{"id":20702,"date":"2024-01-27T06:49:03","date_gmt":"2024-01-27T05:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20702"},"modified":"2024-01-26T14:50:57","modified_gmt":"2024-01-26T13:50:57","slug":"predigt-ueber-lk-241-52-ach-du-schreck-jesus-ist-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20702","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Lk. 2,41-52: Ach du Schreck \u2013 Jesus ist weg!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde, eines der Geheimnisse der Schrift bleibt die drei\u00dfigj\u00e4hrige Stille, in welcher Jesus in Nazareth wohnt. In einer Biographie sind ja gerade die Jugendjahre von besonderem Interesse. Aber bei dem Herrn bleibt uns dies fast ganz verschlossen. Licht ist einst auf das kleine Kind gefallen; aus Engelsmund und Menschenlippen, von Weisen und Unweisen sind k\u00f6stliche Psalmen \u00fcber ihm ert\u00f6nt \u2013 und nun folgt ein drei\u00dfigj\u00e4hriges Dunkel, verlebt in einem entlegenen, verachteten Bergst\u00e4dtchen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christoph Steinhofer (Dekan aus Weinsberg 1750) schrieb: \u201eDie drei\u00dfigj\u00e4hrige Stille des Herrn Jesu.\u201c Wo die Schrift schweigt, da ist ihr Schweigen ein Reden. Aber ganz hat sie uns doch nicht ohne Nachricht gelassen \u00fcber das Leben Jesu in den drei\u00dfig Jahren. Eine duftende Rose findet man doch am Wegrand aus Jesu Mund: \u201eMuss ich nicht sein in dem, was meines Vaters ist?\u201c Alles aus seiner Kindheit und Jugend ist in diesen Worten zusammengefasst. Lesen: Lk. 2,41 &#8211; 52<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Wort ist mehr als ein Kinderspruch. Er ist zugleich der Leitstern seines ganzen Lebens. Dies Wort ist Tat und Losung \u00fcber Jesu Leben. Dieses Wort begleitet ihn durch\u2018s ganze Leben. Es ist eingerahmt von den Worten, die selbstverst\u00e4ndlich zu sein scheinen: Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter\u201c? (Lk. 2,40+52)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum betont Lukas das? Lukas selbst ist als Heide aufgewachsen und hat in seiner Jugend erlebt, dass man mit dem Herabsteigen der G\u00f6tter auf die Erde rechnete. Der Mensch hatte zu allen Zeiten eine gro\u00dfe Sehnsucht nach dem G\u00f6ttlichen in seinem Herzen und stillte sie am liebsten durch selbstgemachte G\u00f6tter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lukas sah, wie dem r\u00f6mischen Kaiser Alt\u00e4re gebaut wurden, weil er sich zum Gott erkl\u00e4ren lie\u00df. Und die Menschen streuten Weihrauch auf seinen Altar. \u201eIch, Claudius, Kaiser und Gott!\u201d Diese kaiserliche Erkl\u00e4rung erschien den Zeitgenossen des Lukas ganz normal. Nun stellten sich die Leute im R\u00f6mischen Reich den Abstieg der G\u00f6tter auf diese Erde sozusagen mit Tarnkappe vor. Sie sahen zwar aus wie Menschen, waren aber hinter dieser Fassade doch g\u00f6ttliche Wesen mit \u00fcbermenschlichen Kr\u00e4ften. Ihnen fehlte die die Erdenschwere, die Gebundenheit an Raum und Zeit, die zu uns Menschen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Vorstellung seiner Zeit will Lukas ganz bewusst damit entgegentreten, dass Jesus ganz Mensch wurde und wie jedes andere Kind wachsen, \u00e4lter werden und reifen musste. Er will sagen: Das Menschsein Jesu hat nicht nur \u201epro forma\u201d stattgefunden. Im Gegenteil: Er hat sich all seiner G\u00f6ttlichkeit \u201eent\u00e4u\u00dfert\u201d, er und wurde ein Mensch \u2013 mit allen N\u00f6ten und Schwierigkeiten. Er hat sich seine Eltern nicht aussuchen k\u00f6nnen. Auch darin war er uns gleich. Seine Eltern kann der Mensch sich nicht aussuchen. Hier liegt einer der Schwerpunkte f\u00fcr die Lebenskrisen junger Menschen und leider auch mancher Christen. Sie meinen, \u2013 Gott selbst \u2013 habe ihnen nicht die richtigen Eltern zu geteilt. Sie seien in irgendeiner Hinsicht bei ihren Eltern zu kurz gekommen.<\/p>\n<p><strong>1. Sie gehen nach Zion zur Osterzeit; Auch Jesus geht mit, ist der Weg auch weit.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wunderbares Wort steht am Anfang des heutigen Textes: \u201eUnd seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem auf das Osterfest.\u201c Dies beinhaltet eine F\u00fclle von Treue. Nur dem Mann war es damals geboten, dass er zu solchen Festen nach Jerusalem ging, wo man zusammenkommen musste. In der Gemeinschaft st\u00e4rkt sich die Erfahrung und aus der Erfahrung st\u00e4rkt sich die Gemeinschaft. \u2013 Und Maria begleitete ihren Ehemann Joseph.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gingen beide zusammen hinauf und erw\u00e4hlten unter den drei vorgeschriebenen Festen das Osterfest. Hier gedachten sie der gro\u00dfe Gottestreue, dass Gott durch das Blut des Lammes das arme Volk vor dem W\u00fcrgengel bewahrt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist f\u00fcr die Eltern ein Gang \u201enach Gewohnheit des Festes\u201c, f\u00fcr das Kind eine \u201eErf\u00fcllung des Gesetzes.\u201c Jesus soll als ein \u201eSohn des Gesetzes\u201c, dem erlaubt war im zw\u00f6lften Jahre zum Tempel zu kommen, dargestellt werden. (Bar-Mizwa ab Mittelalter)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eltern sind nach der Bibel immer Vater und Mutter, Ehe und Familie sind eine Stiftung Gottes und nur sie sind unter dem besonderen Segen und Schutz Gottes. Da kann die Regierung und die Ev. Kirche noch so sehr Ehe f\u00fcr alle legitimieren und propagieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diesem Wege nach Jerusalem wurden sich die beiden bewusst, wen sie zw\u00f6lf Jahre unter sich beherbergt und nicht gekannt hatten. Er kam in Sein Eigentum, und selbst die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die Erinnerung an die Krippe war zu schmachvoll, der Gedanke an die Flucht zu peinvoll und all die Verfolgungen wegen dieses Kindes zu schreckensvoll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus war schon seit Jahren auf diese Reise gedanklich vorbereitet. Gewiss hatte Maria von Hanna und Samuel im Tempel, von Abrahams Opfer auf Moriah, von David in der Burg Zion erz\u00e4hlt, von Passah, Vers\u00f6hnungstag, &#8230;, das Kind kannte die St\u00e4tten. Er hatte sich l\u00e4ngst in sie versenkt, als ob er schon dort gewesen w\u00e4re. Und es war die Vorfreude darauf, dass er \u201ein dem sei, was seines Vaters ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann zog es ihn zum Tempel hin, alles andere in der Stadt war doch nicht sein Ziel\u00a0 \u201eDer Vogel hat sein Haus gefunden und die Schwalbe ihr Nest, deine Alt\u00e4re, Herr Zebaoth\u201c, so stand es im Herzen Jesu. Nicht das goldene Dach, nicht die Hallen, nicht das \u00c4u\u00dfere am Tempel, sondern was in ihm war, alle die R\u00e4tsel, die er in sich schloss, zogen ihn an. Die Eltern hatten ihn hinaufgebracht, f\u00fcr die Eltern war der Tempel ein gro\u00dfes Heiligtum, das sie mit Scheu betraten; f\u00fcr ihn eine Heimat, in der er sich zu Hause wusste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach drei Tagen finden ihn die Eltern unter den Lehrern, nicht stehend und sitzend, sondern zu ihren F\u00fc\u00dfen, zuh\u00f6rend, fragend und Antwort gebend, ein wunderbares Kind und doch kein fr\u00fchreifes Wunderkind. Die Lehrer \u201everwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort.\u201c (Urtext: sie waren au\u00dfer sich) Am Fragen und Antworten l\u00e4sst sich der Verstand eines Menschen erkennen, wie auch sein Unverstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der alte Valerius Herberger (1562-1627) denkt sich allerlei Fragen, die das Kind gestellt haben k\u00f6nnte, und die den Lehrern den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wohl hei\u00df gemacht haben werden. \u201eWas bedeuten die L\u00e4mmer, die am Passahmahl geschlachtet werden? Was der goldene Leuchter im Tempel und der Schaubrottisch? Was bedeutet der Vorhang vor dem Allerheiligsten? Warum geht nur der Hohepriester hinein? Warum nur einmal? Warum besprengt er sich mit dem Blute und danach den Gnadenstuhl? Warum wird der eine Bock geschlachtet und warum geht der andere frei aus? Was meint Jesaja mit dem Knecht Jehovahs, der sein Leben zum Schuldopfer gibt?\u201c \u2013 Jesus lernt von diesen Schriftgelehrten, was es lernen kann. Jesus sieht, wie oberfl\u00e4chlich ihre Antworten sind, wie wenig sie das treffen, was der Schrift eigentlicher Sinn ist. Dort zog das gro\u00dfes Passahopfer durch seine Seele, Opfergedanken, Opferernst und Opfertreue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schriftgelehrten mussten einen Eindruck empfangen haben, dass hier vor ihnen ein Kind steht, das so von g\u00f6ttlichen Dingen spricht, als wenn es sich dabei auf heimatlichen Boden bef\u00e4nde. Jesus war hier \u201ein dem, was seines Vaters ist.\u201c Aber sie mussten dazu helfen, dass ihm das Bewusstsein seiner Herkunft und seiner ewigen Bestimmung immer klarer wurde. Denn im letzten Grunde fragte doch Jesus hier nach sich selbst.<\/p>\n<p><strong>2. Sie verlieren Jesus, sie kehren um, Doch Sie finden ihn wieder im Heiligtum.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vater f\u00fchrt ihn selbst in\u2019s Allerheiligste, in seine unmittelbare N\u00e4he. Hat Simeon einst in diesem Tempel Jesus auf den Armen gehalten, jetzt nimmt ihn der Vater an\u2019s Herz und gibt ihm innerlich das Zeugnis, wie sp\u00e4ter bei der Taufe: \u201eDu bist mein lieber Sohn.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diese innere Gewissheit spricht nun das Kind in dem Augenblicke aus, als seine Eltern best\u00fcrzt und entsetzt ihn im Tempel unter den Lehrern finden und mit dem zarten Vorwurf der Liebe begr\u00fc\u00dfen: \u201eMein Sohn, warum hast du uns das getan? Dein Vater und deine Mutter haben dich mit Schmerzen gesucht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat Maria denn alles vergessen, was der Engel ihr gesagt hatte? In heiliger Ruhe, antwortet Jesus: \u201eWas ist\u2019s, dass ihr mich gesucht habt? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem (Bereich), was meines Vaters ist?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther \u00fcbersetzt diese Stelle so: \u201eWisst ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss!\u201d (Lk. 2,49) \u201eSein\u201c bedeutet in der hebr\u00e4ischen Sprache viel mehr als das W\u00f6rtchen im Deutschen meint. Das Wort f\u00fcr \u201esein\u201c hat im Hebr\u00e4ischen zugleich die Bedeutung von \u201ewirken\u201c und \u201eleben\u201c. \u201eHier geh\u00f6re ich hin f\u00fcr den Rest meines Lebens!\u201c Hier im Haus meines Vaters muss ich wirken und leben! Das m\u00fcsstet Ihr doch wissen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus gibt Zeugnis von dem, was innerlich in diesen drei Tagen in ihm gereift war. Die Eltern glaubten, das Kind sei ihnen vorausgeeilt \u2013 und es war so. Es war ihnen vorausgeeilt nicht nach der irdischen, sondern nach der himmlischen Heimat, und sie haben seine Spur verloren, \u201edenn sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.\u201c In dem Augenblick, wo der heilige Knabe die Hand seines himmlischen Vaters ergreift, l\u00e4sst er die Hand der irdischen Eltern los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer den Weg vom Himmel auf die Erde gefunden hat, der wird sich auch in Jerusalem zurechtfinden. Uns erscheint es aber als g\u00f6ttliche F\u00fcgung, dass alles so kommen musste: Dies Loslassen der Eltern, damit das Kind Jesus allein auf sich und seinen Gott gestellt, dies Meinen der Eltern, er sei unter den Gef\u00e4hrten, dies Verlieren und Suchen, damit sie dies Kind in seinem wahren Wesen wiederfinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, Maria und Joseph waren nahe daran, dies Kind als ihr Eigentum anzuschauen. Aber mit dem \u201eWusstet ihr nicht\u201c r\u00fcckt ihnen Jesus die Vergangenheit, ihr ganzes Erleben mit ihm, vor die Seele. Er selbst ist noch mehr erstaunt \u00fcber die Eltern, als sie \u00fcber ihn; ihm ist selbstverst\u00e4ndlich, was ihnen unfassbar ist. Darum antwortet Jesus auf ihre Frage: \u201eDein Vater und deine Mutter haben dich gesucht; mein Sohn, warum hast du uns das getan?\u201c \u201eIch musste sein in dem, was meines Vaters ist\u201c, das ist der Unterschied. Zwischen ihm und seinem Gott besteht ein unmittelbares Verh\u00e4ltnis des Gehorsams, ein \u201eMuss\u201c ert\u00f6nt. Er sagt nicht: \u201eIch muss sein in dem, was \u201aunseres Vaters\u2018 ist, sondern, was meines Vaters ist\u201c \u2013 die Eltern stehen im Vorhof, er im Heiligtum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt steht der \u201eSohn des Gesetzes\u201c vor ihnen als der Sohn Gottes, da zu Hause, wo sie nur G\u00e4ste sind. Darum war diese Stunde vom Vater also geleitet, sowohl f\u00fcr Jesus, als f\u00fcr seine Eltern, und Maria bekam den ersten Schwertstich, von dem Simeon ihr vorhergesagt hatte. Die drei Tage des Verlierens und Wiederfindens waren f\u00fcr Maria die Weissagung auf die kommenden drei anderen Tage, wo sie ihn mit Schmerzen am Kreuz verlieren, im Grab suchen und am Ostertag finden w\u00fcrde. Deswegen sagt der bayerische Kirchenvater Hermann Bezzel: \u201eDie Ehe und Familie sind die Hochschule des Kreuzes.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatten Jesus verloren und die Frage wird an uns gestellt, wie k\u00f6nnen wir Jesus verlieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Man verliert\u2018s geschwind,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 An den Ecken, an den Gassen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wo man\u2019s au\u00dfer Acht gelassen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wo man sorglos ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Um den heil&#8217;gen Christ.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann Jesus verlieren auch im Tempel unter allerhand Andachten, wie Joseph und Maria bei ihrer Wallfahrt. Erst merkt man\u2019s nicht, weil man noch vom alten Vorrat zehrt. Man tr\u00f6stet sich, dass er \u201eunter den Freunden\u201c sei, in der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen, zu der man sich ja h\u00e4lt; bis man vergeblich ihn da und dort gesucht hat und dann merkt, wie er weg ist. Da ist dann alles nur noch Routine, man geht in den Gottesdienst, weil mans halt so macht, da h\u00f6rt man Jesu reden nicht mehr, man ist zwar anwesend, aber die Gedanken sind bei der Arbeit oder sonst wo. Man hat keine Zeit mehr f\u00fcr das Bibellesen und das Gebet und man merkt gar nicht, dass man Jesus verloren hat. Man hat sich alles so bequem in der Welt eingerichtet und ist in der Welt aufgegangen, von Jesus weitersagen, ach das bringt evt. b\u00f6se Blicke, und man merkt gar nicht, wie man Jesus verloren hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch einmal wenden wir uns zu dem gro\u00dfen Wort: \u201eIch muss sein in dem, was meines Vaters ist.\u201c \u201eIch muss\u201c, dies ist eine innere Notwendigkeit.\u00a0 \u201eSein in dem, was meines Vaters ist\u201c \u2013 wohl war er immer in dem, was seines Vaters ist, jetzt ist die Stunde gekommen, da er mit Bewusstsein sein Lebenselement erkennt. Da ist nicht allein der Tempel gemeint; der Herr sagt nicht: \u201eich muss sein in meines Vaters Haus\u201c \u2013 sondern: \u201ein dem, was meines Vaters ist.\u201c Ihm ist der Tempel nur Abbild der wahren Behausung Gottes, g\u00f6ttliche Taten und Verhei\u00dfungen sind es, die seine Speise sein werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Muss aus Jesu Mund geht fortan durch sein ganzes Leben. Wir h\u00f6ren das \u201eMuss\u201c der Taufe: \u201eEs geb\u00fchrt mir alle Gerechtigkeit zu erf\u00fcllen\u201c; das Muss seines prophetischen Amtes: \u201eIch muss wirken die Werke Des, der mich gesandt hat\u201c; das \u201eMuss\u201c der Passion: \u201eIch muss mich taufen lassen mit einer Taufe.\u201c \u201eSoll ich den Kelch nicht trinken?\u201c \u201eDes Menschen Sohn muss erh\u00f6ht werden.\u201c \u201eMusste nicht Christus solches leiden.\u201c \u201eDes Menschen Sohn muss \u00fcberantwortet werden.\u201c \u201eDes Menschen Sohn muss viel leiden\u201c \u2013 \u201ees muss also gehen\u201c \u2013 da ist nirgends ein Eigenwollen, nirgends ein bitteres Muss und Verh\u00e4ngnis, sondern ein heiliger Wille des Vaters, den zu tun Jesu Speise ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Sie treten den Weg nach Hause an, Jesus w\u00e4chst still zum Manne heran.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maria schweigt. Keine Gegenrede auf das Wort ihres Kindes kommt \u00fcber ihre Lippen. Hat sie auch nicht alles verstanden \u2013 sie nimmt das Wort ihres Kindes als ein Samenkorn in\u2019s Herz, es innerlich zu bewegen. Das ist wieder das Gro\u00dfe an dieser unvergleichlichen Mutter, dass sie nun still das Kind losl\u00e4sst aus ihrer Hand, das h\u00f6here Recht \u201eseines\u201c Vaters anerkennt und damit in die gottgewollte Stellung zur\u00fcckkehrt, nicht Eigent\u00fcmerin, sondern Pflegerin und H\u00fcterin des Kindes zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber in Marias Seele (von Joseph schweigt fortan die Schrift) je der Gedanke erwacht w\u00e4re: \u201eNun wird sich mein Sohn, von mir trennen\u201c \u2013 so soll sie gleich erfahren, wie umfassend dies Wort: \u201eIch muss sein in dem, was meines Vaters ist\u201c, gemeint war. \u201eEr ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen untertan.\u201c Er bleibt nicht im Tempel, oder in Jerusalem, sondern geht von der hoch gebauten Stadt in das verachtete Nazareth, von der Weihestunde im Tempel in das Alltagsleben einer Werkstatt. Vielleicht h\u00e4tte mancher der Lehrer, geblendet von der wundersamen Begabung dieses Kindes, den Vorschlag gemacht: \u201eBleibe bei uns, vor dir steht eine gl\u00e4nzende Laufbahn; warum willst du in diesem Nazareth verkommen? solch ein Licht muss auf den Leuchter gestellt werden\u201c \u2013 das alles bewegt ihn nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum ersten Gebot, \u201eGott \u00fcber alle Dinge zu lieben\u201c, hat er sich bekannt und l\u00e4sst die Eltern los; nun bekennt er sich zum vierten: \u201edu sollst deinen Vater und Mutter ehren\u201c, und erfasst ihre Hand. Der himmlische Gehorsam f\u00fchrt ihn zum irdischen Gehorsam; auch wenn er in der Werkstatt seines Pflegevaters arbeiten musste. So ist Jesus bewusst Gehorsam um des Vaters willen. \u201eWie wird ein J\u00fcngling seinen Weg unstr\u00e4flich gehen? wenn er sich h\u00e4lt, Herr, nach deinen Worten.\u201c Herrlicher hat dies Wort keiner erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Theologe Paul Sch\u00fctz schreibt: \u201eDas vierte Gebot ist ein Weltgrundgesetz!&#8230; Im vierten Gebot sch\u00fctzt Gott den letzten Rest vom Paradieseserbe&#8230; den Grundbrunnen, seine Ewigvaterschaft&#8230; Vatersname ist Gottesname&#8230; Vater und Mutter \u2013 Leben und Land, das ist im Gebot zu einem Meisterknoten verdichtet&#8230; Im vierten Gebot verteidigt Gott seine Sch\u00f6pfung!&#8230; <em>Die Weltgeschichte ist ohne die Ewigvaterschaft Gottes eine Geschichte der Selbstvernichtung.<\/em>\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen uns das Ausbildungsergebnis kurz ansehen: Woher hat er die Autorit\u00e4t, mit der er auftritt? Er hat an dem, was er litt, Gehorsam gelernt, hei\u00dft es im Hebr\u00e4erbrief. Woher kommt seine Menschenkenntnis? Aus dem jahrzehntelangen Umgang mit den Leuten seiner Heimatstadt. Es hei\u00dft von ihm: \u201eEr wusste, was im Menschen war, denn er kannte sie alle\u201c (Joh. 2,25). Woher hat er seine Sanftmut, d.h. den Mut, Feinden ohne Zorn oder Hass in gro\u00dfer Klarheit entgegenzutreten und ohne Furcht zu sagen, was gesagt werden muss? Diese Haltung braucht eine st\u00e4ndige Ein\u00fcbung. So wie keiner ein Fu\u00dfballprofi wird, der nicht st\u00e4ndig in der \u00dcbung bleibt, so gewinnt keiner solche Sanftmut, der sie nicht einge\u00fcbt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausgangspunkt ist: \u201eIch muss sein in dem, was meines Vaters ist.\u201c Jemand, der sich als Gottes Kind, an diesen Vater gebunden wei\u00df, hat sich selbst erkannt. Aber wie sollen heutzutage Kinder dies erkennen, wenn ihnen das Beste vorenthalten wird und \u201eReligion\u201c die gro\u00dfe \u201eNebensache\u201c oder nur ein \u201eFach\u201c ist, das m\u00f6glichst beschr\u00e4nkt werden muss! \u201eM\u00f6glichst wenig Religion und m\u00f6glichst viel Bildung; m\u00f6glichst wenig Zucht, und m\u00f6glichst viel Selbstbestimmung \u2013 damit w\u00e4chst ein Geschlecht herauf, das weder vor einer g\u00f6ttlichen noch menschlichen Autorit\u00e4t Halt macht. Nat\u00fcrlich m\u00f6chten die Eltern, dass ihre Kinder in der Welt vorw\u00e4rts kommen. Aber wenn Kinder sehen, dass sich ihre Eltern aus dem ersten Gebot nichts machen und dies: \u201esein zu m\u00fcssen in dem, was ihres rechten Vaters ist,\u201c als Schw\u00e4rmerei oder Borniertheit verlacht wird \u2013 wie sollen sie sich an\u2019s vierte Gebot halten, gehorchen und dienen? Heutzutage will jeder herrschen und keiner dienen, alle befehlen und niemand gehorchen. Jesus ist immer der Diener.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Karriereleiter geht immer nach oben, Gottes Karriereleiter aber immer St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck nach unten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber trotz Nazareth hei\u00dft es doch von dem Jesusknaben: \u201eer nahm zu an Alter und Weisheit, an Gnade bei Gott und den Menschen.\u201c Denn alle Bildung, die das Herz nicht erfasst und nach Gottes Bild bildet, wirft den Menschen auf sich selbst zur\u00fcck, macht ihn stolz, eingebildet und im Grunde perspektivlos und manipulierbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort des Hebr\u00e4erbriefs sagt: \u201eEr hat Gehorsam gelernt.\u201c Der alte Gottesmann Martin Boos (1762 \u2013 1825 Allg\u00e4uer Erweckungsbewegung) hat darum wohl recht, wenn er sagt: \u201eChristus ist nicht blo\u00df in die Welt gekommen, um die Menschen zu lehren; dazu verwendete er nur drei Jahre, \u2013 sondern der Welt auch zu zeigen, wie man leben, handeln, dulden, gehorchen, sich selbst verleugnen, Gott und Menschen lieben solle. Dazu verwendete er drei\u00dfig Jahre.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch ein Geheimnis! Der Sieg geh\u00f6rt dem Gehorsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Evangelist sagt: Er ging hinab, Schritt vor Schritt. Welch ein Gehorsam liegt in diesem Wort! Schritt um Schritt ist er nach Nazareth gegangen, bis sie ihm zum Dank \u00fcber sein Kreuz schrieben: Jesus, der Nazarener. Wenn der Herr Seinem irdischen Vater nicht gehorcht h\u00e4tte, so w\u00e4re er heimgekehrt und der Vater h\u00e4tte Ihn nimmer gekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleibe auf dem Wege des Gehorsams! Das ist der Segensweg!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schlie\u00dfe. Das \u201eIch muss\u201c wandelt sich in ein heiliges \u201eIch will alle Tage sein in dem, was meines Vaters ist;\u201c und wandeln wird es sich einst in der Vollendung in den Lobgesang: \u201eHalleluja! Ich darf ewiglich sein in dem, was meines Vaters ist! Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker, St. Markus-Gemeinde Bremen, 5.1.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, eines der Geheimnisse der Schrift bleibt die drei\u00dfigj\u00e4hrige Stille, in welcher Jesus in Nazareth wohnt. In einer Biographie sind ja gerade die Jugendjahre von besonderem Interesse. Aber bei dem Herrn bleibt uns dies fast ganz verschlossen. 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