{"id":20197,"date":"2023-08-28T05:00:18","date_gmt":"2023-08-28T03:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20197"},"modified":"2023-08-07T10:22:43","modified_gmt":"2023-08-07T08:22:43","slug":"thomas-karker-wie-jesus-mich-gefunden-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=20197","title":{"rendered":"Thomas Karker: Wie Jesus mich gefunden hat"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie Jesus mich gefunden hat.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Momentaufnahmen meines Lebens, die zu einem Ganzen zusammengef\u00fcgt werden.<\/strong><\/p>\n<p><em>Vorher:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin im Mai 1955 in Freiberg \/ Sachsen geboren und in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Meine Eltern sind 2 x nach dem Krieg geflohen. Von Schlesien zuerst nach Sachsen und dann vor dem Mauerbau in den Westen. Dann waren wir ab 1960 in Stuttgart. Dort war das geistliche Familienleben gepr\u00e4gt von katholischer Gesetzlichkeit, man geht zur Messe am Sonntag, man ist sozial engagiert, aber der Glaube hat keinen erkennbaren Sitz im Alltagsleben. Pflichterf\u00fcllung war oberstes Gebot. Man ist anst\u00e4ndig, man l\u00fcgt und stiehlt nicht. Wir haben Selbstdisziplin gelernt. So k\u00f6nnen wir doch vor Gott gerade stehen. Wer immer stetig sich bem\u00fcht, den k\u00f6nnen wir erl\u00f6sen (Goethe) und die kleinen Unebenheiten, Charakterschw\u00e4chen, da wird Gott es am Ende doch bei uns nicht so genau nehmen! Das war die Maxime.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1970 waren wir als Familie vom Norden (Killesberg) in den S\u00fcnden Stuttgarts gezogen, dort auf dem Frauenkopf versahen meine Eltern an einer kleinen Kirche den Mesnersdienst an einer katholischen Kirche. Auf diese Weise wurde ich sehr schnell in den Ministrantendienst beordert, der Helfer des Priesters. Durch den Umzug habe ich alle sozialen Kontakte zu Freunden und fr\u00fcheren Bekannten verloren. Der Weg Freundschaften aufrechtzuerhalten war f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse fast unm\u00f6glich. Zudem ging ich im Stadtzentrum zur Schule, die meisten der Sch\u00fcler in der Klasse kamen aus dem Stuttgarter Westen, so war ich als einer, der von au\u00dferhalb kam, ebenfalls wenig integriert. In dieser Zeit der Einsamkeit habe ich mich sehr intensiv mit der Frage besch\u00e4ftigt: Wer bin ich eigentlich? Wieso bin ich so? Wie ich bin? Diese existentiellen Fragen habe ich versucht mittels Psychologie und Philosophie zu l\u00f6sen. Der Gottesglaube, der ja nur f\u00fcr den Sonntag etwas war, schien mir hier keine ad\u00e4quaten L\u00f6sungsans\u00e4tze zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Abitur war ich in Ellwangen bei der Bundeswehr, und es begann ein stiller, aber unaufhaltsamer Abl\u00f6sungsprozess vom Elternhaus und den dort erfahrenen religi\u00f6sen Traditionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Glaube an Jesus nicht mehr bewirkt als ein bisschen soziales Engagement (Aufnahme von einem Westafrikaner \u2013 Adejemie zwecks Studium \u2013 oder einem Syrer \u2013 Walid el Mecharafie, sowie Unterst\u00fctzung von A. Schweizers Lambarenehospital), dann brauche ich den Glauben auch nicht. Das war die innere Stimme, die mir den Abschied vom Gottesglauben anwies. Gleichzeitig habe ich mich verst\u00e4rkt in die Rockmusik vertieft, viel Platten gekauft, Konzerte besucht, dabei entstandene Freundschaften reichlich genutzt, um Sinnfragen bei Festen heftig zu diskutieren. Irgendwo muss der Mensch ja einen Halt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 1970 war mein erstes Motorrad meine hei\u00dfe Liebe. Mit der Zeit wurden die Motorr\u00e4der immer gr\u00f6\u00dfer, von der einfachen Kreidler TM bis zur R90S BMW, die musste es sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war das Gef\u00fchl der Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit. Mit einem Freund in die Alpen zu d\u00fcsen und auf dem R\u00fcckweg die Schwarzwaldhochstra\u00dfe unsicher zu machen, ja das bringts. Dort war Freiheit, dort war Freundschaft, dort war Anerkennung und Sicherheit. Diese 3 M waren mein Leben: Musik, Motorrad, M\u00e4dchen. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Wein, Weib und Gesang. Das waren meine G\u00f6tter!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Bundeswehr, die ich als Zeitsoldat auf 2 Jahre, mit der Kriegsdienstverweigerung nach 15 Monaten abschloss, ging es stracks ins Studium. TH Karlsruhe war die erste Station.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Dinge waren hier hervorzuheben: Einmal mein Freund Siggi, er studierte mit mir Sp-Mathe. Er sa\u00df 2 Jahre lang in seiner Dachkammer in Durlach, las den Philosophen Nietzsche, und verschlang die Peyote Erfahrungen eines Castaneda. Je mehr ich mich damit befasste, desto undurchsichtiger wurde es mir. Siggi setzte seine gewonnenen Tr\u00e4ume in grauenhafte Bilder um, voller Verzweiflung, voller Sinnlosigkeit. Er lebte Nietzsches Gedanken: Umwertung aller Werte, die Gedanken vom \u00dcbermenschen, es gibt eigentlich nichts, alles ist Einbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wollte ich nicht enden, nur wirre Bilder malen, und es ist alles nichts, ich wollte leben, leben. Sonst kann ich ja gleich Schluss machen, was soll dann der ganze Dreck hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diese Zeit kamen zwei Ereignisse, die mir widerfahren sind, die ich aber damals noch nicht richtig verstanden und einordnen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zum einen wurde mir meine gro\u00dfe Maschine in einer Nacht vom Mittelstreifen der Durlacher Allee gestohlen. Weg, futsch, aus, vorbei. Aber wer den Tomy kennt, wei\u00df, der ist ein Stehaufm\u00e4nnle. Die noch nicht bezahlte Maschine wurde mittels eines Kraftaktes in der Semesterferien wieder zur Realit\u00e4t. Was macht man nicht alles aus Liebe zum Motorrad: Morgens bei der Post Briefe ausgetragen, mittags bei Uli im Fahrradgesch\u00e4ft gearbeitet und Abends bis in die Nacht hinein Malerarbeiten f\u00fcr einen bekannten Immobilienmakler. Dann war alles erledigt. Nach starken 3 Monaten Powerjobben stand die n\u00e4chste 90s mit Gussr\u00e4dern vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das zweite Ereignis war ein Autounfall. Vati und ich waren im Welzheimer Wald vom Sport zur\u00fcckgefahren. Es hatte geschneit, die Stra\u00dfe war \u00fcber eine Waldschneise gef\u00fchrt, man sah in der Mitte bei Schneetreiben eine Fahrspur, mehr nicht. Das letzte Auto war gerade auf der Gegenseite an uns vorbeigefahren, da drehte sich das Auto mehrfach um die eigene Achse und dann ging es den Abhang hinunter, volle Breitseite in die ca. 3 Meter tiefer gelegenen Hecken. Das Auto war mit der vollen Breitseite in die Hecken gerauscht. Mein Vater und ich sa\u00dfen z\u00e4hneklappernd im Auto und wussten nicht, wie uns geschah. Vorsichtig krochen wir \u00fcber die Fahrerseite aus dem Auto. Auf Hilfe brauchten wir auch nicht lange zu warten, es war gleich ein Daimlerfahrer so freundlich und half uns mittels Abschleppseil wieder hoch auf die Stra\u00dfe. Sachschaden = 0. Alles unbesch\u00e4digt. Welch ein Gl\u00fcck, die Sterne standen g\u00fcnstig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass ich diese Heimsuchungen Gottes noch nicht verstanden habe. Das Leben ging ja weiter, als w\u00e4re nichts passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Motorraddiebstahl war ich leider im Fach Biologie (wechsel von Mathe auf Bio) nicht in der Lage meine Klausuren in den Semesterferien zu schreiben. Um einer damaligen Zwangsexmatriklation zu entgegen, beschloss ich den Studienort nach Saarbr\u00fccken zu wechseln. Ein Freund, mit dem ich zusammen gewohnt habe, dachte genauso, und so wollten wir wenigstens das Diplom in Sportwissenschaft abschlie\u00dfen. Gemeinsam gehts eben doch besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Saarbr\u00fccken eine neue Station. Um m\u00f6glichst gleich Anschluss an andere Kommilitonen zu bekommen, bin ich in ein nahe am Campus gelegenes Studentenwohnheim eingezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Tages fragte mich dort ein Kommilitone, ob ich denn am Mittwochabend nicht Lust h\u00e4tte, ihn zu den Campus Christen zu begleiten. Campus Christen, klang recht fromm und als Agnostiker dachte ich: Nun denn, schaden kann es ja nicht, ein bisschen Religiosit\u00e4t, da kann man sicher gut \u00fcber Gott und die Welt diskutieren, und lernt dabei auch neue Leute kennen. Dann verga\u00df ich die Einladung wieder und einige Wochen sp\u00e4ter erst fiel mit ein: Mensch, du wolltest doch mal bei den Schampus Christen, wie ich sie sp\u00f6ttisch nannte, vorbeischauen. Gesagt, getan. Wen traf ich da? Meine Renate, aber das war noch nicht gleich die gro\u00dfe Liebe, sie war eben da. Je l\u00e4nger ich dort als Gast teilnahm, desto unheimlicher wurde es mir: einerseits hatten die etwas, was ich nicht hatte, diese Gewissheit, diese Freude, diese Hoffnung. Andererseits dachte ich, das kann es doch nicht geben, so etwas wie ich es hier erlebe. Hier war ich angenommen, konnte ich der Tomy sein, mit allen Ecken und Kanten. Keine Erwartungen, wie ich mich zu verhalten h\u00e4tte oder so. Sp\u00e4ter erfuhr ich von einem Teilnehmer der Gruppe, dass immer, wenn ich anwesend war, der Abend in der Diskussionsrunde gelaufen war. O, was m\u00fcssen die ausgehalten haben. Solch ein ambivalentes Gef\u00fchl hatte ich: angezogen und abgesto\u00dfen zugleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen waren Renate und ich liiert. Es war uns klar, dass unser Weg zusammen weitergehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam der entscheidende 6.6.1980. Es war Freitagnachmittag, wir fuhren von Saarbr\u00fccken nach Stuttgart mit der Maschine R90S BMW, die zweite. Herrliches Wetter, die Lederkombi war fast zum Schwitzkasten geworden, Renate hatte eine leichte Kombi aus Stoff an. Dann ab nach Stuttgart. Oh war das eine Freude, Autobahn Karlsruhe nach Stuttgart, voll befahren, Kolonne fahren ist nicht. Doch was so ein Motorrad eben ist, nur 2 R\u00e4der, damit konnte man schon in der Kolonne mittig mit 100 fahren. Dann Pforzheim West, Pforzheim Ost, endlich war mal nach langem Kolonnenfahren und Autoh\u00fcpfen ein St\u00fcckchen frei, aufgedreht, das letzte Auto hinter sich gelassen, so mit 110\/120 km\/h aufs Viadukt drauf. Dann wei\u00df ich nur noch wie es geknallt hat, die Maschine bricht mehrfach hinten rechts und links weg, legt sich quer zur Fahrbahn und dann wei\u00df ich nichts mehr. Wache auf, merke, wie man am Helm zerrt. Dann sehe ich noch benommen und verschwommen, wie auf der Fahrbahn jemand zugedeckt herumliegen, dann wieder Nacht. Wache im Sanka auf, es dreht sich alles, dann wieder alles dunkel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt werde ich im Bett im Pforzheimer Krankenhaus wieder wach, wer liegt neben mir? Meine Renate. Alles steht um uns herum, wir waren auf dem Flur zusammen hinausgefahren worden, alle gratulieren uns: Schwein gehabt, die Sterne standen g\u00fcnstig, was f\u00fcr Gl\u00fcckspilze und dergleichen Spr\u00fcche mehr. Wir wurden informiert, was alles fehlte oder besser gesagt, was noch dran war. Alles war noch dran, ich hatte eine Gehirnersch\u00fctterung, Renate ebenfalls und dazu noch das Schl\u00fcsselbein gebrochen. Sonst nichts. Unm\u00f6glich! Sonst kratzt man die Reste bei solch einem Motorradunfall noch von der Fahrbahn, damit man noch etwas f\u00fcr den Sarg hat. Ich wette 10 Millionen zu 1, dass das so, wie es bei uns ausgeht, nicht nochmals passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kripo teilte mir sp\u00e4ter mit, dass die Unfallursache die defekte Aluminium-Gussfelge gewesen war. Aus ihr ist ein St\u00fcck herausgebrochen (Materialfehler) und dies h\u00e4tte den Sturz verursacht. Pause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Krankenheus hatten wir ja auch reichlich Ruhe um \u00fcber all das, was da so ungeheuerlich abgelaufen ist zu r\u00e4sonieren. Sollte es alles Zufall, Gl\u00fcck, Sternstunden gewesen sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nachher:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das konnte es nicht sein! Alles nur Gl\u00fcck, Zufall. Wir erkannten sofort in unserem Herzen: eigentlich m\u00fcssten wir tot sein. So etwas \u00fcberlebt keiner, das ist nicht normal, normalerweise steigen die Schutzengel bei 120 km\/h ab. Wenn es denn kein Gl\u00fcck etc. war, was dann? Es war mir klar, Gott hat mir jetzt meinen G\u00f6tzen \u201aMotorrad\u2018 genommen. Es war uns klar, im Gericht Gottes, das uns eigentlich gebl\u00fcht h\u00e4tte, w\u00e4ren wir vor seinem Zorn verbrannt, das war uns klar, da h\u00e4tten wir auf 100 Fragen keine Antwort geben k\u00f6nnen. Da w\u00e4re die logische Konsequenz: Thomas, du bist ein H\u00f6llenkandidat! Kein anderer Weg w\u00e4re f\u00fcr dich offen und gangbar gewesen. Du hast dir mit l\u00e4ppischen Fragen als Agnostiker Gott vom Hals halten wollen, mehr nicht. Du wolltest dein eigenes Ding machen. Gott evt. noch als L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer zulassen, aber sonst nichts. Gott m\u00fcsste mich mit jeden Tag mit Eisenbahnschwellen durchwalken, das habe ich verdient! Aber doch nicht den Himmel!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig klar war uns das auf einmal. Von der Schippe gesprungen. Dann kam auf einmal die innere Not: Was jetzt tun? Es war uns beiden v\u00f6llig klar: Jetzt m\u00fcssen wir Gott suchen, er hat \u00fcberdeutlich zu uns gesprochen. Lasst uns keine Zeit verlieren, sonst greift er noch h\u00e4rter in unser Leben ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesagt, getan. Renate wollte ab diesem Zeitpunkt wieder verbindlich in eine Kirchengemeinde gehen. Da habe ich mich gerne wiedergefunden und diesen Vorschlag aufgegriffen. In der Baptistengemeinde in V\u00f6lklingen fanden wir nicht nur die freundlichen Campuschristen wieder, sondern ebenso eine herzliche Aufnahme. Uns wurde auch schnell bewusst, das neue Leben hat neue Leitlinien, die es f\u00fcr uns in der Bibel zu entdecken galt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe angefangen eifrig die Bibel zu lesen. Der Bibellesezettel der Aidlinger Schwestern war ab diesem Zeitpunkt mein st\u00e4ndiger morgendlicher Begleiter. Gelesen, gelesen, nichts verstanden, und wieder nichts verstanden. Dann riet mir jemand. Thomas, ich habe hier eine Bruns \u2013 Bibel mit Kommentaren, ist das was f\u00fcr dich. Nat\u00fcrlich war das was f\u00fcr mich, denn ich entwickelte pl\u00f6tzlich einen Hunger nach dem Wort Gottes, das sich nicht mal ansatzweise mit dem Bibellesen befriedigen lie\u00df. Ich wollte verstehen, ich wollte begreifen, ich wollte Zusammenh\u00e4nge erkennen. O, es gab so viel zu entdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es kam ganz anders, nicht ich entdeckte die gro\u00dfen Spuren Gottes, sondern Jesus sprach ganz still und leise immer wieder von meiner Schuld. Da waren offensichtlich noch einige Leichen im Keller, die jetzt erst zu modern und zu sticken anfingen, als Jesus seinen Finger darauf legte. Nun, die kleinen Dinge lassen sich so vom Tisch wischen, doch was war mit vielen Dingen in meinem Zimmer, die mir gar nicht geh\u00f6rten, die waren auch nicht ausgeliehen, die waren schlicht und einfach gestohlen! Ich las dort: Du sollst nicht stehlen! Da wurde es mir mulmig. Ich schaute im Zimmer herum: o, das hast du dort her, jenes hast du bei einem Freund mitgehen lassen, der hat davon ja genug gehabt. Und \u00fcberhaupt die Dinge aus dem Kaufhaus, wo ich einmal gearbeitet hatte, da war sowieso genug da. Und wenn ich an die Abteilungsleiter dachte, wie die mit vollen Packtaschen aus dem Notausgang herauskamen und das Zeug gleich ins Auto warfen, dann waren wir, mein Kumpel in der Abteilung Fahrrad und ich, ja noch Sauberm\u00e4nner. Das machen doch sowieso alle! Ausreden \u00fcber Ausreden. Lieber Herr Jesus, lass doch die Vergangenheit ruhen, ich will doch von vorne anfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die N\u00e4chte wurden seit dem Zeitpunkt immer k\u00fcrzer, die Ausreden immer l\u00e4nger, doch den l\u00e4ngsten Atem hat unser Herr Jesus gehabt. Was machen? Ich schrie zu ihm: Herr vergib! Herr vergib! Doch die Gebete blieben an der Zimmerdecke h\u00e4ngen. Immer wieder, immer wieder! Kein Frieden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir damals schon in der Navigatorenarbeit in Stuttgart waren, habe ich den Leiter der dortigen Arbeit um ein Gespr\u00e4ch gebeten, um ihm die ganze Sache vorzulegen. Peinlich, peinlich. Aber der Leiter konnte mir helfen. Er sagte mir, dass er so etwas von sich auch kenne. Autounfall, vorne rechts war die Seite kaputt, da hat er den alten Schaden hinten links auch gleich auf Versicherungskosten mitmachen lassen. Als er Christ wurde, hat im Jesus auch diese Schuld gezeigt und er war dann zur Versicherung gegangen, hatte sich selbst angezeigt und den Schaden nachtr\u00e4glich zur\u00fcckgezahlt. Er sagt zu mir: Thomas, wenn Jesus dir das jetzt so zeigt, dann gehe ins Kaufhaus und lege alles auf den Tisch! Ich sagte: Lieber Bruder, wenn ich das mache, dann komme ich in den Knast! Darauf erwiderte er: Wenn Jesus dir das jetzt so zeigt, dann gehe hin, er wird auch f\u00fcr alles andere sorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesagt, getan, es war an einem November-Montag, ich hatte alle gestohlenen Sachen in mehreren Plastikt\u00fcten verstaut, und p\u00fcnktlich um 9 Uhr zur \u00d6ffnung des Kaufhauses war ich zugegen. 6. Stock Filialleitung. Man empfing mich freundlich, bis der Chef eintreffen w\u00fcrde, sollte ich noch warten. Es war gef\u00fchlt eine Ewigkeit, dann durfte ich zum Chef eintreten, meine Plastiktaschen und daran hing ein H\u00e4ufchen Elend. Ich stellte die Plastikt\u00fcten auf den Schreibsekret\u00e4r und erl\u00e4uterte, warum ich ihn jetzt mit den ganzen Sachen aufsuchen wollte. Nat\u00fcrlich erw\u00e4hnte ich, dass ich vor 8 Jahren in seinem Haus in der Fahrradabteilung der Monteur war, und in dieser Zeit all die Sachen entwendet hatte. Der gute Chef schnappte nach Luft, lie\u00df sich auf seinen B\u00fcrosessel nieder und sagte kein Wort. Dann telefonierte er. Kurze Zeit sp\u00e4ter erschienen 2 brummige Kleiderschr\u00e4nke, es waren die Kaufhausdetektive. Alles ging recht wortkarg zu, ich verabschiedete mich und die beiden Herren eskortierten mich jetzt ins 2. UG wo sie ihr B\u00fcro hatten. Es war ein richtiges Loch dort unten. Wieder erz\u00e4hlte ich meine Geschichte vom Diebstahl als ich vor 8 Jahren als Angestellter bei der Fa. Hertie t\u00e4tig war. Der eine fluchte: Du Idiot, was sollen wir mit dir machen? Dann rief er die Kripo an. Dort erz\u00e4hlte ich nochmals meine Geschichte. Als ich auf mein Christsein zu sprechen kam, fragte er, was ich denn vorher gewesen sei. Ich sagte Heide,\u2026. Die letzten Worte haben sich bei mir dann eingepr\u00e4gt: Wir von der Kripo k\u00f6nnen nichts mehr machen, der Fall ist nach 7 Jahren verj\u00e4hrt. Damit was das Telefonat beendet und ich hatte eine Not weniger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder fingen die Kaufhausdetektive an zu fluchen, sie dachten sich des Falles durch die Polizei entledigen zu k\u00f6nnen, doch es ging jetzt f\u00fcr sie weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemeines R\u00e4tselraten, was machen wir jetzt mit dem \u201aIdioten\u2018! Ich schlug vor, bei den Abteilungen anzurufen, um nachzufragen, ob sie die vielfach nicht benutzten Waren noch verkaufen k\u00f6nnten. Sofort wurden alle Abteilungen angerufen, Computerabteilung, ein nagelneuer Casio Taschenrechner vom Feinsten, 1 x nagelneue Skibindung, \u2026 die Liste war lang, die Waren in der Regel unbenutzt. Doch immer wieder kam die erstaunte Antwort, wie ich es so mitbekam: Was 8 Jahre alt, nagelneu, k\u00f6nnen wir nicht mehr gebrauchen, k\u00f6nnen wir nicht mehr gebrauchen, . . . Als alle infrage kommenden Abteilungen angerufen waren, standen wir wieder am Anfang. Alles unbrauchbar. Wieder Fluchen und St\u00f6hnen der Detektive, es waren mittlerweile schon fast 2 Stunden vergangen. Was nun? Wieder gro\u00dfes R\u00e4tselraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann hatte ich einen Vorschlag: Da ich ja der Fa. Hertie einen Schaden zugef\u00fcgt habe, wollte ich diesen Schaden pekuni\u00e4r wieder ausgleichen. So schlug ich denn vor, ob ich nicht nachtr\u00e4glich die Waren, die ich gestohlen hatte, kaufen k\u00f6nnte. Die Detektive fielen mir fast um den Hals, das schien des R\u00e4tsels L\u00f6sung. Wieder wurde in allen Abteilungen angerufen und nach dem damaligen Preis gefragt. Ja, da kam ein h\u00fcbsches S\u00fcmmchen zusammen. Ich hatte vorsichtshalber einen gr\u00f6\u00dferen Betrag mitgenommen, f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle, dass ich dies so ausgleichen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gingen dann gemeinsam zur Hauptkasse, viele Mitarbeiter kannte ich ja noch von fr\u00fcher und immer wieder wurde ich dann gefragt: Hei Thomas, na kommst du wieder zu uns?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich alles bezahlt hatte, begleiteten mich die beiden Kleiderschr\u00e4nke, jetzt sichtlich froh gestimmt, diesen prek\u00e4ren Fall auf so elegante Weise gel\u00f6st zu haben, hinunter zum Personaleingang, dort wurde ich mit der Bemerkung und dem Dank entlassen: Wenn es nur mehr von der Sorte wie dich g\u00e4be. Ironie des Schicksals.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich drau\u00dfen vor dem Personaleingang stand, hatte ich immer noch die Plastikt\u00fcten voll mit den gestohlenen Sachen in der Hand, doch jetzt wusste ich zum ersten Mal: Diese Schuld ist weg, daf\u00fcr hat mein Herr Jesus am Kreuz bezahlt. Das kommt im Gericht Gottes nie wieder auf den Tisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies war dann der Anfang einer langen Aufr\u00e4umaktion, die ich durchf\u00fchren sollte. Beziehungen wurden bereinigt, sexuelles Fehlverhalten korrigiert, das ganze Leben in einer Generalbeichte auf einer Freizeit einem Bruder ausgesch\u00fcttet. Dem Herrn sei dank, er hat alles immer in hom\u00f6opathischen Dosen offenbart, der Anfang war der schwierigste Teil, aber auch der lohnendste. Die Scheu war \u00fcberwunden, Schuld beim Namen zu nennen und aufzur\u00e4umen. Alle unsere Schuldbew\u00e4ltigungsmechanismen gehen fehl. Wir denken immer: Pst, nichts sagen, das wird schon wieder! Gottes Schuldbew\u00e4ltigungsprogramm h\u00f6rt sich in 1. Joh, 1,9 nicht ganz so scharmant an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wenn wir aber<\/strong> <strong>unsre S\u00fcnden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die S\u00fcnden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Blut Jesu reinigt von aller Schuld, von aller.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen immer zudecken, dass es keiner merkt. Die Kellerleichen d\u00fcrfen nicht zum Vorschein kommen. Gottes Programm ist anders: zuerst deckt er auf und dann deckt er es mit dem Blute Jesu zu. Dann ist die Schuld wirklich weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So habe ich es erfahren und w\u00fcnsche dir, der du das liest, dieselbe Erfahrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Soli deo gloria<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bremen, 1.8.2023<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Jesus mich gefunden hat. Momentaufnahmen meines Lebens, die zu einem Ganzen zusammengef\u00fcgt werden. Vorher: Ich bin im Mai 1955 in Freiberg \/ Sachsen geboren und in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Meine Eltern sind 2 x nach dem Krieg geflohen. Von Schlesien zuerst nach Sachsen und dann vor dem Mauerbau in den Westen. 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