{"id":21649,"date":"2025-03-07T10:49:47","date_gmt":"2025-03-07T09:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21649"},"modified":"2025-03-07T10:50:24","modified_gmt":"2025-03-07T09:50:24","slug":"ein-brief-ueber-glaubensabfall-und-allversoehnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21649","title":{"rendered":"Ein Brief \u00fcber Glaubensabfall und Allvers\u00f6hnung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vielen Dank f\u00fcr Ihre Fragen. Sie haben eine Predigt \u00fcber den Glaubensabfall im endgeschichtlichen Gef\u00e4lle und \u00fcber die Allvers\u00f6hnung geh\u00f6rt und fragen, was man von diesen theologischen Positionen halten soll. Ich habe mir die Predigt angeh\u00f6rt. Hier meine Antwort in K\u00fcrze.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) Der Prediger spricht unter Bezug auf 1 Timotheus 4 vom gro\u00dfen Glaubensabfall der Gemeinde im endgeschichtlichen Gef\u00e4lle. Der Begriff des Abfalls kommt im Danielbuch 11,32 und in 2 Thess 2 vor. Legt man Dan 11 zugrunde, handelt es sich dabei um ein endgeschichtliches Geschehen im j\u00fcdischen Volk, denn Daniel ist ein Israelprophet. Wenn der Falschchristus (der sog. Antichrist) mit Verf\u00fchrungsk\u00fcnsten und Wundern auftritt, werden sich viele Juden von ihm verf\u00fchren lassen, denn Israel ist ein wundergl\u00e4ubiges Volk (1 Kor 1,22). Wenn Paulus in 2 Thess 2,3 vom Abfall spricht, dann tut er dies im Zusammenhang mit dem Auftreten des Antichrists (\u201eMensch der Bosheit\u201c). Es spricht deswegen viel f\u00fcr die Annahme, dass der Apostel hier Daniel 11 und das j\u00fcdische Volk im Auge hat. Die Gemeinde Jesu muss im endgeschichtlichen Gef\u00e4lle genau beobachten, was im Volk der Juden vor sich geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich steht auch die Christenheit immer in der Gefahr des Glaubensabfalls, und zwar von Anfang an. Der Teufel geht umher wie ein br\u00fcllender L\u00f6we, um Jesu Nachfolger zu verf\u00fchren, das wissen wir. Aber die gl\u00e4ubigen Christen haben den Heiligen Geist und Jesus Christus ist ihr guter Hirte. Wenn sie ihrem Herrn vertrauen und die geistliche Waffenr\u00fcstung anziehen (Eph 6,10ff.), k\u00f6nnen sie die Tricks und Verf\u00fchrungen Satans durchschauen und ihnen widerstehen. Und wenn sie gefallen sind, k\u00f6nnen sie wieder aufstehen. Wenn Paulus in 1 Tim 4,1ff. von den letzten Zeiten spricht, dann meint er zun\u00e4chst seine eigene Zeit, aber auch die sich anschlie\u00dfende Zeit bis zur Wiederkunft des Herrn. Die \u201eletzten Zeiten\u201c haben nach Einsch\u00e4tzung der Apostel bereits mit dem ersten Pfingstfest begonnen. Seitdem der Heilige Geist sein Werk in dieser Welt tut und Christus gro\u00df macht, ist auch der Geist des falschen Christus t\u00e4tig. Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief, dass der Geist des Antichristen von Anfang an in der Gemeinde pr\u00e4sent ist. Die Predigt erweckt den Eindruck, dass die Gemeinde Jesu erst in der endgeschichtlichen Zeit besonderen Verf\u00fchrungen ausgesetzt sei. Das l\u00e4sst sich aus dem Neuen Testament aber nicht begr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso verh\u00e4lt es sich mit der in der Predigt vertretenen Auffassung, dass es in der letzten Zeit vor Jesu Kommen gro\u00dfe Scheidungen in der Christenheit geben werde. Diese Scheidungen gab es schon von Anfang an. Die Christen spalten sich derzeit in \u00fcber 3000 Denominationen. Das ist also nichts Neues. In der Predigt hei\u00dft es, dass sich in der letzten Zeit eine gro\u00dfe Scheidung zwischen den Gl\u00e4ubigen und den Scheinchristen ergeben wird. Auch hier muss man widersprechen. Jesus sagt in seinen Gleichnissen, dass der Feind Gottes andauernd Unkraut zwischen den Weizen s\u00e4t und dass dies so bleiben wird, bis der gro\u00dfe Erntetag kommt (Jesu Wiederkunft). Erst dann wird geschieden zwischen denen, die angenommen werden und denen, die verworfen werden (Offb 20,11-15). Von einer solchen Scheidung vorher, also vor dem Kommen des Herrn, steht in Bezug auf die Gemeinde nichts in der Bibel, wohl aber hinsichtlich Israel (Sach 13,7-9). In Gottes Auserw\u00e4hlungsvolk wird es in der Tat in der letzten Zeit dramatische Verwerfungen geben. Die einen werden sich an den Falschmessias anschlie\u00dfen. Die anderen werden auf den wahren Messias warten, der vom Himmel herabkommen wird, und viele werden dem Antichristus unter Einsatz ihres Lebens widerstehen. Es wird massive Konflikte in den Familien geben. Darauf hat schon Jesus in seiner israelbezogenen Endzeitrede hingewiesen (Matth 24,19). Diesen biblischen Ank\u00fcndigungen widmet der Prediger leider zu wenig Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Im 2. Teil der Predigt geht es um die Frage, ob am Ende alle Menschen gerettet werden. Diese Auffassung vertreten die Anh\u00e4nger der sog. Allvers\u00f6hnungslehre. In der Predigt geht es vor allem um die Auslegung von 1 Tim 2,4 und 4,10. Man ist zun\u00e4chst erstaunt, mit welcher Leichtigkeit der Prediger die schwierigsten theologischen Fragen behandelt. Z.B. sagt er \u201eWenn dieser Gott nicht schafft, was er will, dann gibt es keine Hoffnung\u2026f\u00fcr keinen von uns\u201c. Oder \u201eGottes Wille wird immer zur Wirklichkeit durch Gericht und Gnade\u201c. Woher nimmt der Prediger die Gewissheit f\u00fcr diese Aussagen? Ausleger wie Martin Luther haben lebenslang mit diesen Fragen gerungen. Luther hat einmal gesagt, dass man sich nicht zu lange mit dem deus absconditus (dem verborgenen Gott) besch\u00e4ftigen d\u00fcrfe (also mit seinem f\u00fcr uns unverst\u00e4ndlichen bzw. verborgenen Handeln), weil sich Gott nur dort finden lassen will, wo er sich selbst offenbart, in Jesus Christus (als deus revelatus, als sich offenbarender Gott).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Prediger bekennt sich vorbehaltlos zur Lehre der Allvers\u00f6hnung. Bitte denken Sie einmal kurz \u00fcber die Konsequenzen dieser Lehre nach. Sie f\u00fchrt letztlich zur Auffassung, dass auch der Teufel und alle seine unreinen und widerg\u00f6ttlichen Geister gerettet werden. Ferner, dass alle Aufrufe im Neuen Testament an die Menschen, dass sie sich erretten lassen sollen, unn\u00f6tig und falsch waren (z.B. die Pfingstansprache des Petrus, Apg 2,40). Eine weitere Konsequenz ist, dass im Rahmen dieser Lehre der Glaube unwesentlich wird. Wenn ohnehin alle gerettet werden, dann braucht es keinen Glauben mehr. Aber Jesus sagt das Gegenteil, n\u00e4mlich dass alle, die glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16). Ich bef\u00fcrchte, dass die Vertreter der Allvers\u00f6hnungslehre die Konsequenzen ihrer Auffassung nicht richtig durchdacht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sagt die Predigt zu den beiden Stellen 1 Tim 2,4 und 4,10? Anscheinend stehen sie beim fl\u00fcchtigen Lesen f\u00fcr die Position der Allvers\u00f6hnungslehre. Die erste Stelle ist mir selbst sehr schmerzhaft in Erinnerung. Sie hat mich als junger Christ jahrelang an einer konsequenten F\u00fcrbitte gehindert. Ich dachte mir, wenn Gott will, dass alle errettet werden, dann wird er das in seiner Allmacht auch erreichen. Ohne es zu merken, hatte ich mir ein logisch-philosophisches Bild von Gott gemacht. Es dauerte Jahre, bis ich den Zusammenhang dieser Aussage n\u00e4her studierte, vor allem den griechischen Urtext. Da ist n\u00e4mlich von der heiligen Pflicht der Christen zur F\u00fcrbitte die Rede. Gott wartet auf unsere F\u00fcrbitte, ja er bindet sich geradezu an sie. So hoch wertet er die Christen, dass er sie zu seinen Mitarbeitern macht und sie in seine Pl\u00e4ne mit einbezieht. Unsere F\u00fcrbitte f\u00fcr andere ist unendlich wichtig, weil sie Gottes Arm bewegt. Gott ist eben kein Allahgott, der alles allein bestimmt und durchzieht. Wir sollen F\u00fcrbitte tun, weil Gott andere zur Erkenntnis der Wahrheit f\u00fchren will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite Stelle (1 Tim 4,10), dass Gott der Erretter bzw. der Heiland aller Menschen ist, meint keineswegs, dass er alle zum ewigen Heil f\u00fchrt. Auch hier muss man den Zusammenhang beachten. In 1 Tim 4,8 hei\u00dft es klar, dass nur die Fr\u00f6mmigkeit (also die Umkehr zu Gott und das daraus entspringende neue Leben) die Verhei\u00dfung des ewigen Lebens hat. Mit der Aussage, dass Gott der Erretter aller ist, wird vielmehr ausgedr\u00fcckt, dass er einen universalen Heilswillen hat und dass er f\u00fcr alle Menschen ansprechbar ist. Jeder kann zu ihm kommen kann, jeden kann er erretten. Man darf aus solchen Aussagen keinen Automatismus machen, dergestalt, dass alle errettet sind. Diese auf menschlicher Logik aufgebaute Theologie wird dem Wesen Gottes und dem biblischen Menschenbild nicht gerecht. Sie wird dem Wesen Gottes nicht gerecht, weil sie das Leiden Gottes nicht ber\u00fccksichtigt. Jesus leidet an den Menschen, die ohne Hirten leben (Matth. 9,36). Der Vater im Gleichnis vom Verlorenen Sohn leidet an der Gottesferne seines Sohnes. Wenn Menschen Gottes Vers\u00f6hnungshand nicht annehmen, leidet er, aber seine Liebe zwingt sie dennoch nicht dazu. Liebe kann alles, aber nicht zwingen. Die Allvers\u00f6hnungslehre wird auch dem biblischen Menschenbild nicht gerecht. Denn wenn es in den Pl\u00e4nen Gottes angelegt w\u00e4re, alle Menschen zu erretten, w\u00fcrde Gott dem Menschen die M\u00f6glichkeit nehmen, auf Gottes Liebe zu reagieren. Und gerade diese M\u00f6glichkeit ist das Kostbarste, was Gott in den Menschen hineingelegt hat. Die Liebe Gottes zu erfahren und mit Liebe beantworten zu k\u00f6nnen, ist geradezu der Inbegriff der im Menschen angelegten Gottesebenbildlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe, dass diese kurzen Gedanken Ihnen helfen, das biblische Wort \u00fcber die Gefahren des Glaubensabfalls und der Allvers\u00f6hnungslehre besser zu verstehen. Ich w\u00fcnsche Ihnen eine gesegnete Passions- und Osterzeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Fragen. 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