{"id":20579,"date":"2023-12-18T18:00:04","date_gmt":"2023-12-18T17:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20579"},"modified":"2023-12-14T17:09:45","modified_gmt":"2023-12-14T16:09:45","slug":"weihnachtsbraeuche-und-das-alte-testament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20579","title":{"rendered":"Weihnachtsbr\u00e4uche und das Alte Testament"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder h\u00f6rt man, der Weihnachtsbaum sei ein heidnischer Brauch. Auch begegnen uns in Krippenbildern und Weihnachtsgeschichten Elemente, die in den Evangelien gar nicht erw\u00e4hnt werden, z.B. Ochs und Esel. Doch wenn man sich damit befasst, woher diese Br\u00e4uche kommen, erkennt man schnell, dass dahinter mehr Bibel steckt, als man denkt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ochs und Esel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei keiner Weihnachtskrippe d\u00fcrfen Ochs und Esel fehlen. Doch weder Ochs noch Esel werden in den Weihnachtsgeschichten bei Matth\u00e4us oder Lukas erw\u00e4hnt. Nur im Alten Testament haben Ochs und Esel etwas mit der Krippe zu tun, n\u00e4mlich in Jesaja 1,3, wo es heisst: \u00abEin Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt\u2019s nicht, und mein Volk versteht\u2019s nicht\u00bb. Nach dem Gesetz des Mose ist der Ochs rein, der Esel unrein. Schon Origenes hat im 3. Jh. \u00fcber das Stichwort der Krippe Jes 1,3 in Bezug gesetzt zur Weihnachtskrippe. Zusammen stehen Ochs und Esel, Juden und Heiden, an der Krippe. Doch obwohl Israel seinen Herrn kennt, erkennt es ihn in der Krippe nicht wieder. Ochs und Esel sind wegen Jes 1,3 zu Bestandteilen der Weihnachtskrippe geworden. Sie stehen als Symbole daf\u00fcr, dass in der Krippe der eine Herr liegt, \u00abder gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben\u00bb (R\u00f6m 3,30).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die heiligen drei K\u00f6nige<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dass aus den \u00abWeisen aus dem Morgenland\u00bb (Mt 2,1) in der Weihnachtstradition drei K\u00f6nige wurden, hat alttestamentliche Gr\u00fcnde und zwar, weil die Weisen aus dem Morgenland als Erf\u00fcllung von Jesaja 60 gedeutet werden. Das in der Finsternis aufgehende Licht findet Ausdruck im Stern von Bethlehem. Nach Jes 60,3 werden \u00abdie Heiden zu deinem Lichte ziehen und die K\u00f6nige zum Glanz, der \u00fcber dir aufgeht\u00bb. Sie kommen mit vielen Kamelen und bringen Gold und Weihrauch, um des HERRN Lob zu verk\u00fcndigen (V.6). Auch Psalm 72, der einzige Psalm von Salomo, dem Sohn Davids, spricht von K\u00f6nigen, die Geschenke, bringen und vor dem Sohn Davids niederfallen, der den Armen und Elenden errettet und durch den alle V\u00f6lker gesegnet werden. So sind die Weisen aus dem Morgenland, die dem Jesuskind Geschenke bringen, via Jes 60 und Ps 72 zu K\u00f6nigen geworden. Die Dreizahl in den Krippenbilder kommt vielleicht durch die drei Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe zustande, wird aber schon von Beda Venerabilis im 7. Jh. symbolisch auf die drei damals bekannten Kontinente Asien, Afrika und Europa bezogen, so dass die K\u00f6nige aus allen Weltteilen an die Krippe kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Weihnachtsbaum<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt \u00fcberhaupt keine historischen Belege daf\u00fcr, dass der Weihnachtsbaum ein heidnischer Brauch ist, obwohl sich das Ger\u00fccht hartn\u00e4ckig h\u00e4lt. Er wurde auf einem ganz anderen Weg zum Bestandteil von Weihnachten: Der 24. Dezember ist schon in alter Tradition der Gedenktag von Adam und Eva. Ab dem Mittelalter entstand der Brauch, dass biblische Geschichten an ihren Feiertagen als Spiele aufgef\u00fchrt wurden. F\u00fcr das Paradiesspiel am 24. Dezember brauchte es einen Paradiesbaum, der im Winter gr\u00fcn sein musste: Der Tannenbaum. Er wurde geschm\u00fcckt, zuerst noch mit Fr\u00fcchten, erst sp\u00e4ter mit versilberten Glaskugeln, und als Baum des Lebens verziert. Schon im Alten Testament findet der Baum des Lebens eine Abbildung, n\u00e4mlich in der Menora, dem siebenarmigen Leuchter (Ex 25,31-35, vgl. Offb 2,1+7). Die Verbindung von Adam und Eva zu Weihnachten geht aber tiefer als das blosse Datum: Eva empf\u00e4ngt die Verheissung eines Nachkommens, der der Schlange den Kopf zertreten wird (Gen 3,15) und Maria wird zur neuen Eva, die diesen Nachkommen gebiert. Schon im Weihnachtslied \u00abLobt Gott, ihr Christen, alle gleich\u00bb aus der Reformationszeit (von Nikolaus Hermann um 1550) heisst es in einer Strophe:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Heut schleusst er wieder auf die T\u00fcr zum sch\u00f6nen Paradeis,<\/em><br \/>\n<em>der Cherub steht nicht mehr daf\u00fcr, Gott sei Lob, Ehr\u2019 und Preis.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir d\u00fcrfen also auch dieses Jahr an Weihnachten die sch\u00f6nen Christb\u00e4ume bestaunen und mehr noch staunen \u00fcber das Wunder aller Wunder: Dass Gott selber Mensch geworden ist, um uns zur\u00fcck zum Baum des Lebens zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Quelle: STH Perspektive Dezember 2023, S. 7. <\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors.<\/em> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder h\u00f6rt man, der Weihnachtsbaum sei ein heidnischer Brauch. Auch begegnen uns in Krippenbildern und Weihnachtsgeschichten Elemente, die in den Evangelien gar nicht erw\u00e4hnt werden, z.B. Ochs und Esel. Doch wenn man sich damit befasst, woher diese Br\u00e4uche kommen, erkennt man schnell, dass dahinter mehr Bibel steckt, als man denkt.<\/p>\n","protected":false},"author":670,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,13],"tags":[47],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20579"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/670"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20579"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20582,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20579\/revisions\/20582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}