{"id":20395,"date":"2023-10-01T05:04:28","date_gmt":"2023-10-01T03:04:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20395"},"modified":"2023-09-29T17:06:15","modified_gmt":"2023-09-29T15:06:15","slug":"predigt-ueber-mt-611-die-magenfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20395","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Mt 6,11: Die Magenfrage"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.&#8220; (Mt 6,11)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Brotbitte zeigt sich die Not des modernen Menschen. Die Brotbitte ist die Bitte des Vaterunsers, die heute am gedankenlosesten heruntergebetet wird. An der Brotbitte des Vaterunsers kann man den Wandel nachvollziehen, der sich in den letzten 100 Jahren in unserem westlichen Kulturkreis vollzogen hat. \u00dcber Jahrtausende hinweg war die menschliche Existenz ganz wesentlich vom Ziel des \u00dcberlebens bestimmt. Der wesentliche Lebensinhalt des Menschen in dieser Welt war es, das eigene \u00dcberleben zu sichern. Und die Brotbitte war die existentiellste Bitte, die der Christ zu bitten hatte, dass Gott einem das \u00dcberleben an diesem Tag, in dieser Woche, in diesem Jahr schenken m\u00f6chte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leben war f\u00fcr die allermeisten Menschen eine sehr labile Sache. St\u00e4ndig bedroht von Krankheiten, Naturkatastrophen, Hungersn\u00f6ten, Kriegen. Und f\u00fcr diese Dinge gab es keinen ausreichenden Schutz. Die Bitte um das t\u00e4gliche Brot geschah f\u00fcr die meisten Christen in dem Bewusstsein, dass das t\u00e4gliche Brot einmal nicht mehr da sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Problem ist zumindest in unserem westlichen Kulturkreis heute nicht mehr gegeben. Der Fortschritt im 20. Jahrhundert hat uns einen noch nie da gewesenen Wohlstand beschert. Der \u00dcberlebenskampf scheint zu Ende. Die Brotbitte \u00fcberholt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt ist es aber interessant, das Ende der existenziellen Brotbitte, bringt ein anderes Problem mit sich, das bedrohlicher ist, als das Problem des \u00dcberlebens. Problematisch ist heute nicht mehr das \u00dcberleben, problematisch ist heute der Sinn des Lebens. Wir fragen heute nicht mehr wie wir \u00fcberleben k\u00f6nnen, sondern wir fragen heute danach, wieso soll ich \u00fcberhaupt noch leben. Und diese Sinnfrage ist viel bedrohlicher als die \u00dcberlebensfrage. Die Sinnfrage stellt das Leben als solches infrage. Wozu soll ich \u00fcberhaupt noch leben. An die Stelle der Bitte um das t\u00e4gliche Brot ist f\u00fcr den postmodernen Menschen die Bitte um den t\u00e4glichen Sinn aufgekommen. Sag mir, warum ich diesen Tag leben soll. Sag mir, was der Sinn meiner Arbeit ist. Sag mir, was der Sinn meiner Beziehungen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bitte um das t\u00e4gliche Brot ist in den Hintergrund getreten, die Bitte um den t\u00e4glichen Sinn steht im Vordergrund. Und jetzt passiert heute folgendes: Weil man den Sinn des Lebens nicht mehr begreifen kann, reduziert sich das Leben auf einmal wieder auf das Brot in ganz anderer Weise. Das Brot in Form von Torte, das Brot in Form von Kaviar, das Brot in Form von Schampus und Sekt. Weil wir nicht mehr wissen, wozu wir leben sollen, der Sinn des Lebens ist uns aus den H\u00e4nden gerutscht. Jetzt sagen wir, wie die alten Griechen: Lasst uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir machen einfach eine Party. Der westliche Kulturkreis hat jeder seine Wahrheit mittlerweile, und man sucht keine Antwort auf die Sinnfrage, auf die elementare Frage: Wer bin ich denn, ich Mensch? Und: Warum lebe ich eigentlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Aufkl\u00e4rung hat man Gott den Abschied gegeben und jetzt definiert sich der Mensch aus sich selber heraus. Der Verlust der Mitte f\u00fchrt dazu, dass wir nur noch Party machen, Feierkultur statt Diskussionskultur. Mittlerweile dreht sich alles um Lustmaximierung, wir machen eine Party, weil wir wissen: Unser Leben hat keinen weiteren Horizont mehr und der einzige Wert meines Lebens kann nur der sein, maximale Erlebnisse im Blick auf die Quantit\u00e4t und maximale Intensit\u00e4t dieser Erlebnisse zu kombinieren. Das macht dann den Wert meines Lebens aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine m\u00f6glichst lange und intensive Party aus diesen 70, 80 Jahren zu machen, dann triumphiert nur noch der Tod und in der Zeit, die uns bleibt, m\u00fcssen wir Spa\u00df haben, rausholen, was geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo die Brotbitte des Vaterunsers ihren Ernst verliert, weil uns das \u00dcberleben nicht mehr notvoll erscheint, da verliert irgendwann auch alles andere seine Wertigkeit. Wo die Brotbitte ihren Sinn verliert, verlieren wir fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch alles andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz allem wollen wir uns aber doch der Bitte im Vaterunser n\u00e4hern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im kleinen Katechismus schreibt Luther: Was ist das? Gott gibt t\u00e4glich Brot auch ohne unsere Bitte allen b\u00f6sen Menschen, aber wir bitten in diesem Gebet, dass er es uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser t\u00e4glich Brot. Was hei\u00dft denn t\u00e4glich Brot? Alles, was Not tut f\u00fcr Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Also diese Weite Martin Luthers im Verst\u00e4ndnis dieser Bitte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann noch anschlie\u00dfend der Heidelberger Katechismus: Versorge uns in Gnaden mit allem, was wir f\u00fcr Leib und Leben n\u00f6tig haben. Lehre uns dadurch erkennen, dass du allein die Quelle alles Guten bist und ohne deinen Segen, unsere Sorgen und unsere Arbeit, aber auch deine Gaben uns nichts n\u00fctzen. Lass uns deshalb unser Vertrauen von allen Gesch\u00f6pfen abwenden und es allein auf dich setzten. Soweit Auslegungen aus der Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun lassen Sie mich ein bisschen weiter ausholen, um heranzukommen an diese Bitte. Diese Bitte steht ja mittendrin im Vaterunser. Sie ist der Mittelpunkt dieser Bitten. Voraus kommt: Sein Name, sein Reich, sein Wille und nach dieser Bitte geht es um unsere Schuld, unsere Anfechtung und unser Elend. Also mittendrin unser Brot, unsere Br\u00f6tchen, 3-Kornbrot, Schwarzbrot, Wei\u00dfbrot, Holzofenbrot oder Holzf\u00e4llerbrot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Entschuldigung passt das hier herein. Schon bei der Auff\u00fchrung dieser Brotsorten f\u00fchlt man sich irgendwo befremdet. Passt das \u00fcberhaupt hinein in diese Kette der Bitten des Vaterunsers? Viele empfinden bei dieser Bitte des Vaterunsers so etwas wie einen Abstieg, alles andere sei eine Gipfelwanderung von wichtigen Themen unseres Lebens. Da auf einmal m\u00fcsse man kurz dazwischen absteigen in die Niederungen unseres Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielen kommt diese Bitte zu wenig geistlich vor, zu materiell. Dieses Denken ist keinesfalls biblisch begr\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenteil. Nach dem Zeugnis der Schrift gibt es einen g\u00f6ttlichen Materialismus, dass Gott n\u00e4mlich die Materie nicht verachtet und verschm\u00e4ht. Dieser g\u00f6ttliche Materialismus begegnet uns in der ganzen Bibel von Anfang bis zum Schluss. 1. Mose 1 angefangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und am Ende, gleichsam als H\u00f6hepunkt, ist Gott selber in Jesus Christus eingegangen ins Materielle. Das Wort war Fleisch und wohnte unter uns. Durch die Menschwerdung ist die soziale Frage, zur Gottesfrage geworden. Gott nimmt unseren Leib ernst. Gott mag keine Hungerleider, leere M\u00e4gen fechten ihn an, dem Hunger der Welt soll mit dem Brot f\u00fcr die Welt begegnet werden, das ist die Gr\u00f6\u00dfe unseres Gottes, der sich so tief herab l\u00e4sst und uns dort abholt, wo sich die N\u00f6te und Sorgen unseres Lebens kreuzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dort ist doch dieser Gott am gr\u00f6\u00dften, wo er sich um unser Brot bek\u00fcmmert und Brot eben in dem Sinne Martin Luthers, um unsere Arbeitsstelle, unsere Lehrstelle, um unser Auskommen und unser Versorgen auch am morgigen Tag. Gib uns unser t\u00e4glich Brot. D. h. doch, dann: Gib uns Arbeit, gib uns Gesundheit, gib uns Freiheit, gib uns doch ein Leben ohne die st\u00e4ndige Angst und menschenunw\u00fcrdige Behandlung durch Nebenmenschen. Ihm ist eben doch unser Vesper wichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht hier um ein dreifaches Brot und so meine ich es darstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von drei Seiten wollen wir dies Brot unter die Lupe, und zwar anhand von biblischen Geschichten, die Sie kennen.<\/p>\n<p><strong>1. Das stinkende Brot.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gehortetes Brot wird stinkend. Wem f\u00e4llt dabei nicht sofort 2. Mose 16 ein. Und Jesus hat seine Bitten formuliert, auf dem Hintergrund der biblischen Geschichten. In der hei\u00dfesten W\u00fcste pfiffen diese Leute aus dem letzten Loch. Tagelange M\u00e4rsche durch die Steinw\u00fcste, st\u00e4ndige Scharm\u00fctzel mit anderen Landfahrern hat sie m\u00fcrbe gemacht. Aber die Katastrophe kam: Es ist kein Brot mehr da! Die Kinder hingen den M\u00fcttern an den Rocksch\u00f6\u00dfen: Mutter! Brot! Brot!, aber diese M\u00fctter zeigten nur die leeren Brotbeutel. Selbst die h\u00e4rtesten, die verschimmeltsten Brotreste waren schon l\u00e4ngst aufgezehrt. Und dann ging es gegen die F\u00fchrer los: Warum Mose! Warum hast du uns \u00fcberhaupt aus \u00c4gypten gef\u00fchrt? Sie br\u00fcllten, und mitten in dieses Gebr\u00fcll und die Verzweiflung hinein, mitten in diese Not hinein, da regnete es. Und da regnete es keine Regentropfen, da kam kein Schnee vom Himmel, da regnete es, man h\u00f6re und staune, Brot vom Himmel! Manna! Wie die liefen, mit ihren Sch\u00fcrzen, mit ihren K\u00f6rben, mit ihren Eimern. Nicht \u00c4hrenlese, nein Brotlese! Und es schmeckte wie Honig, Honigbrot. Man muss nicht fr\u00fche da sein. Man muss nicht g\u00fcnstige Pl\u00e4tze wissen, wie damals beim \u00c4hrenlesen. Es reicht f\u00fcr alle, es macht alle satt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist Gottes Grundsatz, jedem nach seinen Bed\u00fcrfnissen. Das ist ein biblischer Satz. Die Israeliten sammeln. Der eine viel, der andere wenig. Und als sie abmessen, hatte der, der viel gesammelt hat, keinen \u00dcberschuss und der, der wenig gesammelt hat, keinen Mangel. Nur eines, und das merken diese Obersammler, die schon f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag vorgesorgt hatten. Also gleich zwei Eimer sich hinter das Zelt stellten. Die stellten n\u00e4mlich am andern Morgen fest, dass ihr Brot stinkend geworden war, nicht mehr genie\u00dfbar. Gehortetes Brot ist immer stinkend, immer ungenie\u00dfbar, nicht essbar. Also nichts darf bis zum andern Morgen gehortet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und damit sind wir eigentlich am schwierigsten Punkt dieser Bitte \u00fcberhaupt, n\u00e4mlich das t\u00e4gliche Brot. Unser t\u00e4gliches Brot. Haben Sie schon einmal \u00fcberlegt, was das eigentlich bedeuten k\u00f6nnte. Bei Lukas hei\u00dft es: Gib es uns pro Tag f\u00fcr Tag, oder gib uns die Ration f\u00fcr einen Tag. Viel h\u00e4ngt von der Deutung des \u201et\u00e4glichen\u201c ab. Dieses \u201at\u00e4glich\u2018 kommt n\u00e4mlich im ganzen griechischen Testament nur hier vor. Es gibt nur zwei kleine Handschriften, wo dieses W\u00f6rtlein noch einmal auftaucht und man hat dann versucht dieses Wort herzuleiten und gedeutet als Brot, das zur Existenz beitr\u00e4gt oder welches alle irdischen Substanzen \u00fcbertrifft. Wenn sie verstehen wollen, was es wirklich hei\u00dft, dann m\u00fcssen Sie zur\u00fcck auf die Mannageschichte, dort meine ich, sei es doch f\u00fcr alle Zeiten schon erkl\u00e4rt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Brot, das t\u00e4glich gesammelt wird. Das ist das t\u00e4gliche Brot. Am sechsten Tag aber wird ohne mehr Anstrengung wunderbarerweise die doppelte Menge eingesammelt. Nun darf das \u00fcbersch\u00fcssige f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag aufbewahrt werden. Und jetzt wird es wunderbarerweise nicht stinkend. Sollte am Sabbat jemand sammeln, so findet er wunderbarerweise nichts. Gott entledigt den Menschen seiner \u00fcbertriebenen Besorgtheit, und h\u00e4lt ihn in seiner Gegenwart fest. D. h. diesen sabbatlichen Lebensstil sollten die J\u00fcnger, sollten wir neu lernen, der tut uns allen gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder hat seinen eigenen Lebensstil. Wir haben heute viele verschiedene Lebensstile. Der eine hat noch einen altv\u00e4terlichen Lebensstil. Er lebt ebenso wie der Opa auch gelebt hat. Wie vor 100 Jahren. Daneben da ist einer mit einem modernen Lebensstil. Er f\u00e4hrt die 100 m zum n\u00e4chsten Laden mit dem Auto, der lebt von Urlaub zu Urlaub, das ist ein moderner Lebensstil. Der dritte hat einen \u00d6ko-Lebensstil. Ja einen gesunden Lebensstil, da gibt es nur K\u00f6rner zum Fr\u00fchst\u00fcck und abends M\u00fcsli, dazwischen eine gestauchte Milch, aber gesund ist es, gesunden Lebensstil. Mich wundert, dass diese Leute \u00fcberhaupt noch sterben. Egal mit welchem Lebensstil wir auch leben. Wir alle brauchen diesen sabbatlichen Lebensstil. Was hei\u00dft das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein r\u00fcckhaltloses Vertrauen zu Gott und Gottes G\u00fcte, kein Vertrauen darauf, es selber machen zu wollen und seine Zukunft abzusichern. Es gibt heute genug und f\u00fcr den andern Morgen lassen wir einen anderen sorgen. Das ist keine Gleichg\u00fcltigkeit, aber eine Sorglosigkeit, die uns gut ansteht. Gibt uns unser t\u00e4glich Brot! Gib uns kein gehortetes Brot, gib uns die Gewissheit, dass es heute reicht und auch morgen reichen wird. Ich bin doch diesen Gott so viel wert wie ein Spatz. So geht es eben, im Blick auf den Studienplatz, im Blick auf die Lehrstelle, im Blick auf den Arbeitsplatz, im Blick auf den Heimplatz. Auf all diese Pl\u00e4tze gilt es doch: Sorge Vater, sorge du. Sorge f\u00fcr mein Sorgen, sorge Jesu immerzu, Sorge heut sowohl als morgen, Sorge f\u00fcr mich allezeit, Sorge f\u00fcr das Meine, o du Gott der Freundlichkeit, Sorge, du alleine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lass uns diesen ganzen Packen abgeben, Sorge, du alleine, unser t\u00e4glich Brot gib uns heute. Das ist kein Abstieg in der Mitte des Vaterunsers. Es ist fast der h\u00f6chste Gipfel \u00fcberhaupt, wenn ich nicht mehr zu sorgen brauche, was morgen sein wird.<\/p>\n<p><strong>2. Geteiltes Brot.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geteiltes Brot macht alle satt. Jesus hatte die Bitte nicht nur gelehrte, er hat sie bewiesen. Unser t\u00e4glich Brot gib uns heute, wie damals in der W\u00fcste. Das ist eben jene zweite ber\u00fchmte Brotgeschichte der Bibel, die Speisung der 5000. Da hatte sich ja keiner auf eine l\u00e4ngere Tour eingestellt, sie waren einfach alle mitgelaufen, Kind und Kegel. Selbstverst\u00e4ndlich blieb das Gerstenbrot und der Ziegenk\u00e4se zu Hause, man glaubte ja, bis zum Einbruch der Finsternis wieder zu Hause zu sein. Aber jetzt wurden die Schatten l\u00e4nger und die M\u00e4gen auch. An einen R\u00fcckweg war \u00fcberhaupt nicht mehr zu denken. Und Jesus k\u00fcmmert sich um die angespannte Versorgungslage. Deshalb fragt er seine aufgeschreckten J\u00fcnger: Wo kaufen wir Brot? Sie kn\u00f6pfen dem Judas den Beutel ab, aber in der Zentralkasse ist eben Ebbe. Genau 200 Silbergroschen. Das macht pro Nase einen Pfennig. Schon damals reichte das nicht f\u00fcr ein Abendbrot. Und der Kassensturz macht den Philippus best\u00fcrzt, mit dem Geld k\u00f6nnen wir keine hohlen Z\u00e4hne f\u00fcllen. Die Finanzdecke ist absolut zu knapp. Nun schaut Andreas nach den Reserven. Vielleicht hatte jemand etwas mitgebracht und wir k\u00f6nnen es zusammenlegen, dann reicht&#8217;s vielleicht doch. Aber eine schnelle Umfrage bringt: Fehlanzeige, kein W\u00fcstenpicknick. 5 Brote, 2 Fische, die man bei einem Buben requiriert hat. Das reicht hinten und vorne nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist es immer, wenn wir auf das schauen, was wir in unseren Taschen in unseren H\u00e4nden haben. Wenn wir auf das sehen, was in dieser Welt w\u00e4chst. Und dann noch 8 Milliarden Menschen im Jahr 2020. Das reicht hinten und vorne nicht, so h\u00f6re ich es. Jede Woche, lese ich es in vielen Artikeln, das reicht nicht. Die Bev\u00f6lkerung muss gestoppt werden. Aber dieser Herr ist doch erst am Anfang, wenn wir schon am Ende mit unserem Latein sind. Er \u00fcbernimmt nicht unseren Realismus, der immer nur ein verkappter Pessimismus ist. Er kommandiert, wo wir kapituliert haben: Schaffet, dass das Volk sich lagere, und auf dem Gras sollen sie es sich bequem machen, das ist kein Hokuspokus, das ist kein Tischlein-deck-dich, das ist Eingreifen Gottes in dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir mit Vertrauen auf seine H\u00e4nde schauen, so n\u00e4hret aller Wegen uns ein geheimer Segen. Gottes H\u00e4nde machen alle satt. So war das bei ihm, und deshalb schickt er sp\u00e4ter seine J\u00fcnger ohne Reisegep\u00e4ck und Wegzerrung zum Botendienst. Nichts f\u00fcr den Kopf, keine Bleibe. Habt ihr je Mangel gehabt, fragt er sp\u00e4ter. Nein, niemals! So haben es viele kapiert und daran will ich mich halten, an diesen guten Hirten. Er f\u00fchrt seine Herde zur gr\u00fcnen Weide und gibt allen Brot ohne Geld. Wo er teilt und wo geteilt wird, da ist das t\u00e4gliche Brot. Gib uns unser t\u00e4gliches Brot, gib uns Brot, dass auch wir teilen k\u00f6nnen und weitergeben. Und sie werden es erleben, dass bei ihm und in seiner Hand keiner, auch nicht ein einziger hungern wird.<\/p>\n<p><strong>3. Das gesegnete Brot.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesegnetes Brot. Das Brot hat nat\u00fcrlich auch eine geistliche Dimension. Und auch daran ist zu denken. Jesus sagt, ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, der wird nicht hungern, wer dieses Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Es gibt eben nicht nur einen Hunger nach Brot, sondern auch einen Hunger nach Erf\u00fcllung, nach Liebe, nach Leben. Und diesen Hunger will er auch stillen. Der Hunger nach Leben h\u00f6rt dann nicht auf, wenn unser Hunger nach Brot gestillt ist. Jesus kennt das. Deshalb ist er nicht nur bei unserem Abendessen dabei, sondern er ist der Gastgeber eines Abendmahles. Die Mahlgemeinschaft am galil\u00e4ischen Meer deutet auf die Tischgemeinschaft in Jerusalem, und wieder nahm er das Brot, brach es, und gab es und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib. Das ist die Speise, so sagt es Johannes, die nicht verg\u00e4nglich ist, sondern die da bleibt in das ewige Leben. Gibt uns unser t\u00e4glich Brot, ist dann auch die Bitte um das gesegnete Brot, Jesus selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist nur die Frage, ob nicht gerade im Hinblick auf das Abendmahl uns diese Bitte in eine neue Richtung bringen soll. Immer wieder h\u00f6rt man, dass das Abendmahl uns Protestanten ja eigentlich sehr fern ist. Wir haben&#8217;s schon gelernt im Konfus, und wir gingen auch vielleicht regelm\u00e4\u00dfig einmal im Jahr, oder zweimal im Jahr, das w\u00e4re schon richtig. Einmal im Fr\u00fchjahr und Herbst, das sei schon genug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wenn man schon so sagt: Du musst zweimal die Oma besuchen im Jahr, ja, dann ist schon etwas faul im Verh\u00e4ltnis zwischen Oma und uns. Wir haben keinen richtigen Geschmack an diesem Brot. Wir haben kein Bed\u00fcrfnis, kein Magendrang, uns hungerts nicht danach. Braucht&#8217;s denn das? Das Wort alleine, so haben wir es von Luther geh\u00f6rt. Mit dem kann man leben, mit dem kann man sterben. Braucht&#8217;s denn dieses Brot beim Abendmahl? Liebe Gemeinde, ich kann nur sagen, Gott hat gemeint, dass wir es brauchen. Sonst h\u00e4tte er es durch seinen Sohn nicht angeboten. Das tut, zu meinem Ged\u00e4chtnis. Sein Wort und Sakrament. Ob wir uns nicht mehr nach diesem Brot sehnen sollten? Ob wir uns nicht mehr \u00f6ffnen sollten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Pfarrer sagt dazu: Eines habe ich gelernt, an den Betten der Sterbenden. In jenen Augenblicken wo sie nichts mehr h\u00f6ren, wo sie nichts mehr sehen und die K\u00f6rper erf\u00fcllt waren vom Todesschmerz. In dieser Stunde, wenn man dann mit dem Abendmahlskelch kam und dieses Brot eintaucht in den Wein und ein kleines St\u00fcck auf diese trockene, hei\u00dfe Zunge legt. Dann konnte er es schmecken, wie freundlich der Herr ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann nur das schmecken, was man kennt. Ob nicht dieses gesegnete Brot gemeint sein k\u00f6nnte. Ja, es ist gemeint, wenn wir beten, gib uns unser t\u00e4glich Brot, gib uns auch dieses gesegnete Brot, dass wir schmecken k\u00f6nnen, wie freundlich du bist. So lasst uns mit dieser Bitte neu unsere ganze Sorge ihm \u00fcbertragen, lassen ihn sorgen, ihn allein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und zum andern, bleiben wir bei diesem Brot f\u00fcr heute nicht gehortet und stinkend, bleiben wir bei diesem geteilten Brot und beim gesegneten Brot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant und Rel.-P\u00e4d. Thomas Karker, Predigt im Erntedankgottesdienst 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.&#8220; (Mt 6,11) In der Brotbitte zeigt sich die Not des modernen Menschen. Die Brotbitte ist die Bitte des Vaterunsers, die heute am gedankenlosesten heruntergebetet wird. 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