{"id":20273,"date":"2023-08-26T07:50:16","date_gmt":"2023-08-26T05:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20273"},"modified":"2023-08-26T07:58:41","modified_gmt":"2023-08-26T05:58:41","slug":"theologische-besinnung-zu-daniel-1-von-babylon-nach-berlin-identitaetspolitik-und-christusidentitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20273","title":{"rendered":"Theologische Besinnung zu Daniel 1: Von Babylon nach Berlin &#8211; Identit\u00e4tspolitik und Christusidentit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Jerusalem nach Babylon<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nig Nebukadnezar hatte im Jahr 605 v. Chr. den jungen Daniel und seine drei Freunde Hananja, Mischa\u00ebl und Asarja von Jerusalem nach Babylon deportiert, um sie in einem dreij\u00e4hrigen Kurs f\u00fcr \u201eYoung babylonian Leaders\u201c (junge babylonische F\u00fchrungskr\u00e4fte) an der k\u00f6niglichen Akademie f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte zum Dienst am K\u00f6nigshof und im babylonischen Weltreich auszubilden (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/LUT\/Daniel1\">Daniel 1<\/a>). Nebukadnezar bestimmte nicht nur die Lehrplaninhalte sowie den Speiseplan der Universit\u00e4tsmensa, sondern er lie\u00df den vier Freunden auch neue Namen geben: \u201eUnd der oberste K\u00e4mmerer gab ihnen andere Namen und nannte Daniel Beltschazar und Hananja Schadrach und Mischa\u00ebl Meschach und Asarja Abed-Nego\u201c (Dan 1,7).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es galt als das Recht der Pharaonen sowie assyrischer und babylonischer K\u00f6nige, den Besiegten neue Namen zu geben (1. Mose 41,45; 2. K\u00f6n 23,34; 24,17). Nebukadnezar demonstrierte damit nicht nur die absolute Machtvollkommenheit und Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die jungen Aristokraten aus Juda, sondern auch die vermeintliche \u00dcberlegenheit der babylonischen Gottheiten, nach deren Namen Daniel und seine Freunde nun genannt wurden. Vor allem aber galt es im Sinne einer <em>damnatio memoriae<\/em> (Tilgung des Andenkens), die Erinnerung an Jahwe, den Gott Israels und Sch\u00f6pfer des Universums, den alle vier im Namen trugen (<em>El <\/em>oder <em>Jahwe<\/em>), sowie an das j\u00fcdische Volk und seine Geschichte vollst\u00e4ndig auszul\u00f6schen und die Integration und Assimilation in die babylonische Leitkultur zu beschleunigen. Babylonische Identit\u00e4tspolitik bedeutete die Tilgung der alten und die Setzung einer neuen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Babylon nach Berlin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir blicken von Babylon nach Berlin. Die regierende Ampelkoalition plant ein \u201eGesetz \u00fcber die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag und zur \u00c4nderung weiterer Vorschriften\u201c. Der Gesetzentwurf sieht in \u00a7 2 (Abs. 1) vor: \u201eJede Person, deren Geschlechtsidentit\u00e4t von ihrem Geschlechtseintrag im Personenstandsregister abweicht, kann gegen\u00fcber dem Standesamt nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 45b des Personenstandsgesetzes erkl\u00e4ren, dass die Angabe zu ihrem Geschlecht in einem deutschen Personenstandseintrag ge\u00e4ndert werden soll.\u201c Weiterhin hei\u00dft es in \u00a7 2 (Abs. 2): \u201eMit der Erkl\u00e4rung k\u00f6nnen auch ein neuer Vorname oder mehrere neue Vornamen bestimmt werden.\u201c Das Bundeskabinett hat dem Gesetzentwurf am 23. August 2023 zugestimmt. Was in Babylon noch Recht des K\u00f6nigs war, wird hier im Sinne der Selbstbestimmungsideologie in die Verf\u00fcgungsgewalt des einzelnen Menschen gelegt und sogar \u00fcberboten, weil nicht nur ein neuer Name, sondern auch ein neues Geschlecht gew\u00e4hlt werden darf. Der selbstbestimmte Mensch wird hier zum Ma\u00df aller Dinge gemacht. Er macht sich selbst zum Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Identit\u00e4t als Gabe und Aufgabe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walther L\u00fcthi hat Recht, wenn er schreibt, dass der Geist Nebukadnezars durch die Jahrtausende schreitet, als Geist der Welt, als Zeitgeist. Es ist ein wahrhaft babylonisches Gesetz, das den Geist Nebukadnezars, den Geist des Antichristen, atmet. Denn wie damals in Babylon geht es auch hier um die <em>damnatio memoriae<\/em> des Sch\u00f6pfergottes und die Ausl\u00f6schung der von Gott verf\u00fcgten und im Elternhaus gewachsenen Identit\u00e4t. Denn es ist Gott selbst, der das Geschlecht eines Menschen und damit einen substanziellen Aspekt seiner Identit\u00e4t w\u00e4hlt und bestimmt: \u201eUnd Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn und er schuf sie als Mann und Frau\u201c (1. Mose 1,27). Gott gibt einem jeden Menschen seine geschlechtliche Identit\u00e4t als Gabe und Aufgabe. Sie ist dem Menschen nicht nur in die Seele gepr\u00e4gt, sondern auch durch das Geschlechtschromosom in jede Zelle des K\u00f6rpers, unausl\u00f6schbar und damit jeder Verf\u00fcgungsgewalt des (scheinbar) selbstbestimmten Menschen entzogen. Kein Gesetz dieser Welt, keine Selbstauskunft auf dem Standesamt, keine Einnahme von Hormonpr\u00e4paraten, keine \u201egeschlechtsangleichende Operation\u201c (mit furchtbaren irreversiblen Folgen wie Selbstverst\u00fcmmelung und Unfruchtbarkeit) und keine Namens\u00e4nderung kann diese g\u00f6ttliche Pr\u00e4gung im Leben eines Menschen je ausl\u00f6schen und tilgen. Eine <em>damnatio memoriae<\/em> der von Gott verf\u00fcgten Geschlechtsidentit\u00e4t ist unm\u00f6glich. Wer meint, sein Geschlecht wechseln zu k\u00f6nnen, verf\u00e4llt einer L\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Daniels Treue zum Wort Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur der Geist Nebukadnezars schreitet durch die Jahrtausende. Jesus Christus, Herr \u00fcber die K\u00f6nige auf Erden und der Sieger von Golgatha, schreitet durch die Jahrtausende und bef\u00e4higt Menschen, ein gottgef\u00e4lliges Leben zu f\u00fchren. Daniel widerstand erfolgreich der Identit\u00e4tspolitik Nebukadenezars, als er sich dem k\u00f6niglich verordneten Speiseplan verweigerte: \u201eAber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, dass er sich mit des K\u00f6nigs Speise und mit seinem Wein nicht unrein machen wollte\u201c (Dan 1,8). Daniel war in seinem Gewissen an das Gesetz Gottes gebunden. Speisen, die nach 3. Mose 11 nicht erlaubt waren oder Wein, der zu Ehren der babylonischen G\u00f6tzen getrunken wurde (vgl. Dan 5,4), lehnte Daniel strikt ab. Und obwohl Daniel Nebukadnezar treu diente und dieser ihn Beltschazar nannte (Dan 2,26; 4,5), vollzog er den erzwungenen Namenswechsel f\u00fcr sich nicht. Er nannte sich durchweg mit seinem j\u00fcdischen Vornamen Daniel (z.B. Dan 7,2.15.28; 8,15.27; 9,2; 10,2; 10,7; 12,5) und wurde auch vom Erzengel Gabriel so genannt (Dan 9,22; vgl. 10,11-12). Daniel folgte dem Wort Gottes und widerstand in der Kraft des Heiligen Geistes dem Versuch Nebukadnezars, seine j\u00fcdische Identit\u00e4t auszul\u00f6schen und durch eine babylonische zu ersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die neue Christusidentit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was es heute braucht, sind junge M\u00e4nner und Frauen, die sich wie Daniel die von Gott geschenkte Identit\u00e4t nicht rauben lassen und \u201edie sich im Herzen vornehmen\u201c, ihr Geschlecht als Gabe und Aufgabe begreifen, das es \u2013 durch Anfechtungen und Schwierigkeiten hindurch \u2013 zu entdecken, zu entwickeln und auszuleben gilt. Und es braucht junge M\u00e4nner und Frauen, die ihre Sehnsucht nach einer neuen und heilen Identit\u00e4t nicht im anderen Geschlecht, sondern in einer Begegnung mit und im Glauben an Jesus Christus suchen. Denn: \u201eIst jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden\u201c (2. Kor 5,17). Im Glauben an Jesus Christus werden Menschen, die meinen, im falschen K\u00f6rper geboren zu sein, wieder heil. Sie werden mit ihrem Sch\u00f6pfer und so auch mit ihrem biologischen Geschlecht vers\u00f6hnt und finden zu einer neuen und ewigen Identit\u00e4t in Gott. Und sie erhalten einen neuen Namen, nicht selbstbestimmt, sondern von Gott: \u201eWer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer \u00fcberwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen wei\u00dfen Stein; und auf den Stein ist ein <strong>neuer Name<\/strong> geschrieben, den niemand kennt als der, der ihn empf\u00e4ngt\u201c (Offb 2,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse<\/em><\/p>\n<p><em>Zuerst erschienen in: Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes 2\/2023 (August)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Aufbruch_2_2023.pdf\"><em><u>Sie k\u00f6nnen die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.<\/u><\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Wenn Sie den Aufbruch (kostenlos) abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: <\/em><a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Jerusalem nach Babylon K\u00f6nig Nebukadnezar hatte im Jahr 605 v. 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