{"id":20881,"date":"2024-04-18T06:32:56","date_gmt":"2024-04-18T04:32:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20881"},"modified":"2024-04-18T06:37:21","modified_gmt":"2024-04-18T04:37:21","slug":"darf-man-nicht-mehr-alles-sagen-wie-woke-ideologen-unsere-freiheit-bedrohen-und-was-geht-das-uns-christen-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20881","title":{"rendered":"Darf man nicht mehr alles sagen? Wie woke Ideologen unsere Freiheit bedrohen. Und was geht das uns Christen an?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich empfand es bisher immer als \u00fcbertrieben \u00e4ngstlich, wenn Leute behaupteten, man k\u00f6nne heute nicht mehr alles sagen. Ich kann alles sagen, was ich meine. Ich sage es auch \u00f6ffentlich. Meinungsfreiheit und Redefreiheit sind im Grundgesetz sogar garantiert. Klar, es gibt kein Recht auf Widerspruchsfreiheit. Jeder hat das Recht, mir zu widersprechen. Das ist ok. Ich nehme dieses Recht ja auch in Anspruch und widerspreche anderen. Jetzt beobachte ich aber eine erschreckende Entwicklung. Es erheben sich Stimmen, die unsere Gesellschaft auf dem Weg in die Unfreiheit sehen. Ich nenne zwei neue B\u00fccher. Der Politikwissenschaftler und ZEIT-Herausgeber Yascha Mounk bezeichnet sich selber als Linker und erregt Aufsehen mit seinem 2024 auf Deutsch erschienenen Buch \u201eIm Zeitalter der Identit\u00e4t \u2013 Der Aufstieg einer gef\u00e4hrlichen Idee\u201c. Der amerikanische Titel des 2023 in USA erschienenen Buches lautet \u201eThe Identity Trap\u201c (Die Identit\u00e4tsfalle). Mounk ist 1982 in M\u00fcnchen geboren und lehrt an der John-Hopkins-Universit\u00e4t in Baltimore, USA. Und die Ethnologin Prof. Susanne Schr\u00f6ter von der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t schrieb ein Buch mit dem Titel \u201eDer neue Kulturkampf \u2013 Wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht\u201c. Ebenfalls 2024 erschienen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie beschreiben eine Entwicklung, die von amerikanischen Elite-Universit\u00e4ten ausgehend bereits starken Einfluss in den USA und Kanada hat und in Europa zunehmend Einfluss gewinnt. Susanne Schr\u00f6ter schreibt \u00fcber \u201eUniversit\u00e4ten im Griff woker Ideologen\u201c. Sie hat selber schlimme Erfahrungen damit gemacht. Ihre Forschungen zum Islamismus f\u00fchrten zu Kampagnen mit dem Ziel, ihre Veranstaltungen zu verbieten und sie von der Frankfurter Uni zu vertreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist da im Gange? Ich will es kurz beschreiben. Danach frage ich, ob diese Entwicklung uns Christen etwas angeht. Woke hei\u00dft erwacht. Was f\u00fcr eine Erweckung ist da im Gange? Ich lehne mich in der Beschreibung an Yascha Mounk an, der die woke Ideologie \u201eIdentit\u00e4tssynthese\u201c nennt, weil sie sich aus verschiedenen Denkrichtungen zusammensetzt. Ich nenne hier f\u00fcnf Zutaten f\u00fcr den woken Mix.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die erste Zutat<\/strong> ist die Philosophie des Postmodernismus. Sie behauptet, \u201ees gebe keine objektive Wahrheit, sondern nur eine unendliche Folge von [subjektiven] Sichtweisen.\u201c (Yascha Mounk S. 96) Das stellt nicht nur den Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens oder anderer Religionen in Frage, sondern auch die Allgemeing\u00fcltigkeit der Grundwerte der freiheitlichen Demokratie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die zweite Zutat<\/strong> ist der Postkolonialismus. Er besagt: Auch nach dem Ende der Kolonialherrschaft beuten Europ\u00e4er und Amerikaner den Rest der Welt aus. Die Ursachen der sozialen N\u00f6te in der Welt liegen ausschlie\u00dflich in der Macht dieser fr\u00fcheren und jetzigen Ausbeuter. Die wei\u00dfen Ausbeuter sind auch heute die T\u00e4ter. Die anderen die Opfer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommt als <strong>dritte Zutat<\/strong> die Kritische Rassen-Theorie. Sie besagt, dass Rassismus immer von Wei\u00dfen ausgegangen ist und auch heute von Wei\u00dfen ausgeht und sich immer gegen People of Color richtet. Dabei geht es nicht um pers\u00f6nliche Einstellungen Einzelner, sondern um strukturellen Rassismus. Von Wei\u00dfen dominierte Gesellschaften sind immer T\u00e4ter, People of Color sind immer Opfer. People of Color k\u00f6nnen darum nie rassistische T\u00e4ter sein, weil sie ja immer Opfer des strukturellen Rassismus sind. Historische Tatsachen wie Sklaverei und Sklavenhandel durch Araber und andere V\u00f6lker, die heute zu den People of Color geh\u00f6ren, werden ignoriert. Israelis z.B. gelten als Wei\u00dfe und Pal\u00e4stinenser sind People of Color. Darum kann es keine Hamas-Terroristen geben. Sie sind Opfer der wei\u00dfen j\u00fcdischen Unterdr\u00fccker und dadurch Freiheitsk\u00e4mpfer im berechtigten Widerstand und keine Terroristen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So einfach ist das. Auf dem Hintergrund \u00fcberrascht nicht mehr, dass sich linke Gruppen mit islamistischen Gewaltt\u00e4tern gegen Israel solidarisieren. Auch Deutschland ist nach postkolonialistischer Sicht ein strukturell rassistisches Land. Die Einstellungen der Einzelnen sind nicht entscheidend. Der Umgang der Deutschen mit People of Color, also z.B. mit den Fl\u00fcchtlingen aus Afrika und Asien, ist von strukturellem Rassismus bestimmt. Jeder Gedanke an Steuerung der Fl\u00fcchtlingsbewegungen etwa ist rassistisch. Jede Kritik am Islam ist antimuslimischer Rassismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine weitere Quelle<\/strong> der woken Ideologie ist die Forderung der Intersektionalit\u00e4t: Wer sich f\u00fcr eine Gruppe von Benachteiligten einsetzt, muss sich auch f\u00fcr alle anderen benachteiligten Gruppen einsetzen. Warum? Alle Unterdr\u00fcckungen sind angeblich irgendwie miteinander verkn\u00fcpft. Das hat manchmal wirre Folgen, wie wir k\u00fcrzlich erlebten. Frauen geh\u00f6ren eigentlich zu den \u201evulnerablen, verletzlichen, Gruppen\u201c. People of Color wie die Pal\u00e4stinenser auch. Aber israelische Frauen geh\u00f6ren zu den wei\u00dfen, westlichen Unterdr\u00fcckern und T\u00e4tern. Sie sind nicht Opfer wie die pal\u00e4stinensischen People of Color. Darum herrschte in der UNO lange peinliches Schweigen \u00fcber die brutalen Vergewaltigungen und Abschlachtungen israelischer M\u00e4dchen und Frauen durch Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023. Sie seien ja nicht im luftleeren Raum geschehen, erkl\u00e4ren die Woken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die woke Ideologie ist voller Widerspr\u00fcche. Darum spaltet sie gerade die Frauenbewegung. Heftig wehren sich klassische Feministinnen gegen die Aufl\u00f6sung der Geschlechter durch die Transgender-Bewegung und den Queer-Feminismus. Worum geht es? Hier ein aktuelles Beispiel aus Deutschland: Im Deutschen Bundestag wird gerade \u00fcber das Selbstbestimmungsgesetz beraten. Auf der Internetseite des Bundesministeriums f\u00fcr Familien, Senioren, Frauen und Jugend liest man: Das Gesetz \u00fcber die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG) \u201esoll trans-, intergeschlechtlichen und nichtbin\u00e4ren Personen erleichtern, ihren Geschlechtseintrag \u00e4ndern zu lassen.\u201c Wenn jemand demn\u00e4chst beim Standesamt erkl\u00e4rt, er f\u00fchle sich als Frau, obwohl er aussieht wie ein Mann, wird er als Frau mit gew\u00fcnschtem Namen ins Personenstandsregister eingetragen. Irgendwelche Beurteilungen durch \u00c4rzte d\u00fcrfen nicht mehr gefordert werden. Kritik daran kommt von klassischen Feministinnen. Wie soll man auch Frauenrechte gegen M\u00e4nner verteidigen, die sich als Frauen ausgeben? Kritik kommt auch aus dem Justizvollzug, von Schulen, von Sportvereinen und Saunabesitzern. Wie soll das praktisch gehen? Keine Kritik kommt von den Kirchen. Woke, wie sie sind, finden sie das alles anscheinend gut. Das Gesetz soll zum 1. November 2024 in Kraft treten, wenn der Bundestag es beschlie\u00dft. In dem Gesetz wird auch das \u201eOffenbarungsverbot\u201c formuliert. Es besagt, dass jeder mit Bu\u00dfgeld bestraft wird, der sagt, dass die Transfrau urspr\u00fcnglich ein Mann war. Das ist mal ein klarer Fall von Sprechverbot, nicht wahr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Postmodernismus, Postkolonialismus, Kritischer Rassentheorie und Intersektionalit\u00e4t kommt als <strong>f\u00fcnfte Zutat<\/strong> die Diskurs-Theorie. Die besagt, dass durch Sprache Macht ausge\u00fcbt wird und gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndert werden. Durch Gendersternchen und Sprechl\u00fccken sollen Personen, die sich nicht bin\u00e4r empfinden, sichtbar gemacht werden. Die Verballhornung der Sprache wird in Kauf genommen. Sie benachteiligt leider massiv ausgerechnet die Menschen, die mit dem Erlernen, dem Sprechen und Schreiben der deutschen Sprache Schwierigkeiten haben. Das aber beeindruckt die woken Aktivisten \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt fragen wir: Was geht uns Christen das an? Recht und Gerechtigkeit f\u00fcr benachteiligte Menschen m\u00fcssen uns Christen selbstverst\u00e4ndlich sehr viel angehen. Gott ist gerecht. Er liebt Recht und Gerechtigkeit. Um das zu belegen, muss ich hier gar keine Bibelstellen zitieren. Wer das bestreitet, dem empfehle ich dringend, die Bibel zu lesen. Unsere Verantwortung als Christen f\u00fcr die Gesellschaft, in der wir leben, ergibt sich aus Gottes Auftrag an sein Volk: \u201eSuchet der Stadt Bestes!\u201c Diese Aufforderung Gottes l\u00e4sst der Prophet Jeremia in einem Brief an die Juden in der babylonischen Gefangenschaft \u00fcberbringen. (Jeremia 29,7) Obwohl die Stadt nicht ihre Heimat war, sollten sie sich f\u00fcr das Wohl der Stadt einsetzen. Sie sollten den Frieden \u2013 im Hebr\u00e4ischen steht da \u201eSchalom\u201c \u2013 der Stadt suchen und f\u00fcr sie beten. Die Begr\u00fcndung ist ganz pragmatisch: \u201edenn wenn\u2019s ihr wohl geht, so geht\u2018s auch euch wohl.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft das f\u00fcr Jesus-Nachfolger? Unsere Heimat, unser B\u00fcrgerrecht ist im Himmel, im K\u00f6nigreich Gottes. (Phil 3,20) Eine zweite Staatsb\u00fcrgerschaft steht in unserem Pass. In meinem Fall Deutschland. Deutschland ist eine Demokratie. Als Staatsb\u00fcrger in einer Demokratie geh\u00f6re ich zum Souver\u00e4n, dem Volk. Ich trage, wie alle B\u00fcrger dieses Staates Mitverantwortung daf\u00fcr, dass unser Land m\u00f6glichst gerecht regiert wird. Da sich die B\u00fcrger einer Demokratie oft nicht einig sind, wird mit Mehrheit entschieden. Leider ist nicht garantiert, dass die Mehrheit immer f\u00fcr Gerechtigkeit eintritt. Menschen suchen ihren Vorteil und halten das f\u00fcr ihr gutes Recht. So kann es passieren, dass Gesetze mit Mehrheit beschlossen werden, die nicht wirklich gerecht sind. Perfekt l\u00e4uft das wirklich nicht. Aber die Bem\u00fchung um mehr Gerechtigkeit und um die Abwehr der schlimmsten Ungerechtigkeiten ist den Schwei\u00df aller B\u00fcrger wert. Erst recht aller Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unserem Grundgesetz steht, dass sich das Deutsche Volk zu den \u201eunverletzlichen und unver\u00e4u\u00dferlichen Menschenrechten\u201c bekennt. Die Grundrechte werden dann aufgez\u00e4hlt. In Artikel 1,3 hei\u00dft es: \u201eDie nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.\u201c Die Grundrechte sind Freiheitsrechte. Hier einige auszugsweise: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religi\u00f6sen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religi\u00f6sen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungest\u00f6rte Religionsaus\u00fcbung wird gew\u00e4hrleistet. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu \u00e4u\u00dfern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Und wenn die Freiheit bedroht ist, sollten auch wir Christen aufwachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Professoren Susanne Schr\u00f6ter und Yascha Mounk zeigen, dass Freiheiten bei uns durch \u201ewoke\u201c Aktivisten bedroht werden. Sie gewinnen Macht in Organisationen, Medien, staatlichen Einrichtungen. Wenn wir uns dagegen nicht wehren, wird unsere Freiheit durch m\u00e4chtige Gruppen und einen \u00fcbergriffigen Staat eingeschr\u00e4nkt. Wie das in gro\u00dfem Stil geht, zeigen uns gerade die Planungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie handelt mit ihren 194 Mitgliedsstaaten gerade einen Pandemie-Vertrag aus, der schon im Mai 2024 verabschiedet werden soll. Menschenrechtler kritisieren die darin vorgesehenen Einschr\u00e4nkungen der Informationsfreiheit und der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung. (1)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der vergangenen Corona-Zeit haben wir die \u00dcbergriffigkeit des Staates schon erlebt. Einschr\u00e4nkungen der Versammlungsfreiheit. Impfpflicht. Jetzt werden massive Eingriffe in die Freiheitsrechte der B\u00fcrger als angeblich notwendige Seuchenabwehr systematisch geplant. Bedauerliche Tatsache ist, dass die Freiheitsliebe auch bei Christen oft durch Angst erstickt wird. Die Freiheit wird nicht selten der Sicherheit bereitwillig geopfert. Das f\u00fchrt dazu, dass Christen \u2013 wie wir es in der Corona-Zeit erleben mussten \u2013 nicht gemeinsam f\u00fcr bestimmte Freiheitsrechte eintreten. In Gegenteil: Gemeinden sind durch Streit um diese Fragen gespalten und gel\u00e4hmt. In manchen Gemeinden ist das bis heute sp\u00fcrbar. Dazu kommt: Wir Jesus-Nachfolger stellen leider nicht die Mehrheit in unserem Land. Wir k\u00f6nnen nicht verhindern, dass Gesetze im Bundestag mit Mehrheit beschlossen werden, auch wenn sie dem Wort Gottes widersprechen. Zum Beispiel das Gesetz \u00fcber die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c. Was tun wir dann? In solchen F\u00e4llen gilt das alte Apostelwort (Apg 5,29): \u201eMan muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.\u201c Wenn wir das sagen, wird uns heute die Frage gestellt: Steht f\u00fcr euch die Bibel \u00fcber dem Grundgesetz? Die Antwort: Selbstverst\u00e4ndlich ja. Wo liegt das Problem? Das Grundgesetz beginnt in der Pr\u00e4ambel mit dem Satz: \u201eIm Bewu\u00dftsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.\u201c Gott steht also \u00fcber dem Grundgesetz. Gott soll sich das deutsche Volk verantwortlich f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ist es die Aufgabe von Christen, den Menschen in unserem Land den lebendigen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, zu bezeugen. Wir k\u00f6nnen und wollen nicht erzwingen, dass die Menschen an Gott glauben. Aber wir k\u00f6nnen und sollen das Evangelium allen Menschen sagen. Was aber sollen wir tun, wenn Gesetze beschlossen werden, die gegen Gottes geoffenbarten Willen sind? Antwort: Wir machen den Mund auf. Wir sagen, was nach Gottes Willen gut und gerecht ist. Wir sagen z.B. \u00f6ffentlich, dass Gott alle Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat, und zwar in der Polarit\u00e4t von Mann und Frau. So hat er die Menschen zu seinen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern berufen und gesegnet. Das steht in der Sch\u00f6pfungsoffenbarung (1.Mose 1 und 2), und Jesus hat es best\u00e4tigt (Matth\u00e4us 19,4ff). Unser Geschlecht w\u00e4hlen wir nicht selber, es wird uns von Gott gegeben. Die Biologie lehrt uns, dass jede K\u00f6rperzelle jeder Frau mit XX-Chromosomen ausgestattet ist und jede K\u00f6rperzelle jedes Mannes mit XY-Chromomen. Offenbarung Gottes und Naturwissenschaft erg\u00e4nzen sich bestens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade heute ist es hilfreich, Menschen darauf hinzuweisen, dass Gott ihre Identit\u00e4t durch ihren K\u00f6rper bestimmt hat. Es ist in Mode gekommen, auf das Gef\u00fchl zu h\u00f6ren, egal wie der K\u00f6rper ist. Eigentlich wei\u00df jeder, dass Gef\u00fchle nicht von Dauer sind. Es ist darum nicht wirklich klug, Gef\u00fchle zum Fundament des Lebens zu machen. Aber jetzt wird sogar gesetzlich festgelegt, dass jeder Mensch einfach durch einen Sprechakt beim Standesamt festlegen kann, ob er ein Mann oder eine Frau ist oder auch noch etwas Anderes. In einer freien Gesellschaft hat jeder das Recht, sich zu f\u00fchlen, wie er will. Aber warum sollen wir nicht das Recht haben, zu sagen und zu begr\u00fcnden, wenn wir das problematisch finden? Oder nehmen wir das Beispiel der Ehe. Der Bundestag hat 2017 beschlossen: BGB \u00a7 1353: \u201eDie Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.\u201c Nach der Bibel aber ist die Ehe die lebenslange Gemeinschaft zwischen einem<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mann und einer Frau. Sex au\u00dferhalb der Ehe \u2013 egal ob hetero- oder homosexuell \u2013 bezeichnet die Bibel als S\u00fcnde. Der Bundestag hat allerdings zugleich mit der \u00c4nderung des Eheverst\u00e4ndnisse beschlossen: \u201eDie Rechte der Kirchen und Religionsgemeinschaften bleiben von dieser gesetzlichen Neuregelung unber\u00fchrt.\u201c Damit h\u00e4lt sich der Deutsche Bundestag an das Grundrecht der Religionsfreiheit. Peinlich, dass die Evangelischen Kirchen sich den staatlichen Vorgaben gebeugt haben, obwohl der Staat ausdr\u00fccklich ihre Freiheit nicht beschr\u00e4nkt hat. Der Staat zwingt die Kirchen nicht, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Christengemeinden darf man erwarten, dass sie nach dem Ma\u00dfstab des Wortes Gottes und aus der Kraft des Heiligen Geistes leben. Sie sollen nicht nur die Gebote Gottes hochhalten, sondern auch beweisen, dass sie aus der Liebe Gottes in der Kraft des Heiligen Geistes leben. Ehen sollen in der Gemeinde gesch\u00fctzt und gest\u00e4rkt werden. Genauso sollen Singles, die nach dem Wort Gottes sexuell enthaltsam leben, Offenheit, Vertrautheit und pers\u00f6nliche N\u00e4he in den Gemeinden erleben. Das sind gro\u00dfe Aufgaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es ist ja nicht neu, dass Christen in einer nichtchristlichen Mehrheitsgesellschaft leben. Im ersten Jahrhundert hat die Mehrheitsgesellschaft im R\u00f6mischen Reich weder das Eheverst\u00e4ndnis noch die Sexualethik der Christen geteilt. In vielen L\u00e4ndern der Welt ist die Polygamie geltendes Recht. Trotzdem leben die Christen die Einehe nach Gottes Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Empfehlung zum Schluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woke Ideologen gewinnen \u00fcber staatlich finanzierte Organisationen und mehr und mehr auch \u00fcber staatliche Institutionen Einfluss und Macht. Auch gro\u00dfe Firmen folgen dem Trend. Yascha Mounk nennt das den \u201ekurzen Marsch durch die Institutionen\u201c, den woke Ideologen schon angetreten haben. Ich empfehle in dieser Lage, dass wir in den Evangelischen Kirchen neu \u00fcber die Theologische Erkl\u00e4rung von Barmen nachdenken. Dieses Bekenntnis wurde 1934 von der Synode der Bekennenden Kirche im heutigen Wuppertal-Barmen als Widerspruch gegen die deutsch-christliche Irrlehre der damaligen Reichskirche formuliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lese immer mal wieder mein Ordinationsgel\u00fcbde, das ich als evangelischer Pfarrer vor 57 Jahren abgelegt habe. Darin hei\u00dft es u.a.: \u201eDabei sollst du ernstlich beachten, dass es dem evangelischen Prediger nicht zusteht, eine andere Lehre zu verk\u00fcnden und auszubreiten als die, welche gegr\u00fcndet ist in Gottes lauterem und klaren Wort, wie es verfasst ist in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments, unserer alleinigen Glaubensnorm, wie es bezeugt ist in den drei altkirchlichen Glaubensbekenntnissen, dem Apostolischen, dem Nic\u00e4nischen und dem Athanasianischen und in den reformatorischen Bekenntnisschriften unserer Kirche und wie es als Wegweisung f\u00fcr die angefochtene Kirche aufs neue bekannt worden ist in der Theologischen Erkl\u00e4rung der Bekenntnissynode von Barmen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Berufung auf die Barmer Erkl\u00e4rung kommt heute nicht immer gut an. Wer erkl\u00e4rt, sie sei auch heute aktuell, dem wird gern von Kirchenleitungen vorgeworfen, dass er die heutige Lage unangemessen dramatisiere, indem er sie mit der Lage in der Nazi-Diktatur vergleiche. Mit diesem Argument wird die Barmer Erkl\u00e4rung zu einem Museumst\u00fcck aus schrecklichen Zeiten gemacht. Man hat mich aber in meiner Ordination zum Predigtamt auch auf die Barmer Erkl\u00e4rung verpflichtet, weil dieses Bekenntnis wohl f\u00fcr meinen Dienst heute wichtig werden k\u00f6nnte. Und so lese ich sie auch heute. Die Barmer Erkl\u00e4rung umfasst 6 Thesen. Ich gebe hier insbesondere die These 5 zu bedenken. In jeder These gibt es 3 Teile. Ein Bibelwort, ein Bekenntnis, eine Verwerfung der falschen Lehre. These 5 lautet: \u201eF\u00fcrchtet Gott, ehrt den K\u00f6nig. (1. Petr 2,17) Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach g\u00f6ttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erl\u00f6sten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Ma\u00df menschlicher Einsicht und menschlichen Verm\u00f6gens unter Androhung und Aus\u00fcbung von Gewalt f\u00fcr Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge tr\u00e4gt. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und k\u00f6nne der Staat \u00fcber seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erf\u00fcllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und k\u00f6nne sich die Kirche \u00fcber ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche W\u00fcrde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.\u201c Soweit der Wortlaut von These 5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die staatliche Ordnung wird einerseits dankbar als eine von Gott angeordnete Wohltat anerkannt, wenn der Staat \u201enach dem Ma\u00df menschlicher Einsicht und menschlichen Verm\u00f6gens unter Androhung und Aus\u00fcbung von Gewalt f\u00fcr Recht und Frieden\u201c sorgt. Die Aufgabe der Kirche ist es, \u201ean Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten\u201c zu erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als falsche Lehre wird ausdr\u00fccklich verworfen, \u201eals solle und k\u00f6nne der Staat \u00fcber seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden\u201c. Jeder Tendenz des Staates, sich zur h\u00f6chsten Autorit\u00e4t \u00fcber menschliches Leben zu erheben, m\u00fcssen Christen widerstehen. Wir m\u00fcssen widersprechen, wenn der Staat die Rolle Gottes einnehmen will. Leider k\u00f6nnen sich auch in einer Demokratie solche totalit\u00e4ren Tendenzen einschleichen. Und eine Kirche, die sich nicht vor allem am Wort Gottes, wie es in der Bibel gegeben ist, orientiert, sondern sich zivilreligi\u00f6s als Kitt f\u00fcr den Zusammenhalt der Gesellschaft anbietet, wird selbst zu einem Organ des Staates. Sie verr\u00e4t damit ihre Berufung. Die Evangelischen Kirchen stehen heute genau in dieser Gefahr. Dem m\u00fcssen wir widersprechen. Die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung von 1934 schlie\u00dft mit den Worten, mit denen ich jetzt auch schlie\u00dfe: Verbum Dei manet in aeternum. Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">___________________________________________________________________________<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>IDEA 9, 28.02.2024, S.25: Der WHO-Pandemievertrag &#8211; Eine Gefahr f\u00fcr die Meinungsfreiheit?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">___________________________________________________________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\"><em>www.bibelundbekenntnis.de<\/em><\/a><em> (16.4.2024)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich empfand es bisher immer als \u00fcbertrieben \u00e4ngstlich, wenn Leute behaupteten, man k\u00f6nne heute nicht mehr alles sagen. Ich kann alles sagen, was ich meine. Ich sage es auch \u00f6ffentlich. Meinungsfreiheit und Redefreiheit sind im Grundgesetz sogar garantiert. Klar, es gibt kein Recht auf Widerspruchsfreiheit. 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