{"id":2166,"date":"2006-06-28T15:43:06","date_gmt":"2006-06-28T13:43:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2166"},"modified":"2009-09-07T12:55:20","modified_gmt":"2009-09-07T10:55:20","slug":"values-exploration-fur-die-zukunft-zuruck-in-die-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2166","title":{"rendered":"Values Exploration: F\u00fcr die Zukunft zur\u00fcck in die Ewigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Values Exploration: F\u00fcr die Zukunft zur\u00fcck in die Ewigkeit<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Ey, haste mal \u00b4ne Zukunft?<br \/>\nOder: Welche Zukunft h\u00e4tten Sie denn gern?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sehen Sie die Zukunft? Welche Erwartungen verkn\u00fcpfen Sie mit ihr? Ist Ihre private Zukunft gleichzusetzen mit der Ihres Unternehmens? Ey, haste mal\u00b4ne Zukunft? Vielleicht kommen Sie mit einer \u00e4hnlichen Frage zum 2. Mittelstandstag Niedersachsen. Da stehen Probleme mit Rating- und Finanzierungsfragen, internationale Herausforderungen, steuerliche, juristische und publizistische Aspekte oder Fragen des Risikomanagements und Transaktions- und Nachfolgefragen auf dem Programm.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht leiten Sie eines der 70.000 Klein- und Mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, das in diesem Jahr vor der akuten Frage der Unternehmensnachfolge steht. Wie soll es da weitergehen? Wahrscheinlich ist es Ihnen bewu\u00dft: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Unternehmens liegt in Europa bei 12,5 Jahren, die eines Fortune 500- Unternehmens immerhin bei 45 Jahren. Da ist nach der Zeiteinteilung eines Menschenalters schon vor der Pubert\u00e4t bzw. sp\u00e4testens in der Midlife-Crisis der Exitus erreicht. Und um damit schon mal eines vorwegzunehmen: Jedes Unternehmen ist endlich. Es hat eine deutlich geringere Lebenserwartung als Sie selbst. Es gibt kein Unternehmen f\u00fcr die Ewigkeit! Auch wenn staatliche Subventionen bisweilen das Siechtum eines Unternehmens verl\u00e4ngern k\u00f6nnen: Irgendwann geht auch ein goldener Stern unter. Jedes Unternehmen hat seine Berechtigung nur, solange es Nutzen schafft; solange, wie eine Wert-Sch\u00f6pfung realisiert wird, wie auch immer man diese definieren mag. Ansonsten ist es schlichtweg Liebhaberei, die mehr unterl\u00e4\u00dft als sie unternimmt: Eine Wert-Ersch\u00f6pfung oder Wert-Vernichtung. Die Zukunft Ihres Unternehmens: Wie sehen Sie sie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da gibt es viele verschiedene Perspektiven: Fehlt Ihnen die Puste und sagen Sie sich wie Dean Acheson: \u201eDas beste an der Zukunft ist vielleicht der Umstand, da\u00df immer nur ein Tag auf einmal kommt\u201c? Oder halten Sie es wie Niels Bohr und sagen: \u201eVorhersagen sind immer schwierig \u2013 vor allem \u00fcber die Zukunft\u201c? Sind Sie ein sarkastisch-utopiekritischer Typ und sinnieren wie Ambrose Bierce: \u201eZukunft, jene Zeit, in der unsere Gesch\u00e4fte gut gehen, unsere Freunde treu sind und unser Gl\u00fcck gesichert ist\u201c? Vielleicht schlie\u00dfen Sie sich auch Eleanor Roosevelt an, die in blumiger Vorausahnung behauptet: \u201eDie Zukunft geh\u00f6rt denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Tr\u00e4ume glauben.\u201c Oder ermahnen Sie sich und andere wie Harold Pinter? Der meint: \u201eDie Zukunft ist die Ausrede all jener, die in der Gegenwart nichts tun wollen.\u201c Es mag sein, da\u00df Sie eher zu den langfristig planenden Menschen geh\u00f6ren wie Werner von Siemens, der seiner \u00dcberzeugung folgte: \u201eF\u00fcr augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.\u201c Vielleicht folgen Sie auch der pragmatischen Einstellung von Konrad Adenauer: \u201eEin Blick in die Vergangenheit hat nur Sinn, wenn er der Zukunft dient.\u201c Manche m\u00f6gen es auch lieber ganz kausal wie Albert Schweitzer: \u201eKeine Zukunft vermag gutzumachen, was du in der Vergangenheit vers\u00e4umst.\u201c Oder geh\u00f6ren Sie zu den geschichtsbewu\u00dften Menschen wie Andr\u00e9 Malraux: \u201eWer in der Zukunft lesen will, mu\u00df in der Vergangenheit bl\u00e4ttern\u201c? Wagen Sie vielleicht schon einmal einen Blick \u00fcber den Horizont hinaus wie der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefs am Ende des Neuen Testaments (Hebr\u00e4er 13,14): \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir\u201c? Oder motivieren Sie sich selbst und andere mit einer Einstellung wie der von Antoine de Saint-Exup\u00e9ry: \u201eMan kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund f\u00fcr etwas zuk\u00fcnftiges legen, denn Zukunft kann man bauen\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Values Exploration \u2013 f\u00fcr die Zukunft zur\u00fcck in die Ewigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist es auch eine Mischung aus vielen verschiedenen Zukunftserwartungen, die Sie bewegt. Ich bin mir jedoch sicher, da\u00df Sie nicht jemand sind, der fatalistisch die H\u00e4nde in den Scho\u00df legt und alles einfach so auf sich zukommen l\u00e4\u00dft. Sonst w\u00e4ren Sie heute nicht hier. Ich lade Sie deshalb dazu ein, sich mit mir auf eine kleine Entdeckungsreise zu begeben und Werte zu erschlie\u00dfen, die zur erfolgreichen Gestaltung der Zukunft eminent wichtig sind. Values Exploration habe ich das deshalb genannt, nicht zuletzt, weil ich seit 2 Jahren in Celle lebe, dem Exploration Valley Europas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier sind seit jeher die klassischen Explorationsunternehmen der Erd\u00f6l- und Erdgasindustrie angesiedelt. Nach einem ersten Ansturm von zuletzt 40 \u00d6lgesellschaften im Jahre 1881 auf \u00d6lheim bei Peine r\u00fcckten in den Drei\u00dfiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben bescheidenen \u00d6lfelder rund um Celle in den Mittelpunkt des nationalen und internationalen Interesses. Damit wuchsen die geologischen Erkenntnisse, da\u00df \u00d6l- und Gasvorkommen aus Muttergesteinen in gr\u00f6\u00dferen Tiefen kommen m\u00fcsse. Moderne geophysikalische Verfahren wie die 3D-Seismik dienen heute zur Erkundung des Untergrundaufbaus bis in Tiefen von 6.000 m. Die reflektierten Schallwellen kleiner Sprengungen lassen R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Verlauf von Gesteinsschichten zu. So l\u00e4\u00dft sich der Erfolg der anschlie\u00dfenden Bohrung wesentlich steigern, die bei einer Tiefe von 5.000 m mit 7 bis 12 Mio. \u20ac Kosten zu veranschlagen ist. Spezielle Techniken wie das Horizontalbohren erlauben es, ein Feld mit einer geringen Anzahl von Bohrungen zu erschlie\u00dfen. Zus\u00e4tzlich kann die Ausbeute eines Gasfeldes durch das Multi-Frac-Verfahren erheblich gesteigert werden. Dabei werden durch hohen Druck Risse im ansonsten sehr dichten Gestein erzeugt und mit einem St\u00fctzmittel gef\u00fcllt. So wird es m\u00f6glich, das heutzutage immer wertvollere Erdgas, das sich seit Urzeiten tief in der Erde gebildet hat, wirtschaftlich zu gewinnen. Angesichts steigender Energiepreise erlebt der Explorationssektor fast schon einen Boom, weil die Erkundung und Erschlie\u00dfung bisher unrentabler Lagerst\u00e4tten immer interessanter wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum erz\u00e4hle ich Ihnen das alles? Sicherlich nicht, um einen Fachvortrag beim Wirtschaftsverband Erd\u00f6l- und Erdgasgewinnung e.V. zu halten. Das k\u00f6nnen deren Mitarbeiter selbst besser. Auch nicht, weil Niedersachsen mit 89 % der bundesweit gr\u00f6\u00dfte Erdgasproduzent ist und entsprechend viele KMUs hier involviert sind. Nein, vielmehr macht mir selbst diese technische und wirtschaftliche Entwicklung im meiner Umgebung bewu\u00dft, da\u00df es sich f\u00fcr jede Generation immer wieder lohnt, Werte zu erschlie\u00dfen. Values Exploration bedeutet f\u00fcr mich in diesem Sinne auch: Werte liegen nicht einfach auf der Stra\u00dfe herum oder fallen mir in den Scho\u00df. Wenn ich sie gewinnen, wenn ich aus ihnen etwas sch\u00f6pfen will &#8211; also Wert-Sch\u00f6pfung beabsichtige &#8211; mu\u00df ich etwas daf\u00fcr tun. Das erfordert Know-How und verlangt Anstrengungen in vielerlei Hinsicht. Ich brauche dazu oft auch einen langen Atem und viel Geduld, manchmal auch so etwas wie Opferbereitschaft. Ich setze etwas auf\u00b4s Spiel, z.B. Lebenszeit, Gesundheit, Sicherheit oder Kapital. Da mu\u00df ich mir wie jeder andere Mensch \u2013 egal ob er wirtschaftlich selbst\u00e4ndig ist oder nicht \u2013 die Frage gefallen lassen, ob ich in meinem Leben Unternehmer oder Unterlasser ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Values Exploration \u2013 F\u00fcr die Zukunft zur\u00fcck in die Ewigkeit: Abgesehen von den ersten Erd\u00f6lf\u00f6rderungen wie z.B. aus den Teerkuhlen bei Wietze steht die Explorationsindustrie seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts vor der Herausforderung, in tiefliegende Erdschichten vorzusto\u00dfen, die nachmenschlichem Zeitempfinden vor einer Ewigkeit entstanden sind. Verh\u00e4lt es sich nicht mit einer Reihe von Werten in ganz \u00e4hnlicher Weise? Es gibt vielleicht so etwas wie ein numinoses Wissen oder Ahnen \u00fcber Werte in den verschiedensten Kulturen und Religionen. In vergleichbarer Weise lassen sich ja manche gemeinsamen \u00dcberlieferungen wie z.B. \u00fcber eine gro\u00dfe Flut, \u00fcber die auch im Alten Testament in der Erz\u00e4hlung von Noah und seiner Archeberichtet wird, anf\u00fchren. Andererseits ger\u00e4t manches auch wieder in Vergessenheit. So besteht mittlerweile im sogenannten christlichen Abendland eine gro\u00dfe Unkenntnis \u00fcber wesentliche Grundlagen wie die Zehn Gebote oder die Bedeutung gro\u00dfer christlicher Feiertage. Auch in der Kirche k\u00f6nnen wir nur noch wenig an Grundwissen voraussetzen. Da kommt es schon einmal vor, da\u00df ein Konfirmand bei einer Kirchenbesichtigung fragt: \u201eWer ist dieser Mann da im Bademantel?\u201c und dabei auf ein Bild vom segnenden Christus zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An vielen Stellen unseres Lebens sind Quellen versch\u00fcttet, die es wieder zu entdecken und freizulegen gilt. Das ist kein neues Ph\u00e4nomen. Schon in der klassischen Philosophie wird der Ruf \u201ead fontes!\u201c immer wieder laut: Zur\u00fcck zu den Quellen, aus denen vergangene Generationen Wert-volles gesch\u00f6pft haben. In einer \u00dcberflu\u00dfgesellschaft wie der unsrigen sind die Menschen fast zwangsl\u00e4ufig einer Informationsflut an Belanglosigkeiten ausgesetzt, die manche wichtigen Quellen versch\u00fcttet. Gleichzeitig gehen wertvolle Kenntnisse und handwerkliche F\u00e4higkeiten vergangener Jahrhunderte verloren. Au\u00dferdem nimmt die Halbwertszeit unseres Wissens st\u00e4ndig ab. Dann macht man manchmal auch die Erfahrung, da\u00df Werte sich ersch\u00f6pfen k\u00f6nnen, so wie ein gro\u00dfes Erdgasfeld irgendwann einmal nicht mehr genug hergibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder der Zugang zu lange tradierten Werten kann durch wertloses Material versch\u00fcttet sein. Deshalb mu\u00df st\u00e4ndig neu in die Exploration von Werten investiert werden. Auch das l\u00e4\u00dft sich wiederum am Beispiel der Mineral\u00f6lindustrie verdeutlichen: So d\u00fcrften nach Sch\u00e4tzungen die Gewinne der international f\u00fchrenden Anbieter in diesem Jahr 106 Mrd. Euro betragen. Verwunderlich ist es, da\u00df viele Produzenten da nur z\u00f6gerlich ihre Budgets f\u00fcr die Erschlie\u00dfung neuer \u00d6l- und Gasfelder aufstocken und so st\u00e4rker in die Zukunft investieren. Stattdessen geben sie einen hohen Anteil ihrer Barmittel an Anleger und Investoren zur\u00fcck: \u201eSelbst Marktf\u00fchrer Exxon schafft nur ein \u201eReserve Replacement Ratio\u201c von 83 Prozent. Die branchenrelevante Kennziffer weist das Verh\u00e4ltnis von erneuerten Reserven zur Produktion aus: Ein Wert von unter 100 Prozent bedeutet, da\u00df mehr \u00d6l gef\u00f6rdert und verkauft wird, als neue Vorkommen gefunden oder erschlossen werden\u201c (FAZ 27.05.06).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So stellt sich f\u00fcr mich im \u00fcbertragenen Sinne immer wieder die Frage: Wie gehe ich mit meinen Ressourcen an Zeit, Gesundheit, Geld etc. im Hinblick auf die Zukunft um? Welche Maximen habe ich und welche Perspektivenergeben sich daraus? Bei inhabergef\u00fchrten Unternehmen oder auch solchen, bei denen noch etwas vom Geist einer gro\u00dfen Gr\u00fcndergestalt zu sp\u00fcren ist, stelle ich immer wieder fest, da\u00df dort Werte im zwischenmenschlichen Umgang der Stakeholder eine gro\u00dfe Bedeutung haben. Wer Werte vorlebt, sie erlebbar macht, l\u00e4dt zum Ausprobieren und eigenen Erkunden ein. Das ist schon so in der kleinsten Wirtschaftseinheit, der Familie. Hier sehe ich ein gro\u00dfes Potential der KMUs besonders hervorleuchten. Gelebte Werte zielen bewu\u00dft oder unbewu\u00dft auf langfristigen und nachhaltigen Erfolg, nicht auf ein kurzes Aufflackern und schnelles Erl\u00f6schen. Werte sind immer positiv in ihrer Wirkung. Das englische Wort value weist darauf hin. Es stammt vom lateinischen valere, was einfach \u00fcbersetzt hei\u00dft: gesund sein, stark sein, kr\u00e4ftig sein, verm\u00f6gen. Wie kaum ein anderer hat der 1945 im Dritten Reich hingerichtete Theologe Dietrich Bonhoeffer den Zusammenhang von gelebten Werten und zukunftsorientiert verantwortlichem Handeln treffend ausgedr\u00fcckt mit dem Satz: \u201eDie letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Aff\u00e4re ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll.\u201c (Bilder bei Google zum Suchbegriff \u201ekommende Generation\u201c sind bezeichnenderweise \u00fcberwiegend: Technische Produkte wie Autos, Computer etc, aber kaum Menschen)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Values Exploration \u2013 mit Werten von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende des weltweit bekanntesten Gebets der Christenheit, dem Vaterunser, sprechen Menschen seit 2000 Jahren: \u201eDein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen\u201c (Matth\u00e4us 6,13). Die darin enthaltene Perspektive weist weit \u00fcber alles menschlich Verstehbare hinaus. Sie bringt gleichzeitig eine Glaubensaussage und ein Lob Gottes zum Ausdruck. Doch es steckt auch eine gute Erfahrung aus der Vergangenheit darin. Es ist die Gewi\u00dfheit, da\u00df Gott als allm\u00e4chtiger Sch\u00f6pfer seinen Gesch\u00f6pfen die Treue h\u00e4lt. Die Bekr\u00e4ftigungsformel Amen am Ende dieses und anderer Gebete stammt vom hebr\u00e4ischen Wort \u00c4munah und bedeutet in seiner \u00dcbersetzung: Treue. Treue ist \u00fcbrigens die pr\u00e4gnanteste Eigenschaft Gottes. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel hindurch. Sie allein erm\u00f6glicht Vertrauen. Treue begr\u00fcndet auch Glauben = lat. credere = cor dare = jemandem das Herz geben. Treue veranla\u00dft dazu, jemandem Glauben zu schenken, ihm Kredit zu geben. Vielleicht ist es diese Sehnsucht von uns Menschen nach Treue und Vertrauen, die der Verfasser des alttestamentlichen Buches Prediger meint, wenn erschreibt: \u201eGott hat die Ewigkeit in das Herz der Menschen gelegt; nur da\u00df der Mensch nicht ergr\u00fcnden kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende\u201c(Prediger 3,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Sehnsucht nach Verl\u00e4\u00dflichkeit sprach Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler auf dem Arbeitgeberforum \u201eWirtschaft und Gesellschaft\u201c am 15. M\u00e4rz 2005 in Berlin an, indem er sagte: \u201eDer Schl\u00fcssel zum Vertrauen der B\u00fcrger sind Wahrhaftigkeit und Stetigkeit, Stimmigkeit und Berechenbarkeit der Politik. Ohne Verl\u00e4\u00dflichkeit kein Vertrauen. Ohne Vertrauen kein Aufschwung.\u201c So ist es ja in allen Bereichen des Lebens. Wo es an Vertrauen mangelt, sichert man sich durch juristisch spitzfindige Vertr\u00e4ge ab. Da gestalten sich die Beziehungen nicht so z\u00fcgig wie unter Leuten, auf die man sich verlassen kann. Wer schlie\u00dft heute noch Vereinbarungen mit Handschlag ab? Es ist also immer wieder eine Frage der Treue und des Vertrauens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft: Die gemeinsame Studie \u201eWirtschaftskriminalit\u00e4t 2005\u201c von Pricewaterhouse Coopers (PwC) und der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg kommt zu dem Ergebnis, da\u00df in den vergangenen zwei Jahren 46 Prozent aller deutschen Unternehmen Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen geworden sind. Die h\u00e4ufigsten Delikte waren Unterschlagung (29%), Betrug (23%), Industriespionage oder Produktpiraterie (13%). In den Unternehmen entstand dadurch durchschnittlich (!) ein Schaden in H\u00f6he von 3,4 Mio. Euro. Ganz zu schweigen von den schwer bezifferbaren Verlusten durch Imagesch\u00e4den, Schw\u00e4chung der Mitarbeitermotivation oder Beeintr\u00e4chtigung der Beziehungen zu Gesch\u00e4ftspartnern. Diese Folgesch\u00e4den treten fast zwangsl\u00e4ufig auf. Und nat\u00fcrlich steigen im Nachhinein die Kosten des erzeugten Mi\u00dftrauens: Innovationsbremsen durch Einengung der produktiven Freiheiten der Akteure, vermehrte Kontrollen, aufgebl\u00e4hte B\u00fcrokratie etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant sind f\u00fcr mich hierbei die Ursachen dieser Wirtschaftskriminalit\u00e4t: Bei zwei Dritteln der Delinquenten herrschte ein mangelndes Unrechtsbewu\u00dftsein und das restliche Drittel f\u00fchrte einen zu aufwendigen Lebensstil. Ist es da ein Zufall, da\u00df auch die Privatinsolvenzen \u2013 in gegenl\u00e4ufiger Entwicklung zu den Unternehmensinsolvenzen &#8211; in unserem Land immer mehr zunehmen? Wie ist es zu erkl\u00e4ren, da\u00df es einerseits eine neue Sehnsucht nach gelebten Werten gibt, andererseits jedoch eine weitverbreitete Absenz von Werten erkennbar ist? Wenn Werte nicht erkundet, vorgelebt und von klein auf einge\u00fcbt werden oder nur ein k\u00fcmmerliches Dasein fristen, werden sie nat\u00fcrlich auch nicht gelebt. Wer kennt heute noch die vier Kardinaltugenden aus der antiken Philosophie (Platon, ca. 360 v.Chr.): Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit, aus denen viele Jahrhunderte hindurch alle weiteren Tugenden abgeleitet wurden? Wer lebt nach den drei g\u00f6ttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, wie sie Paulus im Hohen Lied der Liebe beschreibt (1. Korinther 13)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch ist eine Sehnsucht nach ihnen da. Vielleicht auch, weil manche \u00dcberzeugungen der 68er-Generation sich heute als Trugschlu\u00df erweisen. Schon der d\u00e4nische Theologe S\u00f6ren Kierkegaard warnte vor 150 Jahren: \u201eWer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, findet sich schnell als Witwer vor\u201c. \u201eAbtauchen in die Vergangenheit und heute etwas von ewigen Werten sp\u00fcren\u201c, so beschreiben viele F\u00fchrungskr\u00e4fte ihre Erfahrungen in den ehemaligen Zisterzienserkl\u00f6stern Loccum und Amelungsborn. Bei den Seminaren und Trainings f\u00fcr Firmen und Privatpersonen, die ich dort zusammen mit meinem Kollegen Ralf Reuter veranstalte, geraten viele dar\u00fcber ins Gr\u00fcbeln, was diese besonderen Geb\u00e4ude wohl \u00fcber 800 Jahre hindurch gepr\u00e4gt und erhalten hat. Kein Unternehmen kann dieses Alter vorweisen. Es sind Orte, an denen Menschen unterschiedlichster Pr\u00e4gung seit Gr\u00fcndung dieser Kl\u00f6ster, auch nachdem sie in evangelische H\u00e4nde gelangten, bis heute an jedem Tag ihre Andachten gehalten und ihre Gebete f\u00fcr die Bewahrung der Menschen und den Fortbestand dieser Erde gesprochen haben. Es wird etwas sp\u00fcrbar von Werten, die tragf\u00e4hig sind. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Pilgertouren, die ich entlang der Kl\u00f6ster des neu erschlossenen Pilgerwegs Loccum-Volkenroda f\u00fchre. Sie versinnbildlichen ein St\u00fcck weit den Weg des Lebens mit seinen H\u00f6hen und Tiefen, den Durststrecken und Oasen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Values Exploration &#8211; mit Werten Krisen \u00fcberwinden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der biblischen und kirchengeschichtlichen Tradition des Christentums ist bekannt, da\u00df Krisen zum Leben dazugeh\u00f6ren, ja sogar notwendig sind. Die Bibel berichtet schonungslos dar\u00fcber, da\u00df keine ihrer F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten nicht durch Krisen hindurchgegangen ist. Gleichzeitig gibt die biblische Zeitvorstellung, da\u00df die Zeit in der Ewigkeit Gottes eingebettet ist, die Gelassenheit und den Mut, Ver\u00e4nderungsprozesse zu beobachten aber auch aktiv zu gestalten. Der Apostel Paulus kennt sogar so etwas wie die Gleichzeitigkeit von Krise und Erfolg, wenn er an die Gemeinde in Rom schreibt (R\u00f6mer 7,24f): \u201eIch elender Mensch! Wer wird mich erl\u00f6sen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!\u201c Ich begegne immer wieder Unternehmern, die mitten in einer wirtschaftlichen Krise stecken. Dabei ist es f\u00fcr mich besonders beeindruckend, wie sie damit umgehen. In sehr vielen F\u00e4llen sind damit ja pers\u00f6nliche Schicksale verbunden, manchmal geht dabei auch die Ehe in die Br\u00fcche oder Freundschaften erweisen sich als ehemalige Zweckgemeinschaften. Da wird deutlich, was wirklich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz zu Beginn des Christentums haben Menschen erstaunlicherweise diese Krisen in ihrem Leben auf k\u00fcnstliche Weise erzeugt. Sie haben Familie, Freunde, Besitz und Sicherheiten hinter sich gelassen und sind in die W\u00fcste gegangen. Das war Askese, was \u00fcbersetzt nichts anderes als \u00dcbung bedeutet. Sie suchten die Unmittelbarkeit zu Gott, indem Sie sich von seiner Hilfe abh\u00e4ngig machten. Es ist f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Bereicherung, Menschen kennengelernt zu haben, die alles verloren oder bewu\u00dft auf materielle Dinge verzichtet haben und denen trotz dieser Krise ihre christlichen Werte Glaube, Hoffnung und Liebe nicht abhanden gekommen sind. Und es freut mich um so mehr, da\u00df diejenigen, die dabei in Insolvenz geraten sind, in den meisten F\u00e4llen mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung eines anderen Unternehmens betraut worden sind, weil sie glaubw\u00fcrdige Personen sind und man von ihnen erwartet, da\u00df sie aus ihrer Erfahrung heraus die Warnlampen besser kennen und beachten als die scheinbar makellosen Erfolgstypen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gegenteil beobachte ich nat\u00fcrlich leider auch um mich herum: Wirtschaftlicher Reichtum bei gleichzeitiger innere Leere. Was wiegt am Ende schwerer, was ist bedr\u00fcckender: Wirtschaftliche Insolvenz oder spirituelle Insolvenz? Ich behaupte: Wer im Leben einen archimedischen Punkt hat, wer Werte aus \u00dcberzeugung lebt, der kann Krisen leichter \u00fcberwinden. Mit Werten in F\u00fchrung zu gehen, bedeutet auch, nachhaltig wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Eine gemeinsame Studie von Gregor Sch\u00f6nborn (Deep-White) und der Universit\u00e4t St. Gallen aus dem Jahre 2004 kommt zu dem Schlu\u00df, da\u00df gelebte Werte sogar mehr als ein Viertel des wirtschaftlichen Erfolgs verursachen! Ethische Kompetenz erweist sich damit als ein besonderer Produktivit\u00e4tsfaktor. Es liegt mir fern, hiermit ein Wohlstandsevangelium auf der Basis von ethical correctness zu verk\u00fcndigen. Damit w\u00e4ren die vier antiken Kardinaltugenden oder die drei christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe f\u00fcr mich sofort wieder konterkariert, weil sie zur Verdinglichung mi\u00dfbraucht w\u00fcrden. Es war heute einzig und allein mein Anliegen, Ihnen Mut zu machen, Werte zu entdecken und diese auch ins Leben zu ziehen. Wenn Ihnen das gelingt, dann k\u00f6nnen Sie als glaubw\u00fcrdige F\u00fchrungskraft gelassener und mit gr\u00f6\u00dferer Freiheit die Zukunft Ihres Unternehmens gestalten: Wer aus der Ewigkeit sch\u00f6pft, braucht die Zukunft nicht zu scheuen! Ich schlie\u00dfe deshalb in diesem Sinne mit zwei Zitaten, die Mut machen, die Zukunft in der Ewigkeit zu suchen: \u201eErwarte nichts vom Menschen, wenn er f\u00fcr seinen Lebensunterhalt arbeitet und nicht f\u00fcr seine Ewigkeit\u201c (Antoine den Saint Exup\u00e9ry, Die Stadt in der W\u00fcste). \u201eKlein ist der Mensch, der Verg\u00e4ngliches sucht, gro\u00df aber, wer das Ewige im Sinn hat.\u201c (Antonius von Padua, Predigten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vortrag auf dem 2. Mittelstandstag Niedersachsen, 28. Juni 2006<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Values Exploration: F\u00fcr die Zukunft zur\u00fcck in die Ewigkeit 1. Ey, haste mal \u00b4ne Zukunft? Oder: Welche Zukunft h\u00e4tten Sie denn gern? Wie sehen Sie die Zukunft? Welche Erwartungen verkn\u00fcpfen Sie mit ihr? Ist Ihre private Zukunft gleichzusetzen mit der Ihres Unternehmens? Ey, haste mal\u00b4ne Zukunft? Vielleicht kommen Sie mit einer \u00e4hnlichen Frage zum 2. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":160,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2166"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/160"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2166"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3029,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2166\/revisions\/3029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}