{"id":2145,"date":"2007-06-06T11:29:53","date_gmt":"2007-06-06T09:29:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2145"},"modified":"2009-09-04T16:46:46","modified_gmt":"2009-09-04T14:46:46","slug":"gewollte-benachteiligung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2145","title":{"rendered":"Gewollte Benachteiligung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Norbert Geis<br \/>\nGewollte Benachteiligung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Bundesfamilienministerium haben im November 2004 ihre gemeinsame Strategie zu deutschen Familienpolitik ver\u00f6ffentlicht. Ihr Ziel: \u201eKinder in die Krippe und Eltern an den Arbeitsplatz.\u201c Die Wirtschaft f\u00fcrchtet um die Verknappung der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung. Aus diesem Grund will sie die Eltern, vor allem die jungen M\u00fctter, f\u00fcr die Erwerbsarbeit mobilisieren. Die Kinder spielen dabei keine Rolle. Die jungen V\u00e4ter und M\u00fctter sind meist sehr gut ausgebildet und deshalb willkommene Arbeitskr\u00e4fte. Die weniger gut ausgebildeten jungen M\u00fctter werden als Hilfskr\u00e4fte gebraucht.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb w\u00fcnscht sich die Wirtschaft mehr Krippenpl\u00e4tze. Darauf, dass die Kleinkinder im Krippenalter bis zu drei Jahren besser von ihren V\u00e4tern oder M\u00fcttern betreut werden, wird keine R\u00fccksicht genommen. Auch wird nicht bedacht, dass die M\u00fctter und V\u00e4ter vor allem den Jugendlichen Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen, denn die Industrie stellt lieber Arbeitskr\u00e4fte ein, die bereits im Berufsleben waren und eine gewisse Berufserfahrung mitbringen. Die Jugendlichen bleiben auf der Strecke. Das zeigt sich in Frankreich, wo ja viele M\u00fctter berufst\u00e4tig sind. Dort sind \u00fcber 20% der Arbeitslosen im jugendlichen Alter. Kein Wunder, dass diese randalieren, weil sie keine Zukunftsperspektive haben. Sollen sich bei uns \u00e4hnliche Verh\u00e4ltnisse einstellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So weit denkt die Industrie nicht. Hauptsache sie verf\u00fcgt momentan mit den M\u00fcttern und V\u00e4tern \u00fcber qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte. Deshalb darf auch die finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr junge Familien nicht zu hoch ausfallen, damit der Anreiz besteht, bald in das Erwerbsleben zur\u00fcckzukehren. Ganz offen sprach das im Jahr 2004 der damalige BDI-Chef Rogowski im Rahmen einer Konferenz zur Familienpolitik aus: \u201eWenn kein Geld mehr gezahlt wird, werden die meisten (Eltern) freiwillig fr\u00fcher zur\u00fcckkehren.\u201c Ein Jahr Elterngeld ist deshalb genug. Der Elternteil, der keinen Anspruch auf Elterngeld hat, weil er nicht erwerbst\u00e4tig war, erh\u00e4lt f\u00fcr ein Jahr Erziehungsgeld in H\u00f6he von 300 Euro. Das reicht nicht. Also sind Vater oder Mutter gezwungen, bald nach der Geburt des Kindes auf Jobsuche zu gehen. F\u00fcr sie gibt es keine Wahlfreiheit. Sie sind die Benachteiligten. Aber das ist gewollt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die SPD hat diese familienfeindliche Politik wegen der Wahl 2005 nicht mehr durchsetzen k\u00f6nnen. Die Gro\u00dfe Koalition ist dabei, dies nachzuholen. Bleibt zu hoffen, da\u00df die Suppe nicht so hei\u00df gegessen werden mu\u00df, wie sie gekocht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In: JUNGE FREIHEIT, 16. M\u00e4rz 2007<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Norbert Geis Gewollte Benachteiligung Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Bundesfamilienministerium haben im November 2004 ihre gemeinsame Strategie zu deutschen Familienpolitik ver\u00f6ffentlicht. 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