{"id":20686,"date":"2024-01-18T16:10:11","date_gmt":"2024-01-18T15:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20686"},"modified":"2024-01-18T16:17:44","modified_gmt":"2024-01-18T15:17:44","slug":"erinnerungen-eines-reporters-an-uwe-holmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20686","title":{"rendered":"Erinnerungen eines Reporters an Uwe Holmer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Uwe Holmer war Mecklenburger. Geboren wurde er am 6. Februar 1929 in Wismar. Im Interview mit NDR 1 \u2013 Radio M-V erinnerte er sich an den ersten Abend mit den Honeckers in seinem Haus im Januar 1990: &#8222;Ich habe ihm Asyl gegeben und keine Abrechnung mit ihm machen wollen. Dann haben wir uns an den Tisch gesetzt und ich habe zu Herrn Honecker gesagt, bei uns wird zu Tisch gebetet. Ja, sagte er, er kenne das von fr\u00fcher.&#8220; Am n\u00e4chsten Tag meldete sich die Bildzeitung bei Holmer, will wissen, ob Honecker mitgebetet h\u00e4tte. Er sagte \u201eIch pflege meine G\u00e4ste beim Beten nicht zu beobachten.&#8220; Doch die Bild-Zeitung zog ihre eigenen Schl\u00fcsse: &#8222;Die haben dann doch geschrieben: Honecker hat Amen gesagt. Hat er aber nicht.&#8220;<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Uwe Holmer, der damals schon rund sechs Jahre lang die Hoffnungstaler Anstalten Lobetal bei Bernau leitete, war die Entscheidung, die Honeckers aufzunehmen, ein Akt der Vergebung: &#8222;Wir haben als Christen nicht denen zu vergeben, die uns liebgehabt haben, sondern denen zu vergeben, die uns schief angesehen und auch gesch\u00e4digt und auch verfolgt haben&#8220;, so der Theologe. &#8222;Und hier wollten wir auch damit ein Zeichen setzen, dass Christen meinen,\u00a0 wir m\u00fcssen einmal das Trennende und das Schuldhafte beiseite tun und aufeinander zugehen und vergeben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seinem Theologiestudium arbeitete Uwe Holmer in den 50er und 60er-Jahren als Pastor in Leussow bei Ludwigslust, eine Arbeit, die ihm sehr am Herzen lag, wie er im Interview berichtete: &#8222;Das Sch\u00f6ne am Leben eines Pastors ist, dass er viel mit Menschen zu tun hat. Mit fr\u00f6hlichen Menschen, wenn Kinder geboren werden und junge Leute heiraten. Und auch mit traurigen Menschen, mit leidenden Menschen, mit kranken Menschen, wo Menschen gestorben sind. Und wenn man die Menschen lieb hat, dann bringt das einen ganz dicht zusammen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die christlichen Kirchen wurden in der DDR massiv bei ihrer Arbeit behindert. Um beispielsweise Konfirmanden von au\u00dferhalb bei R\u00fcstzeiten zu betreuen, griff Pastor Uwe Holmer durchaus auch zu ungew\u00f6hnlichen Mitteln und umging dabei die obligatorische Anmeldung beim B\u00fcrgermeister. Machte dieser, wie damals \u00fcblich, am Sonnabend um 12 Uhr Feierabend, reichte Holmer die Anmeldung erst um 14 Uhr ein &#8211; und hatte so den Sonnabend und den Sonntag Zeit. Gern gesehen wurde dieses Vorgehen jedoch nicht: &#8222;Prompt am Montag war der B\u00fcrgermeister da, gleich mit Verst\u00e4rkung vom Rat des Kreises&#8220;, so Holmer. Seine Herangehensweise \u00e4nderte das jedoch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uwe Holmer, der mit seiner bereits 1995 verstorbenen Ehefrau Sigrid zehn Kinder hatte, kehrte im Ruhestand nach Mecklenburg zur\u00fcck und arbeitete in der Rehaklinik f\u00fcr Suchtkranke in Serrahn bei Krakow am See. Obwohl keines ihrer Kinder in der DDR auf die Oberschule durfte, nahmen Sigrid und Uwe Holmer 1990 das Ehepaar Honecker f\u00fcr rund zehn Wochen bei sich auf: &#8222;Wir haben doch immer irgendwie innerlich gelitten unter der Teilung unseres Landes, der Trennung der Familien und der Nicht-Freiheit, der Unfreiheit in unserem Lande, so dass ich aus Freude heraus die Strapazen, die Ungewohntheiten und auch die M\u00fche der Umstellung auf mich genommen habe, immer in der Freude: Wir d\u00fcrfen jetzt wieder ein Volk sein und ein Land sein. Und da sind unsere W\u00fcnsche sehr erf\u00fcllt. Und ich habe auch den Honeckers gegen\u00fcber diese Freude durchklingen lassen. Ich bin froh, dass wir wieder ein Volk sind.&#8220; Mehr als drei Jahrzehnte konnte der Theologe die Deutsche Einheit erleben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Uwe Holmer mit seiner zweiten Ehefrau Christine in Serrahn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Axel Seitz<br \/>\nNDR 1, Radio Mecklenburg-Vorpommern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: NDR Kultur 23.9.2023<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uwe Holmer war Mecklenburger. Geboren wurde er am 6. Februar 1929 in Wismar. Im Interview mit NDR 1 \u2013 Radio M-V erinnerte er sich an den ersten Abend mit den Honeckers in seinem Haus im Januar 1990: &#8222;Ich habe ihm Asyl gegeben und keine Abrechnung mit ihm machen wollen. 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