{"id":21323,"date":"2024-11-09T06:54:32","date_gmt":"2024-11-09T05:54:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21323"},"modified":"2024-11-06T12:59:58","modified_gmt":"2024-11-06T11:59:58","slug":"zaehle-die-tage-eine-predigt-ueber-den-90-psalm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21323","title":{"rendered":"Z\u00e4hle die Tage! \u2013 Eine Predigt \u00fcber den 90. Psalm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Z\u00e4hle die Tage und suche Zuflucht bei dem ewigen Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>1 Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes. Herr, du bist unsre Zuflucht f\u00fcr und f\u00fcr. \/\u20022 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit\u2002(Ps 90,1-2).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Psalm hat unter den 150 Psalmen eine besondere Stellung, da er als einziger Psalm eindeutig als \u201eGebet des Mose\u201c bezeichnet wird. Damit nimmt er uns hinein in die Fr\u00fchgeschichte des Volkes Israel und in die innige Beziehung zwischen dem lebendigen Gott und Mose.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Mose, von dem es hei\u00dft: \u201eDer HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet\u201c (2. Mose 33,11) und der hier in der \u00dcberschrift des Psalms als Mann Gottes (<em>isch haelohim<\/em>) vorgestellt wird. Mose ist der Mann Gottes, so lesen wir es auch in 5. Mose 33,1 (vgl. Josua 14,6): Er steht in einer engen Beziehung zu Gott, er geh\u00f6rt Gott, er geh\u00f6rt zu Gott, er gehorcht Gott, er spricht zu Gott und Gott zu ihm \u2013 wie ein Freund &#8211; und wer ihn h\u00f6rt, der h\u00f6rt Gott. Mose, der Mann Gottes! Ein Ehrentitel, der auch seine Autorit\u00e4t und Vollmacht unterstreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Mann Gottes und das Evangelium von der Auferstehung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Auslegung zum 90. Psalm zeigt Luther, dass der Name \u201eMann Gottes\u201c auch die Botschaft des Evangeliums enth\u00e4lt und erinnert an das Wort Jesu an die Sadduz\u00e4er: <em>\u201eHabt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht: \u00bbIch bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs\u00ab? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden\u201c<\/em> (Mt 22,31-32). Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist der Gott Mose, ein Gott der Lebenden. Und tats\u00e4chlich: Wer trifft mit Jesus auf dem Berg der Verkl\u00e4rung zusammen? Es sind Mose und Elia. Weil Mose der \u201eMann Gottes\u201c ist, geh\u00f6rt er zu dem ewigen Gott, der den Seinen die Auferstehung aus den Toten und das ewige Leben schenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Psalm der W\u00fcstenwanderung <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Psalm passt sehr gut zur 40-j\u00e4hrigen W\u00fcstenwanderung des Volkes. Die Kundschafter, au\u00dfer Josua und Kaleb, hatten Zweifel ges\u00e4t, Angst und Panik verbreitet und so Israel zum Unglauben gegen\u00fcber Gottes Zusagen und zur Rebellion gegen Mose angestachelt. Gottes Zorn \u00fcber das s\u00fcndige Volk f\u00fchrte zum t\u00f6dlichen Gericht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eNach der Zahl der vierzig Tage, in denen ihr das Land erkundet habt \u2013 je ein Tag soll ein Jahr gelten \u2013, sollt ihr vierzig Jahre eure Schuld tragen, auf dass ihr innewerdet, was es sei, wenn ich mich abwende.\u200235 Ich, der HERR, habe es gesagt und wahrlich, das will ich auch tun mit dieser ganzen b\u00f6sen Gemeinde, die sich gegen mich emp\u00f6rt hat. In dieser W\u00fcste sollen sie aufgerieben werden und dort sterben\u201c (4. Mose 14,34-35).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lohn der S\u00fcnde ist der Tod (R\u00f6m 6,23). So auch hier. Der Ungehorsam Israels f\u00fchrte dazu, dass eine ganze Generation in der W\u00fcste aufgerieben werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Lehre uns die Tage z\u00e4hlen <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hatte genau gez\u00e4hlt. Vierzig Tage waren die Kundschafter unterwegs. Nun sollten aus 40 Tagen 40 Jahre werden. In seinem Gebet bittet Mose darum, dass Gott seinem Volk beibringt, die Tage zu z\u00e4hlen. Menge \u00fcbersetzt Vers 12 w\u00f6rtlich so:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eUnsere Tage z\u00e4hlen, das lehre uns, dass ein weises Herz wir gewinnen.\u201c (ME)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit war nun nicht gemeint, dass man jeden Tag z\u00e4hlen sollte, sondern zu bedenken, dass die Tage gez\u00e4hlt sind. Das hebr\u00e4ische \u201e<em>Limnot<\/em>\u201c ist verwandt mit dem W\u00f6rtlein \u201e<em>mene<\/em>\u201c, das wir auch aus Daniel 5 kennen: Mene, mene. Tekel u parsin. Daniel \u00fcbersetzt das <em>mene, mene<\/em> mit: \u201eGez\u00e4hlt und beendet\u201c. Wir sollen z\u00e4hlen lernen und bedenken lernen, dass wir sterben m\u00fcssen. Darum \u00fcbersetzt Luther auch sinngem\u00e4\u00df richtig:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eLehre uns bedenken, dass wir sterben m\u00fcssen, auf dass wir klug werden.\u201c (LUT)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Natur aus k\u00f6nnen wir das nicht. Wir brauchen Gottes Hilfe dazu. Gott muss uns die Augen \u00f6ffnen f\u00fcr die K\u00fcrze unserer Tage und mit Blick auf die kurze Dauer unseres Lebens weise zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Herr ist unsere Zuflucht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose zeigt uns gleich zu Beginn seines Gebetes, wie das ganz praktisch aussieht. Er betet zu dem ewigen Gott: \u201eHerr, du bist unsre Zuflucht f\u00fcr und f\u00fcr.\u201c Die Elberfelder \u00fcbersetzt w\u00f6rtlicher: \u201eHerr, du bist unsere Wohnung (<em>maon)<\/em> gewesen von Geschlecht zu Geschlecht\u201c. Seit Adam und Eva sind schon viele Generationen vergangen, immer aber hat es Menschen gegeben, die bei dem ewigen Gott ihre Wohnung und damit ihre Zufluchtsst\u00e4tte gefunden haben. Wir denken an einen Abel, einen Henoch, einen Noah oder Abraham, Isaak und Jakob. Mose segnet den Stamm Asser mit diesen Worten: \u201eZuflucht (<em>meonah<\/em>) ist bei dem alten Gott und unter den ewigen Armen\u201c (5. Mose 33,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der verg\u00e4ngliche Mensch und der ewige Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eEhe denn die Berge (geboren) wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit\u201c (Ps 90,2).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6glich, dass Mose hier im Gebet die Berge des m\u00e4chtigen Sinaimassivs vor Augen hatte. Der Berg Sinai ist 2.285 Meter, der Katharinenberg ist 2.637 Meter hoch, der h\u00f6chste Berg \u00c4gyptens. Wer die gewaltigen Berge in den Alpen vor Augen hat, der steht ehrf\u00fcrchtig und staunend davor: welche H\u00f6he, welche Masse, welch hohes Alter! Die uralten Steine verleiten manche das Alter der Erde in Millionen von Jahren zu rechnen. Wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass dem nicht so ist. Wir glauben gut begr\u00fcndet an eine junge Erde! Doch aus der Perspektive der Ewigkeit Gottes sind die m\u00e4chtigen Berge gerade eben erst geboren. Der Himmel und die Erde, alles Geschaffene \u2013 aus Gottes Perspektive ist es alles noch ganz jung und frisch. Alles war wir sehen ist zeitlich, Gott, den wir nicht sehen, ist vor der Zeit, au\u00dferhalb der Zeit und \u00fcber der Zeit, er ist ewig, von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose fl\u00fcchtet sich betend aus der zeitlichen und r\u00e4umlichen Enge dieser Welt zu dem ewigen Gott und findet in ihm den wahren Zufluchtsort. Wir sollen es ihm nachmachen und wie er lernen, die Tage zu z\u00e4hlen, die K\u00fcrze des Lebens zu bedenken und hin zu dem fliehen, der allein ewig ist: Der Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs, der Gott Mose, der sich uns in Jesus Christus offenbart hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Z\u00e4hle die Tage und bedenke die K\u00fcrze deines Lebens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDer du die Menschen l\u00e4ssest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!\u20024 Denn tausend Jahre sind vor dir \/ wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.\u20025 Du l\u00e4ssest sie dahinfahren wie einen Strom, \/ sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,\u20026 das am Morgen bl\u00fcht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt\u201c (Ps 90,3-6).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Von Gott zerschlagen und zu Staub zermalmt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDer du die Menschen l\u00e4ssest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier im dritten Vers ist w\u00f6rtlich von der Zermalmung oder Zerschlagung die Rede. Gott l\u00e4sst den Menschen zur Zermalmung kommen. Er wird pulverisiert, Erde zu Erde, Staub zu Staub. Mose hatte es noch vor Augen, als der Herr den Pharao und seine Elitetruppe mit Pferd und Wagen im Schilfmeer zerschlug:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDes Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserw\u00e4hlten Streiter versanken im Schilfmeer.\u20025 Fluten haben sie bedeckt, sie sanken in die Tiefe wie Steine.\u20026 HERR, deine rechte Hand, herrlich an Kraft, deine rechte Hand, HERR, zerschl\u00e4gt den Feind\u201c<\/em> (Lobgesang des Mose, 2 Mose 15,4-6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch das eigene Volk: Abertausende mussten in der W\u00fcste ihr Leben lassen. Eine ganze Generation wurde in der W\u00fcste aufgerieben, zermalmt durch Hitze, Strapaze und Ersch\u00f6pfung: \u201e<em>In dieser W\u00fcste sollen sie aufgerieben werden und dort sterben\u201c (4. Mose 14,35)<\/em> Der Staub einer ganzen Generation des Volkes Israel vermischte sich mit dem Staub der W\u00fcste. Und wenn Gott die n\u00e4chste Generation herbeiruft: \u201eKommt wieder, Menschenkinder!\u201c, dann zerschl\u00e4gt er auch diese neue Generation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum muss der Mensch sterben? Mose betet: \u201eDer du die Menschen sterben l\u00e4sst\u201c. Der Tod ist ein Urteil Gottes \u00fcber den Menschen. Im Lied des Mose sing Mose: <em>\u201eSehet nun, dass ich\u2019s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann t\u00f6ten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand kann aus meiner Hand rei\u00dfen.\u200240 Denn ich will meine Hand zum Himmel heben und will sagen: So wahr ich ewig leb<\/em>e (5. Mose 32,39-40).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u201eKommt wieder, Menschenkinder!\u201c beinhaltet aber auch eine ermutigende Mehrdeutigkeit. Einerseits kann es so verstanden werden, dass Gott eine neue Generation herbeiruft, die aufw\u00e4chst und wiederum zermalmt wird (so mit M. Luther). Man kann aber darin auch einen Ruf zur Umkehr lesen: \u201eKehrt um, ihr Menschenkinder und kehrt zur\u00fcck zu mir, dem ewigen Gott! Kehrt um, ihr Menschenkinder, aus S\u00fcnde, Tod und Gericht zu mir, dem ewigen Zufluchtsort.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tausend Jahre wie ein Tag<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDenn tausend Jahre sind vor dir \/ wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache\u201c (Ps 90,4).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose vergleicht die Ewigkeitsperspektive Gottes mit unserer zeitlich begrenzten Perspektive. Wenn tausend Jahre auf Erden verstrichen sind, dann ist das f\u00fcr den ewigen Gott wie der gestrige Tag oder wie eine Nachtwache. Die Israeliten unterteilten eine Nacht in drei Nachtwachen von jeweils vier Stunden. Tausend Jahre auf der Erde, aus Gottes Ewigkeitsperspektive erscheint dieser Zeitraum wie ein Tag, wie eine Nachtwache, wie ein Augenblick. Vor ihm treten die Generationen kurz ins Blickfeld, um dann wieder in den Staub zur\u00fcckzusinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens wird dieser Vers immer wieder herangezogen, um die sechs Sch\u00f6pfungstage des Sch\u00f6pfungsberichts k\u00fcnstlich zu verl\u00e4ngern. Man sucht nach innerbiblischen Hinweisen, die Millionen Jahre der Evolutionstheorie irgendwie zu rechtfertigen. Hier sei nur in K\u00fcrze gesagt: Damit tut man diesem Vers Gewalt an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sagt lediglich: In den Augen Gottes sind tausend Jahre auf der Erde <em>wie<\/em> der gestrige Tag (<em>kejom etmol<\/em>). Die Begriffe Tag und Tausend werden zwar miteinander verglichen, aber es findet keine Gleichsetzung statt, als ob das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Tag (<em>jom<\/em>) auch eine Zeitspanne von tausend Jahren oder sogar Millionen Jahren bezeichnen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zieht man 2. Petrus 3,8 hinzu wird es noch deutlicher: \u201e<em>Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.\u201c<\/em> Auf der Erde bleibt ein Tag ein Tag, tausend Jahre sind tausend Jahre, Gott aber Gott steht au\u00dferhalb unserer Zeitrechnung. Er war vor der Zeit, er steht au\u00dferhalb und oberhalb aller Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Verg\u00e4nglichkeit des Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDu l\u00e4ssest sie dahinfahren wie einen Strom, \/ sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,\u20026 das am Morgen bl\u00fcht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt\u201c<\/em> (Ps 90,5-6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3.1\u00a0 Der Mensch \u2013 Hinweggeschwemmt ins Totenreich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDu l\u00e4ssest sie dahinfahren wie einen Strom\u201c oder mit Menge w\u00f6rtlicher \u201eDu schwemmst sie hinweg\u201c. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Hesekiel 32 gibt es das beeindruckende Gerichtswort \u00fcber den Pharao und sein stolzes und m\u00e4chtiges Volk, wie es sich zu den Erschlagenen der anderen V\u00f6lker legt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDa liegt Assur mit seinem ganzen Volk, ringsherum seine Gr\u00e4ber, sie alle erschlagen und durchs Schwert gefallen!\u200223 Seine Gr\u00e4ber bekam es in der tiefsten Grube, und sein Volk liegt rings um sein Grab, alle erschlagen und durchs Schwert gefallen\u201c (Hes 32,22-23). <\/em>Und dann werden alle anderen V\u00f6lker aufgez\u00e4hlt, die dort ebenfalls liegen: Elam, Meschech und Tubal, Edom, die Sidonier und eben auch die \u00c4gypter und seine Pharaonen<em>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so geht es durch die Generationen, V\u00f6lker und Reiche dieser Welt und durch die Jahrtausende: die Babylonier, die Perser, die Griechen, die R\u00f6mer und bis hin zu den heutigen V\u00f6lkern und Kulturen. Sie alle schwemmt der Tod hinweg ins Totenreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitte Oktober war ich mit unseren beiden Jungs in Rom. Es ist wirklich beeindruckend \u00fcber das Forum Romanum oder den Palatin zu laufen. Und dann steht man auf den alten Mosaikb\u00f6den, man staunt \u00fcber die Ausma\u00dfe der kaiserlichen Pal\u00e4ste, man stellt sich vor, wie der Kaiser auf der Terrasse stand und hinunterblickte auf die 150.000 Menschen, die ihm im Circus Maximus zujubelten. Wo ist die Pracht? Wo sind die Menschen? Wo sind die M\u00e4chtigen und die jubelnden Massen? Wo sind die Soldaten in gl\u00e4nzenden R\u00fcstungen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDu l\u00e4ssest sie dahinfahren wie einen Strom, du schwemmst sie hinweg.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3.2\u00a0 Der Mensch \u2013 wie ein Schlaf<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSie sind wie ein Schlaf.\u201c<\/em> Wenn wir uns abends ins Bett legen und einschlafen, dann wachen wir morgens auf und fragen uns, wo die ganzen Stunden geblieben sind. Es geht so schnell und wir bekommen davon nichts mit. Vielleicht hatten wir auch einen Traum, aber auch der ist schnell wieder dahin und wir haben auch keinen Plan, wie lange der nun dauerte. So wird unser ganzes Leben mit einem kurzen Schlaf verglichen. Wo sind all die Jahre eigentlich geblieben? Ging das nicht alles so unfassbar schnell! Und pl\u00f6tzlich sind wir 50,70, 80 oder 90 Jahre \u2013 und dann ist es vorbei. Wie ein Schlaf, wie ein Traum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3.3\u00a0 Der Mensch \u2013 wie das Gras <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201e\u2026wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,\u20026 das am Morgen bl\u00fcht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt\u201c<\/em> (Ps 90,5-6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Bibel hindurch werden wir daran erinnert, dass unser Leben nur von kurzer Dauer ist, es ist wie das Gras, das heute aufbl\u00fcht und unter der Sonnenhitze wieder verwelkt: <em>\u201eEin Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er bl\u00fcht wie eine Blume auf dem Felde;\u200216 wenn der Wind dar\u00fcber geht, so ist sie nimmer da, und ihre St\u00e4tte kennet sie nicht mehr\u201c<\/em> (Psalm 103,15-16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>2.3.4\u00a0 Der Mensch \u2013 Sein Leben vergeht wie im Flug<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUnser Leben w\u00e4hret siebzig Jahre, und wenn\u2019s hoch kommt, so sind\u2019s achtzig Jahre, und was daran k\u00f6stlich scheint, ist doch nur vergebliche M\u00fche; denn es f\u00e4hret schnell dahin, als fl\u00f6gen wir davon\u201c (Ps 90,10; LUT).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Tage unserer Jahre sind siebzig Jahre, und, wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist M\u00fche und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vor\u00fcber, und wir fliegen dahin. (Ps 90,10; ELBF)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose selbst wurde 120 Jahre alt, aber offensichtlich war es bereits zu seiner Zeit eher \u00fcblich, 70 oder h\u00f6chstens 80 Jahre alt zu werden. Die Angaben sind als ungef\u00e4hre Mittelwerte zu verstehen. Luther schreibt \u00fcber die Zeit des 16. Jahrhunderts: <em>\u201eWie daher Moses als ein gemeines Ziel siebzig Jahre setzt, so k\u00f6nnen wir zu unserer Zeit vierzig oder f\u00fcnfzig Jahre setzen, denn es sind sehr wenige, welche das sechzigste Jahr erreichen und die werden so angesehen, dass sie in einem hohen Alter seien.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Luther f\u00fchrt dies darauf zur\u00fcck, dass die Menschen in \u201eunm\u00e4\u00dfiger Schwelgerei, Fressen und Saufen verderben\u201c. Ungesunde Lebensweise verk\u00fcrzt das Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch selbst wenn wir wie Mose 120 Jahre alt oder wie Noah 950 Jahre oder eben 80 oder 90 Jahre alt werden w\u00fcrden: Die Jahre eilen vor\u00fcber wie im Flug! Wer in diesen Wochen in den Himmel blickt, der sieht die Kraniche oder G\u00e4nse in den S\u00fcden ziehen. Man h\u00f6rt sie kommen, dann sieht man den Keil vor\u00fcberziehen und sie verschwinden in der Ferne. So pl\u00f6tzlich wie sie gekommen sind, sind sie auch schon wieder auf und davon. So ist auch unser Leben \u2013 ein kurzer Flug des Lebens, es eilt schnell vor\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Z\u00e4hle die Tage und bedenke die K\u00fcrze deines Lebens. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Studentin auf dem R\u00fcckflug<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem R\u00fcckflug von Rom nach Berlin sa\u00df ich neben einer jungen Studentin aus Rostock. Ich sa\u00df in der Mitte und sie sa\u00df am Fensterplatz. Ich kam mit ihr ins Gespr\u00e4ch und ich erz\u00e4hlte ihr, dass ich vor vielen Jahren als Student von Bremen nach London war. Ich war noch kein Christ. Als London bereits unter uns lag und ich aus dem Fenster blickte, fragte ich mich pl\u00f6tzlich, was mit mir denn passiere, wenn das Flugzeug abst\u00fcrzt. Ich hatte bis dahin 24 Jahre gelebt und mir nie die Frage nach der Endlichkeit meines Lebens gestellt. Nun erz\u00e4hlte ich ihr von meiner Geschichte, um auch sie zum Nachdenken zu bringen: Ja, was ist denn mit uns, wenn das Ende viel schneller kommt als gedacht? Ich erz\u00e4hlte ihr, dass ich die Antwort in der Bibel gefunden hatte. Sie fragte sp\u00e4ter: \u201eWas w\u00fcrden Sie mir empfehlen, wenn ich mich neu mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen wollte?\u201c Ich empfahl ihr, das Johannesevangelium zu lesen. Dort findet man die Antwort, die uns aus der Verg\u00e4nglichkeit des Todes ins ewige Leben f\u00fchrt. Jesus spricht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort h\u00f6rt und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen\u201c (Joh 5,24).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Z\u00e4hle die Tage und bedenke den Zorn Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDas macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so pl\u00f6tzlich dahinm\u00fcssen.\u20028 Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte S\u00fcnde ins Licht vor deinem Angesicht.\u20029 Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschw\u00e4tz.\u200210 Unser Leben w\u00e4hret siebzig Jahre, und wenn\u2019s hoch kommt, so sind\u2019s achtzig Jahre, und was daran k\u00f6stlich scheint, ist doch nur vergebliche M\u00fche;[1] denn es f\u00e4hret schnell dahin, als fl\u00f6gen wir davon.\u200211 Wer glaubt\u2019s aber, dass du so sehr z\u00fcrnest, und wer f\u00fcrchtet sich vor dir in deinem Grimm?\u201c (Ps 90,7-11)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Zorn Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum muss der Mensch sterben? Warum ist unser Leben wie ein Schlaf? Warum sind unsere Tage gez\u00e4hlt? Warum leben wir nicht ewig? Weil Gott zornig auf uns ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDas macht dein <u>Zorn,<\/u> dass wir so vergehen, und dein <u>Grimm<\/u>, dass wir so pl\u00f6tzlich dahinm\u00fcssen\u201c (Ps 90,7).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDarum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen <u>Zorn<\/u>, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschw\u00e4tz\u201c (Ps 90,9).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWer glaubt\u2019s aber, dass du so sehr <u>z\u00fcrnest<\/u>, und wer f\u00fcrchtet sich vor dir in deinem <u>Grimm<\/u>?\u201c (Ps 90,11).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel lebte mit Gott im Bund. Es stand unter dem Bundesschluss vom Sinai. War Israel gehorsam, wurde es mit Segnungen \u00fcbersch\u00fcttet. Brach es den Bund, \u00fcbertrat es die Gebote und w\u00e4hlte es andere G\u00f6tter, dann kam der Zorn Gottes \u00fcber das Volk:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Denn der HERR, dein Gott, ist ein eifernder Gott in deiner Mitte \u2013, dass nicht der Zorn des HERRN, deines Gottes, \u00fcber dich entbrenne und dich vertilge von der Erde\u2002(5 Mose 6,15).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die S\u00fcnde des Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zorn Gottes ist die gerechte Antwort des heiligen Gottes auf die S\u00fcnde des Menschen, der Gottes Wort missachtet und seine Gebote \u00fcbertritt und den nicht liebt, der ihn geschaffen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDenn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte S\u00fcnde ins Licht vor deinem Angesicht\u201c (Ps 90,8).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose erinnert uns in diesem Gebet daran, dass Gott unsere S\u00fcnden sieht. Er kennt unsere Verdorbenheit, er kennt unsere verborgenen S\u00fcnden. Er sieht durch unsere Masken hindurch und sieht, was aus unserem Herzen kommt:<em> \u201eDenn aus dem Herzen kommen b\u00f6se Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, L\u00e4sterung\u201c (Mt 15,19).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und weil wir S\u00fcnder sind, kommt der Zorn Gottes \u00fcber uns und weil der Zorn Gottes \u00fcber uns ist, m\u00fcssen wir sterben<em>: \u201eDenn der Lohn der S\u00fcnde ist der Tod\u201c (R\u00f6m 6,23). <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort auf unsere S\u00fcnden ist jedoch nicht nur der leibliche Tod, sondern der geistliche und damit auch der ewige Tod. Darum hei\u00dft es am Ende der Offenbarung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUnd der Tod und die H\u00f6lle wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl.\u200215 Und wenn jemand nicht gefunden wurde geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl (Offb 20,14-15).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Schuld, unsere S\u00fcnden, unser Unglaube, unsere Gottlosigkeit trennen uns f\u00fcr immer und ewig von dem heiligen Gott. Der nat\u00fcrliche Mensch steht unter dem ewigen Zorngericht Gottes, er endet in der H\u00f6lle ewiger Gottverlassenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 S\u00fcnder in der Hand eines zornigen Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ber\u00fchmte Erweckungsprediger Jonathan Edwards (1703-1758) hielt am 8. Juli 1741 in Enfield, Connecticut wohl einer der ber\u00fchmtesten und meistgelesenen Predigten, die auf dem nordamerikanischen Kontinent gehalten wurde. Es ist die Predigt \u201eS\u00fcnder in den H\u00e4nden eines zornigen Gottes\u201c (Sinner in the hands of an angry God)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSo h\u00e4lt denn Gott die nat\u00fcrlichen Menschen in Seinen H\u00e4nden \u00fcber dem Abgrund der H\u00f6lle; denn sie haben ja die brennende H\u00f6lle verdient und sind schon dazu verurteilt; sie haben Gott auf furchtbare Weise herausgefordert; Sein Zorn gegen sie ist so heftig wie gegen diejenigen, welche jetzt schon die Vollziehung Seines Grimmes erdulden m\u00fcssen; sie haben ja nicht das Geringste getan, um diesen Zorn zu bes\u00e4nftigen oder zu beseitigen. Gott ist also nicht durch die geringste Verpflichtung gebunden, sie nur einen Moment in Schutz zu nehmen. Der Teufel wartet auf sie; die H\u00f6lle sperrt ihren Rachen auf gegen sie; die Flammen umz\u00fcngeln sie miteinander und m\u00f6chten sie gerne erfassen und verschlingen; das in ihren Herzen nur glimmende Feuer ringt darnach, auszubrechen. Sie haben kein Anrecht auf einen Mittler; nichts in ihrem Bereich kann ihnen irgendwelche Sicherheit bieten. Kurz gesagt: Sie haben keinen Ort der Zuflucht; nichts, woran sie sich halten k\u00f6nnten. Was sie in jedem Augenblick noch bewahrt, ist nur der erhabene Wille Gottes, die unverbindliche, an keine Verpflichtung gebundene Langmut des erz\u00fcrnten Gottes.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>O S\u00fcnder, bedenke doch die schreckliche Gefahr, in der Du schwebst! <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der moderne Mensch und der Zorn Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr moderne Ohren klingt das wie aus einer anderen Welt. Doch die Bibel mahnt uns, den Zorn Gottes zu bedenken: <em>\u201eDoch wer bedenkt die Gewalt deines Zorns und deinen Grimm trotz deines furchtbaren Waltens? Unsere Tage z\u00e4hlen, das lehre uns, dass ein weises Herz wir gewinnen\u201c<\/em> <em>(Ps 90,11).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lehre uns die Tage zu z\u00e4hlen, die K\u00fcrze unseres Lebens zu bedenken und dabei auch \u00fcber den gerechten Zorn Gottes nachdenken und die zeitlichen und ewigen Konsequenzen seines heiligen Zornes zu bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ahnen wir etwas von dem Gewicht der Worte Jesu, wenn er sagt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz \u00fcbertretet! (Mt 7,23).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und den unn\u00fctzen Knecht werft hinaus in die \u00e4u\u00dferste Finsternis; da wird sein Heulen und Z\u00e4hneklappern (Mt 25,30).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben (Mt 25,46).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Z\u00e4hle deine Tage und bedenke den Zorn Gottes!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Z\u00e4hle die Tage und bedenke die Gnade Gottes in Christus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eLehre uns bedenken, dass wir sterben m\u00fcssen, auf dass wir klug werden.\u200213 HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gn\u00e4dig!\u200214 F\u00fclle uns fr\u00fche mit deiner Gnade, so wollen wir r\u00fchmen und fr\u00f6hlich sein unser Leben lang.\u200215 Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Ungl\u00fcck leiden.\u200216 Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.\u200217 Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich \/ und f\u00f6rdere das Werk unsrer H\u00e4nde bei uns. Ja, das Werk unsrer H\u00e4nde wollest du f\u00f6rdern!\u201c (Ps 90,12-17)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mose kennt den gn\u00e4digen Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose wei\u00df, dass der Herr nicht ewige z\u00fcrnt. Mose kennt die Wege Gottes. Mose wendet sich betend an den heiligen Gott, weil er wei\u00df, dass es einen Ausweg aus S\u00fcnde, Schuld, Tod und ewiger Verdammnis gibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">David betet in Psalm 103:<em> \u201eEr hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun. 8 Barmherzig und gn\u00e4dig ist der HERR, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte. 9 Er wird nicht f\u00fcr immer hadern noch ewig zornig bleiben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Mose Gottes Wege und sein Wesen kennt, bittet er den Herrn um Gnade und Vergebung. Wie am Sinai und nach dem Tanz um das goldene Kalb fleht er Gott im Gebet um Gnade an. Nach seiner F\u00fcrbitte f\u00fcr das Volk hei\u00dft es: \u201eDa gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte\u201c (2. Mose 32,14). Darum betet er auch hier: \u201e<em>HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gn\u00e4dig! F\u00fclle uns fr\u00fche mit deiner Gnade, so wollen wir r\u00fchmen und fr\u00f6hlich sein unser Leben lang\u201c (Ps 90,13-14).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mose wei\u00df, dass der s\u00fcndige und dem Tod, ja dem ewigen Tod verfallene Menschen in dem ewigen Gott Zuflucht finden kann, wenn er zu ihm umkehrt und sich in seine ewigen Arme flieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jesus ist die Antwort auf das Gebet des Mose<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Herr beantwortet das Gebet des Mose im 90. Psalm mit dem Kommen Jesus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUnd wie Mose in der W\u00fcste die Schlange erh\u00f6ht hat, so muss der Menschensohn erh\u00f6ht werden, 15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben\u201c (Joh 3,14-16).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der am Kreuz erh\u00f6hte Herr, der auf Golgatha den Zorn Gottes auf sich nahm, der stellvertretend f\u00fcr unsere Schuld sein Leben lie\u00df, der den Tod auf sich nahm, damit wir ewiges Leben und bei dem ewigen Gott Zuflucht finden k\u00f6nnen, ist die Antwort auf das Gebet des Mose. Bei Jesus entrinnen wir dem Zorn Gottes und dem ewigen Tod, durch Jesus haben wir das ewige Leben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Vers 13: \u201eHERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns\u201c:<\/em><\/strong> Jesus sagt: \u201eWer mich sieht, der sieht den Vater\u201c (Joh 14,9). Der Heilige Gott kehrt uns in Jesus Christus sein Antlitz zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Verse 13-14: \u201eSei deinen Knechten gn\u00e4dig! F\u00fclle uns fr\u00fche mit deiner Gnade\u201c: <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVon seiner F\u00fclle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden\u201c (Joh 1,16-17). Wer an Jesus Christus glaubt, der findet Gottes Gnade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Verse 14-15: \u201eF\u00fclle uns fr\u00fche mit deiner Gnade, so wollen wir r\u00fchmen und fr\u00f6hlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Ungl\u00fcck leiden.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Jesus hat, der darf allezeit fr\u00f6hlich sein: \u201eSeid allezeit fr\u00f6hlich\u201c (1. Thess 5,16) und das nicht nur \u201eunser Leben lang\u201c, sondern bis in alle Ewigkeit: \u201eLasst uns freuen und fr\u00f6hlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet\u201c (Offb 19,7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Vers 16: \u201eZeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.\u201c (Joh 1,14)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Jesus zeigt uns der Herr das gr\u00f6\u00dfte Werk: Die Menschwerdung des Gottessohnes, sein Leiden und Sterben am Kreuz, die Auferstehung von den Toten: In Jesus sehen wir die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Vers 17: Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich \/ und f\u00f6rdere das Werk unsrer H\u00e4nde bei uns. Ja, das Werk unsrer H\u00e4nde wollest du f\u00f6rdern!\u201c<\/em><\/strong><strong> (Psalm 90,17)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDarum, meine lieben Br\u00fcder und Schwestern, seid fest und unersch\u00fctterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.\u201c<\/em> (1. Kor 15,58) In Jesus f\u00f6rdert und festigt der Herr das Werk unserer H\u00e4nde, in ihm sind unsere Werke nicht vergeblich getan. Luther f\u00fchrt die Bekr\u00e4ftigung darauf zur\u00fcck, dass hier die geistlichen Werke im Reich zur Rechten einerseits und die weltlichen Werke im Reich zur Linken gemeint sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong><em> Z\u00e4hle die Tage und suche Zuflucht bei dem ewigen Gott<\/em><\/strong><\/li>\n<li><strong><em> Z\u00e4hle die Tage und bedenke die K\u00fcrze deines Lebens<\/em><\/strong><\/li>\n<li><strong><em> Z\u00e4hle die Tage und bedenke den Zorn Gottes<\/em><\/strong><\/li>\n<li><strong><em> Z\u00e4hle die Tage und bedenke die Gnade Gottes in Christus<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prediger Johann Hesse, Predigt im Abendmahlsgottesdienst des Gemeindehilfsbundes am 3.11.2024.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/youtu.be\/WiGXlnD85iY?si=5Y3_rita3S_62tZI\">Die Predigt hier ansehen und h\u00f6ren.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Luthers S\u00e4mtliche Schriften, Bd. V, Auslegungen \u00fcber die Psalmen, Auslegung des 90. Psalms, Sp. 779-780.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Z\u00e4hle die Tage und suche Zuflucht bei dem ewigen Gott 1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes 1 Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes. 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