{"id":19893,"date":"2023-04-13T14:03:15","date_gmt":"2023-04-13T12:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19893"},"modified":"2023-04-17T15:10:09","modified_gmt":"2023-04-17T13:10:09","slug":"offener-brief-an-die-theologischen-ausbildungsstaetten-des-deutschsprachigen-raums-einspruch-gegen-die-noetigung-zur-verwendung-sog-geschlechtergerechter-sprache-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19893","title":{"rendered":"Offener Brief an die theologischen Ausbildungsst\u00e4tten des deutschsprachigen Raums: Einspruch gegen die N\u00f6tigung zur Verwendung sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kollegen und Kommilitonen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der hier vorliegende offene Brief betrifft ein inzwischen allf\u00e4lliges Ph\u00e4nomen, das die Redefreiheit von Dozenten gleicherma\u00dfen wie von Studenten gravierend einschr\u00e4nkt, an Universit\u00e4ten genauso wie an Fachhochschulen und kirchlichen Ausbildungsst\u00e4tten. Es geht um die N\u00f6tigung, statt des generischen Maskulinums eine als \u201einklusiv\u201c deklarierte Sprache zu verwenden. Einer N\u00f6tigung darf man sich, so lange ein Gemeinwesen freiheitlich ist, in aller Regel auch ohne Gr\u00fcnde verweigern. Hier soll es aber darum gehen, ihr argumentativ zu begegnen, womit sich auch der Umfang dieses Gespr\u00e4chsbeitrages erkl\u00e4rt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Verordnungen zu sog. \u201egeschlechter-\u201c oder \u201egendergerechter\u201c Sprache ist der \u00f6ffentliche Bereich dem Zugriff einer gro\u00dfformatigen Sprachplanung ausgesetzt, die durch Eingriffe in die gewachsene Struktur des Deutschen einen k\u00fcnstlichen Sprachwandel herbeizuf\u00fchren sucht, der mit \u00fcblichen Wandlungsprozessen, die von breiten Kreisen der Sprachgemeinschaft getragen und vorangebracht werden, nicht zu vergleichen ist. [1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang wird auch im Hochschulbereich eine zunehmende N\u00f6tigung sp\u00fcrbar, sich gegenderter Sprache zu bedienen. Die N\u00f6tigung zu einem bestimmten Sprachgebrauch bedeutet grunds\u00e4tzlich eine Beeintr\u00e4chtigung der Wissenschaftsfreiheit von Dozenten wie Studenten. [2] Im vorliegenden Fall gilt das noch in besonderem Ma\u00df, da die philosophischen und linguistischen Voraussetzungen des Konzepts \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache keineswegs allgemein geteilt werden. [3] Manche erweisen sich sogar schon bei oberfl\u00e4chlicher Pr\u00fcfung als fragw\u00fcrdig. Von daher bedeutet jeder Druck, \u201egendergerechte\u201c Sprache zu verwenden, einen Missstand, gegen den die Unterzeichnenden, die mehrheitlich Mitglieder der Fachgruppe Theologie des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit sind, Einspruch erheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass sich Dozenten auch gegen ihre eigene \u00dcberzeugung zur Verwendung gegenderter Sprache gen\u00f6tigt sehen, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Demoskopischen Instituts Allensbach aus dem Jahre 2021. Danach bekennen sich 80% [!] der befragten Hochschullehrer beiderlei Geschlechts dazu, dass es an der Universit\u00e4t erlaubt sein m\u00fcsse, sich sog. \u201egendergerechter\u201c Sprache zu verweigern (84% der M\u00e4nner; 67% der Frauen) [4]; zugleich gibt nahezu die H\u00e4lfte der Befragten (47%), an, dass mit erheblichem Widerstand von Seiten der Studenten oder der Universit\u00e4tsleitung zu rechnen sei, wenn man sich der \u201egendergerechten\u201c Sprache tats\u00e4chlich verweigern wollte. Der zweite Wert ist in kurzer Zeit gestiegen: 2019\/20 stimmten erst 40% der Befragten dieser Aussage zu. [5]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund sind Berichte glaubw\u00fcrdig, nach denen Studenten beklagen, dass sich der Verzicht auf die Verwendung gegenderter Sprache negativ auf die Bewertung von Studienleistungen auswirke. Laut einer vorl\u00e4ufigen Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung waren \u201eStudenten an mindestens f\u00fcnfzehn deutschsprachigen Hochschulen zum Gendern verpflichtet\u201c. [6] In demselben Artikel wird auf eine \u201eHandreichung zum Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten\u201c verwiesen, die von der Internetseite der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Greifswald heruntergeladen werden kann. Laut Titelblatt wurde sie bereits im November 2012 von der Fakult\u00e4t beschlossen. [7] In ihr hei\u00dft es zum Stichwort \u201egeschlechtergerechte Sprache\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Seminararbeit ist auf geschlechtergerechte Sprache zu achten. (\u2026) Sprache ist einerseits ein Spiegelbild der Realit\u00e4t und gibt andererseits aktiv das wieder, was das Denken bestimmt. Ziel ist es, beide Geschlechter in der Seminararbeit sichtbar zu machen. Der beliebte Fu\u00dfnotenhinweis auf das generische Maskulinum, in dem das andere Geschlecht \u201emitgemeint\u201c sei, geh\u00f6rt in die Mottenkiste \u2013 er liefert keine L\u00f6sung, sondern nur die schlichte Beschreibung des Problems! Wie falsch diese Formel sein kann, verdeutlicht folgendes Beispiel: \u201eBereits um 1840 schrieben Mathematiker die ersten \u201aComputerprogramme\u2018\u201c. \u2013 Bei dieser Formulierung denken wir zun\u00e4chst an M\u00e4nner. Dass eine Frau (Ada Lovelace) um 1840 das erste Computerprogramm geschrieben hat, wird hier verschwiegen und auch nicht \u201emitgedacht\u201c. Damit Frauen und M\u00e4nner mitgedacht werden, muss der Text geschlechtergerecht formuliert bzw. Frauen durch die Sprache sichtbar gemacht sein. Geschlechtergerechte Sprache ver\u00e4ndert das Denken \u2013 hin zu mehr Gleichberechtigung! [8]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Greifswalder Handreichung fordert die Verwendung \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache in Seminararbeiten mit besonderem Nachdruck ein. Die entscheidende Tendenz ist aber auch anderenorts wahrzunehmen. Daf\u00fcr sei exemplarisch (!) [9] auf folgende Aussagen auf der Seite der Frauenbeauftragten der Theologischen Fakult\u00e4t der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin hin\u00adgewiesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter ist von unerl\u00e4sslicher Bedeutung. Trotzdem waren und sind im Allgemeinen \u2013 hier und da auch im universit\u00e4ren Sprachgebrauch \u2013 Texte im generischen Maskulinum formuliert. Frauen werden hier nicht erw\u00e4hnt und bleiben dadurch im wissenschaftlichen Kontext und in der Vorstellungskraft der Lesenden unsichtbar. Die weiterhin bestehenden, ablehnenden Hinweise, eine gendergerechte Sprache \u00e4ndere die bestehende Ungleichheit nicht oder behindere die Lesbarkeit, zeugt nicht vom Willen, auch durch einen Sprachwandel allen Geschlechtern gerecht zu werden. Sprache ist kein neutrales Werkzeug, sie beeinflusst unser Denken. Angesichts der o.g. Problematik hat die Humboldt-Universit\u00e4t einen eigenen Leitfaden (mit entsprechenden Beispielen) zum Thema \u201eGendergerechte Sprache\u201c herausgegeben. (\u2026) Gender\u00adgerechte Sprache zeigt Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber allen Menschen, unabh\u00e4ngig von ihrem Geschlecht. Das B\u00fcro der dezentralen Frauenbeauftragten unterst\u00fctzt diesen Prozess aktiv. [10]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ausgelassenen Teil enth\u00e4lt der Text Verweise auf die Verfassung der Humboldt-Universit\u00e4t sowie auf die \u201eGemeinsame Gesch\u00e4ftsordnung der Berliner Verwaltung\u201c. Danach beziehen sich die Ausf\u00fchrungen vordergr\u00fcndig auf amtlichen Schriftverkehr, Ordnungen und andere offizielle Dokumente. Allerdings wird ausdr\u00fccklich beklagt, dass \u201eim universit\u00e4ren Sprachgebrauch (\u2026) Texte im generischen Maskulinum formuliert\u201c werden und damit Frauen \u201eim wissenschaftlichen Kontext\u201c unerw\u00e4hnt bleiben. Man wird kaum annehmen, dass sich diese Klage nicht auch und vielleicht vor allem auf wissenschaftliche Arbeiten bezieht, um die es der Greifswalder Handreichung ausschlie\u00dflich geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einspruch, den wir gegen jede N\u00f6tigung zum Gebrauch gegenderter Sprache in wissenschaftlichen Arbeiten und Pr\u00fcfungsleistungen erheben, erfolgt in drei Schritten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(1) Es wird die delegitimierende Kritik am generischen Maskulinum zur\u00fcckgewiesen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit der Widerspruch an dieser Stelle nicht ohne hinreichende Begr\u00fcndung bleibt, ist eine im Vergleich zu den Schritten 2 und 3 relativ ausf\u00fchrliche Argumentation erforderlich, in der das Thema unter verschiedenen Aspekten beleuchtet wird. Schritt 1 ist daher in f\u00fcnf Punkte (a-e) untergliedert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(2) Es wird der moralische Anspruch zur\u00fcckgewiesen, mit dem die Verfechter \u201egeschlechter\u00adgerechter\u201c Sprache auftreten, wodurch offene sachliche Diskussionen verhindert werden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(3) Es wird die gerade f\u00fcr die Theologie sch\u00e4dliche Spaltung zwischen Wissenschaft und Praxis reflektiert, die durch eine N\u00f6tigung zu \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache aufgerissen wird.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(1) Die delegitimierende Kritik am generischen Maskulinum ist zur\u00fcckzuweisen, weil sie auf einer zu oberfl\u00e4chlichen Wahrnehmung sprachlicher M\u00f6glichkeiten beruht. In der Theologie verbietet sich aber ein oberfl\u00e4chlicher Umgang mit Sprache.<\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>a) Generische Begriffe dr\u00fccken keine Zuordnung zu einem realen Geschlecht aus<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer beliebte Fu\u00dfnotenverweis\u201c, dass im generischen Maskulinum \u201edas andere Geschlecht \u201amitgemeint\u2018 sei\u201c, geh\u00f6rt nach der Greifswalder Handreichung in die \u201eMottenkiste\u201c. Abgesehen von der offensichtlich unangemessenen Ausdrucksweise geht die Kritik sachlich ins Leere: Im generischen Maskulinum ist das andere Geschlecht keineswegs \u201emitgemeint\u201c. Dass sein Gebrauch gerne mit einem entsprechenden Hinweis gerechtfertigt wird, \u00e4ndert nichts daran, dass das generische Maskulinum tats\u00e4chlich hinsichtlich des Geschlechts neutral ist. Daher ist es zugleich geschlechterinklusiv, ohne das m\u00e4nnliche Geschlecht zu bevorzugen und andere mitzumeinen. [11]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz allgemein bezeichnen generische Begriffe \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie grammatisch Maskulina, Feminina oder Neutra sind \u2013 Vertreter einer bestimmten Gruppe, einer Gattung oder Art (lat. genus, gen.: generis, daher: \u201egenerisch\u201c), ohne dass das reale Geschlecht dabei von Bedeutung w\u00e4re. Die Kritik am generischen Maskulinum, wie sie die Greifswalder Handreichung vortr\u00e4gt, entbehrt damit jeder ernstzunehmenden Grundlage. Sie ist offensichtlich davon gepr\u00e4gt, dass Art und Funktion generischer Begriffe nicht mehr \u00fcberall verstanden werden. Daher scheint ein knapper Exkurs zur Erl\u00e4uterung angebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Funktion, die Zugeh\u00f6rigkeit zu Gruppen zu bezeichnen oder Kollektivbegriffe zu bilden, ohne dass das reale Geschlecht von Bedeutung ist, wird in den F\u00e4llen vom Maskulinum \u00fcbernommen, in denen das Maskulinum im Unterschied zum Femininum keine Genusmarkierung enth\u00e4lt. Das gilt f\u00fcr die meisten Berufsbezeichnungen: Weil in dem grammatisch maskulinen Wort \u201eRichter\u201c kein Genus markiert ist, kann vom \u201eBeruf des Richters\u201c gesprochen werden, ohne dass etwas \u00fcber das reale Geschlecht derer ausgesagt w\u00fcrde, die diesen Beruf aus\u00fcben. Demgegen\u00fcber lie\u00dfe \u201eder Beruf der Richterin\u201c an ein ausschlie\u00dflich von Frauen ausge\u00fcbtes Amt denken, weil beim definierenden Genitiv das weibliche Geschlecht markiert ist. Vor diesem Hintergrund ist der Satz \u201eZu den Richtern des hiesigen Amtsgerichts geh\u00f6ren auch Frauen\u201c so zu verstehen, dass die erw\u00e4hnten Frauen den Beruf des Richters aus\u00fcben. Der Satz \u201eZu den Richterinnen des hiesigen Amtsgerichts geh\u00f6ren auch M\u00e4nner\u201c w\u00fcrde dagegen nicht besagen, dass die M\u00e4nner selbst Richterinnen (oder Richter) sind. Er k\u00f6nnte vielleicht etwas \u00fcber das Privatleben der Richterinnen besagen, n\u00e4mlich dass zu ihnen M\u00e4nner im Sinne von Ehem\u00e4nnern oder Lebenspartnern geh\u00f6ren. An dieser Stelle k\u00f6nnte nur der Kontext des Satzes Klarheit schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im umgekehrten Fall, wenn beim Femininum kein Genus markiert ist, beim dazugeh\u00f6rigen Maskulinum aber sehr wohl, wird das Femininum generisch verwendet. So enth\u00e4lt der feminine Begriff \u201eEnte\u201c keine Genusmarkierung im Unterschied zum maskulinen \u201eEnterich\u201c. Freilich wird die m\u00e4nnliche Ente heute \u00fcblicherweise als \u201eErpel\u201c bezeichnet. \u2013 Vielleicht ist kaum aufgefallen, dass im letzten Satz das geschlechtlich unmarkierte, grammatisch feminine Wort \u201eEnte\u201c generisch verwendet wurde. Anderenfalls k\u00f6nnte von \u201em\u00e4nnlichen Enten\u201c keine Rede sein. Weil bei der \u201eEnte\u201c das Femininum keine Geschlechtsmarkierung enth\u00e4lt, ist dies m\u00f6glich \u2013 spiegelbildlich zu \u201eweiblichen Richtern\u201c. Daher kann bei dem Satz \u201eAuf dem See schwimmen Enten\u201c ohne Weiteres an weibliche und m\u00e4nnliche Individuen gedacht werden \u2013 wie es spiegelbildlich auch bei den \u201eRichtern des hiesigen Amtsgerichts\u201c m\u00f6glich ist. \u201eWeibliche\u201c oder \u201eeierlegende Enteriche\u201c werden dagegen nur in surrealen Texten erw\u00e4hnt sein.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>b) Der generische Gebrauch maskuliner Begriffe ist auf Grund von Lebenserfahrung und Vorwissen verst\u00e4ndlich<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handreichung der Greifswalder Fakult\u00e4t h\u00e4lt grammatische Erw\u00e4gungen zu Art und Funktion generischer Ausdr\u00fccke offensichtlich auch deshalb f\u00fcr verzichtbar, weil schon ein einfaches Beispiel zeigen soll, dass das generische Maskulinum in der Praxis keineswegs als geschlechtsneutrale Zuordnung verstanden wird: Bei der Aussage \u201eBereits um 1840 schrieben Mathematiker die ersten \u201aComputerprogramme\u2018\u201c werde \u201ezun\u00e4chst an M\u00e4nner\u201c gedacht; dass tats\u00e4chlich eine Frau, Ada Lovelace, das erste \u201eComputerprogramm\u201c schrieb, komme nicht in den Blick. Dieses Beispiel ist nun aber keineswegs \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds\u00e4tzlich ist zu beachten, dass Aussagen in der allt\u00e4glichen Kommunikation ebenso wie bei der Lekt\u00fcre von Texten niemals nur grammatisch-analytisch aufgenommen werden, sondern immer mit einem inhaltlichen Vorverst\u00e4ndnis, das wiederum von Lebenserfahrung und Kenntnisstand der H\u00f6rer oder Leser mitbestimmt ist. Vor diesem Hintergrund ist zuzugestehen, dass die gro\u00dfe Mehrheit der H\u00f6rer bei der Rede von \u201eMathematikern\u201c des 19. Jahrhunderts zun\u00e4chst an M\u00e4nner denken wird. Ausschlaggebend daf\u00fcr ist aber sicher nicht das generische Maskulinum, sondern der Umstand, dass Mathematiker im 19. Jh. tats\u00e4chlich fast ausschlie\u00dflich M\u00e4nner waren. Kenner der Materie, denen Ada Lovelace und ihre Leistungen ein Begriff sind \u2013 nach ihr ist immerhin eine Programmiersprache (\u201eAda\u201c) sowie eine Auszeichnung f\u00fcr Informatiker benannt (\u201eLovelace-Medal\u201c) \u2013, werden hingegen bei der genannten Aussage auch an sie denken. In analoger Weise ist davon auszugehen, dass H\u00f6rer, die in der Geschichte der Naturwissenschaften \u00fcber eine gewisse Allgemeinbildung verf\u00fcgen, bei der Rede von \u201eNobelpreistr\u00e4gern\u201c auch an Marie Curie denken, die als bisher einziger Nobelpreistr\u00e4ger in zwei verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ausgezeichnet wurde (1903 in Physik; 1911 in Chemie). [12] Wollte man an dieser Stelle das generische Maskulinum vermeiden und Marie Curie als einzige \u201eNobelpreistr\u00e4gerin\u201c bezeichnen, die in zwei wissenschaftlichen Disziplinen ausgezeichnet wurde, w\u00e4re nur gesagt, dass sie als einzige Frau in dieser besonderen Weise geehrt wurde. Dass ihr tats\u00e4chlich eine Ehrung zuteil wurde, die auch unter der weitaus h\u00f6heren Zahl m\u00e4nnlicher Nobelpreistr\u00e4ger [13] noch kein anderer Forscher erfahren hat, w\u00e4re dem Satz \u2013 gerade auf Grund der feminin markierten Form \u2013 nicht zu entnehmen. [14]<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>c) Im allt\u00e4glichen Sprachgebrauch besteht kein Problem, das generische Maskulinum inklusiv zu verwenden und zu verstehen<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das von der Greifswalder Handreichung gew\u00e4hlte Beispiel spricht also keineswegs daf\u00fcr, dass durch die Verwendung des generischen Maskulinums im Unklaren bleibt, dass sich die Aussage auch auf Frauen bezieht. Beobachtungen zum allt\u00e4glichen Sprachgebrauch zeigen sogar das genaue Gegenteil: Das generische Maskulinum wird problemlos geschlechtsneutral und geschlechterinklusiv verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die \u201eBerliner Zeitung\u201c in einer Schlagzeile vom 29.12.2021 eine der Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses mit dem Satz zitiert \u201eVerbeamtung von Lehrern ist nur Scheinl\u00f6sung\u201c, ist in einem lebensweltlichen Kontext, in dem der Beruf des Lehrers mittlerweile wohl mehrheitlich von Frauen ausge\u00fcbt wird, eindeutig klar, dass der grammatisch maskuline Begriff \u201eLehrer\u201c geschlechterinklusiv gemeint ist. Die R\u00fcckfrage, warum nur die Verbeamtung m\u00e4nnlicher Lehrer eine Scheinl\u00f6sung sein sollte, nicht aber die von Lehrerinnen, w\u00e4re schlicht absurd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil das generische Maskulinum keine Probleme bietet und sogar Vorteile hat, wird sein Gebrauch auch von Frauen verteidigt. Daf\u00fcr stehen folgende Aussagen der Diplombiologin, Journalistin und Werbefachfrau Rieke H\u00fcmpel zum nicht geschlechtlich markierten, grammatisch maskulinen Begriff \u201eSchlittschuhl\u00e4ufer\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich an Schlittschuhl\u00e4ufer auf einem See denke, so stelle ich mir Frauen, M\u00e4nner und Kinder in Winterkleidung vor, die \u00fcber das Eis gleiten, auf den Popo fallen usw. Wenn k\u00fcnftig von Schlittschuhl\u00e4ufern und Schlittschuhl\u00e4uferinnen die Rede ist, sehe ich keine Menschengruppe mehr. (\u2026) Ich sehe eine Gruppe von m\u00e4nnlichen und eine Gruppe von weiblichen Schlittschuhl\u00e4ufern. Ich muss bei den Frauen stehen und die M\u00e4nner sind woanders \u2013 ja, pl\u00f6tzlich geht es gar nicht mehr um den Winter! Durch das Gendern werden wir pl\u00f6tzlich sexualisiert. Bilder im Kopf werden aufgel\u00f6st. Dabei war die m\u00e4nnliche Pluralform doch schon l\u00e4ngst f\u00fcr uns alle da. Warum trennt man uns pl\u00f6tzlich wieder? [15]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Rieke H\u00fcmpel aus ihrer Spracherfahrung heraus eindr\u00fccklich schildert, formuliert der Linguist Peter Eisenberg knapper und pr\u00e4gnanter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das generische Maskulinum bietet die einfachste, eleganteste und flexibelste M\u00f6glichkeit des Deutschen, Sexusdiskriminierung zu vermeiden. [16]<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>d) Zur begrenzten Aussagekraft psycholinguistischer Experimente<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demgegen\u00fcber verweisen Verfechter sog. \u201egendergerechter\u201c Sprache auf psycholinguistische Experimente, die gezeigt haben sollen, dass das generische Maskulinum dennoch \u2013 entgegen der soeben zur Sprache gekommenen Alltagserfahrung \u2013 vor allem Assoziationen an m\u00e4nnliche Personen wecke. Allerdings sind Methodik und Aussagekraft entsprechender Experimente umstritten. So stellt die Linguistin Ewa Trutkowski fest:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Wortformen wie \u201eKosmetiker\u201c oder \u201eLehrer\u201c generisch oder spezifisch m\u00e4nnlich interpretiert werden, h\u00e4ngt von vielen sprachlichen \u2013 und au\u00dfersprachlichen \u2013 Faktoren ab \u2013 so hatten wir es ja bereits f\u00fcr den Begriff \u201eMathematiker\u201c festgestellt. Trutkowski illustriert es anhand mehrerer S\u00e4tze, in denen der grammatisch maskuline Begriff \u201eLehrer\u201c \u201evon Fall zu Fall unterschiedliche Assoziationen ausl\u00f6st\u201c, was aber in psycholiguistischen Experimenten nicht erfasst werde: Assoziationsstudien, die so differenziert vorgehen, gibt es nicht. Das zeigt einerseits, wie wenig wir noch wissen, aber andererseits auch, auf wie d\u00fcnnem Eis sich viele Bef\u00fcrworter des Genderns bewegen. [17]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange aber die Aussagekraft psycholinguistischer Experimente von fachwissenschaftlicher Seite infrage steht, ist aus ihnen kein zwingendes Argument f\u00fcr die gesellschaftliche Diskussion zu gewinnen. Die Verwendung des generischen Maskulinums kann also nicht mit dem Verweis auf entsprechende Studien delegitimiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts des Anspruchs, durch den Gebrauch gegenderter Sprache zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beizutragen, stellt sich insbesondere die Frage, wie weit experimentell erfassbare spontane Assoziationen, die sich bei grammatisch maskulinen Berufsbezeichnungen einstellen, \u00fcberhaupt soziale Wirklichkeit bestimmen. Wenn ein Experiment ergibt, dass Probanden bei der Erw\u00e4hnung von \u201eSozialarbeitern\u201c spontan an M\u00e4nner und erst nach einer gewissen Verz\u00f6gerung auch an Frauen denken [18], bleibt also zu fragen, ob sich diejenigen, die spontan M\u00e4nner assoziieren, keine weiblichen Sozialarbeiter vorstellen k\u00f6nnen, ob sie wom\u00f6glich sogar die Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen boykottieren oder jungen Frauen abraten w\u00fcrden, diesen vermeintlichen \u201eM\u00e4nnerberuf\u201c zu ergreifen. Erst wenn derartige Zusammenh\u00e4nge eindeutig nachweisbar w\u00e4ren, k\u00f6nnte unter Berufung auf entsprechende Experimente sinnvoll diskutiert werden, ob und in welchem Ma\u00dfe der Verzicht auf das generische Maskulinum einen Beitrag zur \u00dcberwindung sozialer Geschlechterdiskriminierung leistet.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>e) Zum geschlechtsneutralen Gebrauch maskuliner Formen in anderen Sprachen am Beispiel des Schwedischen<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Hinweise k\u00f6nnen durch einen \u00fcber den deutschsprachigen Mikrokosmos hinausreichenden Blick erg\u00e4nzt werden. Es k\u00f6nnte darauf hingewiesen werden, dass in Sprachr\u00e4umen, in denen die Genusunterscheidung nicht grammatisch markiert ist, wie im Bereich des T\u00fcrkischen oder Persischen die Gleichberechtigung der Geschlechter keineswegs weiter fortgeschritten ist als in Sprachr\u00e4umen, die eine Genusunterscheidung und den generischen Gebrauch des Maskulinums kennen. [19]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um bei n\u00e4herliegenden Beispielen zu bleiben, sei daran erinnert, dass das Englische f\u00fcr viele Berufs- und T\u00e4tigkeitsbezeichnungen (z. B. \u201eprofessor\u201c, \u201ewriter\u201c) keine feminin markierten Formen kennt (anders z. B. \u201eactress\u201c). Das im deutschen Sprachraum verbreitete Insistieren auf der \u201egeschlechtergerechten\u201c Verwendung femininer Formen kann im angels\u00e4chsischen Raum als \u201esexistisch, antiquiert und kein bisschen inklusiv\u201c wahrgenommen werden. [20]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessante Befunde bietet auch das Schwedische: Das h\u00f6chste Amt der Lutherischen Kirche Schwedens, das des Erzbischofs von Uppsala, hat seit 2014 mit Antje Jackel\u00e9n erstmals eine Frau inne. Frau Jackel\u00e9n wird auf der Internetseite der schwedischen Kirche als \u201eder Erzbischof\u201c (schwed. \u201e\u00e4rkebiskopen\u201c) bezeichnet \u2013 der Geschlechtsunterschied zu ihren Vorg\u00e4ngern wird sprachlich nicht markiert. [21] Nun mag man beim Titel \u201eErzbischof\u201c fragen, ob im Schwedischen \u00fcberhaupt ein angemessenes feminines \u00c4quivalent zur Verf\u00fcgung st\u00e4nde, da das genusmarkierte \u201e\u00e4rkebiskopinna\u201c traditionell f\u00fcr die Frau bzw. Witwe eines Erzbischofs verwendet wird. [22] Die schwedische Wikipedia enth\u00e4lt aber F\u00e4lle, in denen maskuline Bezeichnungen f\u00fcr Frauen verwendet werden, obwohl ein feminines Pendant vorhanden ist. Selma Lagerl\u00f6f wird als \u201esvensk f\u00f6rfattare\u201c (deutsch: \u201eschwedischer Schriftsteller\u201c) eingef\u00fchrt \u2013 gleichlautend wie August Strindberg in dem ihn behandelnden Wikipedia-Artikel. Zu \u201ef\u00f6rfattare\u201c (\u201eSchriftsteller\u201c) existiert aber die feminin markierte Form \u201ef\u00f6rfattarinna\u201c (\u201eSchriftstellerin\u201c). Diese f\u00fchrt der schwedische Wikipedia-Artikel \u201ef\u00f6rfattare\u201c mit der Bemerkung \u201eom kvinnor \u00e4ven f\u00f6rfattarinna\u201c auf, d. h. als eine bei Frauen auch gebr\u00e4uchliche Nebenform der maskulinen Normalform.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offenbar wird in Schweden \u2013 einem Land, in dem fr\u00fcher und intensiver als im deutschsprachigen Raum \u00fcber Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung diskutiert wurde \u2013 nicht unbedingt die Notwendigkeit empfunden, wo es um Frauen geht, auch feminin markierte Begriffe zu benutzen. Selbst da, wo ein femininer Begriff zur Verf\u00fcgung steht wie \u201ef\u00f6rfattarinna\u201c (\u201eSchriftstellerin\u201c), kann das Maskulinum bevorzugt werden. In diesen F\u00e4llen ist die Verwendung grammatisch maskuliner Formen sicher nicht frauenfeindlich gemeint, sondern analog dazu wie Rieke H\u00fcmpel den Plural \u201eSchlittschuhl\u00e4ufer\u201c versteht: Die maskuline Form ist \u201el\u00e4ngst f\u00fcr uns alle da\u201c; sie schlie\u00dft Trennungen gerade aus. Dass Frauen ebenso wie M\u00e4nner \u201eErzbischof\u201c oder \u201eSchriftsteller\u201c sein k\u00f6nnen, macht so verstanden gerade den Abbau von Diskriminierung sprachlich deutlich. Dass die Verwendung des generischen Maskulinums unter Umst\u00e4nden die besondere Leistung von Frauen sogar hervorheben kann, war bereits oben am Beispiel der herausragenden Stellung Marie Curies unter den Nobelpreistr\u00e4gern deutlich geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlussfolgerung: Unterkomplex begr\u00fcndete Forderungen nach sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c d\u00fcrfen an theologischen Ausbildungsst\u00e4tten keine offizielle Geltung erhalten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist eine Reihe von Beobachtungen angesprochen, nach denen die Aussage, durch die Verwendung des generischen Maskulinums blieben Frauen \u201ein der Vorstellungskraft der Lesenden unsichtbar\u201c, als h\u00f6chst fragw\u00fcrdig gelten muss. Diese Aussage, die auf der Seite der Berliner Frauenbeauftragten zu lesen ist, aber auch sonst vielfach vertreten wird, l\u00e4sst kein Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutungsbreite grammatischer Formen wie etwa nicht-genusmarkierter Begriffe erkennen. Sie blendet den Kontext und das erwartete Vorwissen von Lesern und H\u00f6rern aus, obwohl beide das Verstehen entscheidend mitbestimmen. Sprache wird hier nicht in ihrer Komplexit\u00e4t wahrgenommen, so dass man den Eindruck gewinnt, dass hier Akteure \u00fcber die Sprache (auch anderer Menschen!) verf\u00fcgen wollen, die selbst nicht viel von Sprache verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen ergibt sich aus der angedeuteten sprachwissenschaftlichen Problemlage, dass keine akademische Einrichtung von ihren Mitgliedern \u2013 Dozenten wie Studenten \u2013 erwarten kann, dass sie entsprechende Aussagen kritiklos hinnehmen oder sich gar zu eigen machen. Eine Fakult\u00e4t, die an dieser Stelle kritiklose Annahme erwarten w\u00fcrde, h\u00e4tte mit dieser Forderung den Anspruch kritisch-wissenschaftlichen Denkens aufgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade f\u00fcr Hochschuleinrichtungen im Bereich der Theologie geht es hierbei nicht um einen nebens\u00e4chlichen Aspekt, da das Bem\u00fchen um einen sorgf\u00e4ltigen Umgang mit Sprache zum unverzichtbaren R\u00fcstzeug geh\u00f6rt, das im Studium der Theologie zu vermitteln ist. Das betrifft sowohl den auf philologisch-historische Analyse gegr\u00fcndeten Umgang mit Texten in Exegese, Kirchengeschichte oder Systematischer Theologie als auch die Notwendigkeit, einen f\u00fcr kirchliche und p\u00e4dagogische Praxis angemessenen Sprachgebrauch einzu\u00fcben. Angesichts der Bedeutung der Sprachpflege f\u00fcr jede Form theologischer Arbeit ist es unertr\u00e4glich, wenn Forderungen nach sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c, die auf einem so oberfl\u00e4chlichen Sprachverst\u00e4ndnis beruhen wie die zitierten Beispiele, in theologischen Ausbildungsst\u00e4tten auch nur in die N\u00e4he offizieller Geltung gelangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(2) Der moralische Anspruch der Verfechter sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c ist zur\u00fcckzuweisen, weil er offene sachliche Diskussionen verhindert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Greifswalder Handreichung stellt lapidar fest: \u201eGeschlechtergerechte Sprache ver\u00e4ndert das Denken \u2013 hin zu mehr Gleichberechtigung!\u201c Obwohl es tats\u00e4chlich zweifelhaft ist, inwiefern verordnete \u00c4nderungen der Sprache gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen nach sich ziehen, ist die Aussage in der Handreichung als Ausruf markiert. Sie klingt damit wie eine Warnung: Wer das Konzept der sog. \u201egeschlechtergerechten\u201c Sprache hinterfragt, soll damit rechnen m\u00fcssen, als Gegner von \u201emehr Gleichberechtigung\u201c an den Pranger gestellt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Seite der Berliner Frauenbeauftragten wird denen, die die gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft sog. \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache skeptisch beurteilen, faktisch der Wille abgesprochen, \u201eauch durch einen Sprachwandel allen Geschlechtern gerecht zu werden\u201c. Wenn es zudem hei\u00dft: \u201eGendergerechte Sprache zeigt Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber allen Menschen, unabh\u00e4ngig von ihrem Geschlecht\u201c, wird insinuiert, dass derjenige, der keine \u201egendergerechte\u201c Sprache gebraucht, es an Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber allen Menschen vermissen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie alle anderen im akademischen Bereich vertretenen Ans\u00e4tze muss sich auch das Konzept \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache einer breiten, sachlichen Diskussion stellen, in der seine Voraussetzungen und innere Stimmigkeit \u00fcberpr\u00fcft werden. Sofern sich mit diesem Konzept das Anliegen gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen verbindet, sind auch die angestrebten Ziele und Umsetzungsfragen offen zu diskutieren. Diese wichtigen Diskussionen werden aber behindert oder gar verhindert, wenn denen, die am Sinn gegenderter Sprache zweifeln und entsprechende Sprachformen nicht verwenden, implizit moralische Defizite unterstellt werden. Dabei wird subkutan mit Mitteln der Ausgrenzung und Einsch\u00fcchterung gearbeitet, die mit einer offenen Diskussionskultur nicht vereinbar sind. Daher ist der moralische Anspruch, mit dem die Verwendung \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache in der Greifswalder Handreichung oder auf der Seite der Berliner Frauenbeauftragten gefordert wird, unbedingt zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>(3) Eine N\u00f6tigung zu sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c rei\u00dft eine Spaltung zwischen Hochschule und Gesellschaft, Wissenschaft und Praxis auf, die sich gerade f\u00fcr die Theologie als sch\u00e4dlich erweisen kann.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn laut der eingangs zitierten Untersuchung 80 % der befragten Hochschullehrer die Auffassung vertreten, es m\u00fcsse m\u00f6glich sein, im Bereich der Universit\u00e4t auf den Gebrauch gegenderter Sprache zu verzichten, l\u00e4sst dies vermuten, dass ein Gro\u00dfteil der deutschen Universit\u00e4tsdozenten das Sprachgef\u00fchl teilt, das Rieke H\u00fcmpel in dem oben mitgeteilten Zitat am Beispiel des Begriffs der \u201eSchlittschuhl\u00e4ufer\u201c illustriert. Dann stellt sich aber die Frage, warum \u00fcberhaupt im Hochschulbereich eine N\u00f6tigung zum Gebrauch sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c aufgebaut werden soll, w\u00e4hrend ein beachtlicher Teil der Gesellschaft \u2013 einschlie\u00dflich vieler Hochschullehrer \u2013 auf Grund ihres Sprachverst\u00e4ndnisses keine Notwendigkeit dazu sieht bzw. dies ablehnt. Eine entsprechende N\u00f6tigung rei\u00dft eine \u00fcberfl\u00fcssige Spaltung zwischen Hochschule und Gesellschaft, Wissenschaft und Praxis auf, die gerade f\u00fcr die Theologie als eine auf Gemeindepraxis und Religionsvermittlung ausgerichtete Wissenschaft problematisch ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Artikel von Rieke H\u00fcmpel thematisiert diese Spaltung, indem die Autorin bekennt, sich mit ihrem Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr das Anliegen gegenderter Sprache \u201egegen hauptberufliche Gender-Beauftragte (\u2026) als alleinerziehende Mutter sehr zeitknapp und allein\u201c zu f\u00fchlen. Das zeigt, dass die sog. \u201egeschlechtergerechte Sprache\u201c als elit\u00e4r im pejorativen Sinn von d\u00fcnkelhaft oder besserwisserisch empfunden werden kann bis dahin, dass sich Menschen von der Erwartung, eine solche Sprache zu verwenden, bel\u00e4stigt und zur\u00fcckgesetzt, ja in eine Opferrolle gedr\u00e4ngt sehen. Von daher wird im \u00dcbrigen verst\u00e4ndlich, dass Kritik an sog. \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c keineswegs nur von konservativer Seite erhoben wird \u2013 wo man sie wohl am ehesten erwartet \u2013 sondern auch von links. [23]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hinweis auf die d\u00fcnkelhafte Wirkung \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache muss gerade an theologischen Ausbildungsst\u00e4tten zu denken geben. Zur Theologie geh\u00f6rt zwar unabdingbar die Aneignung fremder Sprachen und das Durchdenken komplexer Sachverhalte auf m\u00f6glichst hohem Niveau. Zugleich ist aber im Theologiestudium die Kunst einzu\u00fcben, komplexe Sachverhalte in einer Sprache auszudr\u00fccken, die au\u00dferhalb des akademischen Milieus verwendet und verstanden wird. Dass die Theologie \u201edem Volk aufs Maul schauen\u201c muss, ist keineswegs ein spezifisch lutherischer Standpunkt. Vielmehr gilt konfessions\u00fcbergreifend, dass die Theologie, jedenfalls da, wo es um die Vermittlung theologischer Einsichten geht, die in der Gesellschaft \u00fcbliche Sprache aufnehmen und verwenden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprachliche Neubildungen, die mitunter f\u00fcr theologische Vermittlungsarbeit n\u00f6tig sind, m\u00fcssen in einer Fortentwicklung dessen bestehen, was in der Alltagssprache angelegt ist, nicht aber in k\u00fcnstlich geschaffenen Regeln, wie sie f\u00fcr \u201egeschlechtergerechte\u201c Sprache neu erdacht werden. [24] Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die Sprache der Theologie \u2013 und das hei\u00dft letztlich: die Sprache von Predigt, Seelsorge und Religionsunterricht \u2013 als etwas empfunden wird, das den Menschen von einer abgehobenen Kaste aufgedr\u00fcckt werden soll und vielen fremd bleiben wird. Wenn der f\u00fcr die Theologie unverzichtbare Br\u00fcckenschlag in ein nicht fachlich vorgebildetes und nicht akademisch gepr\u00e4gtes Milieu gelingen soll, sollten alle Hinweise darauf, dass Menschen au\u00dferhalb akademischer Kreise gegenderte Sprache weitgehend ablehnen oder als sinnlos empfinden [25], sehr ernst genommen werden. Sie sollten Anlass zum Nachdenken dar\u00fcber sein, ob es wom\u00f6glich kontraproduktiv ist, im Rahmen des Theologiestudiums auf das Ein\u00fcben einer solchen Sprache Wert zu legen oder gar dazu zu verpflichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit kollegialen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Dr. Oleg DikAssociate<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Dr. Jan Dochhorn, dr. theol.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Therese Feiler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Michael F. Feldkamp<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PD Dr. Meik Gerhards<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Christian Herrmann<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Dr. Detlef Hiller<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Hans-Gerd Krabbe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PD Dr. Axel Bernd Kunze<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. h. c. Christian Lehnert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PD Dr. Detlef Metz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Dr. Marius Reiser<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PD Dr. Reinhard Weber<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Dr. Ulrich Willers<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[1] Vgl. dazu die Artikel des Linguisten und Journalisten Wolfgang Krischke, Sprachplanung im Gro\u00dfformat, FAZ (16.02.22), der emeritierten Professorin f\u00fcr germanistische Sprachwissenschaft, Heide Wegener, Die Gender-Lobby und ihr M\u00e4rchen vom Sprachwandel, in: DIE WELT (20.02.22) und des Sprachwissenschaftlers und Mitarbeiters der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Nikolaus Lohse, Es gibt kein richtiges Gendern, in: DIE WELT (21.07.21).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[2] Der folgende Text verwendet seinem Anliegen entsprechend durchgehend das generische Maskulinum. Daher ist hier auch nicht von \u201eStudierenden\u201c die Rede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich wird schon im 19. Jh. anstelle von \u201eStudenten\u201c der Begriff \u201eStudierende\u201c verwendet. Begr\u00fcnder dieses Sprachgebrauchs k\u00f6nnte J.G. Fichte gewesen sein, der in seiner Berliner Rektoratsrede vom 19. Oktober 1811 durchgehend von \u201eStudierenden\u201c spricht, worunter er allerdings in ausdr\u00fccklicher Abgrenzung von dem \u201eHaufen sogenannter Studenten\u201c junge Menschen versteht, die ihre ganze Kraft dem Studieren widmen, sich also w\u00e4hrend ihrer Universit\u00e4tsjahre keiner Ablenkung hingeben und keinem Broterwerb nachgehen (vgl. J.G. Fichte, Ueber die einzig moegliche St\u00f6rung der akademischen Freiheit, Berlin 1812 [Link: Ueber die einzig moegliche St\u00f6rung der akademischen Freiheit (hu-berlin.de)], S. 25). Der Begriff \u201eStudierende\u201c wird im ganzen 19. Jh. in akademischen Reden sowie in Titeln von Nachschlagewerken und Lehrb\u00fcchern verwendet (z. B. G.B. Winer, Biblisches Realw\u00f6rterbuch zum Handgebrauch f\u00fcr Studirende, Kandidaten, Gymnasiallehrer und Prediger, 1. Aufl. 1820). Belege finden sich auch in gelehrter Korrespondenz wie den Briefen J. Wellhausens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die heutige Rede von \u201eStudierenden\u201c ist allerdings nicht aus dem gelehrten Sprachgebrauch des 19. Jh.s abgeleitet, sondern verdankt sich dem Anliegen, im Sinne \u201egeschlechtergerechter Sprache\u201c das generische Maskulinum \u201eStudent\u201c durch ein (mindestens im Plural) genusindifferentes Partizip zu ersetzen. Dass die Ersetzung des generischen Maskulinums durch Partizipien nicht m\u00f6glich ist ohne betr\u00e4chtliche Sinnverschiebungen, wurde schon vielfach angemerkt und erschlie\u00dft sich unmittelbar, wenn man sich klarmacht: \u201eNicht alle Musizierenden sind sogleich Musiker. Nicht alle Mitarbeitenden sind sogleich (vertraglich eingestellte) Mitarbeiter\u201c (H.G. Krabbe, Genderstern und Gendersprache als Mittel der Gesellschaftsver\u00e4nderung [Link: Genderstern und Gendersprache als Mittel der Gesellschaftsver\u00e4nderung \u2013 Christliches Forum; gesehen am 24.02.22]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[3] Verschiedene Positionen zur sog. \u201egeschlechtergerechten Sprache\u201c kommen in: APuZ 5-7\/2022 (31. Jan. 2022) zu Wort. Die Textsammlung vermittelt eine Ahnung von der Vielzahl philosophischer, linguistischer und politischer Fragen, die bei diesem Thema relevant sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[4] IfD (Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach), Das geistige Klima an den Universit\u00e4ten. Ergebnisse einer Online-Befragung von Hochschullehrern. Online-Pr\u00e4sentation 21. Nov. 2021 [Link: PowerPoint-Pr\u00e4sentation (hochschulverband.de); gesehen am 21.02.22], S. 20.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[5] A.a.O., S. 24.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[6] Thomas Thiel, Bitten und Befehle. Zur Genderpflicht an deutschen Hochschulen, FAZ 16.02.22, S. N 4.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[7] Link: Handreichung.pdf (uni-greifswald.de) (gesehen am 21.02.22).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[8] Theologische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Greifswald, Handreichung zum Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten, S. 11.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[9] Es sei nachdr\u00fccklich betont, dass die kritischen Hinweise auf Zitate aus der Greifswalder Handreichung und von der Seite der Berliner Frauenbeauftragten rein exemplarischen Charakter haben. An ihrer Stelle k\u00f6nnten auch Beispiele von anderen Fakult\u00e4ten oder Hochschulen genannt werden. Dem vorliegenden Schreiben geht es in keiner Weise darum, die Fakult\u00e4ten in Greifswald und Berlin in besonderer Weise zu kritisieren. Es geht tats\u00e4chlich um einen Missstand, der im deutschsprachigen Raum mittlerweile fl\u00e4chendeckend um sich greift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[10] Geschlechtergerechte Sprache \u2014 Theologische Fakult\u00e4t (hu-berlin.de) (gesehen am 21.02.22).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[11] Zur Abweisung der feministisch motivierten Kritik am generischen Maskulinum vgl. auch die eindr\u00fccklichen Bemerkungen des Linguisten Peter Eisenberg in: APuZ 5-7\/2022, S. 34f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[12] Au\u00dfer Marie Curie hat nur der Chemiker Linus Pauling einen Nobelpreis in zwei verschiedenen Kategorien erhalten: Neben dem Nobelpreis f\u00fcr Chemie (1954) erhielt er allerdings den nicht f\u00fcr naturwissenschaftliche Leistungen vergebenen Friedensnobelpreis (1962). Zwei weitere Wissenschaftler haben zweimal einen Nobelpreis erhalten, aber jeweils f\u00fcr dasselbe Fach: John Bardeen (Physik 1956 und 1972) und Frederick Sanger (Chemie 1958 und 1980).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[13] Bis zum Jahre 2020 wurden Nobelpreise an 789 M\u00e4nner und 55 Frauen verliehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[14] Navid Kermani verdeutlicht dies als Schriftsteller an einem anderen Beispiel: \u201eIch kann von einer Kollegin als bedeutendstem Autor der deutschen Gegenwartsliteratur sprechen. Ich kann sie aber auch als die bedeutendste Autorin der deutschen Gegenwartsliteratur bezeichnen. Beides ist m\u00f6glich, aber der Sinn ist jeweils ein anderer. Das generische Maskulinum erlaubt es, sich knapper und dabei doch pr\u00e4ziser auszudr\u00fccken\u201c (Mann, Frau, v\u00f6llig egal, in: DIE ZEIT 04.01.2022).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[15] Rieke H\u00fcmpel, Gendern \u2013 das erinnert mich inzwischen an einen Fleischwolf, DIE WELT (24.02.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[16] Peter Eisenberg, in: APuZ 5-7\/2022, S. 35.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[17] Ewa Trutkowski, Vom Gendern zu politischen R\u00e4ndern. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht spricht vieles gegen geschlechtergerechte Formen. N\u00fcchterne Hinweise k\u00f6nnten die Debatte versachlichen, NZZ 22.07.2020. Vgl. auch Gisela Zifonun, Die demokratische Pflicht und das Sprachsystem. Erneute Diskussion um einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch, Sprachreport 34 (2018), 44-56, S. 51. W\u00e4hrend Trutkowski das generische Maskulinum entschieden bef\u00fcrwortet, sieht Zifonun \u201edie sprachsystematisch verankerte Dominanz des Maskulinums bei Personenbezeichnungen\u201c zugleich kritisch. Um sie zu \u00fcberwinden, w\u00e4ren aber tiefe Eingriffe in die gewachsene Struktur des Deutschen notwendig, die nicht durchzusetzen sind. Zifonun empfiehlt daher einen gelassenen und toleranten Umgang mit dem Thema (S. 53f.). Zur Verst\u00e4ndlichkeit des generischen Maskulinums und Problemen von Tests, die angeblich das Gegenteil beweisen, vgl. Marcus Lorenz, Von m\u00e4nnlichen Chirurgen und anderen Gender-Legenden, DIE WELT (30.04.2021).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[18] Das Beispiel spricht Carolin M\u00fcller-Spitzer, in: APuZ 5-7\/2022, S. 25 an. Das Experiment bestand darin, f\u00fcr den zuerst vorgelegten Satz \u201eDie Sozialarbeiter liefen durch den Bahnhof\u201c aus mehreren Alternativen sinnvolle Fortsetzungen herauszusuchen. Dabei wurde der Satz \u201eWegen der sch\u00f6nen Wetterprognose trugen mehrere der Frauen keine Jacke\u201c von vielen Probanden erst mit gr\u00f6\u00dferer Verz\u00f6gerung als sinnvolle Fortsetzung erkannt, weil sie bei den \u201eSozialarbeitern\u201c spontan nicht an Frauen dachten, sondern an M\u00e4nner. Alternativen, in denen von M\u00e4nnern die Rede war, wurden dagegen sofort als m\u00f6gliche Fortsetzung genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[19] So stellt der deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani fest, dass es ein \u201eTrugschluss\u201c sei, \u201edass sich aus der sprachlichen Gleichheit der Geschlechter soziale Gleichheit ergibt, sonst m\u00fcsste es in der T\u00fcrkei oder im Iran anders zugehen\u201c (Mann, Frau, v\u00f6llig egal, in: DIE ZEIT 04.01.2022).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[20] So der Erfahrungsbericht in: Nele Pollatschek, They: Gendern auf Englisch, in: APuZ 5-7\/2022, S. 08.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[21] \u00c4rkebiskopen \u2013 Svenska kyrkan (gesehen am 21.04.2022).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[22] Nach Annemarie Schimmel, Morgenland-Abendland. Mein west-\u00f6stliches Leben, M\u00fcnchen 2002, S. 72 wurde Anna S\u00f6derblom, die Witwe von Antje Jackel\u00e9ns ber\u00fchmtem Vorg\u00e4nger Nathan S\u00f6derblom, in den 1950er Jahren in Uppsala \u201egamla \u00e4rkebiskopinna\u201c (\u201edie alte Erzbisch\u00f6fin\u201c) genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[23] Vgl. dazu Alexander Dietz, Kritik von links am Genderstern?, in: Das Argument. Zeitschrift f\u00fcr Philosophie und Sozialwissenschaften 63\/2 (2021), *2-*6. Zu m\u00f6glichen linken Einw\u00e4nden gegen sog. \u201egeschlechtergerechte Sprache\u201c geh\u00f6rt nach Dietz, dass \u201eangeblich linke Identit\u00e4tspolitik, zu der Genderthemen und vermeintlich gen\u00addergerechte Sprache geh\u00f6ren, (\u2026) einen elit\u00e4ren Charakter\u201c hat und oft faktisch der Abgrenzung von \u201eMenschen aus bildungsfernen Milieus und ihrer Sprache\u201c dient (a.a.O., *3). Zwar geh\u00f6rt Rieke H\u00fcmpel nicht zum \u201ebildungsfernen Milieu\u201c im eigentlichen Sinn, aber als alleinerziehende Mutter, die ihren Lebensunterhalt au\u00dferhalb akademischer Kreise verdienen muss, sieht sie sich den \u201eGenderbeauftragten\u201c gegen\u00fcber unterprivilegiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[24] Wolfgang Krischke, Sprachplanung im Gro\u00dfformat, FAZ (16.02.22), weist darauf hin, dass die Gendersprache nicht \u201emit herk\u00f6mmlichen Normierungen\u201c zu vergleichen ist, wie sie etwa im 18. Jh. von J.C. Gottsched und J.C. Adelung vorgenommen wurden, da sich diese \u201eSprachschulmeister\u201c auf Varianten der bestehenden Sprache st\u00fctzten. Bekanntlich orientierte sich auch Luther bei der Entwicklung des Schriftdeutschen f\u00fcr seine Bibel\u00fcbersetzung an den vorgegebenen M\u00f6glichkeiten der Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[25] Zu diesen Hinweisen geh\u00f6ren auch Umfragen wie die Erhebung von infratest dimap im Mai 2021, nach der etwa zwei Drittel der Wahlberechtigten in Deutschland die Verwendung sog. \u201egeschlechtergerechter\u201c Sprache in Medien und \u00d6ffentlichkeit ablehnen und auch der verst\u00e4rkte Gebrauch in \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien nicht zur Akzeptanz beigetragen hat [Link: Umfragen &amp; Analysen \u2039 Infratest dimap (infratest-dimap.de)].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unterzeichner sind \u00fcberwiegend Mitglieder der Fachgruppe Theologie im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit. Der Offene Brief wurde im Dezember 2022 allen theologischen Fakult\u00e4ten und Instituten im deutschsprachigen Raum zugeleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Netzwerk Bibel und Bekenntnis. www.bibelundbekenntnis.de<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erstver\u00f6ffentlichung in: Auftrag und Wahrheit. \u00d6kumenische Quartalsschrift f\u00fcr Predigt, Liturgie und Theologie 2 (2022\/2023), H. 5, S. 28 \u2013 39. (21.12.2022)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kollegen und Kommilitonen, der hier vorliegende offene Brief betrifft ein inzwischen allf\u00e4lliges Ph\u00e4nomen, das die Redefreiheit von Dozenten gleicherma\u00dfen wie von Studenten gravierend einschr\u00e4nkt, an Universit\u00e4ten genauso wie an Fachhochschulen und kirchlichen Ausbildungsst\u00e4tten. 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