{"id":20514,"date":"2023-11-09T10:53:54","date_gmt":"2023-11-09T09:53:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20514"},"modified":"2023-11-09T10:59:42","modified_gmt":"2023-11-09T09:59:42","slug":"20-antworten-zum-krieg-in-nahost-tobias-kraemer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20514","title":{"rendered":"20 Antworten zum Krieg in Nahost"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-size: 8pt;\">Aus <a href=\"http:\/\/www.idea.de\">idea<\/a> 45-2023 mit freundlicher Genehmigung der idea-Redaktion.<\/span> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.11.2023<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seit die Hamas am 7. Oktober Israel \u00fcberfiel und ein Blutbad anrichtete, ist Israel im Krieg. IDEA erreichten Fragen von Lesern. Viele w\u00fcnschen sich Argumente, um auf Israelkritik angemessen zu reagieren. Wir baten den Leiter des Bereichs Theologie und Gemeinde bei \u201eChristen an der Seite Israels\u201c (CSI), <em>Tobias Kr\u00e4mer<\/em>, um Einordnungen.<\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong> \u201eAls Christ kann ich nicht daf\u00fcr sein, dass Israel in den Gazastreifen einmarschiert.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ungeheuer <!--more-->schwierig zu beurteilen, welche Reaktionen in Extremsituationen angemessen sind. Eine zu defensive Reaktion Israels w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass die Terroristen ermutigt aus der Situation hervorgehen. Eine zu offensive Reaktion k\u00f6nnte ma\u00dflos ausfallen und ebenso zu einem Bumerang werden. Israel ist sich dieser Gefahren durchaus bewusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inwieweit wir aus der Ferne \u00fcberhaupt in der Lage sind, hier ein Urteil zu f\u00e4llen, ist fraglich. Zu einem Einmarsch in Gaza gibt es kaum eine Alternative, denn dort ist der Sitz der Hamas und ihrer Terroristen, dort ist ihre Basis und ihre Infrastruktur. Will man die Hamas empfindlich treffen, kann man dies wohl nur im Gazastreifen erreichen, nicht von au\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel sieht sich nun vor der Herausforderung, mit aller Kraft gegen die Hamas vorzugehen, will aber zugleich die Zivilbev\u00f6lkerung so gut wie m\u00f6glich sch\u00fctzen \u2013 ein enormer Spagat. Leider wird es ohne zivile Opfer dennoch nicht abgehen. Auch das geh\u00f6rt zu den bitteren Wahrheiten dieser Tage.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><strong> \u201eChristen m\u00fcssen f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung sein.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist richtig. Die Frage ist nur, wie man zu einer friedlichen L\u00f6sung kommt und was \u00fcberhaupt \u201egel\u00f6st\u201c werden muss. Gel\u00f6st werden muss aktuell die Frage, wie Israel auf die bestialischen Morde von Heerscharen terroristischer Hamas-K\u00e4mpfer reagieren soll. Das ist keine einfache Frage und ein Gebetsanliegen. Gel\u00f6st werden muss das Problem des Terrorismus an sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Israel hat sich vorgenommen, die Hamas, von der der Terror ausgeht, zu zerst\u00f6ren. Dies ist auf friedlichem Weg nicht m\u00f6glich. Sollte dies gelingen, bedarf es weiterer Konzepte, um Gaza zu helfen, den Terror von innen her zu \u00fcberwinden. Ob und wie dies geschehen kann, ist eine komplizierte Frage \u2013 ein weiteres Gebetsanliegen. Sollte auch dies eines Tages gelingen, dann steht einem friedlichen Miteinander zwischen Israel und dem Gazastreifen nichts im Weg. Israel h\u00e4lt die Hand zu allen ausgestreckt, die friedlich mit Israel zusammenleben wollen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><strong> \u201eIsrael hat als Staat das Recht, sich zu verteidigen. Doch wie kann ich als Christ pers\u00f6nlich dazu stehen, wenn ich an das Gebot \u201aDu sollst nicht t\u00f6ten\u2018 denke?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das T\u00f6tungsverbot geh\u00f6rt zu den sozialen Verboten und bezieht sich auf das Zusammenleben. Eigentlich hei\u00dft es: Du sollst nicht morden. Das Mordverbot gibt es wohl in allen V\u00f6lkern. Auf Mord stehen in der Regel hohe Strafen. Mord wird als Option der Konfliktl\u00f6sung oder des Aggressionsabbaus in zivilisierten Gesellschaften heutzutage kategorisch abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Kriege ist dieses Verbot nicht anwendbar und auf die Selbstverteidigung auch nicht. Hier gelten in der Ethik (sei sie s\u00e4kular, sei sie christlich) andere Regeln. Das hat selbst der Umkehr-Prophet Johannes der T\u00e4ufer so gesehen, der Soldaten zum Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung und zum Unterlassen von Pl\u00fcnderungen aufrief, nicht aber zum Niederlegen ihres Berufs (Lukas 3,14). Dies entspricht im \u00dcbrigen recht genau dem Kurs, den auch die israelische Armee heute f\u00e4hrt.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li><strong> \u201eStimmt es, dass die Hamas Israel ausradieren will?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hamas macht keinen Hehl daraus, dass sie Israel zerst\u00f6ren will. In der Pr\u00e4ambel ihrer Charta hei\u00dft es: \u201eIsrael existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgel\u00f6scht hat, so wie er schon andere L\u00e4nder vorher ausgel\u00f6scht hat.\u201c<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"5\">\n<li><strong> \u201eWie kann ich am besten das M\u00e4rtyrertum des radikalen Islams erkl\u00e4ren?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den M\u00e4rtyrern beziehungsweise Selbstmordattent\u00e4tern wird versprochen, dass sie nach dem Tod direkt ins Paradies kommen, dort reiche Belohnung und hohe Ehre empfangen. Das ist nicht nur verlockend, sondern auch eine Perspektive, die sonst kein Muslim hat, denn es gibt im Islam keine Heilsgewissheit. Ferner bekommen die M\u00e4rtyrer \u2013 meist junge M\u00e4nner \u2013 die Aussicht, dass sie im Paradies 70 Jungfrauen (Huris) bekommen, nur f\u00fcr sich allein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Problem: Im Westen glauben wir nicht, dass es solche Versprechen gibt, dass sie \u201efunktionieren\u201c und Muslime daf\u00fcr tats\u00e4chlich ihr Leben geben. Dazu sind wir zu rational-diesseitig orientiert. Menschen in der muslimischen Welt denken aber anders. Erst wenn man sich in die islamische Welt hineinversetzt, versteht man sie \u2013 und begreift ihre Auswirkungen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"6\">\n<li><strong> \u201eWir d\u00fcrfen nicht alle Pal\u00e4stinenser als b\u00f6se betrachten; es sind doch nur die fanatischen F\u00fchrer.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jein. Nat\u00fcrlich denken nicht alle Pal\u00e4stinenser gleich \u2013 das tun auch Juden oder Christen nicht. So manche pal\u00e4stinensische Mama interessiert sich lediglich daf\u00fcr, wie sie ihre f\u00fcnf Kinder satt bekommt, das ist keine Frage. Richtig ist auch, dass ein Grundproblem im Gazastreifen in der Vorherrschaft der Hamas besteht. Die Hamas ist fanatisch, sie \u00fcbt die Terroranschl\u00e4ge aus und fanatisiert die Bev\u00f6lkerung. Israelhasser erziehen bereits die Kinder zum Israelhass, so dass diese als Hassende aufwachsen, ohne dies selbst entschieden zu haben: ein Teufelskreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Trennung \u2013 die b\u00f6sen F\u00fchrer der Hamas versus das friedliebende Volk \u2013 l\u00e4sst sich leider nicht durchf\u00fchren. Ein gro\u00dfer Teil der Bewohner Gazas unterst\u00fctzt die Hamas oder sympathisiert mit ihr. Nicht umsonst wurde die Hamas 2006 demokratisch gew\u00e4hlt und h\u00e4tte heute laut Umfragen noch immer eine Mehrheit. Es wird also nicht gen\u00fcgen, die Hamas zu zerst\u00f6ren. Es braucht auch Konzepte, der Bev\u00f6lkerung Alternativen zu Hass und Gewalt aufzuzeigen. Dies ist eine Langzeit-Aufgabe.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"7\">\n<li><strong> \u201eIsrael hat ja eine Mitschuld. Was die Juden den Pal\u00e4stinensern seit Jahren antun, da brauchen sie sich nicht wundern, wenn die sich nun wehren.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Konflikt zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern ist Jahrzehnte alt, und es l\u00e4sst sich dar\u00fcber streiten, wer daran welchen Anteil hat. Angesichts der j\u00fcngsten Massaker ist dieses Argument aber fehlplatziert, denn die Grausamkeiten der Hamas sind durch nichts zu rechtfertigen. Keine noch so konfliktreiche Vorgeschichte kann daf\u00fcr herhalten, dass Babys die K\u00f6pfe abgerissen und Schwangere aufgeschlitzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um etwas anderes. Das systematische und absichtlich grausame Ermorden von Juden, wie die Hamas es praktiziert hat, zielt auf die Ausrottung des j\u00fcdischen Volkes, soll einen Fl\u00e4chenbrand ausl\u00f6sen und letztlich den Staat Israel zu Fall bringen. Hinter diesen Gr\u00e4ueltaten steht eine satanisch inspirierte Israelfeindschaft, die einen religi\u00f6sen Hintergrund hat und perspektivisch auf einen Genozid, eine erneute \u201eEndl\u00f6sung\u201c, abzielt (\u201eZweiter Holocaust\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies wird nicht zuletzt am Namen deutlich, den die Hamas ihrem Angriff gegeben hat: Al-Aksa-Flut. Der Name besagt: Das Ziel ist Jerusalem \u2013 und damit die v\u00f6llige Vernichtung Israels. Insofern hat Israel recht, wenn es sich nicht nur im Kampf gegen die Hamas sieht, sondern im Kampf gegen das B\u00f6se.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"8\">\n<li><strong> \u201eIsrael hat das Land den Pal\u00e4stinensern weggenommen.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das stimmt nicht einmal f\u00fcr das Westjordanland, noch weniger f\u00fcr den Gazastreifen. Den Gazastreifen hat Israel 2005 ger\u00e4umt, er ist komplett in pal\u00e4stinensischer Hand. Um Land geht es hier gar nicht. Das Westjordanland hingegen hat eine lange Vorgeschichte, die bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs zur\u00fcckreicht. In jener Zeit hat die internationale Gemeinschaft beschlossen, in Pal\u00e4stina eine Heimst\u00e4tte f\u00fcr das j\u00fcdische Volk zu errichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das vorgesehene Gebiet umfasste ungef\u00e4hr das heutige Israel (das Westjordanland eingeschlossen) sowie Jordanien \u2013 meist \u00f6de und gering besiedelte Landfl\u00e4chen. Die Mandatsmacht Gro\u00dfbritannien teilte das Gebiet sogleich auf, um einen Araberstaat zu gr\u00fcnden: Transjordanien. Die Zwei-Staaten-L\u00f6sung wurde also damals schon umgesetzt, doch die Probleme blieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1947 legte die UNO einen weiteren Teilungsplan vor, der f\u00fcr Israel ungef\u00e4hr das jetzige Gebiet (ohne Westjordanland) vorsah und das Westjordanland f\u00fcr einen (weiteren) Araberstaat. Israel biss in den sauren Apfel, akzeptierte die Verkleinerung seines Gebiets und gr\u00fcndete seinen Staat; die Araber jedoch lehnten ab und griffen Israel an. Damit war dieser Teilungsplan vom Tisch, so dass das Westjordanland im Grunde noch immer Israel zustand. W\u00e4hrend des Unabh\u00e4ngigkeitskriegs 1948 wurde das Westjordanland aber von Jordanien rechtswidrig besetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1964 wurde die Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation PLO gegr\u00fcndet. Sie hatte das Ziel, Israel zu vernichten, um einen Staat Pal\u00e4stina aufzubauen. Dies war ein wesentlicher Schritt, dass die Araber in Israel\/Pal\u00e4stina zu einer Art \u201eVolk\u201c wurden und sich eine eigene Identit\u00e4t gaben: die Pal\u00e4stinenser. Vorher gab es dieses \u201eVolk\u201c gar nicht, geschweige denn einen Pal\u00e4stinenserstaat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend des Sechstagekriegs 1967 besetzte Israel das Westjordanland, verleibte es sich aber nicht ein, sondern \u00fcbernahm nur die Kontrolle. Im Zuge des Oslo-Friedensprozesses in den 1990er Jahren wurden im Westjordanland pal\u00e4stinensische Autonomiegebiete eingerichtet. Das sind sozusagen \u201eInseln\u201c, die unter pal\u00e4stinensischer Selbstverwaltung stehen, und sollte eine Zwischenstufe hin zu einer Zwei-Staaten-L\u00f6sung sein. Israel hat mehrfach gute Angebote f\u00fcr eine endg\u00fcltige L\u00f6sung vorgelegt, stie\u00df aber auf pal\u00e4stinensischer Seite auf taube Ohren. Inzwischen stagniert der Prozess.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz gesagt: Der Staat Israel besteht seit 1948, die Araber\/Pal\u00e4stinenser haben alle M\u00f6glichkeiten, einen eigenen Staat zu gr\u00fcnden, systematisch ausgeschlagen, das Westjordanland ist umstrittenes Gebiet, eine L\u00f6sung ist aktuell nicht in Sicht. Eines ist jedoch deutlich: Von \u201eLandraub\u201c kann keine Rede sein.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"9\">\n<li><strong> \u201eIsrael kann doch nicht auf Schulen und \u00f6ffentliche Einrichtungen schie\u00dfen.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein gro\u00dfes Problem. Das perfide Vorgehen der Hamas besteht darin, dass sie milit\u00e4rische St\u00fctzpunkte wie zum Beispiel Waffenlager in \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude legt: oben das Schulgeb\u00e4ude, im Keller das Waffenlager. Israel warnt deshalb die entsprechenden Einrichtungen vor und teilt mit, wann ein Angriff erfolgt, so dass die Geb\u00e4ude ger\u00e4umt werden k\u00f6nnen. Manchmal h\u00e4lt die Hamas die Menschen aber in den Geb\u00e4uden fest. Als menschliche \u201eSchutzschilde\u201c \u2013 beziehungsweise um sp\u00e4ter zivile Opfer \u201epr\u00e4sentieren\u201c zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Situationen sind f\u00fcr Israel ausgesprochen heikel und werden anhand entsprechender Vorgaben innerhalb der Kommandoebene der israelischen Armee gr\u00fcndlich er\u00f6rtert, um zivile Opfer m\u00f6glichst zu vermeiden.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"10\">\n<li><strong> \u201eWarum legt Israel den Gazastreifen nicht einfach komplett in Schutt und Asche wie Dresden im Zweiten Weltkrieg, damit endlich alles vorbei ist?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil dies Tausende ziviler Opfer fordern und eine humanit\u00e4re Katastrophe ausl\u00f6sen w\u00fcrde, die unabsehbar ist. Dazu kommt, dass die Menschen nicht fliehen k\u00f6nnten. Israel kann sie nicht ins Land lassen, weil die Terroristen unter der Bev\u00f6lkerung Gazas leben und auf diese Weise nach Israel kommen w\u00fcrden; \u00c4gypten weigert sich \u2013 aus demselben Grund.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"11\">\n<li><strong> \u201eWenn Israel sagt, sie zerst\u00f6ren jetzt die Hamas: Warum haben sie es denn nicht schon l\u00e4ngst getan?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Israel dazu in den Gazastreifen eindringen muss. Das h\u00e4tte bisher f\u00fcr einen ungeahnten Aufruhr gesorgt, nicht nur in der arabischen Welt, sondern weltweit. Die internationale Akzeptanz f\u00fcr solch einen Schritt ist jetzt nach den Massakern ungleich h\u00f6her.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"12\">\n<li><strong> \u201eDas israelische Milit\u00e4r ermordet Kinder und Zivilisten. Israel begeht schon seit 75 Jahren Genozid.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Anschuldigung entbehrt jeglicher Grundlage und entspringt der antiisraelischen Stimmungsmache. Hinter einem Genozid steht die Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religi\u00f6se Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerst\u00f6ren. Das ist \u00fcberhaupt nicht Israels Ziel. Die israelische Armee (IDF) unterliegt hohen ethischen Normen und starker Kontrolle. Israel achtet entschieden darauf, zivile Opfer zu vermeiden, und kl\u00e4rt fragw\u00fcrdige Vorg\u00e4nge aktiv auf.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"13\">\n<li><strong> \u201eDer Mossad war rechtzeitig alarmiert, blieb aber passiv, um die Situation eskalieren zu lassen, damit Israel dann mit aller H\u00e4rte zur\u00fcckschlagen kann.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was den Geheimdiensten vorab bekannt war, wissen wir aktuell nicht. Ebenso wenig ist deutlich, wie innerhalb des Mossad auf m\u00f6gliche vorhandene Informationen reagiert wurde und wie es zu m\u00f6glichen Vers\u00e4umnissen kam.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"14\">\n<li><strong> \u201eK\u00f6nnen die Ereignisse mit Hesekiel 38 in Verbindung stehen?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine endzeitliche Einordnung ist momentan noch nicht m\u00f6glich. Auch ist nicht klar, ob wir es \u00fcberhaupt mit einem endzeitlichen Geschehen zu tun haben. Referenztexte wie Psalm 83, der Gog-Magog-Krieg (Hesekiel 38) oder gar der V\u00f6lkeransturm auf Israel nach Sacharja 12 k\u00f6nnen bisher nicht herangezogen werden, um die Geschehnisse zu deuten, da nicht gen\u00fcgend Parallelen vorliegen. Allerdings kann sich die Situation in die genannten Endzeit-Szenarien hineinentwickeln. Dies ist durchaus m\u00f6glich und sollte verfolgt werden.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"15\">\n<li><strong> \u201eIsrael muss das alles durchmachen, es steht ja in der Bibel f\u00fcr die Endzeit geschrieben. Das ist Gottes Wille. Das muss man einfach geschehen lassen.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die jetzige Situation etwas mit biblischen Endzeitprophetien zu tun hat, wissen wir nicht. Wenn ja, dann hei\u00dft dies nicht, dass Angriffe auf Israel Gottes Willen entsprechen. Es ist auch m\u00f6glich, dass Propheten Ereignisse vorhersagen, die zwar eintreten, aber nicht Gottes Willen entsprechen. Dazu geh\u00f6ren zweifellos alle Angriffe auf Israel, die Gott letztendlich abschmettern wird (Hesekiel 38; Sacharja 12; Offenbarung 20).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Grundauftrag, Israel zu segnen, bleibt \u2013 gerade in schwierigen Zeiten (1. Mose 12,3). In Matth\u00e4us 25 greift Jesus diesen Grundauftrag auf. Er schildert verschiedene Notsituationen, die insbesondere auch in den Turbulenzen der Endzeit auftreten, und sagt: \u201eWas ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan\u201c (25,40). Nimmt man diese Aussage w\u00f6rtlich, dann kann man sie auf die Juden (als leibliche Br\u00fcder Jesu) beziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben dann einen Auftrag unseres Herrn, den Juden in ihrer Not nach Kr\u00e4ften beizustehen, um auf diese Weise Jesus zu dienen. Den haben wir aber ohnehin, denn Notleidenden zu helfen ist ein christliches Grundgebot.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"16\">\n<li><strong> \u201eWas kann ich antworten, wenn jemand sagt, der Gazastreifen sei \u201aunter der israelischen Blockade zu einem Freiluftgef\u00e4ngnis geworden\u2018?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gazastreifen ist seit 2005 vollst\u00e4ndig in pal\u00e4stinensischer Hand und funktioniert wie ein kleiner Staat. Wer nach Israel einreisen will, braucht ein Visum. Viele Pal\u00e4stinenser haben eines, da sie in Israel arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bittere ist: Einige von ihnen haben die Spionagearbeit geleistet, die die Hamas brauchte, um die j\u00fcngsten Massaker vorzubereiten \u2013 ein enormer Vertrauensbruch. Seit Jahren vergeht keine Woche, in der nicht Raketen von Gaza aus nach Israel abgefeuert werden. Dass mit der Hamas in Gaza eine Regierung sitzt, die Israel vernichten will, kann jeder in deren Charta nachlesen. Deshalb h\u00e4lt Israel die Grenze relativ dicht und achtet penibel darauf, wer ins Land kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das tun im \u00dcbrigen viele Staaten. Freie Grenz\u00fcbertritte, wie wir es in Europa kennen, sind weltweit eine Seltenheit; Kontrollen und Visumspflicht sind die Normalit\u00e4t. Doch der Gazastreifen grenzt nicht nur an Israel, sondern auch an \u00c4gypten \u2013 und das Land hat seine Grenze ebenfalls abgeriegelt.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"17\">\n<li><strong> \u201eIch frage mich, warum immer wieder der Vorwurf kommt, Israel unterdr\u00fccke die Pal\u00e4stinenser. Ist das \u00dcbertreibung? Oder gibt es das tats\u00e4chlich?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorwurf der Unterdr\u00fcckung ist zun\u00e4chst fester Bestandteil der Propaganda. Er bewirkt eine weltweite Solidarisierung mit den \u201eUnterdr\u00fcckten\u201c. Im Gazastreifen ist Israel aber gar nicht pr\u00e4sent, kann also auch nicht unterdr\u00fccken. Im Westjordanland \u00fcbt Israel die Kontrolle aus, um Attentate zu vermeiden. Diese Kontrolle kann mehr oder weniger strikt ausfallen. Dass es hier zu \u00fcbergriffigen Aktionen kommt \u2013 vor allem an den Checkpoints \u2013 stimmt. \u00dcbergriffe erfolgen jedoch \u2013 und das ist der entscheidende Punkt \u2013 nicht systematisch und werden strafrechtlich verfolgt. Wie eng solche Kontrollen sein sollten, wird in der israelischen Gesellschaft diskutiert. Dabei muss Israel Sicherheit gegen Kontrolle abw\u00e4gen. Je mehr Kontrolle, desto h\u00f6her die Sicherheit; je lockerer, desto gr\u00f6\u00dfer die Gefahr von Attentaten.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"18\">\n<li><strong> \u201eL\u00e4sst Israel die Pal\u00e4stinenser verhungern?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein. Israel belieferte die Pal\u00e4stinenser vor dem 7. Oktober zwar mit verschiedenen G\u00fctern wie Wasser, Elektrizit\u00e4t und auch Nahrungsmitteln, doch sind dies nur unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen. Die Pal\u00e4stinenser versorgten sich sonst weitgehend selbst. Das hei\u00dft: Selbst wenn Israel alle Unterst\u00fctzung einstellen w\u00fcrde, w\u00e4re das Leben der Pal\u00e4stinenser nicht in Gefahr.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"19\">\n<li><strong> \u201eWie stehen pal\u00e4stinensische Christen zu Israel?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der pal\u00e4stinensischen Christenheit gibt es verschiedene Lager. Die einen kennen die biblischen Berufungen und Verhei\u00dfungen Israels (allen voran die Landverhei\u00dfung) und bejahen sie. Sie stehen Israel vergleichsweise nahe und sind um Ausgleich bem\u00fcht. Die anderen sind zwar Christen, leben aber stark im pal\u00e4stinensischen Narrativ \u2013 Israelhass eingeschlossen. Aufgrund ihrer christlichen \u00dcberzeugung feiern sie zwar nicht die Gewalttaten der Hamas, aber tiefe Gef\u00fchle der Feindschaft, der Frustration und der Ablehnung liegen dennoch vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Grund gibt es Dienste, die zwischen pal\u00e4stinensischen Christen und messianischen Juden Vers\u00f6hnung initiieren. So entstehen kleine \u201eKeimzellen\u201c, die der Verst\u00e4ndigung und dem Frieden dienen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"20\">\n<li><strong> \u201eWas sollten Christen nun tun?\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen sollten in diesen Tagen im Gebet hinter Israel stehen, Israel solidarisch zur Seite stehen, Juden weltweit nach besten Mitteln unterst\u00fctzen, L\u00fcgen und Falschdarstellungen entgegentreten, Anti-Israelismus im eigenen Land bek\u00e4mpfen und \u00f6ffentlich die Stimme f\u00fcr Israel erheben. Das Gedenken an den Holocaust erfordert es, das \u201eNie wieder\u201c mit Leben zu f\u00fcllen. Nie wieder ist jetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus idea 45-2023 mit freundlicher Genehmigung der idea-Redaktion. 07.11.2023 Seit die Hamas am 7. Oktober Israel \u00fcberfiel und ein Blutbad anrichtete, ist Israel im Krieg. IDEA erreichten Fragen von Lesern. Viele w\u00fcnschen sich Argumente, um auf Israelkritik angemessen zu reagieren. Wir baten den Leiter des Bereichs Theologie und Gemeinde bei \u201eChristen an der Seite Israels\u201c [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":738,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20514"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/738"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20514"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20514\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20518,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20514\/revisions\/20518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}