{"id":19956,"date":"2023-05-04T12:15:50","date_gmt":"2023-05-04T10:15:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19956"},"modified":"2023-05-04T12:15:50","modified_gmt":"2023-05-04T10:15:50","slug":"grillen-essen-statt-essen-grillen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19956","title":{"rendered":"Grillen essen, statt Essen grillen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai 2021 verk\u00fcndete die EU-Kommission, dass die Larve des gelben Mehlwurms aus der Familie der Schwarzk\u00e4fer als neuartiges Lebensmittel (sog. \u201enovel-food\u201c) zugelassen werden soll. Es folgte im selben Jahr die Zulassung der Wanderheuschrecke\u00a0und der Hausgrille<em>.<\/em>\u00a0Im Januar 2023 traten weitere Durchf\u00fchrungsverordnungen in Kraft, die das Beimischen von Hausgrillen und Larven des Getreideschimmelk\u00e4fers in getrockneter, gefrorener, pulverisierter und pastenartiger Form u.a. in bestimmten Back- und Teigwaren, Cerealien, Fleischersatzprodukten und Snacks zulassen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 2021 war das offensichtlich anders. In der Folge der BSE-Krise war selbst das Verf\u00fcttern von Insektenmehl an Tiere, die Milch geben oder sp\u00e4ter auf dem Teller landen, verboten. Auch als Lebensmittel waren sie nicht zugelassen. Ein Radiobeitrag des Deutschlandfunks aus dem Jahre 2016<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> berichtet auch warum:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Insektenlarven sind sehr fettreich, in den Fettk\u00f6rpern k\u00f6nnen sich Schadstoffe wie z.B. Cadmium anreichern, das zu Nieren- oder Knochensch\u00e4den f\u00fchren kann.<\/li>\n<li>Insekten enthalten allergene Strukturen, die Allergien bis zum anaphylaktischen Schock ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Bei der Zucht von Insekten k\u00f6nnen sich Pilze und andere Erreger verbreiten. Bakterien, Viren, Parasiten, Maden und Insekten ern\u00e4hren sich oft von M\u00fcll und Essensresten. Erreger, die da drinstecken, k\u00f6nnten dann in die Nahrungskette geraten.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verzehr von Insekten wird nicht etwa erm\u00f6glicht und auch propagiert, weil diese als Delikatesse oder als besonders gesundes Nahrungsmittel bekannt w\u00e4ren, sondern um den Fleischkonsum zu drosseln. Das Halten von Nutztieren gilt als klimasch\u00e4dlich, das Schlachten von Tieren widerspricht dem Tierwohl. Wir sollen weniger Fleisch und mehr Insekten essen. Oder anders gesagt: Grillen essen, statt Essen grillen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Bibel wissen wir, dass sich Johannes der T\u00e4ufer von Heuschrecken und wildem Honig ern\u00e4hrte (Mt 3,4). Das war thoragem\u00e4\u00df, denn vier Heuschreckenarten galten dem Volk Israel als reine Tiere, die zum Verzehr zugelassen waren (3 Mose 11,21-22). Keil schreibt, dass die Heuschrecke auch unter arabischen St\u00e4mmen, allerdings vor allem von der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung, verzehrt wurde: \u201eGew\u00f6hnlich werden sie \u00fcber Kohlen oder auf einem Bleche oder im Backofen ger\u00f6stet oder in Butter geschmort und mit Salz, auch wohl Gew\u00fcrz und Essig verzehrt, wobei Kopf, Fl\u00fcgel und F\u00fc\u00dfe weggeworfen werden, oder auch in Wasser mit Salz gekocht und dann mit Salz oder Butter gegessen. Endlich mahlt man sie ged\u00f6rrt auch zu Mehl, aus dem man Kuchen b\u00e4kt.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer den vier genannten Heuschreckenarten galt den Israeliten alles Kleingetier, ob nun Insekten oder Gew\u00fcrm, als unrein und durfte nicht gegessen werden: \u201eWas auf der Erde kriecht, soll euch ein Gr\u00e4uel sein, und man soll es nicht essen. Alles, was auf dem Bauch kriecht, und alles, was auf vier oder mehr F\u00fc\u00dfen geht, unter allem, was auf der Erde kriecht, d\u00fcrft ihr nicht essen; denn es soll euch ein Gr\u00e4uel sein. Macht euch selbst nicht zum Gr\u00e4uel an allem kleinen Getier, das da wimmelt, und macht euch nicht unrein an ihm, so dass ihr dadurch unrein werdet\u201c (3 Mose 11,41-43; vgl. 11,20-23). F\u00fcr Gottes Volk sollten Insekten, W\u00fcrmer und Larven unrein sein, sie durften auf keinen Fall gegessen werden. Wie wir heute wissen, hatte das nicht nur kultische, sondern auch hygienische Gr\u00fcnde. Unter Juden gilt \u00fcbrigens bis heute: Insekten sind keine koscheren Lebensmittel.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Christen sind wir nicht mehr an die j\u00fcdischen Speisegebote gebunden (Mk 7,19; Hebr 13,9). Will man uns allerdings aus ideologischen Gr\u00fcnden umerziehen und den Fleischverzehr madig und Maden schmackhaft machen, dann sind Gottes Weisungen der bessere Ratgeber. Bereits seit den Tagen der Sintflut d\u00fcrfen Menschen Fleisch verzehren (1 Mose 9,3). Ausdr\u00fccklich hei\u00dft es: \u201eSo lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank\u2026 Wenn ihr nun mit Christus den M\u00e4chten der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt: Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anr\u00fchren? Das alles soll doch verbraucht und verzehrt werden. Es sind Gebote und Lehren von Menschen, die zwar einen Schein von Weisheit haben durch selbsterw\u00e4hlte Fr\u00f6mmigkeit und Demut und dadurch, dass sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch\u201c (Kol 2,16.20-23).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gutem Gewissen d\u00fcrfen wir auch in Zukunft Essen grillen, statt Grillen zu essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Aufbruch \u2013 Informationen des Gemeindehilfsbundes 1\/2023 (M\u00e4rz)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Aufbruch_1_2023.pdf\"><em><strong>Sie k\u00f6nnen die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> https:\/\/www.deutschlandfunknova.de\/beitrag\/ernaehrung-endlich-insekten-essen (abgerufen am 6.2.2023)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Carl Friedrich Keil, Biblischer Kommentar \u00fcber die B\u00fccher Mose, Bd. 2, Biblischer Kommentar \u00fcber das Alte Testament (Leipzig: D\u00f6rffling und Franke, 1870), S. 90.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> https:\/\/www.chabad.org\/library\/article_cdo\/aid\/4658850\/jewish\/Are-Bugs-Kosher.htm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mai 2021 verk\u00fcndete die EU-Kommission, dass die Larve des gelben Mehlwurms aus der Familie der Schwarzk\u00e4fer als neuartiges Lebensmittel (sog. \u201enovel-food\u201c) zugelassen werden soll. 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