{"id":2169,"date":"2008-09-18T15:52:22","date_gmt":"2008-09-18T13:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2169"},"modified":"2009-09-02T12:08:32","modified_gmt":"2009-09-02T10:08:32","slug":"stellungnahme-zu-jurgen-moltmann-wer-wird-gerettet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2169","title":{"rendered":"Stellungnahme zu J\u00fcrgen Moltmann, Wer wird gerettet werden?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stellungnahme zu J\u00fcrgen Moltmann, Wer wird gerettet werden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Professor Moltmanns Antwort auf die Frage \u201eWer wird gerettet werden?\u201c l\u00e4\u00dft sich sehr einfach zusammenfassen: Jede Person! Alle Menschen werden gerettet. Diese Antwort ist falsch. Sie kommt durch eine einseitige Interpretation biblischer Aussagen zustande. Sie stellt einen Bruch mit dem Bekenntnis der lutherischen Reformation, d.h. mit der g\u00fcltigen Lehrnorm der Evangelischen Kirche in W\u00fcrttemberg dar. Professor Moltmanns Antwort beruht auf folgenden unzul\u00e4ssigen Argumentationen:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. In dem Dialog zwischen \u201eGlaube\u201c und \u201eGnade\u201c werden zuerst die Jesusworte Mk 16,16 und Mt 7,13f gegen das Pauluswort 1. Tim 2,5f ausgespielt. Jesus spricht von den beiden eschatologischen Existenzformen, denen der Mensch entgegengeht: Seligkeit oder Verdammnis, Heil oder Unheil. Paulus spricht davon, da\u00df Gott durch die Evangeliumsverk\u00fcndigung gerne allen Menschen die Seligkeit und das Heil erm\u00f6glichen will. Erstens k\u00f6nnte ein Apostelwort niemals ein Jesuswort verbessern oder aufheben. Zweitens gibt es zwischen beiden Aussagen keinen Widerspruch, weil Gottes Rettungswille keineswegs bei allen Menschen zum Ziel kommt, was Paulus ganz klar lehrt (1.Tim 6,9 \u201eVerderben und Verdammnis\u201c). Der universale Heilswille Gottes begegnet den Menschen konkret in der Person Jesu, an der sich allerdings die Geister scheiden, so da\u00df keineswegs alle Zuh\u00f6rer J\u00fcnger werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Als n\u00e4chstes werden die Paulusworte R\u00f6 3,28 und R\u00f6 1,17 gegen R\u00f6 4,5 und R\u00f6 5,18 ausgespielt. Die Kernstelle reformatorisch-evangelischer Lehre besagt, da\u00df derjenige Mensch von Gott gerecht gemacht wird, \u201eder da ist aus dem Glauben an Jesus\u201c (3,26). In Kapitel 5 stellt der Apostel fest, da\u00df diese M\u00f6glichkeit der Rechtfertigung, die grunds\u00e4tzlich allen Menschen offensteht, durch Jesus Christus geschaffen worden ist (5,18). Paulus lehrt keineswegs eine pauschale Rechtfertigung jedes beliebigen Gottlosen, sondern pr\u00e4zise und exakt die Rechtfertigung des Gottlosen, \u201edem sein (!) Glaube (!)\u201c zur Gerechtigkeit angerechnet wird (4,5). Andernfalls m\u00fc\u00dfte man einen gewichtigen inhaltlichen Selbstwiderspruch innerhalbweniger Kapitel des stringent geschriebenen R\u00f6merbriefs annehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Ferner wird aus der Lutherschrift \u201e\u00dcber den unfreien Willen\u201c gefolgert, da\u00df sich Gottes Rettungswille bei jedem Menschen durchsetzen m\u00fcsse. Diese Folgerung hat Luther nat\u00fcrlich niemals gezogen, sondern vielmehr den krassen Unterschied zwischen willentlich Glaubenden und willentlich Ungl\u00e4ubigen festgehalten. Andernfalls w\u00e4re auch es auch nicht denkbar, da\u00df das Augsburgische Bekenntnis, 5 Jahre nach der Lutherschrift entstanden, die Verdammnis der Gottlosen lehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Ohne Anhalt am biblischen Text parallelisiert Professor Moltmann die guten Taten des Menschen und den Glauben des Menschen, so da\u00df der Glaube als verdienstliche Tat erscheint, die dann f\u00fcr nicht heilsrelevant erkl\u00e4rt werden kann. Diese Sichtweise verwischt die Differenzierung des Apostels Paulus in R\u00f6 3,28, wo er die \u201eGesetzes Werke\u201c dem \u201eGlauben\u201c gegen\u00fcbergestellt. Gesetzeswerke und gute Taten sind nicht heilsentscheidend, aber sehr wohl der Glaube, der nach Eph 2,8 Gottes Gabe ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Eine Sonderstellung unter den Aussagen des NT, die heilsuniversalistisch klingen, nimmt R\u00f6 11,32 ein, weil der Apostel hier von der Rettung von \u201eganz Israel\u201c spricht (11,26). Erstens l\u00e4\u00dft sich diese Aussage nicht ohne weiteres ausweiten auf die \u201eganze Menschheit\u201c, und zweitens l\u00e4\u00dft sich auch diese wiederhergestellte Ganzheit Israels so verstehen, da\u00df die in S\u00fcnde und Unbu\u00dffertigkeit Gestorbenen nicht zu den Geretteten geh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Aus dem Psalmwort 30,6, der Zorn Gottes w\u00e4hret \u201eeinen Augenblick\u201c, wird geschlossen, da\u00df der Zorn und die H\u00f6lle zeitlich begrenzt seien, die Gnade und das Heil dagegen nicht. In der Verk\u00fcndigung Jesu aber werden ewiges Leben und ewige Strafe mit ein und demselben Begriff gegen\u00fcbergestellt (Mt 25,46). Vgl. Joh 3,36: \u201eWer dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt \u00fcber ihm.\u201c Gerade die Gerichtsszene Mt 25,31-46 mit dem doppelten Ausgang des Weltgerichts l\u00e4\u00dft sich nicht heilsuniversalistisch vereinnahmen durch eine exegetische \u00dcbermalung des Schreckens mit Hilfe von 1.Kor 3,15, als ginge es hier nur um eine Zurechtbringung der Ungerechten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Aufgrund der neutestamentlichen Bezeugung der Verk\u00fcndigung des Evangeliums durch Jesus Christus auch vor den Toten (1.Petr 4,6) und der Tatsache der Auferstehung Jesu kommt Professor Moltmann zu dem Schlu\u00df, da\u00df es im vollendeten Gottesreich keine H\u00f6lle und keine Verlorenen mehr g\u00e4be. Dabei zitiert er 1.Kor 15,55 falsch, wo der Sieg \u00fcber den Tod, nicht \u00fcber die H\u00f6lle gefeiert wird. \u201eDie Schl\u00fcssel des Todes und des Hades\u201c in der Hand des Auferstandenen, die in Offb 1,18 offenbart werden, k\u00fcndigen die Auferstehung der Toten an, nicht aber die Tilgung der qu\u00e4lenden H\u00f6lle in der Ewigkeit, die gerade das Offenbarungsbuch erschreckend deutlich bezeugt (Offb 14,10f; 20,14). Nach der Lehre Jesu und seiner Apostel lautet die richtige Antwort auf die Frage \u201eWer kann gerettet werden?\u201c so: \u201eDerjenige, der da ist aus dem Glauben an Jesus.\u201c \u201eWer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.\u201c Wenn ein Lehrer der Theologie diese in den neutestamentlichen Schriften durchg\u00e4ngig bezeugte Alternative umbiegt in eine Lehre von der All-Erl\u00f6sung am Ende dieser Weltzeit, dann kommt das den nat\u00fcrlichen Erwartungen und Bef\u00fcrchtungen jedes Menschen selbstverst\u00e4ndlich sehr entgegen. Die Gemeinde Jesu aber erkennt in solcher heilsuniversalistischer Welterl\u00f6sungsbotschaft die gef\u00e4hrliche \u00dcberspielung des Rufs des Evangeliums zu einem bewu\u00dft ergriffenen Christusglauben, der allein vom Unheil zum Heil f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ev. Gemeindeblatt 2\/2008, 2-7<br \/>\nPfarrer Dr. Tobias Ei\u00dfler, Mundelsheim,\u00a0<br \/>\nConfessio-Vorstandsmitglied<br \/>\n2. Sprecher des Gemeindenetzwerks<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme zu J\u00fcrgen Moltmann, Wer wird gerettet werden? Professor Moltmanns Antwort auf die Frage \u201eWer wird gerettet werden?\u201c l\u00e4\u00dft sich sehr einfach zusammenfassen: Jede Person! Alle Menschen werden gerettet. Diese Antwort ist falsch. Sie kommt durch eine einseitige Interpretation biblischer Aussagen zustande. 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