{"id":20756,"date":"2024-02-23T05:30:01","date_gmt":"2024-02-23T04:30:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20756"},"modified":"2024-02-22T17:24:46","modified_gmt":"2024-02-22T16:24:46","slug":"a-w-tozer-die-furcht-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20756","title":{"rendered":"A. W. Tozer: Die Furcht Gottes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Eine Wahrheit, die in der ganzen Bibel gelehrt wird und die sich durch die Jahrhunderte hindurch in der pers\u00f6nlichen Erfahrung zahlloser heiliger M\u00e4nner und Frauen als wahr erwiesen hat, k\u00f6nnte man wie folgt in einer glaubensm\u00e4\u00dfigen Grundannahme zusammenfassen: <em>Niemand kann die wahre Gnade Gottes erkennen, der nicht zuerst die Furcht Gottes kennengelernt hat<\/em>.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Die erste Ank\u00fcndigung von Gottes Heilsabsicht im Blick auf die Menschheit geschah gegen\u00fcber einem Mann und einer Frau, die sich in Todesangst vor der Gegenwart des Herrn versteckt hatten. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Das Gesetz Gottes wurde einem Mann gegeben, der inmitten von Feuer und Rauch vor Furcht zitterte und angesichts der Stimme des Donners und des Schalls der g\u00f6ttlichen Posaune erbebte. Als die Zunge von Zacharias durch das geheimnisvolle Wirken Gottes gel\u00f6st wurde, hei\u00dft es in Bezug auf die Menschen in seinem Umfeld: <\/span>\u201eFurcht kam \u00fcber alle, die um sie [d.h. um Zacharias und seine Frau] her wohnten\u201c (Lk 1,65). Selbst die bekannte Verk\u00fcndigung \u201eFriede auf der Erde, an den Menschen ein Wohlgefallen\u201c (Lk 2,14) wurde Hirten gegeben, von denen es aufgrund der pl\u00f6tzlichen \u00fcberw\u00e4ltigenden Gegenwart der himmlischen Heerscharen hei\u00dft: \u201eSie f\u00fcrchteten sich mit gro\u00dfer Furcht\u201c (V. 9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Wir m\u00fcssen die Bibel nur mit offenen Augen lesen, um zu erkennen, dass diese Wahrheit wie ein roter Faden vom 1. Buch Mose bis hin zur Offenbarung verl\u00e4uft. Die Gegenwart des G\u00f6ttlichen erf\u00fcllte die Herzen der s\u00fcndigen Menschen immer mit Furcht. Die Offenbarwerdung Gottes war stets von etwas umgeben, was die Beteiligten in Schrecken versetzte, sie aus der Fassung brachte und tief beeindruckte und sie mit einem \u00fcber das Normale hinausgehenden Schrecken erf\u00fcllte. Dieser Schrecken hatte nichts zu tun mit der Furcht vor k\u00f6rperlichem Schmerz. Es war vielmehr eine allumfassende Best\u00fcrzung, die die Betreffenden tief im Innersten ihres eigenen Wesens erfuhren \u2013 eine Best\u00fcrzung, die viel gr\u00f6\u00dfer war als die Furcht, die man normalerweise aufgrund des nat\u00fcrlichen Selbsterhaltungstriebs empfindet. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Ich glaube nicht, dass irgendetwas dauerhaft Gutes aus glaubensm\u00e4\u00dfigen Aktivit\u00e4ten entstehen kann, was nicht in dieser Art von Furcht des Gesch\u00f6pfes Mensch wurzelt. Erst wenn wir durch die Furcht Gottes in die richtige Stellung gebracht worden sind, kann er sich unseren Glaubensaugen offenbaren. Sind wir schon von jenem namenlosen Schrecken ergriffen worden, der entsteht, wenn ein unheiliges Gesch\u00f6pf pl\u00f6tzlich mit dem konfrontiert wird, der der Allerheiligste ist? Solange das nicht geschehen ist, werden wir von der Lehre der Liebe und Gnade, wie das im Neuen Testament enthaltene Evangelium sie aufzeigt, h\u00f6chstwahrscheinlich nicht sehr ber\u00fchrt werden. Die Liebe Gottes bewegt ein fleischliches Herz \u00fcberhaupt nicht; oder wenn doch, dann in die falsche Richtung, denn die Erkenntnis, dass Gott uns liebt, k\u00f6nnte uns vielleicht auch nur in unserer Selbstgerechtigkeit best\u00e4rken. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Es gibt Bem\u00fchungen der Modernisten<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> (ob nun liberaler Art oder derjenigen, die sich theologisch \u00bbals Grenzg\u00e4nger\u00ab bet\u00e4tigen). <\/span>Sie versuchen, Menschen f\u00fcr Gott zu gewinnen, indem sie ihnen das Glaubensleben eines Christen von seiner Sonnenseite her vorstellen. Das ist ein schlimmes \u00dcbel, denn sie ignorieren gerade den Hauptgrund f\u00fcr unsere Entfremdung von Gott. Solange ein Mensch angesichts der Schwierigkeiten, denen er sich gegen\u00fcbersieht, nicht innerlich kapituliert, solange wird er seine Probleme mit Gott wohl kaum l\u00f6sen k\u00f6nnen. Kain und Abel sind zwei ernste Beispiele f\u00fcr diese Wahrheit. Kain brachte dem Herrn eine Opfergabe in der Annahme dar, dass ihm diese wohlgef\u00e4llig w\u00e4re. Abel brachte dem Herrn ein Opfer in dem Bewusstsein dar, dass er so, wie er war, vor Gott nicht angenehm sein konnte. Sein zitterndes Herz sagte ihm, dass er einen Platz finden musste, der ihm Deckung bieten und zu dem er Zuflucht nehmen konnte. Kains Herz zitterte nicht. Kain war ganz von Selbstzufriedenheit gepr\u00e4gt, sodass er keinen derartigen Zufluchtsort suchte. Die Furcht Gottes w\u00e4re Kain in diesem kritischen Augenblick \u00fcberaus dienlich gewesen, denn sie h\u00e4tte den gesamten Charakter dieses Opfergeschehens gewandelt und den ganzen Verlauf seines Lebens zum Besseren ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">So unverzichtbar, wie die Furcht des Herrn auch ist \u2013 wir m\u00fcssen uns doch immer vor Augen halten, dass man sie nicht durch Drohungen, die im Namen Gottes ausgesprochen werden, zustande bringen kann. H\u00f6lle und Gericht sind Realit\u00e4ten, und sie m\u00fcssen so vollst\u00e4ndig, wie die Bibel sie lehrt, in ihrem schriftgem\u00e4\u00dfen Kontext gepredigt werden; es darf diesbez\u00fcglich nichts hinzugef\u00fcgt und nichts weggelassen werden. Aber sie k\u00f6nnen jenes Geheimnisvolle, das wir \u201edie Furcht des Herrn\u201c nennen, nicht herbeif\u00fchren. Die Furcht des Herrn ist etwas \u00dcbernat\u00fcrliches, das in keinerlei Beziehung zu Androhungen von Strafe steht. Sie hat etwas Geheimnisvolles an sich, das oft ohne einen gro\u00dfartigen intellektuellen Inhalt auskommt. Sie ist eher ein Empfinden als eine Vorstellung; sie ist die innere Reaktion eines gefallenen Gesch\u00f6pfes in der Gegenwart desjenigen heiligen Wesens, von dem das \u00fcberw\u00e4ltigte Herz wei\u00df, dass es Gott ist. Allein der Heilige Geist kann dieses Empfinden im menschlichen Herzen wecken. Alle unsere eigenen Bem\u00fchungen, es herbeizuf\u00fchren, sind vergeblich oder sogar sch\u00e4dlich. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Weil die Furcht des Herrn etwas \u00dcbernat\u00fcrliches ist, kann sie niemals durch wiederholte Warnungen vor Krieg, vor dem Kommunismus oder vor Wirtschaftskrisen hervorgerufen werden. <\/span>Der g\u00e4ngige Trick, die Menschen in Furcht zu versetzen, damit sie Christus annehmen, indem man ihnen mit Atombomben und ferngesteuerten Waffen droht, ist weder schriftgem\u00e4\u00df noch wirkungsvoll. Wenn man Feuerwerksk\u00f6rper vor einer Herde von Ziegen abschie\u00dft, gelingt es wahrscheinlich, sie in eine Schafh\u00fcrde zu treiben. Aber alle nat\u00fcrliche Furcht der Welt kann aus einer Ziege kein Schaf machen. So kann auch die Furcht vor einer russischen Invasion unbu\u00dffertige Menschen nicht in solche verwandeln, die Gott und die Gerechtigkeit lieben. Auf diese Art und Weise geht es einfach nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Woher kommt dann die wahre Furcht Gottes? Aus dem Wissen um unsere eigene S\u00fcndhaftigkeit und aus einem Gesp\u00fcr f\u00fcr die Gegenwart Gottes. Jesaja machte eine deutliche Erfahrung sowohl seiner pers\u00f6nlichen Unreinheit als auch der Furcht einfl\u00f6\u00dfenden Gegenwart Jahwes: Beide Erfahrungen zusammengenommen waren mehr, als er ertragen konnte. Sich seiner Unw\u00fcrdigkeit bewusst, bekannte er laut die eigene S\u00fcndhaftigkeit, die noch unentschuldbarer geworden war, weil seine Augen den K\u00f6nig \u2013 ja, den Herrn der Heerscharen \u2013 geschaut hatten. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-tt=\"{&quot;paragraphStyle&quot;:{&quot;alignment&quot;:4,&quot;writingDirection&quot;:1}}\">Eine Gemeinde wird diese geheimnisvolle Furcht Gottes sp\u00fcren, wenn ihr Pastor bzw. ihre verantwortlichen Br\u00fcder vom Heiligen Geist erf\u00fcllt sind. Als Mose mit seinem strahlenden Angesicht vom Berg Sinai herabkam, nahmen die Kinder Israel sogleich diesen Abglanz der g\u00f6ttlichen Herrlichkeit wahr. Mose war sich des Strahlens auf seinem Angesicht, das bei den Israeliten Furcht hervorrief, allerdings nicht bewusst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> A.d.H.: Damit sind Vertreter theologischer Anschauungen gemeint, die biblische Inhalte an das Weltbild der Moderne anpassen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Auszug aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tozer, A. W.: Die Wurzel der Gerechten, Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung (CLV) 1. Auflage, bearbeitete Neuauflage des fr\u00fcher im Verlag der Liebenzeller Mission erschienenen Titels 2022, 158 S., entnommen von S. 39\u201342.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Wahrheit, die in der ganzen Bibel gelehrt wird und die sich durch die Jahrhunderte hindurch in der pers\u00f6nlichen Erfahrung zahlloser heiliger M\u00e4nner und Frauen als wahr erwiesen hat, k\u00f6nnte man wie folgt in einer glaubensm\u00e4\u00dfigen Grundannahme zusammenfassen: Niemand kann die wahre Gnade Gottes erkennen, der nicht zuerst die Furcht Gottes kennengelernt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":726,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20756"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/726"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20756"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20759,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20756\/revisions\/20759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}