{"id":20363,"date":"2023-09-25T09:21:19","date_gmt":"2023-09-25T07:21:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20363"},"modified":"2023-09-25T11:08:50","modified_gmt":"2023-09-25T09:08:50","slug":"seid-gute-haushalter-gottes-grundlagen-der-arbeits-und-wirtschaftsethik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20363","title":{"rendered":"Seid gute Haushalter Gottes \u2013 Grundlagen der Arbeits- und Wirtschaftsethik"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Der arbeitende Gott und sein Ebenbild <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott selbst ist ein Arbeiter, der in sechs Sch\u00f6pfungstagen alle \u201eWerke\u201c seiner Sch\u00f6pfung vollendete (1Mo 2,2). Dennoch ist Gott auch weiter aktiv, denn Er \u201eschl\u00e4ft und schlummert nicht\u201c (Ps 121,4). Zahlreiche Verse in der Bibel machen deutlich, dass Gott die Kr\u00e4fte der Natur beherrscht, die Ereignisse der Geschichte lenkt und aktiv am Leben der Menschen beteiligt ist. All dies ist mit Arbeit verbunden. Es ist sicher auch kein Zufall, dass der menschgewordene Sohn Gottes von Beruf ein hart arbeitender Zimmermann oder Bauarbeiter war (Mk 6,3).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 1 Mose 1,27 ist der Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen. Im n\u00e4chsten Vers impliziert der Auftrag, sich die Erde untertan zu machen und \u00fcber sie zu herrschen eindeutig Arbeit. Schlie\u00dflich hei\u00dft es in 1Mo 2,15 unmissverst\u00e4ndlich: \u201eUnd Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.\u201c Der Mensch ist aus der Erde genommen oder gemacht, also ein irdisches, physisches Wesen (1Mo 3,19). Deshalb soll er auch den Boden, d.h. die gesamte materielle Sch\u00f6pfung bearbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Menschen sind wir als Stellvertreter Gottes in dieser Welt zur produktiven und kreativen Arbeit berufen. Arbeit und Kultur sind als solche kein Fluch, sondern ein Geschenk und eine Einladung, Gottes sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit gleichsam fortzusetzen. Durch Arbeit im weitesten Sinne haben wir Anteil an Gottes Erhaltung und F\u00fcrsorge f\u00fcr die Menschheit und Natur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. W\u00fcrde und Last der Arbeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem S\u00fcndenfall ist auch die Arbeit nur noch im Schatten der S\u00fcnde m\u00f6glich und mitunter \u00e4u\u00dferst hart geworden (1Mo 3,17\u201319). Nicht selten erscheint Menschen ihre M\u00fche und Plackerei als sinnlos (Pred 1,3). In einer gefallenen Welt befriedigt Arbeit nur unvollkommen, und oft k\u00f6nnen ihre Fr\u00fcchte nicht oder nur begrenzt genossen werden<em>.<\/em> Das wirtschaftliche Handeln des Menschen ist bedroht von Gewalt, Ausbeutung und Ungerechtigkeit, von Gier, Neid und Faulheit (s.u.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch spricht die Bibel allgemein an vielen Stellen positiv \u00fcber die Arbeit (s. z.B. <em>Mt 13,55; Apg 18,3; 1 Thess 4,11; 2 Thess 3,10; Eph 4,28) und ermahnt zu Flei\u00df (vor allem in Spr). <\/em>Der sog. Kulturauftrag <em>(1Mo 1,28; 9,1) ist weiterhin genauso g\u00f6ttlicher Wille f\u00fcr die Menschen wie der Missionsauftrag (Mt 28,18\u201320), wobei letzterer nat\u00fcrlich nur dem Volk der Glaubenden gilt. Bezeichnend ist, dass wir in der <\/em>Bibel <em>\u2013 ganz im Unterschied zur Gedankenwelt der antiken Griechen und R\u00f6mer \u2013 keine<\/em> Geringsch\u00e4tzung des Handwerks und harter k\u00f6rperlicher Arbeit finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reformation erfuhr das Arbeits- und Alltagsleben eine au\u00dferordentliche Aufwertung. Gott wird nicht nur in Kirche und Kloster, sondern auch in Werkstatt und Stall gedient. Das religi\u00f6se Leben der Geistlichen ist an sich keineswegs Gott wohlgef\u00e4lliger. In der Folge gewann zuerst im protestantischen Nordwesteuropa das Wirken der Handwerker, H\u00e4ndler und Unternehmer ein bisher unbekanntes Ansehen. Freiheit und W\u00fcrde f\u00fcr die b\u00fcrgerliche Mittelschicht schuf den Boden f\u00fcr die industrielle Revolution.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Knappheit und \u00dcberfluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat die ersten Menschen in eine Welt ohne Not und Tod gesetzt. Doch waren Adam und Eva <em>b<\/em>ereits bed\u00fcrftige Gesch\u00f6pfe, durch ihre K\u00f6rperlichkeit und ein Leben in Raum und Zeit begrenzt<em>. <\/em>Auch der Mensch ohne S\u00fcnde war schon <em>der Knappheit unterworfen; umso mehr gilt dies nach<\/em> dem S\u00fcndenfall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat dem Menschen zwar eine Welt mit reichlich vorhandenen Ressourcen anvertraut, aber nur sehr wenige von ihnen wie z.B. Luft existieren in einem f\u00fcr uns direkt nutzbaren Zustand. Seit jeher ist menschliche Arbeit erforderlich, um das Potenzial der Sch\u00f6pfung nutzbar zu machen. Meist m\u00fcssen viel Intelligenz und Kreativit\u00e4t sowie Energie und Technologie auf die Ressourcen angewandt werden, um sie nutzbar zu machen bzw. in einen n\u00fctzlicheren Zustand zu verwandeln. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des Auftrags die Erde zu bearbeiten und zu kultivieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten <em>Menschen bekamen eine Aufgabe, die noch unvollendet war: nach und nach sollen sie und ihre Nachkommen sich die Erde untertan machen, an Zahl zunehmen, aber auch im Wissen und in der Weisheit wachsen, also in jeder Hinsicht reifen. Im wirtschaftlichen Umgang mit den Sch\u00f6pfungsgaben sollen wir auch heute lernen, im Rahmen unserer Gaben und Begrenztheit Kosten von Entscheidungen abzuw\u00e4gen und so gutes Haushalten lernen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Das wichtigste Kapital<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott schuf den Menschen mit der F\u00e4higkeit, ja Leidenschaft, Dinge zu erschaffen, unbekannte M\u00f6glichkeiten zu entdecken und neue Dimensionen zu erkunden. Der Sch\u00f6pfer hat ihn mit dieser Gabe ausgestattet. Ihm gef\u00e4llt es, wenn Menschen neue Ideen hervorbringen, um seine Welt weiter zu gestalten. Der Mensch selbst mit seiner Kreativit\u00e4t und seinem erwartungsvollen Blick in eine offene Zukunft ist die wichtigste Ressource der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbindet sich Knappheit mit Kreativit\u00e4t, k\u00f6nnen die begrenzten Ressourcen noch besser genutzt werden. Erfindungsreichtum und technologische Durchbr\u00fcche bilden daher seit jeher die Grundlage der Zunahme von Wohlstand. Die Alternative ist die r\u00e4uberische Denk- und Handlungsweise, die den Wohlstand auf unmoralische Weise nur umverteilt, aber nichts neues schafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohlstand wird durch Arbeit und Flei\u00df, Unternehmertum und Investitionen sowie gute Ideen hervorgebracht. Sie alle gedeihen in einen Raum der Freiheit, in dem die Ideen sich untereinander befruchten und am Ende neue Produkte stehen, die auf M\u00e4rkten getestet werden. Werden au\u00dferdem das Eigentum und Vertr\u00e4ge gesch\u00fctzt und Frieden im Inneren und zwischen Staaten bewahrt, geht die Armut zur\u00fcck und k\u00f6nnen immer mehr Menschen gut ern\u00e4hrt und versorgt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Der Segen der Arbeitsteilung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adam als Mann war f\u00fcr die Vervollst\u00e4ndigung durch die Frau geschaffen (1Mo 2,18). Der Mensch ist somit seit jeher auf gegenseitige Hilfe und Erg\u00e4nzung angelegt. Daher ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, Arbeit immer ein soziales Ph\u00e4nomen. Wir sind auf die Hilfe und die Arbeit anderer angewiesen (am deutlichsten ist dies zu Beginn und am Ende des menschlichen Lebens); wir arbeiten f\u00fcr andere, mit anderen, zum Wohl anderer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menschen <em>besitzen<\/em> von Natur aus <em>unterschiedliche Gaben, Talente und Vorlieben. Dies macht die Spezialisierung der Arbeit und damit die Zusammenarbeit sinnvoll. Ist bei Sammlern und J\u00e4gern die Arbeitsteilung nur von geringer Bedeutung, so ist sie f\u00fcr die Gr\u00fcndung von St\u00e4dten, f\u00fcr die Ausweitung von Handel und Industrie, ja die Zivilisation im Allgemeinen unerl\u00e4sslich. Denn nur das<\/em> <em>Zusammen<\/em>wirken bringt die Menschheit wirklich voran. In einem System der Arbeitsteilung k\u00f6nnen konkret Erfindungen angegangen und Innovationen umgesetzt werden, die die Kraft und den Einfallsreichtum der Einzelnen \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tiefster Grund der Arbeitsteilung ist die g\u00f6ttliche Dreieinigkeit. Vater, Sohn und Geist lieben einander, kommunizieren miteinander, tun etwas f\u00fcreinander; ihr Wirken in der geschaffenen Welt und ihr Erl\u00f6sungshandeln ist von Einigkeit, aber auch Unterschiedlichkeit gekennzeichnet. In gewisser Weise k\u00f6nnen wir von einer Aufgaben- und damit Arbeitsteilung der drei Personen reden (so nahm z.B. nur der Sohn menschliche Natur an und wurde gekreuzigt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Tausch und Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansto\u00df zur Arbeitsteilung liefert die menschliche Neigung zum Tausch. Menschen tauschen, weil sie Dinge unterschiedlich bewerten und ihnen jeweils das, was der andere besitzt, wertvoller erscheint als das, wor\u00fcber man bereits selbst verf\u00fcgt. Beide Seiten erwarten eine Besserstellung durch den Tausch. Auf diese Weise muss das Eigeninteresse, das zum Tausch anregt, das Interesse anderer ernst nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Tausch und Handel kommen sich Menschen n\u00e4her, weil die friedliche Zusammenarbeit durch Kaufvertr\u00e4ge viele Vorteile bietet. Massen von Menschen, die sich fremd und verschieden sind, fallen nicht in der Regel \u00fcbereinander her und berauben sich nicht st\u00e4ndig, sondern produzieren f\u00fcreinander. Weil man auf Kunden und Handelspartnern angewiesen ist, geht man tendenziell anst\u00e4ndig mit ihnen um. Der freie Markt <em>f\u00f6rdert <\/em>daher Friedfertigkeit und R\u00fccksichtnahme. Es ist die kooperative, marktwirtschaftliche Gesellschaft, die einen gro\u00dfen Anreiz bietet, Hass und Aggressionen zur\u00fcckzuhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vers\u00f6hnung der in S\u00fcnde gefangenen Menschen mit Gott, die \u00dcberwindung dieser Feindschaft (R\u00f6m 5,10; 2 Kor 5,18\u201319), geschieht dagegen <em>nicht <\/em>durch einen Tauschprozess. Gott in seiner Barmherzigkeit <em>schenkt<\/em> seinen Feinden Gnade, stiftet einseitig Frieden. Von dieser \u201ebesonderen\u201c, heilsbringenden Gnade ist Gottes \u201eallgemeine\u00a0<em>Gnade<\/em>\u201c zu unterscheiden. Die ausgedehnte Ordnung der menschlichen Kooperation, in der sich Marktteilnehmer an die Regeln des Eigentums- und Vertragsrechts halten, ist eine der wichtigsten Beispiele dieser gn\u00e4digen Zuwendung Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7. Arbeit unter dem Gebot Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist der Sch\u00f6pfer, Erhalter und daher auch der Haupteigent\u00fcmer dieser Welt (Ps 24,1; 104,24; Hag 2,8). Die irdische Welt und ihre G\u00fcter hat er den Menschen zur Verwaltung \u00fcbergeben, die Eigent\u00fcmer im Sinne eines Hausverwalters (gr. <em>oikonomos<\/em>) sind. Eigentum in unseren H\u00e4nden bleibt deshalb immer Gabe Gottes (Pred 5,18). Gott als dem guten Geber aller Gaben schulden wir Rechenschaft, weshalb alles Wirtschaften seinen Geboten untersteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arbeit geschieht in einer s\u00fcndigen Welt. Eigentum als Grundlage des Wirtschaftens muss deshalb durch das Recht gesch\u00fctzt werden. Eine Vielzahl von biblischen Gesetzen garantiert und regelt deswegen auch den Bestand und Austausch von Besitzt\u00fcmern. Grundlegend verbietet das achte Gebot den Diebstahl: \u201eDu sollst nicht stehlen.\u201c (2Mo 20,15; s. auch 1 K\u00f6n 21 sowie Mt 15,19; R\u00f6m 2,21; Eph 4,28; Off 9,21) Das Weitergeben von Besitz an die n\u00e4chste Generation ist in der Bibel selbstverst\u00e4ndlich (Spr 19,14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Weisheitsliteratur wird h\u00e4ufig vor \u201eunrechtem Gewinn\u201c gewarnt (Spr 1,19; 11,18; 15,6.7); verurteilt werden Betrug im Handel (Spr 16,11; 5Mo 25,13\u201316; Mch 6,11) und Vorenthaltung des Lohnes (Jer 22,13; 5Mo 24,14\u201315; 3Mo 19,11-13; Jak 5,4); erstaunlich oft warnt die Bibel vor Korruption (5Mo 10,17; 16,19; 27,25; Am 5,12; Mch 3,11). Das Schicksal der Armen ist der biblischen Ethik dabei ein sehr wichtiges Anliegen; ihre Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung ist Gott ein Ansto\u00df, sie verdienen besonderen Schutz (2Mo 22,22\u201323; 23,6; 5Mo 24,14\u201315; Jes 1,17; 10,1\u20132; Am 2,6\u20138, 8,4-6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gefallene Mensch ist geneigt, in irdischen Dingen und Reicht\u00fcmern Sinn und letzte Zufriedenheit zu finden. Doch nur der Sch\u00f6pfer und nicht Geschaffenes kann den geistigen Durst des Menschen stillen. Die Verehrung von G\u00f6tzen \u2013 welcher Art auch immer \u2013 weckt Gier, die das gesunde Eigeninteresse infiziert. Die Bibel setzt daher Habsucht und Geiz mit G\u00f6tzendienst in eine Reihe (5Mo 6,14\u201315; Kol 3,5); Christen werden aufgefordert dem G\u00f6tzendienst wie der Geldgier zu entfliehen (1 Kor 10,14; 1 Tim 6,10\u201311). Eindeutig sind die Warnungen vor den Gefahren des Reichtums (Lk 12,18\u201321; 1 Tim 6,17\u201319; Mt 6,24; 13,22; 19,24).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zehnte Gebot (2Mo 20,17) verbietet das Verbotene zu begehren \u2013 das, was der N\u00e4chste nicht bereit ist zu tauschen bzw. nicht tauschen darf. Neid ist der innere Antrieb, der zu Diebstahl und \u201elauter b\u00f6sen Dinge\u201c (Jak 3,16; s. auch R\u00f6m 1,29; Gal 5,21; 1 Pt 2,1) f\u00fchrt. Tiefe Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation durch das Schauen auf den Mitmenschen statt auf Gott korrumpiert Beziehungen und soziale Bindungen. Neid ist eine Wurzels\u00fcnde, ein Grund\u00fcbel, das nicht nur der Wirtschaft schadet, sondern auch Familie und Gesellschaft zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8. Das christliche Zeugnis am Arbeitsplatz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die meisten erwachsenen Gl\u00e4ubigen ist der Arbeitsplatz das Umfeld, in dem wir am ehesten auf Nichtchristen treffen. Die vorderste Front der Evangelisierung war und ist daher neben der Familie die Arbeitswelt. Dort sollen unsere guten Werke gesehen werden (1 Pt 2,12), dort sollen wir Rechenschaft \u00fcber unsere christliche Hoffnung geben (1 Pt 3,15).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWeltliche\u201c Berufe und Besch\u00e4ftigungen sind f\u00fcr Gott keineswegs unwichtig. Denn gerade im beruflichen Umfeld wirken Christen als Salz und Licht (Mt 5,13\u201316). Am Arbeitsplatz wird der Charakter des Christen geformt, wird um des Glaubens willen gelitten und zeigen sich die Fr\u00fcchte des Geistes (Gal 5,22\u201323); dort kann die Liebe des N\u00e4chsten und des Feindes einge\u00fcbt (Mt 22,39; 5,44) und muss f\u00fcr Wahrheit und Gerechtigkeit eingestanden werden; unter den Kollegen ergeben sich M\u00f6glichkeiten, biblische Perspektiven zu Fragen von Beruf, Politik, Sexualit\u00e4t und Weltanschauung aufzuzeigen. Nicht zuletzt weist die Qualit\u00e4t unserer Arbeit auf den gut arbeitenden Gott hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel spricht die Verantwortung der Arbeitgeber (Hiob 31,13\u201315; Kol 4,1; Eph 6,9; Phlm) und der Angestellten, damals h\u00e4ufig Sklaven, deutlich an (Ef 6,5\u20138; Kol 3,22\u201325; Tit 2,9\u201310). Dar\u00fcber hinaus gibt sie nicht wenige Beispiele von M\u00e4nnern und Frauen, die ihren Glauben an den Orten, an denen sie arbeiteten, lebten und bezeugten. Hier sind F\u00fchrungskr\u00e4fte wie Joseph (1Mo 41,41), Daniel (Dan 2,48) oder Nehemia (Neh 4,12\u201315), aber auch Arbeitende in niedrigeren Positionen wie die namenlose Sklavin des Syrers Naaman (2 K\u00f6n 5) oder die hebr\u00e4ischen Hebammen in \u00c4gypten (2Mo 1,15\u201322) zu nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9. Die Vielfalt der Sch\u00f6pfungsordnungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Menschen als Gesch\u00f6pfen sind nicht nur die Grenzen der Gebote Gottes vorgegeben. Als konkreter Ort der Verantwortung hat Gott au\u00dferdem mehrere Mandate oder Ordnungen (\u00e4ltere Begriffe: St\u00e4nde, Herrschaften, Regimenter) eingesetzt: Familie, Kirche, Arbeit und Obrigkeit. Alle diese Grundordnungen unterstehen Gott, unterscheiden sich aber im Hinblick auf ihre Aufgaben und die Aus\u00fcbung von Autorit\u00e4t. Ein Christ hat in allen Mandaten seinen Platz, d.h. geh\u00f6rt zu einer Familie, arbeitet, ist Gemeindemitglied und Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits d\u00fcrfen diese Ordnungen nicht vermischt werden. So hat die Gewinnorientierung ihren Platz in der Wirtschaft, aber nicht in der Kirche; die Evangeliumsverk\u00fcndigung gehorcht nicht dem Prinzip von Angebot und Nachfrage; Innovation und Fortschritt bedeuten im Reich Gottes etwas anderes als in der Arbeitswelt. Andererseits sind die Ordnungen aufeinander angewiesen. So braucht die Kirche den Schutz der Obrigkeit, ist auf Spenden aus Arbeitsl\u00f6hnen angewiesen; den Eltern wird durch die Gemeinde in der Erziehung geholfen usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem muss darauf geachtet werden, dass nicht eine Ordnung die andere beherrscht, behindert und zur Seite dr\u00e4ngt. Vielfach droht heute die \u00d6konomisierung der Familie (zu hohe Anforderungen des Arbeitslebens, Karriere im Berufsleben steht \u00fcber dem Wohl der Kinder usw.) und der Kirche (geistliche Fragen werden wie Konsumentscheidungen behandelt oder von Effizienskriterien dominiert). Vor allem jedoch hat der moderne Staat seine Begrenzung weitgehend vergessen und versucht nun, alle Lebensbereiche direkt zu kontrollieren. Seine Aufgabe, den notwendigen sch\u00fctzenden Rahmen f\u00fcr das Zusammenleben der Menschen durch die Durchsetzung des Rechts zu gew\u00e4hrleisten, vernachl\u00e4ssigt er; stattdessen \u00fcbernimmt er immer mehr die Erziehung der Kinder und die Regulierung der Wirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10. Der Segen des Ruhetags<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir arbeiten mit Gott zusammen, weil wir die von ihm eingesetzten Verwalter der Erde sind. Wir ruhen nach der Arbeit, weil Gott selbst nach der Vollendung des Sch\u00f6pfungswerks ruhte (1Mo 2,2\u20133).\u00a0 Der Rhythmus von Arbeit und Anstrengung auf der einen und Ruhe und Genuss auf der anderen Seite ist eine weitere grundlegende Ordnung Gottes. Das vierte Gebot \u00fcber den Sabbat (2Mo 20,8\u201311) ruft dazu auf, den Sinn und Zweck der Arbeit im Gotteslob zu erkennen. Am siebten Tag sollen wir nicht arbeiten, sondern danken und uns an dem <em>freuen<\/em>, was geschaffen wurde \u2013 an allem Geschaffenen in der Natur und an allen Werken menschlicher H\u00e4nde und Kultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der siebte Tag ist eine Gelegenheit, innezuhalten und sich der Abh\u00e4ngigkeit von Gott bewusst zu werden, denn nur Er erm\u00f6glicht uns das Arbeiten und segnet unser Tun. Die vorgeschriebene Ruhe erinnert daran, dass Arbeit kein Selbstzweck ist. Der freie Sonntag ist in \u00f6konomischer Hinsicht ein heilsamer St\u00f6rfaktor in unserer Gesellschaft. Die gemeinsame Sonntagsfeier in der Gemeinde relativiert Unterschiede von arm und reich und zeigt, dass wir nicht nur eine Produktions- und Konsumgesellschaft sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist kein Zufall, dass das Heil der Menschen bei Gott als \u201eSabbatruhe\u201c (Hbr 4,9) bezeichnet wird. Anders als bei den heidnischen G\u00f6ttern sind es nicht die Menschen, die sich das Wohlwollen eines Gottes erarbeiten; vielmehr arbeitet Gott <em>f\u00fcr uns<\/em>, damit wir schlie\u00dflich mit ihm in eine ewige Ruhe eingehen k\u00f6nnen. Es wird sicher auch in der neuen Sch\u00f6pfung Besch\u00e4ftigung f\u00fcr Menschen geben. Aber der irdische Ruhetag ist vielleicht der wichtigste Hinweis auf das \u201eLetzte\u201c \u2013 auf freie, geschenkte, unverdiente Gnade \u2013 in der jetzigen Epoche des \u201eVorletzten\u201c (Bonhoeffer), in der Arbeit noch eine sehr wichtige Stellung einnimmt.<\/p>\n<p><em>Holger Lahyne, August 30, 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Der arbeitende Gott und sein Ebenbild Gott selbst ist ein Arbeiter, der in sechs Sch\u00f6pfungstagen alle \u201eWerke\u201c seiner Sch\u00f6pfung vollendete (1Mo 2,2). Dennoch ist Gott auch weiter aktiv, denn Er \u201eschl\u00e4ft und schlummert nicht\u201c (Ps 121,4). 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