{"id":21055,"date":"2024-07-14T12:49:15","date_gmt":"2024-07-14T10:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21055"},"modified":"2024-07-14T12:50:01","modified_gmt":"2024-07-14T10:50:01","slug":"enge-haeuser-andacht-ueber-enge-und-weite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21055","title":{"rendered":"&#8222;Enge H\u00e4user&#8220; \u2013 Andacht \u00fcber Enge und Weite"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Zu jeder Aufz\u00e4hlung geistlicher Gr\u00f6\u00dfen sollte Augustinus, der Bischof von Hippo, geh\u00f6ren. Wenn man einhundert kundige Menschen fragt, wen sie nach Paulus zu den Christen mit der gr\u00f6\u00dften Wirkung rechnen w\u00fcrden, fiele ihre Antwort wahrscheinlich sehr unterschiedlich aus; man kann jedoch mit Sicherheit davon ausgehen, dass jeder von ihnen Augustinus hinzuz\u00e4hlen w\u00fcrde. So gro\u00df war er \u2013 sowohl in intellektueller als auch in geistlicher Hinsicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe der Jahrhunderte hat man immer wieder erkannt, welch ein gro\u00dfer Christ Augustinus war, wenngleich er <!--more-->wie jeder Mensch seine Fehler hatte \u2013 auch nach seiner Bekehrung. Am Anfang seines ber\u00fchmten Werkes, der Bekenntnisse, sagt er: \u00bbZu enge ist das Haus meiner Seele, dass du drin Einkehr halten k\u00f6nntest; so erweitere du es!\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Er sagte das mit gro\u00dfem Ernst, und seine Aussage gibt uns vielleicht einen Fingerzeig auf das Geheimnis seiner Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sich Augustinus mit Gottes Wesen und Person besch\u00e4ftigte, war dies so gewaltig, dass ihm seine eigene F\u00e4higkeit, dar\u00fcber nachzusinnen, unertr\u00e4glich begrenzt erschien. Gott war f\u00fcr ihn so unermesslich gro\u00df, so welterf\u00fcllend, dass kein Tempel ihn fassen noch ein Heiligtum ihn umschlie\u00dfen konnte. Er erf\u00fcllt den Himmel und den Himmel der Himmel, und die Welt selbst ist viel zu klein, um ihn aufzunehmen. Wenn Augustinus sein eigenes Herz betrachtete, sah er nur Enge und Beschr\u00e4nkung; und das trieb ihn ins Gebet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbErweitere du es!\u00ab, lautete der unwillk\u00fcrliche Schrei seiner Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie weit ist dies entfernt von der Haltung der Selbstzufriedenheit, der wir heute \u00fcberall begegnen! Das h\u00f6chste Ziel der meisten Christen unserer Tage scheint ihre Errettung zu sein. Das ewige Leben zu haben und zu kennen, ist f\u00fcr viele das gr\u00f6\u00dfte Bestreben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier beginnen sie, und hier h\u00f6ren sie auf. Um diesen Punkt herum bauen sie ihren engen Tempel, und innerhalb dieser engen, selbst auferlegten Beschr\u00e4nkungen singen sie ihre selbstgef\u00e4lligen und beschwingten Lieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Weiteste im Universum ist nicht das All; es ist die potenzielle Aufnahmef\u00e4higkeit des menschlichen Herzens. Geschaffen nach dem Bild Gottes, ist es imstande, sich im Grunde jeden neuen Bereich nach allen Richtungen hin zu erschlie\u00dfen. Und eine der schlimmsten Trag\u00f6dien der Welt ist, dass wir es unserem Herz erlauben, sich so sehr zu verengen, bis nur noch wenig Raum f\u00fcr andere Dinge darin zu finden ist \u2013 f\u00fcr irgendetwas au\u00dfer f\u00fcr uns selbst. Wordsworth<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> beklagte die Tatsache, dass unsere Welt, wenn wir \u00e4lter werden, kleiner wird und das \u00bbLicht, das niemals Land oder Meer beschien\u00ab<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, langsam verdunkelt und am Ende verl\u00f6scht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Himmel uns umgibt in Kindertagen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schatten des Gef\u00e4ngnisses sich langsam schlie\u00dfen, Sobald der Junge w\u00e4chst heran,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch nimmt er wahr das Licht und sieht&#8217;s vom Ursprung flie\u00dfen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie schwach und schw\u00e4cher sie<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> ihm wird, der Mann noch sp\u00fcrt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bis sich der Glanz im Licht des Alltags ganz verliert.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von allen Menschen sollten die Christen die weitesten Herzen haben; sie sollten auch nicht im Entferntesten auf den Gedanken kommen, ihre Herzen zu verengen. Sie sollten fortw\u00e4hrend nach innerer Weite suchen \u2013 ungeachtet dessen, welches Bild sich ihnen auch bieten mag. Wenn man nach au\u00dfen hin Gr\u00f6\u00dfe demonstriert und im Inneren kleinherzig ist, heuchelt man auf eine gewisse Weise, aber die Bescheidenheit, die hinter ihrem einfachen \u00c4u\u00dferen ein gro\u00dfes Herz verbirgt, muss Gott \u00fcberaus gefallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sch\u00e4rfste Kritik, die an den Christen ge\u00fcbt wird, zielt darauf ab, dass ihr Denken eng und ihr Herz klein ist. Das mag nicht ganz zutreffen, aber dass eine derartige Anklage \u00fcberhaupt erhoben werden kann, ist Grund genug daf\u00fcr, in sich zu gehen, das eigene Herz ernsthaft zu pr\u00fcfen und zu beten. Fr\u00f6mmigkeit ist gleichbedeutend mit einem gottgem\u00e4\u00dfen Leben, und Gott \u00e4hnlich zu sein, bedeutet zweifellos, gro\u00df (im Sinne von gro\u00dfherzig) zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist unendlich viel gr\u00f6\u00dfer als die Welt; das gesamte geschaffene Universum ist unermesslich klein angesichts seiner Gr\u00f6\u00dfe. Wenn unsere F\u00e4higkeit, am Ergehen anderer Anteil zu nehmen, stark eingeschr\u00e4nkt ist, verhalten wir uns alles andere als gottgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Angemessenste, was wir tun k\u00f6nnen, ist, dies einzugestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts ist so vergeblich wie der Versuch, unsere moralischen Fehler vor den scharfen Augen der Welt zu verteidigen. Wir sollten die Ursache der Kritik entfernen, anstatt sie zu leugnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> war ein kleiner Mann, dessen geistliches Leben eine beeindruckende Weite aufwies; sein gro\u00dfes Herz wurde oft durch die Engherzigkeit seiner Glaubensgeschwister beschwert. \u0412\u0435sonders die Christen in Korinth bereiteten ihm durch ihre inneren Begrenztheiten viel Kummer.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Der Anblick ihrer Kleinherzigkeit ging ihm sehr nahe. Einmal rief er voller Schmerz und Liebe aus: \u00bbUnser Mund hat sich euch gegen\u00fcber ge\u00f6ffnet, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden! Ihr habt nicht engen Raum in uns; aber eng ist es in euren Herzen! Vergeltet uns nun Gleiches \u2013 ich rede zu euch als zu meinen Kindern \u2013 und lasst es auch in euch weit werden!\u00ab (2.\u00a0Kor 6,11\u201313; Schlachter 2000).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich jemand fragt, wie er sein Herz weiten kann, dann will ich hier gleich anf\u00fcgen, dass ihm das selbst nicht gelingt. Paulus sagte: \u00bbLasst es auch in euch weit werden\u00ab, aber er sagte nicht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMacht auch ihr euer Herz weit\u00ab (Luther 1984)! Dazu waren sie n\u00e4mlich au\u00dferstande. Was das Herz betrifft, so kann nur Gott es umgestalten. Nur derjenige, der auch unsere Seele geschaffen hat, kann eine seelische Wiederherstellung schenken, wenn der Wirbelsturm der S\u00fcnde \u00fcber sie hinweggegangen ist und nur einen kleinen Raum stehen gelassen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir Gott unser Herz \u00fcbergeben, erwarten wir vielleicht, wie es auf wunderbare Weise weit wird. Und wer wei\u00df, was Gott tut, wenn wir unsere H\u00e4nde sinken und ihn wirken lassen. \u00bbWas wei\u00dft du\u00ab, so fragt Meister Eckhart, \u00bbwas f\u00fcr Rangstufen Gott in die (menschliche] Natur gelegt hat, die noch nicht alle beschrieben sind, ja, die noch verborgen sind?\u00ab Und ein besonderes Charakteristikum des Lebens eines Gro\u00dfherzigen ist, dass er sich dessen v\u00f6llig unbewusst ist. Das gr\u00f6\u00dfte Herz ist vermutlich das, das man beten h\u00f6rt: \u00bbZu enge ist das Haus meiner Seele &#8230; erweitere du es!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F<\/strong><strong>u\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Augustinus, Bekenntnisse, 1. Buch, 5. Kapitel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> William Wordsworth (1770\u20131850), britischer Dichter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> A.d.H.: Internet-Angaben zufolge wird hier aus einem anderen Werk Wordsworths zitiert, und zwar aus den \u00bbElegischen Strophen\u00ab. Die oben angef\u00fchrte Wendung lautet (etwas erweitert) in einer \u00dcbertragung folgenderma\u00dfen: \u00bbIn Glanz das Meer ich tauchte und das Land, \/ wie ich das Licht in heiliger Verwandlung sah.\u00ab Vgl.:<br \/>\nhttp:\/\/www.william-wordsworth.de\/translations\/elegiac%20Stanzas.html<br \/>\n(abgerufen am 10.8.2022).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> A.d.H.: Damit ist die innere, in dem ausgelassenen Zwischenst\u00fcck erw\u00e4hnte Kraft gemeint, die die Wanderschaft des Protagonisten begleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zitiert aus dem Gedicht \u00bbOde. Hinweise auf die Unsterblichkeit aus Erinnerungen an die fr\u00fche Kindheit\u00ab von William Wordsworth; vgl.: <a href=\"http:\/\/www.william-wordsworth.de\/translations\/ode.html\">http:\/\/www.william-wordsworth.de\/translations\/ode.html<\/a>. Das in der zitierten Quelle verwendete Metrum ist hier beibehalten worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> A.d.H.: Dieser Name bedeutet \u00bbder Kleine\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> A.d.H.: Bemerkenswerterweise werden hier die Korinther und nicht z. B. die Galater als diejenigen angef\u00fchrt, die eine derartige Haltung verk\u00f6rperten. Obwohl es stimmt, dass die Korinther in vielen Angelegenheiten viel zu nachl\u00e4ssig waren, gab es andere Bereiche, in denen sie ihre Engherzigkeit erkennen lie\u00dfen (vgl. z.B. 1.\u00a0Kor 1,12 [das Vorhandensein von mindestens vier \u00bbParteiungen\u00ab bzw. \u00bbGruppierungen\u00ab innerhalb der Gemeinde Korinth]).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tozer, Aiden Wilson: Die Wurzel der Gerechten, Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung (CLV) 2022, 158 S., S. 110\u2013113.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu jeder Aufz\u00e4hlung geistlicher Gr\u00f6\u00dfen sollte Augustinus, der Bischof von Hippo, geh\u00f6ren. 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