{"id":20424,"date":"2023-10-21T06:00:45","date_gmt":"2023-10-21T04:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20424"},"modified":"2023-10-21T11:10:51","modified_gmt":"2023-10-21T09:10:51","slug":"deine-sprache-verraet-dich-mt-2673-muttersprache-und-vaterland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20424","title":{"rendered":"\u201eDeine Sprache verr\u00e4t dich\u201c (Mt 26,73): Muttersprache und Vaterland"},"content":{"rendered":"<p>1. Zwei Vor-Erz\u00e4hlungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDeutsch ist die Sprache meiner Freiheit. Diese Sprache schenkt mir die M\u00f6glichkeit, mich frei zu \u00e4u\u00dfern. Die \u201aFremdsprache\u2018 bietet mir eine Heimst\u00e4tte an, die die Heimat nicht ersetzt und nicht ersetzen will. Aus dem Grund k\u00f6nnte ich heute die deutsche Sprache nie verlassen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der das sagte, z\u00e4hlte 14 Literaturpreise und Auszeichnungen, dazu die Goethe-Medaille und das Bundesverdienstkreuz am Bande \u2013 all das, obwohl er nicht in seiner Muttersprache schrieb: <!--more-->Der aus dem Iran stammende Schriftsteller Said Mirhadi. SAID, so der K\u00fcnstlername in Gro\u00dfbuchstaben, wurde 1947 in Teheran geboren, studierte ab 1965 in M\u00fcnchen, wohin er sp\u00e4ter, entt\u00e4uscht von der iranischen Revolution, wieder zur\u00fcckkehrte und blieb. 2000 bis 2002 war er Pr\u00e4sident des PEN-Zentrums der deutschen Schriftsteller. Er wurde zu den bedeutenden deutschsprachigen Lyrikern der Gegenwart gez\u00e4hlt. Mitten in den Arbeiten zu diesem Aufsatz starb er am 15. Mai 2021 an einem Herzinfarkt. Mit dem zitierten Satz antwortete er auf die Frage, ob er \u201eim zweiten Land in der anderen Sprache auch eine Heimat finden kann\u201c. Die \u201eSprachnachrichten\u201c schreiben \u00fcber ihn, SAIDs Intention ausziehend: \u201eWenn er eine Ersatzheimat gefunden hat, dann in der deutschen Sprache, die ihm als Werkzeug und Medium dient.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> F\u00fcr SAID geht es jedoch weniger um das Deutsche an sich, sondern mehr um die Sprache der Nation, die ihm Freiheit bot. In seinem Beitrag \u201ezur entstehung der poesie\u201c staunt er \u00fcber die Kraft der Poesie, \u201eandere wirklichkeiten\u201c wachsen zu lassen. Diese \u00fcberspannen den \u201eAbgrund\u201c \u201ezwischen dem betrachter und seinem objekt\u201c (Kleinbuchstaben von SAID):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201ediese autoren, die keine abgr\u00fcnde kennen, k\u00f6nnen auch keinen halt mehr bieten, keinen trostraum f\u00fcr die verletzlichen. fortan siegt der nihilistische geist der gleichmacher, die alles erkl\u00e4ren, um nichts zu empfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">doch jede sch\u00f6pfung ist organisch den gesetzen der vibrierung unterworfen \u2013 das r\u00e4tsel der welt liegt in der anbetung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">wer daf\u00fcr kein organ hat, mutiert zum intellektuellen des fortschritts, sieht nur auf seine h\u00e4nde, h\u00f6rt seine handys und zieht sich zur\u00fcck in den kokon der postmoderne. und wundert sich, wenn ihn dort die aggressive lesart der religionen \u00fcberrascht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201awo keine g\u00f6tter sind, herrschen die gespenster\u2018, warnte schon novalis.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen wir uns von SAID f\u00fcr unser Thema zwei Einsichten mitgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eine: Sprache vermittelt Heimat, indem sie den Beheimateten einh\u00fcllt, ihm nicht nur Werkzeug, sondern Medium ist. H\u00e4tte Sprache keinen \u00fcberzeichenm\u00e4\u00dfigen Charakter, w\u00e4re sie also lediglich (maschinell verarbeitbare) Information, verl\u00f6re sie ihr Geheimnis und ihre elterliche, Heimat stiftende Kraft sofort. Muttersprache (vor allem Dialekt) und Vaterland sind durch diese Eigenschaften f\u00fcr die meisten Menschen untrennbar verbunden. \u201eVaterland\u201c und \u201eMuttersprache\u201c: Dieser Sprachgebrauch weist hin auf die Zeugung eines Kindes, auf sein Geborgen- und Eingef\u00fcgtsein in Familie, Land, Kultur und Staat. Sprache umfa\u00dft alle diese Dimensionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die andere: SAID gewann durch Vertrautwerden mit und in einer Fremdsprache ein neues (Vater)Land. Treten Vaterland und Muttersprache auseinander, wie f\u00fcr die Wanderer zwischen den (Sprach\u2011)Welten, ergibt sich eine Spannung, die fruchtbar sein kann wie bei SAID, aber auch desastr\u00f6s vereinsamend f\u00fcr die, denen die neue Heimat und Sprache verschlossen bleibt. SAID steht mit seiner Erfahrung nicht allein; \u00e4hnlich haben es Geistesgr\u00f6\u00dfen wie Thomas Mann erlebt, insbesondere auch Juden: Marcel Reich-Ranicki, Karl Wolfskehl u.a.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zweite Vor-Erz\u00e4hlung lassen wir uns von der gro\u00dfen Operns\u00e4ngerin Edda Moser (geb. 1938) geben. Auch sie ist Wanderin zwischen den Welten (eine Aufnahme von ihr fliegt mit der Voyager II durchs All!) und insofern von gesteigerter Sensibilit\u00e4t f\u00fcr sprachliche Eigenarten: Sie gr\u00fcndete das Festspiel der deutschen Sprache, das j\u00e4hrlich in Sachsen-Anhalt stattfindet. Es soll f\u00fcr die deutsche Sprache begeistern und dem Sprachverfall entgegenwirken. Im Interview des Deutschlandfunks beschrieb sie die Hintergr\u00fcnde ihrer Idee; ich gebe die m\u00fcndliche Rede samt der Br\u00fcche minimal gek\u00fcrzt wieder:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eAuf die Idee gekommen bin ich eigentlich, als ich aus Amerika zur\u00fcckgekehrt bin. Ich habe ja sehr viel in Amerika gearbeitet und habe dort sehr bewundert, wie die Juden, die 50 Jahre in New York lebten, ein perfektes Deutsch sprachen \u2013 mit allen Dialekten, ob es Mainzerisch oder Dresdnerisch war oder so. Das war so bewundernswert, dass ich immer fragte, warum ist das m\u00f6glich, ihr sprecht alle so ph\u00e4nomenal deutsch, und die jungen Leute, die nach Amerika kommen, sprechen fast schlecht, insofern: Wenn sie nach drei Jahren ununterbrochen in Amerika waren, hatten sie schon einen amerikanischen Akzent. Und da sagten mir dann die Leute, die 50 Jahre dort lebten und vor den Entsetzlichkeiten der deutschen Politik eben geflohen waren: <em>Die deutsche Sprache ist unser portatives Heimatland.<\/em> Und das hat mich sehr nachdenklich gemacht. \u2026 da dachte ich, die deutsche Sprache anhand dieser schwachsinnigen Anglizismen, die man heute selbst bis in h\u00f6chste Kreise h\u00f6rt, auch Leute, die sich mit der Sprache besch\u00e4ftigen, die dann so unsinnigen Quatsch reden und wo man ein deutsches Wort benutzen k\u00f6nnte, dass ich gesagt habe, dagegen muss ich also jetzt wirklich zu Felde ziehen. In den Zeitungen kamen dann Worte wie \u201aBoris fightete\u2018, oder \u201ader hat sich geoutet\u2018. Da habe ich gesagt, das gibt es nicht, das kommt nicht infrage. Ich habe einfach die zornige Auffassung, dass wir unsere Sprache retten m\u00fcssen, und unsere Sprache ist ein Teil der Individualit\u00e4t. Jeder m\u00f6chte gerne Individualist sein. Das kriegt er durch Anglizismen nicht hin, sondern nur durch eine Sprache, in der er sich dann &#8230; Zum Beispiel w\u00fcrde man sagen, er hat sich geoutet. Warum sagt man nicht, ich offenbare mich? Das ist eine Gnade, diese Sprache zu sprechen, und das ist meine Hauptaufgabe jetzt.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen wir uns auch von Edda Moser zwei Grundgedanken f\u00fcr unser Thema geben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen: Wenn die Sprache ein portatives Heimatland ist, dann kann es in der Fremde die alte Heimat bewahren, ja die neue Umgebung vertraut(er) machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen: Anglizismen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und gender-\u201egerechte\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Sprache haben das Potential, die Beheimatung in der Muttersprache zu gef\u00e4hrden, sowohl die Identifikation der Migranten, die dabei sind, heimisch zu werden, als auch der Alteingesessenen. Der Widerwille gegen\u00fcber dem d\u00e4mlichen \u201eDenglischen\u201c setzte bei der Sopranistin gro\u00dfe Energien frei, sich f\u00fcr die Sch\u00f6nheit und den zureichenden Charakter der deutschen Sprache f\u00fcr Kommunikation, Literatur, Politik usw. einzusetzen. Die Schriftstellerin Gudrun Luh-Hardegg bringt in ihrem Buch \u201eVon der Sch\u00f6nheit unserer Sprache oder K\u00f6nig Midas zum Trotz\u201c zahllose weitere Beispiele daf\u00fcr. Auch andere Kabarettistinnen und Schauspielerinnen wie Monika Gruber oder Cate Blanchett lehnen die Genderformen ab, ohne um ihren Ruf zu f\u00fcrchten. (Eine andere Frage ist, ob und wie die \u201ezornige Auffassung\u201c umsetzbar sein wird, \u201edass wir unsere Sprache retten m\u00fcssen\u201c.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erlaube mir, zu verallgemeinern: <em>Je h\u00f6her die literarische Meisterschaft, desto \u201esprachreiner\u201c wird gesprochen; je politischer bzw. je moralisch aufgeladener gedacht wird, desto st\u00e4rker werden Sprechen und Schreiben einem ideologischen oder denglisch-anbiedernden Diktat unterworfen.<\/em> Und je mehr jemand in einem Sachgebiet verwurzelt und kompetent ist, desto eher widersteht er (und hier gerade auch: sie) den neuen Vorgaben. So wollen die Soldatinnen der Bundeswehr (Anteil: 12%) mehrheitlich eben nicht \u201eOberstleutnantin\u201c, \u201eOberstin\u201c oder \u201eBootsfrau\u201c usw. hei\u00dfen. Laut den \u201eSprachnachrichten\u201c ist Friedrich Forssman einer der f\u00fchrenden Typographen Deutschlands. Dieser warnt, man g\u00e4be \u201eauf Jahrzehnte hinaus die Sprache als etwas Gemeinsames, Einigendes\u201c auf, wenn man die Grammatik nach moralisch-ideologischen Kriterien verforme.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spitzt man diese Verallgemeinerung versuchsweise nochmals zu, so kommt heraus:<em> Je marktkonformer (und leider oft auch: je bildungsferner), desto denglisch; je politischer, desto gender<\/em>. Die Zuspitzung vereinfacht, und man sollte sie nicht pers\u00f6nlich adressieren. Doch als gesellschaftliche Tendenz der sprachlichen Anbiederung stimmt sie. B\u00fccher, die unsere Sprache gegen diese Entheimatung verteidigen wollen, best\u00e4tigen den Trend nur.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li>Von der gegenw\u00e4rtigen zur grunds\u00e4tzlichen Problematik<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Tag der Logop\u00e4die am 6. M\u00e4rz 2021 meldete die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Sprachheilp\u00e4dagogik, bei Kindern h\u00e4tten Sprachst\u00f6rungen in den letzten Jahren \u201ealarmierend zugenommen\u201c. Dies betreffe vorwiegend die Sprachentwicklung und die Aussprache. Auch Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkf\u00e4higkeit der Kinder lie\u00dfen nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kompetenzentwicklung hinsichtlich Lesen, Textverst\u00e4ndnis, Rechtschreibung, Sch\u00f6nschrift wirft in der Tat eine F\u00fclle kritischer Fragen an unser Bildungs- und Mediensystem auf. \u00c4ltere und lesefreudige Menschen, die vom Thema \u201eHeimat Sprache\u201c h\u00f6ren, werden darum mit Schmerz an die letzten Jahrzehnte denken. Das gilt erst recht f\u00fcr die unter ihnen, die in den Bereichen von Bildung und Medien auf die deutsche Sprache angewiesen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind sie weder allein, noch ist ihre Sorge neu. 1965 schrieb Gerhard Friedrich (1908\u20131986), evangelischer Professor f\u00fcr Neues Testament:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eDas Beunruhigende der heutigen Situation ist, da\u00df wir in einer ausgesprochenen Krise des Wortes leben. Das Wort hat weithin seinen Wortcharakter verloren, indem es zu einer leeren Mitteilungsformel und einem Zeichensystem geworden ist. \u2026 Die Technisierung der Sprache f\u00fchrt zum Tod des Wortes.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich beklagte eine Wort-Inflation, eine Entwertung des Wortes insbesondere auch in der Theologie. Am schlimmsten sei es in der Politik, wo Sprache \u201est\u00e4rker mi\u00dfbraucht werde als je\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eDie W\u00f6rter dienen nicht dazu, sich dem andern gegen\u00fcber zu offenbaren, sondern die Gedanken vor ihm zu verbergen und ihn zu t\u00e4uschen. \u2026 Die Verkehrung der W\u00f6rter in ihr Gegenteil wird von Orwell als die eigentliche Mechanik der neuen Zeit beschrieben.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor Friedrich hatte der katholische Professor f\u00fcr Theologie und Religionsphilosophie, Romano Guardini (1885\u20131968), die Lage der Sprache als \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrdet und eine neue Verantwortlichkeit ihr gegen\u00fcber als \u201ebesonders dringlich\u201c bezeichnet; er bef\u00fcrchtete gar ihr Zugrundegehen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> F\u00fcr christliche Theologen sollte die besondere Verantwortlichkeit f\u00fcr das Wort verst\u00e4ndlich, ja selbstverst\u00e4ndlich sein. Denn wie sollte das zunehmende Entzogensein unserer Kultur vom g\u00f6ttlichen Wort, von dem aus alles Sprechen W\u00fcrde, Wahrheit und Klarheit empf\u00e4ngt, nicht auch eine zunehmende Entfernung unserer Sprache von W\u00fcrde, Wahrheit und Klarheit zur Folge haben?<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">George Steiner (1929\u20132020) skizziert in \u201eVon realer Gegenwart\u201c (1990) einen Bruch zwischen Wort und Welt in fundamentaler und folgenreicher Art \u201ezwischen 1870 und 1940 in Kultur und spekulativem Bewu\u00dftsein Europas, Mitteleuropas und Ru\u00dflands \u2026 <em>Es ist dieser Bruch des Kontraktes zwischen Wort und Welt, der eine der wenigen echten geistigen Revolutionen in der Geschichte des Westens darstellt und durch den sich die Moderne definiert<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Unter anderem verweist er auf Stephane Mallarm\u00e9, gem\u00e4\u00df dem das <em>Wort<\/em> Rose eben nicht die Eigenschaften der <em>Blume<\/em> Rose hat: Es sticht nicht und duftet nicht. Sprache habe ihre beheimatende Funktion schon damals eingeb\u00fc\u00dft, die Bedeutungen der W\u00f6rter werden willk\u00fcrlich. Das \u201eJe est un autre\u201c (\u201eIch ist ein anderer\/etwas anderes\u201c) von Arthur Rimbaud (1854\u20131891) dokumentiere die Aufl\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sehnsucht des Menschen nach Selbstentgrenzung f\u00fchrt jedoch zu Entfremdung, Entheimatung, und vor allem zur politischen Verf\u00fcgbarkeit in jede Richtung. F\u00fcr den postmodernen Vordenker Friedrich Nietzsche (1844\u20131900) lag der entscheidende Machtfaktor der Zukunft bei denen, die in der Lage sein werden, die Sprache zu regeln beziehungsweise einen bestimmten Sprachgebrauch durchzusetzen. F\u00fcr ihn hat Sprache \u2013 nach dem von ihm ausgerufenen Tode Gottes und dem Ende der Metaphysik \u2013 gar keinen Anhalt mehr an der Wirklichkeit. Es gebe praktisch nur noch Interpretationen, die miteinander ringen. Die interpretierte Wirklichkeit werde durch Sprache vielmehr erst erzeugt! Analog entwarf George Orwell (1903\u20131950) in \u201e1984\u201c die Schreckensvision eines \u201eWahrheitsministeriums\u201c, das die richtigen Geschichtsdaten erst herstellte. Da\u00df heute die Freiheit des sprachlichen Ausdrucks und damit des Denkens immer weiter reduziert wird, liegt auf der gleichen Linie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann die Problematik mit guten Recht noch weiter zur\u00fcckverfolgen auf die S\u00e4kularisierung, die alle Gebiete des Lebens, eingeschlossen die Sprache, \u201eaufkl\u00e4ren\u201c, d.h. auf nat\u00fcrliche Ursachen und Prinzipien reduzieren will.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Es ist, kurz gesagt, Sprache ohne Gott, die gefangen bleibt in einer Abw\u00e4rtsspirale, in der sich grammatische Aufl\u00f6sungen und Abschleifungen (hier\u00fcber im Sprachvergleich: Roger Liebi) und immer neue Krisen der Bedeutungen vollziehen (hier\u00fcber neben George Steiner etwa bereits Max Picard<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> u.a.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem mit Wilhelm von Humboldt einsetzenden \u00dcberblick \u00fcber die bisherigen Forschungen zur Typologisierung aller Sprachen der Welt meinte der Sprachwissenschaftler Johannes Fischer (1895\u20131983) f\u00fcr die \u201e\u201aindogermanischen\u2018 Sprachen im allgemeinen und speziell dann im Griechischen und noch einmal in dem Typus der modernen europ\u00e4ischen Sprache eine Tendenz zur Ausscheidung des Intentionalit\u00e4tsprinzips zu erkennen\u201c, w\u00e4hrend die anderen Sprachgruppen im wesentlichen konstant blieben. Wenn ich Lohmann recht verstehe, geht es ihm wie Steiner um die verloren gehende Unmittelbarkeit der Gegenwart oder Vergegenw\u00e4rtigung der <em>Sache im Wort<\/em>, denn er schreibt weiter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eDas bewegende Motiv der \u201aindogermanischen\u2018 Sprachgeschichte ist die <em>Entbindung des Begriffes aus der Sprache<\/em>, und zwar von ihrem Anfange bis zu ihrem Ende. Am Ende steht die Idee der nackten, puren, metaphysikfreien Objektsprache, deren Wesen der fr\u00fche Wittgenstein \u2026 am konsequentesten erfa\u00dft hat. \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Der \u2026 Begriff des Wortes wird dann im weiteren Verlaufe zu einem arbitr\u00e4ren Zeichen f\u00fcr das damit bezeichnete \u201aObjekt\u2018 \u2013 eine Entwicklung, die im Englischen und Franz\u00f6sischen weiter fortgeschritten ist als im Deutschen (was sich auch in der Orthographie manifestiert).\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eMan kann so die indogermanische Sprachgeschichte in dem Trend, der sie beherrscht, so beschreiben, da\u00df der \u201aSinn\u2018 aus der Sprache selbst entweicht und nur noch durch objektive Erfahrungen des denkenden \u201aSubjekts\u2018 gegeben ist. Was die Indogermanistik, speziell als die sog. \u201aEtymologie\u2018 tut, ist nichts weiter als der Versuch, durch den R\u00fcckgriff auf die Geschichte den aus der Sprache entwichenen Sinn wieder in sie zur\u00fcckzuholen. Dadurch entsteht ein Bild der Sprachgeschichte, wonach in grauer Vorzeit eine sog. \u201aUrsprache\u2018, gewisserma\u00dfen als ein Geschenk des Himmels, den V\u00f6lkern in den Scho\u00df gefallen w\u00e4re, um von ihnen hinfort nur noch \u2026 deformiert zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Eine solche systematische Deformation, Zerst\u00f6rung des urspr\u00fcnglichen Sinngef\u00fcges, findet in der indogermanischen Sprachgeschichte, aber nur in ihr allein unter allen bekannten Sprachgeschichten, tats\u00e4chlich statt: Die Zerst\u00f6rung des urspr\u00fcnglichen Sinnes ist hier gerade der Sinn der Sprachgeschichte. Ihr Ziel ist die \u201aWortsprache\u2018, die der heutige Europ\u00e4er mit Sprache \u00fcberhaupt verwechselt, d.h. die Gestalt einer Sprache, in der <em>terms <\/em>(man kann dies charakteristischerweise nur auf Englisch sagen) mit Hilfe einer logisch-grammatischen Apparatur auf \u201aObjekte\u2018 bezogen werden. Dieses Ziel kann in nat\u00fcrlichen Sprachen allerdings niemals vollst\u00e4ndig erreicht werden, wohl aber z.B. in dem sog. \u201aBasic English\u2018 (d.h. einer auf dem nat\u00fcrlichen Englisch aufgebauten Kunstsprache) sowie in der \u201aformalisierten\u2018 Sprache der Wissenschaften mathematischen Charakters und in der philosophischen Idee der \u201aObjektsprache\u2018, wie sie als erster Wittgenstein in letzter Konsequenz entwickelt hat.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sollte nicht \u00fcberraschen, da\u00df die Klage von Literaturwissenschaftlern vom Schlage Steiners auch sprachwissenschaftliche Pendants findet. Eher sollte \u00fcberraschen, da\u00df derlei nicht h\u00e4ufiger vorgetragen wird. Sollten Lohmann und Steiner Recht haben \u2013 und ich finde, es kommt ihnen hohe Plausibilit\u00e4t zu \u2013, so mag man als Lehrer oder Prediger best\u00fcrzt und ern\u00fcchtert reagieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Best\u00fcrzt: Moderne und Postmoderne mit ihrem Sprachverst\u00e4ndnis sind offenbar auf dem besten Weg, uns schon sprachlich den Himmel zu verschlie\u00dfen. Denn wenn sich die Sprachentwicklung \u00e0 la Wittgenstein allem Sinn, aller Ethik entzieht, um wieviel mehr wird sie sich transzendenten Erw\u00e4gungen verschlie\u00dfen. Liegt hier eine, vielleicht eine gro\u00dfe Problematik heutiger Heimat\u2011, Traditions\u2011 und Glaubensvermittlung begraben?<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ern\u00fcchtert: Unsere M\u00f6glichkeiten, die Entwicklung umzukehren, sind denkbar gering. Lohmann bietet jedoch indirekt eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, da\u00df die Theologie, ja vielmehr der Heilige Geist die Aufgabe hat, vielmehr nur Er die Macht hat, uns durch das Wort Gottes die Sprache wieder zu \u00f6ffnen f\u00fcr eine Rede von Gott und Sch\u00f6pfung, die wirklich Zugang zu Gott und Sch\u00f6pfung verschafft. Mit der Vision Jesajas gesprochen: Die Bibel ist die gl\u00fchende Kohle, die die unreinen Lippen anr\u00fchren kann, damit sie wieder ins sonst unsagbare Lob der Seraphim einstimmen k\u00f6nnen (Jes 6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch verfolgen wir noch die Linie r\u00fcckw\u00e4rts, \u00fcberschlagsweise in nur noch drei Schlaglichtern bis zum ersten Anfang:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Stimmen des 17. Jahrhunderts empfanden den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg als g\u00f6ttliche Strafe f\u00fcr die Verderbnis der deutschen Sprache und Sitten (Justus Georg Schottelius, Johann Rist).<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Bereits damals wurde Klage \u00fcber die Sprachentwicklung gef\u00fchrt.<\/li>\n<li>Sodann sei erinnert an die Sophisten im alten Griechenland, die Sprache (und Wahrheit!) durchaus kunstvoll in den Dienst des politischen \u00dcberzeugens, also der Macht stellten (Nietzsche!).<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich: Beim S\u00fcndenfall lie\u00df sich Eva auf das Gespr\u00e4ch mit der Schlange ein; mit ihr fiel Adam auf die teuflischen Versprechen herein. Dann nutzten beide ihre (Ur)Sprache, sich vor Gott zu verstellen oder zu entschulden, belasteten sich damit jedoch noch mehr, und vor allem mi\u00dfbrauchten und verdrehten sie die Sprache zu L\u00fcge und Verstellung.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Bei Kain findet sich sofort das gleiche Problem, 1. Mose 4,9f.:<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 80px;\"><em>Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel?<br \/>\nEr sprach: Ich wei\u00df nicht; soll ich meines Bruders H\u00fcter sein?<br \/>\nEr aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kain, der unmittelbar zuvor seinen Bruder erschlagen hatte, wei\u00df sehr genau, wo er den Bruder verscharrt hat. Aber er verbirgt sich. Da erhebt das Blut seine Stimme! Das gilt im Blick auf die Anklage des Menschen, aber auch im Blick auf das Lob, das die ganze Sch\u00f6pfung dem H\u00f6chsten schuldig ist, ja ihm gerne, aus innerstem Antrieb zuwendet (Ps 148\u2013150). Schweigen die J\u00fcnger, m\u00fcssen die Steine schreien (Lk 19,40).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stehen vor einem grunds\u00e4tzlichen Problem, das in Wellen st\u00e4rker oder schw\u00e4cher sp\u00fcrbar ist und daher auch mal mehr, mal weniger heftig beklagt wird. Wir ber\u00fchren eine, wenn nicht die entscheidende Wurzel der anthropologischen Krise unseres Zeitalters: Das Wort ohne seinen Geber, die Sprache ohne Gott bringt mit sich die \u201eEntwortung des Wortes\u201c, die \u201edie Entmenschung des Menschen zur Folge\u201c hat.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Wir wissen nicht mehr, was der Mensch ist und wo er zu Hause ist, wenn wir seine Sprache nur als Nebenph\u00e4nomen zur materiellen und leiblichen Gestalt des Menschen unterbestimmen. Sprache ist eine gewaltige Gottesgabe an den Menschen; eine atheistische Evolutionstheorie kann ihr Wesen nicht verstehen. Steiner, obwohl selbst Agnostiker, erfa\u00dft es klar:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie These lautet, da\u00df jede logisch stimmige Auffassung dessen, was Sprache ist und wie Sprache funktioniert, da\u00df jede logisch stimmige Erkl\u00e4rung des Verm\u00f6gens der menschlichen Sprache, Sinn und Gef\u00fchl zu vermitteln, letztlich auf der Annahme einer Gegenwart Gottes beruhen mu\u00df.\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li>Hoffnung f\u00fcr die Sprache<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz alledem, auch trotz den sehr berechtigten Klagen \u00fcber schwindende Sprach- und Lesekompetenzen, gilt nach wie vor: Wir leben und sprechen noch. Wir h\u00f6ren einander. Wir lieben und werden wiedergeliebt. Wir leben von Vertr\u00e4gen, die \u00fcber viele Generationen hinweg Bestand hatten, und schlie\u00dfen neue. Demagogen \u00fcberzeugen, und Lehrer vermitteln Stoff. Das Evangelium wird gepredigt, Menschen tun Bu\u00dfe und werden errettet. Der Engel von Offb 14,6 verk\u00fcndigt ein ewiges Evangelium allen, die auf Erden wohnen; die Knechte Gottes singen das Lied des Mose von den Wundern der Werke, der Wege und des Namens des heiligen Gottes (15,3f.). Keine Macht wird diese Bewegung aufhalten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hochmut und Gier haben Sprechen und Denken zwar so empfindlich gest\u00f6rt, da\u00df wir Menschen mit Gott und miteinander nicht mehr verkehren k\u00f6nnen wie Adam und Eva im Garten Eden vor dem Fall: frei von Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen, Unverst\u00e4ndnissen, L\u00fcgen und Verstellungen. Gott hat <em>dennoch<\/em> auch nach dem Fall wieder und wieder zum Menschen gesprochen, und er hat sich dabei einer Sprache bedient, auf die der Mensch mit seiner Sprache reagieren konnte. Sprache und Dialog blieben m\u00f6glich, genauer gesagt: Sie werden immer wieder neu geschenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die materialistischen Erkl\u00e4rungsversuche versagen vor dem Wunder der Kommunikation, der christlichen zumal. Wenn Yuval Noah Harari in \u201eEine kurze Geschichte der Menschheit\u201c von der \u201ekognitiven Revolution\u201c in der Evolution des Menschen spricht, so bietet er die popul\u00e4r-atheistische Variante des Staunens, ja offenbart das Nichtverstehenk\u00f6nnen des Unglaubens \u00fcber das R\u00e4tsel der Gottesgabe Sprache, die den Abgrund zwischen Stofflichem und Geistigem \u00fcberspannt, und die den Qualit\u00e4tssprung vom Tier zum Menschen signalisiert. Das Unverst\u00e4ndlichste am Universum ist, so Albert Einstein, seine Verst\u00e4ndlichkeit.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Doch das Universum wird verst\u00e4ndlich, d.h. es wird transparent, sagbar, ja zu preisen f\u00fcr das Wirken Gottes, wenn denn die biblischen Berichte von der Sch\u00f6pfung durch das Wort am Anfang und der Fleischwerdung des g\u00f6ttlichen Wortes in Jesus Christus geglaubt und theologisch-philosophisch ernst genommen werden. Nur wer dies in seiner Muttersprache glauben und bekennen kann, ist in seiner Sprache zu Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden. Er hat Fleisch und Sprache des Menschen in seinen Dienst genommen. Durch das Evangelium, durch eine sprachliche Botschaft, hat er das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Wesen ans Licht gebracht (2.\u00a0Tim 1,10).<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Leib und Wort, die g\u00f6ttlichen Gaben an den Menschen, \u00fcberl\u00e4\u00dft er also trotz aller Entstellungen und L\u00fcgen nicht dem Teufel. Die Wunder der leiblichen, geistigen und geistlichen Zeugungen, der Mitteilungen und Selbstmitteilungen, die Wunder des \u201eDein Wort ist Wahrheit\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> bestehen nach wie vor und hindern die S\u00fcnder daran, wie in Babel (1.\u00a0Mose 11) zerstreut zu werden und nolens volens die Welt zu vernichten. Es gibt zwar Faktoren, die insbesondere f\u00fcr Dialekte und f\u00fcr Sprachen mit wenigen aktiven Sprechern gef\u00e4hrlich sind, vor allem Mobilit\u00e4t\/Migration, Globalisierung, Digitalisierung, Fortschrittsdenken zugunsten von Fremdsprachen (bes. Englisch, Denglisch), sowie die oben beschriebenen sprachwissenschaftlichen und sprachphilosophischen Reduktionen. Tats\u00e4chlich sterben Sprachen auch aus, andere f\u00e4chern sich auf. Dennoch nennt Luther zu Recht die Sprache ein Loch im Reich des Teufels. Es gibt kein geschichtliches Ereignis, durch das das Pfingstereignis <em>prinzipiell<\/em> au\u00dfer Kraft gesetzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat das menschliche Sprachverm\u00f6gen so weit erhalten, da\u00df wir uns, um Weisheit und Heiligung flehend, der Sprache bedienen d\u00fcrfen (und m\u00fcssen), um uns zu verst\u00e4ndigen. Au\u00dfersprachliche Wege stehen nicht zur Verf\u00fcgung. Erst recht, wo die Sprache selbst Gegenstand der Besinnung wird, empfiehlt sich die Leitung durch das Wort Gottes, weil nur hier der von Eden entheimatete Mensch dem Ruf aus dem Paradies und zum Paradies zur\u00fcck und damit einem Wort begegnet, das von L\u00fcge, Verstellung und Irrtum v\u00f6llig frei ist. Was die Leitung durch Gottes Wort konkret bedeuten kann, hat f\u00fcr die Ebene von Semantik und Vokabular beispielsweise Friso Melzer am Beispiel der S\u00e4kularisierung und wiederum neuen \u201eTaufe\u201c von W\u00f6rtern wie Beruf\/Berufung, Barmherzigkeit und vieler anderer gezeigt.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> F\u00fcr die Quellen unserer grunds\u00e4tzlichen Sicht von Sprache bin ich nach wie der \u00dcberzeugung, da\u00df die Auskunftsfreudigkeit der Bibel weit untersch\u00e4tzt wird.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li>Das systematische Problem und die Chance einer Besinnung auf Sprache<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache ist nicht ein Gegenstand, dem wir gegen\u00fcbertreten k\u00f6nnen wie einem St\u00fcck Holz. Sie verh\u00e4lt sich nicht nur wie das Wasser um den Fisch oder die Luft um den Menschen herum. Die Analogie zu Luft und Wasser stimmt nur insofern, als diese Elemente durch unsere Atmung und Verdauung tief in uns eindringen, gefiltert und wieder ausgeschieden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dasselbe geschieht \u2013 jedenfalls bei den meisten Menschen \u2013 mit der Muttersprache, freilich noch inniger und intimer, weil es nicht (in erster Linie) um stoffliche Prozesse geht (etwa den Schall und seine biophysikalische und \u2011chemische Verarbeitung via Geh\u00f6r im Gehirn), sondern um das geistige Denken und F\u00fchlen. Die Heimat des inneren Menschen wird gef\u00fcllt durch seine Muttersprache bzw. seinen vertrauten Dialekt, sowie durch die Bilder der Landschaft(en), in der (denen) er pr\u00e4gende Jahre verbracht hat. Der Begriff \u201eHeimat\u201c w\u00e4re hierbei in Analogie zu einer Landschaft, \u201eVaterland\u201c (<em>patria<\/em>), in dem man aufgewachsen oder vertraut ist, eine Unterbestimmung f\u00fcr das, was die Muttersprache uns bedeutet. Denn ein Weg- und Umzug, ein Heimischwerden in einer anderen Sprache ist schwer, den meisten Menschen fast unm\u00f6glich.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Ein Mensch hat in der Regel nur eine Muttersprache, alles andere sind Fremdsprachen, Zweit- oder Drittsprachen. Nur selten werden sie so beherrscht und verinnerlicht wie die Muttersprache. Ausnahmen wie SAIDs und Steiners Meisterschaften in einer Zweit- oder gar Drittsprache best\u00e4tigen die Regel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorgegebenheit der Muttersprache besteht nicht nur formal. Nietzsche \u00fcbertreibt: Jedes Wort sei in sich schon ein Vor-Urteil.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Einerseits stimmt es: Die Muttersprache gibt die Gleise vor, auf denen sich unser Weltverstehen bewegt. Ihre \u201eEinteilungen von Wirklichkeit\u201c (Hempelmann<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a>) sind nur hintergehbar durch das Erlernen von Fremdsprachen oder durch theologisch-philosophische Reflexion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als minimales Beispiel sei auf das nach deutscher Grammatik reflexiv zu konstruierende \u201eentschuldigen\u201c und \u201ebedanken\u201c verwiesen: \u201eEr entschuldigt <em>sich<\/em>\u201c, \u201esie bedankt <em>sich<\/em>\u201c. Als Christ und Theologe frage ich: Wie ist das m\u00f6glich? Ich schlage als Alternative vor: \u201eEr <em>bittet<\/em> <em>ihn<\/em> um Entschuldigung\u201c, \u201esie dankt <em>ihr<\/em> \u2026\u201c Denn es sollte beim Ent-Schulden und Danken nicht um eine Handlung gehen, die jemand <em>an sich selbst<\/em> tut, sondern um einen zwischenpersonalen Vorgang, also die Bitte um eine <em>\u00dcbertragung<\/em> (Vergebung) oder eine <em>Zueignung<\/em> (Dank)!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits w\u00fcrde, wie gesagt, Nietzsches Sprachskeptizismus, radikal gefa\u00dft, v\u00f6llige Entheimatung nach sich ziehen, Entweltlichung, ja Entmenschlichung. Radikal gefa\u00dft kann Nietzsche schon aus empirischen Gr\u00fcnden nicht Recht behalten. Denn in ein und derselben Sprache k\u00f6nnen extrem gegens\u00e4tzliche Haltungen und Einsichten artikuliert werden, dazu mu\u00df man nicht auf andere Sprachen ausweichen. Selbst Nietzsche hat seine scharfe Sprachkritik, die den Begriff der objektiven Wahrheit entlarven wollte \u2013 \u201eWas ist ein Wort? Die Abbildung eines Nervenreizes in Lauten\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> \u2013, nicht anders als sprachlich vorgetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprechenk\u00f6nnen bedeutet also nicht nur Bindung, sondern auch Freiheit! Unsere Muttersprache gibt uns nicht nur Wurzeln, sondern auch Fl\u00fcgel. Steiners \u201eNach Babel\u201c hat auch diesem Befund beredten Ausdruck verliehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Sprachvereinen unserer Zeit, die gegen den gesellschaftlichen Trend zur Vereinzelung wachsen, sammeln sich immer mehr Menschen, die die Gefahr der sprachlichen Entheimatung durch zerst\u00f6rerische Kr\u00e4fte sp\u00fcren, und die die Sehnsucht nach Freiheit, nach Ausdruck von Weite durch und in sch\u00f6ne(r) Sprache verbindet. Eine Hoffnung auf Erneuerung an der Wurzel der Sprachprobleme kann sich jedoch letztlich nur auf den Gott richten, der selbst das Wort ist und spricht, wie es der Prolog zum Johannesevangelium vorgibt. Nur so wird Nietzsches Blockade wieder \u201egeheilt\u201c, der dem 20. Jahrhundert mitgab: \u201eDie Worte liegen uns im Wege!\u201c<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Die Schrift Gottes zeigt dagegen: Sein Wort ist der Weg, die Wahrheit, und das Leben. Durch Gottes Wort wird unser Wort rein, wirkt Gemeinschaft und Abgrenzung, Vertrautheit und Freiheit \u2013 das Vaterland.<\/p>\n<p>5. Mose 32,46f.:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u201eNehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge, da\u00df ihr euren Kindern befehlt, alle Worte dieses Gesetzes zu halten und zu tun.<br \/>\nDenn es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern <strong>es ist euer Leben, und durch dies Wort werdet ihr lange leben in dem Lande<\/strong>, in das ihr zieht \u00fcber den Jordan, um es einzunehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ps 119,116:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u201eErhalte mich durch dein Wort, da\u00df ich lebe.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mt 4,4 (5 Mo 8,3 zitierend):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u201e\u00bbDer Mensch lebt nicht vom Brot allein,<br \/>\nsondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.\u00ab\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joh 6,68f.:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u201eHerr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens;<br \/>\nund wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das in diesen Bibelworten artikulierte und vermehrte Zutrauen zum g\u00f6ttlichen Reden bzw. zu Jesus Christus sollte theologisch neu ernst genommen, jedoch nicht philosophisch verallgemeinert werden. Denn die Bibel bzw. das pfingstliche Wirken des Heiligen Geistes stellt keine neue Universalsprache her, die f\u00fcr jeden Lebensbereich neu eine m\u00fchelose Kommunikation garantiert. Das Pfingstwunder war und bleibt auf die christliche Verk\u00fcndigung bezogen. Lesen wir abschlie\u00dfend Apg 2:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u201e<sup>4<\/sup> Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erf\u00fcllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. <sup>5<\/sup>\u00a0Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesf\u00fcrchtige M\u00e4nner, von jeder Nation unter dem Himmel. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em><sup>6<\/sup><\/em><em>\u00a0Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde best\u00fcrzt; denn ein jeder h\u00f6rte sie <strong>in seiner eigenen Sprache<\/strong> <\/em>(griech.: <em>t\u00e4 idia<\/em> <em>dialekto<\/em>) <em>reden. <sup>7<\/sup>\u00a0Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galil\u00e4a? <sup>8<\/sup>\u00a0<strong>Wie h\u00f6ren wir denn jeder seine eigene Muttersprache<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/strong>?<sup> 9<\/sup>\u00a0Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Jud\u00e4a, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, <sup>10<\/sup>\u00a0Phrygien und Pamphylien, \u00c4gypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, <sup>11<\/sup>\u00a0Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: <strong>wir h\u00f6ren sie in unsern Sprachen von den gro\u00dfen Taten Gottes reden<\/strong>.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die babylonische Vielfalt der Sprachen bleibt die Signatur der gefallenen Sch\u00f6pfung. Die Verst\u00e4ndigung \u00fcber den Gro\u00dftaten Gottes wird zur Signatur der Einheit der Gemeinde \u00fcber alle Volkszugeh\u00f6rigkeiten hinweg \u2013 und stiftet so neue Zugeh\u00f6rigkeit und Heimat: Das B\u00fcrgerrecht im Himmel, mit dem Lied des Mose als dem Dialekt der Heimat (Offb 15). So und dort konvergieren Muttersprache und Vaterland. Wenn irgendwo, dann wird dort unser \u201eHaus des Seins\u201c, wie Heidegger die Sprache nennt, errichtet.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Angef\u00fchrte Literatur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ammer, Jessica (Hg.), <em>Die deutsche Sprache und ihre Geschlechter<\/em>. Eine Dokumentation, Schriften der Stiftung Deutsche Sprache Bd. 3, Paderborn 2019, 60 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bartholomew, Craig G. u.a. (Hg.), <em>After Pentecost. Language and Biblical Interpretation<\/em>, The Scripture and Hermeneutics Series Bd. 2, Grand Rapids, Mich 2001, 425 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Behland, Max, <em>Fl\u00fcstern gegen die W\u00f6lfe<\/em>, in: Sprachnachrichten 89, 1\/2021, S. 14.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Elberfeld, Rolf, <em>Sprache und Sprachen<\/em>. Eine philosophische Grundorientierung, Freiburg i. Br., M\u00fcnchen <sup>2<\/sup>2013, 415 S. (Nietzsche-Zitate sind von hier entnommen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Elfers, Achim (Hg.), <em>Der Anglizismen-Index<\/em>. Deutsch statt Denglisch. Ausgabe 2021, Paderborn 2021, 372 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Elfers, Achim, <em>Der Fall des Deutschen<\/em>, Borchen 2017, 112 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Felber, Stefan, <em>Wesen und W\u00fcrde des Wortes<\/em>. Biblisch-theologische Grundlagen f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Sprache und Kommunikation, in: ders. (Hg.): Zwischen Babel und Jerusalem. Aspekte von Sprache und \u00dcbersetzung, Berlin <sup>2<\/sup>2019, S. 53\u2013121.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich, Gerhard, <em>Auf das Wort kommt es an!<\/em>, in: Friedrich, Johannes H. (Hg.): Auf das Wort kommt es an. Gesammelte Aufs\u00e4tze zum 70. Geburtstag, G\u00f6ttingen 1978, S. 551\u2013566.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Guardini, Romani, <em>Ethik<\/em>. Vorlesungen an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen, Band 2, Paderborn 1993.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hempelmann, Heinzpeter, <em>Veritas Hebraica als Grundlage christlicher Theologie<\/em>. Zur systematisch-theologischen Relevanz der biblisch-hebr\u00e4ischen Sprachgestalt, in: Haacker, Klaus; Hempelmann, Heinzpeter (Hg.): Hebraica veritas. Die hebr\u00e4ische Grundlage der biblischen Theologie als exegetische und systematische Aufgabe, Wuppertal\/Z\u00fcrich 1989, S. 39\u201378.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langen, August, <em>Zum Problem der sprachlichen S\u00e4kularisation in der deutschen Dichtung des 18. und 19.\u00a0Jahrhunderts<\/em>, in: Kaempfert, Manfred (Hg.): Probleme der religi\u00f6sen Sprache. Wege der Forschung Bd. 442, Darmstadt 1983, S. 94\u2013117.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lennox, John Carson, <em>Hat die Wissenschaft Gott begraben?<\/em> Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen, Wuppertal <sup>2<\/sup>2007, 336 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lohmann, Johannes, <em>Die Sprache als das Fundament des Menschen<\/em>, in: Gadamer, Hans-Georg; Vogler, Paul (Hg.): Neue Anthropologie. Philosophische Anthropologie VII\u00a0\u2013 Zweiter Teil. Dtv Wissenschaftliche Reihe Bd. 4148, Stuttgart, M\u00fcnchen 1975, S. 204\u2013234.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luh-Hardegg, Gudrun, <em>Von der Sch\u00f6nheit unserer Sprache oder K\u00f6nig Midas zum Trotz<\/em>, Paderborn 2003, 237 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Melzer, Friso, <em>Vom Sinnwandel deutscher W\u00f6rter im Lichte der Offenbarung<\/em>, in: Riedel (Hg.): Vom g\u00f6ttlichen \u2026 (s.u.), S. 119\u2013132.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Melzer, Friso, <em>Das Wort in den W\u00f6rtern<\/em>. Die deutsche Sprache im Dienste der Christus-Nachfolge: ein theo-philologisches W\u00f6rterbuch, T\u00fcbingen 1965, XVI, 372 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Melzer, Friso, <em>Unsere Sprache zwischen Alltag und Altar<\/em>, Moers 1987, 106 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Picard, Max, <em>Der Mensch und das Wort<\/em>. Erlenbach-Z\u00fcrich 1955, 201 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Raspail, Jean, <em>Das Heerlager der Heiligen<\/em>, Edition Nordost, Schnellroda <sup>3<\/sup>2015, 416 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Riedel, Otto (Hg.), <em>Vom g\u00f6ttlichen und vom menschlichen Wort<\/em>, Berlin 1953, 156 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steiner, George, <em>Von realer Gegenwart<\/em>. Hat unser Sprechen Inhalt? Mit einem Nachwort von Botho Strauss, M\u00fcnchen 1990, 320 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trabant, J\u00fcrgen, <em>Sprachd\u00e4mmerung<\/em>. Eine Verteidigung, M\u00fcnchen 2020, 240 S.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erstver\u00f6ffentlichung in:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herrmann, Christian (Hg.): Heimat im Himmel und auf Erden. Theologisch-philosophische Aspekte der Heimatliebe, N\u00fcrnberg: VTR 2022, S. 220\u2013234.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Endnoten:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Behland, Fl\u00fcstern gegen die W\u00f6lfe, S. 14.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ein-loblied-auf-die-deutsche-sprache.691.de.html?dram:article_id=56512\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ein-loblied-auf-die-deutsche-sprache.691.de.html?dram:article_id=56512<\/a> (29.06.2021). Das Interview stammt aus dem Jahr 2012.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0Seit 2001 wird j\u00e4hrlich ein aktualisierter Anglizismen-Index herausgegeben. Zun\u00e4chst wurden 4500 Stichw\u00f6rter verzeichnet. Mittlerweile sind es \u00fcber 8000: s. Elfers lt. Literaturverzeichnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Ammer (Hg.), Deutsche Sprache und ihre Geschlechter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Sprachnachrichten 89, 1\/2021, S. 20.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> J\u00fcngere Beispiele: siehe die Titel von Trabant und Elfers im Literaturverzeichnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Friedrich, Auf das Wort kommt es an!, S. 551.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> AaO. 553.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Guardini, Ethik (die Vorlesungen wurden zwischen 1950 und 1962 gehalten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. Riedel (Hg.), Vom g\u00f6ttlichen und vom menschlichen Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Von realer Gegenwart, S. 127 (Hervorh. orig.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Langen, Zum Problem der sprachlichen S\u00e4kularisation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Picard, Der Mensch und das Wort, bes. S. 102f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Lohmann, Die Sprache als das Fundament, S. 216 (Hervorh. orig.!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> AaO. 217 (alle Hervorh. orig.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Genau das schon bei Nietzsche, s. Elberfeld, Sprache und Sprachen, S. 71: \u201e\u2026 umso schwieriger, wenn es sich nicht mehr um konkrete Dinge oder Lebewesen handelt, sondern um Tugenden oder Ideen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0Art. Sprachgesellschaften, in: Killys Literaturlexikon; zitiert aus der Deutschen Digitalen Bibliothek, Bildschirmseite 25298 (Bd. 14, S. 392).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Vgl. Raspail, Heerlager, S. 258: \u201eWir leben im Jahrhundert der korruptiven Worte. Wir benutzen die Worte, um den Taten auszuweichen, w\u00e4hrend wir auf das Unabwendbare warten, das jenseits der Worte steht und das Worte nicht abwenden k\u00f6nnen.\u201c S. 350: \u201eKaputtgemacht vom Terror der Worte. Wir wollten es lange nicht wahrhaben, aber die Worte sind die Syphillis unserer Tage. Machen wir uns jetzt aus dem Staub. Wir haben keine Zeit mehr zum Quatschen \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Friedrich aaO. 554.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Steiner, Von realer Gegenwart, S. 13.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0John Lennox setzt hinzu: \u201eVerbl\u00fcffend ist nicht nur die Tatsache, da\u00df das Universum verst\u00e4ndlich ist; es ist die mathematische Natur dieser Verst\u00e4ndlichkeit, die beeindruckt.\u201c Es sei verbl\u00fcffend, da\u00df sich die abstraktesten mathematischen Konzepte, die reine Erfindungen des menschlichen Geistes zu sein scheinen, f\u00fcr Zweige der Wissenschaft als lebenswichtig herausstellen k\u00f6nnen und ein gro\u00dfes Spektrum praktischer Anwendungen besitzen. Die Wissenschaft selbst kann das nicht erkl\u00e4ren; es ist ein Teil des Glaubens, auf dem Wissenschaft beruht, da\u00df die Welt unserem Verstand verst\u00e4ndlich ist. Eugene Wigner, Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Physik 1960, schrieb: \u201eDie ungeheure N\u00fctzlichkeit der Mathematik in den Naturwissenschaften grenzt ans Mysteri\u00f6se, und es gibt keine rationale Erkl\u00e4rung f\u00fcr sie. \u2026 Sie ist ein Glaubensartikel\u201c (Lennox, Hat die Wissenschaft Gott begraben?, 43).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a>\u00a0Zu dieser Stelle mehr in Felber, Wesen und W\u00fcrde des Wortes. Biblisch-theologische Grundlagen \u2026, bes. S. 86\u201388.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Joh 17,17; vgl. Ps 12,7; 19,7\u20139; 119,151; 2Sam 7,28.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Melzer, Vom Sinnwandel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a>\u00a0Dem sollte insbesondere der in Fu\u00dfnote 22 genannte Aufsatz dienen; vgl. au\u00dferdem den von Bartholomew herausgegebenen gehaltvollen Sammelband.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0Zum Vergleich: \u201eAls Thomas Mann 1938 vor dem Nationalsozialismus floh und nach Los Angeles kam, soll er gesagt haben: \u201aWo ich bin, ist die deutsche Kultur\u2018\u201c (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/zum-tod-von-george-steiner-vor-nichts-den-geist-verschliessen-ld.1538488\">https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/zum-tod-von-george-steiner-vor-nichts-den-geist-verschliessen-ld.1538488<\/a>, 29.06.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches II, 2. Aph. 55.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a>\u00a0Hempelmann, Veritas Hebraica; der Begriff \u201eEinteilungen von Wirklichkeit\u201c dort S. 69. Nietzsche spricht von \u201eAbgrenzungen\u201c und \u201eBevorzugungen\u201c (Elberfeld, Sprache und Sprachen, S. 66).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Vgl. Elberfeld, Sprache und Sprachen, zu Nietzsche S. 64\u201381, zitiert von S. 66.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Nietzsche, Morgenr\u00f6the, zit. nach Elberfeld aaO. S. 76.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> W\u00f6rtlich: <em>\u201e\u2026 unseren eigenen \u201aDialekt\u2018, in dem wir geboren wurden?\u201c!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Zwei Vor-Erz\u00e4hlungen \u201eDeutsch ist die Sprache meiner Freiheit. 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