{"id":19737,"date":"2023-03-04T15:21:04","date_gmt":"2023-03-04T14:21:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19737"},"modified":"2023-03-04T15:21:04","modified_gmt":"2023-03-04T14:21:04","slug":"nur-jesus-kann-mir-zeigen-wer-ich-bin-heinrich-kemner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19737","title":{"rendered":"Nur Jesus kann mir zeigen, wer ich bin (Heinrich Kemner)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Heinrich Kemner<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>Jesus wu\u00dfte, was im Menschen war<\/em><\/span><\/p>\n<p>Ein Mann, dem ich ein gro\u00dfes Ma\u00df von seelsorgerlicher Erfahrung zutraue, sagte mir, da\u00df die gr\u00f6\u00dfte Gefahr seines Lebens gewesen sei, Menschenver\u00e4chter zu werden. Diese Gefahr ist dann gegeben, wenn man die R\u00e4tselfrage des Menschentums ohne die Kl\u00e4rung zu l\u00f6sen versucht, die Gott ihr selbst gegeben hat.<\/p>\n<p>Als mir einmal in einer Studentenversammlung jemand zurief: \u201eWir wollen nicht wissen, was Sie reden!\u201c fragte ich zur\u00fcck, was man denn wissen wolle, und bekam die Antwort: <!--more-->\u201eWir wollen wissen, wer Sie sind.\u201c Selten hat mir eine Frage so schnell das Thema geschenkt. Wer sagt mir, wer ich bin? In welcher Dialektik, Philosophie und Religion begreife ich, wer ich bin? Welche Psychologie deutet mir echt die Wirklichkeit? Das Umgetriebensein in dieser Frage sucht eine Antwort. Die L\u00f6sung kann nur Gott allein geben. Die menschlichen Deutungen lassen uns in der Selbstt\u00e4uschung. Auf die Erf\u00fcllung, die mein Leben bewu\u00dft oder unbewu\u00dft sucht, ist Jesus die einzige Antwort. Er ist das Thema der Weltgeschichte geworden. Er ist Weg, Wahrheit und Leben nicht nur in seiner Lehre, sondern dadurch, da\u00df diese Lehre Ausdruck einer Pers\u00f6nlichkeit ist, in der sich Gott und Mensch zugleich deutet.<\/p>\n<p>In Jesu Person und einmalig in seiner Passion werden Heiligkeit und Liebe Gottes f\u00fcr uns anschauliche Begriffe. Ist Gottes Liebe so gro\u00df, da\u00df er seines eingeborenen Sohnes nicht verschonte um unsertwillen, so ist seine Heiligkeit so absolut, da\u00df die Erl\u00f6sung nur vollbracht war, als Jesus in der Gottverlassenheit unsere ganze W\u00fcstennot durchlitten hatte. Gott hat uns erl\u00f6st, weil er uns erlitten hat. Das Kreuz ist Ma\u00dfstab f\u00fcr Gott und Mensch zugleich.<\/p>\n<p>Johannes sagt von Jesus, da\u00df er wu\u00dfte, was im Menschen war. Was bedeutet das? Nichts anderes als das Hinabsteigen in die unheimliche Tiefe der R\u00e4tselfrage des Menschentums. Wie oft habe ich mir gew\u00fcnscht, gewisse Beichten nicht geh\u00f6rt zu haben. Es gab Stunden, in denen ich \u00fcber die Unheimlichkeit und Abgr\u00fcndigkeit des Menschentums verzweifelt war. Ja mehr als das: Wer den andern sieht, entdeckt sich selber auch. Wer kann sagen: \u201eDas kann mir nicht passieren!\u201c? Wie oft habe ich die beneidet, denen es m\u00f6glich ist, alles Menschentum idealistisch zu verkl\u00e4ren oder mit Goethe zu sagen: \u201eAlle menschlichen Gebrechen heilet reine Menschlichkeit.&#8220; Wer den Menschen sehen mu\u00df \u2013 nicht wie er scheint, sondern wie er ist \u2013, der kommt zu Luthers Erkenntnis im Magnifikat: \u201eDa ist gar kein Rat oder Hilfe au\u00dfer dem Kreuz Christi.\u201c<\/p>\n<p>War Jesus in der Seelsorge uns darin voraus, da\u00df er wu\u00dfte, was im Menschen war, da\u00df weder ein Nathanael noch Petrus sich in der Gedankenwelt verbergen konnte, dann ist dieses Wissen f\u00fcr uns die Offenbarung einer Unfa\u00dfbarkeit, wenn wir an den Verrat des Judas denken. Wo gibt es in der Welt jemanden, der in seiner n\u00e4chsten N\u00e4he einen Menschen ertragen k\u00f6nnte, der eine gelebte L\u00fcge ist. Freilich, der Bezug, in dem Judas den Herrn verriet, hatte sicherlich eine edle Erkl\u00e4rung. Der Teufel f\u00e4hrt immer mit einem Zuge, dessen Lokomotive eine edle Wahrheit enth\u00e4lt. Die angeh\u00e4ngten Wagen sind mit Wahrheit getarnte L\u00fcgen. Judas wollte f\u00fcr Jesus und Israel und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr sich etwas Gutes tun. Er konnte nicht auf Gottes Stunde warten und wollte Jesus an die Macht bringen. Es war ihm unbegreiflich, da\u00df Jesus jede Gelegenheit verpa\u00dfte. Er wollte ihn zwingen, endlich von seiner Macht Gebrauch zu machen. Nat\u00fcrlich hat erstrangig auch sein Ehrgeiz eine Rolle gespielt und sicherlich auch sein Denken in geldlichen Werten. Aber entscheidend war das nicht. Er hat das Geld weggeworfen, als er das Unglaubliche entdecken mu\u00dfte, da\u00df Jesus zu den H\u00e4schern sagen konnte: \u201eDies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.\u201c Weil Judas nicht aus der Wahrheit war, endete er im Suchen nach einer Bu\u00dfe, die den Bu\u00dftag Gottes in Christus nicht mehr verstehen konnte.<\/p>\n<p>\u201eWie Jesus geliebt hatte die Seinen, so liebte er sie bis zum Ende\u201c, sagte Johannes. Aber dies Ende war f\u00fcr Judas der Absturz in bodenlose Tiefe. Der Judasku\u00df ist der unheimlichste Ku\u00df der ganzen Weltgeschichte. Das D\u00e4monische und Heilige ber\u00fchrten sich hier auf einer Grenze, die Himmel und H\u00f6lle bedeuten. Die Verdoppelung der Existenz wird hier S\u00fcnde wider den Heiligen Geist. \u201eJudas, verr\u00e4tst du des Menschen Sohn mit einem Ku\u00df?\u201c<\/p>\n<p>Die Judasgeschichte hat sich unendlich oft wiederholt. Sie ist Ausdruck einer Gefahr, gegen die niemand von uns gesichert ist. Als der Herr ank\u00fcndigte: \u201eHeute nacht wird mich einer von euch verraten\u201c, haben alle J\u00fcnger gesagt: \u201eHerr, bin ich\u2018s?\u201c Niemand wu\u00dfte sich unanf\u00e4llig f\u00fcr eine solche Tat. Die M\u00f6glichkeit lag f\u00fcr alle vor der Haust\u00fcr. Offenbar war Judas in seiner diplomatischen Besessenheit nicht mehr f\u00e4hig, Jesu Anruf, die letzte Warnung, echt zu h\u00f6ren. Wer die Gelegenheit Gottes willentlich vers\u00e4umt hat, wer die Stunde der Gnade mi\u00dfachtet, f\u00fcr den wird Gnade Gericht. Petrus ging hinaus und weinte bitterlich, aber Judas ging in die Nacht. Er hat die Antwort auf seine Lebensfrage nicht gefunden. \u201eZu sp\u00e4t, zu sp\u00e4t! O Todesschrei, Jesus von Nazareth ging vorbei!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Herr, bewahre mich vor dem Judasku\u00df! Der du tr\u00e4gst die S\u00fcnde der Welt, erbarme dich unser!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus: Heinrich Kemner, Wir w\u00e4hlen das Leben, Bd. 2, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 1981, S. 17 bis 19.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinrich Kemner Jesus wu\u00dfte, was im Menschen war Ein Mann, dem ich ein gro\u00dfes Ma\u00df von seelsorgerlicher Erfahrung zutraue, sagte mir, da\u00df die gr\u00f6\u00dfte Gefahr seines Lebens gewesen sei, Menschenver\u00e4chter zu werden. Diese Gefahr ist dann gegeben, wenn man die R\u00e4tselfrage des Menschentums ohne die Kl\u00e4rung zu l\u00f6sen versucht, die Gott ihr selbst gegeben hat. 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