{"id":20403,"date":"2023-10-09T17:18:35","date_gmt":"2023-10-09T15:18:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20403"},"modified":"2023-10-09T17:18:35","modified_gmt":"2023-10-09T15:18:35","slug":"gott-als-vater-und-mutter-ansprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20403","title":{"rendered":"Gott als Vater und Mutter ansprechen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Jesus lehrte seine J\u00fcnger, Gott als Vater anzusprechen. Manche Theologen halten diese Anrede f\u00fcr den Ausdruck eines \u00fcberholten patriarchalischen Weltbildes und erg\u00e4nzen die m\u00e4nnliche Anrede Gottes durch weibliche Anreden z.B. in Bibel\u00fcbersetzungen, in Liturgien oder Predigten:\u00a0<strong>\u201eDu, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel<\/strong>.\u201c Doch ist es gerechtfertigt, Gott als Vater und Mutter anzusprechen?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vater-Anrede des Vaterunsers geht zur\u00fcck auf die Selbstoffenbarung Gottes als Vater an sein Volk: Israel ist Sohn Gottes (2.\u00a0Mose 4,22; 5.\u00a0Mose 14,1; 32,6; Hos 11,1), die sich in der Vater-Anrede der Propheten und der Psalmen an Gott fortsetzt (Jes 63,16; 64,8; Jer 3,19; 31,9; Mal 1,6; 2,10; Ps 68,6; 103,13).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Und sie wird weitergef\u00fchrt und entfaltet in der Anrufung des Vaters durch seinen Sohn Jesus Christus (etwa Joh 20,17) und im Gebet der Kinder Gottes. Fast alle Briefe des Neuen Testaments beginnen damit, etwa in R\u00f6m 1,7: \u201eGnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus\u201c. Allein im Neuen Testament wird \u201eVater\u201c ca. 250mal auf Gott bezogen (besonders h\u00e4ufig bei Joh).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Jes 66,13 das g\u00f6ttliche Erbarmen mit dem Erbarmen einer Mutter vergleicht, dann ist das ein <em>Vergleich<\/em>, aber keine Seinsaussage: Er kann sich <em>wie <\/em>eine Mutter erbarmen, aber <em>er ist <\/em>von Ewigkeit her Vater, zun\u00e4chst zu seinem einen Sohn, dann zu den vielen S\u00f6hnen und T\u00f6chtern in seinem Volk. Er zeugt durch das Wort (der \u201eSame\u201c des Glaubens, 1.\u00a0Petr 1,23). Und was Jes 66,13 betrifft: Der Herr tr\u00f6stet, wie einen seine Mutter tr\u00f6stet, sein Mittel dazu aber ist Jerusalem: \u201ean <em>Jerusalem<\/em> werdet ihr getr\u00f6stet\u201c schlie\u00dft der Vers. So d\u00fcrfen auch wir glauben: Was Gott an Israel tat und tut, und was er an seiner Gemeinde tat und tut \u2013 da\u00df sie etwa nicht einmal von den Pforten der H\u00f6lle \u00fcberwunden werden kann \u2013, das ist der gro\u00dfe Trost f\u00fcr seine Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblische VATER-Offenbarung steht in einem un\u00fcberbr\u00fcckbaren Gegensatz zu den antiken Sch\u00f6pfungsmythen. Diese leiten die Existenz der Erde h\u00e4ufig von weiblichen Gottheiten ab. Meist waren es Naturgottheiten, symbolische Repr\u00e4sentationen der geheimnisvollen Kr\u00e4fte von Leben und Fruchtbarkeit der Erde. Der nat\u00fcrliche Zyklus der Jahreszeiten wurde als g\u00f6ttlich gesehen und im Ritus abgebildet. In solcher von Wiederholung gepr\u00e4gter Theologie entsteht keine Heilsgeschichte, kein Konzept von Zukunft und g\u00f6ttlichem Geschichtsziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Konzept einer g\u00f6ttlichen Mutter (die die Erde gebiert) ist verbunden mit dem einer g\u00f6ttlichen (oder ehrf\u00fcrchtig verehrten, gott\u00e4hnlichen) Erde. Hier wird die biblisch notwendige Trennung von Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf, Gott und Welt aufgehoben, der Begriff von <strong>Gottes Jenseitigkeit und seinem freien Erbarmen <\/strong>wird verloren. Die Vorstellung von Gottes freier Gnade, auf der unsere Hoffnung gr\u00fcndet, wird so letztlich verunm\u00f6glicht. Hier wird deutlich: <strong>Wenn wir Gott \u201eVater\u201c nennen und verehren, beten wir nicht einen m\u00e4nnlichen Gott an (Hos 11,9), sondern den, der der Sch\u00f6pfung gegen\u00fcbertritt und sich frei ihrer erbarmt. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede semitische Religion im Nahen Osten hatte G\u00f6ttinnen, nur Israel nicht (auch gab es \u00fcberall ein weibliches Priestertum, nur in Israel nicht!)<em>.<\/em> Das zeigen auch die <strong>Personennamen<\/strong>, die sich aus dem theophoren (= auf den g\u00f6ttlichen Namen weisenden) Element und einem Wort f\u00fcr Vater, Mutter, Bruder oder Schwester zusammensetzen. Im Hebr\u00e4ischen gibt es viele Namen, die \u201eVater\u201c enthalten, aber keine mit \u201eMutter\u201c: Abijah (\u201emein Vater ist Jahwe\u201c), Joab (\u201eJahwe ist Vater\u201c), Eliab (\u201eEl ist Vater\u201c), Abiel (\u201eVater ist El\u201c). Personennamen mit der Aussage \u201eMeine Mutter\/Schwester\/K\u00f6nigin ist Jahwe\u201c kommen nicht vor! Von den 55 hebr\u00e4ischen Namen, die sich aus Jahwe und einem Verb zusammensetzen, zeigen alle die maskuline Form des Verbs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df Gott biblisch Vater und nicht Mutter ist, sichert so seine wahre Transzendenz (= Jenseitigkeit) und die wahre Gnade. Die irdischen Verh\u00e4ltnisse veranschaulichen es: Die Beziehung zum Vater ist geistiger, indirekter, sie mu\u00df gewonnen werden; die Beziehung zur Mutter ist zun\u00e4chst leiblich vorgegeben, direkter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <strong>Ergebnis <\/strong>ist klar: Gott k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir nicht im Ernst als Mutter anrufen. Die ganze Offenbarung steht dagegen. Wer Gott trotzdem als Mutter anruft, schafft sich seinen eigenen G\u00f6tzen. Wenn die \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c f\u00fcr Gott lauter weibliche Namen oder Titel einf\u00fchrt (\u201edie Ewige\u201c, \u201edie Weing\u00e4rtnerin\u201c etc.), verliert sie gerade das Besondere der biblischen Offenbarung, und sie verliert die besondere Mischung aus liebevoller und freier Zuwendung des Vaters samt dem Respekt vor seiner Autorit\u00e4t, wie sie Paulus so perfekt in Eph 3,14\u201321 zusammengeschaut hat. Die Freude am \u201eAbba, lieber Vater\u201c (R\u00f6m 8,15; Gal 4,6) bleibt uns nur erhalten, wenn wir den Text unver\u00e4ndert lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Dr. Stefan Felber<\/em><\/p>\n<p><em>Zuerst erschienen in: Aufbruch \u2013 Informationen des Gemeindehilfsbundes 2\/2023 (August)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Aufbruch_2_2023.pdf\"><em><u>Sie k\u00f6nnen die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.<\/u><\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Wenn Sie den Aufbruch (kostenlos) abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: <\/em><a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00dcberhaupt l\u00e4\u00dft sich das Vaterunser in guten Teilen als Zusammenfassung der Psalmen begreifen. Ein paar Aspekte davon finden sich in: Gese, Hartmut: Bemerkungen zum Vaterunser unter dem Gesichtspunkt alttestamentlicher Gebetsformen, in: C. Landmesser (u.a.) (Hgg.) Jesus Christus als die Mitte der Schrift: Studien zur Hermeneutik des Evangeliums, Berlin 1997, 405\u2013437; Kilch\u00f6r, Benjamin: Mit der Schrift beten: Ezechiel 36,16\u201336 und das Gebet des Herrn, in: Jahrbuch f\u00fcr evangelikale Theologie 27 (2013): 59\u201368.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesus lehrte seine J\u00fcnger, Gott als Vater anzusprechen. 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