{"id":20530,"date":"2023-11-13T21:59:41","date_gmt":"2023-11-13T20:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20530"},"modified":"2023-11-13T21:59:41","modified_gmt":"2023-11-13T20:59:41","slug":"die-endzeitrede-jesu-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20530","title":{"rendered":"Die Endzeitrede Jesu"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einf\u00fchrung in das Verst\u00e4ndnis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unabdingbar wichtig zum Verst\u00e4ndnis der Endzeitrede Jesu ist das Buch Daniel. Jesus zitiert in seiner Endzeitrede w\u00f6rtlich aus diesem biblischen Prophetenbuch. Daniel ist ein Israelprophet, das gilt es immer zu bedenken. Was er sagt, gilt zun\u00e4chst einmal Israel. Viele Missverst\u00e4ndnisse des prophetischen Wortes k\u00f6nnten vermieden werden, wenn man das ernst n\u00e4hme. Die Endzeitrede ist vor Pfingsten gesprochen. Die Gemeinde als der geistliche Leib Jesu war noch nicht vorhanden. Die J\u00fcnger fragen als Juden. Sie wissen aus dem Buch Daniel, dass Israel unter Gottes Strafe steht. Es sind die 70 Gerichtsjahre, die Jeremia angek\u00fcndigt hat (Jer 25,8-14) und \u00fcber die Daniel im babylonischen Exil nachdenkt (Dan 9,2) und von Gabriel eine g\u00f6ttliche Aufkl\u00e4rung empf\u00e4ngt, da\u00df es sich um 70 Jahrwochen handelt, also um 490 Jahre. Und sie wissen, dass diese 70 Jahrwochen andauern werden, bis im Jerusalemer Tempel ein Greuelbild stehen wird (Dan 9,24-27). \u201eWann geht diese Strafzeit, dieser Straf-\u00c4on zu Ende?\u201c \u2013 diese Frage brennt ihnen im Herzen. Ganz \u00e4hnlich fragen sie Jesus auch nach Ag 1,6: \u201eWirst du noch in dieser Zeit, d.h. in diesem \u00c4on die Herrschaft Gottes f\u00fcr Israel wieder aufrichten?\u201c D.h.: wann wird Israel in seine uralte Bestimmung wieder eingesetzt werden, ein heiliges Priester- und K\u00f6nigsvolk f\u00fcr die Menschheit zu werden? <em>Das<\/em> bewegt die J\u00fcnger! Die Endzeitrede mu\u00df also mit den Ohren der j\u00fcdischen J\u00fcnger Jesu geh\u00f6rt werden!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Situation der J\u00fcnger<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die J\u00fcnger stehen unter dem Eindruck der gewaltigen Tempelrede Jesu in Mt 23: Der siebenfache Weheruf Jesu \u00fcber die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er besch\u00e4ftigt sie, vor allem die abschlie\u00dfenden Weherufe \u00fcber Jerusalem, d.h. \u00fcber die F\u00fchrer Israels. \u201eIhr habt nicht gewollt\u201c. \u201eEuer Haus wird w\u00fcst gelassen werden\u201c \u201eIhr werdet mich nicht mehr sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!\u201c (Zitat aus Ps 118,26). Ihre bange Frage als Juden lautet: Ist nun alles aus mit Israel? In dieser inneren Verfassung zeigen sie ihm den prachtvollen Herodes-Tempel. Hier, sieh, die verb\u00fcrgte Gegenwart Gottes im Dienst der Priester! Das kann doch Gott nicht zulassen, da\u00df sein Heiligtum untergeht! Daran klammern sie sich. Was f\u00fcr ein unendlicher Schock muss es f\u00fcr sie gewesen sein, dann h\u00f6ren zu m\u00fcssen: \u201eEs wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde\u201c Wir haben eine hochdramatische Situation vor uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Struktur der Endzeitrede<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss die drei Fassungen der Endzeitrede zusammen sehen: Mt 24 und 25, Mk 13 und Lk 21. Erst alle drei Fassungen zusammengenommen geben die Endzeitrede komplett wieder. Z.B spricht nur Lukas vom Untergang des Herodes-Tempels, von den anschlie\u00dfenden \u201eZeiten der Heiden\u201c und von der Zerstreuung des j\u00fcdischen Volks unter die V\u00f6lker, w\u00e4hrend die Matth\u00e4us- und Markus-Fassung nur den endgeschichtlichen Tempel mit dem \u201eGreuelbild der Verw\u00fcstung\u201c in den Blick nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Beantwortung der drei J\u00fcngerfragen \u00fcberliefert nur Matth\u00e4us noch weitere Gleichnis- und Mahnreden Jesu, die sich auf die Verf\u00fchrung und Verfolgung Israels in der Endgeschichte beziehen (Mt 24,37 \u2013 25,46).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Jesu Antwort l\u00e4sst sich eine chiastische Struktur erkennen. Die Frage nach dem Untergang des Tempels wird von Jesus nicht als erstes beantwortet. Stattdessen wird die Antwort auf die letzte Frage, welche Kennzeichen die Vollendungszeit dieses \u00c4ons hat, von allen drei Evangelisten zuerst gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die drei Fragen der J\u00fcnger an Jesus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Mt 24,3 hei\u00dft es: \u201eAls er auf dem \u00d6lberg sa\u00df\u201c. Der Berg ist biblisch gesehen meist ein Offenbarungsort. Denken wir an den Sinai und den Verkl\u00e4rungsberg. Nun sind sie auf dem \u00d6lberg Die J\u00fcnger wissen: Jetzt erhalten sie eine <em>Offenbarung Gottes<\/em>. Sie warten, bis sie allein mit Jesus sind. Die Situation ist \u00e4hnlich wie bei der Bergpredigt. Dann stellen sie drei gewichtige Fragen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Frage: Wann geht der Tempel unter?<\/li>\n<li>Frage: Was sind die Anzeichen deines Kommens?<\/li>\n<li>Frage: Was sind die Anzeichen f\u00fcr die <em>Vollendung dieses \u00c4ons?<\/em> (\u201eEnde der Welt\u201c ist eine unzureichende und missverst\u00e4ndliche \u00dcbersetzung. Es geht um den jetzigen \u00c4on, das jetzige heilsgeschichtliche Weltzeitalter, das gekennzeichnet ist durch die Strafe Gottes \u00fcber Israel. Die J\u00fcnger wollen wissen, wann die lange Strafzeit endlich vorbei ist, wann Gott seine Gnade wieder Israel zuwendet).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesu Antwort auf die Frage: \u201eWas sind die Anzeichen f\u00fcr die Vollendung dieses \u00c4ons?\u201c <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong>Die Antwort besteht im Wesentlichen aus Hinweisen auf die kommende Bedr\u00e4ngniszeit f\u00fcr Israel. Hier nimmt Jesus Dan 12,1 auf. Im einzelnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel wird verf\u00fchrt werden. \u201eSeht zu, da\u00df <em>euch<\/em> nicht jemand verf\u00fchre\u201c (Mt 24,4). Es geht hier eindeutig um Israel. Unter Christi Namen werden Falsch-Christusse kommen, und vor allem <em>der <\/em>falsche Christus schlechthin. Die Offenbarung schaut diese Gestalt unter verschieden Aspekten: als Reiter auf dem wei\u00dfen Pferd (Kap. 6,1f), als Tier aus dem Abgrund bzw. Meer (11,7; 13,1) und schlie\u00dflich als eine Figur, \u201edie war, jetzt nicht ist und wieder aufsteigt aus dem Abgrund\u201c (17,8). Dieser Falschchristus wird die Auferstehung Christi nachahmen und nach seinem \u00fcberraschenden Tod als D\u00e4mon in Menschengestalt wiederkommen. Nach Dan 7,27 wird er dreieinhalb Jahre in einem dritten Tempelheiligtum in Jerusalem herrschen, sich als Gott anbeten lassen und mit seinen Wundern Israel und die V\u00f6lker verf\u00fchren. Wladimir Solowjew hat im Jahr 1900 in seiner \u201eKurzen Erz\u00e4hlung vom Antichrist\u201c diese Figur vorhergeahnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel wird verfolgt werden. Wieder handelt es sich um Israel. Wenn es in der Endgeschichte eine weltweite Christenverfolgung g\u00e4be, h\u00e4tte Paulus, der V\u00f6lkermissionar, dies in seinen Briefen angek\u00fcndigt. \u201e<em>Ihr<\/em> werdet geha\u00dft werden um meines Namens willen von allen V\u00f6lkern\u201c (Mt 24,9). \u201eF\u00fcrchtet <em>euch <\/em>nicht\u201c (Mk 13,7), \u201eentsetzt <em>euch<\/em> nicht\u201c (Luk 21,9). Hier ist jedes Mal Israel gemeint. Der Judenhass, der sich immer wieder in der V\u00f6lkergeschichte Bahn gebrochen hat, wird in der letzten Zeit durch satanische Inspiration auf den H\u00f6hepunkt kommen. V\u00f6lker werden sich zusammenrotten und sich entzweien an der Israelfrage. Die Offenbarung schaut diese kriegerischen Ereignisse unter dem Bild des Reiters auf dem feuerroten Pferd (6,3 und 4). In Offb 13,7 hei\u00dft es: \u201eIhm wurde Macht gegeben, zu k\u00e4mpfen mit den Heiligen und sie zu \u00fcberwinden\u201c. Der Falsch-Christus wird an der Spitze der Judenverfolgung stehen. Die \u201eHeiligen\u201c sind im Sprachgebrauch des Propheten Daniel und der Offenbarung die Juden, die von ihm verfolgt werden und nach Christi Wiederkunft als \u201eVolk der Heiligen des H\u00f6chsten\u201c die \u201eHerrschaft Gottes\u201c empfangen werden, d.h. als heiliges Priester- und K\u00f6nigsvolk den Willen Gottes tun und verk\u00fcnden (Dan 7,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel wird Seuchen preisgegeben werden (Luk 21,11 und Offb 6,7 und 8). Nat\u00fcrlich muss man bei all endzeitlichen Attacken auch an Offb 13,7b denken. Das Tier erh\u00e4lt nicht nur Macht \u00fcber die \u201eHeiligen\u201c, also \u00fcber die Frommen aus Israel, die auf den wahren Messias warten, sondern auch \u201e\u00fcber alle St\u00e4mme und V\u00f6lker und Sprachen und Nationen\u201c. Der falsche Christus ist also in der Lage, seine endgeschichtlichen Aktivit\u00e4ten auch auf die Nationen auszuweiten bzw. auf alle, die ihm die Gefolgschaft verweigern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Anzeichen f\u00fcr den zu Ende gehenden alten \u00c4on steht in Mt 24,14: \u201eEs wird ausgerichtet werden <em>dieses<\/em> Evangelium von der K\u00f6nigsherrschaft auf der ganzen bewohnten Erde zum Zeugnis f\u00fcr alle V\u00f6lker, und dann kommt die Vollendung\u201c. \u201e<em>Dieses<\/em> Evangelium von der K\u00f6nigsherrschaft\u201c (griechisch: <em>touto to euangelion t\u00e4s basileias<\/em>) ist besonders betont. Es ist nicht unser Evangelium vom Sterben und Auferstehen Jesu Christi, sondern der Inhalt dieser frohen Botschaft ist die ewige K\u00f6nigsherrschaft, die Christus zusammen mit dem erneuerten Volk Israel auf der neuen Erde aufrichten wird. Diese Botschaft wird in der letzten Zeit, evtl. durch die beiden Zeugen in Offb 11 oder auch durch die 144.000 j\u00fcdischen M\u00e4nner von Offb 7, auf der ganzen Erde vernehmbar sein. Jedes Volk wird es wissen, dass Christus bald mit Israel seine K\u00f6nigsherrschaft aufrichten wird, egal, ob es dieser Botschaft zustimmt oder nicht. \u201eZum Zeugnis f\u00fcr alle V\u00f6lker\u201c \u2013 das kann auch hei\u00dfen \u201ezum Zeugnis gegen alle V\u00f6lker\u201c. Wie zur Zeit des A.T. die \u00c4gypter, die kanaan\u00e4ischen V\u00f6lker und \u00fcberhaupt die vorderasiatischen V\u00f6lker zur Kenntnis nehmen mussten, dass Israel Gottes Auserw\u00e4hlungsvolk ist, und da\u00df sie durch dieses Volk gesegnet werden, wenn sie es in seiner besonderen Berufung anerkennen, so wird es auch am Ende unseres Zeitalters sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesu Antwort auf die Frage: \u201eWas sind die Anzeichen deines Kommens?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende der letzten Bedr\u00e4ngniszeit werden sich Sonne und Mond verfinstern, Sterne werden vom Himmel fallen, Himmelskr\u00e4fte werden wanken (Mt 24,29). Diese kosmischen Ereignisse sind von vielen Propheten des Alten Testaments als \u201eTag des Herrn\u201c angek\u00fcndigt worden. Auch diese Anzeichen werden in Offb 6 geschildert. In Offb 6,14 hei\u00dft es, dass der Himmel wie eine Schriftrolle zusammengerollt wird. Damit beginnt, was beim Gericht \u00fcber die Toten vollendet werden wird: \u201eVor Christi Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine St\u00e4tte f\u00fcr sie gefunden\u201c (Offb 20,11). Wenn es diese Totalverfinsterung der kosmischen Lichttr\u00e4ger gibt, dann \u201ewi\u00dft, da\u00df er nahe vor der T\u00fcr ist\u201c. Hier kn\u00fcpft das Feigenbaumgleichnis an (Mt 24,33). So wie der Sommer nahe ist, wenn der Feigenbaum gr\u00fcnt, so ist das Kommen des Herrn nahe, wenn die kosmischen Katastrophen eintreten. Nach Luk 21,28 sollen die Auserw\u00e4hlten Israels dann die H\u00e4upter erheben, \u201eweil sich <em>eure<\/em> Erl\u00f6sung naht\u201c. Das ist w\u00f6rtlich zu nehmen. Der wahre Christus kommt von oben, der falsche Christus kam von unten, aus dem Abgrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unmittelbar nach den kosmischen Ereignissen wird sich der Himmel \u00f6ffnen, und Christus wird erscheinen \u201ein einer Wolke mit gro\u00dfer Kraft und Herrlichkeit\u201c (Luk 21,27). Das \u201eZeichen des Menschensohns\u201c (Mt 24,30) ist vermutlich eine besondere Wolke. Die zwei Engel, die nach Jesu Himmelfahrt die J\u00fcnger belehrten, hatten gesagt \u201eDieser Jesus, der vor euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen\u201c. Da bei der Himmelfahrt eine Wolke Jesu aufnahm, k\u00f6nnte die Wolke das \u201eZeichen des Menschensohns\u201c bei seiner Wiederkunft sein (vgl. Ag 1,9-11). Die Wolke ist die Nahtstelle zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. In der Wolke zeigt sich Gottes verh\u00fcllte Gegenwart (\u201eUnd der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkens\u00e4ule, um sie den rechten Weg zu f\u00fchren\u201c (2 Mose 13,21).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den frommen, auf den Messias Gottes wartenden Juden der letzten Zeit wird der wiederkommende Herr eine Nationalbu\u00dfe ausl\u00f6sen. Israel, dieses so zeichenabh\u00e4ngige Volk (1 Kor 1,22), wird das Zeichen aller Zeichen erhalten, den vom Himmel herabkommenden Messias. Daraufhin werden sie von einer tiefen Ersch\u00fctterung und Bu\u00dfbewegung erfasst. Gott wird ihnen \u201eden Geist der Gnade und des Gebets\u201c schenken (Sach 12,10). R\u00f6m. 11,26f erf\u00fcllt sich. Der heilige Rest Israels erkennt in Christus seinen Erl\u00f6ser. Sie werden Jes. 53 beten, das gro\u00dfe Bu\u00dfgebet Israels, das Jesaja geschaut hat und das mit Recht uns Christen so teuer ist. \u201eF\u00fcrwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller S\u00fcnde auf ihn\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Mt 24,34 hei\u00dft es \u201eDieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht\u201c. Sehr lange, durch die Jahrhunderte hindurch, hat Christus Israel getragen und ertragen, so wie Joseph seine Br\u00fcder. Christus hat sie in ihrer Existenz unter den V\u00f6lkern bewahrt, ohne dass sie es merkten. Nun endlich werden sie ihn erkennen. Aber diese Verhei\u00dfung bekommt jetzt noch eine ganz neue Dimension. Das Volk Israel wird dann von den S\u00fcnden erl\u00f6st sein, und die uralten Verhei\u00dfungen f\u00fcr eine ewige Existenz Israels treten in Kraft (Jes 66,22: \u201eWie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben\u201c). Nach Christi Gerichtshandelungen (den \u201eTausend Jahren\u201c) wird Israel vor den D\u00e4monenheeren Satans bewahrt werden. Und das Gewaltigste: Israel wird, wenn sich das Neue Jerusalem auf die neue Erde herabgesenkt haben wird, dort ewigen Bestand haben, zum ewigen Segen der V\u00f6lker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesu Antwort auf die Frage \u201eWann geht der Tempel unter?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort Jesu war eventuell urspr\u00fcnglich zweigeteilt, n\u00e4mlich bez\u00fcglich des Herodes-Tempels und bez\u00fcglich des endgeschichtlichen Tempelheiligtums. Lukas bringt Jesu Antwort bez\u00fcglich des Herodestempels. Er spricht nicht vom endgeschichtlichen \u201eGreuel der Verw\u00fcstung\u201c, auch nicht von einer letzten Bedr\u00e4ngnis, die so gro\u00df ist, wie noch nie eine gewesen ist. Statt dessen zeichnet er die Belagerung Jerusalems durch die R\u00f6mer und den Untergang Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. mit der Gefangenschaft und Zerstreuung des j\u00fcdischen Volks unter die V\u00f6lker, und vor allem, er spricht als einziger der drei Evangelisten von den anschlie\u00dfenden \u201eZeiten der Heiden\u201c (Luk 21,20-24). Es kann sich also bei der Lukas-Fassung der Endzeitrede Jesu nicht um den Untergang des endgeschichtlichen Tempels handeln. Ganz anders lautet Jesu Antwort bei Matth\u00e4us und Markus. Hier ist vom \u201eGreuelbild der Verw\u00fcstung\u201c an der \u201eheiligen St\u00e4tte\u201c die Rede, unter Bezugnahme auf Dan 9,27 und 11,31, und au\u00dferdem davon, dass die Tage der gro\u00dfen Bedr\u00e4ngnis um der Auserw\u00e4hlten willen verk\u00fcrzt werden, und schlie\u00dflich von der Verf\u00fchrung durch Falsch-Messiasse und falsche Propheten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann die Frage stellen, warum Jesus in der Endzeitrede \u00fcberhaupt auf das Schicksal des Jerusalemer Tempels eingeht. Geht es nicht bei den endgeschichtlichen Geschehnissen um ganz andere Dimensionen als um die Zerst\u00f6rung eines Geb\u00e4udes? Aber: der Tempel ist eben im biblischen Kontext nicht nur ein Geb\u00e4ude wie andere. Er ist die Wohnst\u00e4tte Gottes auf Erden, seit Gottes Anordnung an Mose, die Stiftsh\u00fctte zu bauen. Im Tempelweihegebet Salomos kommt diese eigentliche Bestimmung des Tempels in Jesusalem am sch\u00f6nsten zum Ausdruck (1 K\u00f6n 8 und 2 Chron 6). Die zweimalige Zerst\u00f6rung des Tempels durch Nebukadnezar und durch die R\u00f6mer hatte demzufolge jeweils auch eine tiefe geistliche Dimension f\u00fcr Israel. Mit Nebukadnezar begann die Strafzeit Gottes f\u00fcr Israel, die bis zur gro\u00dfen Bedr\u00e4ngniszeit andauern wird. Mit der Zerst\u00f6rung des Herodestempels im Jahre 70 n. Chr. beginnt das Zeitalter der Gemeinde Jesu und das der gottgef\u00fcgten Blindheit Israels f\u00fcr Christus. Dar\u00fcber hinaus geschehen im Zusammenhang des Sterbens Jesu am Tempel markante Ver\u00e4nderungen. Der Tempelvorhang zwischen dem Heiligen und Allerheiligsten zerrei\u00dft. Das bedeutet: In Christus ist der Zugang zum Allerheiligsten, zum Herzen und zur Gnade Gottes freigeworden. Auch der dritte, der endgeschichtliche Tempel, der nach 2 Thess 2,4 noch gebaut werden wird, hat eine geistliche Bedeutung. Sie scheint mir zun\u00e4chst darin zu liegen, dass sich der fromme Teil Israel noch einmal sammeln darf, bis der falsche Christus mit der Verfolgung Israels einsetzt und es zum Exodus dieser auf den Messias wartenden Juden aus Jerusalem kommt. Aber die entscheidende Tatsache wird dann sein: Der falsche Christus wird sich in diesen Tempel setzen und sich dort als Gott anbeten lassen. Mit der endgeschichtlichen Zerst\u00f6rung Jerusalems geht auch dieses Tempelheiligtum unter. Im Neuen Jerusalem wird es keinen Tempel mehr geben (Offb 21,22), denn Gott selber in Gestalt des Lammes, also Christus in Person wird dann sichtbar auf der Erde wohnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesu Mahnreden und Gleichnisse zur Wachsamkeit und zur Hilfestellung f\u00fcr das bedr\u00e4ngte Israel (Mt 24,36-51; 25,1-46) <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese f\u00fcnf Mahnreden sind: Der Hinweis auf Noah und die Sintflut \u2013 das Gleichnis vom Hausvater und den Dieb \u2013 das Gleichnis vom treuen und b\u00f6sen Knecht \u2013 Die zehn Jungfrauen \u2013 Die anvertrauten Zentner. Diese Reden geh\u00f6ren konstitutiv zur Endzeitrede dazu. Sie sind bedingt durch die extreme Verf\u00fchrungssituation in der letzten Phase der endgeschichtlichen Ereignisse. In dieser Zeit wird das Volk Israel \u2013 zeichen- und wunderabh\u00e4ngig wie es ist \u2013 einer Extremverf\u00fchrung durch Wunder und Zeichen ausgesetzt sein, die alle darauf hinzudeuten <em>scheinen,<\/em> da\u00df der wahre Messias gekommen ist. Das augenf\u00e4lligste dieser Zeichen wird die Auferstehung des falschen Christus sein (Offb 17,8). Deswegen mu\u00df Israel \u201ewachen\u201c, d.h. geistlich n\u00fcchtern bleiben und \u201ewarten\u201c, bis der \u201eBr\u00e4utigam\u201c, der wahre Christus vom Himmel her erscheint. In dieser letzten Verf\u00fchrungszeit mu\u00df Israel strikt an den Verhei\u00dfungen festhalten, die es hat, besonders an der Abraham- und Sinaiverhei\u00dfung, an den \u201eZentnern\u201c, die Gott diesem Volk gegeben hat. Wer dann diese Verhei\u00dfungen aufgibt, \u201evergr\u00e4bt\u201c, wird verworfen, wenn Christus kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen besonderen Charakter hat die letzte Mahnrede von den Schafen und B\u00f6cken in Mt 25,31-46, meist mit \u201eDas V\u00f6lkergericht\u201c \u00fcberschrieben. Der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis dieser Rede ist Mt 24,9: \u201eIhr werdet geha\u00dft werden um meines Namens willen von allen V\u00f6lkern\u201c. Die Rede nimmt die V\u00f6lker w\u00e4hrend der letzten Bedr\u00e4ngniszeit in ihrem Verhalten gegen\u00fcber den verfolgten Juden in den Blick. In dieser Verf\u00fchrungs- und Verfolgungszeit werden die Juden hungrig sein, durstig sein, Fremde in der Welt sein, nackt sein, im Gef\u00e4ngnis sein. Wer sich dann ihrer annimmt, wird von Christus gesegnet werden. Wer sich an der Verf\u00fchrung und Verfolgung beteiligt, wird verflucht werden. Die verbreitete Auslegung dieser letzten Mahnrede in Jesu Endzeitrede auf den sozialen Liebesdienst der Christen verkennt ihren Ort. Diese Rede zielt eindeutig auf die endgeschichtlichen Ereignisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung in das Verst\u00e4ndnis Unabdingbar wichtig zum Verst\u00e4ndnis der Endzeitrede Jesu ist das Buch Daniel. Jesus zitiert in seiner Endzeitrede w\u00f6rtlich aus diesem biblischen Prophetenbuch. Daniel ist ein Israelprophet, das gilt es immer zu bedenken. Was er sagt, gilt zun\u00e4chst einmal Israel. Viele Missverst\u00e4ndnisse des prophetischen Wortes k\u00f6nnten vermieden werden, wenn man das ernst n\u00e4hme. 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