{"id":20698,"date":"2024-01-24T09:33:07","date_gmt":"2024-01-24T08:33:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20698"},"modified":"2024-01-24T09:34:04","modified_gmt":"2024-01-24T08:34:04","slug":"transition-und-luthertum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20698","title":{"rendered":"Transition und Luthertum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages am 11. Juni 2023 hatte der evangelische Pfarrer Quinton Ceasar aus Wiesmoor behauptet, Gott sei queer, denn Gott sprenge ja selber die Zweigeschlechtlichkeit an vielen Stellen der Bibel. Was das konkret bedeutet, kann man in einer Handreichung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau zum Thema Transsexualit\u00e4t<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> nachlesen. Insbesondere die kurzen Lebensbilder verdeutlichen anschaulich, wie tiefgreifend die Genderideologie das kirchliche Leben bereits ver\u00e4ndert hat.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kommt z.B. der nordhessische Theologiestudent Mattheus zu Wort, der durch die Begegnung mit einem \u201eTrans*Mann\u201c zu der Erkenntnis kam: \u201eIch muss keine Frau sein, nur weil ich einen als ,weiblich\u2018 kategorisierten K\u00f6rper habe. Und mit dieser Freiheit im Denken wurde mir fast im selben Moment klar, dass ich keine Frau bin.\u201c Mattheus, offenbar als Frau geboren, identifiziert sich heute als Mann. Der Beitrag schlie\u00dft mit folgendem Wunsch: \u201eIch w\u00fcnsche mir, dass LSBTTIQ sich nicht vor Taufe, Konfirmation oder Trauung f\u00fcrchten m\u00fcssen, sondern dass z.B. die Taufe eines intersexuellen Kindes, die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares und vielleicht sogar die Transition eines Trans*menschen in der Kirche <em>gefeiert <\/em>werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der norddeutsche Pfarrer Simon berichtet von seiner Transition von Frau zu Mann. Seine Kirchenleitung haben seinen Weg \u201esehr unterst\u00fctzt\u201c. Auf die Frage, was die Kirche zum Thema geschlechtliche Vielfalt tun solle, meint er: \u201eToll w\u00e4re es, wenn die Landeskirchen bereit w\u00e4ren, daf\u00fcr zu werben, dass Menschen jenseits des Geschlechterdualismus und der Heteronormativit\u00e4t einfach als selbstverst\u00e4ndlicher Teil der bunten christlichen Gemeinschaft gesehen werden, wobei das ja oft schon geschieht. Und ich w\u00fcrde mir ein kleines bisschen mehr ,Luthertum\u2018, also Mut bei manch einem nicht-kirchenleitenden, aber theologisch gebildeten Menschen w\u00fcnschen: Go for it, wenn Du geistlich ahnst und theologisch begr\u00fcnden kannst, dass es eine gute Sache ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr Luthertum?! Diesem Wunsch wollen wir gerne entsprechen. Angeregt durch den empfehlenswerten Beitrag von Pfr. Matthias K\u00f6hler bei der GHB-Tagung \u201eGlaubensbekenntnisse \u2013 k\u00f6nnen die weg oder brauchen wir die noch?\u201c am 28. Oktober in Verden\/Aller, weisen wir auf einige interessente Passagen in der Apologie des Augsburger Bekenntnisses hin.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Es lohnt sich, die Transgender-Frage einmal im Spiegel der Bekenntnisschriften zu betrachten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 23. Artikel der Apologie des Augsburger Bekenntnisses<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> wendet sich Philipp Melanchthon gegen das Festhalten der R\u00f6misch-Katholischen Kirche am Priesterz\u00f6libat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erstlich ist geschrieben Gen. 1, da\u00df Mann und Weib also geschaffen von Gott sind, da\u00df sie sollen fruchtbar sein, Kinder zeugen usw., das Weibe geneigt sein zum Mann, der Mann wieder zum Weibe <strong>[et sexus recta ratione sexum appetat]<\/strong>. Und wir reden hier nicht von der unordentlichen Brunst, die nach Adams Fall gefolgt ist, sondern von nat\u00fcrlicher Neigung zwischen Mann und Weib, welche auch gewesen w\u00e4re in der Natur, wenn sie rein geblieben w\u00e4re. <strong>Und das ist Gottes Gesch\u00f6pf und Ordnung,<\/strong> <strong>da\u00df der Mann zum Weibe geneigt sei, das Weib zum Mann [Et haec \u03c3\u03c4\u03bf\u03c1\u03b3\u03ae est vere ordinatio divina sexus ad sexum]<\/strong>. So nun die g\u00f6ttliche Ordnung und die angeschaffene Art niemand \u00e4ndern mag noch soll denn Gott selbst, so folgt, da\u00df der Ehestand durch kein menschlich Statut oder Gel\u00fcbde mag abgetan werden. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zum andern, dieweil das g\u00f6ttliche Gesch\u00f6pf und Gottes Ordnung nat\u00fcrlich Recht und Gesetz ist, so haben die Juriskonsulti recht gesagt, da\u00df den Mannes und Weibes Beieinandersein und Zusammengeh\u00f6ren ist nat\u00fcrlich Recht. So aber das nat\u00fcrliche Recht niemand ver\u00e4ndern kann, so mu\u00df je einem jeden die Ehe frei sein. Denn wo Gott die Natur nicht ver\u00e4ndert, da mu\u00df auch die Art bleiben, die Gott der Natur eingepflanzt hat, und sie kann mit Menschengesetz nicht ver\u00e4ndert werden. Derhalben ist es ganz kindisch, da\u00df die Widersacher sagen, im Anfang, da der Mensch geschaffen, sei die Ehe geboten, nun aber nicht. <strong>Denn es ist gleich, als wenn sie spr\u00e4chen: Fr\u00fcher zu Adams und der Patriarchen Zeiten, wenn ein Mann geboren ward, hatte er Mannesart an sich, wenn ein Weib geboren ward, hatte sie Weibesart an sich, jetzund aber ist&#8217;s anders<\/strong> <strong>[Hoc per inde est, ac si dicerent: Olim nascentes homines secum attulerunt sexum, nunc non afferunt]<\/strong>; vorzeiten brachte ein Kind aus Mutterleib nat\u00fcrliche Art mit sich, nun aber nicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>So bleiben wir nun billig bei dem Spruch, wie die Juriskonsulti weislich und recht gesagt haben, da\u00df Mann und Weibe beieinander sind, ist nat\u00fcrlich Recht. Ist&#8217;s nun nat\u00fcrlich Recht, so ist es Gottes Ordnung, also in die Natur gepflanzt, und ist also auch g\u00f6ttlich Recht. Dieweil aber das g\u00f6ttliche und nat\u00fcrliche Recht niemand zu \u00e4ndern hat denn Gott allein, so mu\u00df der Ehestand jedermann frei sein. Denn die nat\u00fcrliche angeborne Neigung des Weibes gegen den Mann, des Mannes gegen das Weib ist Gottes Gesch\u00f6pf und Ordnung . Darum ist&#8217;s recht, und hat&#8217;s kein Engel noch Mensch zu \u00e4ndern.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMehr Luthertum\u201c kann doch in diesem Zusammenhang nur bedeuten, im Sinne der Bekenntnisschriften zu erkennen und zu bekennen, dass es eine von Gott der Natur eingestiftete \u201erechte Ordnung\u201c und \u201enat\u00fcrliche Neigung\u201c gibt, nach welcher Gott selbst das eine Geschlecht auf das andere zuordnet, den Mann zur Frau, die Frau zum Mann. Diese nat\u00fcrliche Ordnung kann kein Mensch aufheben oder ver\u00e4ndern, weder durch Gesetze noch durch eigenm\u00e4chtige Entscheidung oder medizinische Eingriffe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Reformatoren war die Vorstellung, der Mensch k\u00f6nne sein Geschlecht wechseln, absurd, weil es von Gott in die Natur des Menschen unab\u00e4nderlich \u201eeingestiftet\u201c ist. Genau das best\u00e4tigt jede Gen-Analyse bei einem Transsexuellen: Auch wenn nach einer Transition alle \u00e4u\u00dferen Merkmale auf eine Frau hindeuten, so offenbart die Gen-Analyse doch den Mann. Die lutherischen Bekenntnisschriften sind an dieser Stelle nicht nur biblisch, sondern auch im naturwissenschaftlichen Sinn korrekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute wird diese g\u00f6ttliche Ordnung verdreht, wenn Menschen meinen, ein Mann k\u00f6nne in eine Frau und eine Frau in einen Mann verwandelt werden. Grausam und b\u00f6se ist es, wenn evangelische Kirchen diese Perversion der g\u00f6ttlichen Ordnung nicht als L\u00fcge enttarnen und die betroffenen Menschen nicht vor den schrecklichen Folgen einer Transition warnen: die Verst\u00fcmmelung des K\u00f6rpers, die Zerst\u00f6rung gesunder Geschlechtsorgane, lebenslange Unfruchtbarkeit, Medikamentenabh\u00e4ngigkeit, eine reduzierte Lebenserwartung, eine erh\u00f6hte Suizidrate und weiteres mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche darf an der Zerst\u00f6rung der g\u00f6ttlichen Geschlechterordnung nicht mitwirken. Es ist ihre Pflicht, diese, wo m\u00f6glich, im Sinne Gottes und mit geistlichen Mitteln wiederherzustellen. Wenn ein Mensch meint, im falschen K\u00f6rper gefangen zu sein (Geschlechtsdysphorie), darf die Kirche nicht dazu beitragen, diesen von Gott geschenkten und anvertrauten K\u00f6rper zu zerst\u00f6ren. Stattdessen muss sie den Betroffenen helfen, Wege zu finden, das \u201egef\u00fchlte Geschlecht\u201c durch Seelsorge und Therapie an das von Gott erschaffene, biologische Geschlecht anzugleichen. Das Denken, Wollen und F\u00fchlen des transsexuell empfindenden Menschen sollen mit der von Gott weise erschaffenen Geschlechterordnung in Einklang gebracht werden. In anderen Worten: Ein warnendes \u201eNein!\u201c zu geschlechtsangleichenden Operationen und ein seelsorgerlich-einladendes \u201eJa!\u201c zur inneren Vers\u00f6hnung mit dem gottgegebenen Geschlecht. Die Kirche hat den Auftrag, den betroffenen Menschen diese M\u00f6glichkeit aufzuzeigen, ihnen Mut zu machen, einen seelsorgerlich-therapeutischen Weg einzuschlagen und sie auf diesem Weg intensiv zu begleiten. Das mag ein schwerer Weg sein, aber bei Gott ist kein Ding unm\u00f6glich (Lk 1,37). Das hie\u00dfe heute \u201eMehr Luthertum\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse<\/em><\/p>\n<p><em>Zuerst erschienen in: Aufbruch \u2013 Informationen des Gemeindehilfsbundes 3\/2023 (Dezember)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/aufbruch_3_2023.pdf\"><em><u>Sie k\u00f6nnen die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.<\/u><\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Wenn Sie den Aufbruch (kostenlos) abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: <\/em><a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><em><strong>[1]<\/strong><\/em><\/a><em> \u201eZum Bilde Gottes geschaffen \u2013 Transsexualit\u00e4t in der Kirche\u201c, 2018<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Der Vortrag <a href=\"https:\/\/youtu.be\/PjxY8lbin6s?si=-l2eD0SFGr4z1OlB\">\u201eGlaubensbekenntnisse \u2013 warum wir sie brauchten und brauchen\u201c<\/a> von Pfr. Matthias K\u00f6hler (N\u00fcmbrecht) kann auf dem Youtube-Kanal Gemeindehilfsbund TV unter \u201ePredigten und Vortr\u00e4ge\u201c nachgeh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0Die deutschen und lateinischen Zitate stammen aus: Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen 1986, S. 334ff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages am 11. Juni 2023 hatte der evangelische Pfarrer Quinton Ceasar aus Wiesmoor behauptet, Gott sei queer, denn Gott sprenge ja selber die Zweigeschlechtlichkeit an vielen Stellen der Bibel. Was das konkret bedeutet, kann man in einer Handreichung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau zum Thema Transsexualit\u00e4t[1] nachlesen. 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