{"id":21759,"date":"2025-05-16T08:46:29","date_gmt":"2025-05-16T06:46:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21759"},"modified":"2025-05-16T08:46:29","modified_gmt":"2025-05-16T06:46:29","slug":"komm-nach-hause-lk-1511-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21759","title":{"rendered":"Komm nach Hause! (Lk. 15,11-24)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In vielen Dingen unseres Lebens sind Ursache und Wirkung so fest miteinander verkn\u00fcpft, dass, wenn das eine eintritt, mit Notwendigkeit das andere folgen muss.\u00a0Wer sich im Sommerurlaub auf Mallorca unvern\u00fcnftig in die Sonne legt, weil er partout schnell braun werden will \u2013 der muss eben einen w\u00fcsten Sonnenbrand kriegen.\u00a0Wer bei Rot \u00fcber die Ampel geht, muss gew\u00e4rtig sein, unfreiwillig ins Krankenhaus mitgenommen zu werden.\u00a0Wisst ihr, dass Gottes Wort auch von solch einem Gesetz von Ursache und Wirkung spricht? In Jeremia 2,19 lesen wir: \u201eDu musst innewerden und erfahren, was es f\u00fcr Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann dieses Wort auf die Welt anwenden. Auf Whatapp wurde ich im Schirikanal an Ostern gefragt: \u201eWie kann Gott nur all den Jammer in der Welt zulassen?\u201c Darauf gibt es nur eine Antwort: \u201eDu musst innewerden und erfahren, was es f\u00fcr Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann dieses Wort auf unser Volk anwenden. Und dann kann einem angst und bange werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir aber wollen an uns selbst denken. Das ist immer das Fruchtbarste beim Betrachten von Gottes Wort. Hier wird uns ja in unserer Geschichte erz\u00e4hlt, wie es zugeht, wenn man Gott verl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei S\u00f6hne.\u200212 Und der j\u00fcngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.\u200213 Und nicht lange danach sammelte der j\u00fcngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.\u200214 Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine gro\u00dfe Hungersnot \u00fcber jenes Land und er fing an zu darben\u200215 und ging hin und h\u00e4ngte sich an einen B\u00fcrger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die S\u00e4ue zu h\u00fcten.\u200216 Und er begehrte, seinen Bauch zu f\u00fcllen mit den Schoten, die die S\u00e4ue fra\u00dfen; und niemand gab sie ihm.\u200217 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagel\u00f6hner hat mein Vater, die Brot in F\u00fclle haben, und ich verderbe hier im Hunger!\u200218 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe ges\u00fcndigt gegen den Himmel und vor dir.\u200219 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn hei\u00dfe; mache mich einem deiner Tagel\u00f6hner gleich!\u200220 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und k\u00fcsste ihn.\u200221 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe ges\u00fcndigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn hei\u00dfe.\u200222 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine F\u00fc\u00dfe\u200223 und bringt das gem\u00e4stete Kalb und schlachtet\u2019s; lasst uns essen und fr\u00f6hlich sein!\u200224 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fr\u00f6hlich zu sein.&#8220; (Lk. 15,11-24)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser junge Mann wollte leben, er wollte gl\u00fccklich leben, er wollte ganz leben, er wollte endlich leben. Bitte, das war kein Protestler, der Marx und Lenin studiert hat, sich dann einen Bart wachsen lie\u00df, eine Lederjacke kaufte und sich an den Umsturz der h\u00e4uslichen Verh\u00e4ltnisse machte. So nicht. Er war nicht undankbar f\u00fcr sein Heim. Er hatte Bett, einen Tisch und ein Dach \u00fcber dem Kopf. Auch f\u00fcr die jahrelange Versorgung hatte er zu danken. Nein, ein Protestler war er nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war auch kein versp\u00e4teter Aufkl\u00e4rer, so wie ein fu\u00dfkranker Rumlungerer, der kurzerhand seinen Vater f\u00fcr tot erkl\u00e4rte und dann mit dem Bekenntnis eines Ludwig Feuerbach bekannte: Ich glaube an den Menschen. Ich glaube an den Heiligen Geist des Fortschritts. So hinkte er nicht hinter der Zeit drein. Er wusste, dass sein Vater nicht mit irgendwelchen Bekenntnissen zufrieden ist, er konnte mit ihm sogar sprechen und diskutieren. Nein, ein Aufkl\u00e4rer war er nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Playboy war er erst recht nicht, der \u00fcber die Regenbogenpresse Publicity suchte und deshalb stadtbekannte Lokale aufsuchte. Eine zweideutige Pers\u00f6nlichkeit war er nicht, keine Silbe davon, dass er ein zwielichtiger Mann war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war der Herrensohn, der den aufrechten Gang des Vaters geerbt hatte. Ein Playboy war er nicht. Er war kein Protestler, kein Aufkl\u00e4rer, kein Playboy, sondern ein Denker. Nachdenker wollte er sein und nicht Nachbeter und Nachahmer. Er lie\u00df sich die Dinge durch den Kopf gehen. Er fragte nach dem Leben und stellte ernsthafte \u00dcberlegungen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwa so: Jeder Mensch hat ein Grundrecht auf Leben. Es geht nicht an, dass ein 3 Monate altes Kind im Mutterleib wegen des Willens seiner Eltern abgetrieben wird. Jedes Kind darf leben. Es geht nicht an, dass ein Erwachsener wegen Hautfarbe oder Abstammung von der Gesellschaft diskriminiert wird. Jedermann darf leben. Es geht nicht an, dass ein alter Mensch auf der Intensivstation wegen einer unheilbaren Krankheit vom Tropf abgeh\u00e4ngt wird. Lebensunwertes Leben gibt es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder hat ein Grundrecht auf Leben, und dazu kommt das Selbstbestimmungsrecht des Lebens. Ich muss doch frei bestimmen k\u00f6nnen, wo und wie ich mein Leben verwirklichen will. Es geht nicht an, dass der eine nur in Ghettos und Reservaten leben darf. Es geht nicht an, dass andere nur in ideologischen Rastern denken d\u00fcrfen. Es geht nicht an, dass der Dritte seine pers\u00f6nlichen \u00dcberzeugungen nicht ausdr\u00fccken darf. Jeder muss ein Selbstbestimmungsrecht auf Leben haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 4 Schritten vollzieht sich dieser Niedergang:<\/p>\n<p><strong>1. Er schaut um sich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesen Lebensproblemen sa\u00df unser junger Freund. Und dann verglich er seinen ertr\u00e4umten Lebensraum mit dem wirklichen Spielraum, den ihm sein Vater einr\u00e4umt. Dann \u00fcberkam ihn die heimliche Angst, er k\u00f6nnte daheim sein Leben nicht voll zum Zuge bringen. Er k\u00f6nnte daheim etwas vers\u00e4umen. Er k\u00f6nnte daheim zu kurz kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Freunde, ist das nicht auch unsere geheime Bef\u00fcrchtung? Dieser Gott k\u00f6nnte unser Grundrecht auf Leben und Selbstbestimmungsrecht des Lebens beschneiden. Ist das nicht auch unsere geheime Bef\u00fcrchtung, wir k\u00f6nnten bei diesem Gott zu kurz kommen? Ist das nicht auch unsere geheime Angst, wir k\u00f6nnten bei diesem Gott dieses Leben nicht ganz aussch\u00f6pfen und nicht alles genie\u00dfen, was dieses Leben zu bieten hat? Der junge Mann kam zum Schluss, weil mir der Vater nur die kurze Leine gibt, deshalb f\u00fchre ich letztlich ein Hundeleben. Weil ich aber wie ein Mensch leben m\u00f6chte, deshalb muss ich die Verbindung kappen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So war es schon bei Adam und Eva. Da kommt die Schlange und suggeriert ihnen: Euch fehlt etwas Entscheidendes zu eurem Gl\u00fcck! Gott m\u00f6chte euch das Wichtigste vorenthalten. Erst wenn ihr wisst, was gut und b\u00f6se ist, dann seid ihr richtig frei, unabh\u00e4ngig von Gott, dann seid ihr wie Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider haben sie sich verzockt und sind furchtbar hereingefallen. Ja, die Augen sind ihnen aufgegangen, aber nicht dar\u00fcber, was gut und b\u00f6se ist, sondern was b\u00f6se ist und gut w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die S\u00fcnde, die Rebellion des Menschen gegen Gott, hat Konsequenzen. Das wird hier auf drastische Weise sichtbar. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis zu Gott zerbricht. Der Mensch bezieht ein Versteck, denn er h\u00e4lt es in der N\u00e4he Gottes nicht mehr aus. Und wo der Mensch von Gott getrennt lebt, da ger\u00e4t auch sein Verh\u00e4ltnis zum Mitmenschen in Unordnung. Eva hat ihren Mann mit sich ins Verderben hineingerissen. Eine Seite sp\u00e4ter berichtet die Bibel, wie nun ein Mensch gegen den andern seine Hand erhebt, wie er zum M\u00f6rder an seinem Bruder wird. Und der Mensch selbst zerbricht an seiner Orientierungslosigkeit und Sinnlosigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich h\u00f6rte von dem jungen Mann, der die Kirchenaustrittserkl\u00e4rung dem Vater auf den Tisch knallte, die T\u00fcr zuschlug und ging. Er lie\u00df sich sp\u00e4ter nicht vor dem Altar trauen, weil das eben zu einer rechten Hochzeit geh\u00f6rt, so wie Brautkleid und Hochzeitstorte, er ging. Er holte auch nicht den Pfarrer zur Beerdigung seiner Mutter, weil man ja alte Menschen nicht wie Tiere verscharren d\u00fcrfe. Er ging. Er sprach sp\u00e4ter auf seinem Sterbebett nicht noch schnell ein Vaterunser, weil man ja nicht wissen k\u00f6nne, was danach noch kommt. Er ging. Er war ehrlich, so wie der verlorene Sohn. Er sagte: Wenn schon, denn schon. Wenn schon leben ohne Gott, dann auch sterben, ohne Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Er beschwert sich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kam es eines Tages zu jener denkw\u00fcrdigen Unterredung zwischen Vater und Sohn. Eines Tages sagte der Junge zum Alten: \u201eGib mir das Teil, das mir geh\u00f6rt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Wort zeigt uns den nat\u00fcrlichen Menschen in seinem Normalzustand, wo er noch an Gott glaubt und auch Religion hat. Aber er wei\u00df nichts vom Heil Gottes in Jesus und von einem Leben mit Gott. Ich bin \u00fcberzeugt, dass viele von uns hier ihre eigene Biografie finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sohn ist noch beim Vater, so wie der nat\u00fcrliche Mensch in der N\u00e4he Gottes geboren ist. Die Bibel sagt: \u201eF\u00fcrwahr, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns.\u201c Der Sohn spricht sogar mit dem Vater. Aber was ist dies f\u00fcr ein armseliges Gebet! \u201eGib mir, Vater, das Teil der G\u00fcter, das mir geh\u00f6rt.\u201c Eine Eisesk\u00e4lte schl\u00e4gt uns hier entgegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">O pr\u00fcft euch, Freunde, ob ihr auch so kalt seid! Dann ist man, trotz all seiner Religion, ein verlorener Sohn. Wie betet der? \u201eGib mir, Vater . . .\u201c Ja, der unbekehrte Mensch betet auch. Aber wie armselig betet er! In diesem Gebet ist kein Dank f\u00fcr alle G\u00fcte des Vaters. Dieses Gebet ist kein Ausdruck der herzlichen Liebe. O nein! \u201eGib mir, Vater!\u201c Man braucht den Vater nur, wenn man etwas von ihm will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du behandelst Gott wie einen Kellner. Nicht wahr, an einem Kellner liegt dir nichts? Er soll nur etwas Gescheites bringen. So machst du es mit Gott. Man will was von ihm, aber nicht ihn selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGib mir!\u201c sagt der Sohn. Und da offenbart er sein Herz. Ja, so ist unser Herz: Es geht uns nur um uns. \u201eWas k\u00fcmmert mich der Vater,\u201c denkt der Sohn, \u201eund was k\u00fcmmert mich mein Bruder. Ich will mein Teil. Gib mir, Vater!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies \u201eIch,\u201c das sich durchsetzen will, hat dem Sohn den Jammer gebracht. Und daher kommt alle unsere Not, unsere Unruhe, unser Unfriede. O selige Erl\u00f6sung, wenn unser dickes Ich mit Christus gekreuzigt ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGib mir, Vater.\u201c Seht, das Gleichnis ist eine unwahrscheinliche Geschichte. Ein irdischer Vater h\u00e4tte wahrscheinlich seinem Sohn was anderes gesagt. Aber Gott ist anders. Er l\u00e4sst die Menschen ihre eigenen Wege gehen. So gibt er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstaunlicherweise hob der Vater nicht den moralischen Zeigefinger und sagte: Pass auf, B\u00fcrschchen, dein Denk-Schluss ist ein Kurz-Schluss. Man kann das Leben auch verspielen, so einfach liegen die Dinge nicht. Der Vater schlug nicht mit der Faust auf den Tisch: Das dulde ich nicht, solche Unversch\u00e4mtheiten in meinem Hause! Du und das Geld bleiben hier! Und der Vater begann nicht wieder mit der alten Leier: So, das ist der Dank f\u00fcr 18 Jahre Kleidung, das ist der Dank f\u00fcr 18 Jahre Nahrung, das ist das Ergebnis meiner Bem\u00fchungen! O diese Jugend von heute! Undank ist der Welten Lohn. So warnte, schimpfte und lamentierte der Vater nicht. Sondern er ging, holte die Kasse und den Schl\u00fcssel, machte auf und gab ihm das Geld. Der Vater hat seinen Sohn nicht gezwungen. Gott zwingt keinen, er zwingt auch sie nicht, er h\u00e4lt keinen zur\u00fcck. Jeder darf gehen, wir sind keine Marionetten, die an F\u00e4den h\u00e4ngen, wir sind keine Lebewesen, die von Instinkten getrieben sind. Wir sind keine Puppen, die nach seiner Musik tanzen. Wir sind Menschen mit einem Grundrecht auf Leben und einem Selbstbestimmungsrecht des Lebens. Das ist unsere W\u00fcrde. Gott gibt jedem die Freiheit, die volle Freiheit, die er will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, Gott gibt ununterbrochen: Leben, Gesundheit, Geld, Gut, Essen, Kleidung, Sonne, Regen. Ja, er gibt seinen Sohn, \u201edass wir Leben und volle Gen\u00fcge haben sollen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Sohn nimmt. Ich h\u00f6re nirgendwo, dass er \u201eDanke\u201c sagt. Schau, so sind wir.<\/p>\n<p><strong>3. Er beeilt sich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem bisher geschilderten Zustand kann der Mensch nicht auf die Dauer bleiben. \u201eReligion muss sein,\u201c sagen die Leute. Und da meinen sie: Es ist ganz gut, wenn man so einen Gott wei\u00df als Zuflucht und Trost. \u2013 Aber der Vater verlangt nun, dass wir seine Gebote halten: \u201eDu sollst Vater und Mutter ehren!\u201c \u201eDu sollst den Feiertag heiligen!\u201c \u201eDu sollst nicht ehebrechen!\u201c \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten! Nicht stehlen! Nicht falsch Zeugnis reden!\u201c Und seht, das wird dem Sohn l\u00e4stig. Man will doch nicht dauernd die vorwurfsvollen Blicke sehen, wenn man mal ein bisschen \u00fcber die Str\u00e4nge schl\u00e4gt. Man will doch nicht dauernd ein schlechtes Gewissen haben. \u2013 Ich h\u00f6re immer wieder: \u201eIch tue meine Pflicht. Und wenn Gott mehr verlangt, ist er ein Kleinigkeitskr\u00e4mer.\u201c Seht, so spricht der nat\u00fcrliche Mensch, dem es in der N\u00e4he Gottes zu eng wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da fasst er einen Entschluss. Nicht sofort. Einen Augenblick erschrickt er selbst davor. Wir lesen: \u201eNicht lange danach . . .\u201c Es ist doch eine Sache, seinem Gott den R\u00fccken zu kehren! Aber dann geht er doch. \u201eEr zog ferne \u00fcber Land.\u201c Man kann auch nach dem griechischen Text \u00fcbersetzen: \u201ein ein weites Land.\u201c Ach ja, das ist eine weite Welt ohne Gott! Da leben Millionen Menschen ohne ihn und sind froh und frei. Na, also! Was soll man dann noch l\u00e4nger an diesem r\u00fcckst\u00e4ndigen Vaterhaus festhalten?! Mit der Zeit muss man gehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem weiten Land, wohin der verlorene Sohn zog, gab&#8217;s Schweine. Die waren in Israel unrein. Da war der Unterschied von rein und unrein aufgehoben. Seht, das zog den jungen Mann. \u201eHerrlich!\u201c sagte er, \u201edas Land ohne Hemmungen!\u201c Da hatten junge M\u00e4nner ihre \u201eFreundin.\u201c Und keiner dachte was dabei. Da konnte man l\u00fcgen \u2013 und galt als schlau. Da konnte man sich streiten und fluchen, wie man wollte. So zog er weg. Nein, er stahl sich weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fern \u2013 vom Vater. Von nun an steht \u00fcber dem Leben des jungen Mannes der Satz: \u201eDu musst innewerden und erfahren, was es f\u00fcr Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, Deinen Gott, zu verlassen.\u201c<\/p>\n<p><strong>4. Er verkalkuliert sich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so zog er, \u00fcber Land, unser junger Freund. Jetzt konnte er tun, was er wollte. Er hatte Freunde und Freundinnen. Er hat eine Wohnung mit Geschmack und Niveau. Er hat eine schicke Garderobe. Er hatte alles, wonach sich sein Herz sehnte. Endlich war er frei. Und dann, dann passierte es. Einer schrieb einmal, man kann nicht immer aus vollen Eisschr\u00e4nken leben. Man kann nicht immer aus dem Vollen sch\u00f6pfen. Man kann nicht immer Urlaub machen, man kann nicht immer Cola trinken. Man kann nicht immer auf den Fernsehschirm starren. Einmal ist ein S\u00e4ttigungsgrad erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDaselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.\u201c Es ist zum Verwundern, wie Jesus erz\u00e4hlt. Nicht wahr, wir w\u00fcrden gerne N\u00e4heres \u00fcber diese Zeit wissen. Aber so ist die Bibel. Wenn sie von der S\u00fcnde spricht, hat sie nur einen Satz. \u201eEr brachte sein Gut um mit Prassen.\u201c O Freunde, die Bibel braucht uns das Leben ohne Gott nicht zu schildern. Das kennen wir ja. So lebt der junge Mann, als k\u00f6nne er in alle Ewigkeit so weiterleben. Aber es geht nicht immer so weiter. Auch mit uns nicht. \u201eEs ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der, der eigentlich kein Hundeleben f\u00fchren wollte, der landete bei den Schweinen. Er rief: Ich lebe, ich bin frei! Und dann hatte ihn das Heimweh. Und er musste dem gro\u00dfen Lebensstil folgen. Er rief: Ich lebe. Ich bin frei, und dann hatten ihn die Triebe und er musste sie befriedigen. Er rief: Ich lebe. Ich bin frei und dann hatte ihn das Heimweh, und er musste sich am\u00fcsieren. Sehen Sie, so sieht doch die Freiheit aus, die wir uns w\u00fcnschen. Gebunden sein, m\u00fcssen, nicht mehr anders k\u00f6nnen. Der Satz, \u201eich bin frei,\u201c ist glatte Illusion. Entweder wir stehen unter Gott und sind damit S\u00f6hne und T\u00f6chter dieses Gottes, oder aber wir stehen unter uns selbst und unseren Trieben und L\u00fcsten. Und dann sind wir Stiefelknechte und erleben die gr\u00f6\u00dfte Unfreiheit, die es \u00fcberhaupt gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Janette Kennedy hat es damals so formuliert: Die Menschen m\u00fcssen sich entscheiden, sich von Gott regieren zu lassen, oder sie verdammen sich dazu, von Tyrannen beherrscht zu werden. Der Entscheidungsfrage gilt uns. Wollen wir Kinder des einen sein oder Knecht der vielen anderen? Wollen sie Kind des einen oder Knecht der vielen andern sein? Wir haben nur die Wahl zwischen Freiheit und Fesseln. Das Wahlrecht muss jeder aus\u00fcben. Freiheit oder Fesseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der junge Mann entschloss sich schlie\u00dflich zur Freiheit, und zwar in drei kurzen Schritten wollte er umkehren:<\/p>\n<p><strong>5. Er kam zu sich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war nicht die neue Welle, die wir gegenw\u00e4rtig erleben. Nach der Aktion die Frustration und dann die Resignation und schlie\u00dflich die Meditation. Meditation ist in, so h\u00f6ren wir \u00fcberall, und Zeitgenossen steigen mit Hilfe fern\u00f6stlicher Heilslehren in sich hinunter, was sie da wohl an Dunklem und B\u00f6sem und Unerledigtem finden werden. Der junge Mann kam zu sich. Er horchte nicht in sich hinein, sondern er dachte zur\u00fcck an seinen Vater: Wie viele Hilfs-Arbeiter hat mein Vater, die essen genug haben, und ich komme im Hunger um? An die Stelle des Ichs trat wieder die Gestalt des Vaters. Wir kommen zu allem: zum Arbeiten, zum Schlafen, zum Zeitungslesen, zum Essen, zum Trinken, aber wir kommen doch von Sinnen, wenn wir nicht wieder zur Besinnung kommen und an den Vater denken, dem wir aus den Fingern gelaufen sind. Er kann zu sich.<\/p>\n<p><strong>6. Er schlug in sich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist das glatte Gegenteil von dem, was wir in psychologischen B\u00fcchern nachlesen k\u00f6nnen. Heute schl\u00e4gt man um sich und weist auf eine negative Erbanlage hin oder auf eine mangelnde Nestw\u00e4rme, auf das erzieherische Versagen oder auf die krankmachende Gesellschaft. Mit einem Rundumschlag werden Eltern und Lehrer und Pfarrer und Meister dingfest gemacht. Er aber schlug in sich und tr\u00f6stete sich auch nicht mit dem Satz von Paul Sartre, dass alle Gewissensbisse ja nur l\u00e4stige Fliegen seien, die man nur verjagen m\u00fcsse. Er sagte den schwersten Satz, den ein Mensch \u00fcber die Lippen bringen kann: Vater, ich habe ges\u00fcndigt, gegen den Himmel und vor dir. Er sagte nicht: Vater, ich bin ein bisschen entgleist. Ich habe einige \u00fcber den Durst getrunken gekommen. Ich bin aus dem Tritt gekommen. Ich befand mich in schlechter Gesellschaft. Ich habe es gar nicht so b\u00f6se gemeint. Entschuldigung, Vater. Entschuldigung. Nein. Er sagte: Ich bin abgehauen. Ich wollte ohne dich leben. Doch ich wollte ohne dich leben, ohne Gott leben wollen, das ist S\u00fcnde. Ohne Gott denken wollen, das ist S\u00fcnde. Ohne Gott handeln wollen, das ist S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVater, ich habe ges\u00fcndigt.\u201c Das ist der schwerste Satz, den ein Mensch \u00fcber die Lippen bringen kann. So ist&#8217;s. Wir lassen es gelten, wenn es hei\u00dft: \u201eWir sind eben alle S\u00fcnder.\u201c Aber der verlorene Sohn sagt: \u201eIch habe ges\u00fcndigt.&#8220; Und auf das \u201eIch\u201c kommt&#8217;s an. Beim verlorenen Sohn war es so. \u201eIch habe ges\u00fcndigt.\u201c Das war Erschrecken. Das war Jammer. Das war Abscheu und Abschied von der S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paul Sch\u00fctz hat gesagt: S\u00fcnde ist die Kunst des Lebens ohne Gott. Unser junger Mann wollte ein solcher Lebensk\u00fcnstler nicht mehr sein. Deshalb schlug er in sich.<\/p>\n<p><strong>7. Er ging heim.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber \u2013 was h\u00e4tte das gen\u00fctzt? Nichts! Nein! Umkehren musste er zu seinem Vater. Ohne eine Bekehrung kommen wir nicht zurecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen uns den Mann genau ansehen, der dort seine Schweineherde im Stich gelassen und sich auf den Heimweg gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat denn der noch irgendein Recht an den Vater und an die G\u00fcter seines Hauses? O nein! Er hat jedes Recht verscherzt. Er hat dem Vater den R\u00fccken gekehrt und ohne ihn sein Leben gestaltet. Nein, der hat kein Recht mehr an dem Vater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">O Freunde, wir haben kein Recht mehr an Gott. Und wenn sich einer bekehrt, tut er es nur auf Gnade hin. Und doch: \u201eEr machte sich auf und kam zu seinem Vater.\u201c Er hat kein Recht zur Heimkehr. Und doch \u2014 und doch, er hat ein Recht, er darf umkehren. Denn \u2013 er ist Sohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du bist Gottes Gesch\u00f6pf, ein Gedanke von ihm. Und f\u00fcr dich gab der Gott Jesus dahin. Darum darfst du dich zu ihm bekehren. \u201eUnd er machte sich auf.\u201c Ja, was nahm er denn mit? Er nahm mit, was jeder mitnimmt, wenn er sich bekehrt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u008cEr hat sich nicht vorher fein gemacht. Er ging zu keinem Friseur. Bei einer Kleiderreinigung ist er nicht aufgetaucht. Er kam so, wie er war, mit seinen Lumpen und seinen Fetzen. Seine Lumpen. Er hat sich nicht erst sch\u00f6n gemacht. Das machte sp\u00e4ter der Vater. Wer sich bekehren will, darf und soll kommen, wie er ist. Mit all seinen S\u00fcnden, seinen Gebrechen, seinen Zweifeln, seinem Unglauben. Was dir fehlt, gibt dir sp\u00e4ter der Vater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u008dEr nahm sein beladenes Gewissen mit. Unser Gewissen wird erst frei, wenn Gott uns um Jesu willen vergeben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u008eEr nahm ein gro\u00dfes Vertrauen mit. \u201eIch habe des Vaters Liebe zwar mit F\u00fc\u00dfen getreten. Aber er wird mich doch nicht versto\u00dfen.&#8220; Ohne dieses Vertrauen, das an Jesus entsteht, gibt&#8217;s keine Bekehrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann jene Szene: hier der Hof, dort die Stra\u00dfe, hier der Vater und dort die armselige und abgerissene Gestalt, und der Vater hat ihn nicht wie einen r\u00e4udigen Hund vom Hofe gejagt, er las ihm nicht die Leviten, er fiel ihm um den Hals und k\u00fcsste ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist unser Gott, der Vater Jesu Christi. Er ist kein ferner Weltenlenker, der in gro\u00dfen Sph\u00e4ren eine festgeschriebene Reise vollendet, er ist kein ferner Nebel oder eine nebelhafte Ferne, er ist kein unnahbarer Richter, der uns das S\u00fcndenregister unter die Nase h\u00e4lt. Nein, er ist ein erbarmender und barmherziger Gott, der uns wieder neu in seine Gemeinschaft aufnehmen will. Er hat unendlich viel getan, um dies m\u00f6glich zu machen. Es kostete ihn nicht nur etwas Mitleid. Es kostete ihn nicht nur etwas \u00dcberwindung, es kostete ihn seinen einzigen Sohn, den schickte er ans Kreuz, damit wir nicht zu Kreuze kriechen m\u00fcssen. Jesus nahm unsere ganze Verlorenheit auf sich, damit wir keine Verlorenen mehr sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verstehen Sie, deshalb kommen Sie zu sich, schlagen Sie in sich, gehen Sie doch wieder zum Vater. Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker, Mai 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Dingen unseres Lebens sind Ursache und Wirkung so fest miteinander verkn\u00fcpft, dass, wenn das eine eintritt, mit Notwendigkeit das andere folgen muss.\u00a0Wer sich im Sommerurlaub auf Mallorca unvern\u00fcnftig in die Sonne legt, weil er partout schnell braun werden will \u2013 der muss eben einen w\u00fcsten Sonnenbrand kriegen.\u00a0Wer bei Rot \u00fcber die Ampel geht, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":499,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21759"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/499"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21759"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21759\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21761,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21759\/revisions\/21761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}