h\u00e4tte er heute zu tun \u2013 w\u00fcrde sicherlich auch an diejenigen die eine oder andere scharfe Frage richten, die behaupten, auf seinen Schultern zu stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also: Nachdem wir diese Grunddaten eingegeben haben, schalten wir TomTom doch einfach mal ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Reformatorische Einsichten und Aussichten<br \/>\nim Gespr\u00e4ch mit Rom<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1 Voraussetzungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kollege Bayer hat gestern Abend ja schon wichtige Elemente benannt, welche die Reformation und ihre Erkenntnisse auch heute noch als \u00fcberaus aktuell erscheinen lassen, ja vielmehr noch: die als aktuell wahrzunehmen und in christliche Lehre und christliches Leben umzusetzen heilsnotwendig ist. Und zwar nicht, weil die Erben der Reformation einen neuen Heiligenkult um Luther &amp; Co. herum installiert haben, sondern weil sich die reformatorische Erkenntnis und daraus resultierende Predigt und Lehre als Zeugnis der Offenbarung Gottes in den Schriften Alten und Neuen Testaments versteht. Da\u00df \u201eevangelisch sein\u201c in einem fundamentalen Sinne eine Frage von existenzieller Bedeutung ist, erschlie\u00dft sich samt den von Kollege Bayer vorgestellten Konsequenzen schon bei einem Blick ins das Reformationszeitalter und seinem Ringen um Wahrheit, erst recht bei einer Betrachtung des Ringens Martin Luthers um ein rechtes Gottesverh\u00e4ltnis und schlie\u00dflich in der Geschichte immer wieder dann, wenn gerungen wird um das rechte Verst\u00e4ndnis des Wortes Gottes. Es sollte also \u2013 das ist die zentrale Folge daraus und die unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr alles Weitere \u2013 beim Gespr\u00e4ch zwischen Rom und Wittenberg, zwischen R\u00f6mischem Katholizismus und Protestantismus immer um dieses Wort gehen. Nicht um konfessionellen Eigensinn, nicht um Tradition der Tradition wegen, schon gar nicht um Macht und Machterhaltung. Ich \u00fcberlasse es Ihrer eigenen Beurteilung, wie weit das in den letzten Jahrzehnten wirklich erf\u00fcllt wurde \u2013 und zwar auf beiden Seiten. Ebensowenig aber darf dieses Gespr\u00e4ch bestimmt sein von einem diffusen \u201eWir haben uns doch alle lieb\u201c. Wer dem Anderen \u00fcberhaupt nicht auf die F\u00fc\u00dfe treten will, mu\u00df ihm notwendigerweise total aus dem Weg gehen und nimmt dabei weder sich noch diesen Anderen wirklich wahr und ernst. Wenn man beobachtet, wie gef\u00e4hrlich naiv oftmals in Gemeinden das Etikett \u201e\u00d6kumene\u201c auf vieles geklebt wird und allen ein supertolles Gef\u00fchl gibt, aber die Sache verr\u00e4t, dann darf man schon mal ernsthaft auch danach fragen, was eigentlich so alles in Schulen, vor allem aber in Universit\u00e4ten an konfessionellen Kernfragen \u00fcberhaupt noch behandelt wird. Es erscheint angesichts dr\u00e4ngender Fragen beinahe als Luxus, auf die zentralen Punkte etwa der Rechtfertigungs\u2013 oder der Abendmahlslehre zu dr\u00e4ngen. Wer wagt es angesichts der Probleme, die der weltweite Klimawandel mit sich bringen wird, intensiv \u00fcber \u201eErbs\u00fcnde\u201c nachzudenken? Wer beruft eine Konferenz zu \u201eAmt und Ordination\u201c ein, wenn irgendwo auf der Welt wieder einmal Menschen unter einem Krieg zu leiden haben? Wer will noch biblische Geschichten erz\u00e4hlen, wenn die Kinder erst einmal dringend Nachhilfe in Schreiben und Lesen brauchen? Und wer hat die Stirn, auf konfessionelle Unterschiede zu pochen, wenn das interreligi\u00f6se Gespr\u00e4ch als gro\u00dfe Aufgabe bevorsteht, um Terror und Gewalt zu verhindern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schickt man indes voraus, da\u00df es um genau all dieser Fragen willen notwendig ist, dann wird schnell klar, wie wenig es sich beim Stellen der genannten Fragen um einen Luxus handelt, wie wenig dabei die scheinbar dr\u00e4ngenderen Fragen aus dem Blick geraten. Vielmehr kommt man erst auch in diesen Fragen wirklich zu einer L\u00f6sung, wenn man sich vom Wort Gottes getragen wei\u00df, das in bestimmter und nicht in beliebiger Weise bekannt sein will. Kurz gesagt: Ethische Fragen lassen sich nur beantworten, wenn man von einem gewissen, also in Gewissheit geglaubten Fundament zu einem theologischen Urteil zu gelangen sucht. Wenn das GPS-Signal den Ausgangsort nicht finden kann, dann wird die freundliche TomTom-Dame einen auch nicht zum angegebenen Zielpunkt leiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies vorausgeschickt setze ich nun den Ausgangspunkt \u201eMartin Luther und seine reformatorischen Einsichten\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2 MartinMartin:<br \/>\nMartin Luther und seine reformatorischen Einsichten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ich von GPS gefunden werden kann, bedarf es nun der inhaltlichen F\u00fcllung dessen, was bis jetzt als \u201eevangelisch\u201c bezeichnet wurde und vollmundig als Frage von existenzieller Bedeutung. TomTom braucht einen Ort, eine Stra\u00dfe und eine Hausnummer. Drei Merkmale also, die zusammen einen eindeutigen und unverkennbaren Ausgangspunkt markieren. Um diese Merkmale herauszusch\u00e4len, gehe ich an verschiedenen, zentralen Texten Luthers entlang, die zugleich den gesamten reifen Luther repr\u00e4sentieren. Wenn Sie &#8211; mit Recht! &#8211; weitere, nicht minder zentrale Texte vermissen oder sich hier und da eine ausf\u00fchrlichere Darstellung w\u00fcnschen, dann sei noch erw\u00e4hnt, da\u00df ich TomTom den Hinweis \u201eschnellste Route\u201c eingegeben habe und wir ja in der Diskussion noch Zeit haben, das ein oder andere nachzuliefern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2.1 Der Ort: Die drei reformatorischen Hauptschriften von 1520<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitten in einer Situation, in der ihm eigentlich das Wasser bis zum Hals stand, schrieb Luther \u2013 so will ich das mal etwas pathetisch nennen \u2013 das Grundsatzprogramm der Reformation. Das ist, von den Inhalten mal ganz abgesehen, bemerkenswert genug. Den Bann klar vor Augen gestellt, l\u00e4\u00dft Luther sich nicht einsch\u00fcchtern; er schreibt im Gegenteil so, da\u00df es ihn Kopf und Kragen kosten kann. Er schreibt so Fundamentales, da\u00df die drei Schriften des Jahres 1520 zur Pflichtlekt\u00fcre jedes Theologen und jeder Theologin geh\u00f6ren sollten. In Abgrenzung gegen die traditionelle Theologie sch\u00e4rft er hier das reformatorische Profil, so da\u00df die Texte ganz besonders aufmerksam im Blick auf unsere Ausgangsfrage zu betrachten und zu befragen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der ersten der drei Schriften, in \u201eAn den christlichen Adel deutscher Nation\u201c, tritt Luther seinen Feldzug gegen die \u2013 wie er sie nennt \u2013 drei Mauern an, die das Papsttum und die r\u00f6mische Kirche im Laufe der Jahrhunderte um sich gezogen haben. Erste Mauer: die Behauptung, nichts und niemand k\u00f6nne ihnen ernsthaft ans Leder, schon gar nicht weltliche Gewalt, die ja weit unter ihr anzusiedeln sei; zweite Mauer: die Schrift k\u00f6nnen nur sie recht auslegen, mithin sei jedes gegen sie vorgebrachte und biblisch begr\u00fcndete Argument eigentlich gar keines und allenfalls in sehr ungesunder Weise zur\u00fcckschlagend; und dritte Mauer: da nur der Papst ein Konzil einberufen kann, ist auch darin keine Instanz zu sehen, die Rom ernsthaft gef\u00e4hrden k\u00f6nne. Luther karikiert Rom und das Papsttum als uneinnehmbare Festung Goliath, der er, David Luther, furchtlos und fest im Glauben mit einer Steinschleuder entgegentritt. Indes wie er das tut, das ist schon grandios. Denn seine Antwort auf diese drei Mauern ist so simpel wie \u00fcberzeugend: der Papst ist auch nur ein Mensch. Er irrt wie ein Mensch, er steht vor Gott wie ein Mensch, er lebt als Mensch unter anderen Menschen. Wie Luther dies aus der Schrift begr\u00fcndet, ist so wichtig und so mitrei\u00dfend, da\u00df ich es einfach zitieren mu\u00df: \u201e[A]lle Christen sind wahrhaftig geistlichen Standes und ist unter ihnen kein Unterschied auer allein des Amtes halber &#8230; Drum ist des Bischofs Weihe nichts anderes, als wenn er an Stelle und Person der ganzen Versammlung n\u00e4hme &#8211; die alle gleiche Gewalt haben &#8211; und ihm bef\u00f6hle, diese Gewalt f\u00fcr die anderen auszurichten. &#8230; Daher kommt, da\u00df in der Not ein jeglicher taufen und absolvieren kann, was nicht m\u00f6glich w\u00e4re, wenn wir nicht alle Priester w\u00e4ren. &#8230; Denn [und dieser Satz geh\u00f6rt zum Eindr\u00fccklichsten, was Luther geschrieben hat] was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich r\u00fchmen, da\u00df er schon zum Priester, Bischof und Papst geweihet sei, obwohl es nicht einem jeglichen ziemt, solch Amt auszu\u00fcben.\u201c (1) Diese Aussage wurde sp\u00e4ter mit dem ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Schlagwort des allgemeinen Priestertums aller Gl\u00e4ubigen pointiert. Was daraus in der Geschichte des Protestantismus geworden ist, wollen wir vielleicht lieber mit dem Mantel des h\u00f6flichen Schweigens bedecken. Merke: Luther hatte mit Demokratie in unserem Verst\u00e4ndnis nichts im Sinne. Und merke ferner: das presbyterial-synodale System kommt dem, was Luther meinte, recht nahe; nicht weniger, aber auch nicht mehr; denn statt einem Kirchenf\u00fcrsten zw\u00f6lf zu haben, verbessert die Sache nicht wirklich. Was Luther zum Ausdruck bringen wollte, das indes ist in der Tat programmatisch: Die Schrift macht keinen Klerus und Laien, sondern sie macht nur Priester. Wer immer &#8211; wunderbares Bild &#8211; aus der Taufe gekrochen kommt (nicht etwa stolz erhobenen Hauptes: Seht mal, das bin ich, ein frisch gebackener Christ!), der ist durch die Taufe geistlichen Standes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da also jeder geistlichen Standes ist, steht die Auslegungsf\u00e4higkeit auch nicht beim Papst und den Seinen, sondern bei jedem Christen. Wohlgemerkt: die Auslegungsf\u00e4higkeit. Die Auslegungsautorit\u00e4t liegt in der Schrift selbst, wie Luther nur wenig sp\u00e4ter in der \u201eAssertio omnium articulorum\u201c pointieren wird. Dort wird noch einmal eindr\u00fccklich jede menschliche Auslegungsleistung in die Schranken der Irrtumsf\u00e4higkeit gewiesen. Mehr noch aber werden an dieser Stelle Subjekt und Objekt der Auslegung in bisher nicht gekannter Weise vertauscht: Ausleger ist die Schrift \u2013 nicht der Mensch; und ausgelegt wird der Mensch \u2013 nicht die Schrift. Die Schrift pr\u00fcft, richtet und erleuchtet und legt darin den Menschen aus. Dabei ist das Ziel dieser speziellen Exegese der Glaube dessen, der sich mit der Schrift besch\u00e4ftigt. Das verdeutlicht, wie wenig es beim \u201eSchriftprinzip\u201c um irgendein formales principium geht, sondern wie viel mehr um eine inhaltliche, eine materiale Bestimmung, was \u201eSchrift\u201c ist und warum \u201eSchrift\u201c diesen Anspruch erheben kann, unum et primum principium (2) zu sein. \u201eSchrift\u201c meint demnach nicht etwas rein literarisch Fa\u00dfbares, sondern den in Buchstaben begegnenden Geist (3), das zur Schrift gewordene, lebendige und lebendig machende Wort Gottes, das als Gesetz und Evangelium den Menschen trifft. Und der Anspruch, erstes Prinzip der Christen zu sein (4), steht der Schrift eben deshalb zu, weil sie als Gottes Gesch\u00f6pf nicht nur historische Erz\u00e4hlung, nicht Geschichte ist, sondern ihr Wort Leben schafft und erh\u00e4lt. Das unterscheidet die Heilige Schrift von aller (!) anderen Schrift. Und das markiert nach Luther vor allem den Unterschied zu jeder menschlichen Tradition. Welche Anfragen an uns Protestanten sich daraus an unseren heutigen Umgang mit Schrift und eigener, auch reformatorischer Tradition ergeben, m\u00f6gen Sie einmal selbst in Ihrem Herzen bewegen. Die neu aufgeflackerte Kreationismusdebatte \u2013 ich habe sie in Gie\u00dfen unmittelbar vor der T\u00fcr \u2013 sei nur als ein Beispiel genannt, was hier etwa an Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der zweiten Hauptschrift des Jahres 1520, in \u201eDe captivitate ecclesiae\u201c, in der es prim\u00e4r um das Sakramentsverst\u00e4ndnis geht, entzieht Luther in einem Zuge der mittelalterlichen Ekklesiologie jedes Recht. Er macht in dieser Schrift unmi\u00dfverst\u00e4ndlich klar, da\u00df ein Sakrament ein Sakrament durch sein Einsetzungswort und sein spezifisches, sichtbares Zeichen ist und da\u00df es nicht durch den Vollzug des geweihten Priesters wirkt, sondern durch sein Verhei\u00dfungswort. Damit zog Luther der Kirche seiner Zeit den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg. Mit den Fundamentalkategorien Wort und Zeichen sowie Verhei\u00dfung und Glaube schaffte Luther ein irreversibles Gegen\u00fcber zum traditionellen Verst\u00e4ndnis. Das unterschiedene Beieinander der jeweiligen Begriffe ist unaufgebbar. Denn es geht dabei gar nicht in erster Linie um die Frage, was ein Sakrament ist; oder welche Sakramente es gibt; oder gar, wie die Sakramente recht zu gebrauchen sind. Es geht vielmehr und immer wieder um eine rechte Christologie. Wenn Luther in \u201eDe captivitate\u201c formuliert \u201e[I]n diesem Wort [i.e.: dem Stiftungswort Jesu Christi] und sonst in keinem anderen liegt die Kraft, Natur und das ganze Wesen der Messe. Alles andere ist menschlicher Eifer\u201c (5), dann gibt es kein Vertun: allein Christus und sonst nichts. Die ber\u00fchmten Exklusivpartikel der Reformation: sola scriptura, sola gratia und sola fide machen \u00fcberhaupt nur Sinn, wenn sie als hermeneutische, theologische und anthropologische Pointe verstanden werden, die in der Exklusivit\u00e4t des solus Christus ihren Ausgangspunkt haben. Wenn also Luther in De captivitate ein Sakrament so bestimmt, wie er es tut, wenn er indirekt Kirche so definiert, wie er es tut, dann tut er nichts anderes, als diese Exklusivit\u00e4t wiederum nicht zu Formalprinzipien erstarren zu lassen, sondern ihnen ihr unverr\u00fcckbares Fundament zu geben: Jesus Christus. Ob uns das bei der Feier des Heiligen Abendmahls immer so klar ist? Ob uns klar ist, welche ekklesiologische Spitze darin verborgen ist? Da\u00df etwa Kirche sich nicht in ihrer Sichtbarkeit ersch\u00f6pft, sondern ecclesia abscondita ist? Und da\u00df Christus allein Haupt der Kirche ist? Und da\u00df das Heil zwar nicht an der Person des Pfarrers oder der Pfarrerin h\u00e4ngt, sie aber dennoch sehr wohl eine besondere Rolle in der Gemeinde spielen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luthers dritter Text, \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c, ist sicher derjenige, der am nachhaltigsten und breitesten gewirkt hat und am liebsten mi\u00dfverstanden wurde. In ihr geht es um die Verh\u00e4ltnisbestimmung von Gott und Mensch und den Menschen untereinander. Die prominente Doppelthese zu Beginn \u201eEin Christenmensch ist ein freier Herr \u00fcber alle Dinge und niemand untertan. [und] Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.\u201c (6) bringt diese Relationen auf den Punkt. Die Doppelthese mit zwei sich scheinbar v\u00f6llig widersprechenden Aussagen ist kein Auszug aus dem noch zu schreibenden Buch \u201eWillkommen in Absurdistan\u201c. Im Gegenteil beschreibt sie die Realit\u00e4t des Christen aufs trefflichste, der als innerer und geistlicher im Glauben niemandem verantwortlich als seinem Gott und der als \u00e4u\u00dferer und leiblicher in der Liebe allen seinen Mitmenschen gegen\u00fcber verantwortlich ist. Das ist buchst\u00e4blich spannend und kann mit nichts verglichen werden, was in der traditionellen Theologie, in Mystik oder Scholastik, nicht einmal in der Theologie der Kirchenv\u00e4ter zu finden ist. Luther ist darin, dem Menschen solche Spannung zuzumuten und sie ihn aushalten zu lassen, f\u00fcr meine Begriffe unerreicht. Das Revolution\u00e4re daran ist, da\u00df alle herk\u00f6mmlichen Schemata von Gut und B\u00f6se, Freier und Sklave, innen und au\u00dfen usw. usf. aufgebrochen und in den Menschen selbst verlegt werden, der als S\u00fcnder und Gerechtfertigter zugleich (und beides ganz und gar) im Glauben nur ein wahres Gegen\u00fcber hat: seinen Gott, dem er im Gewissen begegnet. Dies allein befreit ihn aus der Unheilsspirale des Versuchs, sich selbst rechtfertigen zu m\u00fcssen im aussichtslosen Bem\u00fchen, das Gesetz zu erf\u00fcllen. Gott sieht nicht die Werke an, sondern die Person. Darin besteht christliche Freiheit, gute Werke um des N\u00e4chsten willen tun zu d\u00fcrfen, nicht um des Heils willen tun zu m\u00fcssen. Da\u00df gute Werke notwendig sind, daran l\u00e4\u00dft Luther keinen Zweifel. Aber er weist den Werken ihren Ort zu: Sie geschehen, weil der Mensch gerechtfertigt ist, nicht, damit er gerechtfertigt wird. Das erm\u00f6glicht es, die politische und gesellschaftliche Situation und ihre Probleme und Fragen eingehend zu analysieren und zu weiter vorausschauenden ethischen Urteilen und L\u00f6sungsans\u00e4tzen zu gelangen. Ethik aber braucht ein Fundament. Sonst sind diffuses und beliebiges Handeln die Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2.2 Die Stra\u00dfe: \u201eDe servo arbitrio\u201c von 1525<br \/>\nund die \u201eDisputatio de homine\u201c von 1536<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr 1525 ist f\u00fcr Luther in \u00e4hnlicher Weise brisant wie das Jahr 1520. Er ger\u00e4t durch innerreformatorische Unruhen und namentlich durch die Bauernkriege in die Kritik und auch in Selbstzweifel; er heiratet eine gefl\u00fcchtete Nonne und gibt damit den r\u00f6mischen Verd\u00e4chtigungen letzte Nahrung; und er setzt einen Schlu\u00dfstrich unter sein ohnehin etwas gespanntes Verh\u00e4ltnis zum Humanismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letzteres tut er mit einer seiner dichtesten und tiefsten Schriften, mit \u201eDe servo arbitrio\u201c \u2013 \u201eVom unfreien Willensverm\u00f6gen\u201c. Dort erweitert und profiliert er das bereits erw\u00e4hnte Schriftprinzip und macht noch deutlicher als in der Adelsschrift, da\u00df sich in dieser Frage nicht nur das Amtsverst\u00e4ndnis entscheidet, sondern das Verst\u00e4ndnis von Jesus Christus als Mitte der Schrift. Ja, es wird nun zur unverr\u00fcckbaren Gewissheit, da\u00df diese Themenkomplexe unl\u00f6slich ineinander verzahnt sind. Jede F\u00fcllung eines Themas der Ekklesiologie ist eine Konsequenz aus dem christologischen Verst\u00e4ndnis. In \u201eDe servo arbitrio\u201c entzieht er aber vor allem der mittelalterlichen Anthropologie \u2013 sowohl der scholastischen als auch der mystischen \u2013 jede Grundlage, indem er leugnet, es gebe im Menschen irgendeine von der S\u00fcnde unber\u00fchrte Kraft, die den Menschen dazu bringen k\u00f6nne, da\u00df er wolle, Gott sei Gott. Der Mensch kann, so spitzt Luther radikal zu, nur so wollen, wie Gott oder der Satan wollen, die um seinen Besitz k\u00e4mpfen und ihn als Reittier dorthin treiben, wohin sie ihn haben wollen. Diese Negation des freien Willensverm\u00f6gens \u2013 mit Konsequenzen bis in die Theodizeeproblematik hinein \u2013 ist die Spitze des Eisberges \u201eRechtfertigungsverst\u00e4ndnis\u201c. Wer begriffen hat, was es um die Rechtfertigung des Gottlosen ist, der kann schlechterdings kein freies Willenverm\u00f6gen behaupten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was \u201eRechtfertigung\u201c bedeutet, mu\u00df ich hier hoffentlich nicht eigens erl\u00e4utern und kann statt dessen zum n\u00e4chsten Merkmal reformatorischer Einsicht kommen: Diese Erfahrung der Rechtfertigung des Gottlosen ist so fundamental, da\u00df Luther mit Hilfe dieser Formel &#8211; ohne da\u00df sie zu einer blo\u00dfen Formalisierung erstarrt w\u00e4re &#8211; den Menschen definieren kann. In der \u201eDisputatio de homine\u201c aus dem Jahre 1536 schmettert Luther zun\u00e4chst die philosophische Definition des Menschen ab, der Mensch sei ein vernunftbegabtes, f\u00fchlendes Lebewesen. Freilich gelte diese Bestimmung &#8211; doch nur in hac vita, in diesem Leben. Der ganze Menschen jedoch sei definiert in dem Satz: homo iustificandus per fidem &#8211; der Mensch ist derjenige, der strukturell auf die Rechtfertigung durch Glauben angewiesen ist. Er ist ein Wesen in processu, ein geschichtliches Wesen, und er ist als von Gott Angeredeter dessen Ebenbild und wird darin zur Person. Nicht die Vernunft macht den Menschen zum Menschen &#8211; sondern die Anrede Gottes! Erst im iustificandus zeige sich &#8211; und das ist der entscheidende Aspekt &#8211; der gesamte Mensch und nicht nur ein Teil, wenn dieser Teil auch in der Welt und vor den Menschen sicher der vornehmste ist. Wie hier Luther und auf ihn sich berufende evangelische Theologie alles, wirklich alles weit hinter sich l\u00e4sst, was Philosophie, Psychologie, Soziologie und wie sie alle hei\u00dfen \u00fcber den Menschen aussagen k\u00f6nnen, kann ich an dieser Stelle nicht einmal andeuten. Nur so viel: Dem Menschen, vor allem, aber nicht ausschlie\u00dflich dem leidenden und verzweifelten, dem fragenden, dem angefochtenen Menschen wird hier ein Ausweg gezeigt, der seinesgleichen sucht. Diese Definition des Menschen als homo iustificandus, als Lebewesen, das unvermeidlich in einer Relation steht &#8211; oder es ist kein Mensch! -, er\u00f6ffnet dem Menschen R\u00e4ume und Zeiten, die ihm nichts anderes bieten kann. Diese Definition konstituiert christliche Freiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2.3 Die Hausnummer: Die Schmalkaldischen Artikel von 1536<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Schmalkaldischen Artikeln von 1536 macht Luther unmi\u00dfverst\u00e4ndlich reinen Tisch. Angesichts des ausgeschriebenen Konzils und aufgefordert von seinem Kurf\u00fcrsten, die zu diskutierenden Themen zu benennen, n\u00e4hert sich Luther Rom nicht an, sondern markiert im Gegenteil das un\u00fcberwindlich Gegens\u00e4tzliche. Es gibt vier Punkte in der theologischen Lehre, so Luther, an denen es mit Rom, mit der Papstkirche auf ewig zu keiner \u00dcbereinstimmung kommen wird: die Lehre vom Abendmahl, die Lehre vom p\u00e4pstlichen Primat, die Lehre von den M\u00f6nchsgel\u00fcbden &#8211; und an erster Stelle und vor allem: in der Lehre von der Rechtfertigung, die bei ihm bereits als solche definiert wird, mit der in der Kirche steht und f\u00e4llt. Eberhard J\u00fcngel hat den Begriff von der kriteriologischen Funktion der Rechtfertigungslehre gepr\u00e4gt, der genau dies meint: Vom Rechtfertigungsverst\u00e4ndnis her erschlie\u00dft sich die gesamte Theologie. Auch das Verst\u00e4ndnis des Amtes in der Kirche, das im 16. Jahrhundert vornehmlich in der Frage nach dem p\u00e4pstlichen Primatsanspruch besteht. Luther poltert diesbez\u00fcglich mit einer Sprache, die keinen Widerspruch duldet, \u201e[d]a\u00df der Papst nicht \u201ajure divino\u2018 oder aus Gottes Wort das Haupt der ganzen Christenheit sei &#8211; denn das geh\u00f6rt einem allein zu, der hei\u00dft Jesus Christus -, sondern allein Bischof oder Pfarrherr der Kirche zu Rom und derjenigen, die sich freiwillig oder durch menschliche Kreatur &#8211; das ist weltliche Obrigkeit &#8211; zu ihm begeben haben, um nicht unter ihm als einem Herrn, sondern neben ihm als einem Bruder und Gesellen\u201c. (7) In diesem Zusammenhang wird der Papst einmal mehr als uneinsichtig bezeichnet und daher als Antichrist charakterisiert, dem zu widerstehen sei, was Luther in seinen letzten Lebensjahren dann noch einmal zu einer erbitterten Polemik f\u00fchren wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther ist in diesem Text ausgesprochen illusionslos: \u201eauf ewig keine Einigung\u201c meint bei ihm in der Tat \u201eauf ewig\u201c. Kann man nach diesen reformatorischen Einsichten aus \u00fcberhaupt noch von \u201e\u00f6kumenischen Aussichten\u201c sprechen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3 BenediktBenedikt: Rom<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Navigationssystem ist nun also mit den Daten des Ausgangsortes gef\u00fcttert. Wir haben unverr\u00fcckbare Merkmale protestantischen Profils festgestellt, an die sich weitere ankn\u00fcpfen lie\u00dfen; um noch einmal nur die wichtigsten zu nennen: die Rechfertigung des Gottlosen sola fide; die Fundamentalunterscheidungen von Person und Werk sowie von Gebundenheit und Freiheit; die Negation eines feien Willensverm\u00f6gens und damit verbunden zahlreiche weitere Grundaussagen \u00fcber Gott und den Menschen; das Schriftprinzip; die Unterscheidung von Stand und Amt; eine Ekklesiologie, die ihre inhaltliche Spitze \u2013 wie alle anderen Lehrst\u00fccke auch \u2013 in einer radikal soteriologisch verstandenen Christologie hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir danach \u201eRom\u201c als Zielort unserer \u00f6kumenischen Reise angeben w\u00fcrden, geriete das Navi in arge Schwierigkeiten. Denn Rom kann nach dem bisher Konstatierten unm\u00f6glich das zu erreichende Ziel sein. Jedenfalls im 16. Jahrhundert nicht. Aber vielleicht doch heute? Ich darf gleich sagen, da\u00df ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, wie wenig weiter wir heute sind als im 16. Jahrhundert. Und darum bin ich in gewisser Hinsicht froh, denn das k\u00f6nnte ja nicht nur ein Zeichen f\u00fcr einen konfessionellen D\u00fcnkel sein, sondern auch daf\u00fcr, da\u00df es damals schon um eine nicht nebens\u00e4chliche Sache ging und auch heute noch wirklich um die Sache gerungen wird. Um nun meinen Eindruck zu begr\u00fcnden, will ich einen Blick in das heutige Rom, fast 500 Jahre nach Luther, werfen und \u00fcberlegen, was sich von Luthers reformatorischen Einsichten her f\u00fcr \u00f6kumenische Aussichten ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie gestatten, da\u00df ich dabei gleich auf den neuralgischen Punkt zusteuere: der Papst. Genauer: dieser Papst. Seit Deutschland in einem \u201eWir-sind-Papst\u201c-Selbstbewu\u00dftseinsrausch schwelgt, ist das h\u00f6chste Amt in der r\u00f6misch-katholischen Kirche wieder zu einem ausgesprochen deutschen Problem geworden. Alle lieben diesen bescheiden und bestimmt zugleich auftretenden Benedikt, ihn nicht zu lieben, gar kritisch anzufragen scheint unm\u00f6glich geworden zu sein, vor allem nach seinem ziemlich sympathischen Auftreten bei seinem Heimatbesuch im letzten Jahr. Ich gestehe es: Auch ich habe begeistert vor dem Fernseher gesessen und h\u00e4tte ihm einfach mal gerne die Hand gedr\u00fcckt. Ich h\u00e4tte allerdings auch gerne ein bi\u00dfchen mit ihm diskutiert. Denn nur allzu leicht vergisst man, da\u00df Joseph Ratzinger zu den Hardlinern im Vatikan geh\u00f6rte und wie kaum ein anderer der \u00d6kumene der letzten Jahrzehnte so manchen falschen Wind aus den \u00fcberm\u00fctig gebl\u00e4hten Segeln genommen hat. Ich erinnere nur an \u201eDominus Iesus\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen Sie mich zur Illustration des Problems eine Szene schildern: \u201eWorum geht es bei der Wiederherstellung der Einheit aller Christen? Die katholische Kirche erstrebt das Erreichen der vollen sichtbaren Einheit der J\u00fcnger Christi, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil in verschiedenen Dokumenten definiert hat [&#8230;]. Diese Einheit besteht nach unserer \u00dcberzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche.\u201c (8) Es ist gar nicht lange her, seit sich Benedikt XVI. so ge\u00e4u\u00dfert hat, und zwar hochoffiziell in seiner Ansprache beim \u00f6kumenischen Treffen mit Vertretern christlicher Kirchen anl\u00e4sslich des XX. Weltjugendtages in K\u00f6ln. Im erzbisch\u00f6flichen Palais hat sich niemand besonders dar\u00fcber aufgeregt, weil das wohl auch kaum zum guten diplomatischen Ton geh\u00f6rt h\u00e4tte. Und au\u00dferhalb des Palais verschwand diese \u00c4u\u00dferung neben dem viel bedeutenderen Besuch der K\u00f6lner Synagoge. H\u00e4tte es Mahner, Warner und Erinnerer gegeben, so w\u00e4ren sie mit Sicherheit niederskandiert worden von den frenetischen \u201eBenedetto\u201c-Rufen; und selbst denjenigen, die mit einer unbeirrbaren Hermeneutik des Verdachts alles verd\u00e4chtigen, was je aus Rom verlaut\u2013 oder verleisbarte, w\u00e4re es bei der samstagabendlichen Vigilfeier viel zu warm ums Herz geworden, um sich noch \u00fcber irgendetwas aufzuregen. Solange Rom sich so perfekt inszeniert wie beim Sterben des alten und beim Machen des neuen Papstes sowie seitdem immer wieder, besonders beim bereits erw\u00e4hnten Heimatbesuches Benedikts, und solange die ansonsten kritischen Medien, davon sanft eingelullt, wie selbstverst\u00e4ndlich \u201eKirche\u201c mit \u201eRom\u201c und \u201ePapst\u201c identifizieren, haben Mahner, Warner und Erinnerer nur eine geringe Chance. Dabei h\u00e4tte diese \u00c4u\u00dferung beim Weltjugendtag durchaus stutzig machen k\u00f6nnen. Sie verdeutlicht, da\u00df Benedikt XVI. genau wie sein Vorg\u00e4nger nie einen Zweifel daran gelassen hat, da\u00df er die \u00fcber Jahrhunderte gewachsene und in Vatikanum I zementierte Vorrangstellung des R\u00f6mischen Bischofs in keiner Weise in Frage stellen w\u00fcrde. In der r\u00f6mischen Kirche \u201esubsistit\u201c die wahre Kirche \u2013 Ratzinger geh\u00f6rte zu den Hardliner-Interpreten dieses schwierigen Wortes \u201esubsistit\u201c, und das meint: Rom ist die wahre Kirche. In dieser r\u00f6mischen Kirche ist der R\u00f6mische Bischof in der Gemeinschaft mit den Bisch\u00f6fen das unangefochtene Haupt, und dessen Aufgabe versteht Benedikt vor allem als Einheitsamt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweites Beispiel: die inzwischen ber\u00fchmte Regensburger Vorlesung Benedikts. Sie ist zu einem Aufreger sondergleichen geworden, weil sich muslimische Vertreter von den \u00c4u\u00dferungen des Papstes auf den Schlips getreten f\u00fchlten. Mal ganz davon abgesehen, da\u00df dieses ganze Spiel eine wunderbare Vorbereitung f\u00fcr Benedikts T\u00fcrkeibesuch wurde und der r\u00f6mische Papst wieder einmal als Vertreter der und K\u00e4mpfer f\u00fcr die gesamte Christenheit erscheinen konnte (wobei diese Absicht nat\u00fcrlich keiner unterstellen w\u00fcrde), und mal ganz davon abgesehen, da\u00df die Rede einfach methodisch schlecht war, weil sie unn\u00f6tig zwei Themenbereiche miteinander gekoppelt hatte (was nat\u00fcrlich erst recht niemand laut sagen w\u00fcrde) \u2013 ganz davon abgesehen h\u00e4tten protestantische Vertreter durchaus auch beleidigt sein k\u00f6nnen, da\u00df der Reformation so ganz en passant in die Schuhe geschoben wurde, sie seien in der westlichen Welt f\u00fcr den Abbruch des fruchtbaren Zusammens von Glaube und Vernunft verantwortlich. Das ist eine grobe Verzeichnung des reformatorischen Verst\u00e4ndnisses sowohl von Glaube als auch von Vernunft, wie der minimale Einblick etwa in Luthers \u201eDisputatio de homine\u201c gezeigt haben d\u00fcrfte. Aber: Kein protestantischer Kirchenf\u00fcrst sah sich provoziert, an Benedikt zumindest einmal eine kritische Anfrage zu stellen. Woran liegt dieses seltsame Schweigen dem Mann aus Rom gegen\u00fcber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit bin ich bei der ersten Schwierigkeit, der gro\u00dfen Spannung, in der ein Gespr\u00e4ch zwischen \u2013 Sie erlauben, da\u00df ich auch 500 Jahre die St\u00e4dtenamen noch als Chiffren f\u00fcr bestimmte Inhalte verwende \u2013 \u201eWittenberg\u201c und \u201eRom\u201c immer wieder befindet. Das Priestertum aller Getauften ist unverzichtbares Gut protestantischer Identit\u00e4t. Und das gilt es im \u00f6kumenischen Dialog, der keinem faulen Kompromi\u00df zustrebt, sondern einer echten L\u00f6sung, kenntlich zu machen. Genauso wird Rom nicht gut auf sein Verst\u00e4ndnis verzichten k\u00f6nnen, ohne wesentliche Elemente der eigenen Identit\u00e4t wegbrechen zu lassen. Es w\u00e4re vermessen, von den R\u00f6misch-Katholischen zu erwarten, sie k\u00f6nnten den Papst so mir nichts dir nichts \u00fcber Bord werfen. Zeichen konfessioneller R\u00fccksicht dagegen w\u00e4re es, diesen Fundamentaldissens im Amtsverst\u00e4ndnis zu akzeptieren und zu \u00fcberlegen, was dennoch m\u00f6glich ist. Zugegeben: Es ist beeindruckend, welche Faszination vom Papstamt ausgeht, und es nicht minder faszinierend, Gl\u00e4ubigen auf der ganzen Welt zuzusehen, wie sie angesichts eines Herrn in Wei\u00df in Verz\u00fcckung geraten. Der Papst als Medienereignis, der eilige Vater unterwegs auf der ganzen Welt, um Frieden und Vers\u00f6hnung zu predigen, ein Kirchenoberer, dem diese Welt zuh\u00f6rt beim Gebet \u2013 das alles haben wir nicht zu bieten, und es ist bedenklich, wie wenig pr\u00e4sent Kirche \u00fcberhaupt und evangelische Kirche insbesondere in bundesdeutschen Fernsehanstalten ist \u2013 von der Vorzeigebisch\u00f6fin Margot K\u00e4\u00dfmann mal abgesehen. In Talkshows werden gerne Vertreter des r\u00f6mischen Katholizismus eingeladen, weil die rein \u00e4u\u00dferlich leichter als Kirchenvertreter zu erkennen sind, neuerdings ist es der sympathische Abtprimas Notker Wolf im Benediktinergewand, der f\u00fcr alles Ethisch-Moralische herhalten mu\u00df. Ich denke, auf diesem Gebiet mu\u00df evangelische Kirche viel aktiver und durchaus auch aggressiver werden und sich vom Papst nicht den Schneid abkaufen lassen. Sicher: Wir werden wohl nie so \u00e4u\u00dferlich h\u00fcbsche Medienereignisse wie die erw\u00e4hnte Vigilfeier hinkriegen. Aber ein bi\u00dfchen mehr davon und hin und wieder ein Versuch, die Bedeutung des Wortes zu visualisieren, kann nichts schaden. Und: Das kann nur funktionieren, wenn der Amtsinhaber v\u00f6llig hinter seinem Amt zur\u00fccktritt. F\u00fcr unsere Frage nach der \u00d6kumene hei\u00dft das also: Das Selbstverst\u00e4ndnis des r\u00f6mischen Bischofs geh\u00f6rt zu den vordringlich zu kl\u00e4renden Fragen, ohne die alles andere in der \u00f6kumenischen Beziehung nicht recht funktionieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir schon mitten in der n\u00e4chsten Schwierigkeit: dem Kirchenverst\u00e4ndnis. \u00dcber den Kirchenbegriff ist im Zusammenhang mit j\u00fcngeren \u00c4u\u00dferungen aus Rom viel nachgedacht worden, und man kann Ratzinger und Co. nur dankbar sein, da\u00df der an dieser Stelle sanft entschlafene Protestantismus aufger\u00fcttelt und zu eben diesem Nachdenken angeregt worden ist. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das ist keineswegs ironisch gemeint. Ich jedenfalls bin immer und sehr dankbar f\u00fcr klare Positionen, an denen man knabbern kann. Die tiefe Einsicht Luthers besagt: Kirche als Leib Christi ist in keiner sichtbaren Kirche verwirklicht. Und doch in jeder Gemeinschaft, in der zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind. Das ist eine Spannung, die in dem \u201esimul iustus et peccator\u201c, dem \u201egerecht und S\u00fcnder zugleich\u201c begr\u00fcndet ist und die wir schlicht und ergreifend aushalten m\u00fcssen. Nachdem wir \u00fcber das Amtsverst\u00e4ndnis als bleibenden Stolperstein im Gespr\u00e4ch mit Rom schon gesprochen haben, ergeben sich daraus nun zwei neue Probleme: Die Frage, was Kirche ist, mu\u00df wegen des Selbstanspruchs Roms, einzig wahre Kirche zu sein, mit aller Vehemenz gestellt und beantwortet werden. Das \u00d6kumenismusdekret des 2. Vatikanischen Konzils spricht \u00fcber andere christliche Gemeinschaften als die r\u00f6misch-katholische Kirche dezidiert nicht von Kirche oder Kirchen. Das hat sich bis heute gehalten: Benedikt XVI. hat in Begegnungen, in gemeinsame Feiern und bei Reden zu verschiedenen Anl\u00e4ssen keinen Zweifel daran gelassen, da\u00df \u201ekatholische Kirche\u201c f\u00fcr ihn gleich bedeutend ist mit \u201er\u00f6misch-katholischer Kirche\u201c. Die eine und wahre und apostolische und heilige Kirche ist die Kirche Roms und sonst keine. Das l\u00e4\u00dft sich mit dem evangelischen Verst\u00e4ndnis nicht vereinbaren und f\u00fchrt zum n\u00e4chsten Problem: der Verunm\u00f6glichung eines gemeinsamen Abendmahls. Wer die \u00f6kumenische Diskussion der letzten Jahre verfolgt hat, der wei\u00df, welchen Stellenwert die Frage nach dem Sakrament in der konfessionellen Auseinandersetzung hat. Zu recht, denn daran ist nichts Geringes gekn\u00fcpft. Gerade aber in der hei\u00dfen Diskussion um ein \u00f6kumenisches Abendmahl \u2013 namentlich im Kontext des \u00d6kumenischen Kirchentages \u2013 hat sich mitunter eine erschreckende Ignoranz auf evangelischer Seite gezeigt. Und zwar im Blick auf das eigene Abendmahlsverst\u00e4ndnis wie auch im Blick auf das r\u00f6misch-katholische. Konfessionelle R\u00fccksicht gebietet hingegen, die tiefe Bedeutung zu verstehen zu versuchen, die in der katholischen Kirche der Eucharistie beigemessen wird. Das Mysterium der Eucharistie, von Vatikanum II als Richtscheit f\u00fcr wahren Glauben und wahre Kirche definiert, kann nicht einfach ohne Verluste durch ein \u00f6kumenisches Abendmahl ersetzt werden. Hier war der Kirchentag nicht nur zu optimistisch, sondern auch zu voreilig und zu leichtsinnig, und ich kann verstehen, da\u00df \u2013 ausgerechnet \u2013 am Gr\u00fcndonnerstag 2003 eine entsprechende Besinnung zur Eucharistie mit unverhohlener Warnung aus Rom geflattert kam. Die Pr\u00e4misse selbst der insgesamt sicher progressiver einzusch\u00e4tzenden deutschen Bisch\u00f6fe, ihnen voran der Mainzer Kardinal Lehmann, da\u00df es keine Kircheneinheit ohne Lehreinheit gebe, ist nicht nur innerhalb des Systems \u201er\u00f6mischer Katholizismus\u201c unverzichtbar. Ob eine eucharistische Gastfreundschaft nicht dennoch m\u00f6glich w\u00e4re, sei einmal dahingestellt. Ich w\u00fcrde sie mir jedenfalls w\u00fcnschen, halte aber etwa eine evangelisch-r\u00f6misch-katholische Konzelebration f\u00fcr einen theologischen Gewaltakt, der vermieden werden sollte, ja, um der Sache willen vermeiden werden mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit bin ich beim eigentlichen Knackpunkt. Luther mahnt eindringlich \u00fcber den Spalt der Jahrhunderte hinweg, im Blick zu behalten, da\u00df es bei all dem immer um Christus geht. Das ist reformatorische Einsicht einer Theologie, die in den Sakramenten deshalb Kraft und Trost erblickt, weil in ihnen Christus durch sein Wort und Zeichen begegnet, der durch dieses Wort und durch diese Zeichen Kirche schafft, die durch seine Gegenwart heilig und gerecht und durch die Gegenwart der Menschen zugleich s\u00fcndig ist. Immer also geht es zuerst und zuletzt um Christus. Das klingt so selbstverst\u00e4ndlich. Nat\u00fcrlich geht es um Christus. Aber meinen f\u00fcnf verschiedene Menschen dasselbe, wenn sie \u201eChristus\u201c sagen? Die \u00f6kumenische Diskussion hat immer wieder Glauben gemacht, da\u00df es wenigstens einen Bereich gibt, in dem nicht zu hinterfragende Einigkeit zwischen den Konfessionen besteht: das Gottes- und Christusbild. Das ist gewi\u00df auch richtig hinsichtlich der Tatsache, da\u00df Gott der Sch\u00f6pfer ist, da\u00df Gott dreieinig ist, da\u00df Christus Gottes Sohn und wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich ist, da\u00df er gelebt und gewirkt hat, gekreuzigt, gestorben und begraben und auferstanden ist und zur Rechten Gottes sitzt, von wo er zum Gericht wiederkommen wird. Und das ist ja schon mal was. Was sich aber hinter diesen Attributen bzgl. des Heilsgeschehens verbirgt \u2013 wenn da ebenfalls Einigkeit best\u00fcnde, dann ist es mir schlechterdings schleierhaft, warum immer noch Gegens\u00e4tze bestehen im Kirchen- und Amtsverst\u00e4ndnis, im Rechtfertigungsverst\u00e4ndnis, im Sakramentsverst\u00e4ndnis. Es ist Luthers Verdienst, diesen unaufl\u00f6slichen Zusammenhang zwischen Christologie und allen anderen \u201e-logien\u201c der Theologie benannt und damit Jesus Christus und das Heilsgeschehen, die von dort neu zu bestimmende Relation zwischen Gott und Mensch ins Zentrum der Betrachtung ger\u00fcckt zu haben. Der Rechtfertigungsartikel kann nur deshalb zum articulus stantis et cadentis ecclesiae werden, weil es in ihm um Christus geht. Mir scheint, da\u00df dieser Zusammenhang nicht mehr recht im Bewu\u00dftsein ist. Nicht zuletzt eben deshalb, weil man wahrscheinlich froh ist, im \u00f6kumenischen Dialog nicht noch ein Fa\u00df aufmachen zu m\u00fcssen. Mir scheint es aber dringlich geboten, sich davor nicht zu scheuen, denn wenn man es nicht tut, dann ist bzw. wird der Wein in den anderen F\u00e4ssern faul.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kritische Anfrage sei zuerst an den Protestantismus unserer Tage gestellt: Wie ernst ist es uns mit diesem Christus? Bei aller Notwendigkeit, \u00fcber die \u00fcberhaupt nicht diskutiert werden oder die in keiner Weise hinterfragt werden darf , bei aller Notwendigkeit des christlich-j\u00fcdischen, des christlich-islamischen, \u00fcberhaupt des interreligi\u00f6sen Dialogs: Welche Rolle spielt es dabei, da\u00df wir als Christen diesen Christus zu bekennen und zu bezeugen haben? Verstehen wir, was das hei\u00dft: sola gratia und sola fide? Wollen wir das \u00fcberhaupt? Sind wir willens und in der Lage, in den politischen und gesellschaftlichen Diskursen unserer Zeit ausgehend von einer christologischen Basis zu argumentieren? Ist bei uns dieser Christus nicht l\u00e4ngst zu einem historisch beschreibbaren, ausgesprochen vorbildhaften Menschen verkommen? Vertrauen wir noch darauf, da\u00df er am Kreuz Erl\u00f6sung geschaffen hat? Was bedeutet es uns noch, dieses Kreuz, au\u00dfer da\u00df es ein h\u00fcbsches Schmuckst\u00fcck ist? Genauso kritisch mu\u00df aber auch an den r\u00f6mischen Katholizismus die Frage gestellt werden, was ihm dieser Christus im Blick auf die Erl\u00f6sung bedeutet. Damit ist nat\u00fcrlich das weite Feld der Rechtfertigungslehre beschritten. Es ist viel dar\u00fcber diskutiert worden, ob Protestanten und Katholiken sich \u00fcber die Frage der Rolle von Gnade, Glaube und gutem Werk nicht viel n\u00e4her sein, als so verbohrte Dogmatiker behaupten. Dazu kann ich nur kalauernd und leicht karikierend sagen: Wer das denkt, der hat \u201ePesch\u201c gehabt. In der Tat werden die Lehre von der Rechtfertigung und von der christlichen Freiheit zum Pr\u00fcfstein daf\u00fcr, ob und wie sehr man begriffen hat, was es um Gott, den Menschen, die S\u00fcnde und die Erl\u00f6sung durch Jesus Christus ist. Da reicht es nicht zu vermuten, da\u00df dann, wenn Luther Thomas von Aquin gelesen h\u00e4tte, das alles nicht passiert w\u00e4re. Was Thomas lehrt, ist etwas fundamental anderes als das, was Luther glaubt, aus der Hl. Schrift herauslesen zu k\u00f6nnen. Die Reformation war kein theologiegeschichtlicher Unfall &#8211; das so darzustellen hei\u00dft, weder Luther noch Thomas gerecht zu werden. Und wenn man sich die \u2013 ja vielleicht auch nicht zuf\u00e4llig ziemlich wirkungslose \u2013 Gemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre anschaut: Wie kann man von \u00dcbereinstimmung in Grundwahrheiten sprechen, wenn dann unterschiedliche Konsequenzen daraus gezogen werden? Das ist f\u00fcr mich ein hermeneutisches Unding. Die reformatorische Einsicht in das Wie der Relation Gott-Mensch l\u00e4sst f\u00fcr ein solches Unding keinen Raum: Entweder es geschieht Rechtfertigung allein aus Glauben durch Christus \u2013 oder nicht. Hier ist um der Sache willen kein Kompromiss m\u00f6glich. Und die konfessionelle R\u00fccksicht mu\u00df anerkennen, da\u00df an dieser Stelle der katholische Gespr\u00e4chspartner um der Sache willen ebensowenig Kompromisse schlie\u00dfen kann. Sein Verst\u00e4ndnis vom Menschen, gerade im Blick auf S\u00fcnde und freies Willensverm\u00f6gen, scheint mir deutlich ein anderes zu sein, das mit dem lutherischen schlechterdings nicht kompatibel ist. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das viel beachtete und h\u00f6chst gelobte Grundsatzpapier Benedikts XVI., seine Enzyklika \u201eDeus caritas est\u201c vom 25.12.2005, beinhaltet in der Tat viel beachtliches und Bedenkenswertes zum Thema \u201eLiebe\u201c im christlichen Sinne. Auch Christus kommt in diesem Papier vor. Auch. An mindestens zwei Stellen aber wird dem aufmerksamen Leser klar, welche vergleichsweise untergeordnete Rolle Christus spielt \u2013 jedenfalls, wenn man einen reformatorischen Ma\u00dfstab ansetzt. Etwa an folgender Stelle, wo das freie Willensverm\u00f6gen positiv ins spiel gebracht wird: \u201eDie Erkenntnis des lebendigen Gottes ist Weg zur Liebe, und das Ja unseres Willens zu seinem Willen einigt Verstand, Wille und Gef\u00fchl zum ganzheitlichen Akt der Liebe. Dies ist freilich ein Vorgang, der fortw\u00e4hrend unterwegs bleibt: Liebe ist niemals \u201afertig\u2019 und vollendet; sie wandelt sich im Lauf des Lebens, reift und bleibt sich gerade dadurch treu. Idem velle atque idem nolle \u2013 dasselbe wollen und dasselbe abweisen \u2013 das haben die Alten als eigentlichen Inhalt der Liebe definiert: das Einander-\u00e4hnlich-Werden, das zur Gemeinsamkeit des Wollens und des Denkens f\u00fchrt. Die Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch besteht eben darin, diese Willensgemeinschaft in der Gemeinschaft des Denkens und F\u00fchlens w\u00e4chst und so unser Wollen und Gottes Wille immer mehr ineinanderfallen: der Wille Gottes nicht mehr ein Fremdwille ist f\u00fcr mich, den mir Gebote von au\u00dfen auferlegen, sondern mein eigener Wille aus der Erfahrung heraus, in der Tat Gott mir innerlicher ist als ich mir selbst.\u201c Und noch deutlicher an exponierter Stelle, am Schlu\u00df, an der kein Gebet zu Jesus, sondern zu Maria zu finden ist: \u201eHeilige Maria, Mutter Gottes, du hast der Welt das wahre Licht geschenkt, Jesus, deinen Sohn \u2013 Gottes Sohn. Du hast dich ganz dem Ruf Gottes \u00fcberantwortet und bist so zum Quell der G\u00fcte geworden, die aus ihm str\u00f6mt. Zeige uns Jesus. F\u00fchre uns zu ihm. Lehre uns ihn kennen und ihn lieben, damit auch wir selbst wahrhaft Liebende und Quelle lebendigen Wassers werden k\u00f6nnen inmitten einer d\u00fcrstenden Welt.\u201c Hier schl\u00e4gt sich eine Sicht nieder, die mit reformatorischem anliegen kaum vereinbar scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Schluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt? Jetzt schweigt unser Navigationsger\u00e4t auf ewig, die TomTom-Dame v\u00f6llig verwirrt und ratlos, weil es keinen \u00f6kumenischen Weg zu geben scheint, wenn beide Seiten es ernst meinen? Keine Chance f\u00fcr die \u00d6kumene? Da kann ich nur sagen: Weit gefehlt! Allerdings glaube ich nicht, da\u00df wir in absehbarer Zeit eine sichtbar einheitliche Kirche erreichen. Was denn aber dann? Lassen Sie mich dazu abschlie\u00dfend einige knappe Thesen aufstellen, gespeist aus reformatorischer Einsicht und \u00f6kumenischer Hoffnung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Klarheit<\/strong>. \u201eUm Gottes willen: Klarheit!\u201c Dieser Seufzer stammt nicht von mir. Eberhard J\u00fcngel hat ihn getan im Kontext der Debatten um die Gemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre. Und recht hat er! Es kann nicht angehen, da\u00df wir Evangelischen und Katholischen umeinander d\u00fcmpeln, ohne zu wissen, was der andere glaubt. Die Verunsicherungen \u2013 wenn wir nicht gerade Professoren der Theologie sind, und selbst da habe ich Zweifel \u2013 sind diesbez\u00fcglich sehr gro\u00df, noch gr\u00f6\u00dfer nat\u00fcrlich unter allen, die wenig kirchlich sozialisiert sind. Aber es w\u00e4chst zunehmend das Bed\u00fcrfnis, etwas \u00fcber die anderen zu erfahren. Diesem Bed\u00fcrfnis sollten wir entsprechen und Klarheit schaffen, wo immer es uns m\u00f6glich ist. Wir d\u00fcrfen uns nicht genieren, scheinbar Selbstverst\u00e4ndliches zu thematisieren \u2013 wir werden \u00fcberrascht sein, wie wenig uns \u00fcber uns selbst und erst recht \u00fcber die anderen tats\u00e4chlich selbstverst\u00e4ndlich ist. Der \u00f6kumenische Dialog lebt davon, da\u00df wir mehr \u00fcbereinander erfahren wollen. Ob wir es dann wirklich verstehen, gar akzeptieren, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber es scheint mir auf jeden Fall erstrebenswert, den ersten Schritt vor dem zweiten und dritten zu tun, und zwar auf allen Ebenen. Und es mu\u00df bewu\u00dft sein: Es gibt keine Klarheit ohne Pointen, und Pointen k\u00f6nnen schmerzen. Wenn aber gleichzeitig bewu\u00dft ist, da\u00df es dabei um die Sache und nicht um Personen geht, dann ist es m\u00f6glich, den Dialog ohne Beleidigungen und Verletzungen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Dialog.<\/strong> Da\u00df wir, Protestanten und Katholiken, miteinander reden, ist eine von diesen Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, die wir, ohne weiter dar\u00fcber nachzudenken, hinnehmen. Schauen wir uns andere L\u00e4nder an, in denen das nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, dann sollten wir Dankbarkeit daf\u00fcr lernen, da\u00df wir dies k\u00f6nnen. Ich erinnere nur an Nordirland. Der Dialog zur Kl\u00e4rung der Sache, um die es geht, bleibt unverzichtbares Mittel der Verst\u00e4ndigung. Meinen Wunsch an die r\u00f6misch-katholische Kirche an dieser Stelle m\u00f6chte ich allerdings nicht verhehlen: Wir m\u00f6chten und m\u00fcssen als gleichberechtigter Gespr\u00e4chspartner anerkannt werden. Wo uns das Kirche-Sein abgesprochen wird, scheint dies schlecht m\u00f6glich zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Differenzierung.<\/strong> Nat\u00fcrlich gibt es in beiden Konfessionen eine riesige Bandbreite an Meinungen. Das macht es nicht immer leicht. Ein oft geh\u00f6rtes Argument im Dialog ist: Was die da in Rom machen, das geht uns nichts an. Das scheint mir in der Tat zu einfach. Wenn ein Priester in seiner Gemeinde auch evangelische Christen zur Eucharistie zul\u00e4\u00dft, dann mu\u00df er genauso wie diese evangelischen Christen wissen, was er da tut. Und im offiziellen Dialog nutzt es gar nichts, wenn Pfarrerin X und Priester Y vor Ort ganz anders denken und handeln als Kirchenleitungen und Bischof. Au\u00dferdem kann das ebenso beruhigend sein wie beunruhigend. Dennoch ist es nat\u00fcrlich wichtig, eine Vielzahl von Stimmen zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Themen.<\/strong> Der \u00f6kumenische Dialog scheint nach \u00fcber 40 Jahren ein wenig in die Sackgasse geraten zu sein. Es wird wichtig sein, jetzt erneut \u00fcber die Themen nachzudenken, \u00fcber die zuk\u00fcnftig verhandelt werden soll. Rom hat sehr deutlich gezeigt, welche das sein m\u00fcssen, und Rom hat recht. Wir m\u00fcssen \u00fcber das Amt und den p\u00e4pstlichen Primat reden und nicht nur in diesem Kontext \u00fcber das Schriftverst\u00e4ndnis; wir m\u00fcssen \u00fcber den Kirchenbegriff und die Sakramente reden; und wir m\u00fcssen immer wieder \u00fcber die Relation Gott-Mensch reden und damit \u00fcber S\u00fcnde, Gnade und Rechtfertigung, \u00fcber Anthropologie und Soteriologie. Dazu m\u00fcssen wir das Rad nicht neu erfinden. Es haben bereits Dialoge auf vielf\u00e4ltiger Ebene statt gefunden, die als Hilfe dienen k\u00f6nnen. Aber es wird n\u00f6tig sein, den Dialog an die Fundamente zur\u00fcckzuf\u00fchren um der Sache willen. Deshalb m\u00fcssen es Theologen und Theologinnen auf beiden Seiten wagen, zu den genannten Fundamentalthemen zu schreiben, zu reden, zu lehren, in allen Disziplinen und \u00fcber den eigenen Tellerrand hinaus. Luther hat verdeutlicht, da\u00df ein solches Nachdenken kein Luxus ist angesichts der N\u00f6te der Welt, sondern unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr ein verantwortungsvolles Handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Phantasie.<\/strong> Auf offizieller Ebene ist schon eine Menge erm\u00f6glicht worden, es hat nach dem 2. Vatikanischen Konzil einen ungeheuren Aufbruch gegeben, der seine Spuren hinterlassen hat. Das ist unbestreitbar so und kann nicht dankbar genug hervorgehoben werden. Aber es ist ebenso zu erkennen, da\u00df diese offizielle Ebene auf beiden Seiten und aus guten Gr\u00fcnden in absehbarer Zeit nicht viel mehr zulassen wird. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Not macht erfinderisch. Das hei\u00dft nicht, aus der Not eine Tugend zu machen, sondern kreativ und gemeinsam dar\u00fcber nachzudenken, welche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Miteinander es dennoch gibt. Die Vergangenheit hat schon einen gro\u00dfen Erfindungsreichtum bewiesen. Ich stelle mir vor, da\u00df vor allem auch die Universit\u00e4t zu einem Ort solcher Phantasie werden kann: durch gemeinsame Veranstaltungen, durch Symposien, durch gemeinsame Forschungsprojekte usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Ziele.<\/strong> Eine der gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten des \u00f6kumenischen Dialogs der vergangenen Jahrzehnte scheint mir gewesen zu sein, da\u00df nie richtig klar war, wohin dieser Dialog eigentlich f\u00fchren sollte: Kirchengemeinschaft? Schiedlich-Friedliches Mit- oder Nebeneinander? Vers\u00f6hnte Verschiedenheit? Nach Kl\u00e4rung konfessioneller Einsichten und unter Beachtung konfessioneller R\u00fccksichten kann nach meinem Verst\u00e4ndnis \u00fcberhaupt nur eine vers\u00f6hnte Verschiedenheit m\u00f6glich sein, und ich vermute, ich bin mit dieser Einsicht nicht allein. Es w\u00e4re redlich, das so zu benennen. Und gleichzeitig zu erkennen, da\u00df dies nicht ein Zuwenig ist. Mit Luthers Kirchenbegriff ist das ein Leichtes, denn dann w\u00e4re klar, da\u00df wir die erstrebte Einigkeit l\u00e4ngst haben in der communio sanctorum, die wir allsonnt\u00e4glich im Gottesdienst bekennen &#8211; wir haben sie allerdings nicht sichtbar. Es w\u00e4re nat\u00fcrlich sch\u00f6n, wenn sie in ein sichtbares Zeichen m\u00fcnden w\u00fcrde: in die Abendmahlsgemeinschaft. Das in der Tat ist nun ein r\u00f6misches Problem und mu\u00df dort gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir dies beherzigten und in gleicher Sch\u00e4rfe Anfragen an uns wie an unseren r\u00f6misch-katholischen Gespr\u00e4chspartner zulie\u00dfen, dann bin ich getrost, da\u00df wir \u00f6kumenischen Leichtsinn, konfessionellen Starrsinn und theologischen Unsinn vermeiden und TomTom am Ende fl\u00f6ten wird: \u201eNach 300 Metern: Sie haben Ihr Ziel erreicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1\u00a0An den christlichen Adel, zit. nach: Luther deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl f\u00fcr die Gegenwart, hg. von Kurt Aland, G\u00f6ttingen 1969ff. (10 Bde. + 1 Registerband), hier: Bd. 2, 160f. (im Folgenden zit. als aland-Luther)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2\u00a0Vgl. Assertio omnium articulorum, zit. nach: Martin Luther: Lateinisch-deutsche Studienausgabe Bd. 1: Der Mensch vor Gott, hg. und eingel. von Wilfried H\u00e4rle, Leipzig 2006, 80\/7. (im Folgenden zit. als LDS)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3\u00a0Vgl. dazu Assertio omnium articulorum: LDS 1, 79\/11-15: \u201e[Dies ist so zu verstehen], da\u00df die Schriften nur durch denjenigen Geist zu verstehen sind, in dem sie geschrieben worden sind. Dieser Geist kann nirgendwo gegenw\u00e4rtiger und lebendiger gefunden werden als eben in seinen Heiligen Schriften, die er geschrieben hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4\u00a0Vgl. Assertio omnium articulorum: LDS 1, 80\/23.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5\u00a0Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche: Aland-Luther 2, 184f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6\u00a0Von der christlichen Freiheit: Aland-Luther 2, 251.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7\u00a0BSLK 427\/7-13.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8\u00a0Aus der Ansprache Benedikt XVI. vom 19.08.2005 anl\u00e4\u00dflich des \u00f6kumenischen Treffens im erzbisch\u00f6flichen Sitz in K\u00f6ln im Kontext des XX. Weltjugendtages, zit. nach www.vatica.va\/holy_father\/benedict_xvi\/speeches\/20&#8230; vom 20.08.2005.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vortrag beim Kongre\u00df des Gemeindehilfsbundes &#8222;Warum noch evangelisch?&#8220; im Geistlichen R\u00fcstzentrum Krelingen am 10.3.2007<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Wege f\u00fchren nach Rom? Reformatorische Ein\u2013 und Aussichten zwischen Kontroverstheologie und \u00d6kumene 1. TomTom, MartinMartin und BenediktBenedikt Wahrscheinlich kennen die meisten von Ihnen diese n\u00fctzlichen, kleinen Helfer. Sie dr\u00fccken einfach ein paar Tasten \u2013 und schon lullt sie eine angenehme Frauenstimme ein und nimmt Ihnen fast alle Sorgen ab: \u201eIn 400 m biegen Sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":162,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2186"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/162"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2186"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3104,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2186\/revisions\/3104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}