{"id":20298,"date":"2023-09-05T11:38:16","date_gmt":"2023-09-05T09:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20298"},"modified":"2023-09-06T09:03:51","modified_gmt":"2023-09-06T07:03:51","slug":"der-niedergang-der-evangelischen-kirche-ein-rueckblick-nach-fast-40-jahren-pfarrdienst-im-rheinland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20298","title":{"rendered":"Der Niedergang der Evangelischen Kirche &#8211; Ein R\u00fcckblick nach fast 40 Jahren Pfarrdienst im Rheinland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Niedergang der Evangelischen Kirche &#8211; Ein R\u00fcckblick nach fast 40 Jahren Pfarrdienst im Rheinland<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Problembeschreibung und hermeneutischer Vorblick<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelischen Kirchen in Deutschland erleben in unserer Generation einen beispiellosen Niedergang. 2021 traten aus der EKD bei ca. 19.725.000 Mitgliedern ca. 280.000 aus (=1,42%), aus der Ev.Kirche im Rheinland bei 2.398.996 Mitgliedern 33.191 (=1,38%).<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Bei der katholischen Kirche waren es bei 21.645.875 Mitgliedern wegen der vielen Mi\u00dfbrauchsf\u00e4lle und ihrer Vertuschung sogar 359.338 (=1,66%). Beide gro\u00dfen Kirchen in Deutschland verloren in diesem Jahr fast 640.000 Mitglieder, was etwa der Gr\u00f6\u00dfe einer Stadt wie Stuttgart entspricht. W\u00e4hrend ihr Bev\u00f6lkerungsanteil 1950 noch bei \u00fcber 92% gelegen hatte, ist er mittlerweile unter 50% gesunken.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Sieht man von den orthodoxen Kirchen und den vielen kleinen Freikirchen einmal ab, sind die Christen in unserem Land jetzt in der Minderheit. Man kann es einen <em>Austritt des Volkes aus den \u201eVolkskirchen\u201c<\/em> nennen. Dabei ist die EKD besonders betroffen, deren Mitgliederzahl von 1950 ca. 41,2 Millionen auf 2021 ca.19,7 Millionen Mitglieder sank &#8211; also auf weniger als die H\u00e4lfte;\u00a0 die Zahl der Katholiken blieb dagegen mit ca. 21,6 Millionen (2021) gegen\u00fcber ca. 23,2 Millionen (1950) fast konstant.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-20304\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild1_ekd-entwicklung-300x130.png\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild1_ekd-entwicklung-300x130.png 300w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild1_ekd-entwicklung.png 643w\" sizes=\"(max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gr\u00fcnde werden nach einer Umfrage von 2018<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> angegeben: 44,2% wegen der Kirchensteuer, 34,4% wegen Unzufriedenheit mit der Institution Kirche und ihrer Amtstr\u00e4ger, 16,4% \u201eglaube nicht (mehr) an Gott&#8220;, 2,0% \u201eglaube jetzt an einen anderen Gott\/andere G\u00f6ttin\/G\u00f6tter&#8220;, 3% anderes. Au\u00dferdem werden schon l\u00e4ngere Zeit weniger Kinder getauft als Gemeindeglieder sterben.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Eine Umfrage des Kirchenkreises Berlin-Mitte am s\u00e4kularisiertesten Ort Deutschlands unter Ausgetretenen ergab, da\u00df 61,2% damit \u201eGeld sparen&#8220; wollten, 31,8% \u201enichts mehr mit dem christlichen Glauben anfangen k\u00f6nnen&#8220; und 20,9% wegen \u201ekirchlicher \u00c4u\u00dferungen zu politischen Fragen&#8220;.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Nach dem Bertelsmann-Religionsmonitor von 2021 glauben 25% der Bev\u00f6lkerung \u201enicht (mehr) an Gott&#8220;; von den Kirchenmitgliedern hielten 20% ihren Austritt f\u00fcr \u201ewahrscheinlich&#8220;, von den J\u00fcngeren unter ihnen sogar 41%.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Gem\u00e4\u00df einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD von 2018-21 ist etwa 50% der Ausgetretenen \u201edie Kirche \u201egleichg\u00fcltig&#8220;, weil sie \u201emit dem Glauben nichts mehr anfangen k\u00f6nnen&#8220; und \u201ein ihrem Leben keine Religion brauchen&#8220;; aus der Kath. Kirche treten nahezu 30% aus, weil sie sich \u201ezu sehr dem Zeitgeist anbiedere&#8220;, bei den Protestanten \u201edeutlich mehr&#8220; als 30%.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> F\u00fcr die Ev. Kirche, die sich gerne als neuzeitlicher und moderner darstellt, m\u00fcssen besondere Gr\u00fcnde vorliegen, warum sie in der neuesten Zeit mehr Mitglieder verliert als die Katholische Kirche und die Freikirchen. Sollte die von der liberalen Theologie \u00e4lterer und neuerer Art geforderte und von den EKD-Kirchen seit 1968 immer forcierter betriebene \u201eUmformung&#8220;<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> und Anpassung an die moderne Zeit und Gesellschaft sie so profillos gemacht haben, da\u00df sie gegen\u00fcber \u00e4hnlichen ideologischen Organisationen und Parteien, die den Fortschrittsglauben auf ihre Fahnen geschrieben haben, \u00fcberfl\u00fcssig erscheint? Hat die Ev. Kirche dabei m\u00f6glicherweise ihr Proprium aufgegeben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie alle Gedanken und Geschichtsschreibung, so sind auch die folgenden \u00dcberlegungen durch biographische Beobachtungen und einen pers\u00f6nlichen Standpunkt gepr\u00e4gt. Der Historiker konstruiert und interpretiert sp\u00e4rliche Quellen alter Zeiten und konstruiert mithilfe einf\u00fchlender Vermutungen ein sinnvoll erscheinendes Ganzes, oder er w\u00e4hlt aus der F\u00fclle des neuzeitlichen Materials nach subjektiven Gesichtspunkten aus, um eine \u00fcberzeugende, aber seiner Zeit verhaftete Darstellung des Geschehens zu bieten. So ist auch in der Kirchengeschichte nicht nur zwischen profan-kausalen Abl\u00e4ufen und wunderbar-g\u00f6ttlichen Eingriffen, sondern auch zwischen der objektiven Geschehensvielfalt und der subjektiven Perspektive des jeweiligen Autors zu unterscheiden. \u201eDas Wahre ist das Ganze&#8220;<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>, aber diese umfassende Erkenntnis \u201evon oben&#8220; hat allein Gott. Die Kirche wird von uns Christen immer pers\u00f6nlich erlebt und so ist nur eine vom jeweiligen Autor nach seiner Sicht verfa\u00dfte Kirchenhistorie auf Erden m\u00f6glich. Anders als in den Naturwissenschaften, deren \u201eGesetze&#8220; f\u00fcr alle Dinge und Menschen gleicherma\u00dfen gelten, ist in den Geisteswissenschaften trotz allen Bem\u00fchens um die Wahrheit der individuelle Horizont des Verfassers un\u00fcbersteigbar, und es gilt wie bei der die Bibel auslegenden Predigt: \u201eDie \u00bbsubjektivste\u00ab Interpretation ist hier die \u00bbobjektivste\u00ab&#8220;.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Kirchengeschichte ist auch leider nicht nur die \u201eGeschichte der Auslegung der Heiligen Schrift&#8220;<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>, sondern auch die des Verlustes der Bibel und ihres christlichen Kerns aufgrund der Absolutsetzung von Traditionen, Meinungen, Ideologien, \u00c4mtern und Personen &#8211; wie dem Papst oder jedem beliebigen Sektengr\u00fcnder. Dennoch gibt es zu jeder Zeit und wache, bibeltreue Christen, die die Entwicklung &#8211; die Erweckung oder den Niedergang &#8211; ihrer Kirche wahrnehmen. Falls dies zu einer gr\u00f6\u00dferen Darstelung anw\u00e4chst, w\u00e4re dies zugleich eine beachtliche geistliche Besinnung. Sie kann zwar &#8211; wie alle Produkte des menschlichen Geistes &#8211; nicht mehr oder weniger sein als \u201eihre Zeit in (theologische) Gedanken erfa\u00dft&#8220;.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Aber ein solch radikal-geschichtlicher Ansatz<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> ist die einzige M\u00f6glichkeit, die heute real existierende Kirche wahrzunehmen und zu \u00e4ndern, so da\u00df Glaube und Denken praktisch werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im theologischen Kirchenbegriff wird seit langem zwischen zwei konzentrischen Kreisen oder Polen einer Ellipse unterschieden, die der anthropologischen Unterscheidung von Leib und (gl\u00e4ubiger) Seele,<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> innerem und \u00e4u\u00dferem Menschen<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> entsprechen: der \u201eGemeinschaft der Heiligen&#8220;, vom dreieinigen Gott Auserw\u00e4hlten und der verlorenen Saat, dem Unkraut unter dem Weizen (corpus permixtum),<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> der sichtbaren und der unsichtbaren,<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> der wahren und der falschen Kirche,<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Kirche als rechtliche Institution bzw. Organisation oder als geistliche Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a>, Kirche als Gestalt und Ereignis&#8220;<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> etc. Diese Unterscheidung ist notwendig, da sichtbare, menschliche Kirchent\u00fcmer in der Geschichte untergehen k\u00f6nnen und wie die Kirchen Kleinasiens beim Ende des ostr\u00f6misch-byzantinischen Reiches und Nordafrikas zur Zeit Augustins untergegangen sind. Die eine, wahre, verborgene, unsichtbare Kirche Jesu Christi aber hat die Verhei\u00dfung, da\u00df \u201edie Pforten der H\u00f6lle sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen&#8220; werden (Mt 16,18). Die Frage stellt sich, zu welcher der beiden Kirchen die Ev. Kirche im Rheinland und die EKD, in denen es ja Gottesdienstbesucher und Karteileichen, wahre und falsche, gl\u00e4ubige und ungl\u00e4ubige Christen gibt, heute geh\u00f6rt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Liberalisierung der Kirchenordnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr einen substantiellen \u00dcberblick eignet sich besonders die Kirchenverfassung, in welcher der fluide Geist des Wortes Gottes eine festere Rechtsgestalt annimmt. Der Zusammenhang von sichtbarer und unsichtbarer Kirche, von Gemeinde und Christ, der besonders bei den Sakramenten sowie den Kasualien besteht, wird hier deutlicher. Vergleicht man die rheinische Kirchenordnung (KO) von 1952 mit der von 2003 und 2022\/23, zeigt sich nach 70 Jahren eine gewisse Tendenz, die ich versuche, am Ma\u00dfstab der Hl.Schrift zu beurteilen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>a) Kirchenmitgliedschaft: <\/em>Gegen\u00fcber Art. 13,1 (1952) hat sich in Art. 12,1 (2022) erstaunlich wenig ge\u00e4ndert. Kontinuierlich ist von der Taufe, der Kirchengemeinde vor Ort und ihrem bestimmten evangelischen Bekenntnis als Zugeh\u00f6rigkeitsmerkmalen bis zum Austritt die Rede, wie es dem paulinischen ekklhsia-Begriff<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> und den reformatorischen Bekenntnissen entspricht. Allerdings ist im Laufe der Geschichte der altpreu\u00dfischen Union das lutherische oder reformierte Bekenntnis durch den m\u00e4chtigen Gleichschaltungswillen der Konsistorien und die theologischen Kompromi\u00dfformeln der Leuenberger Konkordie praktisch unerheblich geworden, selbst wenn \u00fcberzeugte Pfarrer und Superintendenten es beharrlich vertreten und einfordern. Da\u00df gegen\u00fcber dem alten Parochialprinzip die M\u00f6glichkeit, einer anderen Gemeinde der Ev. Kirche anzugeh\u00f6ren, erweitert wurde (vgl. Art. 13,3 von 1952 mit Art. 12,3 von 2022), war pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden besonderer Verbundenheit oder Unvers\u00f6hnlichkeit geschuldet, die ohne eine wirksame evangelische Bu\u00dfe und Kirchenzucht auf Gemeindeebene bei gestiegener Mobilit\u00e4t nicht anders zu regeln waren. Doch werden Umgemeindungen wohl auch nach der Kirchenordnungsreform 2023 die Ausnahme bleiben.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>b) Taufe:<\/em> Wegen ihrer gro\u00dfen \u00f6kumenischen Bedeutung ist auch der Kern der Taufe unangetastet geblieben (vgl. Art. 31 von 1952 mit Art. 76+77 von 2022 und Art. 34+35 von 2023). Bei der Kindertaufe ist allerdings die fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndlicher folgende christliche Erziehung durch die Eltern und Paten sowie die biblische Unterweisung beim Konfirmandenunterricht der Gemeinde (Art. 33,2+35,1 von 1952) immer schw\u00e4cher geworden. Entsprechend wurde auch rechtlich weiter gelockert: Der den Modalit\u00e4ten der Kindertaufe gewidmete Art.79 von 2022 ist 2023 aus der KO in das Lebensordnungsgesetz (LOG \u00a7 18) herabgestuft worden. W\u00e4hrend 1952 wegen der damals zunehmenden ev.-kath. Mischehen nur ein Elternteil evangelisch sein mu\u00dfte (Art. 39,1 &#8211; au\u00dfer bei Vollwaisen), wurde durch das neue LOG seit 1996 in \u00a7 17,1 die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, da\u00df bei zwei ausgetretenen oder anderen Kirchen angeh\u00f6renden Eltern nur noch ein anderer \u201eevangelischer Christ&#8220; als Pate \u201ef\u00fcr die evangelische Erziehung sorgt&#8220;. In der liberalen Gesellschaft autonomer Singles wird auch die Elternschaft wegen Trennungen, Scheidungen, homosexuellen Partnerschaften, Geschlechtsumwandlungen, Adoptionen, k\u00fcnstlichen Befruchtungen, Leihmutterschaften u.a. unklarer. Wenn der Pate oder die Patin nicht mit im Haus wohnt, wird der christliche Einflu\u00df in der Regel so gering bleiben, da\u00df eine Kindertaufe kaum noch verantwortet werden kann.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den mindestens zwei vorgeschriebenen Paten mu\u00dfte 1952 noch wenigstens einer evangelisch sein (Art. 38,3-5); 2022 hie\u00df es der heutigen volkskirchlichen Wirklichkeit entsprechender lediglich: \u201eNach M\u00f6glichkeit sollen an die Seite des T\u00e4uflings Patinnen und Paten treten, die einer christlichen Kirche angeh\u00f6ren m\u00fcssen.&#8220; (Art.79,4) Das Patenamt, zu dem statt der Konfirmation auch ein nicht vergleichbares Gleichstellungsverfahren (vgl. Art. 84,4; 86,3+5; LOG \u00a7 13,2 von 2008) berechtigt, wird in Zukunft nur noch im LOG (\u00a7 13+18) erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem breiten Traditionsschwund in unserer Kirche und der gewachsenen r\u00e4umlichen Entfernung zwischen den Generationen stellt sich wieder &#8211; wie beim rheinischen Ringen um die Kindertaufe 1968 &#8211; die Frage, ob die Taufe von Kleinkindern, die im Neuen Testament als ein das ganze \u201eHaus&#8220; umfassendes Sakrament nur angedeutet wird<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> und dem lutherischen Bekenntnis entspricht,<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> die Volkskirche noch erh\u00e4lt oder nicht besser nur noch die Taufe Religionsm\u00fcndiger (ab 14 Jahre) angeboten werden sollte, wie es die baptistisch orientierten Freikirchen schon lange praktizieren.<em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>c) Konfirmation: <\/em>Das Wesen der biblisch nicht belegten Konfirmation, die eine Art nachgeholter Taufunterricht f\u00fcr Kinder mit rituellem Abschlu\u00df in der Jugend auf der Schwelle zum Erwachsenwerden ist, besteht in kirchlicher Unterweisung, Zulassung durch das Presbyterium zu Abendmahl und Patenamt, festlichem Gottesdienst mit Glaubensbekenntnis, Segen und einem Schriftwort auf einer Urkunde als Lebensbegleitung. Wie der Vergleich von Art. 40-46 (1952) mit den entsprechenden Art.81-84 und \u00a7\u00a7 19-22 LOG (2022) zeigt, hat die Schw\u00e4che der Volkskirche eine Reihe von \u00c4nderungen bewirkt, die p\u00e4dagogisch und theologisch umstritten bleiben. So werden \u201eBibel, Gesangbuch und Katechismus&#8220; zwar noch erw\u00e4hnt (Art.82,3), wurden aber 2023 ins LOG \u00a7 24,1 verschoben. Das Auswendiglernen von Bibelworten, Katechismusteilen und Gesangbuchversen ist heute schwer durchsetzbar und weitgehend entfallen; eine par c\u0153ur gelernte eiserne Ration ist bei sp\u00e4teren Notlagen nicht mehr abrufbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unterrichtsdauer, die 1952 noch 2-3 Jahre (Vorkatechumenen, Katechumenen und Konfirmanden) bei 1-2 Wochenstunden betrug (Art. 42), ist heute nicht mehr festgelegt und der Entscheidung des Presbyteriums \u00fcberlassen. Auch mu\u00df der Unterricht nicht mehr nur durch eine Pfarrperson erteilt werden (vgl. Art. 42,1 von 1952 mit LOG \u00a7 21). Der Ganztagsunterricht der Schulen legt einen w\u00f6chentlichen oder monatlichen Blockunterricht am Freitagnachmittag oder Samstagvormittag nahe. Die wichtige, wenn auch anstrengende Konfirmandenfreizeit k\u00f6nnte vorgeschrieben werden. &#8211; Die 1952 (Art.44) vorgeschriebenen Pr\u00fcfung(en) sind entfallen, die fr\u00fcher geistliche Zulassung zum Abendmahl wurde durch den Ausschlu\u00df von der Konfirmation bei erheblicher Regelverletzung (\u00a7 22,2 LOG) moralisiert. Bestenfalls findet vor dem Gottesdienstfest noch eine Konfirmandenstunde im Gemeindegottesdienst statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man mag loben, da\u00df die Verwechslung des Glaubens mit intellektuell Erlerntem geringer geworden ist, das Abendmahl heute wie in der orthodoxen und katholischen Kirche schon f\u00fcr getaufte und vorbereitete Kinder m\u00f6glich ist (Art. 75,2; LOG \u00a712) und die fr\u00fcher oft moralisierende Kirchenzucht bei der Konfirmationszulassung (Art. 44) entfallen ist. Man kann aber auch beklagen, da\u00df durch weniger Unterricht und das herabgestufte Beten und Erz\u00e4hlen biblischer Geschichten seitens der Eltern<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> der Traditionsabbruch vergr\u00f6\u00dfert wurde, die Konfirmation insgesamt zu einem Event zu verkommen droht und die Hochsch\u00e4tzung der Abendmahlsgnade durch das Beschweigen des Essens und Trinkens \u201ezum Gericht&#8220; (1.Kor 11,27ff.) gesunken ist. Mein Thalfanger Kollege Pfarrer Dr. H.Hilgenfeld bemerkte einmal zurecht: \u201eDas Schicksal der Volkskirche entscheidet sich an der Konfirmation.&#8220; Insofern sind hier in Zukunft nicht weitere Lockerungen und Niveauverluste, sondern Flexibilit\u00e4t und Freundlichkeit im Umgang mit christlicher Klarheit und Kraft in der Sache entsprechend der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium angesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>d) Abendmahl:<\/em> Seine formalen Grundlagen sind mit den \u201eEinsetzungsworten&#8220; Jesu Christi \u00fcber \u201eBrot und Wein&#8220; unver\u00e4ndert geblieben, ebenso da\u00df im unierten Rheinland sein eigentlicher Inhalt, \u201eLeib und Blut&#8220; des HERRN, in der KO nicht erw\u00e4hnt werden (vgl. Art. 23 von 1952 mit Art. 73+74 von 2022).<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Die Zulassung ist jedoch nicht mehr an die Konfirmation, sondern an die Taufe mit einer nicht n\u00e4her pr\u00e4zisierten \u201eVorbereitung&#8220; f\u00fcr Kinder, Nichtkonfirmierte oder \u00dcbergetretene gebunden (vgl. Art. 25 von 1952 mit Art. 75 von 2022). Mitglieder anderer Kirchen &#8211; auch ohne erkl\u00e4rte Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft &#8211; sind heute ebenfalls eingeladen (Art. 75,3). Statt Wein kann \u201ein Ausnahmef\u00e4llen&#8220; auch Traubensaft gereicht werden (Art. 74,1);<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> wahrscheinlich ist bald das Saftmahl mit Sauerteigbrot und Einzelkelchen die \u00fcbliche Form. Der Wegfall der Kirchenzucht beim Abendmahl (Art. 26-30 von 1952) entspricht zwar nicht der altkirchlichen und reformierten Bu\u00dfpraxis,<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> ist aber unter den Bedingungen einer mobilen Volkskirche und Gesellschaft kaum aufrechtzuerhalten und vielleicht auch als Vorrang des Evangeliums gegen\u00fcber gesetzlichen Moralisierungen zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>e) Aufnahme: <\/em>W\u00e4hrend 1952 noch zwischen der Aufnahme \u00fcbertretender Christen anderer Kirchen und der Wiederaufnahme ausgetretener Evangelischen unterschieden wurde, wobei bei erster eine \u201eevangelische Unterweisung&#8220;, bei letzterer eine vorherige Beteiligung am Gottesdienst vorgeschrieben war, und es beidenfalls eines Beschlusses des Presbyteriums bedurfte (Art. 48+50), ist 2022 nurmehr von der \u201eAufnahme getaufter Religionsm\u00fcndiger&#8220; die Rede, die die zust\u00e4ndigen PfarrerInnen der Wohnsitzgemeinde oder einer Eintrittsstelle in einem \u201eseelsorgerlichen Gespr\u00e4ch&#8220; oder einer nicht n\u00e4her beschriebenen \u201eevangelischen Unterweisung&#8220; vollziehen, womit die Aufgenommenen Konfirmierten \u201egleichgestellt&#8220; sind, wor\u00fcber der Kirchenvorstand unterrichtet werden kann (Art. 86). Hier ist das m\u00f6glicherweise moralisierende Presbyterium gegen\u00fcber dem klerikalen oder liberalen Pfarrpersonal in seiner Entscheidungskompetenz ausgeschlossen, die Gemeindezugeh\u00f6rigkeit und Gottesdienstbeteiligung gelockert worden und das von Wiedereintretenden zu fordernde und zu pr\u00fcfende wirkliche Umdenken (Mk 1,15) deutlich in den Hintergrund getreten.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0f<\/em><em>) Trauung: <\/em>Bei der Ehe &#8211; nach Luther kein Sakrament, sondern \u201eein \u00e4u\u00dferlich leiblich Ding&#8220; und \u201eweltlich Gesch\u00e4ft&#8220; und zugleich ein \u201egeistlicher Stand&#8220; und \u201eg\u00f6ttliches Werk&#8220;, das \u201eGottes Wort&#8220; und \u201eGebot f\u00fcr sich&#8220; hat,<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> &#8211; wurden Theorie und Praxis in der KO oft ge\u00e4ndert. W\u00e4hrend \u201edas Wesen der christlichen Ehe&#8220; und Hochzeit 1952 noch Bibel und Bekenntnis entsprechend als \u201egottesdienstliche Handlung, in der dem Brautpaar auf Grund von Gottes Wort bezeugt wird, da\u00df der Ehebund von Gott selbst gestiftet ist&#8230;, bis der Tod sie scheidet&#8220;,<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> beschrieben wurde, sollen 2022 die \u201eLebenspartner&#8220; versprechen, \u201eihr Leben lang in Treue beieinander zu bleiben und sich gegenseitig immer wieder zu vergeben&#8220; (vgl. Art. 51+52 alt mit Art. 87+89 neu). Statt von Mann und Frau ist nun auch von gleichgeschlechtlichen \u201eEheleuten und Lebenspartnerinnen&#8220; die Rede, die in altehrw\u00fcrdigen kirchlichen Geb\u00e4uden ihre sexuelle Beziehung \u201ein Anpassung&#8230; an staatliches Recht&#8220;<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> mithilfe von dem Zeitgeist gehorsamen Religionsbeamten mit einem \u201eGottesdienst&#8220;-Event feiern k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zugang, der fr\u00fcher &#8211; wenn die Liebe etwa auf einen Katholiken oder eine Orthodoxe fiel &#8211; einem konfirmierten evangelischen Kirchenmitglied mit einem Partner aus einer anderen christlichen Kirche gew\u00e4hrt wurde (Art. 53+54),<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> also geistlich mit Taufe und Glauben verbunden wurde, ist heute neben einer evangelischen Person f\u00fcr jeden beliebigen Andersreligi\u00f6sen oder Atheisten ge\u00f6ffnet, der nur bereit sein mu\u00df, \u201edas christliche Verst\u00e4ndnis der Ehe&#8220; des anderen Partners \u201ezu achten&#8220; (Art. 89), ohne ihm zuzustimmen. Was in einem solchen Fall ein \u201eTreue&#8220;-Versprechen &#8211; ohne Gott und Jesus und den von beiden ausgehenden Geist &#8211; in einer christlichen Kirche noch soll, m\u00fc\u00dfte eigentlich auch dem gutgl\u00e4ubigsten Toleranzj\u00fcnger irgendwann fraglich werden. Die Ehe mit einem \u00fcberzeugten Muslim widerspricht der christlichen Gleichberechtigung der Frau mit ihrem Mann.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Die \u201eEhe f\u00fcr alle&#8220; ist eben im Kultur- und Religionsvergleich naiv und keineswegs \u00fcberall dieselbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df die Ehe nicht mehr \u201ebis in den Tod&#8220; halten soll, sondern die Partner sich nur noch versprechen, \u201eihr Leben lang in Treue beieinander zu bleiben&#8220; (Art.87), ist an sich gar kein Alleinstellungsmerkmal der Ehe, sondern gilt auch f\u00fcr viele ganz unsexuelle Familienbande und Freundschaften und bedarf keines besonderen Ritus. Eine zweite Trauung nach einer Scheidung, die 1952 nur ausnahmsweise zugestanden wurde, wenn der Pfarrer gepr\u00fcft hatte, \u201eob der Geschiedene seine S\u00fcnde erkennt, bereut und Gottes Vergebung begehrt und&#8230; die Heiligkeit und Unverbr\u00fcchlichkeit der Ehe bejaht&#8220;, und Presbyterium, Superintendent sowie bei Bedenken die Kirchenleitung zugestimmt hatten, damit nicht \u201edie Glaubw\u00fcrdigkeit der Verk\u00fcndigung Schaden nimmt oder ein \u00c4rgernis<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> in der Gemeinde&#8220; entstehe (Art. 55), ist gar kein Thema mehr. Das Aufgebot (Art. 57) wurde wohl als ein Relikt aus der Zeit vor Einf\u00fchrung der Zivilehe (1875) schon 2016 abgeschafft. Auch das \u201eVerweigerungsrecht&#8220; der PfarrerInnen aus biblischen \u201eGewissengr\u00fcnden&#8220; (Art. 90,3 von 2022; LOG \u00a7 34,3) wurde 2023 ins LOG verschoben und kann so einfacher aufgehoben werden k\u00f6nnen. Nimmt man alles zusammen, so k\u00f6nnen zwar viele kirchliche Hochzeiten zwischen einem christlichen Mann und einer christlichen Frau weiter Gottes Segen vermitteln, die rheinische KO-Trauung steht jedoch hier in ihrer Religionen und Geschlechter vermischenden Offenheit als beliebige gesellschaftliche Liebesfeier nicht mehr auf biblischem Fundament, sondern unter Gottes Zorn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>g) Beerdigung:<\/em> Die Bestattung hat sich in der KO im Wesentlichen kaum ge\u00e4ndert. Gegen\u00fcber Art. 61 von 1952, der von einem Gottesdienst handelte, bei dem \u201edie Kirche das Evangelium verk\u00fcndigt und ihre verstorbenen Glieder zur letzten Ruhe geleitet&#8220;, ist Art. 91 von 2022, wo \u201edie Kirche ihre Toten zur letzten Ruhe geleitet und den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus verk\u00fcndigt&#8220;, sogar theologisch etwas pr\u00e4ziser. W\u00e4hrend fr\u00fcher die Beerdigung im Sarg nach \u201eder Hl.Schrift und dem Brauch&#8220; noch die Regel war, ohne da\u00df die \u201eFeuerbestattung&#8220; wie in der katholischen Kirche abgelehnt worden w\u00e4re, findet dieser Unterschied heute, wo die Urnenbeisetzung \u00fcberwiegt, m.E. zu recht keine Erw\u00e4hnung mehr.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> Regelungsbedarf besteht bei der Bestattung ungetaufter Kinder, Familienangeh\u00f6rigen aus anderen Kirchen und Ausgetretener, was 1952 teilweise restriktiver gehandhabt und im Laufe der Jahre zunehmend gelockert wurde (vgl. Art. 64 alt mit Art. 93 neu). Da\u00df die fr\u00fcher moralisierten \u201eSelbstm\u00f6rder&#8220; (Art. 64,3) heute nicht mehr eigens erw\u00e4hnt werden und gleichgestellt sind, ist bei aller Problematik ein seelsorgerlicher Gewinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0h<\/em><em>) Ordination: <\/em>W\u00e4hrend die Rechte des Presbyteriums dank der \u201epresbyterial-synodalen Ordnung bzw. Gemeinschaft&#8220; (Art. 169,4 von 1952; Art. 1a und 126,3 von 2022) weitgehend gewahrt wurden, ist die geistliche Substanz des Predigtamtes durch mehrere KO-\u00c4nderungen ziemlich ausged\u00fcnnt worden. Wie bei den Staatsbeamten ist unver\u00e4ndert von einem \u201e\u00f6ffentlich-rechtlichen Dienst (- und Treueverh\u00e4ltnis) auf Lebenszeit&#8220; die Rede (vgl. Art. 73,2 alt mit Art. 54,2 neu). W\u00e4hrend die KO von 1952 f\u00fcr den \u201eDienst am Wort&#8220; der \u201ePfarrer, Vikarinnen, Predigthelfer u.a.&#8220; noch ein langes und detailliertes Ordinationsgel\u00fcbde enthielt, das schrift- und bekenntnisgem\u00e4\u00df<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> formuliert war (Art. 67), ist 2022 nur noch in Art. 2,3 pauschal von \u201eOrdinierten&#8220; und \u201eOrdination&#8220; mit ihrer gottesdienstlichen Verpflichtung auf die \u201eHeilige Schrift&#8220;, die \u201edrei altkirchlichen Glaubensbekenntnisse und die Bekenntnisschriften gem\u00e4\u00df dem Grundartikel&#8220; die Rede.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> Auch wenn die Ordinationsagende dem (noch) entspricht, ist der verfassungsm\u00e4\u00dfige Verpflichtungsgrad der PfarrerInnen und \u00fcbrigen Pr\u00e4dikantInnen aufgeweicht und spielt in der Praxis &#8211; von Ausnahmen abgesehen &#8211; leider kaum mehr eine Rolle. Falsche, der Hl.Schrift widersprechende Lehre von Geistlichen wird von den Kirchenoberen kaum noch wahrgenommen oder gar mit einem \u201eLehrzuchtverfahren&#8220; (Art.72,3 alt) sanktioniert, vielmehr selbst in ihrem Munde gef\u00fchrt,<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a> so da\u00df der Kanzelpluralismus sehr gewachsen und die reine, lautere Lehre mit klarem, biblischen Profil in der Ev. Kirche \u00f6ffentlich kaum noch erkennbar ist. Die \u00fcbrigen Unterschiede zwischen 1952 und 2022 &#8211; etwa da\u00df die \u201eSeelsorge&#8220;, mit der PfarrerInnen \u00fcber die Evangeliumsverk\u00fcndigung und Sakramentsverwaltung hinaus beauftragt sind, die \u201eBeichte&#8220; mit dem \u201epers\u00f6nlichen S\u00fcndenbekenntnis&#8220; und den \u201eHausbesuch&#8220; nicht mehr zu beinhalten scheint (vgl. CA V; Art. 68+69 alt mit Art. 49; 51+52 neu), oder da\u00df die \u201echristliche Unterweisung&#8220; im Konfirmandenunterricht delegiert werden kann (vgl. Art. 68 alt mit Art. 61 neu und LOG \u00a7 19-22), oder da\u00df die \u201ebr\u00fcderliche Gemeinschaft des Presbyteriums&#8220; und \u201eder Amtsbr\u00fcder&#8220; in \u201egeschwisterlichen Gemeinschaft des Presbyteriums, der Mitarbeitenden&#8230; und der Pfarrerinnen und Pfarrer&#8220; umbenannt wurde (vgl. Art. 72 alt mit Art. 51 neu), &#8211; haben demgegen\u00fcber weniger Gewicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was n\u00fctzt aber die Gleichberechtigung der Frauen, die fr\u00fcher nur als \u201eVikarinnen&#8220; zum geistlichen Amt (ohne Ordination) &#8211; \u201evornehmlich an Frauen, M\u00e4dchen und Kindern&#8220; &#8211; zugelassen wurden,<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> wenn die Kraft eindeutiger biblischer Verk\u00fcndigung fehlt und jede\/r predigen kann, was sie\/er will und wonach den H\u00f6rern gerade \u201edie Ohren jucken&#8220; (2.Tim 4,3)? Die betonte Selbstst\u00e4ndigkeit der PfarrerInnen von Gemeindew\u00fcnschen und Konsistoriumsvorschriften (Art. 70 alt; Art. 51,1 neu) ist einserseits eine Freiheitshilfe f\u00fcr akademisch gebildete Theologen, andererseits steigert sie den Amtsindividualismus und Lehrpluralismus, so da\u00df die gemeinsame rechte Lehre der Kirche und das Evangelium von Jesus Christus verloren zu gehen drohen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>Gesamttendenz<\/em> dieser 70 Jahre KO-Wandel ist nicht ganz einfach auf den Begriff zu bringen, weil verschiedene Kr\u00e4fte auf Ver\u00e4nderungen drangen. Das Kirchenrecht dokumentiert als Schnittstelle zwischen dem Evangelium als Hauptbotschaft der Kirche, lebendigem Gemeindeleben, den verschiedenen kirchenleitenden Ebenen und dem <em>Zeitgeist<\/em><a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> Tendenzen, die als S\u00e4kularisierung, Lockerung, Festschreibung, Wucherung, Systematisierung u.a.m. bezeichnet werden k\u00f6nnen. In der Epoche nach dem 2.Weltkrieg der seit 1835 bestehenden Ev. Kirche im Rheinland trifft m.E. das Stichwort <em>Liberalisierung<\/em> die Entwicklung am besten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Israel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 1945 stand die ungeheuerliche Schuld der Nationalsozialisten und ihrer Mitl\u00e4ufer an der Vernichtung des europ\u00e4ischen Judentums in Deutschland immer wieder im Mittelpunkt der \u00f6ffentlichen Diskussion. Auch in den Kirchen fragte man nach der Mitschuld am millionenfachen Judenmord und versuchte ein neues Verh\u00e4ltnis zum Judentum zu gewinnen.<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a> Die Ev.Kirche im Rheinland beschlo\u00df 1980 auf ihrer Landessynode &#8211; als erste, wie man sich bis heute r\u00fchmt &#8211; eine \u201eErneuerung des Verh\u00e4ltnisses von Christen und Juden&#8220;, die vom Ausschuss \u201eChristen und Juden&#8220; in l\u00e4ngeren Thesen vorbereitet worden waren.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a> Darin wurde u.a. eine \u201echristliche Mitverantwortung und Schuld an dem Holocaust&#8220; bekannt, \u201eneue biblische Einsichten \u00fcber die bleibende heilsgeschichtliche Bedeutung Israels&#8220; behauptet, die \u201efortdauernde Existenz des j\u00fcdischen Volkes, seine Heimkehr in das Land der Verhei\u00dfung und die Errichtung des Staates Israel&#8220; als \u201eZeichen der Treue Gottes gegen\u00fcber seinem Volk&#8220; interpretiert und von \u201eJesus Christus, dem Juden, der als Messias Israels der Retter der Welt ist,&#8220; gesprochen. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es: \u201eWir glauben die bleibende Erw\u00e4hlung des j\u00fcdischen Volkes und erkennen, da\u00df die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk hineingenommen ist.&#8220; Juden und Christen seien \u201eje in ihrer Berufung Zeugen Gottes vor der Welt und voreinander&#8220;, weshalb die Begriffe \u201eMission&#8220; bzw. \u201eJudenmission&#8220; abgelehnt wurden. Die Worte \u201ealt&#8220; und \u201eneu&#8220; sollten \u201evon der Verhei\u00dfung her&#8220; und nicht als \u201eGegensatz&#8220; oder gar \u201eErsetzung&#8220; des alten Bundes durch den neuen verstanden werden. Das Volk Israel sei nicht \u201evon Gott verworfen oder von der Kirche \u00fcberholt.&#8220; Mit dieser Erg\u00e4nzungs- oder Inklusionshypothese wurde ein antithetisches Verst\u00e4ndnis von altem und neuem Bund kritisiert, das mithilfe der Beerbungs- oder Substitutionstheorie zur Ersetzung des alten Bundes Gottes mit Israel durch den neuen Bund mit der Kirche gef\u00fchrt habe, womit Israel als Volk Gottes abgel\u00f6st und so der christlichen Antijudaismus mit den folgenden antisemitischen Verbrechen ausgel\u00f6st wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen\u00fcber diesem Beschlu\u00df, der haupts\u00e4chlich auf den rheinisch gut vernetzten Wuppertaler Systematiker B.Klappert sowie den Bonhoeffer-Biograph E.Bethge zur\u00fcckging, erhob sich breiter wissenschaftlicher Widerstand. Die Bonner Ev.-theol. Fakult\u00e4t erinnerte 1980 auf Initiative ihres holl\u00e4ndischen Alttestamentlers A.H.J.Gunneweg mit 13 ihrer 15 ordentlichen Professoren in kritischen \u201eErw\u00e4gungen zur kirchlichen Handreichung zur Erneuerung des Verh\u00e4ltnisses von Christen und Juden&#8220; an zentrale, aber \u00fcbersehene oder beschwiegene biblische Grundlagen. Diesem Votum schlossen sich 11 Kollegen aus M\u00fcnster an. Viele evangelische Theologen setzten sich in Aufs\u00e4tzen mit den rheinischen Positionen gr\u00fcndlich auseinander.<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritisiert wurde neben dem undifferenzierten Gebrauch des Wortes \u201eIsrael&#8220; und dem unklaren Begriff der atl. Verhei\u00dfungen, die in Jesus Christus \u00fcberholt und erf\u00fcllt sind (2.Kor 1,20), da\u00df der rheinische Beschlu\u00df das christliche Proprium, das neue Heilshandeln Gottes im Kommen, Kreuz und Auferstehung seines Sohnes, das Gericht und Gnade f\u00fcr Israel und die V\u00f6lker bedeute, relativiere. Damit gehe, ausgehend von Jesu der einbrechenden Gottesherrschaft geltenden Worten und Taten und seinem Abendmahl, besonders in der paulinischen Theologie eine scharfe Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, altem und neuem Bund (2.Kor 3) einher, welche die Rechtfertigung des S\u00fcnders allein aus Gnade und allein im Glauben impliziere. Das Geheimnis der endzeitlichen Erl\u00f6sung Israels (R\u00f6m 11,25ff.) begr\u00fcnde keinen j\u00fcdischen Sonderweg zum Heil ohne den Messias Jesus. Der Versuch, im heutigen Staat Israel ein Zeichen der Treue Gottes zu erkennen, sei eine Barmen I widersprechende, hochproblematische Geschichtstheologie, wie etwa Auschwitz als Zeichen der Verwerfung der Juden u.\u00e4.. Es gebe keine heilsgeschichtliche Kontinuit\u00e4t zwischen Judentum und Christentum ohne den durch das Kreuz Christi markierten Bruch und die daraus folgende theologische Dialektik. Die Fragw\u00fcrdigkeit des rheinischen Beschlusses und seiner Begr\u00fcndung mu\u00df daher hier nicht mehr detailliert dargelegt werden. Durch eine Meditation der einschl\u00e4gigen Kapitel 9-11 des R\u00f6merbriefs kann jeder Christ dies erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl Pr\u00e4ses Immer den Beschlu\u00df auf Nachfrage unseres Bruders Superintendent K.Kenntner von 1980 \u201ekein Bekenntnis&#8220; genannt hatte,<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a> erg\u00e4nzte die rheinische Landessynode 1996 den bekenntnisartigen Grundartikel I ihrer Kirchenordnung um den Satz: Die Kirche \u201ebezeugt die Treue Gottes, der an der Erw\u00e4hlung Israels festh\u00e4lt. Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.&#8220;<a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a> Der Grundartikel nahm damit die umstrittene Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses zu \u201eIsrael&#8220; als neues \u201eBekenntnis&#8220;<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a> in den Reigen der altehrw\u00fcrdigen Bekenntnisse auf. So entstand der Eindruck, da\u00df Christus \u201enur das Medium sei, durch das die Heiden am Sinaibund Anteil erhalten&#8220;, w\u00e4hrend der Apostel Paulus \u201egerade beides festh\u00e4lt: die bleibende Erw\u00e4hlung Israels <em>und<\/em> das Wissen darum, da\u00df es am Glauben an Christus vorbei kein Heil gibt &#8211; auch f\u00fcr Israel nicht.&#8220;<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die rheinische Kirchenleitung hat 2008 aufgrund einer gemeinsamen Beschlu\u00dfvorlage des st\u00e4ndigen theologischen Ausschusses und des Ausschusses \u201eChristen und Juden&#8220; diese Position mit einer \u201eAbsage an die Judenmission ohne Wenn und Aber&#8220; fortgeschrieben. Der Missionsbefehl Jesu (Mt 28,19) richte sich nicht an Israel, sondern an die \u201eHeiden\u201c; es g\u00e4be im NT \u201ekeinen Beleg f\u00fcr eine heidenchristliche Mission an Juden\u201c; die Verhei\u00dfung eines \u201eErl\u00f6sers aus Zion\u201c, der \u201eganz lsrael\u201c retten werde (R\u00f6m 11,26), schlie\u00dfe \u201ejede Form der heidenchristlichen Judenmission\u201c aus.<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a> Zu diesen das Neue Testament offen gegen seinen Wortlaut und Geist interpretierenden Behauptungen<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a> wollte sich die Bonner Fakult\u00e4t allerdings nicht mehr kritisch \u00e4u\u00dfern.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere Landeskirchen und die EKD<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a> haben mittlerweile zahlreiche \u00e4hnliche Erkl\u00e4rungen abgegeben. Messianische Judenchristen, die f\u00fcr eine Mission unter Juden eintreten, wurden mehrfach vom sonst f\u00fcr alles offenen Ev. Kirchentag ausgeschlossen. Selbst in der katholischen Kirche entstand eine Diskussion um die Karfreitagsbitte f\u00fcr die Juden, da\u00df Gott den \u201eSchleier&#8220; von ihren Augen nehme (2.Kor 3,13ff.) und auch sie \u201eJesus Christus erkennen&#8220;,<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a> nachdem Papst Johannes Paul II. 1980 in Mainz von einer \u201eBegegnung zwischen dem Gottesvolk des von Gott nie gek\u00fcndigten (R\u00f6m 11,29) Alten Bundes und dem des Neuen Bundes&#8220; und 1986 beim Besuch in der r\u00f6mischen Synagoge von den Juden als \u201eunseren \u00e4lteren Br\u00fcdern&#8220; gesprochen hatte; \u201edie j\u00fcdische Religion ist f\u00fcr uns nicht etwas ,\u00c4u\u00dferliches&#8216;, sondern geh\u00f6rt in gewisser Weise zum ,Inneren&#8216; unserer Religion&#8220;.<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> Der Luth. Konvent im Rheinland hat alle diese rheinischen Beschl\u00fcsse als der Hl.Schift und dem lutherischen Bekenntnis widersprechend in verschiedenen Eingaben abgelehnt.<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend m\u00f6chte ich formulieren: So richtig es war, nach den deutschen Verbrechen an den Juden die christliche Mitschuld zu bekennen und gegen\u00fcber dem Bruch des alten Bundes durch Israels S\u00fcnde die bleibende Erw\u00e4hlung Israels und Treue Gottes in seinen Verhei\u00dfungen zu betonen, so falsch ist es, die neutestamentliche Unterscheidung von altem und neuem Bund<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a> abzuschw\u00e4chen oder gar aufzuheben und damit das christliche Zentrum, den rettenden Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Jesus, in dem sich Gott f\u00fcr alle Welt abschlie\u00dfend offenbart hat, zu vernachl\u00e4ssigen und implizit zu verleugnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Bestimmung des Verh\u00e4ltnisses von Juden und Christen, die mit K.Barth nur von einem Bund Gottes ausgeht,<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a> der sich von der Sch\u00f6pfung \u00fcber Noah, Abraham, Mose bis zu Jesus Christus entwickelt habe und meint, die Christen seien als Heiden in den Bund Gottes mit Israel nur aufgenommen worden, \u00fcbersieht die <em>Judenchristen<\/em>, zu der alle Apostel geh\u00f6rten, die Juden waren und durch Bu\u00dfe und Bekehrung im durch das Selbstopfer Gottes in ihrem Messias Jesus geschlossenen <em>neuen Bund<\/em> zu Christen einer neuen Sch\u00f6pfung wurden. Was die ber\u00fchmten und bewu\u00dften deutschen evangelischen Judenchristen Heinrich Heine (1797-1856) oder Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) oder die katholische, von den Nazis umgebrachte J\u00fcdin Edith Stein (1891-1942) mit ihrem beeindruckenden christlichen Zeugnis wohl zu dieser neuen, unbiblischen Lehre gesagt h\u00e4tten? Mein Thalfanger Pfarrer-Vorg\u00e4nger Milan Haimovici (1973-1977 amtierend), ein geb\u00fcrtiger rum\u00e4nischer Jude, der im KZ zum Christen geworden und als Pfarrer von den Kommunisten wieder ins Gef\u00e4ngnis geworfen wurde, ein Freund Pfarrer Richard Wurmbrands, verstand seine Kirche nicht mehr. \u00dcber blo\u00dfe Worte wie \u201eMission&#8220; (= Sendung) oder \u201eZeugnis&#8220; (= Verk\u00fcndigung) sollte man nicht streiten. Aber ein Verzicht auf das Anliegen, Juden f\u00fcr das Evangelium zu gewinnen, l\u00f6st tendenziell gerade die erstrebte enge Zusammengeh\u00f6rigkeit von Judentum und Christentum auf, die in der neutestamentlichen Rede vom \u201eVolk Gottes&#8220; aus Juden und Heiden \u201eim Geist&#8220;<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a> gegeben war, das Paulus das wahre \u201eIsrael&#8220; Gottes nannte,<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a> und f\u00fchrt wieder zu jener kritisierten nachapostolischen, fr\u00fchkatholischen Heidenkirche, die die Juden &#8211; quasirassistisch? &#8211; ausschlie\u00dft, wie diese die Christen aus der Synagoge ausschlossen (Joh 9,22; 12,42; 16,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die rheinische Landessynode wollte nicht auf die Hl.Schrift noch auf die sie zur Geltung bringenden Theologieprofessoren h\u00f6ren. In gutgemeintem Eifer f\u00fcr eine Vers\u00f6hnung mit den Juden verstieg man sich zu einer seinerseits verstockten (R\u00f6m 11,7.25) Verleugnung Jesu Christi. Doch hat das Verlassen des biblischen Fundaments und Verschweigen der alleinigen Heilsmittlerschaft Jesu Christi keine theologische Verhei\u00dfung. Auff\u00e4llig war, da\u00df in der ganzen Diskussion die beide Testamente verbindenden Messiasverhei\u00dfungen keine Rolle spielten. Ich schrieb deshalb in einem Leserbrief: \u201eEs geh\u00f6rt schon eine geh\u00f6rige Portion Blindheit und Verblendung dazu, wenn die Kirche der Reformation das ,sola scriptura&#8216; betont und zugleich missionarische Judenchristen von ihren Kirchentagen ausschlie\u00dft. Was ist das f\u00fcr ein versteckter, gesetzlich korrekter, moralisch verbr\u00e4mter, verheuchelter Antijudaismus und Antisemitismus, wenn man ausgerechnet den Kindern Israels, aus denen doch der Jude Jesus stammt, sein Evangelium und damit die entscheidende Offenbarung Gottes meint vorenthalten zu m\u00fcssen? Damit wird kein einziges Naziverbrechen wiedergutgemacht. Die heutige evangelische Kirche verschuldet sich vielmehr an dem Herrn, der von den Toten auferstanden ist, um die Toten aufzuerwecken, auch die Auschwitzopfer (R\u00f6m 11,25ff.).&#8220;<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Zukunft am wichtigsten ist die Betonung und Pflege der Juden und Christen gemeinsamen Hl.Schrift des Alten Testaments bzw. der hebr\u00e4ischen Bibel, die alle Gemeinsamkeiten im Glauben dokumentiert, obwohl die jeweiligen Auslegungen, besonders die Stellung zu Jesus Christus, verschieden bleiben werden.<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a> Der atl. Glaube an den <em>einen<\/em> Gott Israels ist durch die neue Offenbarung Gottes als Vater Jesu Christi zum ntl. Glauben an den <em>dreieinigen<\/em> Gott geworden, in dem die Rechtfertigung vor Gott allein aus Gnade eindeutig geworden ist. Und wie der eine Gott des AT wegen der Verhei\u00dfung des Sohnes und des Geistes in christlicher Sicht schon von Ewigkeit her der dreieinige ist, so betet das postchristliche Judentum mit den Muslimen von der ntl. Offenbarung unber\u00fchrt weiter den einen Gott an. Juden und Christen haben aber gerade wegen des gemeinsamen Teils der Hl.Schrift zwar nicht <em>dengleichen<\/em>, aber sicher <em>denselben<\/em> Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a04. <\/strong><strong>Muslime-Mission<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Zunahme der Muslime in Deutschland seit der Anwerbung von Gastarbeitern besonders aus der T\u00fcrkei 1961 \u00fcber das Anwerbeverbot 1973 und den Familiennachzug bis zu den\u00a0 Einreiseerleichterungen des 21.Jahrhunderts auf 2020 ca. 5,5 Millionen<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a> stellt sich immer st\u00e4rker die Frage, wie die Ev. Kirche ihnen gegen\u00fcber ihrem Missionsauftrag nachkommt.<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lutherische Konvent im Rheinland hat sich schon vor dem 11.September 2001, als der Al-Quaida-Anschlag auf das World-Trade-Center in New York die Welt\u00f6ffentlichkeit aufschreckte, mit dem Islam in Deutschland besch\u00e4ftigt. Anl\u00e4\u00dflich des Streits um den Muezzin-Ruf in Duisburg, gegen den die Ev. Kirchengemeinde Duisburg-Laar kritisch Stellung genommen hatte, hielt Rechtsanwalt H.-H. Steindreischer aus Frankfurt\/Main am 1.11.1997 vor dem Konvent einen Vortrag, in dem er die Rechtslage zu Glockengel\u00e4ut und Gebetsruf, positiver und negativer Religionsfreiheit nach Art.4+140 unseres Grundgesetzes darstellte. Obwohl Landesverordnungen dem lautsprecherverst\u00e4rkten Muezzinruf bisher eine gewisse Grenze setzen (bis 65 Dezibel), liege hier ein noch ungekl\u00e4rter Rechtsraum vor. Die D\u00fcsseldorfer Kirchenleitung folgte damals dem liberalen Zeitgeist, ohne die Bedenken der betroffenen Gemeinden ernsthaft aufzunehmen.<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a> Zwei Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte ich einen Aufsatz \u00fcber den <em>Islam in Deutschland<\/em>, in dem ich neben einer Bestandsaufnahme \u00fcber die wachsende Zahl der Muslime und ihrer Organisationen auf die Probleme der Integration, Grund und Grenzen der Toleranz und den christlichen Missionsauftrag ihnen gegen\u00fcber hinwies.<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 10.3.2002 referierte die Bonner Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a> \u00fcber den \u201eIslam \u2013 eine Religion des Friedens oder der Gewalt?\u201c Von ihrem christlichen Standpunkt aus machte sie deutlich, welche verschiedenen M\u00f6glichkeiten im Koran mit seinen mekkanischen und medinischen Suren sowie im Lebensbeispiel Mohammeds bereitliegen. Es ist immer eine Frage der jeweiligen Auswahl und Auslegung, wie friedlich und tolerant oder gewaltbereit und theokratisch der Islam ist. In der anschlie\u00dfenden Diskussion lie\u00df ein Satz der Referentin aufhorchen, der sinngem\u00e4\u00df lautete: \u201eWir Christen haben die Muslime im Orient nicht wirklich missioniert, deshalb hat Gott sie in unser Land gesandt.\u201c Seit dieser Zeit verfolgt der Vorstand unseres Konvents das Anliegen einer Muslime-Mission in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Herbstkonvent 2007 berichtete der finnische Pfarrer Martti Vaahtoranta<a href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\">[70]<\/a> unter dem Titel \u201eDer Islam \u2013 eine theologisch-missionarische Herausforderung in Deutschland\u201c vom Versuch seiner Kirche, in Mannheim eine lutherische Gemeinde zu gr\u00fcnden. Was in Istanbul gelungen war, stie\u00df in Deutschland auf Widerst\u00e4nde. Von Seiten der gro\u00dfen christlichen Kirchen erfuhr er keine Unterst\u00fctzung. In seinem B\u00fcchlein \u201eMission der Liebe\u201c<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\">[71]<\/a> hat Vaahtoranta seine Sicht in \u00fcberzeugender Weise dargestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorstand beschlo\u00df deshalb, sich brieflich an die Kirchenleitung unserer Ev.Kirche im Rheinland zu wenden, wo es u. a. hie\u00df, \u201eda\u00df es nicht reicht, wie bisher nur den offiziellen Dialog mit dem Islam und seinen verschiedenen Organisationen in Deutschland zu pflegen. Auf dem Gebiet der rheinischen Kirche leben mittlerweile ca. 500.000 Muslime. Wir sind ihnen im Rahmen des f\u00fcr alle Menschen g\u00fcltigen Missionsauftrags das Evangelium von Jesus Christus schuldig. Eine Mission gegen\u00fcber Muslimen m\u00fc\u00dfte \u2013 genau wie die Verk\u00fcndigung des Evangeliums an die Juden &#8211; sicher in anderer Form erfolgen als die klassische Heidenmission. Es geht nicht um die Abkehr von den vielen ,Abg\u00f6ttern'(1.Thess 1,9), sondern um eine Verk\u00fcndigung auf dem Boden eines gemeinsamen monotheistischen Fundaments, des Glaubens an den einen Gott, Sch\u00f6pfer aller Welt und Richter aller Menschen. Die Frage w\u00e4re jedoch, ob ich mit meinen S\u00fcnden in seinem Gericht bestehen kann? Ob eine Rechtfertigung aus guten Werken im quantitativen Sinne m\u00f6glich ist oder ob die S\u00fcnde eine qualitative Bestimmung des Menschseins ist, die deshalb der S\u00fchnung durch ein Opfer und der Rechtfertigung allein aus Gnade bedarf. Von hier aus kommt man ganz von selbst zu den umstrittenen Themen des Kreuzestodes Jesu, der Gottheit Christi und der Dreieinigkeit Gottes, die f\u00fcr Muslime sonst nur ganz schwer zug\u00e4nglich sind. Unsere dringende Anfrage und Anregung w\u00e4re deshalb: In welcher Form kann und soll eine \u00fcber den bisherigen Dialog hinausgehende Mission unter Muslimen erfolgen? Wie kann es zur Gr\u00fcndung einer evangelischen Konvertitengemeinde in t\u00fcrkisch-deutscher Sprache kommen, die das gro\u00dfe Werk dann in Angriff nehmen k\u00f6nnte? Wie kann durch uns das Evangelium unter den Muslimen im Rheinland zum Strahlen kommen?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Brief vom 22.1.2008 wurde trotz mehrfacher Erinnerung nie beantwortet. Im Kreis der nebenamtlichen Islambeauftragten, dem ich seit 2005 f\u00fcr den Kirchenkreis Trier angeh\u00f6rte, erwies sich das Gespr\u00e4ch \u00fcber eine \u00fcber den Dialog hinausgehende Mission als schwierig. Der hauptamtliche Islambeauftragte, Kirchenrat Rafael Nikodemus, griff die ihm heikel erscheinende Anregung nicht auf. Der Konvent verabschiedete deshalb, um einer m\u00f6glichen Muslime-Mission mehr Nachdruck in der \u00d6ffentlichkeit zu verschaffen, am 21.M\u00e4rz 2010 die Erkl\u00e4rung <em>Lehret alle V\u00f6lker &#8211; Mission richtet sich an jeden<\/em>, in der es u.a. hie\u00df:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWichtiger ist heute, wo auf dem Gebiet der Ev. Kirche im Rheinland bis zu 1 Million Muslime leben, der Beginn einer Moslemmission, die diesen Namen verdient. Wie die Mission an den Juden an das gemeinsame Alte Testament ankn\u00fcpfen kann, so kann die Mission an den Muslimen den gemeinsamen Glauben an den einen Gott, den Sch\u00f6pfer der Welt und Richter aller Menschen aufgreifen. Sie w\u00fcrde sich in dieser Hinsicht inhaltlich von der klassischen Heidenmission und ihrer Forderung der ,Abkehr von den Abg\u00f6ttern&#8216; (1.Thess 1,9) unterscheiden. Eine Anregung des Lutherischen Konvents in einem Brief an Pr\u00e4ses Schneider vom 22.01.2008, die auf ein lutherisches Missionsprojekt in Mannheim hinwies, blieb bisher ohne Antwort. Offensichtlich wird in der Kirchenleitung die religionspolitische Korrektheit h\u00f6her geachtet als der Missionsauftrag Jesu Christi, an den immerhin der 2. Satz der Kirchenordnung erinnert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenzug ist die Mission der Muslime unter Christen in Deutschland in vollem Gange. Der rheinische Konvertit Pierre Vogel, der in Saudi-Arabien den Koran und die Sunna studierte, h\u00e4lt jedes Wochenende in einer anderen Stadt Kurse in ,Dawa&#8216;, der ,Einladung zum Islam&#8216;, ab. Im Laufe dieses Jahres m\u00f6chte er 100 Missionare ausbilden und aussenden. ;Wir haben die Mission, den Islam in jedes Haus in Deutschland zu tragen \u2013 aus Barmherzigkeit, um die Nicht-Muslime vor ewigem Leid in der H\u00f6lle zu bewahren.&#8216;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Papier ,Missionarisch Volkskirche sein&#8216; ist jedoch weder von der Juden- noch von der Moslemmission die Rede. Das Schweigen der rheinischen Kirche zur Islammission und ihre Absage an die Judenmission zeigen, da\u00df ihr \u00fcber das amtliche Dr\u00e4ngen auf Mitgliederwerbung und -pflege hinaus offensichtlich die Jesu Auftrag und Geist entsprechende missionarische Kraft fehlt. Man beschr\u00e4nkt sich auf das eigene Kirchentum im eigenen Volk und den harmonischen Dialog mit anderen Religionen, ohne an die tieferliegenden Wahrheiten des Glaubens an Gott und die Erl\u00f6sungsbed\u00fcrftigkeit auch des religi\u00f6sen Menschen zu r\u00fchren. Warum schlie\u00dft man bestimmte Menschengruppen von der guten Botschaft der in Jesus Christus erschienenen Liebe Gottes aus, z.B. Andersgl\u00e4ubige, Migranten und Ausl\u00e4nder, die T\u00fcrken vor unserer T\u00fcr? Ist Jesus Christus nur f\u00fcr die Christen und Menschen unseres Kulturkreises gekommen oder auch f\u00fcr sein Volk, die Juden, und die Muslime, damit wir alle im Glauben an ihn der Gnade im Gericht und des ewigen Lebens gewi\u00df werden?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch diese der Kirchenleitung \u00fcbermittelte Erkl\u00e4rung blieb ohne Antwort, was ein bezeichnendes Licht auf den defizit\u00e4ren theologischen Geist und menschlichen Umgang in der Kirche unter Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider wirft. Weil sie aber \u00fcber <em>I<\/em><em>dea<\/em> weiteren Kreisen bekannt wurde, sah sich der Leiter des Amtes f\u00fcr Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste der rheinischen Kirche, Pfarrer Christoph N\u00f6tzel, zu einer ablehnenden Stellungnahme veranla\u00dft; er bef\u00fcrchte, eine \u201eoffensive Mission unter Muslimen\u201c w\u00fcrde \u201eim Moment einen Sprengsatz in der Gesellschaft darstellen.\u201c<a href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\">[72]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende April 2010 sandten wir die Erkl\u00e4rung an s\u00e4mtliche evangelischen Landeskirchen, die Evangelisch-reformierte Kirche und die Evangelische Kirche in Deutschland. Wir informierten \u00fcber die bisherige rheinische Diskussion bzw. ihre Verweigerung und betonten: \u201eWir sind demgegen\u00fcber der Meinung, da\u00df sich der Missionsbefehl Jesu auf alle Menschen aller Religionen bezieht: ,Gehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker!&#8216; (Mt 28,19) Angesichts der wachsenden Zahl der Muslime in Deutschland duldet dieser Auftrag unseres Herrn keinen Aufschub, sondern fordert die Einrichtung einer organisierten Mission seitens der Kirchen. Wir m\u00f6chten Sie deshalb h\u00f6flich fragen, ob in Ihrer Kirche \u00dcberlegungen in dieser Richtung bestehen oder gar ein erster Versuch einer Moslemmission unternommen wurde?&#8220; Von den 16 angeschriebenen Kirchen beantworteten 11 die Anfrage. Leider war au\u00dfer bei der Evangelischen Landeskirche Anhalts kaum eine Offenheit f\u00fcr unser missionarisches Anliegen erkennbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bischof M. Schindeh\u00fctte, Leiter der Hauptabteilung \u00d6kumene und Auslandsarbeit der EKD, wies in seiner Antwort u.a. darauf hin: \u201eEs muss jedoch auch gesehen werden, dass Mission sich in einem anderen gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Umfeld vollzieht als dies in der Vergangenheit der Fall war. In einer globalen Welt mit fast \u00fcberall multikulturellen und muItireligi\u00f6sen Gesellschaften stellen sich auch f\u00fcr den christlichen Missionsauftrag neue Herausforderungen. Sie erw\u00e4hnen nicht, dass angesichts der ungeheuren Probleme, denen sich unsere Gesellschaft wie die gesamte Menschheit gegen\u00fcber sehen, mehr als je zuvor die Zusammenarbeit der Weltreligionen f\u00fcr eine friedvollere und gerechtere Welt unabdingbar ist. Dieser Kontext muss bei der Konkretisierung des christlichen Missionszeugnisses gerade gegen\u00fcber anderen Religionen genauso mitgedacht werden wie der Umgang mit einer unheilvollen Geschichte von Konflikten und Spannungen zwischen den Religionen. Die Einrichtung einer gesonderten ,Moslemmission&#8216; halten wir f\u00fcr einen g\u00e4nzlich ungeeigneten Schritt. Er k\u00f6nnte Misstrauen sch\u00fcren und damit das christliche Glaubenszeugnis und dessen Glaubw\u00fcrdigkeit mehr verdunkeln als dieses f\u00f6rdern.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hatte Landespfarrer Nikodemus die Islambeauftragten der Kirchenkreise am 14.6. 2010 nach K\u00f6ln eingeladen. Hauptthema war, in seiner Abwesenheit von Pfr. Dr. Dirk Siedler, D\u00fcren, moderiert, \u201eMission und Dialog in der Begegnung mit den Muslimen\u201c. Die Erkl\u00e4rung \u201eLehret alle V\u00f6lker\u201c war allgemein bekannt und hatte vielleicht die Themenstellung ausgel\u00f6st. Ich trug einen m\u00f6glichen Dreischritt einer Muslime-Mission vor:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) Missionarische Gemeinden und diakonisches Handeln, aber keine organisierte Mission; dieses Konzept reichte den meisten Islambeauftragten aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) Organisierte Mission durch entsprechend ausgebildete Missionare in deutscher Sprache; hier wurden viele Bedenken vorgebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Gr\u00fcndung einer t\u00fcrkischen Konvertitengemeinde in K\u00f6ln oder Duisburg, um die bestehende Sprachgrenze der Ghettos pfingstlich zu \u00fcberwinden. Dieser Gedanke war so neu, da\u00df er Erstaunen hervorrief.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erw\u00e4hnenswert ist noch ein Pfarrkonvent zum Thema \u201eMission und Dialog in der Begegnung mit Muslimen\u201c im Kirchenkreis Trier am 6.12.2010. Pfr. Eberhard Troeger<a href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\">[73]<\/a>, der aus dem Rheinland stammt, im missionarischen Dienst in \u00c4gypten eingesetzt war, sp\u00e4ter die Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten leitete und nun im Ruhestand in Wiehl lebt, warb in seinem Referat mit biblischer Fundierung, aus reicher Erfahrung und mit weltweitem Horizont f\u00fcr die Muslime-Mission. Einige Zitate m\u00f6gen seine Position verdeutlichen: \u201eMission geh\u00f6rt zum innersten Wesen der Kirche, weil sie von der Sendung von Jesus Christus lebt. Eine Kirche, die auf Mission verzichten will, verzichtet auf ihren Lebenskern&#8230; In hundert Jahren k\u00f6nnte der Islam die Mehrheitsreligion in Deutschland sein. Es w\u00e4re ein Wunder Gottes, wenn nur zehn Prozent der Muslime in Deutschland Christen w\u00fcrden&#8230; Landeskirchen, die auf Mission verzichten, werden bald marginalisiert sein und irgendwann aussterben.\u201c Troeger schlo\u00df mit einem Wort von Prof.Dr.J. Baur aus der Festschrift f\u00fcr den Trierer Superintendenten und langj\u00e4hrigen Vorsitzenden unseres Konvents, Ernst Volk: \u201eDeshalb schuldet die Christenheit den Muslimen nichts weniger als das ganze Evangelium vom Ende des Herren-Gottes, vom Anfang der neuen Geschichte Gottes, des Gottes mit uns und seiner auf alle zielenden gemeinschaftlichen Liebe.\u201c<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\">[74]<\/a> Der Gegenvortrag von Kirchenrat Nikodemus, der die T\u00fcrkei aus eigenem Erleben kennt, versuchte die landeskirchliche Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber einer organisierten Muslime-Mission zu begr\u00fcnden. Oberstes Ziel m\u00fcsse der gesellschaftliche Friede zwischen den Religionen sein. Anstatt Muslime f\u00fcr die christliche Kirche \u201eabzuwerben\u201c, regte er eine gemeinsame \u201eMission\u201c von Juden, Christen und Muslimen f\u00fcr den einen Gott in der Welt an. Auch auf die Nachfrage, wo die gegenw\u00e4rtige Ev. Kirche im Rheinland den Missionsauftrag Jesu gegen\u00fcber den Muslimen praktiziere, wollte Nikodemus nicht \u00fcber das Glaubenszeugnis im Dialog hinausgehen. Die anschlie\u00dfende lebhafte Diskussion spiegelte die unterschiedlichen Auffassungen der beiden Referenten im Pfarrkonvent wider.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 31.1.2011 beschlo\u00df der Vorstand dann folgende Antwort an Bischof Schindeh\u00fctte, wo wir u.a. schrieben: \u201eUnseres Erachtens erfordert jedoch der Islam als nachchristliche Weltreligion mit antichristlichen Z\u00fcgen ein theologisch sorgf\u00e4ltig reflektiertes besonderes missionarisches Vorgehen. Gerade deshalb kann man den Missionsauftrag Jesu, der sich auf alle Menschen, V\u00f6lker und Religionen, also auch auf den Islam bezieht, nicht den mehr oder weniger zuf\u00e4lligen Begegnungen von Christen und Muslimen in der Gesellschaft \u00fcberlassen, sondern sollte ihn als gesamtkirchliche Aufgabe erkennen und in Angriff nehmen. Dies kann nat\u00fcrlich \u2013 ebenso wie die Rechristianisierung der Millionen aus den Kirchen Ausgetretenen oder besonders im Osten nicht getauften Deutschen &#8211; von der ,Hauptabteilung \u00d6kumene und Auslandsarbeit&#8216; nicht geleistet werden. Vielmehr w\u00e4re zun\u00e4chst ein missionswissenschaftliches Institut zu gr\u00fcnden, das \u2013 entsprechend der fr\u00fcheren Versuche einer ,Inneren Mission&#8216; &#8211; M\u00f6glichkeiten und Vorgehensweisen einer Moslemmission in unserer Gesellschaft erforscht. Der Friede zwischen den Religionen und ihre Zusammenarbeit in ethischen und gesellschaftlichen Fragen darf dabei, wie Sie zurecht schreiben, nicht aus den Augen verloren werden. Die Kirche Jesu Christi hat jedoch in erster Linie den ,Frieden mit Gott&#8216;, den wir im Glauben an Jesus Christus empfangen (R\u00f6m 5,1), zu verk\u00fcndigen. Eine freiheitliche Gesellschaft wie die unsere, in der verschiedene politische, religi\u00f6se und weltanschauliche Wahrheitsanspr\u00fcche miteinander ringen, ertr\u00e4gt auch gegenseitige Missionsversuche verschiedener Konfessionen und Religionen, sofern keine gewaltsamen oder das Gewissen des Einzelnen verletzenden Methoden angewandt werden. Wir m\u00f6chten Sie deshalb bitten, Ihren Satz, ,die Einrichtung einer gesonderten \u201aMoslemmission\u2019 halten wir f\u00fcr einen g\u00e4nzlich ungeeigneten Schritt&#8216;, noch einmal zu \u00fcberdenken. Die demographische Entwicklung in unserem Land wird in absehbarer Zeit dazu f\u00fchren, da\u00df die christlichen Kirchen ihren bisherigen Status als Mehrheitsreligion an den Islam verlieren. Dann wird wahrscheinlich auch die bisherige Religionsfreiheit wie in den islamischen L\u00e4ndern mehr oder weniger eingeschr\u00e4nkt. Gerade wenn uns an unserem Glauben und unserer abendl\u00e4ndischen, christlich gepr\u00e4gten Kultur gelegen ist,\u00a0 sollten wir das uns verbleibende Zeitfenster nutzen und eine Moslemmission beginnen, die diesen Namen verdient.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 25.11.2012 traf ich mich zur Beratung in Thalfang mit Pastor St.Fehr von der Karmelmission, Schorndorf, die in islamischen L\u00e4ndern mit Schriften, Rundfunk und Missionaren evangelisiert, aber nicht in Deutschland, und am 23.8.2015 auf R\u00fcgen mit deren Missionsleiter M.Landmesser. 2013 war unser Vorstand zu Besuch bei Pr\u00e4ses Manfred Rekowski in D\u00fcsseldorf, ebenso am 2021 per Zoom bei Pr\u00e4ses Thorsten Latzel, wobei wir unser Anliegen vortrugen, allerdings ohne gro\u00dfe Resonanz. Auf unserem Herbstkonvent 2015 berichtete die Idea-Redakteurin Daniela St\u00e4dter in Br\u00fchl \u00fcber Muslimtaufen im Rheinland &#8211; \u00fcberwiegend in Freikirchen. Im gleichen Jahr hatte die Arbeitshilfe \u201eWeggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen&#8220; der rheinischen Kirche den Missionsauftrag Jesu relativiert, den Dialog favorisiert und behauptet: \u201eEine strategische Islammission oder eine Begegnung mit Muslimen in Konversionsabsicht bedroht den innergesellschaftlichen Frieden und widerspricht dem Geist und Auftrag Jesu Christi und ist entschieden abzulehnen.&#8220;<a href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\">[75]<\/a> Am 21.6.2016 fand in der kirchlichen Hochschule in Wuppertal eine Tagung \u00fcber \u201eDas christliche Glaubenszeugnis in der Begegnung mit Muslimen&#8220; statt, die von dem dortigen Missionswissenschaftler Prof.Dr. H.Wrogemann organisiert worden war. Er sowie Prof.Dr. J.Zimmermann, Greifswald und Prof.Dr. U.H.J.K\u00f6rtner, Wien, referierten vor einem gr\u00f6\u00dferen Publikum positiv zu den Aspekten einer kirchlichen Muslime-Mission.<a href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\">[76]<\/a> Der Luth. Konvent beschlo\u00df am 1.11.2017 6 Thesen \u00fcber \u201eReformation und Mission&#8220;. Dennoch meinte die rheinische Landessynode am 12.1.2018, das Verh\u00e4ltnis zu den Muslimen auf einen \u201eDialog&#8220;, der \u201enicht auf eine Konversion&#8220; ziele, beschr\u00e4nken zu m\u00fcssen.<a href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\">[77]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob unsere Anregung einer Muslime-Mission von der rheinischen Kirche oder von der EKD einmal aufgegriffen wird? Man kann nur hoffen, da\u00df die bisherige Zur\u00fcckhaltung, die mit einer unbewu\u00dften Angst vor dem latent gewaltbereiten Islam und mangelnder, von aller Angst befreienden (Joh 16,33) \u00dcberzeugung von den eigenen christlichen Glaubenswahrheiten zusammenh\u00e4ngen wird,<a href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\">[78]<\/a> angesichts der wachsenden Zahl und Pr\u00e4senz der Muslime in Deutschland aufgegeben wird. Eine Neubesinnung auf das biblische Evangelium von Jesus Christus, besonders beim Pfarrerstand, wird auch zu einem klaren missionarischen Zeugnis gegen\u00fcber den Muslimen f\u00fchren. Die beeindruckende Kraft und Besonderheit des Islam als Weltreligion erfordert dabei eine besonders ausgebildete Muslime-Mission in Deutschland. Angesichts der Beharrlichkeit der t\u00fcrkischen oder arabischen Muttersprache bei den muslimischen Migrantenfamilien haben wir die Aufgabe, diese Sprachgrenze im pfingstlichen Geist Jesu Christi (Apg 2,1ff.) zu \u00fcberschreiten, um das Evangelium auch in der vielsprachigen, multireligi\u00f6sen europ\u00e4ischen Gesellschaft der Zukunft verst\u00e4ndlich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr diese die bisherige Selbsts\u00e4kularisierung der Kirche aufhebende Neubesinnung k\u00f6nnen Martin Luthers T\u00fcrkenschriften hilfreich sein.<a href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\">[79]<\/a> Unter den vielen heutigen B\u00fcchern \u00fcber den Islam scheint mir die Monographie des Lutherforschers Siegfried Raeder<a href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\">[80]<\/a> am meisten an der Theologie Luthers und seiner Unterscheidung von Gesetz und Evangelium orientiert und insofern belastbar und weiterf\u00fchrend zu sein.<a href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\">[81]<\/a> Pfr.Troeger berichtete von einer ersten t\u00fcrkischen Konvertitengemeinde in K\u00f6ln-S\u00fcd bei den Baptisten. Iranische, Farsi sprechende Konvertitengemeinden, die meist bei deutschen Gemeinden untergebracht sind, gibt es viele.<a href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\">[82]<\/a> Seit der Fl\u00fcchtlingskrise 2015 kam es zu vielen Taufen ehemaliger Muslime in ev. Gemeinden; besonders erw\u00e4hnt seien die SELKD-Gemeinde von Pfr.Dr. G.Martens in Berlin, die ev.-iranische Gemeinde von Pfarrerin M. Mousapour in Frankfurter\/Main, die ev.-arabische Gemeinde von Pfr.Dr. H.Josua in Stuttgart, die baptistischen Gemeinden in D\u00fcsseldorf und M\u00fclheim\/Ruhr und die ru\u00dflanddeutsch gepr\u00e4gte Ev. Freikirche K\u00f6ln-Ostheim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Prognose von Pfr.Troeger scheint realistisch: W\u00e4hrend den ca. 5,5 Millionen Muslimen meist t\u00fcrkischer oder arabischer Herkunft in Deutschland ca. 76,5 Millionen Nichtmuslime gegen\u00fcberstehen, von denen jedoch nur etwa die H\u00e4lfte christlichen Kirchen angeh\u00f6ren, wird die demographische Entwicklung bei ca. 5 Kindern pro muslimische Frau in Deutschland und ca. 1,3 Kindern pro nicht muslimischer, deutscher Frau in absehbarer Zeit dazu f\u00fchren, da\u00df die Zahl der Muslime die der Christen in unserer Gesellschaft \u00fcbersteigt.<a href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\">[83]<\/a> Nach meinen Berechnungen wird das irgendwann zwischen 2060 und 2070 der Fall sein. Auch in Nachbarl\u00e4ndern wie Frankreich, Niederlande, Belgien, Gro\u00dfbritannien, \u00d6sterreich, Spanien verl\u00e4uft die Entwicklung \u00e4hnlich, so da\u00df sich der allm\u00e4hliche Untergang des Jahrhunderte alten \u201echristlichen Abendlandes&#8220; abzeichnet. In Frankreich mit seiner aus der Kolonialzeit hohen Zahl von Muslimen hat der Schriftsteller M.Houellebecq in seinem Roman \u201eSousmission &#8211; Unterwerfung&#8220; (2015) ein nicht unrealistisches Szenario ihrer Macht\u00fcbernahme gezeichnet. Umgekehrt l\u00e4\u00dft sich in Geschichte und Gegenwart kein Land nennen, das bei einer muslimischen Mehrheit nicht den Islam mit staatlichen Mitteln gef\u00f6rdert und andere Religionen benachteiligt h\u00e4tte. Wenn in Europa der Islam Mehrheitsreligion wird, mu\u00df mit einem Ende der seit der Aufkl\u00e4rung herrschenden Religionsfreiheit und Toleranz gerechnet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang sollte neu \u00fcber die Rolle von Frau und Familie nachgedacht werden. Nicht das Christentum, auch nicht die Gleichberechtigung der Frau, sondern die Verh\u00fctungsmittel, die Berufst\u00e4tigkeit der Frauen, die wenig familienfreundliche Arbeitswelt, das Streben nach Wohlstand, die Instabilit\u00e4t der Ehen und andere Faktoren haben m.E. dazu gef\u00fchrt, da\u00df die europ\u00e4ischen V\u00f6lker zahlenm\u00e4\u00dfig abnehmen und die Wirtschaft nach Facharbeiter-Migranten ruft. Diese gesch\u00e4ftlich lukrative Tendenz lie\u00dfe sich politisch beeinflussen und umkehren, wenn man mehr als blo\u00df monet\u00e4re, eben kulturell-religi\u00f6se Aspekte ber\u00fccksichtigt. Aber nicht diese f\u00fcr das Christentum ung\u00fcnstigen gesellschaftlichen Entwicklungen, sondern der Kern unseres Glaubens und der Auftrag des Herrn n\u00f6tigen uns zu einer Neubesinnung auf die Mission. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, um seine S\u00fcnde verzeihende, rechtfertigende Gnade eindeutig und endg\u00fcltig zu offenbaren; und Jesus hat seine Apostel und die Kirche zu allen V\u00f6lkern gesandt, um diese das ewige Leben er\u00f6ffnende Liebe allen Menschen in der Kraft des Hl.Geistes nahezubringen.<a href=\"#_ftn84\" name=\"_ftnref84\">[84]<\/a> Diesem umfassenden, auch die Muslime einschlie\u00dfenden Missionsauftrag k\u00f6nnen wir uns um der Treue zum Evangelium willen &#8211; und f\u00fcr den Bestand unserer Ev. Kirche &#8211; nicht entziehen. Denn nur eine missionarische Kirche bleibt bestehen; nicht-missionarische werden untergehen.<a href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\">[85]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Homo-Trauung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der menschlichen Homosexualit\u00e4t<a href=\"#_ftn86\" name=\"_ftnref86\">[86]<\/a> werden meist vier Formen unterschieden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) Entwicklungshomosexualit\u00e4t w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) Pseudohomosexualit\u00e4t in gleichgeschlechtlicher Abgeschlossenheit (Milit\u00e4r, Gef\u00e4ngnis)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Hemmungshomosexualit\u00e4t aus Angst vor dem anderen Geschlecht (etwa wegen Mi\u00dfbrauch)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4) verfestigte, lebenslange Neigungshomosexualit\u00e4t.<a href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\">[87]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seri\u00f6sen Sch\u00e4tzungen betr\u00e4gt der Homosexuellenanteil an der erwachsenen Bev\u00f6lkerung in der westlichen Welt bei Frauen 2%, bei M\u00e4nnern 4%, w\u00e4hrend der Anteil der Bisexuellen auf bis zu 20% gesch\u00e4tzt wird.<a href=\"#_ftn88\" name=\"_ftnref88\">[88]<\/a> W\u00e4hrend praktizierte Homosexualit\u00e4t fr\u00fcher nach \u00a7 175 StGB mit Sodomie als Straftat verfolgt wurde, sorgte die Strafrechtsreform 1969 in Deutschland f\u00fcr eine Liberalisierung, der 1994 der Wegfall des Straftatbestandes folgte &#8211; au\u00dfer dem Schutz Minderj\u00e4hriger.<a href=\"#_ftn89\" name=\"_ftnref89\">[89]<\/a> Das Reformanliegen wurde auch in der gegen\u00fcber der katholischen Weltkirche viel zeitgeistaffineren Evangelischen Kirche in Deutschland virulent, wobei die rheinische Kirche sich r\u00fchmt, mit dem \u201eArbeitspapier Homosexuelle Liebe&#8220; (HL) eine Vorreiterrolle gespielt zu haben.<a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\">[90]<\/a> Aufgrund dieses vom Theologischen Ausschu\u00df erstellten Papiers beschlo\u00df die Landessynode 1992 einen breiten Diskussionsproze\u00df in Kirchengemeinden und -kreisen, der auf der Landessynode 1995 zu Beschl\u00fcssen f\u00fchren sollte, also von interessierten Kreisen um den damaligen Vorsitzenden des Theologischen Ausschusses, Superintendent Dr.Rainer Stuhlmann, und die \u201e\u00f6kumenische Selbsthilfegruppe Homosexuelle und Kirche (HuK)&#8220; gelenkt wurde. Als dies nicht gleich im gew\u00fcnschten Sinn gelang, folgte 1996 das Diskussionspapier \u201eSexualit\u00e4t und Lebensformen&#8220; sowie \u201eTrauung und Segnung&#8220; (SuLTuS), das ebenso an alle Gemeinden verschickt wurde.<a href=\"#_ftn91\" name=\"_ftnref91\">[91]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon das Vorwort des damaligen Pr\u00e4ses Peter Beier stellte aus lutherischer Sicht die falschen theologischen Weichen. Die \u201eschwierigen ethischen Fragen&#8220; sollten \u201enach einem dem Evangelium entsprechenden Weg&#8220;<a href=\"#_ftn92\" name=\"_ftnref92\">[92]<\/a> beantwortet werden, was auf die im Rheinland verbreitete, barthianische Verwechslung von Gesetz und Evangelium zur\u00fcckgeht.<a href=\"#_ftn93\" name=\"_ftnref93\">[93]<\/a> Im Evangelium, genauer den 4 neutestamentlichen Evangelien, ist denn auch von Homosexualit\u00e4t mit keinem Wort die Rede, wohl aber hat Jesus in seiner Gesetzesauslegung die alttestamentliche, monogam-heterosexuelle Ehe gegen\u00fcber der Scheidung als einzigen Ort einer Gottes Willen entsprechenden, sch\u00f6pfungsgem\u00e4\u00dfen Sexualit\u00e4t verteidigt. Die Apostel haben diese gesamtbiblisch-einheitliche Sicht in ihren ntl. Schriften \u00fcbernommen und von anderen sexuellen Praktiken (Luther: \u201eUnzucht&#8220;) abgegrenzt.<a href=\"#_ftn94\" name=\"_ftnref94\">[94]<\/a> Umgekehrt wird \u201ehomosexuelle Liebe&#8220; in der Hl.Schrift selten erw\u00e4hnt und dann nicht nur als heidnischer G\u00f6tzendienst oder Verf\u00fchrung und Vergewaltigung Minderj\u00e4hriger, sondern grunds\u00e4tzlich verurteilt, weil sie offensichtlich dem Willen des Sch\u00f6pfers, damit dem Leben zu dienen und neues Leben zu zeugen bzw. zu geb\u00e4ren, widerspricht.<a href=\"#_ftn95\" name=\"_ftnref95\">[95]<\/a> Die Behauptung Beiers, \u201eda\u00df eine moralische Verurteilung von homosexuell lebenden und liebenden Menschen dem Geist des Evangeliums nicht entspricht&#8220; und dieses \u201euns eine andere Sicht erm\u00f6glicht&#8220;,<a href=\"#_ftn96\" name=\"_ftnref96\">[96]<\/a> l\u00e4\u00dft sich jedenfalls mit dem Neuen Testament nicht begr\u00fcnden. Dort werden Gesetz und Evangelium wie Leben und Glauben sauber unterschieden und nicht abstrakt getrennt oder identifiziert, wenn anders es beim Evangelium nicht um die Rechtfertigung, Umdefinition und Segnung der S\u00fcnde, sondern um die Rechtfertigung des S\u00fcnders und die an seine Umkehr gebundene Vergebung der S\u00fcnde geht. Anstatt die Ev. Kirche zu einem \u201edeutlichen Bu\u00dfakt&#8220; f\u00fcr die \u201eDem\u00fctigungen und (z.T. blutigen) Verfolgungen homosexuell liebender Menschen&#8220; aufzufordern,<a href=\"#_ftn97\" name=\"_ftnref97\">[97]<\/a> h\u00e4tte Jesus die Homosexuellen wie ihre blutigen Verfolger, die Ehebrecher (Joh 8,11), Sodomiten und alle so gerecht erscheinenden S\u00fcnder (Mk 2,17) zur Bu\u00dfe gerufen (Mk 1,15) und nicht mit evangelischer \u201eGnade&#8220; gesegnet, was Gott in seinem Gesetz verbietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wichtiger Punkt der unsere Kirche jahrelang besch\u00e4ftigenden und bindenden Diskussion war die Frage, ob Homosexualit\u00e4t angeboren oder erworben, genetisch oder biographisch bedingt ist. Hier ist selbst die in beiden genannten kirchlichen Papieren &#8211; au\u00dfer im Literaturverzeichnis<a href=\"#_ftn98\" name=\"_ftnref98\">[98]<\/a> &#8211; nicht n\u00e4her benannte noch bem\u00fchte Wissenschaft mangels belastbarer Fakten uneins.<a href=\"#_ftn99\" name=\"_ftnref99\">[99]<\/a> Ich pers\u00f6nlich halte aufgrund eigener Begegnungen und Erfahrungen fr\u00fchkindliche Fehlpr\u00e4gungen der genetisch-instinktiv nicht ganz festgelegten, sich im zweiten Lebensjahrzehnt entwickelnden menschlichen Sexualit\u00e4t, die erst in der Pubert\u00e4t bewu\u00dft und dominant werden, f\u00fcr ausschlaggebend.<a href=\"#_ftn100\" name=\"_ftnref100\">[100]<\/a> Das Argument, da\u00df ein Homogen nicht existieren k\u00f6nne, weil Homosexuelle es nicht an ihre &#8211; in der Regel gar nicht vorhandenen &#8211; Kinder, die dann zwingend homosexuell w\u00fcrden, vererben, ist m.E. unwiderlegbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den rheinischen Papieren<a href=\"#_ftn101\" name=\"_ftnref101\">[101]<\/a> wurde die Bibel einer voreingenommenen und interessegeleiteten Interpretation unterworfen, etwa indem behauptet wurde, das atl. \u201eVerbot homosexuellen Verkehrs&#8220; l\u00e4ge \u201ean au\u00dferisraelitischen Einfl\u00fcssen&#8220;, weil die im alten Orient teilweise anerkannte gewaltfreie Homosexualit\u00e4t auch bei einigen religi\u00f6sen Kulten praktiziert wurde, was im monotheistischen Israel als \u201eG\u00f6tzendienst&#8220; und \u201eGreuel&#8220; abzulehnen sei.<a href=\"#_ftn102\" name=\"_ftnref102\">[102]<\/a> Oder \u201edas strikte Verbot m\u00e4nnlicher Homosexualit\u00e4t&#8220; h\u00e4tte \u201eim Bruch patriarchalischer Ordnung seine Hauptursache &#8211; neben der Tabuverletzung des Mi\u00dfbrauchs von Sperma&#8220;. Weil so \u201eein Mann die Frauenrolle \u00fcbernehmen mu\u00df&#8220;, werde \u201edas Macht- und Herrschaftsgef\u00e4lle, das zwischen Mann und Frau der patriarchalischen Ordnung entspricht, empfindlich gest\u00f6rt&#8220;, was eine \u201eEntehrung&#8220; und \u201eSchande&#8220; bedeute.<a href=\"#_ftn103\" name=\"_ftnref103\">[103]<\/a> Oder durch ein \u201edifferenziertes&#8220; Verst\u00e4ndnis der Sch\u00f6pfungsgeschichte k\u00f6nnten ihre Worte \u00fcber die Sexualit\u00e4t als \u201eoffene Aussagen&#8220; auch \u201eauf die gleichgeschlechtliche Liebe bezogen werden.&#8220;<a href=\"#_ftn104\" name=\"_ftnref104\">[104]<\/a> Oder die paulinische Veranschaulichung von Gottes Zorn und menschlicher S\u00fcnde durch homosexuellen Verkehr (R\u00f6m 1,26f.) sei \u201eFolge von bzw. Strafe f\u00fcr G\u00f6tzendienst&#8220;; die naturrechtliche Argumentation des Apostels sei \u201ezeitbedingt&#8220; und \u201edurch naturwissenschaftliche Erkenntnisse ebenso zu relativieren, wie andere Behauptungen der Bibel, z.B. Hasen seien Widerk\u00e4uer (5.Mose 14,7).&#8220;<a href=\"#_ftn105\" name=\"_ftnref105\">[105]<\/a> Oder die Bibel kenne \u201ekeine lesbische Liebe&#8220;.<a href=\"#_ftn106\" name=\"_ftnref106\">[106]<\/a> Oder \u201edie Ausdrucksweise des Apostels&#8220; bleibe \u201eganz die des Patriarchats.&#8220;<a href=\"#_ftn107\" name=\"_ftnref107\">[107]<\/a> Oder die These: \u201eDa\u00df ein Mann gleichzeitig mit mehreren Frauen verheiratet ist, wird in der Bibel an keiner Stelle verboten.&#8220;<a href=\"#_ftn108\" name=\"_ftnref108\">[108]<\/a> Schlie\u00dflich die Behauptung: \u201eAnlagebedingte Homosexualit\u00e4t, partnerschaftliche homosexuelle Praxis und homosexuelle Liebe nimmt die Bibel nicht wahr.&#8220;<a href=\"#_ftn109\" name=\"_ftnref109\">[109]<\/a> Durch solche unbiblischen, subtilen Unterscheidungen wurde unter Mi\u00dfachtung einer jahrhundertelangen \u00f6kumenischen Auslegungsgeschichte versucht, das grunds\u00e4tzliche Verbot homosexueller Akte in beiden Testamenten zu umgehen. Man verstieg sich sogar unter Verweis auf 1.Kor 7,7 zu der Natur und Gnade verwechselnden Wunschthese, Christen k\u00f6nnten \u201eihre ehelichen (auch sexuellen) M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten als die ihnen verliehene Gnadengabe des Herrn erkennen.&#8220;<a href=\"#_ftn110\" name=\"_ftnref110\">[110]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wurde einfach behauptet, \u201edie ethischen Normen der Bibel&#8220; seien \u201ezu <em>widerspr\u00fcchlich<\/em>&#8220; oder \u201ewandelbar&#8220; und \u201edas evangelische Verst\u00e4ndnis von Ehe und Trauung ungekl\u00e4rt&#8220;,<a href=\"#_ftn111\" name=\"_ftnref111\">[111]<\/a> blo\u00df weil man eine neue, Homosexuelle inkludierende Lehre und Kirche mit Homo-Trauung und \u201eEhe f\u00fcr alle&#8220; durchsetzen wollte. Die schriftgem\u00e4\u00dfe, lutherische Lehre von den \u201eSch\u00f6pfungsordnungen&#8220;,<a href=\"#_ftn112\" name=\"_ftnref112\">[112]<\/a> ja nur die Rede von \u201eg\u00f6ttlicher Stiftung&#8220; oder \u201eStiftungsworten&#8220;,<a href=\"#_ftn113\" name=\"_ftnref113\">[113]<\/a> mit denen die Bibel Institutionen wie die Ehe angesichts der unklaren biologischen und vielf\u00e4ltigen kulturellen Lage kl\u00e4rt und begr\u00fcndet, wurden ohne einleuchtende Argumente pauschal abgelehnt. Im Fokus stand die individuell gelebte Sexualit\u00e4t, nicht ihr Zusammenhang mit sozialen Institutionen wie Ehe, Familie, Volk und Staat. Kein Gedanke wurde daran verschwendet, da\u00df die urspr\u00fcnglich noch nach Gottes Willen hetero-monogame Sexualit\u00e4t durch die Erbs\u00fcnde<a href=\"#_ftn114\" name=\"_ftnref114\">[114]<\/a> verdorben und degeneriert sein k\u00f6nnte, wozu ein Blick in jedes beliebige Rotlichtmilieu gen\u00fcgt h\u00e4tte. Nicht bedacht wurde ferner, da\u00df es auch wohl kaum einen heterosexuellen Ehebruch gibt, der nicht von beiden Seiten mit \u201eLiebe&#8220; einherginge oder gerechtfertigt w\u00fcrde &#8211; ohne eine Vergewaltigung zu sein. Selbst treue eheliche Liebe \u00e4ndert ja nichts daran, da\u00df die Eheleute ohne den rechtfertigenden Glauben und die Liebe zu Gott S\u00fcnder sind. Und lebenslange \u201eTreue&#8220; gibt es auch zwischen Geschwistern, Eltern und Kindern, Freunden und Freundinnen, selbst zwischen Menschen und Tieren sowie unter manchen Tieren, ohne da\u00df dies eine mit Sexualit\u00e4t verbundene <em>Ehe<\/em> begr\u00fcnden w\u00fcrde noch k\u00f6nnte.<a href=\"#_ftn115\" name=\"_ftnref115\">[115]<\/a> Schlie\u00dflich sollte man nicht nur &#8211; psychologisch raffiniert &#8211; von homophoben Vorurteilen und \u00c4ngsten der heterosexuellen Gesellschaft sprechen,<a href=\"#_ftn116\" name=\"_ftnref116\">[116]<\/a> sondern auch von der offensichtlichen heterophoben Angst Homosexueller vor dem nicht einfach gleichen, sondern eben anderen Geschlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich erspare mir aus R\u00fccksicht auf noch \u201enormal&#8220; oder m\u00f6glicherweise homoerotisch empfindende Leser eine weitergehende Argumentation in dieser nur eine diffuse gesellschaftliche und kleine kirchliche Randgruppe betreffenden Frage. Es erhob sich breiter Widerstand, der hier nicht im Einzelnen angef\u00fchrt werden kann.<a href=\"#_ftn117\" name=\"_ftnref117\">[117]<\/a> F\u00fcr viele war hier der <em>status confessionis<\/em> erreicht. 1993 wurde deshalb in Neuwied der Ev. Aufbruch Mittelrhein (EAM) gegr\u00fcndet. Die Anerkennung eines Minderheitenanliegens und die Anpassung an die Welt wurde so mit einer innerkirchlichen Spaltung erkauft, wenn auch zun\u00e4chst nur wenige Christen deswegen aus der Ev. Kirche austraten. Obwohl sich nur ca. ein Drittel der Gemeinden an der Diskussion beteiligte<a href=\"#_ftn118\" name=\"_ftnref118\">[118]<\/a> und eine Umfrage der Koblenzer Rhein-Zeitung 1993 eine Ablehnung einer kirchlichen Segnung Homosexueller durch 81,3 % ihrer (damals noch weitgehend kirchlichen) Leser ergab,<a href=\"#_ftn119\" name=\"_ftnref119\">[119]<\/a> beschlo\u00df die Landessynode, ohne ihre Kirchenmitglieder weiter zu befragen,<a href=\"#_ftn120\" name=\"_ftnref120\">[120]<\/a> trotz unklarer Lage und \u201eheftigen Auseinandersetzungen&#8220;<a href=\"#_ftn121\" name=\"_ftnref121\">[121]<\/a> im Jahr 2000 die Segnung und 2016 die Trauung homosexueller Paare.<a href=\"#_ftn122\" name=\"_ftnref122\">[122]<\/a> Mittlerweile sind Homosegnungen oder -trauungen in allen Ev. Landeskirchen Deutschlands m\u00f6glich.<a href=\"#_ftn123\" name=\"_ftnref123\">[123]<\/a> 2010 beschlo\u00df die EKD-Synode ein neues Pfarrerdienstgesetz, das die \u201eHomo-Ehe&#8220; im Pfarrhaus erm\u00f6glichte.<a href=\"#_ftn124\" name=\"_ftnref124\">[124]<\/a> 2013 ver\u00f6ffentlichte der Rat der EKD die Orientierungshilfe \u201eZwischen Autonomie und Angewiesenheit &#8211; Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken&#8220;, in der &#8211; entgegen den fr\u00fcheren Denkschriften &#8211; die Homo-Partnerschaft als \u201egleichwertig&#8220; anerkannt wurde.<a href=\"#_ftn125\" name=\"_ftnref125\">[125]<\/a> Auch der Staat \u00e4nderte &#8211; entgegen dem Ehe und Familie sch\u00fctzenden Art. 6,1 GG &#8211; im Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG 2001) und im Gesetz zur Einf\u00fchrung des Rechts auf Eheschlie\u00dfung f\u00fcr Personen gleichen Geschlechts (\u201eEhe f\u00fcr alle&#8220; 2017) seine diesbez\u00fcgliche Gesetzgebung. Mit diesem mit einer Niederlegung der Ehe verbundenen \u201eSieg&#8220; im Kulturkampf waren die in der Gesellschaft und der Ev. Kirche dominanten, vom Gedankengut der 68ger-Bewegung erf\u00fcllten Kreise zufrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im R\u00fcckblick kann ich als der Bibel verpflichteter evangelischer Theologe nur der Aufgabe der Diskriminierung Homosexueller als besonders schwerer S\u00fcnder und dem Verzicht auf ihre strafrechtliche Verfolgung zustimmen. Homosexuelle Praxis ist zwar gesellschaftlich wie jede sexuelle Perversion unter freiwillig handelnden Erwachsenen zu <em>tolerieren<\/em>, aber in der Kirche als \u00dcbertretung von Gottes Gesetz in Lehre und Verk\u00fcndigung zu verurteilen und ihr seelsorgerlich mit dem Ruf zur Umkehr und dem Angebot des Evangeliums von der Vergebung zu begegnen. Das hei\u00dft aber nicht, da\u00df sie in Staat und Kirche <em>akzeptiert<\/em> oder gar der Ehe <em>gleichgestellt<\/em> werden sollte. Dadurch wird nur das Leitbild der Ehe besch\u00e4digt. Gottes Wort sagt eindeutig, da\u00df homosexueller Verkehr S\u00fcnde ist (Lev 18,22; R\u00f6m 1,26f.) und &#8211; besonders bei P\u00e4derastie mit Minderj\u00e4hrigen &#8211; vom Reich Gottes ausschlie\u00dft (1.Kor 6,9f.; 1.Tim 1,10). Deshalb ist f\u00fcr homosexuelle Christen nur die Enthaltsamkeit im Glauben an Gottes Gnade und in der Kraft des Hl.Geistes der biblisch gewiesene Weg, w\u00e4hrend ein Bu\u00dfe und Umkehr verweigernder, in S\u00fcnden verharrender \u201eGlaube&#8220; unter Gottes Zorn bleibt (Joh 3,19f.36; 9,39ff.; R\u00f6m 2,5; Hebr 13,4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Homotrauungen sind zwar nicht direkt eine \u201eBedrohung der Ehe&#8220;.<a href=\"#_ftn126\" name=\"_ftnref126\">[126]<\/a> Aber diese \u201e\u00d6ffnung&#8220; hat das evangelische Zeugnis f\u00fcr die Ehe von Mann und Frau als Ort Gottes Sch\u00f6pferwillen entsprechender Sexualit\u00e4t verdunkelt und vernebelt.<a href=\"#_ftn127\" name=\"_ftnref127\">[127]<\/a> W\u00e4hrend die Ev. Kirche seitdem nur wenige Homotrauungen verzeichnete, ging die Zahl der heterosexuellen Trauungen deutlich zur\u00fcck.<a href=\"#_ftn128\" name=\"_ftnref128\">[128]<\/a> Die Homo-Lobby hat es geschafft, in der rheinischen Kirche und den ihr weitgehend folgenden Kirchen der EKD die biblische, bald 2000 Jahre in der Kirche geltende Ablehnung von homosexuellen Verbindungen in ihre Anerkennung, \u201eSegnung&#8220; und \u201eTrauung&#8220; zu verwandeln und die lebenslange Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als Grundlage von Familie und Gesellschaft zu relativieren. Nicht das biblische, ewige Wort Gottes, sondern die sexuelle Selbstbestimmung und zeitgeistgem\u00e4\u00dfe, gesellschaftlich wandelbare Moralvorstellungen geben den Ton an. Anders als die Kath. Kirche<a href=\"#_ftn129\" name=\"_ftnref129\">[129]<\/a> hat die Ev. Kirche hier heute das Fundament der Hl.Schrift<a href=\"#_ftn130\" name=\"_ftnref130\">[130]<\/a> und ihrer Bekenntnisschriften<a href=\"#_ftn131\" name=\"_ftnref131\">[131]<\/a> verlassen, sich dem weltlichen Mainstream angepa\u00dft<a href=\"#_ftn132\" name=\"_ftnref132\">[132]<\/a> und ihre die Gesellschaft auf Gott und die Wahrheit ausrichtende und orientierende Funktion verloren. So sammelt sich nicht nur Gottes Zorn (Esr 8,22; R\u00f6m 1,18ff.; Eph 5,5f.; Kol 3,5f.) \u00fcber unserem Land und der zunehmend entchristlichten westlichen Welt, sondern \u201edie Zeit ist da, da\u00df das Gericht anf\u00e4ngt am Hause Gottes.&#8220; (1.Petr 4,17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Kirchenleiter als Glaubensleugner<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die kirchliche Karriereleiter bis ganz oben zu besteigen, mu\u00df man nicht nur einen gro\u00dfen Willen zur Macht<a href=\"#_ftn133\" name=\"_ftnref133\">[133]<\/a> haben, sondern auch ein die jeweiligen Wahlsynoden beeindruckendes, neues und anhaltendes Profil zeigen. Dies mu\u00df nicht, aber kann zur Leugnung grundlegender Glaubensartikel f\u00fchren, wie die folgende <em>chronique scandaleuse<\/em> ev. KirchenleiterInnen zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hamburger Propst und sp\u00e4tere Leiter des Kirchenamts der VELKD sowie Vizepr\u00e4sident des EKD-Kirchenamts Horst Gorski bemerkte 2006 in einer Karfreitagspredigt: \u201eDer Tod Jesu war nicht notwendig, damit Gott sich mit uns vers\u00f6hnt und uns vergibt. Die Behauptung einer solchen Notwendigkeit ist eines der gr\u00f6\u00dften Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse der christlichen Geschichte. Den Tod Jesu hat auch Gott nicht gemacht, sondern Menschen haben ihn herbeigef\u00fchrt. Wir sind frei, andere Wege der Deutung des Todes Jesu zu gehen.&#8220;<a href=\"#_ftn134\" name=\"_ftnref134\">[134]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der rheinische Pr\u00e4ses und sp\u00e4tere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider \u00e4u\u00dferte 2009 seine Zweifel angesichts des Kreuzestodes. Jesus sei \u201enicht im Sinne einer stellvertretenden \u00dcbernahme von Strafe&#8220; f\u00fcr die Menschen gestorben. \u201eGott braucht kein S\u00fchneopfer. Denn es muss ja nicht sein Zorn durch unschuldiges Leiden bes\u00e4nftigt werden.\u201c<a href=\"#_ftn135\" name=\"_ftnref135\">[135]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hannoversche Bisch\u00f6fin, EKD-Ratsvorsitzende und Lutherbotschafterin f\u00fcr das Reformationsjubil\u00e4um 2017 Margot K\u00e4\u00dfmann leugnete 2013 die Jungfrauengeburt Jesu Christi. Da\u00df Maria \u201eim medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht. Ich denke, dass Josef im biologischen Sinne der Vater Jesu war.\u201c<a href=\"#_ftn136\" name=\"_ftnref136\">[136]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bischof der Nordkirche Gerhard Ulrich leugnete 2016 in seiner \u201eOsterbotschaft&#8220; die leibliche Auferstehung Christi: \u201eJesus, der Gottesmann und Meister, ist tot. Sein Leib wird verwesen wie jeder Menschenleib. Aber das, was an ihm g\u00f6ttlich war, seine Sache, seine Leidenschaft und sein Einsatz f\u00fcr das wahre Leben, das ist mitnichten tot. Es lebt, wenn die Nachfolger es wollen. Daran erinnern sie sich jetzt. Und nehmen es &#8211; aus Jesu H\u00e4nden &#8211; jetzt in ihre eigenen H\u00e4nde. Durch sie und mit ihnen wird es leben.&#8220;<a href=\"#_ftn137\" name=\"_ftnref137\">[137]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der hannoversche Bischof Ralf Meister und Diakoniepr\u00e4sident Ulrich Lilje relativierten 2020\/21 im Rahmen der Diskussion um den assistierten Suizid das 5.Gebot \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten&#8220; und konnten sich unter bestimmten Bedingungen eine \u201eHilfe&#8220; zum Selbstmord vorstellen, woraufhin der Luth. Konvent i.Rh. sie &#8211; ohne Erfolg &#8211; zum R\u00fccktritt aufforderte.<a href=\"#_ftn138\" name=\"_ftnref138\">[138]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der berlin-brandenburgische Bischof Christian St\u00e4blein \u00e4u\u00dferte sich am 30.5.2020 in einer von rbb \u00fcbertragenen Pfingstandacht zum restaurierten Kreuz auf der Kuppel des fr\u00fcheren Hohenzollernschlosses, dem heutigen Humboldt-Forum in Berlin, welche die biblische Umschrift tr\u00e4gt: <em>\u201eEs ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind&#8220;,<\/em> mit folgenden Worten: \u201eEin Wiedererscheinen der unr\u00fchmlichen Verbindung von Thron und Altar. Gewaltig problematisch. Intolerante Exklusivanspr\u00fcche sind \u2013 auch als historische Zitate \u2013 gef\u00e4hrlich und brauchen Gegenbilder&#8230; Dominanz und Herrschaft, die ausgrenzt und erniedrigt.\u201c<a href=\"#_ftn139\" name=\"_ftnref139\">[139]<\/a> Die Auswahl lie\u00dfe sich leicht vermehren. Die Profilierungssucht ihrer KirchenleiterInnen hat zum Profilverlust der Ev. Kirche mit beigetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7. Resum\u00e9 und Ausblick<a href=\"#_ftn140\" name=\"_ftnref140\">[140]<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts des dramatischen Mitgliederschwunds (vgl. Ps 12) schrieb ich deshalb im Juli 2019 an Pr\u00e4ses Rekowski im Rheinland und Kirchenpr\u00e4sident Schad in der Pfalz u.a.: \u201eNat\u00fcrlich kann man die Gr\u00fcnde nicht nur in kirchlichem Fehlverhalten suchen. F\u00fcr die S\u00fcnde, Gleichg\u00fcltigkeit und Gottlosigkeit der Menschen, die nicht nach dem Evangelium fragen und das Wort Gottes als unn\u00f6tige St\u00f6rung ihres Lebens empfinden, sind diese selbst verantwortlich. Aber man hat schon den Eindruck, da\u00df in unserem von Wohlstand und Frieden gezeichneten Land ,das Gericht am Hause Gottes anf\u00e4ngt&#8216; (1.Petr 4,17). W\u00e4re es nicht an der Zeit, da\u00df die Ev. Kirche ihr ganzes Tun auf den Pr\u00fcfstand stellt und in einem breit angelegten Diskussionsproze\u00df in Gemeinden, Presbyterien und Synoden ernsthaft nach den Ursachen sucht? Kirchenamtliche Papiere von oben<a href=\"#_ftn141\" name=\"_ftnref141\">[141]<\/a> k\u00f6nnen dabei allenfalls das Gespr\u00e4ch ansto\u00dfen, aber nicht deren Ergebnisse vorwegnehmen. Jesu Wort ,Tut Bu\u00dfe!&#8216; (Mk 1,15) zielt ja auch auf die Christen und Kirchenoberen und stand vor 500 Jahren am Anfang der Reformation. Christen, Presbyterinnen, Pfarrer sind ja nicht nur unm\u00fcndige Befehlsempf\u00e4nger der Kirchenleitungen, die es oft nicht einmal f\u00fcr n\u00f6tig halten, Briefe engagierter Gemeindemitglieder zu beantworten. Vielleicht gibt es auch noch Theologieprofessoren und theologische Fakult\u00e4ten, die der Kirche einen wissenschaftlich fundierten geistlichen Rat geben k\u00f6nnten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als rheinischer Pfarrer und Vorsitzender des Lutherischen Konvents im Rheinland m\u00f6chte ich zu bedenken geben, da\u00df die Interesselosigkeit, auf die kirchliche Worte in der \u00d6ffentlichkeit zunehmend sto\u00dfen, nicht nur mit der verbreiteten moralisierenden Politisierung des Evangeliums<a href=\"#_ftn142\" name=\"_ftnref142\">[142]<\/a> zusammenh\u00e4ngt, die Christi Unterscheidung des kommenden Reiches Gottes von der vergehenden Menschenwelt eklatant widerspricht. Sondern auch mit dem Verlust des biblisch-theologischen Profils und der reformatorischen Klarheit, Tiefe und Radikalit\u00e4t der Botschaft von Gottes Gesetz und Evangelium. Eine Kirche, die Gottes Gebote nicht mehr ernst nimmt, die es nicht mehr wagt, den Menschen zu sagen, da\u00df sie selbstgerechte S\u00fcnder und ohne den rettenden Glauben an den Herrn ewig verloren sind, die bezweifelt, da\u00df Jesus Gottes alleiniger Sohn und entscheidende Offenbarung ist, die sein Kreuz und seine Auferstehung bis zur Unkenntlichkeit entleert, hat sich weit von ihrem Ursprung entfernt. Wenn sie vom linksgr\u00fcnen Paradies auf Erden schw\u00e4rmt, aber auf Mission und Bekehrung Andersgl\u00e4ubiger vornehm-feige verzichtet, wenn sie das Wort Gottes nur noch zeitgeistgem\u00e4\u00df, niederschwellig und weichgesp\u00fclt weitergibt, um nur ja keinen evangelischen Ansto\u00df zu erregen, hat sie offenbar den Glauben an die Wahrheit der Bibel und die Wirksamkeit des Hl.Geistes verloren. Sie gleicht dem ,Salz&#8216;, das ,unn\u00fctz&#8216; geworden ist, ,weggesch\u00fcttet und von den Leuten zertreten wird&#8216; (Mt 5,13). Von der r\u00f6misch-katholischen Kirche und den evangelischen Freikirchen kann man dies nicht so einfach behaupten. Wenn sich die evangelische Kirche von der Bibel verabschiedet und der Worte Gottes sch\u00e4mt, wird sie von Jesus Christus sich selbst \u00fcberlassen, orientierungslos und ,von allen guten Geistern verlassen&#8216;. Es ist Zeit, da\u00df unsere Kirchenleitungen endlich diese ,Zeichen der Zeit&#8216; (Mt 16,3) erkennen, umkehren von eingefahrenen, falschen Wegen und entschlossen handeln!&#8220;<a href=\"#_ftn143\" name=\"_ftnref143\">[143]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem gro\u00dfen Proze\u00df der neuzeitlichen \u201eEntzauberung der Welt&#8220;<a href=\"#_ftn144\" name=\"_ftnref144\">[144]<\/a> und S\u00e4kularisierung,<a href=\"#_ftn145\" name=\"_ftnref145\">[145]<\/a> der durch Renaissance und Reformation ausgel\u00f6st zun\u00e4chst zur Bekenntnisfreiheit des einzelnen Christen und konfessionellen Vielfalt der Kirchen f\u00fchrte, dann seit der Aufkl\u00e4rung Europa und den christlichen Kulturkreis breit erfa\u00dft hat, so da\u00df es von vereinzelter Kirchenkritik Intellektueller \u00fcber die Vernachl\u00e4ssigung der entwurzelten und verarmten Industriearbeiterschaft, die in den Bannkreis des Marxismus geriet, zur mehrheitlichen Abwendung der heute wohlstandsverw\u00f6hnten Massen vom Christentum kam, wird seit einiger Zeit &#8211; neben der amerikanischen Zersplitterung des Protestantismus in viele Denominationen und Sekten &#8211; auch die <em>Selbsts\u00e4kularisierung<\/em><a href=\"#_ftn146\" name=\"_ftnref146\">[146]<\/a> der ev. Landeskirchen in Deutschland als Ursache ihres Niedergangs genannt. Sie wird noch verst\u00e4rkt durch die weder biblisch noch reformatorisch noch wirklich demokratisch zu nennende Weise, \u00fcber die <em>Wahrheit der Kirche<\/em> zu befinden. W\u00e4hrend die Reformation die geoffenbarte, dogmatische und ethische Lehre der Kirche den bibelkundigeren Professoren und die in besonderen Herausforderungen notwendigen Bekenntnisse Konzilien und Synoden anvertraute, ist man im Bereich der EKD im 20.Jahrhundert dazu \u00fcbergegangen, auch ihre Leitwahrheit nicht mehr in der Kompetenz der theologischen Wissenschaft zu belassen, sondern den weniger seri\u00f6sen, aber leichter zu beeinflussenden Kirchenversammlungen zu \u00fcbergeben. Die EKD-Synode und die Landessynoden sind jedoch von den Gemeindegliedern &#8211; au\u00dfer in W\u00fcrttemberg<a href=\"#_ftn147\" name=\"_ftnref147\">[147]<\/a> &#8211; nicht direkt gew\u00e4hlt und insofern nur wenig demokratisch legitimiert, weil sie \u00fcber Aus-Wahlen von der Gemeinde \u00fcber die Presbyterien und Kreissynoden bis zur Landessynode wie bei einem Flaschenhals eine sich verengende und so sich von Ebene zu Ebene verst\u00e4rkende, ausgew\u00e4hlte \u201eMehrheit&#8220; von Kirchenfunktion\u00e4ren darstellen, die besonders anf\u00e4llig f\u00fcr den mediengesteuerten Zeitgeist, aber nicht mehr repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Meinung des Kirchenvolks ist. Hier w\u00e4re eine institutionalisierte Befragung und Entscheide der Gemeindeglieder, also eine <em>Strukturreform<\/em> n\u00f6tig, die jene faktische, paternalistisch-p\u00e4dagogisierende Steuerung und Herrschaft einer kleinen, klerikalen Minderheit \u00fcber die christliche Mehrheit beendet. Hinzu kommt noch die mit dem nun forcierten Sparzwang EKD-weit feststellbare Tendenz, die Lebensebene der Ev. Kirche von den Gemeinden auf die Kirchenkreise bzw. Dekanate zu verschieben, von wo die auf obrigkeitliche Linie gebrachten PfarrerInnen mit beschr\u00e4nkten Funktionen auf die Fl\u00e4che verteilt werden, wodurch die Kirche f\u00fcr die Gemeindeglieder vor Ort immer anonymer und gesichtsloser wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bekannte Anf\u00e4lligkeit der Ev. Kirche gegen\u00fcber dem braunen, schwarzen, roten oder gr\u00fcnen Zeitgeist h\u00e4ngt offensichtlich mit der beschriebenen innerkirchlichen \u201eDemokratie&#8220; eng zusammen. Man kann fragen, wie sich das eine, zeit\u00fcbergreifende, \u201eewige Evangelium&#8220;<a href=\"#_ftn148\" name=\"_ftnref148\">[148]<\/a> besser bewahren l\u00e4\u00dft: durch das katholische Modell einer zentral-b\u00fcrokratisch geleiteten z\u00f6libat\u00e4ren Priester- und Papstkirche mit dogmatisierten, unfehlbaren \u201eWahrheiten&#8220;? Oder durch das evangelische Modell, das die Bibel zwar am Anfang der Kirchenordnungen pflichtgem\u00e4\u00df benennt, aber Gottes Gesetz und Evangelium durch zeitgeisth\u00f6rige, legal beschlossene Bestimmungen verbiegt, verk\u00fcrzt, entkernt, verf\u00e4lscht und unterl\u00e4uft, so da\u00df sie praktisch verloren gehen. Das Evangelium darf zwar nicht mit einem dogmatischen Lehrgesetz verwechselt werden, sondern ist m\u00fcndliche, lebendige Botschaft Jesu Christi f\u00fcr Menschen je einer bestimmten Zeit. Es kann jedoch durch seine schriftliche Fixierung in der Bibel \u00fcber die Jahrhunderte nur dann bewahrt werden und kirchlich dominant bleiben, wenn nicht nur die Kirchenordnung, sondern auch die Gemeindeglieder und besonders die Geistlichen &#8211; von den Pr\u00e4dikanten \u00fcber die Pfarrer, Superintendenten, Bisch\u00f6fen und Pr\u00e4sides bis zu den Professoren &#8211; immer wieder f\u00fcr die <em>\u201eWahrheit des Evangeliums&#8220; <\/em>(Gal 2,5) eintreten, werben, k\u00e4mpfen und sie in der Kraft des Hl.Geistes durchsetzen. Dieses jahrhundertelange evangelische <em>Ringen um die Wahrheit<\/em> ist jedoch &#8211; so mein Eindruck &#8211; in der letzten Zeit zu einer immer selteneren Ausnahme geworden. \u00dcberforderte Synodale nicken oft nur geschickt eingebrachte Beschlu\u00dfvorlagen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sich bei den langsamen Ver\u00e4nderungen der Kirchenordnung als <em>objektiver Geist<\/em> der\u00a0 subjektiven Kirchengeister in der j\u00fcngsten Kirchengeschichte<a href=\"#_ftn149\" name=\"_ftnref149\">[149]<\/a> bei einzelnen Punkten zeigte (2.), ist bei der Aufarbeitung einiger Auseinandersetzungen der letzten Zeit (3.-6.) ganz deutlich geworden. Wie der jeweilige <em>Zeitgeist<\/em> mit seinen rasch wechselnden Anliegen und Moden, ohne da\u00df ein teuflisches Gesicht erkennbar oder irgendein Subjekt identifizierbar w\u00e4re (2.Kor 11,3f.14), in das Denken, Reden und Handeln der tonangebenden, von diesseitig-moralischen Gewi\u00dfheiten erf\u00fcllten Kirchenfunktion\u00e4re eingedrungen ist, so ist der in der Hl.Schrift zum Buchstaben geronnene theologisch-eschatologische Hl.Geist aus ihren K\u00f6pfen wie aus einer Flasche entwichen und bis auf wenige Reste verschwunden. Wie vor der Reformation und w\u00e4hrend der Aufkl\u00e4rung ist der Widersacher und <em>Antichrist<\/em> wieder in die Kirche eingedrungen, sitzt im Tempel Gottes, erhebt sich \u00fcber die Bibel, Jesus Christus, Gottes Wort und verf\u00fchrt die Ev. Kirchen mit neuen Lehren zum Abfall von der geoffenbarten Wahrheit.<a href=\"#_ftn150\" name=\"_ftnref150\">[150]<\/a> Denn das Gemeinsame dieser Themen &#8211; Israel, Juden- und Muslime-Mission, Homotrauung &#8211; ist ja, da\u00df die biblischen Vorgaben, die<em> Worte Gottes und Jesu Christi<\/em>, relativiert, ihres klaren, erl\u00f6senden Sinns und Gehorsam heischenden Charakters entkleidet und ihrer kirchlichen G\u00fcltigkeit beraubt wurden.<a href=\"#_ftn151\" name=\"_ftnref151\">[151]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber nun, wie es <em>lutherische Erkenntnis<\/em> ist, der <em>Hl.Geist Gottes<\/em> sich an das Fleisch gewordene <em>Wort Gottes<\/em> (Joh 1,14) und das Zeugnis der Apostel und Propheten von ihm gebunden hat &#8211; wie es Christen in der Taufe und besonders im Hl.Abendmahl erfahren, wo das Brot und der Wein der Leib und das Blut des HERRN <em>ist <\/em>und so <em>Glauben<\/em> wirkt, &#8211; dann wird die Ev. Kirche im Rheinland und in Deutschland in dem Ma\u00dfe vom Hl.Geist Gottes verlassen, wie sie das Schrift gewordene Wort Gottes verlassen hat: <em>\u201eSo spricht der HERR: Ihr habt mich verlassen, darum habe ich euch auch verlassen.&#8220;<\/em> (2.Chr 12,5)<a href=\"#_ftn152\" name=\"_ftnref152\">[152]<\/a> Dies sollten und k\u00f6nnten die verantwortlichen KirchenleiterInnen &#8211; sofern sie noch in der Bibel lesen und den lebendigen Gott f\u00fcrchten &#8211; erkennen, bevor sie im <em>j\u00fcngsten Gericht<\/em> gefragt werden, warum die ihnen anvertraute Kirche gerade in ihrer Zeit so niedergegangen und marginalisiert worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sollte mich freuen, wenn diese pessimistisch erscheinende Analyse der j\u00fcngsten Geschichte der Ev. Kirche in Deutschland \u00fcbertrieben oder falsch w\u00e4re, denn sie ist aus entt\u00e4uschter Liebe zur Kirche Jesu Christi geboren und hegt die Hoffnung auf Umkehr und Besserung. Notwendig ist deshalb m.E. heute &#8211; \u00e4hnlich dem R\u00fcckruf der Dialektischen Theologie zum geoffenbarten Christentum von Bibel und Reformation und der auf die Hl.Schrift gegr\u00fcndeten Bekennenden Kirche im Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen &#8211; eine Neubesinnung auf die biblisch-christliche Wahrheit als Beginn einer Wiederauferstehung der Kirche im Hl.Geist. Wie am Ausgang des Mittelalters bedarf die Kirche einer <em>Reformation an Haupt und Gliedern nach dem Wort Gottes<\/em>. Dabei ist eine Revision der genannten unbiblischen Positionen und eine in Zukunft strikte Unterscheidung von vorgegebener, g\u00f6ttlich offenbarter, schriftgem\u00e4\u00dfer Glaubenslehre und durch Presbyterien, Synoden und Kirchenleitungen zu regelnden Personal-, Organisations-, Sach- und Verwaltungsfragen unabdingbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Martin Luther<\/em> warnte einst seine \u201elieben Deutschen\u201c, da\u00df das Evangelium schon bei vielen V\u00f6lkern war, aber weitergezogen ist, wo es keinen Glauben fand: \u201eGottes Wort und Gnade ist ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist. Ihr Deutsche d\u00fcrft nicht denken, da\u00df ihr ihn ewig haben werdet; denn Undank und Verachtung wird ihn nicht lassen bleiben.\u201c<a href=\"#_ftn153\" name=\"_ftnref153\">[153]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><em>Nur die R\u00fcckbesinnung auf das biblische Gotteswort und die Bekenntnisse der Reformation k\u00f6nnen den tiefen kirchlichen Schaden, den wir alle sp\u00fcren und der auch f\u00fcr Unbeteiligte immer offener am Tage liegt, heilen. Beten und arbeiten wir f\u00fcr eine Erweckung neuen Glaubens an das Evangelium von Jesus Christus und die richtigen kirchlichen Entscheidungen, damit die Ev. Kirche wieder Wahrheit, Orientierung, Licht, Hoffnung und Zukunft bekommt! <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. i.R. Winfrid Krause, Buggingen<\/em><\/p>\n<p><em>Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Lutherische Nachrichten, 43. Jahrgang 2023, Nr. 1, <\/em><a href=\"https:\/\/lutherkonvent.ekir.de\/Archiv\/2023_Niedergang_der_Ev.Kirche.pdf\"><em>Lutherischer Konvent im Rheinland.<\/em><\/a><\/p>\n<p>_____________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Ich war 1982-84 Vikar in M\u00fclheim \/ Mosel, danach Hilfsprediger und 1985-2015 Pfarrer in Thalfang \/ Hunsr\u00fcck, 2015-2019 Vertretungspfarrer im Kirchenkreis Trier, davon 1\/2 Jahr in Gerolstein-J\u00fcnkerath \/ Eifel und 3 Jahre in Wirschweiler-Allenbach-Sensweiler und Schauren-Bruchweiler-Kempfeld \/ Hunsr\u00fcck, 2019-2021 Vertretungspfarrer in der S\u00fcdpfalz, je ein Jahr in Rohrbach \/ Steinweiler und in Neuburg am Rhein. Seither im Ruhestand mit gelegentlichen Diensten in S\u00fcdbaden, Dekanat Markgr\u00e4fler Land \/ Bad Krozingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 www.ekd.de\/statistik-kirchenmitglieder-17279.htm<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Die BRD hatte 1950 ca. 50,9 Millionen Einwohner, die DDR ca. 18,7, Deutschland (ohne die besetzten Ostgebiete) zusammen ca. 69,4; 2022 waren es laut Statistischem Bundesamt ca. 83,2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 www.kirchenaustritt.de<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Die Demographie zeigt, da\u00df in unserem Land wie in ganz Europa seit \u00fcber 50 Jahren weniger Kinder geboren werden als Menschen sterben, ein Faktor, der sich bei Ber\u00fccksichtigung der starken muslimischen Einwanderung bez\u00fcglich der Zahl der Kirchenmitglieder noch versch\u00e4rft. Das unklare Eintreten der EKD-Kirchen f\u00fcr den Lebensschutz l\u00e4\u00dft vermuten, da\u00df die Kinderzahl in ihrem Bereich niedriger ist als im katholischen und freikirchlichen, wo das 5.Gebot nicht durch ein liberal-feministisches \u201eRecht&#8220; auf Abtreibung praktisch au\u00dfer Kraft gesetzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Idea v.30.7.2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 FAZ v.16.12.2022; Idea Nr. 51-52\/2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 FAZ v. 22.3.2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. E.Hirsch, Geschichte der neueren evangelischen Theologie, 1949, I, S.11; III, S.15f. u.\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0 G.W.Fr.Hegel, Ph\u00e4nomenologie des Geistes: Werke Bd.3, hg.v. E.Moldenhauer u. K.M.Michel, 1970, S.24<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0 R.Bultmann, Das Problem der Hermeneutik: Glaube und Verstehen II, 1968<sup>5<\/sup>, S.230<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0 G.Ebeling, Die Geschichtlichkeit der Kirche und ihrer Verk\u00fcndigung als theologisches Problem, 1954, S.81; Wort Gottes und Tradition, 1964, S.9ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0 G.W.Fr.Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts: Werke, aaO., Bd.7, aaO., S.26<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0 Vgl. Fr.Schleiermachers Einordnung der systematischen Dogmatik unter die \u201ehistorische Theologie&#8220;: Kurze Darstellung des theologischen Studiums zum Behuf einleitender Vorlesungen, \u00a7 26-28.35.65.79-85.97-100.195.219.254, hg.v. H.Scholz, 1977<sup>4<\/sup>, S.11f.15.28.34ff.41ff.73f.83f.97f.; \u00e4hnlich in der Einleitung seiner Glaubenslehre, bes. \u00a710-14.19: Der christliche Glaube nach den Grunds\u00e4tzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt, 1830<sup>2<\/sup>, S.62ff.125ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0 Mt 10,28; R\u00f6m 8,10ff.; 1.Kor 5,3ff.; 2.Kor 5,6f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0 R\u00f6m 7,22; 2.Kor 4,16; Eph 3,16<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0 1.Kor 14,33; apostolisches Glaubensbekenntnis; Mk 4,3ff.; Mt 13,24ff.36ff.; 22,14; 1.Kor 11,19; 1.Joh 2,19; A.Augustinus, De civ.Dei XVIII,51.54; XX,9; CA VIII<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0 A.Augustinus, De baptismo III,19,26; M.Luther, Von dem Papstthum zu Rom wider den hochber\u00fchmten Romanisten zu Leipzig: WA 6,295-297; Von den Konziliis und Kirchen: WA 50,624-643; H.Zwingli, Fidei expositio: Schriften IV, hg.v. Th.Brunnschweiler u. S.Lutz, 1995, S.324f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0 Joh 8,31; 16,13; Gal 2,5.14; Phil 1,15ff.; 1.Tim 1,15; 2.Tim 2,15ff.; 2.Petr 2,1ff; 1.Joh 4,1ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0 CA VII; R.Sohm, Kirchenrecht, 1892<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0 M.Honecker, Kirche als Gestalt und Ereignis, 1963<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a>\u00a0 Einzelgemeinden: R\u00f6m 16,16.23; 1.Kor 1,2; 4,17; 11,18; 14,23; 16,16.19; 2.Kor 1,1; 11,8.28; 12,13; Gal 1,2.22; 1.Thess 1,1; 2,14; Phlm 2; auch Offb 2,1 u.\u00f6.; Gesamtkirche: 1.Kor 12,28; 15,9; Gal 1,13; Phil 3,6; auch Mt 16,18; Apg 20,28; Eph 1,22; 3,10; 5,23ff.; Kol 1,18.24; 1.Tim 3,15 u.\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a>\u00a0 Geplant ist vielleicht, das Gemeindezugeh\u00f6rigkeitsgesetz (nach Art. 73,1 i) 2023) zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>\u00a0 Ich habe als Vertretungspfarrer mit schweren Gewissensbedenken in Rohrbach\/Pfalz und Buggingen\/ Baden umst\u00e4ndehalber zwei Kinder getauft, deren Eltern beide ausgetreten waren bzw. der Vater ausgetreten war und die Mutter der Ev. Kirche wegen Einwanderung aus einem orthodoxen Land (noch) nicht angeh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a>\u00a0 1.Kor 1,16; Apg 10,47f.; 16,15.31ff.; 18,8; vgl. Mk 10,14.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0 CA IX; SA III,5: BSLK S.63.450<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a>\u00a0 Vgl. Art.40,3 von 1952 mit Art.81,2 von 2022, der mit Kindergottesdienst und Religionsunterricht ins LOG verschoben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a>\u00a0 Der die Stiftungsworte des HERRN vorschreibende, auch das Haus- und Krankenabendmahl erw\u00e4hnende Art. 74 wurde ins LOG verschoben. Das f\u00fcr Lutheraner wesentliche, stiftungsgem\u00e4\u00df gefeierte Abendmahl wird damit in unierter Unart weiter herabgestuft. In den Anmerkungen zur KO-Reform 2023 hei\u00dft es gut reformiert: \u201emit ,Einsetzung&#8216; ist Brot- und Weinausteilen gemeint&#8220;, was auch f\u00fcr jede andere festliche Mahlzeit gilt. Die Mazzen-Hostien, die Jesus in der Passahnacht als \u201eBrot des Elends&#8220; (Dtn 16,3) brach und reichte, sind oft durch frisches, wohlschmeckendes Brot ersetzt worden, wodurch der sonst so gew\u00fcnschte Bezug auf Israel (s.u. unter 3.) verloren geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a>\u00a0 Diese Bestimmung ist aus schlecht beratener R\u00fccksicht auf (Alkohol-) Kranke fast zur Regel geworden; Brot und Wein bzw. Traubensaft sollen nur noch im LOG erw\u00e4hnt werden. Der fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndliche Gemeinschaftskelch (Mk 14,23; 1.Kor 10,16f.) wird gar nicht mehr erw\u00e4hnt und ist selbst bei konservativen Gemeinden wegen den Corona-Ansteckungs\u00e4ngsten durch die angeblich hygienischeren Einzelbecher ersetzt worden. Ohne Alkohol ist die Hygiene allerdings nicht mehr gew\u00e4hrleistet. So geht die weise g\u00f6ttliche Stiftung Jesu durch kirchliche Selbsts\u00e4kularisierung, Besserwisserei und Nachgiebigkeit St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a>\u00a0 Vgl. Mt 18,15ff.; 1.Kor 5; 6,9ff. Gal 5,19ff.; 2.Thess 3,6ff.; 1.Tim 1,9ff.20; 2.Tim 2,24ff.; Tit 3,9ff. 1.Joh 5,16f.; Hebr 6,4ff.; 10,26f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a>\u00a0 Der ganze Art.86 wurde 2023 ins LOG abgeschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a>\u00a0 WA 10\/II,283,8; 30\/III,74,3; 75,9-24<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a>\u00a0 Gen 1,27f.;2,18-25; Ex 20,14; Mk 10,1-12; Eph 5,21-33; vgl. Offb 2,10.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a>\u00a0 So verr\u00e4terisch die Anmerkungen zur KO-Reform 2023, die auch die Worte \u201eEhefrau&#8220; und \u201eEhemann&#8220; zugunsten Homosexueller gestrichen hat. Vgl. auch die in der Nordkirche angeblich durch eine Kirchenrechtsl\u00fccke m\u00f6gliche und wahrscheinlich durch eine gro\u00dfz\u00fcgige Spende zustande gekommene Sylter Trauung von Finanzminister Lindner und seiner Freundin, die beide keiner Kirche angeh\u00f6ren, am 9.9.2022.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a>\u00a0 Siehe dazu ausf\u00fchrlicher unten Abschnitt 5. Homo-Trauung, S.18ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a>\u00a0 Nach Art.59,1 d) galt bei \u00dcbertritt oder Taufe eines Ehepartners eine vorhergehende oder beabsichtigte Trauung unter Mitwirkung eines \u201eBeauftragten einer anderen Religionsgemeinschaft&#8220; als Hindernis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a>\u00a0 Vgl. im Koran Sure 2,228.282; 4,3(Polygamie).12.38; 24,2.31; 33,59.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a>\u00a0 Vgl. Mt 17,27; R\u00f6m 14,23; 16,17; 1.Kor 10,32; 2.Kor 6,3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a>\u00a0 Im AT war die Erdbestattung nach Gen 3,19 das Normale, aber auch Feuerbestattungen werden gelegentlich erw\u00e4hnt (1.Sam 31,12; abwertend Lev 14,9; Jos 7,25; 2.K\u00f6 23,16; Am 2,1). Jesus wurde entsprechend ganz begraben und stand am 3.Tag leiblich zum ewigen Leben auf. Die katholische Kirche \u00f6ffnete sich 1963 f\u00fcr die Urnenbeisetzung, die in den St\u00e4dten schon aus Platzmangel zunahm. Auch in Israel und den islamischen L\u00e4ndern, wo eine Wiederbelegung von Gr\u00e4bern abgelehnt wird (vgl. Hes 37), besteht dieses Problem. Doch ist das Ergebnis der Verwesung nach 1000 Jahren der Ein\u00e4scherung vergleichbar und f\u00fcr die Aufweckung theologisch unerheblich (1.Kor 15,44; Offb 20,13). In Indien ist dagegen die Feuerbestattung die Regel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a>\u00a0 W\u00e4hrend 1952 die reformatorischen Bekenntnisse oder der Bekenntnisstand von Gemeinden und Ordinierten \u00fcber den Grundartikel hinaus noch in Art. 5; 13,1; 23,2; 31,3; 67,3; 84,2; 105 b); 140 b); 168,4; 169,2; 186; 192 c); 198,3; 205,2 genannt wurde, ist dies 2022 nur noch in Art. 1,2; 2,3; 13,1+2; 152,2 der Fall &#8211; eine deutliche Tendenz zur Reduzierung ihrer Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a>\u00a0 Vgl. auch Art. 49,1; 62a u. 63,1. Unter den bisch\u00f6flichen Rechten und Pflichten der SuperintendentInnen werden die Seelsorge der Ordinierten und die Ordination auch in Art.121,2 und Art.122 a) von 2022 erw\u00e4hnt. Vgl. f\u00fcr die Landessynode Art.130 a+b), die Kirchenleitung Art. 148 e) sowie das Ordinationsgesetz von 2005 und \u00a7 3-7 des Pfarrerdienstgesetzes der EKD von 2021, letzteres mit folgendem Mustergel\u00fcbde (\u00a7 4,4): \u201eIch gelobe vor Gott, das Amt der \u00f6ffentlichen Wortverk\u00fcndigung und Sakramentsverwaltung im Gehorsam gegen den dreieinigen Gott in Treue zu f\u00fchren, das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis meiner Kirche bezeugt ist, rein zu lehren, die Sakramente ihrer Einsetzung gem\u00e4\u00df zu verwalten, meinen Dienst nach den Ordnungen meiner Kirche auszu\u00fcben, das Beichtgeheimnis und die seelsorgliche Schweigepflicht zu wahren und mich in meiner Amts- und Lebensf\u00fchrung so zu verhalten, dass die glaubw\u00fcrdige Aus\u00fcbung des Amtes nicht beeintr\u00e4chtigt wird.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a>\u00a0 S.u. unter 6.) , S.23f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a>\u00a0 Art. 82; vgl. Gen 1,27; Gal 3,28 mit Gen 3,16; 1,Kor 11,2-16. 1.Kor 14,34f. ist wahrscheinlich ein 11,5 widersprechender sp\u00e4terer Zusatz nach 1.Tim 2,11f. &#8211; so W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther: EKK VII\/3, 1999, S.479ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a>\u00a0 Vom <em>Zeitgeist<\/em> ist als \u00dcbersetzung des lateinischen qualitas temporum bzw. genius aetatis oder saeculi\u00a0 aus Sp\u00e4tmittelalter und Fr\u00fchneuzeit seit der Aufkl\u00e4rung die Rede; bei Herder ist das Wort wohl 1769 erstmals deutsch belegt. Vgl. Goethes \u201eGeist der Zeiten&#8220; im Faust (I,577), H\u00f6lderlins Ode \u201eDer Zeitgeist&#8220;, Nietzsches Bild von den \u201efeierlichen und vermummten&#8220; Gestalten der \u201eWertsch\u00e4tzungen&#8220; von \u201eGut und B\u00f6se&#8220;, die auf einem Nachen den Flu\u00df der Zeit hinuntertreiben, im Zarathustra-Kapitel \u201eVon der Selbst\u00fcberwindung&#8220; (II,12); G.Ebeling, Hl.Geist und Zeitgeist: Wort und Glaube IV, 1995, S.95ff.; R.Konersmann, Art. Zeitgeist: Historisches W\u00f6rterbuch der Philosophie 12, 2004, Sp.1266ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a>\u00a0 F\u00fcr die katholische Kirche wegweisend ist die \u201eErkl\u00e4rung \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen&#8220; (Nostra aetate 4) des 2.Vatikanischen Konzils von 1965.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a>\u00a0 Handreichung Nr.39 \u201eZur Erneuerung des Verh\u00e4ltnisses von Christen und Juden&#8220;, 1980, S.9-11.12-28<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a>\u00a0 Vgl. F.Hesse, Einige Anmerkungen zum Wort der rheinischen Landessynode \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Christen und Juden, 1980; E.Volk, Theologische Anmerkungen zum Thema Juden und Christen: Wahrheit f\u00fcr heute 4\/1980; E.Gr\u00e4\u00dfer, Zwei Heilswege?: FS F.Mu\u00dfner, 1981, S.411-429; H.Conzelmann, Heiden-Juden-Christen, 1981; M.Honecker, Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis f\u00fcr Christen und Juden?: KuD 27, 1981, S.198-216; W.Schrage, Ja und Nein: EvTh 42, 1982, S.126-151; G.Klein, \u201eChristlicher Antijudaismus&#8220;: ZThK 1982, S.411-450; E.Lohse, Kirche und Judentum: Erneuern und bewahren, 1993, S.296-309; U.H.J.K\u00f6rtner, Volk Gottes-Israel-Kiche: ZThK 1994, S.51-79.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref48\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a>\u00a0 Handreichung Nr.39, 1980, aaO., S.8<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref49\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a>\u00a0 Handreichung Nr.45 \u201eKirche und Israel&#8220;, 1993, S.3. Unbeeindruckt von der Kritik der \u201eUniversit\u00e4ts-Theologie&#8220; (S.14), einer erneuten Stellungnahme der Bonner Ev.-theol. Fakult\u00e4t von 1995, die u.a. auf die christologische Bestimmung der ntl. Hoffnung hinwies (4. u.5.), aber auch der Bedenken und \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge von Pfarrern und Gemeinden wurde auch dieser Passus drei Jahre sp\u00e4ter durchgesetzt. Vgl. H.Seebass, Ist Israel ein Begriff der Partizipation f\u00fcr Judenheit und Christenheit?: Luth. Nachrichten 1994\/2, S.8-12; N.Slenczka, Durch Jesus in den Sinaibund?: Luth.Monatshefte 1995\/1, S.17-20. Viel wirksamer w\u00e4re die von der Kirchengemeinde Thalfang vorgeschlagene Formulierung gewesen: \u201eSie (die Kirche) bezeugt die Treue Gottes, der in Jesus Christus an der Erw\u00e4hlung seines Volkes Israel festh\u00e4lt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref50\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a>\u00a0 So die \u201eW\u00fcrdigung&#8220; des Beschlusses von 1980 nach 25 Jahren: Zur Erneuerung des Verh\u00e4ltnisses von Christen und Juden, 2005, S.7.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref51\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a>\u00a0 N.Slenczka, aaO., S.20<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref52\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a>\u00a0 Rundschreiben v. 15.12.2008, versandt mit einer umfangreichen Arbeitshilfe; \u00e4hnlich schon die Handreichung Nr.39, S.28. E.J\u00fcngel bemerkte dazu auf der EKD-Synode 1999, die Kirche m\u00fc\u00dfte angsichts ihres Ursprungs im Judentum \u201eihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet gegen\u00fcber Israel verschweigen wollte&#8220;. (FAZ 4.2.2000)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref53\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a>\u00a0 Der Missionsbefehl des auferstandenen Jesus Christus richtet sich, wie der synoptische Vergleich von Mt 28,19 mit Mk 16,15 und Lk 24,47 zeigt, an alle V\u00f6lker der ganzen Sch\u00f6pfung anfangend von Jerusalem, also einschlie\u00dflich des j\u00fcdischen Volkes, zu dem Jesus seine J\u00fcnger schon vorher mit dem Evangelium gesandt hatte (Mt 10,6; vgl. Mk 13,10; Mt 24,14; Joh 20,21). Entsprechend predigten die Apostel zun\u00e4chst in Jerusalem (Apg 2,1-8,1); Petrus war das Apostolat unter den Juden anvertraut (Gal 2,7f.). Auch Paulus predigte als \u201eApostel der Heiden&#8220; (R\u00f6m 1,5) auf seinen Missionsreisen in der Regel zuerst in den Synagogen (Apg 9,20; 13,5.14; 14,1; 16,13; 17,1.10.17; 18,4.19), wie denn sein Evangelium \u201ezuerst den Juden, dann den Griechen&#8220; galt (R\u00f6m 1,16; 2,9f.; 1.Kor 9,20).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref54\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a>\u00a0 Nachdem ich als stellvertretender Vorsitzender des Luth. Konvents in zwei Briefen an Dekan Prof.Dr. G.R\u00f6hser erfolglos exegetisch und theologisch argumentiert hatte, schrieb ich abschlie\u00dfend: \u201eEvangelische Professoren in der Nachfolge Martin Luthers sollten m.E. die Wahrheit des ihnen anvertrauten Evangeliums und der biblischen Texte auch und gerade gegen den jeweiligen Zeitgeist und seine Pendelschl\u00e4ge, von denen auch die Kirche erfa\u00dft wird, bezeugen und verteidigen, also weder den damaligen deutschchristlich-antisemitischen noch den heutigen rheinischkirchlich-philosemitischen Sirenenges\u00e4ngen erliegen, sondern die Liebe Gottes verk\u00fcndigen, die in Jesus Christus allen Menschen und V\u00f6lkern, also auch seinem geliebten, erw\u00e4hlten Volk lsrael gilt.&#8220; (28.7.2009)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref55\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a>\u00a0 Siehe die EKD-Denkschriften \u201eChristen und Juden&#8220; von 1975, 1991 und 2000: www.ekd.de\/christen_juden_2000_vorwort.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref56\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a>\u00a0 Neufassung nach dem 2.Vaticanum: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karfreitagsf\u00fcrbitte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref57\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a>\u00a0 Vgl. den Katechismus der\u00a0 Katholischen Kirche, 1993, Nr.121: \u201eder Alte Bund ist nie widerrufen worden&#8220; und Nr.839f. J.Ratzinger sagte als emeritierter Papst Benedikt XVI., der Bund zwischen Gott und den Menschen finde sich biblisch nicht in der Einzahl, sondern ereigne sich in Stufen: \u201eGottes Liebe ist unzerst\u00f6rbar. Aber zur Bundesgeschichte zwischen Gott und Mensch geh\u00f6rt auch das menschliche Versagen, der Bruch des Bundes&#8230; Die Umstiftung des Sinai-Bundes in den neuen Bund im Blute Jesu, das hei\u00dft in seiner den Tod \u00fcberwindenden Liebe, gibt dem Bund eine neue und f\u00fcr immer g\u00fcltige Gestalt.&#8220; (Communio 2018\/4; FAZ v. 18.7.2018)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref58\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a>\u00a0 Vgl. den Rundbrief Nr.117 von Sup. E.Volk v. 29.2.1980, der schreibt, die Landessynode habe sich damit \u201ein klaren Widerspruch zu den biblisch-reformatorischen Grundeinsichten gesetzt, die besagen, da\u00df <u>Juden<\/u> und Heiden gerechtfertigt werden <u>allein<\/u> im Glauben an Jesus Christus, der <u>allein<\/u> unser aller Gerechtigkeit vor Gott ist&#8230; So kann man Christus auch verleugnen.&#8220; &#8211; Stellungnahmen v. 26.3.1995 und 16.3.1997 zur \u00c4nderung des Grundartikels. &#8211; Keine Absage an die Judenmission vom 22.3. 2009.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref59\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a>\u00a0 Neu bei Jesus: Mt 13,52; Mk 2,21f.; 14,25; Lk 22,20 (=1.Kor 11,25); bei Paulus R\u00f6m 7,6; 1.Kor 5,7; 2.Kor 3,6; 5,17; Gal 6,15; vgl. Joh 3,3ff.; 13,34; 1.Joh 2,7f.; Hebr 8,8ff.; 9,15; 10,20; 12,24; Offb 14,3; 21,1ff.; vgl. auch R\u00f6m 15,8-12; Gal 4,22-31.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref60\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a>\u00a0 KD III\/1, 1947<sup>2<\/sup>, \u00a7 41, S.103ff.258ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref61\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a>\u00a0 Lk 2,10.14; Apg 15,14; R\u00f6m 9,24ff.; 2.Kor 6,16; Eph 2,11-22; Tit 2,11.14; 1.Petr 2,9f.; Hebr 2,17; 4,9; 8,10.13; 10,30; 13,12; Offb 18,4; 21,3. Wenn hier z.T. atl. Zitate einflie\u00dfen, liegt darin keine \u201eindirekte Bezeichnung&#8220;, sondern ein emphatischer neuer Begriff des Volkes Gottes aus Juden und Heiden; gegen M.Wolter, Paulus, 2011, S.303f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref62\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a>\u00a0 Gal 6,16; vgl. auch Apg 13,23 (Jesus als der Retter Israels); 1.Kor 10,18; R\u00f6m 9,6ff. (Israel nach dem Fleisch).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref63\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a>\u00a0 Idea Nr.47\/2017. Schon der katholische Philosoph R.Spaemann hatte bemerkt: \u201eich kann der Logik nicht folgen, nach welcher, weil einmal Juden von Christen diskriminiert wurden, sie jetzt weiter diskriminiert werden sollen, indem die Kirche Christi sich zur Heidenkirche erkl\u00e4rt, in der die Angeh\u00f6rigen des Volkes Jesu nichts mehr zu suchen haben.&#8220; (FAZ v. 2.6.2009)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref64\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a>\u00a0 So die \u201eErw\u00e4gungen&#8220; der Bonner Fakult\u00e4t von 1980 und die Anregung von H.Seebass 1994, aaO., S.12: \u201eMit der Juden und Christen gemeinsamen Bibel Israels hofft die Kirche auf einen neuen Himmel und eine neue Erde&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref65\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a>\u00a0 https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/72321\/umfrage\/entwicklung-der-anzahl-der-muslime-in-deutschland-seit-1945\/ ; von einer Gesamtbev\u00f6lkerung von ca. 82 Millionen sind das ca. 6,7%.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref66\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a>\u00a0 Vgl. zum Folgenden ausf\u00fchrlicher meine Dokumentation Moslem-Mission im Rheinland: Lutherische Nachrichten 31\/1, 2011, S.3-19.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref67\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a>\u00a0 Bis heute ist es eine offene Frage, ob Nichtmuslime den Muezzinruf, der ein ausdr\u00fcckliches islamisches Glaubensbekenntnis enth\u00e4lt und insofern \u00fcber das christliche Glockenl\u00e4uten, das nur musikalisch bleibt, hinausgeht, im Sinne der allgemeinen Toleranz ertragen m\u00fcssen oder hier die negative Religionsfreiheit Einschr\u00e4nkungen erfordert. Der Schweizer Volksentscheid gegen den Minarettbau im Jahre 2009 zeigt, da\u00df die Diskussion in Europa keineswegs abgeschlossen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref68\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a>\u00a0 Luth. Nachrichten 19\/2, 1999, S.5-19<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref69\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a>\u00a0 Vgl. ihr Buch: Der Islam. Geschichte \u2013 Lehre \u2013 Unterschiede zum Christentum, 2 Bde., 2003.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref70\" name=\"_ftn70\">[70]<\/a>\u00a0 Er hat \u00fcber den gro\u00dfen Vertreter der lutherischen Orthodoxie Johann Gerhard promoviert: Restauratio imaginis divinae. Die Vereinigung von Gott und Mensch bei Johann Gerhard, 1991.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref71\" name=\"_ftn71\">[71]<\/a>\u00a0 Lutherische Beitr\u00e4ge, 2008<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref72\" name=\"_ftn72\">[72]<\/a>\u00a0 Idea Nr.14 v. 8.4.2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref73\" name=\"_ftn73\">[73]<\/a>\u00a0 Vgl. sein Buch: Der Islam bei uns. \u00c4ngste und Erwartungen zwischen Christen und Muslimen, 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref74\" name=\"_ftn74\">[74]<\/a>\u00a0 Verlorenes Wiederfinden. FS Ernst Volk zum 65.Geburstag, hg.v. Th.Berke und W.Krause, 1992, S.65.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref75\" name=\"_ftn75\">[75]<\/a>\u00a0 S.18; vgl. die Stellungnahme des Luth. Konvents in K\u00f6nigswinter v. 1.11.2015, die kritischen Anmerkungen von Pastorin Dr.C.W\u00e4hrisch-Oblau von der VEM und Prof.Dr. H.Wrogemann vom April 2016 und die kritische Stellungnahme von Bischof Prof.Dr.Th. Schirrmacher v. 12.7.2016. Der Wittenberger Pfarrer Alexander Garth kommentiert, \u201edass bei den Verfassern des Papiers christlogische Dunkelheit herrscht. Der freundliche Dialog mit dem Islam ist wichtig. Aber Theologen im liberalen Denkraster mit einer besch\u00e4digten Christologie sind keinen geeigneten Dialogpartner f\u00fcr den Islam&#8220;. (Untergehen oder umkehren, 2021<sup>2<\/sup>, S.101f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref76\" name=\"_ftn76\">[76]<\/a>\u00a0 epd-Dokumentation Nr.30 v. 26.7.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref77\" name=\"_ftn77\">[77]<\/a>\u00a0 Vgl. dazu die kritische Stellungnahme \u201eMission und Dialog geh\u00f6ren zusammen&#8220; von Prof.Dr. Th. Schirrmacher: Evangelische Verantwortung. Magazin des Evangelischen Arbeitskreises der CDU\/CSU Nr.3+4 \/ 2018, S.7ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref78\" name=\"_ftn78\">[78]<\/a>\u00a0 Symptomatisch daf\u00fcr war, da\u00df der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm und der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz Deutschlands Kardinal R.Marx bei einem gemeinsamen Besuch in Jerusalem auf dem Tempelberg am 20.10.2016, angeblich aus Bitten und R\u00fccksicht auf die Muslime, in Wahrheit jedoch aus mangelnder eigener Glaubens\u00fcberzeugung ihre sonst stolz getragenen Brustkreuze ablegten. Ebenso wird das seit 2011 geplante, seit 2021 im Bau befindliche <em>House of one<\/em> in Berlin, ein gemeinsames Haus von Juden, Christen und Muslimen als \u201eOrt des Friedens und der Toleranz&#8220; (Baukosten ca. 44 Millionen \u20ac) von der EKD \u00fcber eine Stiftung verschleiert mit Kirchensteuermitteln, von der Bundesregierung und vom Land Berlin offen mit Steuergeldern unterst\u00fctzt, als g\u00e4be es keinen Unterschied der drei monotheistischen Religionen. Der dem Kuratorium angeh\u00f6rende Bischof der berlin-brandenburgischen Ev. Kirche St\u00e4blein lehnt entsprechend das historische Kreuz auf dem Humboldt-Forum, dem ehemaligen Hohenzollernschlo\u00df in Berlin, ab. Die Abraham-\u00d6kumene als neudeutsche Zivilreligion? Am Kreuz Christi scheiden sich die Geister!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref79\" name=\"_ftn79\">[79]<\/a>\u00a0 Vom Kriege wider die T\u00fcrken (1529): WA 30\/II,107-148; Heerpredigt wider den T\u00fcrken (1529): WA 30\/II,160-197; Vermahnung zum Gebet wider die T\u00fcrken (1541): WA 51,585-625; Verlegung des Alcoran Bruder Richardi Prediger Ordens (1542): WA 53,272-396.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref80\" name=\"_ftn80\">[80]<\/a>\u00a0 Der Islam und das Christentum. Eine historische und theologische Einf\u00fchrung, 2003<sup>2<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref81\" name=\"_ftn81\">[81]<\/a>\u00a0 Vgl. meine eigene Darstellung und Kritik des Islam in: Die Weltreligionen aus christlicher Sicht: Luth. Nachrichten 2009\/2, S.51ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref82\" name=\"_ftn82\">[82]<\/a>\u00a0 Die meist schiitischen Perser sind aus drei Gr\u00fcnden offener f\u00fcr das Christentum als der sunnitische Mehrheitsislam: 1) Der Islam wurde ihnen in der Mitte des 7.Jh. durch die arabischen Eroberungen der ersten Kalifen gewaltsam aufgen\u00f6tigt; vorher hingen viele der von Zarathustra gestifteten Religion an (s. L.Berger, Die Entstehung des Islam, 2016, S.52ff.173ff.). 2) Die Schia (=Partei) Alis (\u2020 761), des Vetters und Schwiegersohns Mohammeds, hatte mit ihm und seinem Sohn, Mohammeds Enkel Hussein zwei M\u00e4rtyrer zu beklagen, was sie f\u00fcr den Kreuzestod Jesu offener macht. 3) Die Mullahkratie seit der \u201eislamischen Revolution&#8220; Khomeinis 1979 hat den Islam in Persien bei breiten Massen diskredidiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref83\" name=\"_ftn83\">[83]<\/a>\u00a0 Wer eine solche Modellrechnung f\u00fcr rassistisch h\u00e4lt, t\u00e4uscht sich. Eine nicht muslimische deutsche Frau im Sinne des Staatsb\u00fcrgerrechts kann einen Migrationshintergrund haben, und eine muslimische Frau, die in Deutschland lebt oder Deutsche ist, mu\u00df keine Kinder bekommen. Religion vererbt sich auch nicht wie die Erbs\u00fcnde; dennoch spielt der religi\u00f6se Einflu\u00df der Eltern bei ihren Kindern statistisch eine dominante Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref84\" name=\"_ftn84\">[84]<\/a>\u00a0 Mt 28,16ff.; Mk 16,15f.; Lk 24,46ff.; Joh 20,21ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref85\" name=\"_ftn85\">[85]<\/a>\u00a0 Vgl. A.Garths Diagnose der EKD, aaO., S.152: \u201eDu hast eine besch\u00e4digte Christologie, die dein Leben und deine Mission vergiftet.&#8220; \u00c4hnlich S.66: \u201eSie hat Mission verlernt. Mission ist aber der eigentliche Auftrag und die Identit\u00e4t der Kirche.&#8220; Und S.131: \u201eDie Kirche hat nicht nur eine Mission, sie <em>ist<\/em> Gottes Mission in dieser Welt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref86\" name=\"_ftn86\">[86]<\/a>\u00a0 Der Begriff wurde ebenso wie <em>Heterosexualit\u00e4t <\/em>1868 von dem \u00f6sterreichischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny (1824\u20131882, b\u00fcrgerlich: Karl Maria Benkert) gebildet &#8211; von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Altgriechische_Sprache\">griechisch<\/a> <em>\u1f41\u03bc\u03cc\u03c2<\/em> \u201egleich\u201c, und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Latein\">lateinisch<\/a> <em>sexus<\/em> \u201eGeschlecht\u201c. M.Banner, Art. Sexualit\u00e4t II: TRE 31, 2000, S.209ff.; B.G,Carlsson \/ E.Otto \/ H.Kre\u00df \/ M. Steinh\u00e4user, Homosexualit\u00e4t: RGG<sup>4 <\/sup>III, Sp.1883ff.; diese beiden Lexikonartikel zeigen, wie man bei aller Wissenschaftlichkeit die biblischen Vorgaben bewahren (TRE) oder verlassen (RGG) kann; https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Homosexualit%C3%A4t<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref87\" name=\"_ftn87\">[87]<\/a>\u00a0 M.Honecker, Kirche und Homosexualit\u00e4t. M\u00e4nnerwerk der Ev.Kirche im Rheinland, 1993, S.2; vgl. schon S.Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1925): Gesammelte Werke, hg.v. A.Freud, V, 1972, S.13ff., der Homosexuelle als \u201esexuell invertiert\u201c beschrieb und zwischen \u201eokkasionell&#8220;, \u201eamphigen&#8220; und \u201efix gepr\u00e4gt\u201c unterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref88\" name=\"_ftn88\">[88]<\/a>\u00a0 A.&amp;U.Eibach-Bialas, Homosexualit\u00e4t-gottgewollt? in: M.Aust \/ H.-Chr.Gensichen \/ Th.S.Hoffmann, Christlicher Glaube und Homosexualit\u00e4t, 1994, S.170 A.1.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref89\" name=\"_ftn89\">[89]<\/a>\u00a0 Ausf\u00fchrlich: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C2%A7_175 ; die von der Homo-Lobby befeuerte \u00f6ffentliche und fachliche Diskussion hatte dieser Entkriminalisierung jahrelang vorgearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref90\" name=\"_ftn90\">[90]<\/a>\u00a0 Die Initiative ging 1987\/88 von der Markuskirchengemeinde im Kirchenkreis D\u00fcsseldorf-Ost aus; zuvor hatte bereits der \u00d6ffentlichkeitsausschu\u00df \u201eerkannt, da\u00df die homosexuelle Bindung manche Merkmale der Ehe tragen kann.&#8220;: HL, S.13.53.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref91\" name=\"_ftn91\">[91]<\/a>\u00a0 Vgl. seine vernichtende Kritik in der Stellungnahme der Ev.-Theol. Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn, 1996, die in dem Satz gipfelt: \u201eDas Diskussionspapier taugt nicht als Wegweisung. Es tr\u00e4gt vielmehr aufgrund seines willk\u00fcrlichen Bibelgebrauchs und aufgrund seiner einseitigen Perspektive eher zur Desorientierung als zur Kl\u00e4rung bei.&#8220; (S.11)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref92\" name=\"_ftn92\">[92]<\/a>\u00a0 HL, S.3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref93\" name=\"_ftn93\">[93]<\/a>\u00a0 Vgl. K.Barth, Evangelium und Gesetz, 1935<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref94\" name=\"_ftn94\">[94]<\/a>\u00a0 Vgl. Gen 1,27f.; 2,18ff.; Ex 20,14; Lev 20,10; Dtn 24,1ff.; Mk 7,21f.; 10,1ff.; Mt 5,27ff.; Lk 7,36ff.; 16,18; Joh 2,1ff.; 8,2ff.; 1.Kor 6,9; 7,1ff.; 9,5; 11,3ff.; 1.Thess 4,3ff.; Eph 5,22ff.; Kol 3,18f.; 1.Tim 2,8ff.; 3,2; Tit 1,6; 2,4ff.; 1.Petr 3,1ff.; 2.Petr 2,14; Hebr 13,4.14 und W.Schrage, Ethik des Neuen Testaments, NTD, 1982, S.92ff.213ff.234ff.305. Man kann fragen, warum sich die sexualethischen Ansichten Stuhlmanns von denen seines Lehrers Schrage so unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref95\" name=\"_ftn95\">[95]<\/a>\u00a0 Gen 19,4ff.; Lev 18,22; 20,13; Ri 19,22ff.; R\u00f6m 1,26f.; 1.Kor 6,9ff.; 1.Tim 1,8ff. M.Noth, Das dritte Buch Mose, ATD 6, 1966<sup>2<\/sup>, S.117, bemerkt zu den Stellen des Heiligkeitsgesetzes, es handele sich um \u201eallgemein nicht statthafte und vor allem widernat\u00fcrliche Geschlechtsbeziehungen&#8220;; W.Schrage, aaO., S.194, zu Paulus: \u201eWo aus der Natur Unnatur wird (konkret ist solches ,unnat\u00fcrliche&#8216; Verhalten hier offenbar Homosexualit\u00e4t), ist das f\u00fcr ihn ein Symptom des Abfalls von Gott (R\u00f6m 1,26).&#8220; Nur Gen 19 und Ri 19 handelt es sich um homosexuelle Gewalt; bei den \u201eKnabensch\u00e4ndern&#8220; und \u201eLustknaben&#8220; von 1.Kor 6,9 geht es um die in der griechischen Antike vorkommende, aber auch kritisierte P\u00e4derastie. &#8211; Da\u00df die Sexualit\u00e4t Mann und Frau auch gegenseitig Lust, Freude und Befriedigung bereitet und insofern ein guter, wesentlicher Ehezweck ist, zudem &#8211; ebenso wie Kinder &#8211; ein wichtiger Ehestabilisator sein kann, also keineswegs nur oder doch haupts\u00e4chlich zur Lebensweitergabe geschaffen wurde, wie die katholisch-p\u00e4pstliche Ethik meint, braucht hier nicht weiter betont zu werden. Vgl. die Pastoralkonstitution \u00fcber die Kirche in der Welt von heute (Gaudium et spes) des 2.vatikanischen Konzils, 1965, 48\/1, die Enzyklika humanae vitae von Paul VI., 1968, deutsche Ausgabe S.9, und den Katechismus der katholischen Kirche, 1993, deutsche Ausgabe, 1604,1652.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref96\" name=\"_ftn96\">[96]<\/a>\u00a0 HL, S.7<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref97\" name=\"_ftn97\">[97]<\/a>\u00a0 HL, S.56<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref98\" name=\"_ftn98\">[98]<\/a>\u00a0 HL, S.67ff. nennt drei Titel von dem mittlerweile als Kindersch\u00e4nder \u00fcberf\u00fchrten H.Kentler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref99\" name=\"_ftn99\">[99]<\/a>\u00a0 Die Versuche des Psychiaters M.Bailey und des Genetikers D.Hamer (beide USA), ein Homo-Gen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 nachzuweisen, wurde von kanadischen Kollegen um den Neurologen G.Rice widerlegt: Science 284, 1999, S.571ff.665ff. Vgl. M.Aust \/ H.-Chr.Gensichen \/ Th.S.Hoffmann, Christlicher Glaube und Homosexualit\u00e4t, aaO., S.143.150.158ff.; G.J.M. van den Aardweg, Das Drama des Homosexuellen, 1995<sup>3<\/sup>, S.54ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref100\" name=\"_ftn100\">[100]<\/a> Vgl. A.Gehlen, Der Mensch, 1978<sup>12<\/sup>, S.26ff.58ff.329ff.356ff. Jeder heretosexuell lebende Mensch hat auch homoerotische Anteile und ist insofern homo- bzw. bisexuell verf\u00fchrbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref101\" name=\"_ftn101\">[101]<\/a> Zur folgenden Kritik vgl. ausf\u00fchrlicher: E.Volk, Gleichgeschlechtliche Liebe?: Glaube und Heimat, Febr.- M\u00e4rz 1994;\u00a0 M.Honecker, Kirche und Homosexualit\u00e4t, aaO. 1993?; U.Eibach, Homosexualit\u00e4t und Kirche, 1993\/94??, R.Vogels, Die Abschaffung der Trauung &#8211; wie die Evangelische Kirche die Liebe zerst\u00f6rt: Idea-Dokumentation 11\/1996 Was wird aus der Ehe?, S.23ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref102\" name=\"_ftn102\">[102]<\/a> HL, S.39f.; schon ein Blick in den Gesenius beweist das Gegenteil: \u05ea\ufb4b\ufb20\u05b5\u05d1\u05b8\u05d4 bedeutet Greuel im kultischen <em>und<\/em> sittlichen Sinne; ein Bezug auf polytheistische Kulte ist an den genannten Stellen nicht erkennbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref103\" name=\"_ftn103\">[103]<\/a> SuLTuS, S.47; diese feministisch-antipatriarchalische, absurd klingende Eisexegese hat mit normaler, wissenschaftlicher Exegese nichts zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref104\" name=\"_ftn104\">[104]<\/a> SuLTuS, S.94; aber wie kann in Gen 1+2 die Homosexualit\u00e4t im Blick sein, wo es <em>nur<\/em> einen Mann und eine Frau, Adam und Eva, gab?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref105\" name=\"_ftn105\">[105]<\/a> HL, S.42ff.; anders als diese banal-b\u00f6sen exegetischen Tricks und Kniffe E.K\u00e4semann, An die R\u00f6mer, HNT, 1974<sup>3<\/sup>, S.44f.; U.Wilckens, Der Brief an die R\u00f6mer, EKK VI\/1, 1987<sup>2<\/sup>, S.109f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref106\" name=\"_ftn106\">[106]<\/a> R\u00f6m 1,26, wo Paulus sie erw\u00e4hnt, wird SuLTuS, S.46, so interpretiert: \u201e,Widernat\u00fcrlicher Verkehr&#8216; von Frauen (R\u00f6m 1,26) ist nur als Verkehr mit m\u00e4nnlichen Tieren (3.Mose 18,23; 20,16) oder als heterosexueller Analverkehr bekannt.&#8220; Wo steht das bei Paulus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref107\" name=\"_ftn107\">[107]<\/a> SuLTuS, S.48f., unter Verweis auf 1.Kor 7,4; ganz anders W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther: EKK VII\/2, 1995, S.48ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref108\" name=\"_ftn108\">[108]<\/a> Vgl. dagegen 1.Tim 3,2.12; Tit 1,6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref109\" name=\"_ftn109\">[109]<\/a> Die vom Theologischen Ausschu\u00df nicht wahrgenommene Hl.Schrift \u201edifferenziert&#8220; hier eben <em>bewu\u00dft <\/em>nicht. &#8211; Die freundschaftliche Liebe von David und Jonathan (1.Sam 18,1ff.; 19,1; 20,17.41; 2.Sam 1,26) mu\u00dfte sich ohne wirkliche exegetische Gr\u00fcnde homoerotisch Mi\u00dfdeutung gefallen lassen; David und Jonathan, die Frau(en) und Kinder hatten, w\u00e4ren dann bisexuell gewesen. Anders W.Dietrich, Samuel I, BK VIII\/2, 2015, S.414ff.; II, BK VIII\/3, 2019, S.270.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref110\" name=\"_ftn110\">[110]<\/a> HL, S.48, \u00e4hnlich S.52f. Im NT sind nicht Ehe (1.Kor 7,9), Sexualit\u00e4t (1.Kor 7,1ff.) oder Homosexualit\u00e4t, sondern in diesem ganzen leiblichen Bereich nur die \u00fcbernat\u00fcrliche Enthaltsamkeit (Luther: Keuschheit) ein eschatologisches Charisma (Gal 5,23). Vgl. zu 1.Kor 7 und den paulinischen Charismen: M.Luther, Das siebente Kapitel S.Pauli zu den Corinthern (1523): WA 12,95ff.; W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, aaO., S.48ff.; M.Wolter, Paulus, 2011, S.152ff.199.263ff.327ff. sowie 1.Kor 12,4ff.; R\u00f6m 12,6ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref111\" name=\"_ftn111\">[111]<\/a> SuLTuS, S.44.62.74.92.94<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref112\" name=\"_ftn112\">[112]<\/a> Vgl. den barthianischen Jargon: HL, S.47; SuLTuS, S.62.65.67f.87. K.Barth hatte dagegen in seiner Sch\u00f6pfungsethik, KD III\/4, 1951, S.184f., Homosexualit\u00e4t als \u201ewidernat\u00fcrliche Krankheit, Perversion, Dekadenz, wo der Mensch die Geltung des g\u00f6ttlichen Gebots (n\u00e4mlich der Mitmenschlichkeit) durchaus nicht wahrhaben will,&#8220; beschrieben. Differenzierter urteilte H.Thielicke, Theologische Ethik III, 1964, S. 788ff., der zwar von einer \u201eSch\u00f6pfungsst\u00f6rung&#8220; sprach, sich aber gegen die Bestrafung und Diskriminierung Homosexueller wandte. T.Rendtorff, Handbuch der christlichen Ethik, 1993, S.183, favorisiert statt \u201eSch\u00f6pfungsordnung&#8220; den Begriff \u201eSch\u00f6pfungsangebot Gottes&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref113\" name=\"_ftn113\">[113]<\/a> SuLTuS, S.67f.90<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref114\" name=\"_ftn114\">[114]<\/a> Daf\u00fcr steht u.a. der atl. und ntl. Begriff \u201eFleisch&#8220;. Da\u00df die allen Menschen au\u00dfer Jesus gemeinsame Grunds\u00fcnde nicht auf der freien Entscheidung des einzelnen Menschen gegen Gott beruht, sondern ihm von Adam und Eva her vererbt wird, bedeutet nicht, da\u00df die einzelnen, verschiedenen, individuellen Tats\u00fcnden, die man tun oder lassen kann, erblich w\u00e4ren &#8211; etwa durch ein Triebt\u00e4ter- oder Homogen. Hier w\u00e4re zwischen moralischer Oberfl\u00e4che und theologischer Tiefendimension zu \u201edifferenzieren&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref115\" name=\"_ftn115\">[115]<\/a> Vgl. SuLTuS, S.65f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref116\" name=\"_ftn116\">[116]<\/a> HL, S.35<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref117\" name=\"_ftn117\">[117]<\/a> Neben der rheinischen Kirche tobte der Kampf um die Homo-Trauung besonders in der bayrischen und w\u00fcrttembergischen Kirche. Vgl. die von 21 Gruppen, auch vom Luth. Konvent i.Rh., unterschriebene 1.+\u201eBonner Erkl\u00e4rung&#8220; von 2014: M.Aust \/ H.-Chr.Gensichen \/ Th.S.Hoffmann, Christlicher Glaube und Homosexualit\u00e4t, aaO., S.201f.; https:\/\/marjorie-wiki.de\/wiki\/Bonner_Erkl%C3%A4rung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref118\" name=\"_ftn118\">[118]<\/a> SuLTuS, S.1<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref119\" name=\"_ftn119\">[119]<\/a> M.Aust \/ H.-Chr.Gensichen \/ Th.S.Hoffmann, Christlicher Glaube und Homosexualit\u00e4t, aaO., S.11 A.3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref120\" name=\"_ftn120\">[120]<\/a> Siehe dazu weiter unten Nr.5, S.23f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref121\" name=\"_ftn121\">[121]<\/a> SuLTuS, S.2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref122\" name=\"_ftn122\">[122]<\/a> Vgl. den \u201eAufruf an die Landessynode&#8220; des Luth.Konvents v. 31.12.2015.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref123\" name=\"_ftn123\">[123]<\/a> Nur in den Kirchen W\u00fcrttembergs, Mitteldeutschlands und Bremens bedarf es der Zustimmung der Gemeinden: https:\/\/www.evangelisch.de\/inhalte\/111225\/20-10-2022\/segnung-homosexueller-bunt-wie-ein-regenbogen. Der Gewissensschutz bibeltreuer PfarrerInnen soll wie in Hessen-Nassau allm\u00e4hlich aufgehoben \u00a0werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref124\" name=\"_ftn124\">[124]<\/a> Vgl. dagegen die Stellungnahme des Luth. Konvents: Keine Homo-\u201eEhen&#8220; im Pfarrdienst! v. 19.3.2011.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref125\" name=\"_ftn125\">[125]<\/a> https:\/\/www.ekd.de\/22591.htm &#8211; Nr.51.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref126\" name=\"_ftn126\">[126]<\/a> SuLTuS, S.92.94<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref127\" name=\"_ftn127\">[127]<\/a> Vgl. den R\u00fcckblick von W.Sickinger, Kirche und Staat als Abbruchunternehmer: Ev.Sammlung i.Rh., 2000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref128\" name=\"_ftn128\">[128]<\/a> Heterosexuelle Trauungen in der EKD von 63.643 (2000) \u00fcber 51.882 (2010) auf 10.340 (2020), in der EKiR von 7.353 (2000) \u00fcber 5.239 (2010) auf 1.544 (2021); \u00fcber die Homotrauungen gibt es kaum verl\u00e4\u00dfliche Zahlen; in der rheinischen Kirche gab es von 2000-2015 nur 46 Homo-Segnungen, in der badischen und westf\u00e4lischen Kirche j\u00e4hrlich ca. 20-30.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref129\" name=\"_ftn129\">[129]<\/a> Katechismus der\u00a0 Katholischen Kirche, aaO., Nr.2357ff.; \u00e4hnlich die Note der Glaubenskongregation zu Homo-Ehen an katholische Politiker, 2003. Die \u00d6kumene war der Ev.Kirche i.Rh. entgegen allen Beteuerungen also wenig wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref130\" name=\"_ftn130\">[130]<\/a> Anstatt sich in dieser Frage auf \u201edas prophetische und apostolische Zeugnis der Heilgen Schrift Alten und Neuen Testaments&#8220; zu gr\u00fcnden (Grundartikel KO) und die Bibel in der Kirche \u201edie einigen Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilt werden&#8220; (FC: BSLK S.767), sein zu lassen, wurden nach Ketzerart unbiblische Meinungen \u00fcber die Hl.Schrift und Gottes Wort gestellt und ihre\u00a0 Aussagen ins Gegenteil verkehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref131\" name=\"_ftn131\">[131]<\/a> Vgl. CA 16; SA III,11; Kl.Kat. I,6; Traub\u00fcchlein; Gr.Kat. I,6: BSLK, S.70f.459.508f.528ff.610ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref132\" name=\"_ftn132\">[132]<\/a> W\u00e4hrend die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung III die \u201efalsche Lehre&#8220; verwarf, \u201eals d\u00fcrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugungen \u00fcberlassen&#8220;, wurde dies in der rheinischen Kirche ganz bewu\u00dft betrieben, also trotz aller r\u00fchmenden Gedenkreden das im Grundartikel der KO erw\u00e4hnte Barmen praktisch verabschiedet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref133\" name=\"_ftn133\">[133]<\/a> Vgl. Fr.Nietzsche, Also sprach Zarathustra (II,12 Von der Selbst\u00fcberwindung) und die Notizen aus dem Nachla\u00df: Werke, hg.v. K.Schlechta, 1969<sup>6<\/sup>, II, S.643ff.; IV, S.116.267f.292.340ff.367ff.446ff.479ff.487f. 508f.u.\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref134\" name=\"_ftn134\">[134]<\/a> Idea-Pressedienst v. 11.+18.8.2015; vgl. Lk 24,26f.44ff.; 1.Kor 15,3; Phil 2,8; R\u00f6m 8,32; Hebr 9,1ff. u.\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref135\" name=\"_ftn135\">[135]<\/a> Chrismon plus Rheinland Nr.4\/2009<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref136\" name=\"_ftn136\">[136]<\/a> Der Spiegel Nr.30\/2013; vgl. Mt 1,18ff.; Lk 1,26ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref137\" name=\"_ftn137\">[137]<\/a> Idea 14\/2016; vgl. Mk 16,1ff.par; Joh 20,1ff.; Apg 2,27ff.; 13,34ff.(Ps 16,10 LXX) u.\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref138\" name=\"_ftn138\">[138]<\/a> Die Zeit\/Christ und Welt Nr.36 v. 26.8.2020; FAZ v. 11.1.2021; vgl. Ex 20,13; Mt 5,21ff.; Mk 10,19; R\u00f6m<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13,9ff. u.\u00f6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref139\" name=\"_ftn139\">[139]<\/a> Idea 42\/2021; vgl.\u00a0 Apg 4,12; Phil 2,10.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref140\" name=\"_ftn140\">[140]<\/a> Vgl. zum Folgenden auch die Analysen von Udo Schelle, Die Kirche spielt mit ihrer Zukunft: Idea Nr. 28\/2018, S.16ff.; Norbert Bolz, Volkskirche ohne Volk: Die Tagespost v. 18.7.2020, und besonders das Buch von Alexander Garth, aaO., denen ich weitgehend zustimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref141\" name=\"_ftn141\">[141]<\/a> Die EKD-Texte: Kirche der Freiheit, 2006; 11 Leits\u00e4tze f\u00fcr eine aufgeschlossene Kirche, 2020<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref142\" name=\"_ftn142\">[142]<\/a> W\u00e4hrend Jesus seinen J\u00fcngern die eindringliche eschatologische Mahnung gab: \u201eTrachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit&#8220; (Mt 6,33), trachten die EKD-Kirchenoberen seit 1988 im \u201ekonziliaren Proze\u00df&#8220; unter s\u00e4kularer Umdeutung biblischer Begriffe quasipolitisch nach \u201eFrieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung&#8220;, pazifistisch-sozialistisch-\u00f6kologisch korrekt aber f\u00fcr jeden \u00fcber die Menschenwelt hinaus Fragenden hoffnungslos!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref143\" name=\"_ftn143\">[143]<\/a> W\u00e4hrend Pr\u00e4ses Rekowski mir durch seinen Kanzleibeamten von der Heidt eine freundliche, aber nichtssagende Antwort zukommen lie\u00df, bat mich mein Studienfreund Kirchenpr\u00e4sident Dr.h.c. Schad vor seinem Eintritt in den Ruhestand immerhin zu einem Gespr\u00e4ch ins Kirchenpr\u00e4sidium nach Speyer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref144\" name=\"_ftn144\">[144]<\/a> Vgl. M.Weber, Soziologie- Universalgeschichtliche Analysen &#8211; Politik, hg.v. J.Winckelmann, 1973<sup>5<\/sup>,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">S.317.338.378ff.472.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref145\" name=\"_ftn145\">[145]<\/a> Vgl. Fr.Gogarten, Verh\u00e4ngnis und Hoffnung der Neuzeit. Die S\u00e4kularisierung als theologisches Problem, 1953; H.L\u00fcbbe, S\u00e4kularisierung, 1965; Religion nach der Aufkl\u00e4rung, 1986, S.91ff.; P.L.Berger, Zur Dialektik von Religion und Gesellschaft, 1973, S.101ff.; U.Barth \/ B.Schwarze, S\u00e4kularisierung: TRE 29, 1998, S.603ff.; M.Honecker, Theologische Ethik in einer s\u00e4kularisierten Gesellschaft: ZThK 98, 2001, S.236ff.; J.Habermas \/ J.Ratzinger, Dialektik der S\u00e4kularisierung, 2018<sup>2<\/sup>; M.Domsgen, Von Generation zu Generation: Was tun, wenn das nicht mehr zu funktionieren scheint? ZThK 115, 2018, S.474ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref146\" name=\"_ftn146\">[146]<\/a> Der Begriff stammt wohl vom EKD-Ratsvorsitzenden W.Huber; er l\u00e4\u00dft sich aber schon konsistent auf die konstantinisch-byzantinische Reichskirche und die Machtanma\u00dfung der mittelalterlich-katholischen Papstkirche und den protestantisch-preu\u00dfischen Kulturprotestantismus anwenden. Der selbst \u201ereligi\u00f6se unmusikalische&#8220; J.Habermas warnt vor \u201eeiner kognitiv anspruchslosen Anpassung des religi\u00f6sen Ethos an auferlegte Gesetze der s\u00e4kularen Gesellschaft&#8220;: Dialektik der S\u00e4kularisierung, aaO., S.34.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref147\" name=\"_ftn147\">[147]<\/a> Hier werden die Landessynodalen nicht nur direkt in den Gemeinden gew\u00e4hlt, sondern die Kirchenverfassung schreibt auch eine qualifizierte 2\/3- oder 3\/4-Mehrheit f\u00fcr \u00c4nderungen der Liturgie und KO vor. Ob dies ein wirksames Korrektiv gegen\u00fcber den Zeitgeisteinfl\u00fcssen w\u00e4re, bed\u00fcrfte genauerer Untersuchung. Der Vergleich mit der politischen Ebene, etwa in der Schweiz, r\u00e4umt jedoch bestehende Zweifel nicht aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref148\" name=\"_ftn148\">[148]<\/a> Vgl. Mt 11,5; Mk 1,14; 14,9; 16,15;\u00a0 Lk 4,18; 16,16; R\u00f6m 1,1; 1.Kor 15,1; Gal 1,6ff.; Eph 1,13; Offb 14,6.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref149\" name=\"_ftn149\">[149]<\/a> Vgl. G.W.Fr.Hegel, Enzyklop\u00e4die der philosophischen Wissenschaften, hg.v. Fr.Nicolin u. O.P\u00f6ggeler,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1969, \u00a7 377ff.483ff., S.311ff.389ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref150\" name=\"_ftn150\">[150]<\/a> Vgl. 2.Thess 2,3ff.; 2.Tim 3,4ff.; 1.Joh 2,18ff.; 4,3ff.; 2.Joh 7.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref151\" name=\"_ftn151\">[151]<\/a> Wer solche theologisch geleitete, historische, bei Widerspr\u00fcchen gelegentlich auch kritische Bibelauslegung als <em>fundamentalistisch<\/em> diffamiert, zeigt nur, da\u00df er\/sie das Fundament der Kirche, Jesus Christus als Mitte der Hl.Schrift (Jes 28,16; Ps 118,22; Mk 12,10f.; 1.Kor 3,11; Eph 2,19f.; 1.Petr 2,4ff.), verloren hat. Vgl. die Grundsatzerkl\u00e4rung \u201eSchriftgem\u00e4\u00dfe Schriftauslegung&#8220; des Luth. Konvents i.Rh. v. 4.3.2018: Luth. Nachrichten 39, 2019\/2, S.52ff. und A.Garth, aaO., S.89f.: \u201eDem Protestantismus, der als alleinige Grundlage die Bibel hat, wird das Fundament entzogen. Die Konsequenz dieser Theologie hei\u00dft Atheismus. Dieser fundamentalistische Rationalismus macht aus der gro\u00dfen Geschichte Gottes mit der Menschheit ein armseliges Trauerspiel der Aufl\u00f6sung des Glaubens in lauter harmlose Existentialismen und Moralismen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref152\" name=\"_ftn152\">[152]<\/a> Vgl. Dt. 31,17f.; 2.K\u00f6 22,16f.; 1.Chr 28,9; 2.Chr 7,19f.; 15,2; 24,20; 34,24f.; Jes 1,27f.; Jer 16,11ff.;\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a017,13; Hes 11,22ff. und A.Garth, aaO., S.118f.: \u201eWas aber ist, wenn das Wort nicht das Wort von Christus ist, sondern ein von philosophischen Moden, postmodernen Ideologien oder reduktiven erkenntnistheoretischen Voreinstellungen <em>verf\u00e4lschter<\/em> Jesus, der mit dem Zeugnis der Bibel und der kirchlichen Tradition nicht mehr viel zu tun hat? Ganz einfach! Der Heilige Geist sagt: ,Nicht mein Jesus! da bleib ich zu Hause.&#8216; Gottes Geist macht sich rar.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref153\" name=\"_ftn153\">[153]<\/a> WA 15,32,7<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Niedergang der Evangelischen Kirche &#8211; Ein R\u00fcckblick nach fast 40 Jahren Pfarrdienst im Rheinland[1] 1. Problembeschreibung und hermeneutischer Vorblick Die Evangelischen Kirchen in Deutschland erleben in unserer Generation einen beispiellosen Niedergang. 2021 traten aus der EKD bei ca. 19.725.000 Mitgliedern ca. 280.000 aus (=1,42%), aus der Ev.Kirche im Rheinland bei 2.398.996 Mitgliedern 33.191 (=1,38%).[2] [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":735,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,29,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20298"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/735"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20298"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20310,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20298\/revisions\/20310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}