{"id":2132,"date":"2008-07-28T10:56:29","date_gmt":"2008-07-28T08:56:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2132"},"modified":"2009-09-04T15:21:49","modified_gmt":"2009-09-04T13:21:49","slug":"die-auflosung-der-geschlechterordnung-und-die-gender-ideologie-%e2%80%93-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2132","title":{"rendered":"Die Aufl\u00f6sung der Geschlechterordnung und die Gender-Ideologie \u2013 Teil II"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Aufl\u00f6sung der Geschlechterordnung<br \/>\nund die Gender-Ideologie \u2013 Teil II<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>III. Ausblick und konstruktive Alternativen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch, geschaffen als Mann und Frau, kann sich seine Identit\u00e4t und den Rahmen f\u00fcr ein \u201egutes Leben\u201c nicht selbst geben oder nach seinem Belieben neu erfinden. Beide, Mann und Frau sind herausgefordert in ihrer M\u00e4nnlichkeit bzw. Weiblichkeit zu reifen, ihre Unterschiedlichkeit wahr- und anzunehmen und mit den Gegebenheiten kreativ umzugehen. In Wirklichkeit lebt die fruchtbare Spannung zwischen Mann und Frau \u2013 aus der allein heraus, Kinder und Familie, ja \u00fcberhaupt Zukunft entstehen k\u00f6nnen \u2013 gerade aus der Verschiedenheit der beiden Geschlechter.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biologische Forschung gibt uns zahlreiche Anhaltspunkte \u00fcber die Unterschiedlichkeiten zwischen m\u00e4nnlicher und weiblicher Identit\u00e4t. Diese sind nicht nur im hormonellen Bereich oder in der Anatomie angesiedelt, sondern auch die Verhaltensbiologie nennt Unterschiede, die nicht allein soziokulturell bedingt, also nur anerzogen sind. Anlagebedingte Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich bereits im Kleinkindalter. Ein besonders anschauliches Beispiel daf\u00fcr bietet eine Studie (35), die sich mit den in der 68er-Bewegung gegr\u00fcndeten \u201eKinderl\u00e4den\u201c befa\u00dft. Dabei wurden M\u00e4dchen und Jungen, die in Kinderl\u00e4den antiautorit\u00e4r, repressionsfrei und vor allem ohne Vorgabe von Geschlechterrollen aufwuchsen, mit Kindern verglichen, die in traditionellen Kinderg\u00e4rten erzogen wurden. Die Ziele der Kinderladenp\u00e4dagogik, n\u00e4mlich F\u00f6rderung von Kooperation, Solidarit\u00e4t und geschlechtliche Angleichung wurden zur Entt\u00e4uschung der Untersucher jedoch weit verfehlt. Tats\u00e4chlich stellte sich heraus, da\u00df zwar in den traditionellen Kinderg\u00e4rten die Jungen im Vergleich zu den M\u00e4dchen sich h\u00e4ufiger aggressiv verhielten. Dies hatte man als typisch m\u00e4nnlicher Rollenstereotyp auch erwartet. H\u00f6chst entt\u00e4uscht war man dagegen \u00fcber die Beobachtung, da\u00df in den Kinderl\u00e4den die Aggression bei Jungen noch deutlicher zutage trat als bei \u201etraditioneller\u201c Erziehung. Bei beiden Geschlechtern war im Kinderladen das Aggressionspotential h\u00f6her, jedoch bei den Jungen noch wesentlich h\u00f6her. Diese Untersuchung widerspricht somit dem Vorurteil, erh\u00f6hte Aggressionsbereitschaft sei bei Jungen einfach nur anerzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Spannung zwischen den Geschlechtern in guter Weise fruchtbar werden zu lassen, kann es helfen, die Wesensunterschiede zwischen den Geschlechtern nicht nur im Kindes-, sondern auch im Erwachsenenalter in den Grundz\u00fcgen zu kennen.(36) Allt\u00e4gliche Spannungsmomente in Ehe oder Kindererziehung und am Arbeitsplatz, die sich aus den Geschlechtsunterschieden ergeben, k\u00f6nnen so besser verstanden und \u2013 oft auch mit Humor \u2013 entsch\u00e4rft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df es heute keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr ist, da\u00df M\u00e4nner und Frauen ihre Unterschiedlichkeit als Erg\u00e4nzung und Bereicherung erleben, zeigt uns die Verletzlichkeit und Br\u00fcchigkeit der Ehe, die sich leidvoll in der steigenden Scheidungsrate und der wachsenden Zahl an Scheidungswaisen \u00e4u\u00dfert. Hier ist jeder pers\u00f6nlich, aber gerade auch die christliche Gemeinde herausgefordert, den Umgang mit der Verschiedenheit der Geschlechter, mit Neid (37) und Konflikten (38) einzu\u00fcben. Es geht nicht darum, Mann und Frau nur feste Rollen und Aufgaben zuzuteilen sondern darum, miteinander im Gespr\u00e4ch zu bleiben und in der weiblichen bzw. m\u00e4nnlichen Identit\u00e4t zu wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur in der Ehe erg\u00e4nzen sich Mann und Frau sondern auch ledige M\u00e4nner und Frauen sind herausgefordert sich dem notwendigen gegenseitigen heilsamen Einflu\u00df auszusetzen und sich in ihrer tiefen Verschiedenheit gegenseitig zu erg\u00e4nzen, zu bereichern und geistig zu befruchten. Es geht nicht darum, da\u00df jeder seine M\u00e4nnlichkeit bzw. Weiblichkeit gezielt anstrebt und lebt, sondern da\u00df jeder nach dem \u201eobjektiv richtigen\u201c in seinem Leben strebt. Wer sich absichtslos der pr\u00e4genden Liebe und Leitung Gottes aussetzt, kann erleben, wie er in seiner M\u00e4nnlichkeit bzw. Weiblichkeit w\u00e4chst. Am Ziel dieses manchmal auch steinigen Weges, der Reifung, der Vergebung und Hingabe beinhaltet, steht die Erg\u00e4nzung der Geschlechter. Reife und in ihrer Identit\u00e4t gefestigte Menschen sind nicht mehr Konkurrenten, sondern sind sich ihrer Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit bewu\u00dft und lassen sich erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der aus diesem Miteinander von Mann und Frau, von Vater und Mutter wachsende Raum ist identit\u00e4tsstiftend, nicht zuletzt f\u00fcr Kinder. Dieser Raum mu\u00df gest\u00e4rkt und Eltern in ihrer Erziehungs- und Bindungsf\u00e4higkeit unterst\u00fctzt werden. Zunehmend werden sonst Kinder durch schwache oder fehlende Bindungserfahrung und mangels Erleben eines friedlichen Miteinanders der Eltern unsicher in ihrer Identit\u00e4t, ihrer Beziehungs- und Konfliktf\u00e4higkeit. Durch die staatlich gef\u00f6rderte Gender-Ideologie und den dadurch aufgebauten Druck auf die Geschlechtsidentit\u00e4t werden sie dann noch weiter verunsichert. Der Leiter einer schweizerischen psychiatrischen Klinik wies vor zehn Jahren bereits darauf hin, da\u00df die Identit\u00e4tsst\u00f6rungen unter Jugendlichen drastisch zun\u00e4hmen. Er gab der Identit\u00e4tsst\u00f6rung in der Zukunft den traurigen ersten Platz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bindung der Kinder an die Eltern hat deshalb Priorit\u00e4t. Das bedeutet in einem bestimmten Lebensabschnitt berufliche Einschr\u00e4nkung meist f\u00fcr die Frauen. Doch bedeutet es gleichzeitig auch Freude, menschliche Reifung oder in biblischen Worten: Segen. Eine Familie zu haben, ist ein Segen. Als Frau einen Lebensabschnitt f\u00fcr Kinder da zu sein, ist ein Privileg. Fast alle M\u00e4dchen \u00e4u\u00dfern den Wunsch, sp\u00e4ter einmal \u201eMama\u201c zu werden. Irgendwann bleibt im \u201eemanzipierten\u201c Klima unserer Gesellschaft dieser Wunsch aber bei vielen auf der Strecke, bis es manchmal dann auch zu sp\u00e4t ist. Verlierer sind dann besonders die Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal k\u00f6nnen sich Frauen aber auch \u00fcberhaupt nicht mehr vorstellen, die ersten drei Lebensjahre ganz f\u00fcr ihr Kind da zu sein. Die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde haben sich in den letzten 30 bis 40 Jahren f\u00fcr Familien nicht nur zum Guten entwickelt. Z. B. sind Frauen heute bei der Kinderbetreuung zunehmend ganz auf sich alleine gestellt, weil sie bedingt durch die hohe berufliche Mobilit\u00e4t in einer fremden Stadt ohne Verwandtschaft und Freunde zurechtkommen m\u00fcssen. Manche f\u00fchlen sich \u00fcberfordert: Sie haben nie gelernt, f\u00fcr ein Kind zu sorgen, weil es in ihrem Umfeld auch kaum mehr junge M\u00fctter mit Kindern gibt, bei denen sie die Pflege von Kleinkindern und den Umgang mit ihnen h\u00e4tten miterleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum ist es entscheidend, \u00fcber \u00c4ngste, innere oder \u00e4u\u00dfere Hindernisse im Zusammenhang mit Familienplanung zu sprechen. So kann auch eine bei manchem verlorengegangene Offenheit f\u00fcr Ehe und Kinder wieder geweckt werden. Wie und wann kann der Kinderwunsch in der Lebensplanung junger Frauen und M\u00e4nner realisiert werden? Die Thematisierung dieser Fragen anl\u00e4\u00dflich einer Ehevorbereitung, in der Seelsorge oder in einer anderen Vertrauensbeziehung kann jungen Menschen helfen, realistisch mit ihren W\u00fcnschen und Zielen umzugehen. Der Verweis auf die Priorit\u00e4t der Karriere und das Verschieben auf sp\u00e4ter sind oftmals eine Selbstt\u00e4uschung und in jedem Fall zu unkonkret.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie k\u00f6nnen junge Paare ihr zuk\u00fcnftiges Familienleben als ein gutes Miteinander gestalten, bei dem auch die Bed\u00fcrfnisse der Kinder ihren Platz erhalten? Kreativ \u00fcber Mutter- und Vaterschaft nachgedacht haben z. B. Prof. Dr. Doris Bischof-K\u00f6hler, Entwicklungspsychologien in M\u00fcnchen und Mutter von drei Kindern, aber auch andere Autorinnen wie Prof. Dr. Janne Haaland-Matl\u00e0ry,(39) Professorin f\u00fcr internationale Politik, Oslo und Mutter von vier Kindern. Beide bringen das Modell von \u201eKarrierezyklen\u201c ins Spiel und beschreiben Familie und Beruf als zyklisches Geschehen. Dabei wechseln die Phasen der Kinderbetreuung ab mit au\u00dferh\u00e4uslicher Arbeit. Janne Haaland-Matl\u00e0ry pl\u00e4diert zudem daf\u00fcr, da\u00df Erfahrungen und F\u00e4higkeiten, die bei der Hausarbeit und Kindererziehung erworben werden, wie Verantwortungsbewu\u00dftsein, Selbstlosigkeit aber auch Leitung, Kreativit\u00e4t und Konsequenz die angemessene Anerkennung erfahren. Vaterschaft und Mutterschaft, als pers\u00f6nlichen aber auch gesellschaftlichen Reichtum m\u00fc\u00dften gew\u00fcrdigt und deshalb auch in angemessener Weise staatlich unterst\u00fctzt werden. \u00dcber solche Modelle kann neu in den einzelnen Familien, aber auch in der \u00d6ffentlichkeit nachgedacht werden. Kreativit\u00e4t ist gefordert und findet ihre Umsetzung z.B. in der Flexibilisierung von Arbeitszeiten und der Einrichtung von Arbeitspl\u00e4tzen zu Hause, in Initiativen f\u00fcr Betriebskinderg\u00e4rten (f\u00fcr Kinder ab drei oder vier Jahren) und Gemeindenetzwerke in denen Familien, aber auch Ledige oder Kinderlose sich gegenseitig unterst\u00fctzen, in der Ernennung von Wahlgro\u00dfeltern und Initiierung von Projekten, die junge Eltern in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben unterst\u00fctzen. Das alles sind wichtige positive Gegenakzente zur Gender-Kinderkrippen-Politik. Diese Ideen k\u00f6nnen Engagierte gleichzeitig auch in den politischen Diskurs \u2013 z. B. beim \u201eFamiliennetzwerk\u201c(40) oder beim \u201eB\u00fcndnis Ehe und Familie\u201c(41) einbringen. Beide Organisationen setzen sich f\u00fcr die Freiheit von Ehe und Familie und gegen die zunehmende Einengung durch die Politik des Gender Mainstreaming ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gender-Ideologie wird sich nicht durchsetzen k\u00f6nnen, wenn gen\u00fcgend Frauen und M\u00e4nner da sind, die ihr Frausein bzw. Mannsein bejahen und bereit sind, sich auf das Abenteuer einzulassen, das die Sch\u00f6pfung f\u00fcr uns bereith\u00e4lt. Es geht in dem allem um das Wagnis verl\u00e4\u00dflicher, gegenseitiger Erg\u00e4nzung, das von der Wertsch\u00e4tzung der Unterschiede und der Vergebung lebt und an dessen Ziel der Friedensschlu\u00df der Geschlechter steht, der ein guter N\u00e4hrboden f\u00fcr neues Leben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen Teil II<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">35 Nickel, Herbert\/ Schmidt-Denter, Ulrich: Sozialverhalten von Vorschulkindern, M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt 1980.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">36 s. dazu auch Bischof-K\u00f6hler, Doris: Von Natur aus anders, Stuttgart 2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">37 s. dazu auch: Dem Neid auf der Spur \u2013 Vom falschen Vergleichen und der Angst, zu kurz zu kommen, Salzkorn, Anstiftungen zum gemeinsamen Christenleben von der \u00f6kumenischen Kommunit\u00e4t Offensive Junger Christen (OJC), Nr. 227, M\u00e4rz-April 2\/2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">38 s. dazu auch: Aufrichtig Streiten \u2013 Aneinanderger\u00fcsselt? \u2013 Konflikte austragen statt nachtragen!, Salzkorn, Anstiftungen zum gemeinsamen Christenleben von der \u00f6kumenischen Kommunit\u00e4t Offensive Junger Christen (OJC), Nr. 221, M\u00e4rz-April 2\/2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">39 Haaland-Matl\u00e0ry Janne: Bl\u00fctezeit \u2013 Feminismus im Wandel, Augsburg 2001.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">40 http:\/\/www.familie-ist-zukunft.de\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">41 <a href=\"http:\/\/www.buendniseheundfamilie.de\/\">http:\/\/www.buendniseheundfamilie.de\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Deutsches Institut f\u00fcr Jugend und Gesellschaft<br \/>\nHelene-G\u00f6ttmann-Str. 1<br \/>\n64385 Reichelsheim<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das DIJG ist das Studien- und Forschungszentrum der \u00f6kumenischen Kommunit\u00e4t Offensive Junger Christen e.V. (OJC).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufl\u00f6sung der Geschlechterordnung und die Gender-Ideologie \u2013 Teil II III. Ausblick und konstruktive Alternativen Der Mensch, geschaffen als Mann und Frau, kann sich seine Identit\u00e4t und den Rahmen f\u00fcr ein \u201egutes Leben\u201c nicht selbst geben oder nach seinem Belieben neu erfinden. Beide, Mann und Frau sind herausgefordert in ihrer M\u00e4nnlichkeit bzw. 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