{"id":19797,"date":"2023-03-26T00:03:45","date_gmt":"2023-03-25T23:03:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19797"},"modified":"2023-03-24T17:07:24","modified_gmt":"2023-03-24T16:07:24","slug":"mit-vier-ueberraschungen-zum-alternativen-lebensstil-joh-131-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19797","title":{"rendered":"Mit vier \u00dcberraschungen zum alternativen Lebensstil (Joh. 13,1-17)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ein Sch\u00fcler, der es n\u00f6tig hat, flei\u00dfig wird, ist das genau das Richtige. Aber wenn es eine Woche vor den Zeugnissen ist; dann n\u00fctzt das Richtige nicht mehr. Man muss also das Richtige zur richtigen Zeit tun. Wenn ich erkl\u00e4re, dass alle Arbeitnehmer bei Daimler ab 1. April 10 Prozent mehr Lohn und Gehalt bekommen sollen, dann ist das auch nicht viel wert. Denn ich bin nicht der Richtige. Wenn das der Vorstandsvorsitzende von Mercedes erkl\u00e4ren w\u00fcrde, dann w\u00e4re das etwas anderes. Das Richtige ist nur richtig, wenn es der Richtige tut.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir bei der Einleitung unserer biblischen Geschichte. Die Bedeutung der Fu\u00dfwaschung wird durch die Vorbemerkungen erst ins richtige Licht ger\u00fcckt. Jesus wusste, dass \u201eseine Stunde\u201c gekommen war. Gott hatte gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die entscheidende Aktion gegeben. Er, der Sohn Gottes ist die Schl\u00fcsselfigur: \u201eJesus wusste, dass ihm der Vater alles in seine H\u00e4nde gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist das Wichtigste, das zu dieser hervorragenden Zeit von dem Entscheidenden getan wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt zeigt uns Jesus einmal das Wichtigste. Er will uns n\u00e4mlich zu einem alternativen Lebensstil auffordern. Da geht es nicht um K\u00f6rner essen und Biolatschen tragen. Alternativer Lebensstil bedeutet bei Jesus: Ganz anders als bisher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er steht auf vom Mahl, legt das Obergewand ab, nimmt eine Sch\u00fcrze \u2013 gie\u00dft Wasser in eine Sch\u00fcssel \u2013 das dauerte alles seine Zeit \u2013 kniet sich vor den ersten hin und w\u00e4scht ihm die F\u00fc\u00dfe, trocknet sie mit der Sch\u00fcrze, r\u00fcckt die Sch\u00fcssel weiter . . .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist das Wichtigste und das Richtige. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war keiner da, der diesen Sklavendienst tat. So niedrig war keiner von den J\u00fcngern eingestuft. Nur Sklaven durften diese Drecksarbeit tun. Jesus erkl\u00e4rt in dieser wichtigen Stunde, dass diese Drecksarbeit das Wichtigste ist und dass er diese Drecksarbeit tun will. Um unsere t\u00e4gliche Schuld geht es hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wichtigste ist das F\u00fc\u00dfewaschen. Niemand tut es. Niemand kann es tun au\u00dfer ihm allein, dem Gott alles in seine Hand gelegt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben f\u00e4hige Leute. Wir haben Ideen und Geld. Wir haben Organisationen f\u00fcr edle Zwecke. Aber das Dringendste ist die Drecksarbeit, die f\u00fcr jeden Menschen getan werden muss. Er tut sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit vier \u00dcberraschungen zum alternativen Lebensstil!<\/p>\n<p><strong>1. \u00dcberraschung: Der Oberste wird zum F\u00fc\u00dfewascher!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst einmal die Geschichte. Die J\u00fcnger hatten sich mit Jesus getroffen, um das Passamahl zu feiern. Das letzte Abendessen vor der Kreuzigung. Das wussten sie noch nicht. Aber Jesus wusste es. Das war ihr letztes gemeinsames Essen. Sie hatten sich vor dem Haus getroffen. Alles war vorbereitet. Die Sitzpolster der niedrige Tisch, das Essen, Handtuch, Krug und Waschsch\u00fcssel f\u00fcrs Waschen der F\u00fc\u00dfe. Die J\u00fcnger kommen in den Raum und schauen sich verstohlen nach einem Diener um, der jetzt, wie es \u00fcblich war, ihnen die F\u00fc\u00dfe waschen w\u00fcrde. Aber da war kein Diener, aus welchem Grunde auch immer. Zu Hause hat man sich die F\u00fc\u00dfe immer selber gewaschen, wenn man sich keinen Sklaven leisten konnte. Also sollte sich jetzt etwa jeder die F\u00fc\u00dfe selber waschen? Ja, das w\u00e4re noch o. k. gewesen, aber sollte sich auch Jesus die F\u00fc\u00dfe selber waschen? Das konnte man nicht zulassen. Jesus, unser Meister, unser Herr! Im Talmud steht, dass die Sch\u00fcler dem Meister die F\u00fc\u00dfe waschen sollen! Bei reichen Leuten war das immer eine Aufgabe der Allerniedrigsten, der Sklaven, die in der Rangordnung ganz unten standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn also jetzt Petrus nach dem Handtuch gegriffen h\u00e4tte, dann w\u00fcrden ihn alle anderen f\u00fcr besonders gering ansehen und wom\u00f6glich m\u00fcsste er seinen Kollegen die F\u00fc\u00dfe waschen. Nein, das ging nicht. Das ging zu weit, das konnte nun wirklich niemand von ihm verlangen. Bei Jesus h\u00e4tte er es vielleicht gemacht, er war ja der Sch\u00fcler und er der Meister, doch nicht bei den Kollegen. Kurz vorher haben sie noch miteinander gerangelt darum, wer wohl die besten Pl\u00e4tze im Reich Gottes kriegt. Wer auf dem Thron links und rechts von Jesus sitzen sollte. Tolldreist war das. Und wenn ich denen jetzt die F\u00fc\u00dfe waschen w\u00fcrden, w\u00e4re es so, als w\u00fcrde ich Ihnen diese besten Pl\u00e4tze sozusagen gratis abtreten. Das mache ich nicht. Ich bin ja nicht weniger wert als der Rest der Truppe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehen sie, das w\u00e4re ein Eingest\u00e4ndnis der Unterlegenheit gewesen, wenn irgendeiner der J\u00fcnger dem andern die F\u00fc\u00dfe gewaschen h\u00e4tte. Also setzten sie sich alle zusammen mit Jesus bei Tisch nieder. Genauer, sie legten sich nieder. Es waren Liegepolster, auf die sie sich niederlie\u00dfen. Und die Fu\u00dfwaschung, die haben sie einfach stillschweigend \u00fcbergangen, obwohl die nach damaliger Sitte zwingend dazu geh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine kleine Skizze aus dem Internet, ein triclinium. (https:\/\/de.quora.com) Hier in der Mitte handelt es sich um die Mensa, das ist das lateinische Wort f\u00fcr Tisch und jetzt hat man drei Tische 3 Sitzpolster oder Liegepolster. Die sind dann auch noch ganz genau geordnet. Hier f\u00fcr die Gastgeberfamilie, hier f\u00fcr die wichtigeren G\u00e4ste und hier f\u00fcr den Rest. Und auf dem Liegepolster, da ist ein Extrakissen, das legt man unter den linken Arm, st\u00fctzt sich auf das Polster und die F\u00fc\u00dfe zeigen nach hinten auf die Au\u00dfenseite des Polsters. Mit der rechten Hand greift man dann nach dem Essen. Das ist nur so m\u00f6glich, weil die Leute damals noch kein Besteck hatten. Man hat in der Regel mit der rechten Hand gegessen oder bestenfalls mit einem L\u00f6ffel. Die linke Hand hat man immer gebraucht, um sich auf die Polster zu st\u00fctzen. So ging das damals.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die J\u00fcnger legen sich einfach auf diese Sitzpolster. Wir sagen in unsere \u00dcbersetzung immer: Sie setzten sich zu Tisch, obwohl im Griechischen immer steht: Sie legten sich. Es war ja kein komplettes Liegen, eher so ein sitzliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da liegen sie nun alle mit ungewaschenen F\u00fc\u00dfen und warten, was jetzt passiert. Jesus sagt ein Dankgebet. Und dann er\u00f6ffnete er die Mahlzeit, w\u00e4hrend die J\u00fcnger anfangen zu essen und sich leise zu unterhalten, bemerken sie pl\u00f6tzlich, wie Jesus sich auf seiner Liege aufrichtet. Ungl\u00e4ubig schauen Sie zu, wie Jesus sein Obergewand ablegt, zu dem Krug und der Waschsch\u00fcssel geht, sich das Sch\u00fcrze umbindet, und dann auf den ersten J\u00fcnger zugeht. Die J\u00fcnger sind komplett konsterniert. Das gibt doch nicht! Das darf doch im ganzen Leben nicht sein. Das darf Jesus doch nicht machen! Er ist doch unser Lehrer, das ist doch ein Job f\u00fcr die Dienstboten, f\u00fcr die Sklaven! Es gibt in der ganzen antiken Literatur im r\u00f6mischen und griechischen Bereich nicht einen einzigen Beleg daf\u00fcr, dass ein h\u00f6her Gestellter einem niedriger Gestellten die F\u00fc\u00dfe gewaschen h\u00e4tte. Das war vereinfacht gesagt Tabu! Das ging in dieser Kultur nicht! Und die J\u00fcnger waren entsetzt, Jesus tat hier etwas, was er niemals h\u00e4tte tun d\u00fcrfen. Das w\u00e4re heute so, wie wenn, wenn der Bundeskanzler Scholz beim Empfang hoher Staatsg\u00e4ste sagen w\u00fcrde: Ich muss mal schnell noch zu den Toiletten und die Klosch\u00fcssel reinigen. Das machen bei uns in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden nur in der Regel Hilfsarbeiter. Das macht niemals der Chef. Wir w\u00fcrden sagen, das ist v\u00f6llig fehl am Platz. So ungef\u00e4hr kam den J\u00fcngern vor, was Jesus jetzt tut. Er war v\u00f6llig fehl am Platz. Ihr Herr und Meister macht etwas, was nur Sklaven machen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste J\u00fcnger, zu dem Jesus kommt ist viel zu \u00fcberrascht, um die F\u00fc\u00dfe wegzuziehen, viel zu verlegen um zu protestieren. Vielleicht machte er die Augen zu, es war ihm zu unheimlich. Dann geht Jesus zum zweiten, dann zum dritten und immer noch herrscht eine atemlose Stille, eine mit H\u00e4nden zu greifende Spannung. Und jetzt ist Petrus dran und Petrus w\u00e4re nicht Petrus, wenn er das Schweigen nicht brechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>2. \u00dcberraschung: Petrus will Jesus den Kopf waschen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Petrus zieht die F\u00fc\u00dfe ein, unterdr\u00fcckt die Emp\u00f6rung in seiner Stimme und will ihm in den Arm greifen: Jesus, lass mal, lass mal, lass mal! Ich hab schon kapiert, wir h\u00e4tten es tun sollen, ich mache das! Sklave muss Sklave bleiben, J\u00fcnger muss J\u00fcnger bleiben, und du Herr musst der Herr bleiben! Das geht nicht Jesus! Seht ihr, Petrus will hier die Grundordnung aller Religion aufrechterhalten. Bei allen Religionen dieser Welt geht es immer darum, ich tue etwas Gott, damit du mir etwas tust. Alle Religionen funktionieren nach dem Prinzip: Gott ich mache etwas, ich bringe Opfer, ich h\u00e4nge mich rein, damit du mir etwas tust. Nach dem Motto: Gott ich gebe dir etwas, und daf\u00fcr schenkst du mir n\u00e4chstes Jahr Gesundheit. Gott ich gebe dir etwas und deshalb, bitte lass mich gesunde Kinder haben. Gott ich gebe dir, deshalb sch\u00fctzt mich vor Krankheit, gibt mir Reichtum u.s.w. Das ist das Prinzip aller Religionen dieser Welt: Leistung und Gegenleistung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Jesus richtet sich auf, schaut ihn an und sagt: Was ich tue, verstehst du jetzt nicht, aber sp\u00e4ter wirst du es begreifen. Petrus kapiert nicht, was gibt es denn da zu begreifen? Alle k\u00f6nnen doch sehen, was er tut. Er tut etwas v\u00f6llig Erniedrigendes. Er w\u00e4scht als Meister den Sch\u00fclern die F\u00fc\u00dfe. Ja, wenn Jesus nicht einlenkt, dann muss Petrus eben direkter werden. Nie und nimmer w\u00e4schst du mir die F\u00fc\u00dfe! sagt er. Er muss seinem Herrn den Kopf zurechtr\u00fccken, begreiflich machen, dass so etwas einfach nicht geht. Denn Petrus gibt nicht nach. Aber Jesus gibt ebenfalls nicht nach. Wenn ich dir nicht die F\u00fc\u00dfe wasche, hast du keine Gemeinschaft mit mir! sagt er. Offene Konfrontation. An dieser Konfrontation gef\u00e4llt mir, dass beide aus Liebe handeln. Petrus hat Jesus so lieb, er verehrt Jesus so sehr, dass er ihm diese Blamage ersparen m\u00f6chte. Ein Skandal! Ein Rabbi, der sich wie ein Sklave benimmt. Nur der Haken ist, dass Petrus Jesus auf mit ziemlich egoistische Art liebt, auf eine herrschs\u00fcchtige Art. Im Grund stellt er sich \u00fcber den Meister. Er bildet sich ein, es besser zu wissen, was Jesus guttut, als Jesus selber. Er bestimmt, was Jesus tun darf oder nicht tun darf. Und Jesus? Jesus liebt Petrus genauso und er liebt ihn noch viel mehr. Und er m\u00f6chte, dass Petrus weiter Gemeinschaft hat und deshalb besteht darauf, dass Petrus sich die F\u00fc\u00dfe waschen l\u00e4sst, sonst hast du keine Gemeinschaft mit mir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie er das h\u00f6rt, \u201esonst hast du keine Gemeinschaft mit mir!\u201c kippt die Stimmung. Das ist typisch f\u00fcr Petrus, eben noch emp\u00f6rt, dass Jesus ihm die F\u00fc\u00dfe waschen will und jetzt hat er pl\u00f6tzlich Angst, dass dieser ihm nur die F\u00fc\u00dfe waschen will. Nein, auch die H\u00e4nde und den Kopf noch obendrein. Dann habe ich wirklich Gemeinschaft mit Jesus. Am besten eine Ganzk\u00f6rperdusche, ein Ganzk\u00f6rperbad. Petrus macht keine halben Sachen. Petrus ist auf irgendeine Art immer hemmungslos, im Guten und Schlechten. Aber er greift immer einen Tick zu weit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Jesus widerspricht ihm ein zweites Mal an diesem Abend. Er sagte. Wer ein Bad genommen hat, der ist ganz rein. Er brauchte sp\u00e4ter nur noch die F\u00fc\u00dfe zu waschen. Das ist die schwierigste Aussage in dieser Geschichte, obwohl sie eingetlich ganz einfach erscheint. Es ist nicht schwer zu verstehen, wenn jemand gebadet hat, dann ist er nachher rein, er muss sich nur noch anfangs die F\u00fc\u00dfe waschen. Morgens, da duscht man, nimmt ordentlich Seife und Shampoo und dann ist man grunds\u00e4tzlich f\u00fcr den ganzen Tag sauber, wenn nur die F\u00fc\u00dfe nicht w\u00e4ren. Sobald man n\u00e4mlich ein St\u00fcck gegangen ist, dann setzt sich der Staub und der Dreck an den F\u00fc\u00dfen fest. Damals gab es noch kein Asphalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb werden die F\u00fc\u00dfe in diesen Kulturen im Nahen Osten gewaschen, bevor man Essen ging. Wir sagen, mit ungewaschenen H\u00e4nden soll man nicht essen. Sie sagten, mit ungewaschen F\u00fc\u00dfen soll man nicht essen, dass ich sprichw\u00f6rtlich geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf jeden Fall sagt Jesus: Ich will dir die F\u00fc\u00dfe waschen. Das andere braucht&#8217;s nicht mehr. Damit ist auch der zweite Einwand von Petrus abgeschmettert. Petrus muss sich f\u00fcgen, muss sich die F\u00fc\u00dfe waschen lassen, nicht H\u00e4nde und Kopf und er l\u00e4sst das geschehen, kein Widerspruch mehr. Dann sieht er zu, wie Jesus diese Arbeit bei den andern J\u00fcngern zu Ende f\u00fchrt, sich die H\u00e4nde trocknet, sein Obergewand wieder \u00fcberzieht und auf seinem Platz am Tisch zur\u00fcckkehrt. Keiner sagt ein Wort. Die Diener sind unf\u00e4hig, einander anzusehen, sie sch\u00e4men sich voreinander. Keiner bereit war, das F\u00fc\u00dfewaschen zu \u00fcbernehmen. Sie sch\u00e4men sich f\u00fcr ihren Herrn, dass er sich zu so etwas hat hinrei\u00dfen lassen und in diese Stille hinein fragt Jesus: Versteht ihr, was ich da getan habe?<\/p>\n<p><strong>3. \u00dcberraschung: Jesus w\u00e4scht Petrus nicht den Kopf, sondern die F\u00fc\u00dfe.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was er damals seinen J\u00fcngern getan hat, das hat er auch uns armen S\u00fcndern getan. Wie er damals von seinem Stuhl aufgestanden ist, seine Kleider abgelegt, sich mit dem Schurz umg\u00fcrtet und den J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe gewaschen hat: so ist er auch von dem Throne seiner Herrlichkeit aufgestanden, hat die Kleider seiner g\u00f6ttlichen Herrlichkeit abgelegt, hat sich mit dem Schurz der Armut und der Niedrigkeit umg\u00fcrtet, um uns die F\u00fc\u00dfe zu waschen. Er ist Mensch geworden, ist gekreuzigt und gestorben, um uns mit seinem heiligen und teuren Blute reinzuwaschen von allen S\u00fcnden und von aller Ungerechtigkeit. Und wie er damals wieder seine Kleider genommen und sich wieder niedergesetzt hat: so hat er auch, nachdem er die Reinigung unserer S\u00fcnden durch sich selbst gemacht hat, sich gesetzt zur Rechten der Majest\u00e4t in der H\u00f6he. Und nun fragt dich der Herr, wie damals seine J\u00fcnger: Wisset ihr, was ich euch getan habe?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt dreht Jesus das alles um. Und er geht vor seinen J\u00fcngern auf die Knie. Was Jesus hier tut, ist ein Zeichen f\u00fcr das, was am folgenden Tag am Kreuz passiert. So wie er sich jetzt zum Knecht, zum Sklaven und zum Diener macht, beim F\u00fc\u00dfewaschen, so wird er am n\u00e4chsten Tag als Knecht, als Diener und Sklave ans Kreuz gehen. Was hier geschieht, ist eine Vorwegnahme dessen, was am n\u00e4chsten Tag auf Golgatha geschehen wird. So wie er seinen J\u00fcngern jetzt die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht, so wird er sie am n\u00e4chsten Tag, an jenem 7. April des Jahres 30 reinwaschen, von ihren S\u00fcnden, in dem er seine Arme ausbreitet und sich ans Kreuz nageln l\u00e4sst und elendig stirbt. In Johannes 19,34 hei\u00dft es: Jesus ist gestorben, da pr\u00fcften die r\u00f6mischen Soldaten an dem toten Jesus, ob er schon tot war. Sie stechen ihm mit einer Lanze in seine Seite, und dann hei\u00dft es dort, und das ist sehr wichtig: Und es kam Blut und Wasser heraus. Fast alles hat eine tiefere Bedeutung, wenn Blut und Wasser herauskam, dann war es f\u00fcr die Soldaten das Zeichen das Jesus tot war, aber f\u00fcr Johannes war es noch etwas viel Wichtigeres, was da zum Ausdruck kommt. Da kommt ein Opfer zum Ausdruck. Jesus ist das Lamm Gottes, das sich f\u00fcr uns geopfert hat. Nicht mehr wir bringen Opfer f\u00fcr Gott, sondern Gott bringt ein Opfer f\u00fcr unsere S\u00fcnden. Blut steht f\u00fcr das Opfer, das Jesus f\u00fcr unsere Schuld gebracht hat. Und es kam Blut und Wasser heraus. Dieser Mensch, der am Kreuz h\u00e4ngt, ist kein Gescheiterter, er ist das Opfer Gottes, das Lamm Gottes, das f\u00fcr uns gegeben worden ist. Das Wasser, das herauskommt, steht f\u00fcr die Reinigung von der S\u00fcnde. Und es kam Blut und Wasser heraus, als Zeichen daf\u00fcr, dass wir reingewaschen werden von der S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seht ihr, so wie Jesus am Abend zuvor die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht, so w\u00e4scht er uns jetzt die S\u00fcnde ab und deshalb kann Petrus hier gar nicht mit Jesus tauschen. Deshalb sagt Jesus, was ich jetzt tue, das kannst du nicht tun, das muss ich dir tun. Und wenn du es nicht an dir geschehen l\u00e4sst, dann hast du kein Teil an mir, dann kannst du nicht gerettet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann mit gro\u00dfen Taten bei Jesus nichts ausrichten. Es geht nur so, dass ich die Demut aufbringe, dass ich meinen Stolz ablege und es geschehen lasse, dass Jesus vor mir auf die Knie geht. Man muss es ja zugeben. Du und ich, wir h\u00e4tten uns auch gesch\u00e4mt. Uns w\u00e4rs doch auch peinlich gewesen, wenn da Jesus mit einer Sch\u00fcssel aufkreuzt, sich vor uns niederkniet und die Plattf\u00fc\u00dfe poliert, aber anders gehts nicht. In Jesus geht Gott vor uns auf die Knie. Das ist die Umkehrung aller Religionen. In Jesus geht Gott vor uns auf die Knie, und wer sich das nicht gefallen l\u00e4sst, dass der Mensch gewordene Gott vor ihm auf die Knie geht, der kann nicht gerettet werden. Wenn du es nicht geschehen l\u00e4sst, Petrus, sagt Jesus, dann hast du kein Teil an mir. Nur wer sich von Jesus dienen l\u00e4sst, kann ihm wieder dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum macht das Jesus eigentlich? Wir leben davon, dass er uns immer wieder reinw\u00e4scht von unserer S\u00fcnde. Aber warum macht Jesus das an den F\u00fc\u00dfen deutlich? Klar, die waren dreckig, die mussten geputzt werden. Aber trotzdem, hinter diesen F\u00fc\u00dfen steckt wieder eine tiefere Bedeutung. Wisst ihr diese F\u00fc\u00dfe, die Jesus hier w\u00e4scht, die stehen auf dem Fu\u00dfboden dieser Welt, es ist der Erdboden dieser Welt, den Gott einmal verflucht hat. Damals, als Adam und Eva diese Katastrophe begangen haben, da verflucht Gott den Acker, den der Adam beackern muss. Da verflucht Gott den Boden, \u00fcber den auch die verfluchte Schlange \u00fcber den Staub kriegen muss. Es ist ein verfluchter Boden. Und unsere F\u00fc\u00dfe, deine und meine, gehen \u00fcber einen verfluchten Boden und wir kommen gar nicht umhin, dass unsere F\u00fc\u00dfe auf diesem Boden dreckig werden, auch wenn wir Gummistiefel anziehen. Wer \u00fcber den Bogen dieser Welt geht, der kommt gar nicht drumherum, dass er schmutzig wird. Versteht ihr? S\u00fcnde ist nicht nur das, was wir mit klarem Kopf und Bewusstsein angehen und tun, sondern S\u00fcnde ist auch das, was ich eigentlich gar nicht tun will. Auch das ist S\u00fcnde. S\u00fcnde ist auch das, was ich tun muss, ohne dass ich es will. Wir leben im Bereich der S\u00fcnde und die S\u00fcnde steckt tief in unserem Wesen drin. Auch das klebt an meinen F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stecken drin, alle in den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Wisst ihr, wir haben alle Anteil daran, wie es in unserem Land aussieht, wie es in unserer Welt aussieht. Und Jesus wird uns mal fragen, warum hast du nicht mehr dagegen getan. Deshalb brauchen wir Jesus, der uns die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht. Deshalb brauchen wir das Kreuz von Golgatha. Das ist die tiefste Dimension der Schuld, dass ich schuldig bin auch an Dingen f\u00fcr dich eigentlich gar nichts kann, an den Strukturen dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Jesus w\u00e4scht uns auch da rein von aller S\u00fcnde. Ich bitte dich, sei nicht so stolz dazu, dass der Mensch gewordene Gott vor dir auf die Knie geht, sei nicht zu stolz, dass er f\u00fcr dich ans Kreuz geht, lass dir das gefallen, dass er dir die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht.<\/p>\n<p><strong>4. \u00dcberraschung: Lasst uns einander nicht den Kopf, sondern die F\u00fc\u00dfe waschen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEin Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.\u201c So sieht der alternative Lebensstil aus. Das ist die 4. \u00dcberraschung. Jesus \u00fcberrascht uns, indem er uns vor anderen auf die Knie schickt. Da zeigt Jesus, was f\u00fcr ein Dienst es ist, ihm zu geh\u00f6ren. Ein unendlich hohes Amt hat er uns geschenkt. Ein Diener Jesu zu sein, das bedeutet, dass du ein Mitarbeiter des obersten Chefs dieser Welt bist. Du bist sein pers\u00f6nlicher Referent, du hast jederzeit Zutritt zum Chefb\u00fcro, du hast seine pers\u00f6nliche Handynummer, du bist der Bevollm\u00e4chtigte deines Chefs. Das bist du. Das sind die J\u00fcnger, das sind wir. Ein riesig hohes Amt und jetzt sagt Jesus: Benimm dich so, wie es mir entspricht. Tue alles daf\u00fcr, dass die Menschen, mit denen du es zu tun hast, einen guten Eindruck bekommen, von der Firma, bei der du bist. Aber weil dieser Dienst Jesus entsprechen soll, geschieht er in tiefster Niedrigkeit. Das ist die \u00dcberraschung. Jesus schickt uns vor anderen auf die Knie. Das ist das Ma\u00df aller Dinge f\u00fcr seine J\u00fcnger. \u201eWer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal ehrlich, es f\u00e4llt uns doch viel leichter, den anderen den Kopf zu waschen als die F\u00fc\u00dfe? Oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei uns Christen ist es oft ein gro\u00dfes Manko, dass wir viel wissen, aber wir tun es nicht. Jesus hat als \u201eeuer Lehrer und Herr\u201c einen Dienst ausge\u00fcbt, der nur von Sklaven getan werden durfte. Er war bereit zu dienen. Er geht als Vorbild voran und fordert dann seine J\u00fcnger auf, es nachzumachen. Dann werden wir sehen, dass dies gut und richtig war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist zun\u00e4chst einmal die Vergebung. \u201eWie wir vergeben unsern Schuldnern.\u201c W\u00f6rtlich hei\u00dft es sogar: \u201e. . . schuldet ihr euch auch untereinander . . .\u201c Das ist das Schwerste. Wir vergessen eben doch nicht. Unser Motto hei\u00dft doch immer: \u201eWie du mir, so ich dir noch viel doller!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vergebung hinterl\u00e4sst Spuren, dass ein Neuanfang m\u00f6glich ist und Frucht w\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was es hei\u00dft, ist mir mal an einem ganz pers\u00f6nlichen Erlebnis deutlich geworden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Hauptschulklassenlehrer hatte ich in meiner Klasse auch Mathe. Und ich hatte einen kleinw\u00fcchsigen Sch\u00fcler mit H\u00fcftschaden. Wenn er ging, sah das ganz seltsam aus. Nun, mit Mathehausaufgaben hat er es nicht so im Sinn gehabt. Er hatte mal wieder keine HA gemacht, da bin ich etwas nerv\u00f6s geworden, habe mich so vor ihm aufgebaut und gesagt: Du Knirps, wieder keine HA gemacht! In dem Moment war es mucksm\u00e4uschen still in der Klasse, von hinten raunte einer: Daf\u00fcr kann er nichts! Ich tat so, als h\u00e4tte ich das nicht geh\u00f6rt, blo\u00df nichts anmerken lassen, der Unterricht lief weiter. In mir rumorte es aber: Selber schuld, was macht der keine Hausaufgaben, das hast du ja nicht so gemeint, . . . Nach 10 Minuten habe ich es nicht mehr ausgehalten und zu Klasse gesagt. Wir m\u00fcssen miteinander reden! Und dann habe ich mich im Beisein aller f\u00fcr meine Aussage bei dem Sch\u00fcler entschuldigt und nochmals erkl\u00e4rt, dass ich dies ja anders gemeint h\u00e4tte. Am Nachmittag hat dann die Elternvertretung angerufen und da nochmals angesprochen, \u2026 aber sie haben sich ja gleich entschuldigt. Damit war die Kuh vom Eis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen eben auch die Gr\u00f6\u00dfe haben, als Mitarbeiter des gr\u00f6\u00dften Herrn dieser Welt vor anderen auf die Knie zu gehen, um Vergebung bitten oder ihnen zu vergeben. Wir brauchen nicht so stolz zu sein, um uns vor anderen zu b\u00fccken und ihnen damit die F\u00fc\u00dfe zu waschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann sind alle Dienste gemeint, zu denen wir normalerweise \u00fcberhaupt nicht verpflichtet sind, die glatt unter unserer W\u00fcrde sind. Und das kann viel sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ver\u00e4ndert denn wirklich unser Land?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Studie des Instituts Allensbach vom Jan 2023 zeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen nicht an die Zukunftsf\u00e4higkeit dieses Landes glaubt. Das \u00fcberrascht nicht. Doch der Verweis auf den Staat ist zu billig. Keine Zukunft mehr f\u00fcr unser Land, das ist erschreckend. Was ver\u00e4ndert denn wirklich unser Land?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was unser Land ver\u00e4ndert, das sind nicht Rentenreformen, sind nicht Steuerreformen, was unser Land ver\u00e4ndert sind Menschen, die vor anderen auf die Knie gehen. Was unser Land ver\u00e4ndert, sind Menschen, die anfangen zu dienen. Es w\u00e4re jetzt eine lange Liste n\u00f6tig. Ich greife nur einige Punkte heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was unser Land ver\u00e4ndert, sind Menschen, die wieder vor ihren Kindern auf die Knie gehen. Wisst ihr, wenn man ein Baby auf dem Boden wickelt, muss man vor ihm auf die Knie gehen. Ich habe vier Kinder. Ich hab es mal \u00fcberschlagen, meine Frau und ich haben 12.000 Windeln gewechselt. Und da geht man 12.000 Mal vor einem kleinen Kind auf die Knie. Gut, wir hatten einen Wickeltisch, da steht man, aber ich w\u00fcnsche mir Menschen, die wieder die Gr\u00f6\u00dfe haben vor Kindern auf die Knie zu gehen. Die die Gr\u00f6\u00dfe haben, Kinder zu bekommen, die die Gr\u00f6\u00dfe haben, Kinder zu lieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was unser Land ver\u00e4ndert sind Ehen von Mann und Frau, wo der eine vor dem andern auf die Knie gehen kann und sagt: Entschuldige bitte, ich habe einen Fehler gemacht. Was unser Land ver\u00e4ndert, sind Ehepartner, die ein Ja haben zur Familie und eigene Interessen zur\u00fcckstellen, damit eine Familie wieder ein Lebensraum wird, wo sich Menschen wohlf\u00fchlen, wo Kinder eine Ahnung davon bekommen, wie gut ein himmlischer Vater im Himmel ist, weil sie ein Bild haben von ihrem irdischen Vater, dass sie nicht abschreckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcnsche mir M\u00e4nner, die sich nicht zu schade sind auch mal zu dienen zu Hause, den Abwasch zu machen, zu b\u00fcgeln und sonst etwas. M\u00e4nner, die dienen! Ich w\u00fcnsche mir junge Menschen, die im Reich Gottes angreifen und mitarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so kann Gott euch auch alle gebrauchen. Sei dir nicht zu schade f\u00fcr unseren Herrn auf die Knie zu gehen, um anderen zu dienen, daraus kann er Gro\u00dfes machen. Er ist vor dir auf die Knie gegangen. Sei, dir nicht zu schade f\u00fcr diesen Herrn die Drecksarbeit zu machen. Er hat den Dreck deines Lebens abgewaschen. Es gibt kein Jesus Zeugnis, das eindr\u00fccklicher ist als das Zeugnis von Christen, die freiwillig vor anderen auf die Knie gehen. So sieht der alternative Lebensstil der Christen aus.\u00a0 Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant und Religionslehrer Thomas Karker, Predigt vom 13.2.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Sch\u00fcler, der es n\u00f6tig hat, flei\u00dfig wird, ist das genau das Richtige. 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