{"id":19985,"date":"2023-05-13T22:44:19","date_gmt":"2023-05-13T20:44:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19985"},"modified":"2023-05-13T22:44:19","modified_gmt":"2023-05-13T20:44:19","slug":"predigt-ueber-joh-157-11-in-jesus-bleiben-bringt-bleibende-frucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19985","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Joh. 15,7-11: In Jesus bleiben, bringt bleibende Frucht."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Johannesevangelium ist nichts f\u00fcr unterk\u00fchlte Analytiker, die einen fortlaufenden Gedankengang suchen, der in logischer Folge Punkt f\u00fcr Punkt aneinander reiht. Nicht umsonst nennt Martin Luther in der ersten Ausgabe seiner deutschen \u00dcbersetzung des Neuen Testaments von 1522, das \u201eJohannisevangelion\u201c das \u201eeinzige zarte rechte Hauptevangelium.\u201c Wir sind also bei Johannes aufgefordert, unsere Logik drau\u00dfen zu lassen und uns mit Liebe einzulassen auf seine umkreisende Denkweise.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine J\u00fcnger. 9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe. 11 Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. (Joh 15,7-11)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer nun um Johannes 15 herumgeht und diesen spiralf\u00f6rmigen Gedanken nachgeht, der wird immer wieder auf die zwei Worte sto\u00dfen: Frucht bringen. Imperativ! Befehlsform: Bringt Frucht! Jesus sagt es beim Abschied zu den paar J\u00fcngern, zu den Treuen, die ihm nicht die Gefolgschaft aufgek\u00fcndigt haben: Bringt Frucht! Und wenn wir mehr sein wollen als kirchliche Trittbrettfahrer, die nur auf- und abspringen, mehr als fromme Spie\u00dfer, die nur lamentieren und kritisieren, mehr als christliche Genie\u00dfer, die nur konsumieren und vegetieren, wenn wir J\u00fcnger sein wollen, Nachfolger, Mitarbeiter, Engagierte, dann gilt dieser Imperativ uns: Bringt Frucht!<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Es geht also nicht darum, dass wir Bl\u00e4tter tragen. Manche tragen ihren Taufschein, ihre Konfirmationsurkunde, ihre Traubescheinigung, ihren Kirchensteuerzettel, ihre Brot-f\u00fcr-die-Welt-Spendenquittung so als fromme Feigenbl\u00e4tter mit sich herum. Sie wollen sich keine Bl\u00f6\u00dfe geben. Aber Bl\u00e4tter sind nicht Frucht.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Es geht auch nicht darum, dass wir Blumen werden. Unser heimliches Ideal ist ein Blumendasein. Ja, eine sch\u00f6ne Blume! Keine Brennnessel, kein Kaktus, aber eine Rose, eine Lilie, wunderbar. Die Farbe soll leuchten, m\u00f6glichst bis zum 90. Lebensjahr, und wenn sie es nicht tut, dann wird ihr mit Puder und Creme nachgeholfen. Der blumige, jugendliche, sch\u00f6ne Mensch ist unser Ideal. Ewige Jugend. Aber Blumen sind nicht Frucht.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Und es geht auch nicht darum, dass wir Bl\u00fcten treiben. Manche Kreise erinnern an schw\u00fcle Treibh\u00e4user. Junge P\ufb02\u00e4nzchen werden von der Welt isoliert, mit schw\u00e4rmerischem Mist ged\u00fcngt und mit abgestandenem Wasser begossen, dann gespritzt, damit sie Bl\u00fcten treiben. Bl\u00fcten des Glaubens und der Fr\u00f6mmigkeit. Dann freut man sich an den seltsamsten Bl\u00fcten, die sich pl\u00f6tzlich entfalten. Aber Bl\u00fcten sind nicht Frucht. Gott wollte doch keinen botanischen Garten, sondern einen Weinberg. Wo unsere Gruppen und Gemeinden nur bl\u00fchen, haben sie das Eigentliche verfehlt. Der Imperativ lautet nicht: Nun bl\u00fcht mal sch\u00f6n! Sondern: Seid fruchtbar! Jesus sieht nicht in der Bl\u00fcte den H\u00f6hepunkt seiner Sch\u00f6pfung, wie sch\u00f6n sie auch sein mag, sondern in der Frucht. Die Frucht entbl\u00e4ttert die Bl\u00fcte, darum f\u00fcrchten wir sie. Wir wollen doch bl\u00fchen. Darum ist es Kennzeichen der bl\u00fchenden Generation, dass sie auf der Flucht ist vor der Frucht.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Hier geht es nicht um Bl\u00e4tter, Blumen, Bl\u00fchten, sondern um Frucht. An vielen anderen Stellen des Neuen Testaments geht es auch darum. Wir kennen das Wort, das schon der T\u00e4ufer Johannes pr\u00e4gte, das Wort von der Axt, die dem Baum an die Wurzel gelegt ist, der nicht \u201erechtschaffene Frucht der Bu\u00dfe\u201c bringt (Mt. 3,8). Fruchtlose Christen sind nicht nur nutzlose Christen, sondern ein Hindernis im Reiche Gottes. Sie geh\u00f6ren zu den sperrigen G\u00fctern, die man abr\u00e4umen muss.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde! Die Kirche ist ein riesiger Baum geworden. Trotz einigem Gegenwind ist aus dem zarten Setzling ein gro\u00dfer Stamm geworden. Viele Zweige geistlichen Lebens bilden eine imposante Krone. Nun kann man sich vor diesen Baum stellen und ihn bewundern oder bel\u00e4cheln. Man kann sich auch unter diesen Baum setzen und sich in seinem Schatten wohl sein lassen. Man kann sich sogar in die Zweige setzen und wie die V\u00f6gel auf alles pfeifen. Aber Jesus will in der Kirche keine Gaffer, G\u00e4hner und Genie\u00dfer, sondern Fr\u00fcchtebringer. Betet mit, ringet mit, arbeitet mit. Das ist gefragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So steht der Evangelist Johannes im Einklang mit allen Zeugen des Neuen Testaments, wenn er ruft: Bringt Frucht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was meint er damit? Was ist Frucht? Man kann allgemein an menschliche Taten denken, an Guttaten und Wohltaten. Aber Johannes 15 meint mehr. Man kann an paulinische Stellen wie Galater 5,22 denken, wo unter dem Stichwort Frucht von Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, G\u00fcte, Glaube, Sanftmut, Keuschheit, auch von Gerechtigkeit und Wahrheit die Rede ist. Aber Johannes 15 meint mehr. Adolf Schlatter, der gro\u00dfe Bibelausleger, vermerkt in seinen Erl\u00e4uterungen zum NT dazu: \u201eDie Menschen, die die J\u00fcnger zu Gott f\u00fchren, die Gemeinde, die durch ihren Dienst zu Gott berufen wird, das ist die Frucht, die an den Reben w\u00e4chst.\u201c So hat der Begriff Frucht einen doppelten Inhalt: Glaubenswachstum und Gemeindewachstum. Frucht bringen hei\u00dft, im Glauben wachsen und evangelistisch etwas bringen. Frucht bringen hei\u00dft, dynamisch etwas bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer auf seinem Glauben sitzenbleibt, ist eine faule Tomate, die nichts bringt. Wenn unserem Glauben keine F\u00fc\u00dfe, keine H\u00e4nde und kein Mund mehr wachsen, dann ist er abgestorben. Wo nur noch ein christlicher Lebensstil ohne missionarischen Elan kultiviert wird, da ist keine auf dem Weinstock gewachsene Frucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also: Bringt viel Frucht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun m\u00fcssen wir heute \u00fcberall etwas bringen. In der Schule sind&#8217;s ordentliche Noten, sonst wird&#8217;s nichts mit dem Studium. Im Betrieb sind&#8217;s hohe St\u00fcckzahlen, sonst geh\u00f6ren wir in kurzer Zeit zum Heer der Arbeitslosen. Im B\u00fcro sind&#8217;s gute Leistungen, sonst bleiben wir auf einer miesen Gehaltsstufe sitzen. Nur wer b\u00fcffelt und strebt, sich auf den Hosenboden setzt und sich ins Zeug legt, der schafft&#8217;s. Kommt also zu aller Plackerei, mit der wir es die Woche \u00fcber zu tun haben: noch am Sonntag ein weiterer Imperativ hinzu: Bringt viel Frucht!? \u2013 Gott sei Dank nicht. Immer wenn es um Frucht geht, wird nicht befohlen und nicht angetrieben, nicht gezwungen und nicht gedroht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch kein Bauer stand vor seinem Obstbaum und kommandierte: \u201eAuf die Pl\u00e4tze, fertig, los! Wer zuerst reift, hat gewonnen.\u201c Auf Kommando w\u00e4chst nichts, auch nicht im Glauben. Fr\u00fcchte lassen sich nicht befehlen. Frucht muss wachsen. Deshalb hei\u00dft es hier nicht: Wer b\u00fcffelt und strebt, wer jagt und hetzt, wer tut und macht, der schafft&#8217;s. Hier steht, und darin liegt das ganze Evangelium, diese frohe Botschaft: \u201eWer bleibt, der bringt.\u201c 6 mal in diesen 5 Versen sto\u00dfen wir auf den Begriff bleiben. Ein Lieblingsbegriff des Johannes. 112 mal taucht er im Neuen Testament auf. 66 mal allein bei Johannes. Deswegen bittet der Kirchenvater Augustinus: Fordere, Herr, was du willst, aber gib uns, was du forderst, so sollst du nicht vergebens befehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dieses Weinstockgleichnis zu verstehen, muss man einmal in einem Weinberg gewesen sein. Im Winter ist es ein trostloser Anblick. Aus der Erde ragen nur ein paar Stecken, die wie abgestorbene, \ufb02eischlose Arme aussehen. Irgendwo liegen ein paar ausgegrabene Pfahlwurzeln, die wegen ihrer L\u00e4nge auffallen. Nichts erinnert an Leben; ein einziges Totenfeld, dieser Weinberg im Winter. Dann wird es Fr\u00fchjahr. Der Winzer kommt und schneidet den Stock so, dass nur der Stamm und zwei \u00c4ste, die nach links und rechts hinausgebunden werden, \u00fcbrig bleiben. Der Weinstock sieht aus wie ein Kreuz. (Bild) Dann treiben die S\u00e4fte. An den Schnittwunden bilden sich kleine Tropfen, die zur Erde fallen. Der Weinstock blutet, sagt der Kenner. Schlie\u00dflich schie\u00dfen \u00fcber Nacht so viel Zweige und Bl\u00e4tter hervor, dass der eigentliche Weinstock v\u00f6llig darunter verschwindet. Ein wahres Wunder der Sch\u00f6pfung, dieser Weinstock im Sommer. Und das bin ich, sagt Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und in dieser Lebenssph\u00e4re sollen wir bleiben. Dies wird uns dadurch erm\u00f6glicht, dass Jesus sagt: \u201eIhr seid die Reben.\u201c Christen sind Zweige am Weinstock Jesu. So einfach hat es unser Gott eingerichtet. Wir sind nicht Wurzeln, die das Wasser suchen m\u00fcssen. Wir sind nicht der Stamm, dem die Tragkraft zugemutet wird. Wir sind nicht die Rinde, die irgendetwas sch\u00fctzen m\u00fcsste. Wir sind erst recht nicht die Krone, die \u00fcber alles hinausreicht. Zweige sind wir, die am Stock bleiben und nehmen, was sie brauchen. Wir m\u00fcssen nicht suchen, wir m\u00fcssen nicht tragen, wir m\u00fcssen nicht sch\u00fctzen, wir m\u00fcssen nicht gl\u00e4nzen, wir m\u00fcssen nur bei ihm bleiben, in ihm drin bleiben. Die organische Wesensverbundenheit mit Jesus ist die Grundlage aller Frucht.<\/p>\n<p><strong>1. Bleibt im Wort Gottes.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Pfarrer erz\u00e4hlt: Zu Hause stand ein kleiner Baum im Garten. Als seine ersten Zweige gr\u00fcn wurden, bekamen die Buben die strikte Anweisung, Fu\u00dfballspiele in gro\u00dfer Entfernung zu veranstalten. Sie taten das schon, aber ein verungl\u00fcckter Strafsto\u00df wurde zum Volltreffer und knickte den sch\u00f6nsten Zweig. Aber nicht nur der Zweig, auch die Buben waren geknickt. Wie konnte dem Zweig vor dem Verdorren und ihnen vor der Strafe geholfen werden? Sie besorgten einen Zwirnsfaden, wickelten ihn um die Bruchstelle und siehe da, der Zweig stand so sch\u00f6n wie vorher \u2013 aber nur einen Tag lang. Dann fiel der Mutter auf, wie die Bl\u00e4tter hingen und welk wurden. Sie entdeckte den Zwirnsfaden, der nichts nutzte. Es gab keine Strafe, aber sie hatten f\u00fcr ihr Leben gelernt, dass Zweige nicht angebunden, sondern nur verbunden leben k\u00f6nnen. Genau das gilt auch hier. Es gibt so viele Zwirnsfadenchristen. Sie sind angebunden an der Kirche, mit dem Faden der Tradition. Sie sind angebunden an den Glauben mit dem hauchd\u00fcnnen F\u00e4dchen der Erinnerung. Sie sind angebunden an den Kreis mit dem Faden der Kameradschaft. Dieses Christsein n\u00fctzt nichts. Dabei kommt nichts heraus. Dieses Christsein welkt. Wir m\u00fcssen nicht angebunden, sondern verbunden sein, in Jesus drin sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies geschieht nach Vers 7 zuerst im Wort. \u201eWenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft das jetzt \u201eim Wort bleiben?\u201c Das ist etwas anderes, als ein oberfl\u00e4chliches H\u00f6ren des Wortes, wo das Wort in das eine Ohr rein und aus dem andern wieder raus geht. Es ist auch etwas anderes, als des mechanische Lesen des Wortes, mit dem man einer religi\u00f6sen Pflicht zu gen\u00fcgen meint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses H\u00f6ren und Lesen ist das erste, aber dann muss es weiter gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was es hei\u00dft, dass seine Worte in uns bleiben, das sehen wir an Maria. \u201eSie bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen.\u201c Das hei\u00dft: sie dachte dar\u00fcber nach, sie verarbeitete sie in ihrem Inneren. Sie lebte davon, sie labte sich daran. Sie st\u00fctzte sich darauf. Die Worte, die sie geh\u00f6rt hatte, waren ihr in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen. Sie wurden ihre Nahrung und ihre Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So m\u00fcssen wir auch mit dem Worte umgehen, es im Herzen bewahren und bewegen. Wenn ich einmal ein triviales Gleichnis brauchen darf: wir m\u00fcssen das Wort wiederk\u00e4uen, so wie die K\u00fche ihr Futter wiederk\u00e4uen. Nur so wird die Kraft ausgenutzt, die in dem Worte enthalten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht uns doch auch so mit der Nahrung f\u00fcr unseren Leib. Es ist ein wahres Wort: \u201eDer Mensch lebt nicht von dem, was er isst, sondern von dem, was er verdaut.\u201c Wer die Speise nicht gen\u00fcgend kaut und zerkleinert, nutzt sie lange nicht so aus, wie der, welcher sie richtig kaut. O, was hat ein Wort Gottes f\u00fcr eine wunderbare Kraft, wenn man es richtig isst! Man wird dadurch gen\u00e4hrt, man erstarkt im inneren Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kommt darauf an, dass wir es h\u00f6ren als Gottes Wort, dass wir es bewegen und bewahren in unserem Herzen, damit es unsere Seelen n\u00e4hren und s\u00e4ttigen und st\u00e4rken kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommt noch das Lesen des Wortes Gottes. Das ist eine \u00fcberaus wichtige Sache. Nur muss es richtig gemacht werden. Wenn man das Wort pflichtm\u00e4\u00dfig und mechanisch liest, wird man nicht viel Nutzen davon haben. Ich habe erst von der Zeit an Segen vom Bibellesen gehabt, als ich angefangen habe, die Bibel mit dem Fragezeichen der Selbstpr\u00fcfung zu lesen. Dadurch wird das Wort lebendig und pers\u00f6nlich, wenn man sich bei dem Lesen des Wortes fragt: Herr, wer bist du? Herr, was soll ich tun? Habe ich das? Wenn man so das Wort Gottes liest, dann f\u00e4ngt \u00fcber dem Lesen der Herr an, mit uns zu reden. Und dann hat man Segen und Gewinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt f\u00e4ngt man an das Wort zu studieren, Jesus ist im AT und NT zu finden, da findet man auf einmal Dinge, die unglaublich sind. Und dann lernen wir das Wort Gottes auswendig, wenn man wie Maria das Wort im Herzen bewegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine sehr wichtige Folge! Dann lernen wir biblisch denken, biblisch reden, biblisch handeln. Das Wort, das wir in uns aufgenommen haben, das uns in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen ist, beeinflusst uns, bestimmt uns, dass wir alles vom Standpunkt der Bibel aus betrachten. Wir sehen die Menschen und die Verh\u00e4ltnisse ganz anders an, als wir fr\u00fcher getan haben. Wir reden anders. Das Wort Gottes wird unsere Triebkraft, unsere Richtschnur, unser Lebensbrot.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>H\u00f6ren, 2. Lesen, 3. Nachdenken, 4. Studieren, 5. Auswendig lernen<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleiben wir im Worte und bleibt das Wort in uns, dann &#8211; bleiben wir in Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt kein Bleiben in Jesus, wenn wir nicht im Worte bleiben. Es hat keinen Zweck, von dem Bleiben in Jesus zu reden und sich danach auszustrecken, wenn wir nicht im Worte Gottes bleiben. Wer ein Bleiben in Jesu erreichen will, ohne treu zu sein im H\u00f6ren und Lesen und Verarbeiten des Wortes Gottes, der wird nur Entt\u00e4uschungen erleben. Warum gibt es so wenig Bleiben in Jesu? Weil es so viel Vers\u00e4umnisse gibt auf dem Gebiet des Bibellesens. Daher so viel oberfl\u00e4chliches, saftloses Christentum. F\u00fcr alles hat man Zeit, aber f\u00fcr die Bibel hat man keine Zeit. Wie soll da ein Bleiben in Jesu m\u00f6glich sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bleiben in Jesu ist zun\u00e4chst ein Bleiben im Wort. Und dieser bleiben in Jesus bringt die Fr\u00fcchte des Geistes in uns hervor aus Gal. 5,22 hervor. Anders geht es nicht. Alle Selbstveredelungsversuche des Humanismus sind leider gescheitert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Luther gibt uns ein praktisches Beispiel, wie wir mit Gottes Wort den Abend beschlie\u00dfen und den Morgen beginnen k\u00f6nnen. Er schreibt seinem Friseur Peter Balbierer \u2013 und das gilt all denen, die heute nur noch mit dem Krimi oder dem Kassettenrekorder schlafen k\u00f6nnen \u2013: \u201eAm Abend musst du eine Stelle aus der Heiligen Schrift in dem Ged\u00e4chtnis mit dir zu Bette nehmen, womit du wiederk\u00e4uend wie das reine Tier sanft einschlafen magst. Und wenn du am Morgen aufstehst, wirst du es wie eine Hinterlassenschaft von gestern vorfinden.\u201c<\/p>\n<p><strong>2. Bleibt im Gebet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so kommt man, ohne dass man es merkt, ins Gebet hinein. So gibt uns das Lesen des Wortes, wenn ich so sagen darf, \u00d6l auf unsre Gebetslampe. So kommen wir in einen wirklichen Umgang mit dem Herrn. So &#8211; bleiben seine Worte in uns, wie es hier hei\u00dft. Und was ist die Folge davon, wenn wir das Wort so als Brot essen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn Ihr in mir bleibt, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren\u201c (Vers 7). Gemeint ist das Gebet in Jesu Namen, das im Grunde nichts anderes will, als was er uns in seiner freigiebigen G\u00fcte zugedacht hat. Wer also im Gebet bleibt, wer im Wort bleibt, wer als Zweig im Weinstock drin bleibt, und daraus seine Kraft bezieht, f\u00fcr den gilt: \u201eWer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Schiene, auf der unser Glaubensleben verl\u00e4uft, ist die Schiene des Wortes, die zweite Schiene ist das Gebet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es kein Bleiben in Jesu gibt ohne ein Bleiben im Wort, so gibt es auch kein Bleiben in Jesu ohne ein Bleiben im Gebet. Darum mahnt Paulus auch immer wieder: \u201eBetet ohne Unterlass.\u201c \u201eHaltet an am Gebet.\u201c Das Gebet muss uns zur zweiten Natur werden. So wie das Atmen uns keine M\u00fche macht, sondern eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist. Wir atmen &#8211; und wissen gar nicht, dass wir atmen. Dann muss uns auch das Beten zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden wie das Atmen. Ist das m\u00f6glich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn das nicht m\u00f6glich w\u00e4re, dann w\u00fcrde Paulus nicht auffordern, ohne Unterlass zu beten, anzuhalten am Gebet. Oder das sog. Herz-Jesu Gebet, \u00e4hnlich wie ein Mantra, vor uns hinlabern. Das geht freilich nicht. Wir haben unseren Aufgaben nachzukommen. Aber er meint, dass wir bei allem in betender Verbindung mit dem Herrn sein und bleiben k\u00f6nnen, dass wir auch w\u00e4hrend der Arbeit, ja w\u00e4hrend der Unterredung immer wieder aufschauen d\u00fcrfen, um einen Blick, einen Seufzer des Gebets auf den Herrn zu richten. So bleiben wir mit ihm in Verbindung, so erf\u00fcllen wir unseren Beruf vor seinen Augen, unter seiner Leitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gehen mit Gebet in den Tag. Es ist so, wie es im Liede hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mein erster Blick, wenn ich erwache,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sind deine Wunden, o Herr Jesu Christ,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und die unendlich gro\u00dfe Sache,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 dass du f\u00fcr mich am Kreuz gestorben bist,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 erf\u00fcllt mit Dank und Staunen meinen Sinn,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und rei\u00dft mein Herz zu deinen F\u00fc\u00dfen hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gehen aber nicht nur betend in den Tag, wir gehen auch betend durch den Tag. In allem schauen wir auf ihn, setzt uns immer wieder in Verbindung mit der g\u00f6ttlichen Kraftquelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir gehen auch betend aus dem Tag. Wir machen es so, wie es in dem Verse hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mein letzter Blick, eh&#8216; ich die Augen schlie\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ist mein Herr Jesus Christ, der f\u00fcr mich wacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mit meinem letzten Denken ich ihn gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 geh&#8216; mit dem Blick auf ihn dann in die Nacht,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und unter seinen Fl\u00fcgeln find&#8216; ich Schutz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und biete allem Sorgengeiste Trutz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist das Leben eines Kindes Gottes, wenn es recht steht, ein Leben des Gebets, ein Bleiben im Gebet, ein Bleiben in Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was hei\u00dft das, wenn der Herr hier sagt: \u201eIhr werdet bitten, was ihr wollt &#8211; und es wird euch widerfahren?\u201c Ist das wirklich so zu verstehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz gewiss. Aber &#8211; die zweite H\u00e4lfte dieses 7. Verses setzt die erste H\u00e4lfte des Verses voraus. Die zweite gilt nicht ohne die erste. Erst m\u00fcssen wir biblisch denken, reden und handeln lernen, erst muss das Wort Gottes in uns zu Fleisch und Blut geworden sein, dann d\u00fcrfen wir bitten, was wir wollen. Denn dann bitten wir auch, was Gott will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andreas Br\u00e4m, einer der Elberfelder Reformatoren des 19. Jhd. Sagt: Die Dinge des Alltags nehmen uns so gefangen, dass wir wieder anfangen m\u00fcssen, biblisch denken zu lernen. Haben wir biblisch denken und reden gelernt, dann werden wir auch biblisch beten lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Willst du dein Beten pr\u00fcfen, ob es biblisch ist, ob es schriftgem\u00e4\u00df ist, dann frage das Gebet des Herrn. Dies Gebet hat der Herr ja nicht dazu gegeben, dass wir immer nur diese Worte sprechen und beten, sondern er hat es uns als ein Mustergebet gegeben, an dem wir unser Beten pr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob es mit des Herrn Willen \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei ersten Bitten fangen an mit \u201edein\u201c &#8211; dein Name, dein Reich, dein Wille. Dann kommen die Bitten mit \u201eunser\u201c und \u201euns\u201c. Wir lernen daraus? Erst kommt Gott! Die Angelegenheiten Gottes sollen uns wichtiger sein als die eigenen Angelegenheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machen wir die Angelegenheiten Gottes zu den unseren, dann macht Gott unsere Angelegenheiten zu den seinigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sehen wir an der Geschichte von Paulus und Silas im Kerker zu Philippi. Gegen Recht und Gesetz waren die Apostel gepeitscht und ins Gef\u00e4ngnis geworfen worden. Was tut jetzt Paulus? Erw\u00e4gt er, wie er freiwerden kann? Nicht im Entferntesten! Sondern er widmet sich dem Kerkermeister und f\u00fchrt ihn zu Christo. Die Angelegenheiten Gottes sind ihm so wichtig, dass er seine eignen dar\u00fcber v\u00f6llig vergisst. Er kommt deswegen nicht zu kurz? Gott regelt die Angelegenheiten des Paulus. Er redet mit den Obersten der Stadt \u00fcber das Unrecht, das sie den beiden M\u00e4nnern getan haben, und er macht sie so bange, dass sie den Kerkermeister veranlassen sie zu entlassen!<\/p>\n<p><strong>3. Bleib in der Liebe.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes Liebe ist eine besondere Sache. Auch in der Kardinalstelle 5. Mose 7,7ff. Ist Erw\u00e4hlung und Liebe zusammengebunden: \u201eNicht hat euch der Herr erw\u00e4hlt, weil ihr gr\u00f6\u00dfer w\u00e4ret als alle V\u00f6lker, sondern weil er euch geliebt hat.\u201c Jesus liebt uns: \u201eWie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch.\u201c Das ist eine Liebeserkl\u00e4rung auf h\u00f6chster Ebene. Wenn schon das Wort der Mutter \u201eIch mag dich\u201c beim Kind ein L\u00e4cheln hervorruft, wenn schon das Wort des Ausbilders \u201eIch sch\u00e4tze dich\u201c beim Lehrling ein ganzes Arbeitsklima ver\u00e4ndert, ja wenn schon das Wort des Liebenden \u201eIch liebe dich\u201c beim Geliebten Purzelb\u00e4ume des Gl\u00fccks ausl\u00f6st, was m\u00fcsste eigentlich in unserem Leben passieren, wenn wir dieses Wort wieder begriffen: Ich liebe dich. Er will nicht nur ein L\u00e4cheln hervorrufen, das Klima ver\u00e4ndern oder Purzelb\u00e4ume ausl\u00f6sen, sondern vollkommene Freude in unser Leben bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vollkommene Freude ist lichtecht und blasst durch die Jahre nicht ab, sie ist wasserecht und keine Fluten k\u00f6nnen ihr etwas anhaben, sie ist kochecht, keine Hitze vermag sie zu vertreiben. Vollkommene Freude ist ewig, denn \u2013 und so wusste es schon der Psalmist (16,11): \u201eVor dir ist Freude die F\u00fclle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus liebt uns. Dies wird weiter dadurch unterstrichen, dass er uns Freunde nennt. Schon Knecht Gottes w\u00e4re ein Ehrentitel f\u00fcr uns. Diesem Herrn als Hilfsarbeiter oder Handlanger zu dienen w\u00e4re schon eine tolle Bevorzugung. Aber Gottes Freunde sollen wir sein, wir, die wir nach dem R\u00f6merbrief elende Menschen sind, die wir nach dem Heidelberger Katechismus geneigt sind, Gott zu hassen, wir d\u00fcrfen ihm so nahe sein. Wer es fassen kann, der fasse es: Jesus liebt uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist es keine Allerweltsliebe. Jesus liebt nicht so wie ein st\u00fcrmischer Liebhaber, dessen lodernde Flamme der Begeisterung vielleicht bald zur Sparflamme wird und dann ganz erlischt. Er liebt \u00fcberhaupt nicht so wie ein Mensch, sondern so wie Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWie mich der Vater liebt, so liebe ich euch auch.\u201c Dieses \u201ewie \u2013 so\u201c kommt immer wieder. \u201eWie mich mein Vater kennt, so kenne ich die Meinen.\u201c (Joh 10,14): \u201eWie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.\u201c (Joh. 20,21) Wer Gottes Liebe erkennen will, muss sich in Johannes 3,16 auskennen. In diesem Herzblatt, wie es Albrecht Bengel nannte, oder in diesem Hauptspruch, wie es Martin Luther zu bezeichnen pflegte, hei\u00dft es: \u201eDenn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden.\u201c So hat Gott geliebt und nicht anders. Gottes Liebe wird nur so offenbart, dass sein einziger Sohn hingegeben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um die Abwehr eines groben Missverst\u00e4ndnisses. Viele meinen n\u00e4mlich, Liebe muss sich in der Erf\u00fcllung ihrer W\u00fcnsche erweisen. Wenn das aber nicht in Erf\u00fcllung geht, was man sich erbittet, dann werden F\u00e4uste gegen den Himmel geballt, dann wird gefragt und geschrien, etwa so, wie bei Wolfgang Borchert: \u201eWo ist die Liebe, wo bleibt sie? Wir haben sie gesucht in jeder Ruine, in jeder Nacht. Du kommst mit unseren langen Listen von Tr\u00e4nen nicht mehr mit, du bist ein M\u00e4rchen, lieber Gott.\u201c Johannes sagt: So hat uns Gott eben nicht geliebt, dass er zum W\u00fcnscheerf\u00fcller geworden ist. Wahre Liebe l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt nicht an der Erf\u00fcllung von W\u00fcnschen messen, sondern nur am Grad ihrer Opferf\u00e4higkeit. Gott aber war hochgradig opferf\u00e4hig. Er gab seinen Sohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther schreibt: \u201eDas hei\u00dft ja nicht einen Groschen geben, ein Auge, eine Kuh, ein K\u00f6nigreich, ja auch nicht den Himmel mit der Sonne und den Sternen, noch die ganze Kreatur, sondern er gab seinen Sohn.\u201c Das hei\u00dft weiter, dass er ihn nicht nur zu uns auf die Erde gab. Er gab ihn f\u00fcr uns in den Tod. Gott hatte ein ganzes Ja zum Kind in der Krippe und zum Mann am Kreuz. Jesus war sein einziger Sohn. Er hatte keinen zweiten. Und das Unfassliche: er gab ihn freiwillig, er gab ihn aus eigenem Entschluss. So opferbereit war Gott, so hat Gott geliebt. Die Frage nach Gottes Liebe muss mit dem Blick auf Jesus beantwortet werden: \u201eSehet dies Wunder, wie tief sich der H\u00f6chste hier beuget, sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget, sehet dies Kind.\u201c Jesus ist die Liebe Gottes in Person. Diese opferbereite, hingebende Liebe, die am Kreuz ihren H\u00f6hepunkt fand, denn \u201eniemand hat gr\u00f6\u00dfere Liebe als die, dass er sein Leben l\u00e4sst f\u00fcr seine Freunde,\u201c diese Opferliebe wendet Jesus uns zu. So und nicht anders liebt er uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht m\u00fcsste man nach Johannes, dem Evangelisten, formulieren: so \u2013 und nicht anders \u2013 liebt Jesus mich. Wenn er damals den Schieber Zach\u00e4us und die Dirne am Jakobsbrunnen genauso gemeint hat wie den Gottsucher Nikodemus und den Lieblingsj\u00fcnger Johannes, dann darf ich mich hier auch wieder finden. Ich bin angesprochen, bin gemeint, bin bei dieser v\u00f6llogen Liebe nicht ausgegrenzt. Augustinus sagt dazu: \u201eEr liebt jeden Einzelnen von uns so, als g\u00e4be es au\u00dfer uns niemand, dem er seine Liebe schenken k\u00f6nnte.\u201c Und Luther erkl\u00e4rt: \u201eGlaubst du, dass du ein Mensch bist? Greif dir nach der Nase, ob du noch genauso einer bist wie ein anderer. Gott hat seinen Sohn nicht dem Teufel oder den Hunden gegeben, sondern dir.\u201c Jesus liebt mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBleibet in meiner Liebe\u201c hei\u00dft nun ganz einfach, alles auf diese Liebe bezogen sein lassen. Diese Liebe treibt uns zum N\u00e4chsten, der diese Liebe noch nicht kennt. Bleibt im Wort, bleibt im Gebet, bleibt in der Liebe, dann bringen wir Frucht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker, Predigt am Sonntag, den 30.4.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Johannesevangelium ist nichts f\u00fcr unterk\u00fchlte Analytiker, die einen fortlaufenden Gedankengang suchen, der in logischer Folge Punkt f\u00fcr Punkt aneinander reiht. 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