{"id":21420,"date":"2025-02-09T11:17:12","date_gmt":"2025-02-09T10:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21420"},"modified":"2025-02-11T12:09:38","modified_gmt":"2025-02-11T11:09:38","slug":"mehr-als-ein-zwischenruf-zur-gesetzesinitiative-von-landesbischof-gohl-zur-trauung-gleichgeschlechtlich-liebender-paare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21420","title":{"rendered":"Mehr als ein Zwischenruf &#8211; Zur Gesetzesinitiative von Landesbischof Gohl zur Trauung gleichgeschlechtlich liebender Paare"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage war nicht \u201eob\u201c, sondern lediglich \u201ewann\u201c. Wann (siehe dazu auch <a href=\"http:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\/ak-wuerttemberg\/kippt-jetzt-auch-wuerttemberg-ein-zwischenruf-von-der-gemeindebasis\/\">www.bibelundbekenntnis.de<\/a>) wird der derzeit amtierende w\u00fcrttembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl eine Initiative f\u00fcr ein (kirchliches) Gesetz zur Einf\u00fchrung der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare initiieren und forcieren. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Njnb3mTwHrY\">Nun ist es \u00f6ffentlich so weit<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist zu fragen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind inzwischen weitgehend bekannte Argumente, mit denen Gohl und Sprecher von drei der vier Gespr\u00e4chskreise der w\u00fcrttembergischen Landessynode f\u00fcr dieses Gesetz pl\u00e4dieren. Dennoch lohnt es sich, noch einmal kurz auf diese Argumente zu schauen:<!--more--><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>\u201eIch will nicht\u2026\u201c<\/strong> \u2013 so beginnt Gohl sein Statement (siehe Link oben) und wiederholt das auch mehrfach im Interview. Wird eigentlich noch nach dem gefragt, was der Herr der Kirche, Jesus Christus, will, siehe z.B. Matth\u00e4us 19,4ff? Oberkirchenrat Dr. J\u00f6rg Schneider verweist <a href=\"http:\/\/www.elk-wue.de\/fileadmin\/Downloads\/Wir\/Synode\/2024\/Herbstsynode\/Berichte_und_Reden\/TOP_15_-_Trauung_gleichgeschlechtlich_liebender_Ehepaare__Bericht_des_OKR_-_OKR_Dr._Joerg_Schneider_.pdf\">in seinem Bericht<\/a> auf die \u201echristologische Mitte\u201c, die aber hier offensichtlich keine Rolle spielt. Christus aber ist der Sch\u00f6pfungsmittler (Kol 1,15f) und demzufolge der, der die Sch\u00f6pfungsordnung \u2013 ein Mann und eine Frau \u2013 eingef\u00fchrt und diese nicht aufgehoben hat. Das bedeutet aber auch, dass es sich hier nicht \u201enur\u201c um eine ethische Randfrage handelt, wie gerne suggeriert wird, sondern es geht hier um eben die christologische Mitte.<\/li>\n<li>Der Landesbischof f\u00fchrt ins Feld, dass das 2019 von der Landessynode beschlossene Gesetz, das die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in einem Gottesdienst unter bestimmten Voraussetzungen erm\u00f6glicht, <strong>kaum vermittel- bzw. erkl\u00e4rbar<\/strong> sei. Besucher solcher Gottesdienste k\u00f6nnten nicht zwischen Segnung und Trauung unterscheiden. Damit hat er sicherlich recht. Ist es aber nicht abwegig, nun die Einf\u00fchrung einer gleichgeschlechtlichen Trauung u.a. damit zu begr\u00fcnden, dass ein schwer verst\u00e4ndliches Gesetz, das schon 2019 bibel- und bekenntnis- und damit kirchenverfassungswidrig war, abzul\u00f6sen?<\/li>\n<li>Weiter f\u00fchrt Ernst-Wilhelm Gohl an, dass ja <strong>der Staat<\/strong> die b\u00fcrgerliche Eheschlie\u00dfung von gleichgeschlechtlichen Paaren schon l\u00e4ngst eingef\u00fchrt habe. Ber\u00fchrt es nicht unangenehm, dass ein staatliches Gesetz (nicht nur, aber auch) theologische Auswirkungen auf das Handeln der Kirche haben soll? Ein solcher Satz \u2013 ausgerechnet im Jahr des 90. Jubil\u00e4ums der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung \u2013 wirkt schon sehr befremdlich. Offensichtlich ist das B\u00fcndnis von Thron und Altar noch immer nicht \u00fcberwunden.<\/li>\n<li>Und schlie\u00dflich nennt Herr Gohl das Allzweck-Argument <strong>\u201eDiskriminierung\u201c<\/strong>. Oberkirchenrat Dr. J\u00f6rg Schneider (siehe Link zu seinem Bericht oben) verwendet viel M\u00fche auf Begriffskl\u00e4rungen. Das w\u00e4re auch f\u00fcr den gebetsm\u00fchlenartig wiederholten und inzwischen erm\u00fcdenden Begriff \u201eDiskriminierung\u201c angebracht. Diskriminierung ist die Ungleichbehandlung von Gleichem. Da aber die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau nicht gleichzusetzen ist mit einer \u201eEhe\u201c von gleichgeschlechtlichen Partnern kann von Diskriminierung in diesem Zusammenhang keine Rede sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt wird sich der aufmerksame H\u00f6rer bzw. Zuschauer des Statements fragen, warum Landesbischof Gohl \u00fcberhaupt kein theologisches Argument bringt, das f\u00fcr die Einf\u00fchrung dieses Gesetzes sprechen k\u00f6nnte. Die Antwort kann doch nur lauten: Es gibt keines.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist zu sagen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es lohnt sich, nicht nur das Statement von Ernst-Wilhelm Gohl, sondern auch die auf der Homepage der Landessynode ver\u00f6ffentlichten Dokumente und auch die Wortmeldungen in der Aussprache <a href=\"http:\/\/www.elk-wue.de\/wir\/landessynode\/sitzungen-der-16-landessynode\/herbstsynode-2024-berichterstattung#c63378\">nachzulesen.<\/a> Es ist in diesem Rahmen nicht m\u00f6glich, darauf umfassend einzugehen. Lediglich vier Punkte m\u00f6chte ich kurz herausgreifen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Immer wieder wird die <strong>\u201eAuslegungsgemeinschaft\u201c<\/strong> genannt. Ein Begriff, der im Zusammenhang mit dem oben erw\u00e4hnten Homo-Segnungsgesetz vom damaligen Landesbischof July eingef\u00fchrt wurde. Die Bibel werde unterschiedlich ausgelegt, was zu v\u00f6llig unterschiedlichen Ergebnissen f\u00fchre, die nicht miteinander vereinbar seien, aber eben im Rahmen der Auslegungsgemeinschaft gleichberechtigt nebeneinander stehen bleiben m\u00fcssten. Es ist schon richtig, dass es biblische Stellen und Passagen gibt, wo Bibelausleger zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen k\u00f6nnen. Bei der Frage praktizierter Homosexualit\u00e4t gibt es aber in der Heiligen Schrift keinen Spielraum. Selbst der Neutestamentler Prof. Dr. Udo Schnelle, dem man sicherlich keine N\u00e4he zum Pietismus unterstellen kann, kommt zu dem Schluss: \u201eAlle Aussagen zur Homosexualit\u00e4t in der Bibel sind eindeutig negativ und auch der Jude Jesus von Nazareth d\u00fcrfte mit Sicherheit Homosexualit\u00e4t abgelehnt haben. Man kann diesem Befund negativ gegen\u00fcberstehen, nur sollte man dies als eigene politisch-moralische Meinung kundtun und nicht so tun, als sei dies die Meinung der Bibel.\u201c<\/li>\n<li>Oberkirchenrat Dr. Schneider betont zurecht, dass die <strong>Bekenntniswidrigkeit<\/strong> \u201edas am schwersten wiegende Argument gegen die Trauung Gleichgeschlechtlicher\u201c ist. Leider schw\u00e4cht er dieses Argument gleich ab, indem er ausf\u00fchrt, dass Bekenntnisse auslegungsbed\u00fcrftig und auslegungsw\u00fcrdig sind. F\u00fchrt man diese Linie konsequent weiter, werden oder k\u00f6nnen sich auch andere Bekenntnisinhalte als auslegungsbed\u00fcrftig und auslegungsw\u00fcrdig erweisen, sofern sie dem Zeit- und Irrgeist nicht mehr entsprechen. Zudem ist nicht allein die Bekenntnis-, sondern vielmehr die <strong>Bibel- und <\/strong>Bekenntnis<strong>widrigkeit<\/strong> das am schwersten wiegende Argument. Und damit wird auch die Kirchenverfassungswidrigkeit ber\u00fchrt, die allerdings \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 unter den Tisch f\u00e4llt. Der Kirchenrechtler Prof. Dr. Heinrich de Wall f\u00fchrt aus: \u201eIn einem solchen Fall, in dem die einen, m\u00f6glicherweise sogar eine gro\u00dfe Mehrheit in der Kirche, davon ausgehen, dass eine Neuregelung [hier: Segnung\/Trauung gleichgeschlechtlicher Paare] das Bekenntnis nicht betrifft, andere aber aus der Schrift nachvollziehbar begr\u00fcndeten Widerspruch gerade dagegen erheben, muss das Ganze als Bekenntnisfrage behandelt werden: Denn ein Konsens dar\u00fcber, was Schrift und Bekenntnis aussagen, l\u00e4sst sich in diesem Fall gerade nicht feststellen.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.elk-wue.de\/fileadmin\/Landessynode\/2017\/Studientag_2017\/S_2017-06-24_Referat_Prof._Dr._de_Wall_-_Segnungen-Trauungen_gleichgeschlechtlicher_Paare_im_evangelische__._.pdf\">www.elk-wue.de)<\/a>.<\/li>\n<li><strong>Zwei<\/strong> gleichberechtigte, aber sich v\u00f6llig widersprechende <strong>Eheverst\u00e4ndnisse<\/strong> soll es k\u00fcnftig in der w\u00fcrttembergischen Landeskirche geben. Nat\u00fcrlich ist die Kirche kein Industrie- oder Handelsbetrieb. Trotzdem kann jeder ein kleines Gedankenexperiment machen und \u00fcberlegen, was wohl mit einem Unternehmen geschehen w\u00fcrde, in dem zwei sich v\u00f6llig widersprechende Unternehmensstrategien mit den entsprechenden operativen Ma\u00dfnahmen v\u00f6llig gleichberechtigt nebeneinanderst\u00fcnden und umgesetzt w\u00fcrden.<\/li>\n<li>Betont wird, dass der <strong>Gewissensschutz<\/strong> zentrale Bedeutung haben muss und in dem angestrebten Gesetz verankert werden soll. Wessen Gewissen soll gesch\u00fctzt werden? Das der Pfarrer, die Homo-Trauungen durchf\u00fchren oder das der Pfarrer, die keine Homo-Trauungen durchf\u00fchren? Die Vermutung liegt nahe, dass die Gewissen der Zweiteren gesch\u00fctzt werden sollen. Aber warum? Wenn die Eheverst\u00e4ndnisse doch gleichberechtigt nebeneinanderstehen sollen, d\u00fcrfte es doch kein Problem darstellen, wenn ein Pfarrer keine Homotrauungen durchf\u00fchrt. Oder doch? Abgesehen davon ist der Gewissensschutz eine Luftblase. Wer will sich denn \u2013 nach dem was Hr. Gohl in seinem Statement alles erz\u00e4hlt hat \u2013 wirklich darauf verlassen, dass es in drei, vier, f\u00fcnf Jahren nicht wieder anders aussieht. Die Erfahrungen in anderen Landeskirchen spricht hier eine deutliche, leider traurige Sprache.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist zu tun? \u2013 Ein Aufruf<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Ich empfehle allen wachen Christenmenschen die beiden Handreichungen <a href=\"http:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/NBB_AK-Wu%CC%88rttemberg_Handreichung-fu%CC%88r-KGR_Stand11Okt.pdf\"><strong>\u201eWas Gott nicht segnet, kann die Kirche nicht segnen\u201c<\/strong><\/a>\u00a0 und <a href=\"http:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Broschuere-Bekenntnis_Digitalversion_komplett.pdf\"><strong>\u201eDie \u201eRegenbogenkirche\u201c bricht mit dem Bekenntnis\u201c<\/strong><\/a>\u00a0 aufmerksam zu studieren.<\/li>\n<li>Die ersten Briefe besorgter Christenmenschen an Landesbischof Gohl mit der Bitte das Vorhaben fallen zu lassen, wurden verschickt. Es ist gut, wenn ganz, ganz viele Jesusleute in W\u00fcrttemberg die Kirchenleitung wissen lassen, dass nicht nur das geplante Gesetz bibel- und bekenntnis- und damit kirchenverfassungswidrig ist, sondern auch das bereits 2019 von der Synode beschlossene \u201eHomo-Segnungsgesetz.\u201c Somit ist der <strong>\u201eStatus confessionis\u201c<\/strong>, der <strong>Bekenntnisnotstand<\/strong> gegeben.<\/li>\n<li>Ob die Kirchenleitung trotzdem \u2013 mindestens billigend \u2013 in Kauf nimmt, dass noch mehr langj\u00e4hrige, treue Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Gemeindeglieder die Kirche verlassen werden oder ob sie damit rechnet, dass der w\u00fcrttembergische Pietismus einmal mehr auch \u201ediese Kr\u00f6te schlucken\u201c wird, bleibt freilich die gro\u00dfe Frage.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Advent 2024,\u00a0 J\u00f6rg Schietinger, Kirchengemeinderat, Esslingen-Zell am Neckar<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Vorsitzende des S\u00fcddeutschen Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Dr. Johannes Reinm\u00fcller, hat in gleicher Angelegenheit am 4.12.2024 einen Offenen Brief an Landesbischof Gohl geschrieben, der den Ernst der Lage in der W\u00fcrttembergischen Kirche unterstreicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\/allgemein\/dass-ihr-fuer-den-glauben-kaempft-der-ein-fuer-alle-mal-den-heiligen-ueberliefert-ist\/\">www.bibelundbekenntnis.de<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage war nicht \u201eob\u201c, sondern lediglich \u201ewann\u201c. 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