{"id":20589,"date":"2023-12-13T08:49:27","date_gmt":"2023-12-13T07:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20589"},"modified":"2023-12-13T11:27:26","modified_gmt":"2023-12-13T10:27:26","slug":"wie-tot-ist-hirntod-eine-medizinisch-theologische-bewertung-der-hirntodkonzeption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20589","title":{"rendered":"Wie tot ist Hirntod? Eine medizinisch-theologische Bewertung der Hirntodkonzeption"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Von der ersten Stunde an wurde von medizinischer, theologischer und philosophischer Seite aus massive Kritik an der Hirntodkonzeption ge\u00fcbt. Allen voran war es der Philosoph Hans Jonas, der die Ungereimtheiten des Hirntods benannte. Vor wenigen Jahren geriet das Thema Hirntod und Organspende erneut in die \u00f6ffentliche Diskussion, weil der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn eine doppelte Widerspruchsl\u00f6sung einf\u00fchren wollte \u2013 was ihm jedoch nicht gelang. Die Frage nach der Grenze von Leben und Tod ist seit den M\u00f6glichkeiten moderner Intensivmedizin komplexer und herausfordernder geworden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis in die 1960er Jahre hinein galt jemand mit den sogenannten sicheren Todeszeichen als tot: dem Auftreten von Totenflecken, -starre und Leichenf\u00e4ulnis. Durch das Aufkommen der modernen Intensivmedizin er\u00f6ffneten sich auch M\u00f6glichkeiten zur Organspende. Hierf\u00fcr sind jedoch Organe aus Leichen ungeeignet. Die Organe m\u00fcssen frisch sein und d\u00fcrfen nur f\u00fcr wenige Minuten vom Blut-Kreislauf abgetrennt sein. <strong>Es braucht also Menschen, die so tot wie n\u00f6tig, aber so lebendig wie m\u00f6glich sind! Die Idee des Hirntods wurde durch die Ad-Hoc-Kommission der Harvard Universit\u00e4t 1968 geboren.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was bedeutet Hirntod?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch eine schwere Sch\u00e4digung des Gehirns, h\u00e4ufig infolge eines schweren Sch\u00e4del-Hirn-Traumas mit Hirnblutung, kann es zu einem unumkehrbaren (irreversiblen) Ausfall aller Hirnfunktionen kommen. Durch die intensivmedizinischen Ma\u00dfnahmen wird der ausgefallene Atemantrieb mittels Beatmungsmaschine ersetzt. Das Herz schl\u00e4gt eigenst\u00e4ndig weiter und Nahrung wird per Sonde zugef\u00fchrt. Blutdruckschwankungen und Elektrolytst\u00f6rungen werden durch Infusionen ausgeglichen. In diesem Zustand ist der Patient meist f\u00fcr wenige Tage bis wenige Wochen \u00fcberlebensf\u00e4hig, bevor er an der Beatmungsmaschine verstirbt.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a>Liegt ein unumkehrbarer Hirnfunktionsausfall vor, dann ist davon auszugehen, dass dieser Patient keinerlei Wahrnehmung der Au\u00dfenwelt mehr hat. Ohne Hirnfunktion kann er weder sehen noch h\u00f6ren, weder verbal noch nonverbal kommunizieren, weder reflektieren noch irgendeine Form von Gedanken fassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was geschieht mit einem Hirntoten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Tatsache, dass ein Hirntoter nie wieder mit der Au\u00dfenwelt interagieren und keine Sinneseindr\u00fccke verarbeiten kann, leiten viele Vertreter des Hirntodkonzepts nun eine weitreichende Schlussfolgerung ab: Sie behaupten, dass eine Person mit unwiderruflich ausgefallener Hirnfunktion bereits gestorben ist \u2013 obwohl das Herz noch schl\u00e4gt und einige weitere Funktionen des K\u00f6rpers noch mittels intensivmedizinischer Ma\u00dfnahmen funktionieren. Eine entsprechende Todesbescheinigung wird nach erfolgter Hirntoddiagnostik von zwei Fach\u00e4rzten ausgestellt,<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> w\u00e4hrend der Patient mit schlagendem Herzen auf der Intensivstation liegt. Hat der Patient zuvor bekundet, dass er seine Organe spenden wolle, erfolgt die Organentnahme, indem im Operationssaal ein Schnitt von der Kehle bis zum Schambeinknochen durchgef\u00fchrt wird. Die Organe werden mit Eiswasser gesp\u00fclt, entnommen und gek\u00fchlt zu den einzelnen Empf\u00e4ngern gebracht. Infolge der Organspende h\u00f6rt das Herz auf zu schlagen, der Patient stirbt endg\u00fcltig und der Leichnam wird zur Beerdigung freigegeben.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Wenn sich der Patient (oder die Angeh\u00f6rigen entsprechend des mutma\u00dflichen Patientenwillens) gegen eine Organspende ausgesprochen hat, wird die Beatmungsmaschine auf der Intensivstation abgestellt. Infolgedessen kommt es zu einem Herzkreislaufstillstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist ein Hirntoter tot? Argumente der Hirntodvertreter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland werden zwei Argumente benannt, warum ein Hirntoter bereits tot ist. Zum einen die bereits angef\u00fchrte Tatsache, dass ein Hirntoter weder Reize der Umwelt wahrnehmen noch mit der Au\u00dfenwelt interagieren kann. Ein Patient mit unumkehrbarem Ausfall aller Hirnleistungen verf\u00fcgt also \u00fcber keinerlei Bewusstsein. Zum anderen wird eingebracht, dass die unterschiedlichen biologischen Funktionen (wie etwa der Herzschlag, das Immunsystem, die Verdauung) zu einer Einheit zusammengef\u00fchrt beziehungsweise integriert werden m\u00fcssen. Diese Integrationsleistung zur Einheit \u00fcbernimmt das Gehirn. F\u00e4llt das Gehirn aus, so k\u00f6nnen die unterschiedlichen biologischen Funktionsweisen nicht mehr zentral gesteuert werden. Mit anderen Worten: <strong>Um lebendig zu sein, ben\u00f6tigt es einen Dirigenten, der die einzelnen biologischen Subsysteme orchestriert.<\/strong> Wenn der Dirigent nicht mehr dirigiert, das Gehirn also nicht mehr funktioniert, ist das Leben nicht mehr vorhanden. Diese Argumentation setzt die Annahme voraus, dass das Gehirn \u00fcber die ma\u00dfgebliche Integrationsleistung des menschlichen biologischen Lebens verf\u00fcgt. Erst durch diese Integrationsleistung wird der Organismus zu einer Einheit. Wenn diese Integrationsleistung entf\u00e4llt, gibt es keine zentrale Steuerung der unterschiedlichen biologischen Prozesse mehr, auch wenn diese zum Teil fortbestehen. In dem Moment, wo es keine zentrale Steuerung und Integrationsleistung mehr gibt, ist \u2013 so die Hirntodvertreter \u2013 der Tod bereits eingetreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kritik am Hirntodkonzept: Warum ein Hirntoter im Sterben liegt, aber noch nicht tot ist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Bewusstsein, Wahrnehmung und Interaktion mit der Umwelt ma\u00dfgeblich daf\u00fcr sind, was den lebendigen Menschen auszeichnet, wieso sprechen wir dann bei Personen, die im anhaltenden Wachkoma liegen, nicht von toten Menschen? In der tragischen Situation von anencephalen Neugeborenen, die ohne Gro\u00dfhirn zur Welt kommen, ist davon auszugehen, dass diese Babys ebenfalls weder in der Lage sind, Reize der Umwelt wahrzunehmen, geschweige denn auf die Umwelt zu reagieren. Und doch ist es indiskutabel, dass Neugeborene mit einer Anencephalie lebendig sind, auch wenn die Lebenserwartung meist nur wenige Tage bis wenige Wochen betr\u00e4gt. Aufgrund dieser Schw\u00e4che der Hirntodkonzeption hat die aktuelle Diskussion sich vor allem darauf konzentriert, den Tod als Ausfall der zentralen Integrationsleistung des Gehirns zu beschreiben. Dieses Verst\u00e4ndnis vom Tod klingt sehr viel abstrakter, h\u00e4lt jedoch einer genaueren Analyse nicht stand. Wieso muss ein Mensch \u00fcber eine zentrale Integrationsleistung verf\u00fcgen, um lebendig zu sein? Ohne die zentrale Steuerung des Gehirns ist ein Mensch nicht lange \u00fcberlebensf\u00e4hig. Aber aus welchem Grund soll der Ausfall der zentralen Steuerung die Grenze zwischen Leben und Tod sein? Durch die Forschungsarbeit des Neurologen Alan Shewmon ist deutlich geworden, dass eine Vielzahl an biologischen Subsystemen im menschlichen K\u00f6rper nach Eintritt des Hirntods \u2013 zumindest eine Zeit lang \u2013 weiterhin ihre Funktion aufrechterhalten (hier nur in Ausz\u00fcgen):<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li style=\"text-align: left;\">Resorption von Ern\u00e4hrung, Ausscheidung im Magen- Darmtrakt<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Beseitigung, Entgiftung und Recycling von Zellabf\u00e4llen im ganzen K\u00f6rper<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Aufrechterhaltung der Energiebilanz mit Wechselwirkungen zwischen Leber, endokrinen Systemen, Muskeln und Fett<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Unterst\u00fctzung und Aufrechterhaltung der K\u00f6rpertemperatur und des Fl\u00fcssigkeits- und Elektrolythaushalts<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Bek\u00e4mpfung von Infektionen und Fremdk\u00f6rpern durch Interaktionen zwischen Immunsystem, Lymphbahnen, Knochenmark und Mikrokreislauf<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Entwicklung einer fieberhaften Reaktion auf eine Infektion<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">kardiovaskul\u00e4re und hormonelle Stressreaktionen auf Schmerzreize<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong>erfolgreiches Heranwachsen eines F\u00f6tus mit anschlie\u00dfender Entbindung durch Kaiserschnitt<\/strong><\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Wiederbelebbarkeit und Stabilisierbarkeit nach einem Herzstillstand<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">F\u00e4higkeit, sich von Episoden von Hypotonie, Aspiration und Sepsis zu erholen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Forderung, dass diese fortbestehenden biologischen Subsysteme eine Zentrale brauchen, durch die sie ge\u00adsteuert werden, ist willk\u00fcrlich gesetzt. Besonders konkret und anschaulich wird diese Diskussion am Beispiel einer Schwangeren, die einen irreversiblen Hirnfunktionsausfall erleidet. Bei fortgef\u00fchrter intensivmedizinischer Behandlung wird immer wieder von erfolgreichen Schwangerschaften mit Entbindung berichtet. <strong>Wie kann eine bereits Gestorbene ein Kind entbinden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde erschafft die Hirntodkonzeption eine v\u00f6llig neue Definition von dem, was lebendig und was tot bedeutet, n\u00e4mlich eine organspezifische Definition. Da, wo Gehirnaktivit\u00e4t ist, ist Leben; wo die Funktion des Gehirns erloschen ist, hat das Leben aufgeh\u00f6rt. Dieses Verst\u00e4ndnis hat au\u00dferdem weitere schwerwiegende Implikationen. Auf den Beginn des Lebens angewendet, m\u00fcssten beispielsweise Embryonen in den ersten Wochen als tot bezeichnet werden, da sie weder \u00fcber eine zentrale Steuerung durch das (noch nicht angelegte) Gehirn noch \u00fcber Bewusstsein verf\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zusammengefasst ist bei Patienten mit irreversiblem Hirnfunktionsausfall der Sterbeprozess eingetreten, jedoch sind diese Patienten noch nicht tot. Eine Entnahme der Organe kommt aber vor diesem Hintergrund nicht infrage, da dies einer T\u00f6tung des im Sterben befindlichen Menschen gleichk\u00e4me.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sagt die Bibel zum Ende des physischen Lebens?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem S\u00fcndenfall ist der Tod in die zuvor geniale Sch\u00f6pfung eingetreten. Der physische Tod ist das Ende des menschlichen Lebens auf dieser Erde (vergleiche Hebr\u00e4er 9,27). Der physische Tod ist nicht Teil von Gottes vollkommener Sch\u00f6pfung und wird deshalb auch als Feind (vergleiche 1. Korinther 15,26) bezeichnet. Der Tod ist die Folge der Abkehr des Menschen von Gott: \u201eIm Schwei\u00dfe deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zur Erde kehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zur\u00fcck!\u201c (1. Mose 3,19) Der materielle Teil des Menschen kehrt also wieder zur Erde zur\u00fcck, ist mit anderen Worten endlich und begrenzt. Als Stephanus gesteinigt wird, ruft er aus: \u201eHerr Jesus, nimm meinen Geist auf!\u201c (Apostelgeschichte 7,59, vergleiche auch Lukas 23,46) Das hei\u00dft, dass Stephanus davon \u00fcberzeugt ist, dass in dem Moment des physischen Todes sein Geist direkt zu Gott kommt. Mit anderen Worten: <strong>Im Moment des physischen Todes ist die leibliche Existenz beendet, unsere Seele dagegen existiert fort.<\/strong> Entsprechend formuliert Jesus: \u201eUnd f\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten, und die Seele nicht k\u00f6nnen t\u00f6ten; f\u00fcrchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der H\u00f6lle.\u201c (Matth\u00e4us 10,28)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Bibel sehr klar Leben und Tod definiert und festlegt (Todesdefinition), beschreibt sie lediglich Todes<em>kriterien<\/em> (wie beispielsweise Leblosigkeit, vergossenes Blut, erloschene Atmung), schreibt diese jedoch nicht als medizinische Richtlinie und Handlungsanweisung zur Feststellung des Todes vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine biblische Einordnung des Hirntodkonzepts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist nach biblischem Verst\u00e4ndnis ein Mensch tot, wenn seine Gehirnfunktion unwiderruflich erloschen ist? Der Mensch wird als Einheit von Leib und Seele aufgefasst \u2013 doch welche Kriterien geben an, dass diese Einheit aufgebrochen ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spricht gegebenenfalls die mit dem Organ Gehirn verbundene F\u00e4higkeit f\u00fcr bewusstes Erleben f\u00fcr das Hirntodkonzept? Die Einheit von Seele und Leib beginnt nach biblischem Verst\u00e4ndnis nicht dort, wo ein Embryo die F\u00e4higkeit f\u00fcr bewusste Erlebnisinhalte entwickelt, sondern wird v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von etwaigem Bewusstsein dort definiert, wo ein Mensch bei der Zeugung gebildet wird (vergleiche Hiob 3,3; Psalm 139). Der Mensch muss also nicht erst h\u00f6here Hirnleistungen wie Kommunikation oder Selbst-Bewusstsein aufweisen und \u00e4u\u00dfern, um als lebendiger Mensch zu gelten. Im Gegenteil: Jeder Mensch \u2013 egal wie f\u00e4hig oder unf\u00e4hig zur Interaktion mit der Umwelt \u2013 ist umfassend eine Person und als Ebenbild Gottes mit voller W\u00fcrde ausgestattet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gehirn als Organ findet in der Bibel keine Erw\u00e4hnung, vielmehr wird das Herz als Zentrum des Menschen dargestellt. Aber auch andere Organe (wie etwa die Niere) werden als Bild f\u00fcr verschiedene Regungen des Menschen erw\u00e4hnt. Das gesamte Bild, welches die Bibel vom Menschen zeichnet, spricht dagegen, ein einzelnes Organ als die \u201eWohnung der Seele\u201c anzunehmen. Neurophysiologisch ist das Gehirn nach aktuellem Forschungsstand die nahezu umfassende Schnittstelle zwischen Seele und Leib. Daraus jedoch zu schlussfolgern, dass mit dem Erl\u00f6schen der Gehirnfunktion auch zugleich die Seele den K\u00f6rper verlassen hat, der Mensch also gestorben ist, setzt einen organgebundenen Sitz der Seele voraus, der durch die Gesamtheit der biblischen Befunde nicht gedeckt ist. Die Bibel entfaltet ein holistisches Menschenbild, welches sich nur schwer mit einem organspezifischen Lebens- und Todesverst\u00e4ndnis wie dem des Hirntods in \u00dcbereinstimmung bringen l\u00e4sst. Sie zeigt vielmehr, dass der Mensch nicht eine Seele <em>hat<\/em>, sondern Seele <em>ist<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit: Wann ist der Mensch tot?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Analyse f\u00fchrt uns schlie\u00dflich dazu, das Hirntodkonzept abzulehnen. Weder ist das aktuelle Hirntodkonzept auf den Beginn des Lebens anwendbar, da sonst Embryonen f\u00fcr tot erkl\u00e4rt werden m\u00fcssten, noch auf Koma-Patienten mit ausgefallenem Bewusstsein, da sie folglich lebendig begraben werden m\u00fcssten. Zu guter Letzt ist es auch biologisch nicht haltbar, da dieses Konzept den bei Hirntoten (noch) intakten hochkomplexen, interagierenden Subsystemen nicht Rechnung tr\u00e4gt (insbesondere bei hirntoten Schwangeren).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Patient mit irreversiblem Hirnfunktionsausfall befindet sich im Sterbeprozess, ist aber noch nicht tot. Die Analyse des menschlichen Lebens spricht daher f\u00fcr eine Konzeption von biologischen Subsystemen, die gegebenenfalls mit Unterst\u00fctzung (beispielsweise des m\u00fctterlichen Organismus zu Beginn des Lebens beim F\u00f6tus oder apparativer Medizin zum Ende des Lebens) miteinander interagieren. Wird diese Interaktion der unterschiedlichen biologischen Subsysteme irreversibel zerst\u00f6rt, tritt der Tod ein. Entsprechend l\u00e4sst sich aus dieser Todesdefinition der irreversible Herz-Kreislaufstillstand als valides und sinnvolles Todeskriterium ableiten. Im Gegensatz dazu befindet sich der Patient mit irreversiblem Hirnfunktionsausfall im Sterbeprozess, ist aber noch nicht tot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. med. Matthias Klaus<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: CDK-Magazin, Nr. 88 \/ 2023, Im falschen K\u00f6rper geboren?<\/em><\/p>\n<p>Weitere Informationen zur Arbeit des CDK e.V. erhalten Sie hier: <a href=\"https:\/\/www.cdkev.de\">www.cdkev.de<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine ausf\u00fchrliche Analyse des Hirntodkonzepts aus medizinischer, philosophischer und theologischer Sicht mit Fu\u00dfnoten und Literaturverzeichnis finden Sie unter <a href=\"https:\/\/www.cdkev.de\/ethik-am-lebensende\/\">https:\/\/www.cdkev.de\/ethik-am-lebensende\/<\/a>. Daher wird in diesem Artikel zur besseren Verst\u00e4ndlichkeit und Lesbarkeit weitgestgehend auf Fu\u00df- und Endnoten verzichtet.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Ausgenommen Kleinkinder, die bis zu mehreren Jahren an der Beatmungsmaschi\u00adne \u00fcberleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Zum genauen Prozedere der Hirntoddiag\u00adnostik s. https:\/\/www.cdkev.de\/ethik-am-le\u00adbensende\/zwang-oder-freie-entscheidung-zur-organspende\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Im Gegensatz zu Hirntoten, die nicht begraben werden, sondern entweder der Organspende zugef\u00fchrt oder von der Beatmung aufgrund einer Therapieziel\u00e4nde\u00adrung abgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der ersten Stunde an wurde von medizinischer, theologischer und philosophischer Seite aus massive Kritik an der Hirntodkonzeption ge\u00fcbt. 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