{"id":19749,"date":"2023-03-09T10:39:17","date_gmt":"2023-03-09T09:39:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19749"},"modified":"2023-03-09T14:24:33","modified_gmt":"2023-03-09T13:24:33","slug":"rang-jesus-im-garten-gethsemane-mit-dem-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19749","title":{"rendered":"Rang Jesus im Garten Gethsemane mit dem Tod?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Brosch\u00fcre \u201eGethsemane \u2013 Ein Blick ins Heiligtum\u201c (Missionswerk \u201eChristus f\u00fcr Dich\u201c, 26789 Leer) versucht Pfarrer Karl Huhn das Ringen Jesu im Garten Gethsemane als ein Ringen mit dem vorzeitigen Tod darzustellen. Weil es laut Huhn undenkbar sei, dass Jesus im Garten Gethsemane f\u00fcr die \u201eAbwendung des Kreuzestodes\u201c bete oder er einen \u201eAusweg vor dem Kreuze\u201c suche (S. 12), m\u00fcsse Jesus im Garten Gethsemane mit dem vorzeitigen Eintritt seines Todes gerungen haben: \u201eDas Leiden des Herrn in Gethsemane ist danach das Leiden eines Menschen der \u201asterben\u2018 muss und doch nicht sterben will, der aber keine Kraft hat gegen den Tod. Jesus ist im Begriff, dem Ansturm des Todes zu erliegen und sieht nur eine Aushilfe dagegen: Das Eingreifen der g\u00f6ttlichen Allmacht. Ohne diese sinkt er kraftlos unter den B\u00e4umen des Gartens nieder, und wenn die H\u00e4scher kommen, ihn zu fangen, finden sie ihn tot\u201c (S. 13).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gethsemane und Golgatha<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst muss der Kontext beachtet werden. Das Gebet im Garten Gethsemane geschieht unmittelbar vor der Gefangennahme, dem Prozess gegen Jesus und dem Leiden und Sterben am Kreuz auf Golgatha. Folgt man dem Aufbau der Evangelien, dann kann das zentrale Thema von Gethsemane nur Golgatha sein. In Gethsemane ringt Jesus nicht mit der M\u00f6glichkeit des vorzeitigen Eintritt des leiblichen Todes, sondern er betet zu seinem Vater, und er spricht mit seinem Vater \u00fcber den schweren Weg an das Kreuz. Jesus betet als wahrer Mensch und wahrer Gott zu seinem Vater im Himmel. Als Sohn Gottes wei\u00df er, dass er den bitteren Kelch des Kreuzestodes trinken wird und trinken muss, um den Willen des Vaters zu tun und die S\u00fcnden der ganzen Welt zu tragen (vgl. Joh 18,11). Doch als wahrer Mensch ringt er auch mit der Schwere dieses Geschehens. Die unvorstellbare Vorstellung, sich am Kreuz, mit der S\u00fcnde der Menschheit beladen, verfluchen zu lassen (Gal 3,13), die Trennung vom Vater und den bestialischen Hinrichtungsmord erleiden zu m\u00fcssen, f\u00fchrten Jesus in eine tiefe Anfechtung hinein bis hin zu dem Gebet: \u201eVater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe\u201c (Lk 22,42). Jesus wei\u00df, was der Wille des Vaters ist, n\u00e4mlich dass er diesen Kelch trinken muss. Weil er das wei\u00df, will er diesen Kelch auch trinken. Doch wei\u00df er auch: Dieser Kelch ist so bitter, dass es ihm lieber w\u00e4re, es k\u00f6nnte sich ein anderer Weg auftun. \u201eMein Wille\u201c ist in diesem Moment der Wille des angefochten Menschen Jesus. Hier begegnen wir Jesus als dem Menschen, der bei aller S\u00fcndlosigkeit doch durch schwerste Anfechtungen hindurchmusste, wie jeder andere Mensch auch. Jesus betet sich durch diese Anfechtung hindurch zum \u201edoch nicht mein, sondern dein Wille geschehe\u201c. Um den Willen Gottes wissend, betet er sich als Angefochtener in den Willen Gottes hinein, um dann aus dem Gebet heraus gest\u00e4rkt das Kommende zu ertragen. Aus dem Gebet sch\u00f6pfte er die Kraft, um von Gethsemane nach Golgatha gehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gebetskampf oder Todeskampf?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weder Matth\u00e4us, Markus noch Lukas berichten davon, dass Jesus kurz davor war, im Garten Gethsemane zu sterben. Jesus geht in den Garten, nicht um mit dem Teufel oder dem Tod zu ringen, sondern um mit seinem Vater allein zu sein und mit ihm zu sprechen, also zu beten (Mt 26,36). Bis zum Tode betr\u00fcbt sein (Mt 26,38) bedeutet nicht, dass Jesus im Todeskampf lag. Jona z.B. z\u00fcrnt bis zum Tode, was aber nicht bedeutet, dass er beinah gestorben w\u00e4re (Jona 4,9). In Lukas 22,44 ist (im Urtext) von einem heftigen Gebetskampf die Rede (agonia), aber nicht vom \u201eRingen mit dem Tode\u201c, wie Luther \u00fcbersetzt. Keiner der Evangelisten legt nahe, dass Jesus hier in Gethsemane in der Gefahr stand, vom Tode \u00fcberwunden zu werden. Lukas berichtet zwar, dass sich w\u00e4hrend des Betens Schwei\u00df wie Blutstropfen bildete, die Schilderung eines Todeskampfes finden wir jedoch nicht. Keiner der Evangelisten berichtet Ereignisse, die darauf schlie\u00dfen lassen, dass Jesus kurz davor war, sein Leben auszuhauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Um welchen Kelch geht es?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfarrer Huhn behauptet in seiner Schrift, \u201edieser Kelch\u201c bezeichne den \u201eEintritt des wirklichen Todes\u201c bereits im Garten Gethsemane (S. 16). Jesus betete: <em>\u201eMein Vater, ist\u2019s m\u00f6glich, so gehe dieser Kelch an mir vor\u00fcber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst\u201c (Mt 26,39). <\/em>Wenn \u201edieser Kelch\u201c laut Huhn den \u201eEintritt des wirklichen Todes\u201c in Gethsemane bedeuten w\u00fcrde, dann w\u00fcrde Jesus den vorzeitigen Eintritt des Todes nicht wollen, aber daf\u00fcr der Vater (doch nicht wie ich will, sondern wie du willst). Das ergibt keinen Sinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir wissen wollen, was \u201edieser Kelch\u201c bedeutet, dann sollten wir Jesus selbst fragen. Jesus hatte im Garten Gethsemane gebetet. Nur wenig sp\u00e4ter kamen Jesu Gegner, um ihn gefangenzunehmen. Petrus schlug bei der Gefangennahme dem Malchus das Ohr ab und Jesus wies ihn mit diesen Worten zurecht: \u201eSteck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?\u201c (Joh 18,11). Jesus selbst verr\u00e4t uns, was <em>der Kelch<\/em> ist, den er trinken muss: Es ist der bevorstehende Kreuzestod. Genau dar\u00fcber hat er mit dem Vater wenige Minuten zuvor im Garten im ringenden Gebet gesprochen. Es ist bezeichnend, dass Pfarrer Huhn diese Bibelstelle im Kapitel \u00fcber den Kelch in seiner Brosch\u00fcre nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch eine andere Stelle erw\u00e4hnt Huhn nicht: \u201eK\u00f6nnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?\u201c (Mt 20,22; Mk 10,38). Auch hier liegt es auf der Hand, was Jesus mit \u201edem Kelch\u201c meint, den er trinken wird. Beide Perikopen schlie\u00dfen mit dem Wort des Herrn: \u201eDenn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als L\u00f6segeld f\u00fcr viele\u201c (Mt 20,28; Mk 10,45).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum verschweigt Pfr. Huhn diese beiden wichtigen Parallelstellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesu Alleinverf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es stellt sich noch eine ganz andere Frage: Ist es \u00fcberhaupt denkbar, dass Jesus im Garten Gethsemane (ungewollt) h\u00e4tte sterben k\u00f6nnen? Da der Sohn Gottes ohne S\u00fcnde war, h\u00e4tte er nicht sterben k\u00f6nnen, denn der Tod ist immer eine Folge der S\u00fcnde (R\u00f6m 5,12; R\u00f6m 6,23). Weil Jesus s\u00fcndlos war, h\u00e4tte ihn nichts vorzeitig t\u00f6ten k\u00f6nnen. Jesus ist das Leben in Person (Joh 14,6) und tr\u00e4gt dieses Leben bleibend in sich (Joh 1,4; Joh 5,26). Weil Jesus das Leben selbst ist und das Leben in sich tr\u00e4gt, konnte niemand anders \u00fcber sein Leben bestimmen. Er allein entschied dar\u00fcber, wann und wie er sein Leben niederlegen w\u00fcrde:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDarum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich\u2019s wieder empfange. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.\u201c (Joh 10,17-18)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus sagt hier in gro\u00dfer Eindeutigkeit \u00fcber das Leben: \u201eNiemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es\u201c. Kein Mensch, Teufel, Engel oder D\u00e4mon h\u00e4tte die Macht gehabt, Jesus im Garten Gethsemane zu t\u00f6ten, denn Jesus allein hat die Macht, sein Leben niederzulegen. Niemand h\u00e4tte Jesus t\u00f6ten k\u00f6nnen. Die Vorstellung eines vorzeitigen Eintritt des Todes im Garten Gethsemane ist im biblischen Gesamtzusammenhang nicht haltbar. Erst als Jesus, \u201eder von keiner S\u00fcnde wusste, f\u00fcr uns zur S\u00fcnde gemacht wurde\u201c (2 Kor 5,21), konnte er auch den Tod eines S\u00fcnders sterben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorstellung, Jesus habe im Garten Gethsemane mit dem vorzeitigen Tod gerungen und sei nur durch ein h\u00f6heres Eingreifen seines Vaters bewahrt worden, muss aus folgenden Gr\u00fcnden als unbiblisch zur\u00fcckgewiesen werden: 1.) Die Evangelienberichte schildern einen Gebetskampf, keinen Todeskampf. Die Vorstellung eines Ringen mit dem fr\u00fchzeitigen Tod wurde vom Verfasser der Brosch\u00fcre in den Text hineingetragen. 2.) Der Kelch, von dem Jesus im Garten Gethsemane spricht, wird vom Verfasser der Brosch\u00fcre als fr\u00fchzeitiger Tod im Garten Gethsemane fehlinterpretiert. Jesus selbst gibt dem Kelch dagegen eine eindeutige inhaltliche F\u00fcllung: das bittere Leiden und Sterben am Kreuz (vgl. Joh 18,11; Mt 20,22). 3.) Die Vorstellung, Jesus h\u00e4tte in Gethsemane beinahe sein Leben gelassen, widerspricht der Aussage unseres Herrn, dass er die Alleinverf\u00fcgungsgewalt \u00fcber sein Leben hat: Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater\u201c (Joh 10,18). Das Leben Jesu stand im Garten Gethsemane zu keiner Zeit in Gefahr. Das betende Ringen im Garten zeigt, dass alles in ihm ganz und gar auf das vor ihm liegende Leiden und Sterben auf Golgatha ausgerichtet war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse, Dezember 2022<br \/>\n<\/em><em>Gemeindehilfsbund<br \/>\nM\u00fchlenstr. 42<br \/>\n<\/em><em>29664 Walsrode<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\"><em>www.gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Brosch\u00fcre \u201eGethsemane \u2013 Ein Blick ins Heiligtum\u201c (Missionswerk \u201eChristus f\u00fcr Dich\u201c, 26789 Leer) versucht Pfarrer Karl Huhn das Ringen Jesu im Garten Gethsemane als ein Ringen mit dem vorzeitigen Tod darzustellen. 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