{"id":20769,"date":"2024-03-06T05:00:55","date_gmt":"2024-03-06T04:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20769"},"modified":"2024-03-03T18:53:33","modified_gmt":"2024-03-03T17:53:33","slug":"mini-aufkleber-an-taxi-islamischer-halbmond-okay-christus-aber-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20769","title":{"rendered":"Mini-Aufkleber an Taxi: Islamischer Halbmond okay, Christus aber nicht?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Rund 20 Jahre lang litt Jalil Mashali an chronischen Schmerzen. \u00dcber 20-mal wurde er am linken Bein operiert. Den Unterschenkel hatte man ihm amputiert. F\u00fcr weitere OPs kam der geb\u00fcrtige Iraner vor 22 Jahren nach Deutschland. Doch all die OPs nutzten nichts. Der Schmerz blieb. Mashali erwog Selbstmord \u2013 bis eine Christin dem damaligen Muslim anbot, f\u00fcr ihn zu beten. Daraufhin verschwand der Schmerz, so beteuert Mashali gegen\u00fcber dieser Zeitung. Er war begeistert. Und konvertierte <!--more-->zum christlichen Glauben. Seitdem ist Jesus f\u00fcr den Essener Teil seines Lebens \u2013 und zwar der beste: sein Gl\u00fcck, sein Partner in einer Liebesbeziehung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie das so ist bei Liebenden: Sie schw\u00e4rmen. Und erz\u00e4hlen anderen von ihrer Leidenschaft. Mashali, von Beruf Taxifahrer, tut das auf dezente Weise: Am unteren Rand der Heckscheibe seines Taxis befestigte er Jesus-Worte aus dem Johannes-Evangelium: \u201eJesus: Ich bin der Weg. Die Wahrheit. Und das Leben.\u201c Der Aufkleber ist knapp zwei Zentimeter hoch, maximal 28 Zentimeter lang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen kleinen Ausdruck einer gro\u00dfen Liebe bek\u00e4mpft die Essener B\u00fcrokratie seit Monaten. Unter Verweis auf die &#8222;Verordnung \u00fcber den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr&#8220; teilte sie Mashali mit, politische und religi\u00f6se Werbung an Taxen sei unzul\u00e4ssig. Mashali konnte das kaum glauben und lie\u00df den Aufkleber am Fenster. Nun forderte die Stadt ihn jedoch auf, ein Bu\u00dfgeld von 88,50 Euro zu zahlen \u2013 verbunden mit der Drohung, die H\u00f6he k\u00f6nne noch ansteigen. Dem Taxifahrer drohen bis zu 1000 Euro Bu\u00dfgeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist aus mehreren Gr\u00fcnden bemerkenswert. Zum ersten, weil der Staat sich damit zum Handlanger von Freiheitsfeinden macht. Laut Mashali st\u00f6rten sich n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich einzelne t\u00fcrkisch-muslimische Kollegen an seinem Aufkleber: \u201eSie beschimpften mich als Verr\u00e4ter, weil ich fr\u00fcher Moslem war und Christ geworden bin. Und sie drohten, sie w\u00fcrden sich \u00fcber mich beschweren, wenn ich den Aufkleber nicht entferne.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Mashali besonders gr\u00e4mt: Die gleichen Fahrer, die die Religionsfreiheit f\u00fcr Christen einzuschr\u00e4nken versuchen, haben ihre eigenen Taxen mit Aufklebern verziert, die die Fahne des t\u00fcrkischen Staates oder den islamischen Halbmond zeigen. Ist das keine politische oder religi\u00f6se Werbung? Der evangelikale Christ Mashali ist viel zu friedlich, um seinerseits muslimische Kollegen wegen solcher Aufkleber anzuschw\u00e4rzen. Aber es missf\u00e4llt ihm, dass der religi\u00f6s neutrale Staat die Bekenntnisfreude von Christen bek\u00e4mpft, die von Muslimen aber nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum zweiten ist hier b\u00fcrokratischer Kleingeist am Werke, dem jede Menschenkenntnis abgeht. Wen auch immer man liebt, ob seine Kinder, seinen Gott oder seinen Fu\u00dfballverein (soll es ja geben) \u2013 Treueschw\u00fcre und \u00f6ffentliche Bekenntnisse sind die nat\u00fcrliche Folge. Die kann man als \u201eWerbung\u201c auslegen und verbieten. Aber was ist das f\u00fcr ein eiskaltes Land, in dem entflammte Menschen verheimlichen m\u00fcssen, f\u00fcr was sie brennen? Die Verfasser der Menschenrechtserkl\u00e4rungen waren weiser (und humaner) als Essens B\u00fcrokratie. Weshalb sie betonten, unter die Religionsfreiheit falle auch das friedliche, zwangsfreie Werben f\u00fcr den eigenen Glauben. Dies sei unver\u00e4u\u00dferliches Recht jedes Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die deutsche Rechtsprechung betont indes zunehmend die Grenzen der Religionsfreiheit. Denn auch der Schutz der B\u00fcrger vor oktroyierter Mission muss garantiert bleiben. Das ist im Grundsatz auch wunderbar. Nur: Ist ein Aufkleberchen am Heck eines Autos ein aufgezwungener Bekehrungsversuch? Oder glaubt ernsthaft jemand, ein Fahrer mit Jesus-Faible w\u00fcrde seinen Fahrgast nicht ans gew\u00fcnschte Ziel bef\u00f6rdern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum dritten ist es arg desillusionierend, dass auf Taxen ein winziges Bekenntnis zu Jesus verboten wird, w\u00e4hrend dort schreiend grelle Gro\u00dffl\u00e4chen-Werbung f\u00fcr Tabledance-Bars und sonstige Rotlicht-Etablissements erlaubt bleibt. Wer denkt da an Jugendschutz? Auch Alkohol darf beworben werden: Wer nimmt da R\u00fccksicht auf trockene Alkoholiker? Und mit der Flagge des t\u00fcrkischen Staates m\u00f6chten Freunde der Menschenrechte gleichfalls ungern bel\u00e4stigt werden, solange dort ein islamistisch-nationalistischer Autokrat herrscht. Aber auch die Flagge ist erlaubt. Prostitution, Rauschmittel, Demokratiefeindschaft \u2013 alles passabel. Au\u00dfer Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und viertens sollten sich auch kulturbewusste Atheisten fragen: Hat Jesus nicht ein bisschen mehr Respekt verdient? Nicht nur Europas pr\u00e4gende Religion, auch seine Kunst, Moralvorstellungen und Bildungstradition sind zutiefst von ihm beeinflusst. Ein unverd\u00e4chtiger Zeuge wie der konfessionslose Philosoph Karl Jaspers z\u00e4hlte Jesus (neben Sokrates) zu einem der beiden ma\u00dfgebenden Menschen des Abendlands. Aber Essens Verwaltung wei\u00df es besser: Ein zwei Zentimeter hohes Bekenntnis zu Jesus an einem R\u00fcckfenster ist des Teufels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wann stoppt Essens Stadtspitze, wann stoppt das Land NRW diesen Irrsinn?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">WELT AM SONNTAG Fr\u00fchausgabe Samstag Nordrhein-Westfalen 02.03.2024 (Autor: Till-R. Stoldt).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 20 Jahre lang litt Jalil Mashali an chronischen Schmerzen. \u00dcber 20-mal wurde er am linken Bein operiert. Den Unterschenkel hatte man ihm amputiert. F\u00fcr weitere OPs kam der geb\u00fcrtige Iraner vor 22 Jahren nach Deutschland. Doch all die OPs nutzten nichts. Der Schmerz blieb. 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