{"id":21031,"date":"2024-07-04T12:51:30","date_gmt":"2024-07-04T10:51:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21031"},"modified":"2024-07-04T12:59:54","modified_gmt":"2024-07-04T10:59:54","slug":"wohin-geht-die-reise-zukunft-der-kirchen-und-des-christseins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=21031","title":{"rendered":"Wohin geht die Reise? &#8211; Zukunft der Kirchen und des Christseins"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">99 Seiten umfasst die Studie \u201eWie h\u00e4ltst du\u2019s mit der Kirche?\u201c zur Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft, die im letzten Jahr auch als Brosch\u00fcre auf den Markt kam. Und nicht wenige Zeitungsartikel haben die Fragen aufgenommen, wie es um die Zukunft der Kirchen steht. Jene, die in einer der evangelischen Landeskirchen zuhause sind, bekommen die Strukturdiskussionen mit: Bisher noch eigenst\u00e4ndige Kirchengemeinden mit eigenem Pfarrer werden zur Zusammenarbeit mit anderen gedr\u00e4ngt, nicht selten kann man vielleicht sogar schon sagen, gen\u00f6tigt. Die Aussicht, nicht mehr einen Pfarrer allein f\u00fcr die eigene Gemeinde zu haben, ist nicht vergn\u00fcgungssteuerpflichtig und macht \u2013 durchaus auch nach Gem\u00fctslage \u2013 traurig, entt\u00e4uscht, \u00e4rgerlich, jedenfalls nicht viel Freude.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den katholischen Kirchen ist schon l\u00e4nger der Priestermangel ein gro\u00dfes Problem. Aber nun erreicht der Pfarrer- und Pastorenmangel auch die evangelischen Landeskirchen und auch die Freikirchen und die landeskirchlichen Gemeinschaften. Die Theologischen Fakult\u00e4ten an den Universit\u00e4ten, aber auch die freikirchlichen Ausbildungsst\u00e4tten und andere theologische Fachschulen haben geradezu eine Schwindsucht an den Studentenzahlen und Bewerbern. Nat\u00fcrlich gilt immer: Ausnahmen best\u00e4tigen immer die Regel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohin geht die Reise? Was wird aus den Kirchen, die ja nicht nur Versammlungen von Christen sind? Kirchen und kirchliches Leben haben Jahrhunderte auch die Gesellschaft mitgestaltet, mit gepr\u00e4gt. Sie haben auch in unserem Land und mindestens in der sogenannten westlichen Welt auch das Werteger\u00fcst geliefert, auf dem sich das Miteinander aufbaute. Ich h\u00f6rte k\u00fcrzlich wieder einmal den noch immer f\u00fchrenden Linken-Politiker Gregor Gysi sagen (ich zitiere sinngem\u00e4\u00df nicht w\u00f6rtlich): \u201eIch bin nicht gl\u00e4ubig. Aber stellen Sie sich mal unsere Gesellschaft ohne 10 Gebote und ohne Bergpredigt vor! Das geht doch gar nicht. Woher sollen denn unsere Werte kommen?\u201c Und das hatte ja kr\u00e4ftige Auswirkungen. Die Kirchen und die Christen haben sich aufgrund des biblischen Menschenbildes in besonderer Weise f\u00fcr die Menschen und damit auch f\u00fcr die Gestaltung des sozialen Miteinanders eingesetzt. Die Christen haben eigentlich keinen Grund sich zu verstecken. Vieles von dem, was wir haben, geht auf christliche Initiativen zur\u00fcck: Schulen, Universit\u00e4ten, Krankenh\u00e4user, Witwen- und Waisenversorgung, Kinderheime bis hin zu Gewerkschaften und dem Roten Kreuz \u2013 gegr\u00fcndet von Henry Dunant, der ja auch den CVJM-Weltbund 1855 in Paris mit begr\u00fcndet hat. Er war \u2013 heute w\u00fcrde man sagen \u2013 ein Evangelikaler. Schon 1846 war er bei der Gr\u00fcndung der Evangelischen Allianz in London mit dabei. Er war Schriftf\u00fchrer in der Schweizer Evangelischen Allianz. Leider wei\u00df man beim Roten Kreuz gar nichts von der christlichen Motivation des Gr\u00fcnders, so scheint mir. Und er ist ja nur einer von Tausenden, die pionierhaft neues begonnen haben. Heute vor zwei Wochen gedachten wir der Marke \u201e75 Jahre Grundgesetz\u201c. Die 19 Artikel Grundrechte, Menschenrechte, auch die allgemeine Deklaration der Menschenrechte mit ihren 30 Artikeln vom 10. Dezember 1948 haben ihre Grundlage im biblisch-christlichen Menschenbild. Und bis hin in die die St\u00e4dte und D\u00f6rfer pr\u00e4gen noch immer die Kirchen das Dorf- und Stadtbild. Selbst st\u00e4dtebaulich waren Kirchen pr\u00e4gend. Welche Auswirkungen wird es haben, wenn Kirchen ihren pr\u00e4genden Einfluss verloren haben werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland ist nicht der Mittelpunkt der Welt, obwohl uns das schon mit den gro\u00dfen Weltkarten und in den Atlanten nebenbei eingefl\u00f6\u00dft wurde. Da ist doch Europa in der Mitte Deutschland mittendrin. Mir ist das so richtig erst deutlich geworden, als ich zum ersten Mal in Neuseeland war und ich sah, dass dort die Weltkarten ganz anders ausgerichtet sind. Dort liegen Neuseeland und Australien mittig und wir sind ganz weit am westlichen Rand gelegen. Also: der Mittelpunkt der Welt, und dass wir etwas Besonderes w\u00e4ren, k\u00f6nnen Sie gerne vergessen. Das ist mehr Tr\u00e4umerei als Realit\u00e4t. Aber doch denke ich, dass etwas besonders ist bei uns im Blick auf die Kirchen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die deutsche Kirchenstruktur ist einzigartig.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jahrhundertelang waren die gro\u00dfen Kirchen in Deutschland Staatskirchen. Nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg bestimmten die Landesherren religi\u00f6se Ausrichtung eines Landes. Erst 270 Jahre sp\u00e4ter, nach dem 1. Weltkrieg, vor 105 Jahren, wurde das Staatskirchentum aber abgeschafft. Die Weimarer Reichsverfassung formuliert in Artikel 137 lapidar: \u201eEs besteht keine Staatskirche\u201c. Aber die bisherigen Landeskirchen und die katholischen Bist\u00fcmer traten \u2013 ich nenne das mal so \u2013 in eine \u201eprivilegierte Partnerschaft\u201c ein, nicht mehr l\u00e4nger als staatliche Organisationen, wohl aber in Anerkennung ihrer besonderen Leistungen mit \u201eguten Pfr\u00fcnden\u201c ausgestattet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirchen in Deutschland sind K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts, haben die Freiheit der Selbstverwaltung, die Zusage der Glaubens- und Gewissensfreiheit und das Recht der ungest\u00f6rten Religionsaus\u00fcbung \u2013 auch in staatlichen Einrichtungen, wie der Bundeswehr, in Kranken-h\u00e4usern, Gef\u00e4ngnissen usw. Au\u00dferdem gibt es \u00fcberwiegend konfessionellen Religionsunterricht in den Schulen, das Recht Kirchensteuern zu erheben und den staatlichen Kirchensteuereinzug und diverse Staatsleistungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So haben sich aus den Staatskirchen die sogenannten Volkskirchen herausgebildet. Freilich haben sich die Verh\u00e4ltnisse in den letzten 75 Jahren grundlegend ver\u00e4ndert. W\u00e4hrend man im Jahr 1950 noch davon ausgehen konnte, dass fast die ganze Bev\u00f6lkerung einer der beiden gro\u00dfen christlichen Kirchen angeh\u00f6rte, hat sich das drastisch ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt geh\u00f6ren nicht einmal mehr die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung einer er beiden gro\u00dfen christlichen Kirche. Zusammen mit den Orthodoxen und den freikirchlichen organisierten schafft man es gerade noch etwas \u00fcber die 50%-Marke. Ich sage das mal f\u00fcr die Evangelische Kirche in Deutschland, also den Zusammenschluss der Evangelischen Landeskirchen. Nach der unerwarteten Wiedervereinigung unserer beiden deutschen L\u00e4nder, also zwischen 1990 und 2023 verlor die\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evangelische_Kirche_in_Deutschland\">Evangelische Kirche in Deutschland<\/a>\u00a0fast 11\u00a0Million Mitglieder, ein Mitgliederschwund von rund 37\u00a0Prozent. Aber das ging nicht kontinuierlich &#8211; das w\u00e4ren pro Jahr 0,84 % &#8211; sondern nahm im Zeitlauf immer st\u00e4rker zu. In den letzten 20 Jahren, von 2003 bis 2023, verlor sie 28,2 %, also im Schnitt 1,4%. In den letzten 10 Jahren 20%, also im Schnitt 2%. Im letzten abgeschlossen Jahr, 2023, verlor die Evangelische Kirche 3% ihrer Mitglieder. Das ist ein interessantes Ph\u00e4nomen: Je weniger da sind, desto weniger werden gehalten, dabei zu bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohin geht die Reise? Eine Projektion der Kirchenmitgliedschaftszahlen wurde von den gro\u00dfen Kirchen lange Zeit nicht vorgenommen. Ein Forschungsprojekt an der Universit\u00e4t Freiburg erstellte 2019 erstmals eine koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung f\u00fcr die evangelische und die r\u00f6misch-katholische Kirche in Deutschland.\u00a0Hier wurde ein R\u00fcckgang der Mitgliederzahlen dieser beiden Kirchen von fast 50\u00a0% bis zum Jahr 2060 prognostiziert.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mitgliederentwicklung_in_den_Religionsgemeinschaften#cite_note-22\"><sup>[<\/sup><\/a>Insgesamt soll es laut dieser Prognose bis dahin zu einem R\u00fcckgang auf 22,7 statt 44,8 Millionen Christen kommen. Freilich, wenn die Dynamik der letzten Jahre anh\u00e4lt, dann k\u00f6nnte das schon 2040 der Fall sein. Naturgem\u00e4\u00df sind Prognosen immer unsicher, vor allem, wenn sie in eine relativ ferne Zukunft gerichtet sind. Und ich will es auch der Vollst\u00e4ndigkeit halber sagen: Die Erhebung religionsstatistischer Zahlen ist auch mit besonderen Schwierigkeiten behaftet, da eine beh\u00f6rdliche Registrierung der Religionszugeh\u00f6rigkeit nicht vorgesehen ist und daher jede Angabe freiwillig ist, gerade auch jenseits der Kirchen, die staatlich Kirchensteuereinnahmen einziehen lassen (das tun nur die evangelischen und katholischen Kirchen und die j\u00fcdischen Synagogengemeinden).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber Jahrzehnte stand ja die Katholische Kirche immer st\u00e4rker in der \u00f6ffentlichen Kritik wie die Evangelische. Interessant ist deshalb schon, dass der Schwund in der Katholischen Kirche nach der Wiedervereinigung nicht ganz so gro\u00df war, wie bei der Evangelischen \u2013 statt 11 Millionen \u201enur\u201c 8,1 Millionen (Schwund 2023 angenommen wie 2022, liegt noch nicht exakt vor) \u2013 statt 37% \u201enur\u201c 29 %. Freilich: Die Zahlen nehmen in der Katholischen Kirche noch mehr zu als in der Evangelischen. (Erst) seit 2021 hat die Katholische Kirche in den Austrittszahlen die Evangelische \u00fcberholt. Auch hier hat die Evangelische Kirche ihre \u201eSpitzenposition\u201c abgegeben. Ein seltsamer \u00f6kumenischer Wettlauf. Ich hoffe, Sie h\u00f6ren den ironischen Unterton.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend: Wenn das so eintritt, dann werden in dann 90 Jahren \u2013 zwischen 1950 und 2040 &#8211; 2\/3 der Mitglieder ausgetreten sein; ein Drittel bleibt noch. Das ist ein interessantes Ph\u00e4nomen: Je weniger da sind, desto weniger werden gehalten, da zu bleiben. Die beiden Gro\u00dfkirchen verzeichnen einen st\u00e4ndig zunehmenden R\u00fcckgang an Mitgliedern. Das ist keine Ermutigung. Auch wenn es gro\u00dfe Studien gibt, ich habe die von 2019 und die von 2023 schon erw\u00e4hnt, mich wundert doch, dass in den Kirchenleitungen nicht viel mehr Krisenalarm herrscht. Jeder Unternehmer w\u00fcrde wohl seine F\u00fchrungsmannschaft auswechseln. In Aktiengesellschaften w\u00fcrden K\u00f6pfe rollen. Demgegen\u00fcber geht es in den Kirchen immer noch sehr gem\u00fctlich zu. Eines ist klar: W\u00fcrden sich \u00e4hnliche Entwicklungen in Firmen ereignen, w\u00e4re da Krisenmanagement angesagt. In den Kirchen scheint man sich dagegen eher die Frage zu stellen: Wie lange wird die Finanzierung trotzdem noch stehen und reichen? Und das erstaunliche war: Wegen des langen Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahrzehnte ging es trotz Abnahme der Kirchenmitgliedszahlen einkommensm\u00e4\u00dfig nach oben. So viel Kirchensteuer wie 2022 wurde noch nie eingenommen. Die beiden Kirchen zusammen ca. 13 Milliarden. Erst 2023 trafen der konjunkturelle Abschwung und die zunehmenden Kirchenaustrittszahlen so aufeinander, dass ca. 5% weniger Kirchensteuereinnahmen als im Vorjahr geflossen sind. Wie es weitergeht, wei\u00df ich nat\u00fcrlich auch nicht. Jetzt geht es konsequenterweise auch an Stellenk\u00fcrzungen in allen Bereichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite wissen wir, dass will ich gerne jetzt auch sagen: Die Mitgliedschaft noch nichts wirklich Verl\u00e4ssliches \u00fcber ernsthaftes Christsein aussagt. Das schon gefl\u00fcgelte Wort \u201eWer in einer Garage geboren wird, ist deshalb noch kein Auto\u201c, zeigt es an. Aber auch unter denen, die Mitglieder bleiben, w\u00e4chst der Prozentsatz der Distanzierten. Eigentlich m\u00fcsste durch die Austritte der Indifferenten der relative Anteil der noch verbliebenen Kirchenmitglieder, z.B. am Gottesdienstbesuch, zunehmen. Aber es ist leider umgekehrt. Das erscheint mir noch sehr viel dramatischer: Es gibt also eine innere Aush\u00f6hlung auch bei denen, die (noch) bleiben. Auch unter denen, die noch da bleiben, wird verbindliches Leben als Christen, jedenfalls, wenn man es z.B. am Gottesdienstbesuch deutlich macht, immer geringer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun gibt es neue Versuche, die Bedeutung des Gottesdienstbesuchs als bisher sehr relevantes Faktum zur Kirchenbindung selbst zu relativieren, weil es ja neben dem Sonntagsgottesdienstbesuch noch so viele andere m\u00f6gliche kirchliche Angebote g\u00e4be, die bisher nicht ausreichend in der Statistik ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden. Ist das ein neues Beruhigungsmittel, um der Tiefe der Krise nicht ins Auge schauen zu m\u00fcssen? Wenn die statistischen Zahlen zu deutlich sprechen, \u00e4ndern wir die Erhebung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manch wissen, dass ich \u00fcber 60% meines Berufslebens in der Verantwortung f\u00fcr die Evangelische Allianz stand. Es mag verwundern, wenn ein Allianzmann jetzt von den Gro\u00dfkirchen, den Noch-Volkskirchen, spricht. Ich tue das nicht, weil ich selbst der w\u00fcrttembergischen Evangelischen Landeskirche angeh\u00f6re, sondern weil es leider so ist, dass soziologisch gesehen, die Mitglieder der sogenannten Freikirchen keine soziologisch relevante Gr\u00f6\u00dfe darstellen. Das ist das gro\u00dfe Dilemma: Die Freikirchen wachsen insgesamt gesehen auch nicht. Manche stagnieren oder nehmen ab \u2013 wenn auch nicht so dramatisch wie die Volkskirchen &#8211; andere legen daf\u00fcr ein wenig zu. Insgesamt gesehen profitieren sie aber fast gar nicht, jedenfalls nicht messbar, von den j\u00e4hrlich Hunderttausenden von Austritten aus den gro\u00dfen Kirchen. Ja, es gibt da und dort in Deutschland beeindruckende Gemeinden, die wachsen, Leuchtturmgemeinden. Die gibt es auch! Aber bei genauerem Hinsehen muss man leider sagen: Sehr viel davon ist leider nur \u201eTransferwachstum\u201c, man k\u00f6nnte es auch unsch\u00f6ner ausdr\u00fccken: Es sind \u201eUmbettungen\u201c.<br \/>\nMit etwas \u00fcber 1 Million Mitglieder sind die orthodoxen Kirchen \u00fcbrigens relativ stabil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sind die Ursachen daf\u00fcr, dass die Kirchen immer weniger Zulauf haben. Ich nenne zwei Hauptfelder und fange mit dem kleineren an:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Erstaunlicherweise ist n\u00e4mlich nur etwa ein Drittel des Schwundes durch den sogenannten \u201edemografischen Wandel\u201c bestimmt, also durch die \u201eUnterj\u00fcngung\u201c. Ich nenne da jetzt mal nur noch die Evangelische Kirche: 200.000 im Jahr 2023 (140.000 Taufen, 340.000 Sterbef\u00e4lle) \u2013 aber 380.000 Austritte. Dabei wird der \u2013 gesellschaftlich, aber eben auch kirchlich sp\u00fcrbare demografische Wandel als mehr oder weniger unausweichlich hingestellt. Aber der demographische Wandel ist eben gerade kein Naturereignis! Im Gegenteil: der ist sehr, sehr unnat\u00fcrlich. W\u00e4hrend man sich bei den klimatischen Ver\u00e4nderungen durchaus zu Recht noch fragen kann oder dar\u00fcber streiten kann, was davon unab\u00e4nderbar und was durch Menschen herbeigef\u00fchrt und beeinflusst ist und folgerichtig dann auch wirklich beeinflussbar w\u00e4re; trotz der unsicheren Sachlage werden aber Billionen teure Programme aufgefahren, um dagegen anzuk\u00e4mpfen. Und wir schrecken nicht zur\u00fcck, daf\u00fcr auch einen Gro\u00dfteil unseres Wohlstandes aufzugeben \u2013 bei der auf den Kopf stehenden Alterspyramide mit der immer mehr fehlenden jungen Generation ist klar: Das ist eindeutig und fast nur durch Menschen herbeigef\u00fchrt, bewusst, gewollt oder durch Nicht-Wissen-Wollen in einer oberfl\u00e4chlichen Einstellung menschlich verursacht. Ja, es gibt auch furchtbare Naturkatastrophen. Jeder einzelne dadurch gestorbene und sterbende Mensch ist hart. Nat\u00fcrlich darf man nicht Tote gegen Tote aufrechnen. Aber lassen Sie mich auch sagen: Statistisch spielen diese Katastrophen fast keine Rolle. J\u00e4hrlich sind es weltweit ca. 50.000 Menschen, also ca. 0,08 % der gesch\u00e4tzt 60 Millionen Sterbef\u00e4lle weltweit. Und darum kann man auch sagen: Nein, der \u201edemografische Wandel\u201c, besser ausgedr\u00fcckt, die demografische Katastrophe, muss nicht als unab\u00e4nderlich hingenommen werden. Wenn man im Hinblick auf die Sexualit\u00e4t nicht massiv eingriffe und die Frucht der Sexualit\u00e4t, n\u00e4mlich Kinder, massiv verhinderte, g\u00e4be es hier Normalit\u00e4t, Nat\u00fcrlichkeit und Nachhaltigkeit. Und wenn sich die Menschen dabei an die Gottesordnung hielten, n\u00e4mlich die Stiftung Ehe als Voraussetzung f\u00fcr gl\u00fccklich gelebte Sexualit\u00e4t und als Heimathafen f\u00fcr gl\u00fccklich und gesund aufwachsende Kinder und Jugendliche zu begreifen, dann w\u00fcrde das alles in gutem Rahmen geschehen. Ich sage darum drastisch: Wenn sich die Gesellschaft, aber eben auch die Kirchen, neu orientieren w\u00fcrden und all die M\u00fche, die in die Projekte \u201eEhe f\u00fcr Alle\u201c, Gleichstellung der Geschlechter, Gender-Mainstreaming, Segnung und gar Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gesteckt wurden, jetzt endlich wieder darauf gerichtet w\u00fcrde, die wirklichen biblischen Botschaften zu verbreiten, dann w\u00fcrden sich grandiose \u00c4nderungen einstellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen m\u00fcssten die Ehe als Stiftung Gottes der verbindlichen Lebens- und Treuegemeinschaft zwischen einer Frau und einem Mann laut und klar und st\u00e4ndig wiederkehrend lehren und verk\u00fcndigen und das erste biblische Wort an die Menschen: \u201eSeid fruchtbar und mehret euch\u201c, predigen und ernstnehmen. Warum wird dar\u00fcber so wenig geredet, gepredigt, gelehrt und auch \u00f6ffentlich gesprochen? Wann haben Sie zum letzten Mal eine Predigt zu diesem Grundsch\u00f6pfungsauftrag der Menschen geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Darum noch ein Zitat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eIn der Zeit, in der wir leben, ist in<\/em> \u2026 (ich lasse das Land bewusst weg) \u2026 <em>die Zahl der Kinder, \u00fcberhaupt der Bev\u00f6lkerung, in einem Ma\u00dfe zur\u00fcckgegangen, dass die St\u00e4dte ver\u00f6det sind und das Land brachliegt, obwohl wir weder unter Kriegen von l\u00e4ngerer Dauer noch unter Seuchen zu leiden hatten \u2026 weil die Menschen der \u00dcberheblichkeit, der Habgier und dem Leichtsinn verfallen sind, weder mehr heiraten noch, wenn sie es tun, die Kinder, die ihnen geboren werden, gro\u00dfziehen wollen, sondern meist nur eins oder zwei, damit sie im Luxus aufwachsen und ungeteilt den Reichtum ihrer Eltern erben, nur deshalb hat das \u00dcbel schnell und unvermerkt um sich gegriffen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zitat k\u00f6nnte von heute sein. Tats\u00e4chlich stammt es vom griechischen Geschichtsschreiber Polybios aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Schon im Buch Prediger (1,9) hei\u00dft es: <strong><em>\u201eEs geschieht nichts Neues unter der Sonne.\u201c <\/em><\/strong>Immer wieder geschieht das Gleiche.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Und dennoch: Der gr\u00f6\u00dfere Anteil des R\u00fcckgangs h\u00e4ngt daran, dass die Zahl der Kirchenaustritte die Zahl der Kircheneintritte erheblich \u00fcbersteigt 2022: EKD 380.000 Austritte, Katholische Kirche 523.000 Austritte.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist offensichtlich: Die Christen, die Kirchen, erreichen in Deutschland mit ihrer Botschaft offenbar die Kirchenfernen nicht, auch nicht ihre Kirchenmitglieder. Die Mitglieder laufen in Scharen davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo stehen wir? Am Ende des christlichen Abendlandes? Stecken wir fest in einem s\u00e4kularen Zeitalter?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt ein st\u00e4ndiges Bem\u00fchen, die Gottesorientierung aus dem \u00f6ffentlichen Leben fern zu halten, zu verbannen. Was bleibt, ist oft eine private Religiosit\u00e4t, die keine Kraft zum Guten hat, sondern nur bedient und kanalisiert, was dem sie vertretenden Individuum sowieso einleuchtet, also so ein \u201eWohl-Tu-Evangelium\u201c. Wir rei\u00dfen damit die Wurzeln aus, die uns Wachstum, Erkenntnis, Menschlichkeit, Rechtsstaat, Wirtschaftswachstum gegeben haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland ist nicht der Mittelpunkt der Welt. Und darum ist es notwendig, richtig und wichtig, \u00fcber unseren Tellerrand hinaus in die Welt zu schauen. Weltweit sieht es n\u00e4mlich anders aus. <strong>In Deutschland befindet sich das Christentum in der Krise. Doch weltweit vollzieht sich ein Wachstum der Christen und der Gemeinde Jesu. Selbst N-TV berichtete z.B. zu Weihnachten, es g\u00e4be erstmals in der Geschichte mehr als 2,6 Milliarden Christen auf der Welt. <\/strong>W\u00e4hrend in Deutschland die Kirchenaustritte zahlreich blieben, vollziehe sich in globalem Ma\u00dfstab eine \u00fcberraschende Hinwendung zum Christentum. Zurzeit wachse das Christentum mit einer Jahresrate von 1,18 Prozent im Jahr, also j\u00e4hrlich um etwa 30 Millionen die Christen werden, das w\u00e4ren t\u00e4glich etwa 82.000 Menschen mehr. Man muss allerdings wissen: Noch schneller w\u00fcchsen momentan allerdings die Glaubensgruppen des Islam (1,87 Prozent). Die Zahl der Muslime habe in diesem Jahr erstmals die Marke von 2 Milliarden \u00fcberschritten. Die drittgr\u00f6\u00dfte Glaubensgruppe, die Hindus, wachsen etwa so schnell wie die Christen, n\u00e4mlich um 1,2 %, und umfassen auch schon mehr als 1 Milliarde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also: Das Wachstum des Christentums vollzieht sich am st\u00e4rksten, nicht bei uns, nicht im Westen, sondern auf der S\u00fcdhalbkugel. Vor hundert Jahren lebten in Europa doppelt so viele Christen wie im Rest der Welt zusammengez\u00e4hlt. Inzwischen leben sowohl in Lateinamerika (611 Millionen) wie auch in Afrika (718 Millionen) mehr Christen als in Europa (566 Millionen), in Asien leben erstmals mehr als 400 Millionen Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde es sehr wichtig: Das ist auch ermutigend. Die Gemeinde Jesu w\u00e4chst. Wir sind nicht auf dem untergehenden Schiff sondern geh\u00f6ren zu einer st\u00e4ndigen wachsenden Bewegung. Das kann uns schon auch mal tr\u00f6sten, wenn wir nach Deutschland reinschauen. Aber wir d\u00fcrfen vor allem eines nicht aus den Augen verlieren: Es ist uns kein zahlenm\u00e4\u00dfiges Wachstum verhei\u00dfen. Die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse sagen auch nichts aus \u00fcber die Qualit\u00e4t. Mehrheiten sind nicht der Ausdruck von Wahrheit. Wir m\u00fcssen nicht Ausschau halten, wie wir Mehrheiten gewinnen sondern darauf achten, dass wir selbst und unsere Kirchen und unsere Gemeinde in der Spur Jesu bleiben, selbst wenn uns das dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass wir selbst immer mehr in die Minderheit kommen w\u00fcrden. Ich w\u00fcrde so gerne sagen, dass die Gemeinden, in denen das Wort Gottes rein und klar verk\u00fcndigt wird, den Negativtrend aufhalten k\u00f6nnten in der Kirche und dass die selbst gro\u00df wachsen w\u00fcrde. Ich verwies schon auf das Ph\u00e4nomen des Transferwachstums bzw. der Umbettungen. Es ist nicht nachweisbar. Ich kann auch nicht in das Herz der Menschen schauen. Ich kann auch nur die statistischen Zahlen betrachten, bei aller Vorl\u00e4ufigkeit. Man kann freilich immer von \u2013 mindestens \u2013 zwei Seiten vom Pferd fallen. Es kann auch nicht unsere Sicht sein, dass wir uns halt pessimistisch zur\u00fcckziehen und uns mit unserer Situation abfinden. Es gibt gerade auch im sogenannten frommen Bereich eine Verkl\u00e4rung der \u201ekleinen Zahl\u201c, so als ob schon die kleine Zahl, die Abwendung der Welt, ein Zeichen f\u00fcr mehr Heiligkeit und Fr\u00f6mmigkeit und Gottwohlgef\u00e4lligkeit w\u00e4re. Also, dass die Leute uns nicht zujubeln sei auch schon ein Zeichen, dass wir selbst richtig liegen. Das kann so einfach auch nicht sagen. Weder Anpassung an den Zeitgeist, auch um mehr Anerkennung zu bekommen, wird uns helfen \u2013 ich habe den Eindruck, dass die gro\u00dfen Kirchen da im Augenblick ihre gro\u00dfen Fehler machen, dass sie denken, sie m\u00fcssten der Gesellschaft hinterher laufen. Manchmal laufen sie in der liberalen Entwicklung in der Gesellschaft sogar voraus und meinen, man m\u00fcsste alles wegnehmen, was da an guten ethischen Grunds\u00e4tzen angefeindet wird und leider auch immer mehr die Freikirchen, sicherlich unbewusst, diesen Weg gehen und dabei immer mehr Frust erzeugen \u2013 aber noch der R\u00fcckzug aus dieser Welt, kann der Weg sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist dann der Weg f\u00fcr die Gemeinde Jesu in unserer Zeit? Es kann doch nur so sein, dass wir uns f\u00fcr unser pers\u00f6nliches Leben, aber auch f\u00fcr den Weg der Kirchen an den Grundordnungen geistlichen Lebens orientieren, die uns in der Bibel gegeben sind. Ich nenne<\/p>\n<p><strong>1. Priorisierung des Gebets<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehne mich danach, dass die Gemeinde Jesu wie in der ersten Gemeinde zuerst wieder eine Gebetsgemeinschaft wird. Schon zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hei\u00dft es von den J\u00fcngern Jesu: \u201eDiese war stets einm\u00fctig beieinander im Gebet\u201c. Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch mit unserem Gebet Gott zu nichts zwingen. Aber die n\u00f6tige ersehnte Erweckung wird nicht ohne die Erweckung zum Gebet kommen. Wann werden von allen Veranstaltungen der Christen f\u00fcr Christen die Gebetsstunden die \u00dcberf\u00fcllten sein \u2013 wenn doch das Gebet das Wichtigste ist &#8211; und welchen Stellenwert hat das Gebet bei uns in unserem Glaubensleben? Bei mir, und bei Ihnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute geh\u00f6ren viele Zeitgenossen zu den Punktesammlern. Es gibt \u201ePay back\u201c, aber auch bei den Tankstellen, Fluggesellschaften, Hotelketten usw. stehen Rabattsammelsysteme hoch im Kurs. Es ist wie fr\u00fcher. Mancher wird sich noch erinnern. Die Rabattmarkenhefte vom Konsum. Irgendwie sammeln die Leute gerne. Was sie da wirklich bekommen, ist aber im Regelfall nicht viel. 3%? Aber was ist das schon? Wie w\u00e4re es, wenn wir 3% unserer Zeit daf\u00fcr einsetzen w\u00fcrden, um Ruhe zum Gebet und f\u00fcr Gottes Wort zu haben? 3 % ist doch nicht viel. Auf den Tag gesehen sind das gerade einmal 43,2 Minuten. Was w\u00e4re, wenn wir uns diese Schulstunde, eine Dreiviertelstunde, t\u00e4glich diese Ruhe g\u00f6nnen w\u00fcrden, zum Wasser hin unsere Wurzeln ausstreckten? Es kommt nicht auf Quantit\u00e4t an, nat\u00fcrlich nicht, und doch frage ich: W\u00e4re es nicht gut, die 3 %- Regel wahrzunehmen \u2013 wenigstens? Von Martin Luther wird ja berichtet, dass er gesagt habe: Ich habe heute sehr viel zu tun. Ich muss erst drei Stunden beten. Mit 43,2 Minuten w\u00e4ren wir da ja auch noch weit entfernt! Jedenfalls werde ich nicht m\u00fcde, das Gebet als wesentlichen Teil unseres Glaubens und Lebens zu sehen. Der fr\u00fchere Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in W\u00fcrttemberg zu zitieren mit diesem herrlich n\u00fcchternen Wort: \u201eDas Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts anderes ersetzt werden kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>2. Priorisierung der Mission<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ur-Auftrag an die Christen lautet: <em>\u201eGehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker\u201c <\/em>(Matth\u00e4us 28,19). Nehmen wir diesen Missionsauftrag eigentlich noch ernst und die damit verbundenen Verhei\u00dfungen wahr, oder \u2013 das frage ich gerade auch die Frommen im Land &#8211; haben wir unser Land im Grunde des Herzens bereits aufgegeben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erweckungen k\u00f6nnen wir nicht machen und nat\u00fcrlich nicht erzwingen. Aber warum sollten wir nicht von Gott erwarten, erbitten, erflehen, dass er unter uns noch einmal Gro\u00dfes tut? So wie in der Reformation Gott selbst der Handelnde war und neu das biblische Evangelium hineinstr\u00f6men lie\u00df, so kann er doch auch heute eine neue Erweckung schenken, die zu einer Reformation in den Kirchen und Gemeinden f\u00fchrt und dadurch auch zu neuer missionarischer Sto\u00dfkraft in unser Volk hinein. Unsere Gottesdienste sollen nicht nur der Sammlung sondern der Sendung dienen: Hinausgehen mit dem Evangelium in unsere Stadt, in unsere D\u00f6rfer, in die ganze Welt. Kirchen sind Missionsstationen, von denen aus die Sendung in die Welt geschieht. Denn Ohne Mission ist die Kirche keine Kirche<strong>. <\/strong>Wir m\u00fcssen das Evangelium sagen. Evangelium ist Bringschuld. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass wir in unseren Kirchen und Gemeinden eine Totalinventur brauchen. M\u00fcssen wir das an die Gemeinde gerichtete Programm weiterhin so stark gewichten, dass kaum Zeit bleibt f\u00fcr die Evangelisation und Mission drau\u00dfen? Braucht es nicht ein 50 : 50 \u2013 Verh\u00e4ltnis im Einsatz von Zeit, Kraft, Geld, Mitarbeitern, um zu einer Ausgewogenheit von Sammlung und Sendung zu kommen? Und mit Blick auf die Kirchen und Gemeinden sage ich: Wenn eine Firma in der Krise ist, dann muss sie sich neu auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Wo ist sie besser, wo kann sie etwas anbieten, was andere nicht anbieten k\u00f6nnen. So viel habe ich jedenfalls von Wirtschaft verstanden, obwohl ich eigentlich Verwaltungsbeamter bin. M\u00fcsste das nicht auch in den Kirchen geschehen. Ich w\u00fcrde die Kirchen ermutigen, viele der Sondereinrichtungen aufzugeben. Die Kirche muss sich nicht um den Klimaschutz k\u00fcmmern, um den Umweltschutz, um die Energiefragen. Sie braucht keinen Friedensbeauftragten. Die ganzen Mittelinstanzen k\u00f6nnen vermindert werden. Kirche muss wieder das tun, was andere nicht k\u00f6nnen: Menschen zum Glauben zu rufen, im Glauben zu lehren.<\/p>\n<p><strong>3. Priorisierung der Lehre, klare Orientierung am Wort Gottes, dass J\u00fcnger werden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Lebenselixier geistlichen Lebens ist das Wort Gottes, das uns im Alten und Neuen Testament gegeben ist. Sich mit Gottes Wort zu besch\u00e4ftigen, es zu lesen, zu studieren \u2013 vielleicht auch wieder Worte Gottes auswendig zu lernen, gehorsam seinem Wort folgen, das schafft st\u00e4ndig neuen Zufluss aus der Erkenntnis Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und darum m\u00fcssen wir wieder klaren Grund legen in der Lehre. Wir m\u00fcssen wissen, was wir glauben, damit wir zum Zeugnis in dieser Welt f\u00e4hig sind. Darum brauchen wir Bibelstunden, Bibelstudien und ein Festhalten an den guten alten Glaubensgrunds\u00e4tzen. Ich denke, wir sollten es immer wieder viel mehr durchbuchstabieren: Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Niz\u00e4nische Glaubensbekenntnis der fr\u00fchen Christenheit. Das ist Substanz unseres Glaubens. Das m\u00fcssen wir immer wieder f\u00fcr uns neu buchstabieren. Das brauchen wir. Wenn ich die Bibel richtig verstehe, dann war die Ur-Versuchung der Menschen \u201eJa, sollte Gott gesagt haben?\u201c Und das ist bis heute die Ur-Versuchung bis hinein in die Kirchen. Ist das wirklich Gottes Wort was wir da haben? Und heute wird das noch mal \u00fcbersteigert, wenn man sehen kann, dass der Wortlaut eigentlich schon klar ist. Dann fragt man \u201eSollte Gott es wirklich so gemeint haben, wie es da steht?\u201c<\/p>\n<p><strong>4. Wir geh\u00f6ren zur weltweiten Gemeinde Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte das eben schon erw\u00e4hnt: Wir sind keine sterbende sondern eine wachsende Bewegung, wenn auch nicht bei uns sichtbar und sp\u00fcrbar. Aber wir geh\u00f6ren doch zusammen. Obwohl uns das wahrscheinlich nicht besonders schmeckt: Wir d\u00fcrfen, k\u00f6nnen und m\u00fcssen von der weltweiten Gemeinde Jesu lernen, wie sie ihren Glauben lebt. Sie haben wenig Geld und setzen trotzdem den Zehnten ein. Sie arbeiten daran, dass sie Missionare aussenden k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen von der weltweiten Gemeinde Jesu lernen, wie sie lebt. Und dabei ist mir auch besonders wichtig: Die Gemeinde Jesu wird verfolgt. Manche verkl\u00e4ren ja auch diese Situation, weil sie das Wort des alten Kirchenvaters Tertullian f\u00fcr richtig halten: \u201eDas Blut der M\u00e4rtyrer ist der Same der Kirche\u201c. Das ist auch nicht falsch. Wenn das so ist, dann ist das auch nicht vergn\u00fcgungssteuerpflichtig. Aber wir sollten uns davor h\u00fcten, es zu verkl\u00e4ren. Denn es stimmt eben auch nicht generell und immer, obwohl es da und dort sehr beeindruckende Zeugnisse davon gibt. Aber es gibt auch das Andere: Die Verfolgung kann sehr wohl die Gemeinde nahezu zerst\u00f6ren: Denken Sie an die L\u00e4nder in Nordafrika oder in der T\u00fcrkei. Ja, sie kann offenbar nicht alles plattmachen, aber sehr, sehr viel. Ich habe von meinem Freund Johann Candelin gelernt, einem schwedischen Theologen, der lange der Beauftragte der Evangelischen Allianz f\u00fcr Religionsfreiheit war. Der sagte: Ja, Tertullian hat schon Wahres ausgesprochen. Aber das umgekehrte ist auch wahr: Die Gemeinde w\u00e4chst nicht nur da, wo sie verfolgt wird, vielmehr: Die Gemeinde Jesu wird dort verfolgt, wo sie w\u00e4chst. Dort wo die Gemeinde Jesu treu dem Willen Jesu ergeben ist, in der Lehre Jesu bleibt, wo sie sich einsetzt, wo sie missioniert, da eckt sie an. So lange die Gemeinde Jesu ein fr\u00f6hliches Wohlf\u00fchlchristentum lebt, ein Sofachristentum lebt, ist es kein Problem. Heute muss ich ja \u00fcber die Kirche niemand aufregen. Klar, es gibt viele Vers\u00e4umnisse. Die kann man auch aufdecken. Aber wenn wir mit dem Evangelium wirklich den Menschen nahekommen, sie auch herausfordern, dann kann es schwierig werden. Der s\u00e4chsische Evangelist Theo Lehmann, der ja gerade 90 Jahre alt geworden ist, hat einmal gesagt: \u201eWenn sich nach der Predigt niemand bekehrt und niemand beschwert, dann war die Predigt verkehrt!\u201c Das hei\u00dft, wenn wir das Evangelium sagen, dann wird auch die Bedr\u00e4ngung und Verfolgung zunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfang des Jahres ist der neue Weltverfolgungsindex aufgelegt worden. Man geht davon aus, dass 260 Millionen Christen weltweit bedr\u00e4ngt und verfolgt werden. W\u00fcrden wir unser Christsein auch leben, wenn Verfolgung kommt. Verfolgung ist also der Normalfall. Wir sind in Deutschland im Ausnahmemodus. Wir haben Freiheit und wir sollten diese Freiheit nutzen. Auch wenn es sein kann, dass wir gerade vielleicht auch deshalb so friedlich als Christen leben k\u00f6nnen, weil wir so schlummernd sind, so angepasst, so harmlos?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rede von der \u201eTreue im Kleinen\u201c ist uns sicher gel\u00e4ufig. Sie ist sehr wichtig im Leben, auch im Glaubensleben. Wir sollen treu mit dem Umgehen, was uns anvertraut ist. Aber es gibt auch eine Treue im Gro\u00dfen. \u201eWem viel anvertraut ist, von dem wird man viel fordern\u201c (Lukas 12,48). Uns ist in Deutschland sehr viel anvertraut. Wir haben Frieden, Freiheit, Wohlstand, know how, wie wohl keine Generation vor uns. Wie gehen wir um in der Freiheit? Was machen wir damit? Haben wir selbst in der Freiheit schon Sorge vor dem Anecken? Wem Freiheit gegeben ist, der muss die Freiheit auch nutzen. Als Christen d\u00fcrfen wir au\u00dferdem nicht vergessen, dass wir Gott, nicht Menschen verantwortlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist sch\u00f6n, wenn man Zustimmung bekommt. Aber Mehrheit ist kein Ma\u00dfstab f\u00fcr die Wahrheit. \u201eLass dich nicht von Menschen leiten. Menschen sind wie Laub im Wind. Jesus schafft Pers\u00f6nlichkeiten, die das Salz der Erde sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hartmut Steeb, Vortrag Konferenz \u201eDurchblick im Zeitgeschehen\u201c, Langensteinbacher H\u00f6he am 6.6.2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>99 Seiten umfasst die Studie \u201eWie h\u00e4ltst du\u2019s mit der Kirche?\u201c zur Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft, die im letzten Jahr auch als Brosch\u00fcre auf den Markt kam. Und nicht wenige Zeitungsartikel haben die Fragen aufgenommen, wie es um die Zukunft der Kirchen steht. 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