{"id":20451,"date":"2023-10-22T09:10:40","date_gmt":"2023-10-22T07:10:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20451"},"modified":"2023-10-22T09:14:08","modified_gmt":"2023-10-22T07:14:08","slug":"22-sonntag-nach-trinitatis-zum-wochenspruch-micha-68-eine-auslegung-von-hans-brandenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20451","title":{"rendered":"20. Sonntag nach Trinitatis: Zum Wochenspruch Micha 6,8 eine Auslegung von Hans Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>&#8222;Es ist dir kundgetan, Mensch, was gut ist und was Jahve von dir fordert: nichts als gerecht handeln, die G\u00fcte lieben und dem\u00fctig wandeln vor deinem Gott&#8220;<\/em> <\/strong>(Micha 6,8).<br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt;\">[F\u00fcr &#8222;gerecht handeln&#8220; steht w\u00f6rtlich &#8222;das Recht tun&#8220;; die Lutherbibel liest noch freier: &#8222;Gottes Wort halten&#8220;.]<\/span><\/p>\n<p>Hans Brandenburg schreibt in seinem Kommentar:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott blieb nicht stumm. Der Einwand: Ich kann ja nicht wissen, was Gott von mir will, ist meist nicht aufrichtig. Auch nicht bei jenem reichen J\u00fcngling, der Jesus fragte: \u201eWas mu\u00df ich tun, da\u00df ich selig werde?\u201c Denn was die Grundhaltung des Menschen sein soll, um Gottes Wohlgefallen zu finden, das blieb kein Geheimnis. Zumal in Israel. Darum konnte Jesus den reichen J\u00fcngling auf die Zehn Gebote hinweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auffallend aber bleibt hier die Anrede \u201eMensch\u201c. <!--more-->Es ist zugleich der Name des ersten Menschen Adam (d. h. Mensch), der hier in der Anrede steht. Wir werden nicht fehlgehen, darin einen Hinweis zu sehen, da\u00df die Antwort Jahves nicht nur dem Volk seines Bundes gilt. Was hier Gott vom Menschen erwartet, das steht noch jenseits der Gesetze vom Sinai. Neutestamentlich gesprochen: Das gilt nicht nur dem Christen. Es w\u00e4re gewi\u00df sehr gef\u00e4hrlich, die Antwort Gottes im Sinne der flachen Rede der Stra\u00dfe zu verstehen: Tue recht und scheue niemand! Was hier steht, ist das genaue Gegenteil davon. \u201eGerecht handeln\u201c \u2014 das ist eben nicht im Sinne einer Alltagsmoral gemeint, die sich\u2019s allzu bequem macht. Gerechtigkeit ist ein g\u00f6ttlicher Ma\u00dfstab. Das Wort klingt mehr an Jesu Wort aus der Bergpredigt an: \u201eIhr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist\u201d (Matth. 5, 48). Gott allein ist die Norm alles dessen, was gerecht ist. Vor ihm beugen wir uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie G\u00fcte lieben.\u201d Es ist hier ein Ausdruck benutzt, der auch mit Gnade \u00fcbersetzt werden kann. Es ist die Gunst, die Gott uns zu wendet. Sie ist aller Liebe wert. Die G\u00fcte lieben ist soviel wie Gott selbst lieben in seiner uns zugewandten Gnade. \u201eJe mehr ich lieb\u2019, je mehr ich find\u2019, da\u00df ich dich lieben sollte\u201c, singt Johannes Heermann, jener leidgepr\u00fcfte schlesische S\u00e4nger des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. Nur wer diese Gottesgnade von Herzen liebt, wird die \u201eGerechtigkeit\u201c erf\u00fcllen. Und doch bleibt ein solcher dem\u00fctig vor seinem Gott. Das ist die Kunst, die uns zutiefst nur der Heilige Geist lehrt, da\u00df wir der Gerechtigkeit Gottes folgen und dennoch kein Verdienst daraus machen. Nur bei den Dem\u00fctigen ist Gnade (1. Petr. 5, 5).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich hatte Gott einst zu Adam gesprochen: Gehorche meinem Wort! Trau meiner Liebe! Unterwirf dich mir! Adam aber \u00f6ffnete sich der Einfl\u00fcsterung des Versuchers, sagte Gott das Vertrauen und den Gehorsam auf und wollte sich selbst zum Gott erheben. So wird der Mensch sich selbst zum Ma\u00dfstab und ist weit entfernt, sich vor Gott zu dem\u00fctigen. Nun hilft die Erinnerung an das, was eigentlich sein sollte, nicht mehr. Die Norm bleibt zwar bestehen. Das Ziel ist klar. Um es aber zu erreichen, gilt es, den Heilsweg Gottes zu gehen. Weil Israel die Gerechtigkeit nicht tut, nach der G\u00fcte Gottes wenig fragt und sich in Vermessenheit \u00fcberhebt, ist der Heilsweg nicht m\u00f6glich ohne Gottes Gerichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus: Brandenburg, Hans: Kleine Propheten I. Die warnenden W\u00e4chterstimmen. Gie\u00dfen\/Basel: Brunnen 1963 (Das lebendige Wort, 9), S. 106\u2013107.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es ist dir kundgetan, Mensch, was gut ist und was Jahve von dir fordert: nichts als gerecht handeln, die G\u00fcte lieben und dem\u00fctig wandeln vor deinem Gott&#8220; (Micha 6,8). [F\u00fcr &#8222;gerecht handeln&#8220; steht w\u00f6rtlich &#8222;das Recht tun&#8220;; die Lutherbibel liest noch freier: &#8222;Gottes Wort halten&#8220;.] Hans Brandenburg schreibt in seinem Kommentar: Gott blieb nicht stumm. 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