{"id":21137,"date":"2024-08-17T22:17:40","date_gmt":"2024-08-17T20:17:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21137"},"modified":"2024-08-17T22:25:02","modified_gmt":"2024-08-17T20:25:02","slug":"predigt-am-12-sonntag-nach-trinitatis-ueber-markus-731-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21137","title":{"rendered":"Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis \u00fcber Mk 7,31-37"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Und da er wieder aus ging von den Grenzen Tyrus und Sidon, kam er an das galil\u00e4ische Meer, mitten unter die Grenze der Zehnten St\u00e4dte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, dass er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und sp\u00fctzete und r\u00fchrte seine Zunge. Und sahe auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephatha, das ist, tue dich auf. Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich \u00fcber die Ma\u00dfe und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er h\u00f6rend und die Sprachlosen redend.&#8220; (Markus 7,31-37).<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein einfaches Evangelium weil es nicht mehr tut, denn dass es sagt vom Wunderwerk, welches der Herr hier an dem stummen und tauben Menschen getan hat. Von diesem und anderen Wunderzeichen h\u00f6ren wir im Jahr oft, dass sich Christus damit erzeigt und sehen l\u00e4sst, dass er der Heiland sei, der uns wieder des Teufels Zorn helfen und beistehen wolle. Darum m\u00f6gen wir Gott f\u00fcr solche Wohltat besonders danken, dass er uns einen solchen Mann gegeben hat, der uns aus lauter Gnaden beistehen will, wider alles, dass der Teufel uns zuf\u00fcgen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn dass dieser arme Mensch also verletzt ist, dass er weder Zunge noch Ohren, wie andere Leute, brauchen kann, das sind alles Schl\u00e4ge und Stiche des leidigen Teufels. Vor der Welt hat es wohl das Ansehen, dass jedermann meint, es seien nat\u00fcrliche Gebrechen; denn die Welt kennt den Teufel nicht, dass er so mancherlei Schaden anrichtet, die Leute toll und t\u00f6richt macht, ihnen alles Ungl\u00fcck zuf\u00fcgt, nicht allein am Leib, sondern auch an der Seele, dass sie vor Angst und Traurigkeit Sterben und zu keiner Freude kommen k\u00f6nnen: wir Christen aber sollen es daf\u00fcr halten, dass solche Fehler und Gebrechen alle anderes nichts, denn eitel Teufels Schl\u00e4ge sind; der richtet solchen Jammer auf Erden an, und tut Schaden, wo er kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum sollen wir unserem lieben Herrn Gott billig danken, dass er unseres Jammers sich angenommen, und seinen Sohn, unseren Herrn Christum Jesum, gesandt hat, der diesem armen Menschen geholfen; und uns auch gn\u00e4dig beh\u00fctet hat, dass wir mit der gleichen Plage vom b\u00f6sen Feinde nicht auch besch\u00e4digt sind. Denn daf\u00fcr soll es ein jeder Mensch halten, so er gesunde Augen, Ohren, H\u00e4nde, F\u00fc\u00dfe und andere Glieder hat, dass es nicht ein nat\u00fcrlich, ungef\u00e4hrliches Gew\u00e4chs sei, wie es die Welt ansieht; sondern es sind lauter Gaben Gottes. Weil aber die Welt solches nicht glaubt, sondern, weil es so gemein ist, f\u00fcr ein nat\u00fcrlich schlecht Ding h\u00e4lt: deswegen muss Gott zuweilen solches geschehen lassen, dass der Teufel da einen stumm und taub, dort einen blind macht, oder wohl gar t\u00f6tet, auf das jedermann lerne, Gott habe es dem Teufel erlaubt, und desto flei\u00dfiger Gott daf\u00fcr danke, dass er uns so gn\u00e4dig vor solchem Unrat bewahret.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ist es auch des Teufels Werk, dass er die Herzen verblendet durch irrige und falsche Lehre, dass sie die Wahrheit nicht sehen noch annehmen wollen. Alle Gottes Werke aber sind gut; denn er ist gut, und schafft nichts, denn was gut ist. Der Teufel aber ist b\u00f6se; deswegen wo es ihm Gott erlaubt, da richtet er nichts Gutes an. Gleich wie ein Baum, der sch\u00f6ne gute \u00c4pfel tr\u00e4gt, aber wenn das Ungeziefer kommt und zersticht es, so werden die Fr\u00fcchte wurmig und verderben. Solches ist aber nicht unseres Herrn Gottes Schuld, sondern der W\u00fcrmer und des Ungeziefers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ist es mit uns Menschen auch. Gott ist ein Gott des Lebens, deswegen gibt er gesunden Leib und seine, geschickte Gliedma\u00dfen. Aber der Teufel, wo er kann und Gott ihm solches erlaubt, verdirbt er den Leib und tut Schaden. Darum sollen wir es lernen, was dergleichen f\u00fcr Unrat uns widerf\u00e4hrt, dass es lauter Teufelstiche sind, der allen Menschen, besonders aber den Christen, bitterfeind ist und nichts Gutes g\u00f6nnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es aber schrecklich, dass der arge, b\u00f6se, m\u00e4chtige Feind so viel Jammer anrichten soll. Aber dagegen tr\u00f6stet uns das heutige Evangelium, von einer gewissen Hilfe wieder solchen Feind. Denn da sehen wir, wie Johannes sagt 1 Johannes 3,8.: dass der Sohn Gottes darum erschienen ist, dass er die Werke des Teufels zerst\u00f6re. Denn weil der Teufel in das Paradies darum gekommen ist, dass er unserem Herrn Gott sein Werke zerbrechen, und aus den Heiligen Frommen Menschen, Adam und Eva, ungehorsamen b\u00f6se Menschen machen wollte, und es gelang ihm solcher Anschlag: hat der Sohn Gottes wiederum gedacht, wie er sich an seinen Feinde k\u00f6nne r\u00e4chen. Wird deswegen Mensch, und macht wieder ganz und besser, was der Teufel zerbrochenen hat; zerbricht dem Teufel auch sein Werk, die S\u00fcnde, den Tod und H\u00f6lle, und, wie wir hier sehen, macht er die Zunge wieder los, die der Teufel gebunden hatte, und tut die Ohren auf, die er verstopft hatte. Diese Werk auszurichten ist Christus gekommen, und treibt es f\u00fcr und f\u00fcr unter seinen Christen, wie wir hernach weiter h\u00f6ren werden. Das sei vom Wunderzeichen und Werk unseres Herrn Christi gesagt, damit er sich heut erzeiget hat, dass er ein Helfer sei der elenden Leute, und wolle heilen alle Gebrechen, die der Teufel auf uns geladen hat, und von seiner Tyrannei uns ledig machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es will aber der Herr mit diesem Wunderwerk uns auch das anzeigen, wie diese zwei St\u00fccke sonderlich einem Christen zugeh\u00f6ren, dass die Ohren ihm aufgetan und die Zunge gel\u00f6st sei; und dass er dies Werk t\u00e4glich in seiner Kirche wider den Teufel \u00fcben wolle. Die leibliche Wohltat, dass er gesunde Ohren und Zunge gibt, l\u00e4sst er auch wohl den Heiden widerfahren; aber bei den Christen allein geht diese geistliche Wohltat, dass er ihnen die Ohren geistlich \u00f6ffnet und die Zunge l\u00f6st. Denn das ist ja gewiss, dass wir alle unsere Seligkeit allein durch das Wort Gottes haben. Was w\u00fcssten wir sonst von Gott, von unserem Herrn Christus und seinem Opfer, und vom Heiligen Geiste? Darum ist dies noch heutigen Tages das gr\u00f6\u00dfte Wunderwerk und die gr\u00f6\u00dfte Wohltat, wem Gott ein solches Ohr gibt, dass sein Wort gern h\u00f6rt, und eine Zunge, die Gott ehrt und nicht l\u00e4stert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Katholiken sind tausend Mal elender, denn dieser Stumme hier. Denn sie haben taube Ohren; und ob sie gleich Gottes Wort h\u00f6ren, so k\u00f6nnen und wollen sie es dennoch nicht h\u00f6ren. Eben wie wir an den ungl\u00e4ubigen Juden sehen: wenn unser lieber Herr Christus die sch\u00f6nste Predigt von Vergebung der S\u00fcnden und dem ewigen Leben tat, wurden sie toll und t\u00f6richt, wollten es nicht allein h\u00f6ren, sondern l\u00e4sterten noch dazu. Also sind noch alle, die Gottes Wort nicht h\u00f6ren wollen, taub und stumm, und in viel gr\u00f6\u00dferer Gefahr als dieser arme Mensch hier. Denn sie k\u00f6nnen mit ihrer Zunge anderes nicht, denn Gott l\u00e4stern, und von seinem Wort, dem h\u00f6chsten Schatz, auf das \u00e4rgste Reden. Die aber Gottes Wort gern h\u00f6ren, und zur denen Christus sagt, wie hier zum Stummen: \u00abHephatha,\u00bb Ohr, du sollst offen stehen: die sind es, denen recht geholfen ist wider den Teufel denn Gott hat uns keinen anderen Weg gewiesen, darauf wir in den Himmel gehen k\u00f6nnen, denn sein liebes Wort, das heilige Evangelium. Wer dasselbe gern h\u00f6rt, mit Flei\u00df merkt, und Lust und Liebe daran hat, dem ist geholfen. Das ist das eine Wunderwerk, welches noch t\u00e4glich in der Christenheit geht, dass unsere Ohren, welche der Teufel durch die S\u00fcnde verstopft hat, durch das Wort wieder aufgetan werden, dass wir Gottes Wort h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das andere ist, dass er auch die Zunge wohl r\u00fchret, und uns Reden macht, wie Paulus sagt R\u00f6mer 10,10.: \u00abSo man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und so man mit dem Mund bekennet, so wird man selig.\u00bb Durch den glauben an Christum kommen wir zu Vergebung der S\u00fcnden. Da soll danach auch das Bekenntnis folgen, dass wir nicht stumm sind, sondern Reden, wie wir es im Herzen glauben. Das macht denn einen rechten Christen; alle anderen Werke machen keinen Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kann wohl sein, dass ein M\u00f6nch fastet und wacht, und tut seinem Leibe weher denn ein Christi: dadurch aber kann er kein Christ werden; denn es mangelt ihm an dem, dass er noch taub und stumm ist. Das Wort will er nicht h\u00f6ren, viel weniger bekennen. Ein Christ aber, der h\u00f6rt es, glaubt es und bekennt es danach. Diese zwei St\u00fccke machen einen Christen. Also \u00fcbt unser lieber Herr Christus solches Werk noch t\u00e4glich in seiner Kirche, im Geist und durch das Wort; welches Werk er dort leiblich darum getan hat, dass er sich sehen lie\u00dfe, wie er wieder allen Schaden, den der Teufel uns zuf\u00fcgt, sonderlich aber wieder den Geistlichen Schaden uns helfen k\u00f6nnte und wollte, auf das wir an ihn glauben und unsere Hoffnung auf ihn setzen lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun m\u00fcssen wir auch sehen, was der Herr mit dem sondern Gepr\u00e4nge hier meint. Das Volk bringt den armen Menschen zu ihm, und bittet, er wolle ihm die H\u00e4nde auflegen. So f\u00e4hrt er zu, f\u00fchrt ihn beiseite vom Volk, legt ihm die Finger in die Ohren, spuckt aus, und r\u00fchret seine Zunge damit. Danach sieht er auf gen Himmel, seufzt und spricht: \u00abHephatha.\u00bb Solches alles ist eine sonderliche Geb\u00e4rde, die der Herr besonders bei diesem Wunderwerk f\u00fchrt. Weil wir nun geh\u00f6rt haben, was es sei, recht stumm und taub sein, m\u00fcssen wir auch das sehen, warum der Herr soeben hier bei diesem Wunder Werke eine besondere Zeremonie oder Gepr\u00e4nge hat brauchen wollen; so er doch wohl mit einem einzigen Wort solches Werk h\u00e4tte k\u00f6nnen ausrichten. Denn wir sehen durch und durch im Evangelium, dass es nur um ein Wort zu tun ist; wenn er etwas haben will, so geschieht es.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Herr treibt hier so viel Wesens um des geistlichen Wunderwerkes Willen. Denn er will damit anzeigen, wie es so viel M\u00fche kostet, bis man einen Tauben h\u00f6rend und einen Stummen redend macht. Lazarus weckt er mit einem Wort auf. Zum Gichtbr\u00fcchigen sagt er: \u00abstehe auf und wandle\u00bb; da war ihm schon geholfen. Aber mit diesem Tauben und Stummen hier geht er so kurz und schlecht nicht um; sondern braucht eine besondere Geb\u00e4rde, dass er mit den Fingern ihm in die Ohren gereift, und mit dem Speichel seine Zunge zuvor r\u00fchrt, sieht auf gen Himmel, und seufzt; als dann allererst er spricht: \u00abTue dich auf\u00bb; uns damit anzuzeigen, so wir von des Teufels Banden wollen los werden; und eine fertige Zunge und offene reine Ohren \u00fcberkommen so m\u00fcsse es geschehen durch das \u00e4u\u00dferliche Wort oder Predigtamt, und durch \u00e4u\u00dferliche Zeichen. Denn das Wort m\u00fcssen wir zuerst h\u00f6ren, und danach Taufe und Sakrament nicht zur\u00fccklassen; so will alsdann der Heilige Geist dabei sein, Ohren und Zunge losmachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum h\u00fcte sich jedermann vor den Rottengeistern, die des \u00e4u\u00dferliche Wort und Sakrament verachten, und warten, bis Gott mit ihnen rede in ihrem Herzen. Nein, spricht Christus, da ist mein Finger, dass \u00e4u\u00dferliche Wort, das muss in den Ohren erschallen. Da ist mein Speichel, der muss die Zungen r\u00fchren und feuchten. Also wird mein Werk recht und fertig von Statten gehen. Wie man sieht, wo das \u00e4u\u00dferliche Wort recht geht, da findet man gewisslich Christen. Wo es nicht recht geht, da findet man keine. Denn wie der Hirte ist, so sind die Schafe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum denke jedermann, dass er sich auf dieser Bahn lasse finden und Gottes Wort gern h\u00f6ren. Denn Gott will sich ohne dass Wort in deinem Herzen nicht offenbaren. Sollst du ihn sehen und erkennen, so muss es allein durch das Wort und die \u00e4u\u00dferlichen Sakramente geschehen; sonst will der Heilige Geist sein Werk nicht f\u00fchren. Wie Gott vom Himmel herab uns lehrt, da er spricht: \u00abdas ist meint lieber Sohn, den sollt ihr h\u00f6ren.\u00bb Also, Christus befiehlt seinen J\u00fcngern: \u00abGehet hin in alle Welt, lehret und taufet alle V\u00f6lker\u00bb; also: \u00abWer euch h\u00f6ret, der h\u00f6rete mich.\u00bb Da hat unser lieber Herr Christus befohlen, man soll das Maul auftun, den Leuten das Evangelium predigen, und sie taufen. Das ist die rechte Weise, dadurch wir m\u00fcssen selig werden; sonst ist alles vergebens und verloren. \u00abWer euch h\u00f6ret,\u00bb spricht er, \u00abder h\u00f6ret mich.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Predigtamt hat Gott auch geordnet Vater und Mutter, Herr und Frau im Haus, weltliche Obrigkeit im Regiment. Die sind nicht von ihretwegen allein da; sondern sitzen an Gottes Statt: die sollst du, soviel dass \u00e4u\u00dferliche Leben und all dein Tun und Lassen gegen andere betrifft, auch h\u00f6ren, und wissen, wenn du dieselben h\u00f6rst, so h\u00f6rst du Gott. Ohne wenn sie ihr Amt missbrauchen, wieder Gottes Wort etwas sagen und gebieten wollten: da soll man sie nicht h\u00f6ren. Denn Gott soll man mehr Gehorsam sein, denn den Menschen. Und, wie gemeldet, sollst du erst Gott in der Kirche durch seine Diener h\u00f6ren; danach allererst die Menschen, als, deinem Vater, Mutter und Obrigkeit; was dieselben ihres Amts wegen dir sagen, dass sagt dir Gott. Darum denke auch, dass du es annehmen sollst und folgen. Nun ist es aber wahr, unser keiner ist, er denkt, er wollte hundert Meilen Weges zu einer solchen Kirche laufen, da unser Herr Gott selbst predigte; denn jedermann w\u00fcrde die Stimme h\u00f6ren wollen. Aber unser Herr Gott sagt: Ich will es dir wohl n\u00e4her machen, dass du nicht so weit danach laufen darfst: h\u00f6re deine Pfarrherren, deinen Vater und Mutter, so hast du mich geh\u00f6rt; denn sie sind meine J\u00fcnger und Amtleute; wenn du sie h\u00f6rst, so will ich dir in dein Herz reden, wie diesem Tauben, dass deine Ohren sich auftun und deine Zunge soll frei sein, und du von da an bist ein h\u00f6render und redender Mensch, nicht mehr taub und Stummen, wie zuvor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie geht es? Kinder und Gesinde im Hause lassen ihrer Eltern und Herrschaft predigen und sagen, was sie wollen; sie aber t\u00e4ten nicht das Wenigste, wenn man sie nicht dazu zwingt. Also geht es mit der Obrigkeit auch, sie schaffe und hei\u00dfe, was sie wolle, so findest du unter Hundert nicht einen, der mit Ernst denkt, solchen Befehl nachzukommen. Besonders jetzt, wegen der gro\u00dfen Gefahr, in der Deutschland jetzt schwebt, dass man Fromm sein und sich bessern, zu Gottes Wort sich flei\u00dfiger halten und vor allem \u00c4rgernis sich h\u00fcten soll; dazu denn weltliche christliche Obrigkeit treulich die Untertanen vermahnt. Aber sie wollen nicht so um, und stellt sich die Welt, als wolle sie vors\u00e4tzlich \u00e4rger sein, denn sie zuvor gewesen ist, ehe wir das Wort gehabt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also auch, gleichwie es im Haus und Regiment geht, so geht es auch in der Kirche, das sehr wenige sind, die mit rechtem Ernst die Predigt h\u00f6ren und die Ohren recht auftun. Der meiste Teil, B\u00fcrger und Bauern, sind den Kirchendiener feind, k\u00f6nnten sie ihnen nur viel zu Leid tun, nichts geben und \u00fcberall nur nehmen, dass t\u00e4ten sie von Herzen gern, wie man leider \u00fcberall sieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum folgt auch die Strafe, weil man Gott, der durch Vater und Mutter, durch weltliche Obrigkeit und Kirchendiener mit uns redet, nicht h\u00f6ren will, dass der Teufel die Ohren je l\u00e4nger je h\u00e4rter zumacht, und die Zunge je l\u00e4nger je mehr bindet und schwerer macht, dass man Gottes Wort nicht h\u00f6ren, noch davon reden mag. Dagegen aber tut der Teufel die Ohren auf, dass man seine L\u00fcgen, Rotten, falsche Lehre, Unzucht und anderes gern h\u00f6rt; l\u00f6st auch die Zunge, dass sie Gott l\u00e4stern und jedermann \u00e4rgerlich sei. Solcher Lohn pflegt zu folgen, wo man das Wort verachtet; und geschieht den Leuten darum recht, sie wollen es so und nicht anders haben. \u00dcber das werden auch die zeitlichen Plagen nicht au\u00dfen bleiben, sondern werden gewiss folgen, als, Pestilenz, Krieg, T\u00fcrke und alles Ungl\u00fcck; damit solche Buben, nach dem sie verdient haben, ihre Strafe empfangen, wie man es bereits vor Augen sieht. Gott helfe uns, dass wir uns bessern und fr\u00f6mmer werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die Ursache, dass der Herr hier gen Himmel aufsieht, seufzt, und gleich in einem Grimm sagt: \u00abHephatha, tue dich auf.\u00bb Denn es tut ihm weh, da Gott gern helfen und die Leute von des Teufels Banden durch sein Wort gern frei machen wolle, dass sie sich nicht wollen helfen lassen, und zu ihrem eigenen Verderben eilen und Gott zur Strafe dringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum lasst uns dies Wunderwerk wohl und mit Flei\u00df merken, und der Frommen Leute Exempel folgen, welche den Herrn Christus hier r\u00fchmen, dass er alles wohl gemacht habe, dass die Tauben h\u00f6ren und die Sprachlosen reden. Solches tut er, wie gesagt, noch f\u00fcr und f\u00fcr in der Christenheit, mit seinem Finger und Speichel, das ist, durch die Heiligen Sakramente und das \u00e4u\u00dferliche Worte, dass er predigen l\u00e4sst, dass die Tauben Ohren ge\u00f6ffnet und die Sprachlosen redend werden. Durch das, und sonst durch nichts, will der Heilige Geist in uns seine Wirkung haben. Das merket ja wohl, und haltet euch desto flei\u00dfiger dazu; denn das ist der n\u00e4chste und gewisseste Weg, dass unsere Ohren aufgetan und unsere Zunge gel\u00f6st, und wir selig werden. Das verleihe uns unser lieber Herr und Heiland, Christus Jesus, Amen<\/p>\n<p><em>Martin Luther, Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Und da er wieder aus ging von den Grenzen Tyrus und Sidon, kam er an das galil\u00e4ische Meer, mitten unter die Grenze der Zehnten St\u00e4dte. 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