{"id":2136,"date":"2008-08-12T11:14:46","date_gmt":"2008-08-12T09:14:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2136"},"modified":"2009-09-06T12:32:08","modified_gmt":"2009-09-06T10:32:08","slug":"mutmasliche-hintermanner-der-christenmorde-in-der-turkei-vor-gericht-genannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2136","title":{"rendered":"Mutma\u00dfliche Hinterm\u00e4nner der Christenmorde in der T\u00fcrkei vor Gericht genannt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mutma\u00dfliche Hinterm\u00e4nner der Christenmorde in der T\u00fcrkei vor Gericht genannt. <\/strong><strong>Verteidiger versuchen, den Mordproze\u00df von Malatya zur Hexenjagd auf Missionare umzufunktionieren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Bonn, 05.08.2008) Auch beim letzten Verhandlungstag Anfang Juli in Malatya wurde von den Verteidigern der Angeklagten suggeriert, die Christen tr\u00fcgen am Ende doch eine Mitverantwortung f\u00fcr das Massaker an ihnen. Barbara G. Baker (Compass Direct News) schrieb dazu einen Bericht, den wir hier in leicht gek\u00fcrzter Fassung wiedergeben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz neuer Zeugenaussagen vor Gericht, in denen ein Netz lokaler Funktion\u00e4re als Hinterm\u00e4nner des Mordes an drei Christen in Malatya im Vorjahr genannt werden, versuchten die Verteidiger der mutma\u00dflichen M\u00f6rder, den Gerichtstermin in der ersten Juliwoche in eine Untersuchung missionarischer Aktivit\u00e4ten umzufunktionieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verteidigung st\u00fctzte sich bei ihrer Befragung auch auf eine weit hergeholte Verschw\u00f6rungstheorie, die auf den Behauptungen der M\u00f6rder beruht, das B\u00fcro des Zirve-Verlags in Malatya h\u00e4tte geheime Verbindungen zu der als terroristische Vereinigung geltenden verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) unterhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Aussage eines Zeugen der Anklage, der angab, die Anstifter der Morde pers\u00f6nlich zu kennen, beherrschte die Verhandlung vom 4. Juli, wonach die Anw\u00e4lte der Opfer bzw. Hinterbliebenen folgerten, da\u00df sie dies einen Schritt weiter zur Aufkl\u00e4rung des Falles br\u00e4chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Ausn\u00fctzung der antichristlichen Stimmung in der zu 99 % von Muslimen bewohnten T\u00fcrkei bombardierten die Verteidiger der mutma\u00dflichen M\u00f6rder vier der sechs Zeugen an diesem Proze\u00dftag mit bohrenden Fragen \u00fcber ihre pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen und ihre Beteiligung an christlichen Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eK\u00fcmmert euch nicht um die Morde, erz\u00e4hlt uns \u00fcber die Missionsarbeit\u201c, lautete eine sarkastische \u00dcberschrift auf der Titelseite der Zeitung Taraf am Morgen nach diesem Verhandlungstag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies war der achte Verhandlungstag im Proze\u00df gegen f\u00fcnf am Tatort verhaftete Mordverd\u00e4chtige und zwei Komplizen wegen des Mordes an den t\u00fcrkischen Christen Necati Aydin und Ugur Y\u00fcksel und dem Deutschen Tilman Geske in einem Verlagsb\u00fcro am 18. April 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl der vorsitzende Rechter den meisten Einspr\u00fcchen der Anklage gegen irrelevante Fragen der Verteidigung stattgab, kam es w\u00e4hrend der ganzt\u00e4gigen Verhandlung immer wieder zu Schreiduellen zwischen den beiden Gruppen von Anw\u00e4lten im Gerichtssaal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Irrelevante Nachforschungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHatten Sie selbst irgendeine Ihnen \u00fcbertragene Vollmacht zur Verbreitung des Christentums?\u201c, fragte einer der Verteidiger Ozan Cobanoglu, den ersten Zeugen des Tages. Cobanoglu, ein Student aus dem Westen der T\u00fcrkei, hatte ohne b\u00f6se Absicht per E-Mail eine Verbindung zwischen dem t\u00fcrkischen Pastor Aydin und Emre G\u00fcnaydin, dem mutma\u00dflichen Anf\u00fchrer der M\u00f6rder, hergestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entr\u00fcstete Anw\u00e4lte der Hinterbliebenen erhoben sofort Einspruch gegen die Frage der Verteidiger. \u201eDiese Frage mu\u00df abgelehnt werden, da sie das verfassungsm\u00e4\u00dfige Verbot verletzt, jemand zur \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung seiner Glaubens\u00fcberzeugungen zu zwingen\u201c, erkl\u00e4rte Rechtsanwalt Ali Koc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Augenblicke sp\u00e4ter fragte die Verteidigung Cobanoglu: \u201eWeshalb wurde Necati Aydin mit der Leitung der Gemeinde in Malatya betraut? Wer hat ihn ausgew\u00e4hlt? Welche Bedeutung hatten all die E-Mails an ihn, in denen ihm zu seiner neuen Position bei Zirve gratuliert wurde?\u201c Anwalt Erdal Dogan gab zu bedenken, da\u00df diese Frage f\u00fcr den Mordfall irrelevant sei und wandte sich an die Verteidiger: \u201eBitte zeigen Sie ein wenig Respekt. Bei diesem Proze\u00df geht es um drei grausame Morde, nicht um Ermittlungen \u00fcber den christlichen Glauben und seine Praktiken! Machen Sie sich nicht l\u00e4cherlich!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verteidiger stellten weiterhin Fragen, die nichts mit dem Fall zu tun hatten, z.B. \u00fcber eine von Mordopfer Geske gef\u00fchrte Firma und \u00fcber die missionarischen Aktivit\u00e4ten von Gokhan Talas und seiner Frau, der Zeugen, die am Tatort gewesen waren, diesen jedoch nicht betreten konnten, weil die M\u00f6rder von innen abgeschlossen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eTerroristische Verschw\u00f6rungen\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter fragten die Verteidiger, ob die Aktivit\u00e4ten der Opfer zur Verbreitung des Christentums in einem Zusammenhang mit den Terroristen der PKK st\u00fcnden, die einen separatistischen Kurdenstaat im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei errichten wollen. \u201eKein Christ hat Verbindungen mit der PKK\u201c konterte Gokhan Talas, \u201edas Blut der Christen ist bis zum letzten Tropfen mit unserem Volk verbunden.\u201c G\u00fcnaydin und seine Mitt\u00e4ter behaupteten bei der Befragung durch die Polizei und auch vor Gericht, da\u00df man ihnen gesagt h\u00e4tte, die Christen vom Zirve-Verlag w\u00e4ren insgeheim mit der PKK verb\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einer Stelle hielt der Verteidiger Mehmet Katar eine den Computerdateien von Zirve entnommene Stellenbeschreibung in die H\u00f6he und deutete an, da\u00df die Anforderungen an die Mitarbeiter ihren Umgang mit jungen Christen betreffend in Wirklichkeit Schulungsrichtlinien f\u00fcr Aktivit\u00e4ten der PKK seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Anw\u00e4lte der Hinterbliebenen verwehrten sich nicht nur gegen diese unbegr\u00fcndete Behauptung. Sie wiesen sogar den vorsitzenden Richter darauf hin, da\u00df eine von ihm gestellte Frage \u00fcber Missionst\u00e4tigkeit gegen eine Erkenntnis des Obersten Gerichtshofs der T\u00fcrkei verstie\u00df, der rechtskr\u00e4ftig festgestellt hatte, da\u00df religi\u00f6se Missionst\u00e4tigkeit nach t\u00fcrkischem Recht vollkommen legal ist. Das Gericht weigerte sich, 16 Akten mit internen Informationen \u00fcber den Zirve-Verlag aus den Proze\u00dfakten auszuscheiden. Dadurch wurden die Verteidiger nur darin best\u00e4rkt, weiterhin f\u00fcr den Mordproze\u00df irrelevante Fragen zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Inhaftierter Informant wird R\u00e4delsf\u00fchrer gegen\u00fcbergestellt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ehemalige Unteroffizier der Armee Metin Dogan, 24, wurde in Handschellen aus dem Elbistan-Gef\u00e4ngnis in Malatya vorgef\u00fchrt, wo er eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren wegen Mordes verb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zeuge wiederholte im Detail seine Anschuldigungen, die er im Januar in einem Brief an den Staatsanwalt in Malatya dargelegt hatte. Dogan nannte vier M\u00e4nner, und sagte aus, diese h\u00e4tten ihn im August 2005 heimlich beauftragt, das B\u00fcro des Zirve-Verlags am hellen Tag zu \u00fcberfallen und die dort befindlichen Personen zu t\u00f6ten. Die vier von dem Zeugen genannten M\u00e4nner sind ein Lokalpolitiker der Partei der nationalen Bewegung (MHP), ein Leiter der ultranationalistischen Jugendorganisation Ulku Ocaklari, ein ehemaliger Parlamentarier und ein pensionierter Generalmajor. Einer der Auftraggeber soll laut Aussage des Zeugen gemeint haben, dieser Auftrag m\u00fcsse mit einem Messer erledigt werden. W\u00fcrde es mit einer Schu\u00dfwaffe gemacht, dann k\u00f6nne man es nicht \u201emit der Polizei arrangieren.\u201c Allerdings wurde Dogan zwei Monate sp\u00e4ter in Mersin verhaftet, weil er den M\u00f6rder seines \u00e4lteren Bruders get\u00f6tet hatte. Weiterhin wurde behauptet, einer der damaligen Anstifter habe verlauten lassen, der \u201eAuftrag\u201c w\u00e4re an G\u00fcnaydin weitergegeben worden. Nachdem Dogan diese Behauptungen an die Staatsanwaltschaft weitergegeben hatte, wurde nach seiner Aussage das Haus seines Vaters beschossen und seine Familie gewarnt, er solle nichts sagen. Diese Aussage wird durch einen Bericht der Zeitung Zaman vom 15. Mai best\u00e4tigt, in dem unter anderem ein Interview mit Dogans Vater und Fotos des besch\u00e4digten Bauernhauses und von Patronenh\u00fclsen ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Aussagen Dogans in krassem Widerspruch zu den Aussagen des Hauptangeklagten G\u00fcnaydin und des Zeugen Polat, eines Bezirksratsabgeordneten der MHP, stehen, wurde vom Gericht deren \u00dcberpr\u00fcfung angeordnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verfolgung der T\u00e4ter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Stufen des Gerichtsgeb\u00e4udes kam es nach der Verhandlung zu einer Begegnung der Anw\u00e4lte der Opfer und Hinterbliebenen mit der t\u00fcrkischen Presse. Die Anw\u00e4lte gaben der Hoffnung Ausdruck, da\u00df nicht nur die M\u00f6rder \u00fcberf\u00fchrt, sondern auch deren Hinterm\u00e4nner enttarnt werden k\u00f6nnten. Ein t\u00fcrkischer evangelischer Christ in leitender Stellung, der bei dem Gerichtstermin anwesend war, erkl\u00e4rte: \u201eDie offensichtliche Beteiligung anderer wird sichtbar, doch es ist nicht klar, ob die Gerichtsbeamten in Malatya das wirklich ber\u00fccksichtigen werden. Ihr Widerstand dagegen, all diese Spuren zu verfolgen, gibt Anla\u00df zu noch gr\u00f6\u00dferer Besorgnis.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So weit der Bericht von Barbara Baker. Damit wird auch verst\u00e4ndlich, warum die allgemeine Sicherheitslage der Christen in der T\u00fcrkei nach wie vor sehr angespannt ist und sich nach wie vor regelm\u00e4\u00dfig Gemeinden an das Martin Bucer Seminar (MBS) wenden mit der Bitte, sie bei der Beschaffung und Installation von Sicherheitstechnik f\u00fcr ihre kirchlichen R\u00e4ume zu unterst\u00fctzen. Erst dieser Tage haben Mitarbeiter des MBS zwei detaillierte Kostenvoranschl\u00e4ge f\u00fcr Sicherheitstechnik durchgesehen und mit den Christen in der T\u00fcrkei Details f\u00fcr die Umsetzung besprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber das Spendenkonto des Seminars (www.bucer.de\/spenden.html, Verwendungszweck: M\u00e4rtyrer Malatya) sind nach einem Aufruf im Fr\u00fchjahr so viel Gelder zusammengekommen, da\u00df k\u00fcrzlich insgesamt \u00fcber 15.000 Euro als Hilfe f\u00fcr die Prozesskosten in die T\u00fcrkei \u00fcberwiesen werden konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Martin Bucer Seminar ist in Bezug auf die Morde von Malatya besonders betroffen und engagiert, weil einer der Opfer, Necati Aydin, Student des t\u00fcrkischen Zweiges des MBS war und auch andere Mitarbeiter des Seminars in der T\u00fcrkei mehr oder weniger stark betroffen waren und sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mutma\u00dfliche Hinterm\u00e4nner der Christenmorde in der T\u00fcrkei vor Gericht genannt. 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