{"id":21353,"date":"2024-11-25T11:22:59","date_gmt":"2024-11-25T10:22:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21353"},"modified":"2024-11-25T12:13:00","modified_gmt":"2024-11-25T11:13:00","slug":"ordination-von-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21353","title":{"rendered":"Ordination von Frauen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der 1. Session des 2. Vaticanums tauchte in Rom eine Dame auf und bat um eine Audienz bei dem Papst, um mit ihm die Frage der Ordination von Frauen zum r\u00f6m.-kath. Priesteramt zu er\u00f6rtern. Es war Dr. Gertrud Heinzelmann, eine Rechtsanw\u00e4ltin aus Luzern, jenem bedeutenden Zentrum der r\u00f6m. Kirche in der Schweiz. Papst Johannes, der sonst die Freundlichkeit und Geduld in Person war, wurde h\u00f6chst ungehalten. ,,Sagt dieser Frauenrechtlerin (suffragette), da\u00df ich sie niemals empfangen werde. Sie soll hingehen, wo sie hergekommen ist!&#8220; Warum gab dieser Papst eine so schroffe Antwort, wo er doch sonst stets zum Dialog bereit war, auch mit den \u00e4rgsten Feinden der Kirche?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte er nicht etwa folgendes erwidern k\u00f6nnen: ,Sagt meiner Tochter, da\u00df die Frauenordination gegen Gottes Wort ist!&#8216;? Das war n\u00e4mlich sein Argument, als der Erzbischof von Canterbury erkl\u00e4rte, eine solche Ordination sei gegen die kirchliche Tradition. H\u00e4tte er sie nicht zwecks weiterer Information an einen seiner Theologen verweisen k\u00f6nnen? Johannes XXIII. war nicht ein Intellektueller wie sein Vorg\u00e4nger; er war auch kein gro\u00dfer Theologe. Aber er war &#8211; wie seine Tageb\u00fccher zeigen &#8211; ein gro\u00dfer Seelsorger. Und jeder Seelsorger wei\u00df, oder sollte wissen, da\u00df es F\u00e4lle gibt, in denen jede Diskussion unm\u00f6glich ist, und die einzige Antwort auf eine Frage die sein kann: ,,Hebe dich weg von mir, Satan&#8220; (Matth. 4,10)! Diese Antwort gab Jesus nicht nur dem Teufel, sondern auch seinem treuen Bekenner, Simon Petrus (Matth. 16,23). Nicht jede Frage kann auf dem Weg freundlicher Diskussion entschieden werden. Man mu\u00df\u00a0 daran erinnern, besonders in einer Zeit, die wie die unsere geradezu abergl\u00e4ubische Erwartungen in den Dialog setzt als dem unfehlbaren Mittel jeder Entscheidung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt Fragen, die der Teufel erfindet, um die Kirche Jesu Christi zu zerst\u00f6ren. Um dieses Ziel zu erreichen, benutzt er als seine bevorzugten Werkzeuge nicht nur ehrgeizige Theologieprofessoren, sondern auch einf\u00e4ltige fromme Seelen. Ob etwa Frauen ordiniert werden k\u00f6nnen, ist eine dieser Fragen. ,Diese Suffragette&#8216; nannte Papst Johannes die Frau, die er unter anderen Voraussetzungen als ,unsere geliebte Tochter&#8216; angeredet h\u00e4tte. Der Ausdruck ,suffragette&#8216; (,Frauenrechtlerin) weist deutlich auf die Wurzel dieser Streitfrage hin. Ihr Ursprung findet sich nicht in der Kirche, sondern in der Welt au\u00dferhalb der Kirche, in der gro\u00dfen Frauenbewegung, wodurch die Frauen in der modernen Gesellschaft solche politischen und gesellschaftlichen Rechte forderten und erreichten, zu denen sie als B\u00fcrger des modernen Staates berechtigt sind. Sie ist eine weltweite Bewegung, in der freilich gute und schlechte, richtige und falsche Grundz\u00fcge, berechtigte Forderungen und ungerechtfertigte Anspr\u00fcche vermischt sind. Abgesehen von der j\u00fcngsten Entwicklung zu einer revolution\u00e4ren ,Bewegung der Frauen-Befreiung&#8216; mit ihren \u00fcberspitzten Anspr\u00fcchen v\u00f6lliger Gleichheit der Geschlechter hat sich diese Bewegung als ein Segen f\u00fcr die moderne Gesellschaft erwiesen. Da\u00df das auch starke R\u00fcckwirkungen auf die Kirche hatte, war unvermeidlich. Auch diese R\u00fcckwirkungen sind in vieler Hinsicht f\u00fcr die Kirchen segensreich gewesen. Man denke nur an die Frauen in Lehr- oder Arzt-Berufen. Das allein gewichtige Problem dabei ist dies, da\u00df es ein einziges Amt gibt, das einer Frau nicht zug\u00e4nglich ist: das Hirtenamt, das Pfarramt. Es ist verst\u00e4ndlich, da\u00df alle Bem\u00fchungen sich auf die Eroberung dieses letzten Bollwerks ,m\u00e4nnlicher \u00dcberlegenheit&#8216; konzentrieren. Auch Menschen, die sich f\u00fcr nichts in der Kirche interessieren und die sich noch viel weniger darum k\u00fcmmern, wer den Gottesdienst h\u00e4lt (weil sie ihn doch nicht besuchen!), f\u00fchren einen leidenschaftlichen Kreuzzug f\u00fcr das Recht der Frauen auf das volle Amt der Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab schon fr\u00fcher christliche Gruppen und Sekten vor allem in USA mit weiblichen ,Pfarrern&#8216;: Qu\u00e4ker, Heilsarmee, Pfingstler, einzelne methodistische oder kongregationalistische Kirchen. In Deutschland drangen so nach und nach ,Vikarinnen&#8216; (Frauen mit vollem theol. Studium, die an Frauen in kirchl. Einrichtungen oder als Gemeindehelferinnen Dienst taten) in das volle Amt ein, als w\u00e4hrend des Krieges viele Pfarrer zum Wehrdienst einberufen waren. Es ist erstaunlich, auf welch geringen Widerstand diese Bewegung f\u00fcr Frauenordination stie\u00df. Viele der jungen Damen hatten zwar erhebliche Bedenken, aber ihre Zweifel legten sich bald.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Sieg dieser Bewegung im deutschen Protestantismus sind verschiedenartig: die Unwissenheit des christlichen Volkes, der Verfall der Autorit\u00e4t der HI. Schrift bei den Theologen, die Zersetzung des geistlichen Amtes in der Kirche, das vielen nicht mehr das g\u00f6ttlich gestiftete war, sondern ein akademischer Beruf wie andere, die geschickte und zielbewu\u00dfte Politik des ,Theologinnen-Verbandes&#8216;, einer Organisation, deren Hauptinteresse an der \u00d6ffnung des Berufsstandes f\u00fcr Frauen lag und nicht an der geistlichen und kirchlichen Seite dieser Angelegenheit, und endlich &#8211; nicht zu vergessen, die au\u00dferordentliche Autorit\u00e4t des Schweizer Reformierten Karl Barth, mit der er eine heimliche Diktatur \u00fcber den deutschen Protestantismus aus\u00fcbte. Das Ergebnis ist, da\u00df nun Hunderte von ,Pastorinnen&#8216; in den Kirchen West- und Ostdeutschlands amtieren. Es gibt noch Zentren des Widerstandes vor allem unter den konfessionsbewu\u00dften Lutheranern. Aber das sind Minderheiten. F\u00fcr den deutschen Protestantismus als Ganzes scheint die Angelegenheit mit einem Kompromi\u00df erledigt, wie das in Landes- oder National-Kirchen zu sein pflegt. Was daraus noch erw\u00e4chst, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel aufregender war die Entwicklung in Schweden, dem progressivsten Land Europas. Die Sache war ein jahrelanger Gegenstand schwerer Auseinandersetzungen, die durch streitbare Frauenorganisationen angeheizt wurden. Die Kirche von Schweden ist Staatskirche im strengsten Sinn; ihre Bisch\u00f6fe und Pfarrer sind Staatsbeamte und werden vom K\u00f6nig ernannt. Jedermann wu\u00dfte, da\u00df die sozialistische Regierung die notwendige Gesetzgebung vorbereitete. Der schwedische Episkopat, einst ber\u00fchmt ob seiner Gelehrsamkeit, war gespalten. Diese Verteidiger des Glaubens wu\u00dften nicht genau, ob die Glaubenswahrheit auf dem Spiele stand. Sie suchten deshalb Rat von au\u00dferhalb. Sie fragten den Weltrat der Kirchen und den Lutherischen Weltbund und erhielten unverbindliche Antworten. Sie fragten die schwedischen Gewerkschaften und Frauenorganisationen, &#8211; die waren nat\u00fcrlich dem Plan g\u00fcnstig gesonnen. Sie fragten die Jugendorganisationen und erhielten die Antwort: Nein, Frauenordination ist gegen Gottes Wort!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald der Reichstag das \u00c4nderungsgesetz beschlossen hatte, pa\u00dfte sich die Kirchenversammlung an und \u00e4nderte entsprechend die Ordinationsliturgie. Von einem der Bisch\u00f6fe wird berichtet, da\u00df er temperamentvoll ausrief: ,,Das ist das Ende der Kirche von Schweden.&#8220; Er wurde durch seine Kollegen rasch beruhigt, durch den Hinweis auf die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, das gro\u00dfe Beruhigungsmittel f\u00fcr verwirrte Gewissen in modernen Kirchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">,Das Evangelium steht nicht auf dem Spiel!&#8216; &#8211; ,Lediglich eine \u00e4u\u00dfere Ordnung wurde ge\u00e4ndert!&#8216; Als sp\u00e4ter einige f\u00fchrende Kirchenm\u00e4nner erkl\u00e4rten, sie seien unter Druck gesetzt worden, antworteten die Politiker: ,Niemand hat euch unter Druck gesetzt.&#8216; Was sie veranla\u00dfte, so zu handeln, wie sie es taten, war der Wunsch, einen schweren Konflikt zwischen Staat und Kirche zu vermeiden und dem schwedischen Volk seine Nationalkirche zu erhalten mit all ihren M\u00f6glichkeiten der Verk\u00fcndigung des Evangeliums, was auch immer man darunter verstehen mag. Das ist der tragische Konflikt, der in allen Nationalkirchen Europas besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber in diesem Fall trat ein Ereignis ein, das in anderen L\u00e4ndern nicht geschah. Unter der F\u00fchrung des Bischofs von G\u00f6teburg, Bo Giertz, und anderen erwuchs eine starke Bewegung in kirchlichen Vereinigungen und in der Pfarrerschaft. Es war ein erstes Zeichen f\u00fcr das Erwachen des konfessionellen Luthertums, besonders unter der j\u00fcngeren Generation. Diese Bewegung leidet im Augenblick noch unter einem Mangel an Klarheit im Blick auf ihre Ziele und M\u00f6glichkeiten. Aber ihr Einflu\u00df ist im Wachsen, nicht nur in Skandinavien. Ein neues Sich-Sammeln um Bibel und Bekenntnis ist \u00fcberall im Entstehen als Reaktion des christlichen Volkes auf den Modernismus in Theologie und Kirche, der die Substanz des christlichen Glaubens bedroht. Wir finden hierzu eine interessante Parallele im Entstehen der evangelikalen Bewegungen in der englisch-sprechenden Welt, besonders in England und USA, aber auch in Australien und den jungen Kirchen Asiens. Es scheint daf\u00fcr bezeichnend zu sein, da\u00df \u00a0die ,Student Christian Movement&#8216; die akademische Welt verliert zugunsten der ,Inter-Varsity Fellowship Movement&#8216; und ihrer evangelikalen Vereinigungen. Man kann das auch aus dem gro\u00dfen Erfolg der Zeitschrift ,Christianity Today&#8216; schlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist bezeichnend, da\u00df ausgerechnet die Frauenordination der Anla\u00df zu einem Stimmungsumschwung in Skandinavien wurde. F\u00fcr einfache Laien ist es nicht immer leicht, in der Predigt einen dogmatischen Irrtum herauszufinden, besonders deshalb, weil die gef\u00e4hrlichsten Modernismen sich der Begriffe des rechten Glaubens bedienen, wenn auch in v\u00f6llig anderem Sinn. Aber wenn am Altar eine junge Dame erscheint als ,Botschafter an Christi Statt&#8216;, dann merkt jeder eine solche Ver\u00e4nderung. M\u00f6glicherweise steht auch die strenge liturgische Tradition der Kirche von Schweden hinter dem Widerstand des schwedischen Volkes: schwedisch ist eine der sch\u00f6nsten liturgischen Sprachen der Welt.<\/p>\n<p><strong>Einw\u00e4nde gegen die Frauenordination<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welches sind aber nun die Einw\u00e4nde gegen die Frauenordination? Eine Menge menschlicher Argumente wurde vorgebracht, aber sie sind nicht ausschlaggebend. Ma\u00dfgebend allein ist Gottes Wort; und es schlie\u00dft eindeutig Frauen vom Amt der Predigt und Sakramentsverwaltung in der Kirche aus. Die Schriftstellen sind gut bekannt und brauchen hier nicht im einzelnen ausgelegt zu werden. Sie stehen in den Briefen von St. Paulus 1. Kor. 14 und 1. Tim. 2. Wenn wir nur diese beiden Stellen h\u00e4tten, k\u00f6nnte die Frage auftauchen, ob St. Paulus hier eine Anordnung f\u00fcr sein Missionsfeld gibt, die nicht verbindlich sein m\u00f6chte f\u00fcr die Kirche aller Zeiten. Jedoch l. Kor. 14 zeigt, da\u00df diese Regel in der Tat Allgemeing\u00fcltigkeit beansprucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 1. Korinther-Brief ist ein wahrhaft bemerkenswertes Dokument, ein Trost f\u00fcr jeden modernen Gro\u00dfstadtpfarrer. In Korinth war eine vergleichsweise junge Kirche die Frucht der zweij\u00e4hrigen Arbeit eines gro\u00dfen Missionars. Jetzt aber war sie eine zerfallende Kirche, menschlich geredet eine sterbende. Korinth war eine der gro\u00dfen Hafenst\u00e4dte des R\u00f6mischen Reiches voller Laster und abergl\u00e4ubischer Kulte. Die ethischen Probleme einer solchen Umgebung spiegelten sich wieder im Leben dieser Gemeinde: z.B. Unzucht in \u00fcbelster Form, Prozesse zwischen Gemeindegliedern, Parteiungen und Hader, Unglaube, etwa die Verwerfung des Artikels von der Totenauferstehung, eine unglaubliche Unkenntnis Hand in Hand mit dem Dunkel der ,Erkenntnis&#8216;, Klatschereien \u00fcber die Apostel, ihre Vorz\u00fcge und Nachteile. Die hl. Sakramente waren in v\u00f6lligem Zerfall. Paulus machte ihnen klar, da\u00df ihr ,,Altarsakrament&#8220; nicht mehr das Sakrament Christi sei. Es war zersetzt zu einer gemeinsamen Mahlzeit ohne wirkliche Gemeinschaft, w\u00e4hrend die Hl. Taufe zum Gegenstand des Aberglaubens geworden war. Aber diese Leute hatten den ,,Geist&#8220;. Es ist dies der erste Fall von enthusiastischem ,,Pfingstlertum&#8220; in der Kirche. Die Sonntagsgottesdienste entarteten zu l\u00e4rmerf\u00fcllten, unordentlichen Versammlungen, in denen ,Zungenredner&#8216; und Leute, die sich selbst als Propheten ausgaben, die Gemeinde auf den Kopf stellten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer bewundernswerten Geduld, mit der Liebe Christi zu den verlorenen Schafen, mit pastoraler Weisheit, mit der Tatkraft eines erfahrenen Missionars tat der Apostel das Menschenm\u00f6gliche, um diese Gemeinde zu retten, die in v\u00f6lliger Aufl\u00f6sung zu sein schien. Er hat den Glauben, da\u00df auch diese Gemeinde noch Kirche Jesu Christi ist, da\u00df sie in all ihren S\u00fcnden noch Heilige und Gottes Volk sind. Denn Gottes Wort ist noch gegenw\u00e4rtig unter ihnen. Christus, der Gute Hirte, ist noch ihre Gerechtigkeit, Heiligung und Erl\u00f6sung. In diesem Zusammenhang mu\u00df man 1. Kor. 14 lesen. Paulus ruft diese Gemeinde mit ihren l\u00e4rmenden, meist sehr liederlichen pfingstlerischen Treffen zur Ordnung. Er erhebt keinen Einspruch gegen das, was als Werk des HI. Geistes angesehen wurde, wie Zungenreden und Prophetie, obgleich er in den vorangehenden Kapiteln immer wieder klargelegt hat, da\u00df diese au\u00dferordentlichen Gaben von wesentlich geringerer Bedeutung sind als die Gaben, die jeder Christ besitzen kann und mu\u00df: Glaube, Liebe, Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang schreibt Paulus sein bekanntes Wort: ,,Mulier taceat in ecclesia!&#8220; &#8211; ,,Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, sollen sie daheim die eigenen M\u00e4nner fragen; denn es ist f\u00fcr eine Frau unschicklich, in der Gemeindeversammlung zu reden. Oder ging das Wort Gottes von euch aus, oder kam es einzig zu euch? Wenn jemand meint, er sei Prophet oder vom Geist geleitet, so erkenne er an dem, was ich euch schreibe, da\u00df es das Gebot des Herrn ist. Wenn es aber jemand nicht erkennt, so wird er auch von Gott nicht erkannt&#8220; (1. Korinther 14, 34-38). Gemeindeversammlung bedeutet hier die feierliche gottesdienstliche Versammlung. Es ist anscheinend vorgekommen, da\u00df Frauen im Gottesdienst auftraten mit der Behauptung, Prophetinnen zu sein oder durch Inspiration des Geistes zu reden. M\u00f6glicherweise hat dieser Anspruch der Frauen und die abschl\u00e4gige Antwort, ,,den Geist zu d\u00e4mpfen&#8220;, diese tumultartigen, pfingstlerischen Szenen in Korinth veranla\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das zu verstehen, mu\u00df man sich daran erinnern, da\u00df es in der fr\u00fchen Kirche &#8211; abgesehen von den \u00f6rtlichen Amtstr\u00e4gern, die entweder von der Gemeinde gew\u00e4hlt oder von einem Apostel ernannt wurden (z.B. Apg. 14,23) &#8211; drei \u00c4mter gab, die Gott allein verleihen konnte und die in der gesamten Kirche (nicht nur in der Ortsgemeinde) Geltung hatten: die \u00c4mter des Apostels, des Propheten und des Lehrers. Das Amt der Prophetie steht auch Frauen offen. So kennt das Alte Testament als weibliche Propheten Mirjam, Deborah und Hulda. Im Neuen Testament erscheinen als Prophetinnen die vier Tochter des Philippus, eines der sieben Diakone (Apg 6), die sp\u00e4ter mit ihrem Vater von Caesarea nach Hierapolis \u00fcbersiedelten. Andere werden nicht mit Namen genannt. Es war eine Frage, ob sie ihr Amt auch ,,in der Kirche&#8220; oder nur privatim aus\u00fcben konnten. Nirgends im Neuen Testament wird angedeutet, da\u00df dies auch in der Kirche, d.h. im feierlichen Gottesdienst geschah, wo sonst die Propheten die Eucharistie, das feierliche Dankgebet mit der Konsekration sprachen, wenn solche M\u00e4nner anwesend waren. Sonst blieb das dem Bischof oder einem der Bisch\u00f6fe, also einem \u00f6rtlichen Amtstr\u00e4ger vorbehalten. Es mag in Korinth vorgekommen sein, da\u00df auch Frauen unter der Berufung auf ihr prophetisches Charisma das versucht haben. Dagegen wendet sich Paulus. Er hat nichts dagegen, da\u00df sie ihre Gabe aus\u00fcben, aber nicht in der ,,Kirche&#8220;. Sie k\u00f6nnen das bei anderen Gelegenheiten tun und haben dann das Haupt zu bedecken. Das Amt der Propheten verfiel, als falsche Propheten in die Kirche eindrangen. Wie Paulus die \u00f6ffentliche Prophetie der Frauen zu bek\u00e4mpfen hatte, so f\u00fchrte die gro\u00dfe montanistische Krisis in der zweiten H\u00e4lfte des 2. Jahrhunderts zum Ausschlu\u00df der Prophetie aus der Kirche, nachdem der falsche Prophet Montanus mit seinem weiblichen Gefolge die Kirche durcheinander gebracht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht allein die apostolische Autorit\u00e4t, auf Grund deren Paulus die ,prophetischen&#8216; und ,geistlichen&#8216; Frauen angreift, die Autorit\u00e4t der Gesamtkirche (alle Gemeinden der Heiligen), auf die er sich beruft. Es ist vielmehr der Herr selbst, auf den er sich bezieht. Was er \u00fcber das Schweigen der Frauen im Gottesdienst schreibt, ist ,,ein Gebot des Herrn&#8220;. Er mu\u00df das gekannt haben, denn er zitiert auch bei anderer Gelegenheit ein Wort Jesu, das auch nicht in unseren Evangelien enthalten ist (Apg. 20,35). Wir nehmen dieses Herrenwort auf Grund der apostolischen Autorit\u00e4t des Paulus an, besonders deshalb, weil es auch mit der Art des Handelns Jesu \u00fcbereinstimmt. Die J\u00fcnger Jesu waren gut organisiert. Da war der Kreis der Zw\u00f6lf, die das Gottesvolk mit seinen zw\u00f6lf St\u00e4mmen darstellten (Luk. 22,30). Inmitten dieser Gruppe finden wir den engeren Kreis der Drei: Petrus, Johannes, Jakobus, die er bei besonders bedeutsamen Gelegenheit mit sich nahm (Auferweckung von Jairi T\u00f6chterlein, Verkl\u00e4rung, Gethsemane). Unter diesen war Simon Petrus der Sprecher (Matth. 16,16; Apg. 1,15; 2,14; u.a.), der ,erste&#8216;, als er berufen wurde (Matth. 10,1), aber nicht ihr Herrscher. Es ist ein bemerkenswerter Zug zum Primat unter den J\u00fcngern ; Jesus aber sprach sich sehr bestimmt gegen jede Art von Primat aus (Luk. 22,23f). Wir h\u00f6ren, da\u00df Jesus zu einer bestimmten Zeit seines Wirkens einen weiteren Kreis der Siebzig (Luk. 10,1) zur Predigt des Evangeliums berief. Daneben war eine Gruppe von ,Frauen&#8216;, die Ihm nachfolgten und dienten. Sie spielten eine Rolle in der Passions- und Ostergeschichte und sie geh\u00f6rten mit den Zw\u00f6lfen, mit Maria und den Br\u00fcdern Jesu zum Kern der Gemeinde von Jerusalem (Apg. 1,14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage ist berechtigt: Warum lud Jesus keine einzige von ihnen zur Teilnahme am letzten Mahl ein, nicht einmal zu dessen Vorbereitung? War die Einstellung Jesu zu diesen getreuen J\u00fcngerinnen etwa durch das j\u00fcdische Vorurteil gegen\u00fcber der religi\u00f6sen Gleichheit von Mann und Frau diktiert? Hinter dieser Stellung steht nat\u00fcrlich auch die Stellung des Alten Testaments in der Abwehr der heidnischen Kults, in welchen Priesterinnen und Prophetinnen eine so gro\u00dfe Rolle spielen, da\u00df \u00a0man sagen kann, Priesterinnen seien das Kennzeichen des Heidentums. Man kann auch beobachten, da\u00df Jesus eine bemerkenswerte Distanz zu seiner Mutter einnimmt. Ahnte er etwa im Voraus den k\u00fcnftigen Marienkult? Die fr\u00fchesten Spuren davon oder wenigstens die psychologischen Wurzeln findet man ja schon in seinen Erdentagen (Lk. 11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist bedeutsam, da\u00df der gleiche Apostel, der so offen und ernsthaft gegen das Predigen von Frauen redet, sich so nachdr\u00fccklich f\u00fcr den Grundsatz einsetzt, da\u00df in Christus ist ,,weder Jude noch Grieche, weder Knecht noch Freier, weder Mann noch Frau; denn ihr seid allzumal Einer in Christus&#8220; (Gal. 3,28). Wenn hier ein Widerspruch best\u00fcnde zwischen den Aussagen von Gal. 3 und l. Kor. 14 &#8211; wie unsere modernen Feministen denken &#8211; hatte St. Paulus, der doch ein scharfer Denker war, das etwa nicht bemerkt? Es w\u00e4re seiner Aufmerksamkeit sicher nicht entgangen, welche gro\u00dfe Rolle die Frauen im Leben der fr\u00fchen Christenheit spielen, nicht nur als Ehefrauen und Mutter, sondern auch als Witwen und Diakonissen im unmittelbaren kirchlichen Dienst, wof\u00fcr sie auch besoldet wurden. Aber wir h\u00f6ren nichts von einem Begehren ihrerseits, Bisch\u00f6fe oder \u00c4lteste sein zu wollen. Und wenn die Gabe der Prophetie einigen unter ihnen zuteil geworden war, so wollten sie darauf jedoch keinen Anspruch gr\u00fcnden. Denn sie liebten ihren Herrn und wu\u00dften, seinen Geboten zu gehorchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir fragen, warum Jesus so handelte, m\u00fcssen wir zugeben, da\u00df wir seine Gr\u00fcnde nicht genau kennen. Paulus deutet an, da\u00df ein Zusammenhang bestehe zwischen seiner oder vielmehr Christi Vorschrift und der Sch\u00f6pfungsordnung, die die Geschlechter unterschied. Gleiche Rechte in der Heilsordnung als Kinder Gottes heben den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht auf. Ein Mann kann nicht Mutter und eine Frau kann nicht Vater werden. Und der Sohn Gottes wurde Mann, und nicht Frau. Einer der tiefsten Gr\u00fcnde, warum eine Frau zwar Diakon, aber nicht Bischof oder ordinierter \u00c4ltester (1. Tim. 5,17) werden kann, scheint der zu sein, da\u00df im Hirtenamt Funktionen enthalten sind, die der Pfarrer verrichtet als ,,an Christi Statt&#8220;. Beim letzten Mahl stiftete Christus nicht nur (wie sogar heute in manchen lutherischen Kirchen gesagt wird) die ,hl. Kommunion&#8216;, sondern das ,Sakrament des Altars&#8216;, wobei der Pfarrer die Worte der Konsekration ,in persona Christi&#8220; spricht, indem er die von Christus gesprochenen Einsetzungsworte wiederholt. Und diese Worte sind wirksam alle Zeit, wie die Worte bei der Sch\u00f6pfung ,,Seid fruchtbar und mehret euch!&#8220; wirksam sind, solange die Erde steht. Das ist auch die Lehre der Konkordienformel und der Kirchenv\u00e4ter. Das Gebot ,,Das tut zu meinem Ged\u00e4chtnis!&#8220; enth\u00e4lt eine Art Ordination. Diese Worte verleihen nicht magische Kraft, aber sie umschlie\u00dfen das Gebot, Brot und Wein zu segnen, da\u00df sie Christi wahrer Leib und Blut werden d\u00fcrfen. Gewi\u00df ist dieser Auftrag der ganzen Kirche gegeben. Aber ihn auszuf\u00fchren, dazu sind ordinierte M\u00e4nner bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer Anla\u00df, wo der Pfarrer ,,in persona Christi&#8220; spricht, ist die Absolution. Gewi\u00df\u00a0 ist das Amt der Schl\u00fcssel der ganzen Kirche \u00fcbergeben, einschlie\u00dflich der Laien und Frauen. Aber zur Ausf\u00fchrung dieses gro\u00dfen Auftrags Christi &#8211; der S\u00fcndenvergebung &#8211; ordiniert die Kirche Diener, die an Christi Statt auf seinen Befehl nicht nur den tr\u00f6stlichen Glauben verk\u00fcndigen, da\u00df es eine S\u00fcndenvergebung gibt, &#8211; sondern die tats\u00e4chlich S\u00fcnden vergeben ,,an Christi Statt und auf Seinen Befehl.&#8220; Wiederum ist es bezeichnend, da\u00df\u00a0 keine Frau mit diesem Amt betraut wurde, als der Auferstandene an Ostern Seinen J\u00fcngern diese Vollmacht \u00fcbertrug: ,,Welchen ihr die S\u00fcnden vergebt, denen sind sie vergeben, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten&#8220; (Joh. 20,23). Wir alle wissen, wie ernst Luther sein ganzes Leben lang die Vollmacht der Absolution nahm. F\u00fcr uns Moderne ist sie mehr oder weniger belanglos geworden. So lassen wir weibliche ,,Pastoren&#8220; dieses angeblich nicht weiter belanglose St\u00fcck Arbeit verrichten. Sollte es je passieren, da\u00df eine dieser ordinierten Frauen die Frage stellt: ,,Glaubt Ihr, da\u00df\u00a0 meine Absolution im Himmel gelte und vor Gott kr\u00e4ftig sei?&#8220; &#8211; k\u00f6nnte eine christliche Gemeinde nur antworten: ,,Nein, das glauben wir gewi\u00df nicht!&#8220; Auch hier haben wir am Willen Christi festzuhalten. Wir haben nicht zu versuchen, diesen in einer Weise zu interpretieren, die dem alten Adam gef\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum hat Christus dieses Amt niemals einer Frau \u00fcbertragen? Wir m\u00fcssen die Antwort ihm \u00fcberlassenen. Nicht einmal seiner Mutter \u00fcbertrug er die Vollmacht seiner Absolution. Die Kirche hat das verstanden. Wie jeder Gl\u00e4ubige konnte seine Mutter f\u00fcr die S\u00fcnder beten, wie auch die Apologie zur Augsburgischen Konfession zugibt, da\u00df Maria f\u00fcr die Kirche, f\u00fcr uns arme S\u00fcnder in dieser Welt beten kann. Deshalb sind wir freilich nicht berechtigt, aus dem biblischen ,,Ave Maria&#8220; des Engels ein menschliches Gebet an Maria zu machen. Alle diese \u00dcberlegungen auf Grund des klaren Schriftwortes machen es f\u00fcr die Kirche Lutherischer Reformation unm\u00f6glich, die Ordination von Frauen als g\u00fcltig und erlaubt anzuerkennen. Denn diese Kirche klammert sich nicht an menschliche \u00dcberlieferungen, sondern sie bleibt gewissenhaft bei der HI. Schrift als dem Wort Gottes. Hunderte von Frauen amtieren jetzt in Deutschland als ,,Pastorinnen&#8220;. Sie sind f\u00fcr uns keineswegs Pastoren. Man mu\u00df diese armen Frauen bemitleiden, die durch falsche Lehrer irregef\u00fchrt sind. Wir streiten nicht ab, da\u00df\u00a0 Gott in seiner unergr\u00fcndlichen Barmherzigkeit seinen Segen auch auf\u00a0 geistliche Handlungen legen kann, die unerlaubt und ungesetzlich vollzogen sind. Aber ein gl\u00e4ubiger Christ sollte ihren Diensten nicht beiwohnen, auch nicht aus Neugier, und den Empfang des HI. Abendmahles aus ihren H\u00e4nden meiden. Wir k\u00f6nnen auch nicht Gemeinschaft haben mit Pfarrern und Bisch\u00f6fen, die solche Ordinationen vollziehen, die gegen Gottes Wort sind. Die Kirchen, die in die Einf\u00fchrung dieses Amtes einwilligten, werden bald die Wirkungen in ihrem geistlichen Leben bemerken. In Deutschland sind sie mancherorts schon augenf\u00e4lllig. Falsche Prophetinnen standen auf, die als geistliche T\u00f6chter Karl Barths junge M\u00fctter belehrten, da\u00df\u00a0 sie ihre Kinder nicht zum Sakrament der HI. Taufe bringen sollten. Andere proklamierten den Tod Gottes und ersetzten den christlichen Gottesdienst durch ein ,politisches Nachtgebet&#8216;, wo Christus keinen Platz hat und an Stelle Gottes der Mensch gesetzt ist und seine angeblichen sozialen Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was k\u00f6nnen wir tun?<\/strong><\/p>\n<p>La\u00dft uns mit unseren V\u00e4tern beten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist.<br \/>\nDein g\u00f6ttlich Wort, das helle Licht, la\u00df ja bei uns ausl\u00f6schen nicht!<br \/>\nIn dieser schwern, betr\u00fcbten Zeit verleih uns, Herr, Best\u00e4ndigkeit, da\u00df \u00a0wir Dein Wort und Sakrament rein halten bis an unser End!<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Hermann Sasse (1895-1976)<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Englischen von Hans-Siegfried Hu\u00df. Das englische Original des Aufsatzes erschien in: The Lutheran vom 3.5.1971, S.227ff unter dem Titel: Ordination of woman?, abgedruckt in: Lutherische Bl\u00e4tter Nr. 110, 26. Jg. 1974, S.1-9 und in: Lutherische Beitr\u00e4ge 16, 4\/2011, S. 207\u2013214.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der 1. Session des 2. Vaticanums tauchte in Rom eine Dame auf und bat um eine Audienz bei dem Papst, um mit ihm die Frage der Ordination von Frauen zum r\u00f6m.-kath. Priesteramt zu er\u00f6rtern. Es war Dr. Gertrud Heinzelmann, eine Rechtsanw\u00e4ltin aus Luzern, jenem bedeutenden Zentrum der r\u00f6m. Kirche in der Schweiz. 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