{"id":19599,"date":"2023-01-23T11:45:49","date_gmt":"2023-01-23T10:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19599"},"modified":"2023-02-17T09:29:32","modified_gmt":"2023-02-17T08:29:32","slug":"irrungen-und-wirrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19599","title":{"rendered":"Irrungen und Wirrungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Pr\u00e4sesbericht f\u00fcr die Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes hatte sich Michael Diener noch im Februar 2011 f\u00fcr ein bibelgebundenes Verst\u00e4ndnis gleichgeschlechtlicher Sexualit\u00e4t eingesetzt: \u201eAufgrund unseres Verst\u00e4ndnisses des Willens Gottes k\u00f6nnen wir zu praktizierter Homosexualit\u00e4t kein Ja finden. Sie ist S\u00fcnde und steht unter dem Gericht Gottes. Wir halten es f\u00fcr einen verh\u00e4ngnisvollen Irrweg, dass die meisten kirchlichen Verlautbarungen sp\u00e4testens seit 1996 das eindeutige biblische Zeugnis zur Homosexualit\u00e4t dadurch zu entkr\u00e4ften suchen, dass sie es als zeitbedingt einsch\u00e4tzen und das Liebesgebot nicht mehr an die konkreten Weisungen der Heiligen Schrift zur\u00fcck binden. Anstatt Orientierung zu bieten, wird Verwirrung noch vergr\u00f6\u00dfert.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den zur\u00fcckliegenden Jahren hat sich Michael Dieners Haltung zu diesem Thema grundlegend ge\u00e4ndert. Nachlesen kann man das z.B. in seinem Buch \u201eRaus aus der Sackgasse\u201c (adeo-Verlag, 2021): \u201eUnd so fand ich einen Weg \u2013 ganz klar, weil ich ihn gesucht habe. Ich WOLLTE meine ablehnende Haltung gegen\u00fcber queeren Menschen aufgeben, weil ich felsenfest davon \u00fcberzeugt war und bin, dass Gott das Elend, das Leid, die Not, die \u201awir Frommen\u2018 diesen Menschen zugef\u00fcgt haben, nicht will.\u201c Er wendet sich gegen eine \u201efundamentalistische oder biblizistische Lesart der Heiligen Schrift\u201c (S. 187) und fordert alle Gemeinden, Verb\u00e4nde und Werke auf, die bisherige Haltung zu \u00e4ndern und sich f\u00fcr LSBTIQ-Menschen zu \u00f6ffnen: \u201eEs wird die Aufgabe der nachfolgenden Generationen sein, die ich hiermit besonders anspreche, diesen Weg der \u00d6ffnung weiter voranzutreiben\u201c (S. 189). Weiter schreibt er: \u201eDa die evangelischen Kirchen in reformatorischer Tradition die Ehe als ein \u201eweltlich Ding\u201c betrachten, ist es nur folgerichtig, wenn sie gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen Gottes nicht verweigern\u201c (S. 193).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 10. September 2022 sprach sich Diener bei der Konferenz \u201eComing-In\u201c in Niederh\u00f6chstadt (veranstaltet wurde die Konferenz von Zwischenraum e.V. in Kooperation mit der evangelischen Andreasgemeinde Niederh\u00f6chstadt) daf\u00fcr aus, f\u00fcr christliche Gemeinden zu arbeiten, \u201ein denen Menschen nach ihrem Coming Out ein herzliches Coming In erfahren, egal, ob lesbisch, schwul, bi, trans, hetero oder anders queer.\u201c Michael Diener teilte den rund 400 Teilnehmern der Konferenz mit, dass er sich heute f\u00fcr den Pr\u00e4sesbericht von 2011 sch\u00e4me und in gender- und sexualethischen Fragen eine Entwicklung durchgemacht habe; er sei vom \u201eSaulus zum Paulus\u201c geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus? Einen Moment bitte! Meint er etwa den Paulus, der die Korinther lehrte: \u201eNicht \u00fcber das hinaus, was geschrieben steht\u201c (1 Kor 4,6)? Den Paulus, der an die R\u00f6mer schrieb, dass homosexuelle Praxis eine widernat\u00fcrliche Verirrung sei (R\u00f6m 1,26-27)? Den Paulus, der lehrte, dass ein gleichgeschlechtlicher Lebensstil mit vielen anderen Verhaltensweisen zum Ausschluss aus dem Reich Gottes f\u00fchrt, der aber auch wusste, dass eine Ver\u00e4nderung der sexuellen Orientierung oder ein enthaltsamer Lebensstil mit Gottes Hilfe m\u00f6glich ist (1 Kor 6,9-11)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, eine Bekehrung vom Saulus zum Paulus kann Michael Diener in dieser Frage sicher nicht f\u00fcr sich beanspruchen. Es gibt allerdings ein mahnendes Paulus-Wort, das Dieners Entwicklung pr\u00e4gnant auf den Punkt bringt: \u201eDenn das wei\u00df ich, dass nach meinem Abschied rei\u00dfende W\u00f6lfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden. Auch aus eurer Mitte werden M\u00e4nner aufstehen, die Verkehrtes reden, um die J\u00fcnger an sich zu ziehen\u201c (Apg 20,29-30).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Diener stellt sich offen gegen die biblische Sexualethik und fordert Evangelikale und Pietisten auf, gleichgeschlechtliche bzw. queere Lebensentw\u00fcrfe zu akzeptieren und zu segnen. Es ist offensichtlich, dass Diener, der immer wieder das Br\u00fcckenbauen betont (S. 64), auf diese Weise Uneinigkeit unter Christen s\u00e4t und die Gemeinden spaltet. Schlimmer noch, er verhindert, dass Menschen umfassend zu Gott umkehren und zu einem geheiligten Leben angeleitet werden. In Anlehnung an seinen eigenen Pr\u00e4sesbericht von 2011 k\u00f6nnte man auch sagen: Statt Orientierung zu bieten, hat Diener die Verwirrung in Gemeinden und Werken noch vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Herr sagt durch den Propheten Jeremia: \u201eDenn wenn sie in meinem Rat gestanden h\u00e4tten, so h\u00e4tten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem b\u00f6sen Wandel und von seinem b\u00f6sen Tun zu bekehren\u201c (Jer 23,22). Michael Diener best\u00e4rkt Menschen, an ihren S\u00fcnden festzuhalten, und hindert sie, einen Weg der Heiligung einzuschlagen und die ver\u00e4ndernde Kraft des Heiligen Geistes zu erfahren. Ist das die Liebe, die uns die Schrift lehrt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Diener fordert eine Willkommenskultur f\u00fcr LGBTIQ-Menschen in evangelikalen und pietistischen Gemeinden. In der Tat: Willkommen sind alle! Er macht aber den Fehler, mit dieser Forderung zugleich die biblische Ethik aus den Angeln zu heben. Dass es eine \u00fcberzeugende Alternative zu Dieners Ansatz gibt, kann man in dem Buch \u201eIst Gott homophob?\u201c von Sam Allberry nachlesen (Christliche Verlagsgesellschaft, 2021). Der anglikanische Pastor, der anders als Michael Diener selbst Betroffener ist, setzt sich ebenfalls daf\u00fcr ein, dass sich Gemeinden f\u00fcr schwul oder lesbisch empfindende Menschen \u00f6ffnen, aber unter Beibehaltung der apostolischen Sexualethik: \u201eWie tief verwurzelt es in manchen auch sein mag, homosexuelles Verhalten ist nicht unausweichlich. Auch jemand, der seine Homosexualit\u00e4t auslebt, kann von Gott erneuert werden. Gef\u00fchle und Versuchungen m\u00f6gen bleiben. Paulus\u2018 Warnung an seine Leser, nicht in ihren fr\u00fcheren Lebensstil zur\u00fcckzufallen, l\u00e4sst vermuten, dass ein gewisses Verlangen noch da ist. Aber in Christus sind wir nicht mehr die, die wir einmal waren. Wer aus einem aktiven homosexuellen Lebensstil kommt, braucht einen neuen Blick auf sich selbst. Was uns einmal bestimmt hat, definiert uns nicht mehr\u201c (S. 50).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist den christlichen Gemeinden und Werken nur zu w\u00fcnschen, dass sie nicht den Irrungen und Wirrungen Michael Dieners folgen, sondern sich an einer Willkommenskultur orientieren, die an Gesetz und Evangelium gebunden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Aufbruch \u2013 Informationen des Gemeindehilfsbundes 3\/2022 (Dezember)<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/aufbruch_3_2022.pdf\"><strong>Sie k\u00f6nnen die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Wenn Sie den Aufbruch (kostenlos) abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes: <\/em><a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Pr\u00e4sesbericht f\u00fcr die Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes hatte sich Michael Diener noch im Februar 2011 f\u00fcr ein bibelgebundenes Verst\u00e4ndnis gleichgeschlechtlicher Sexualit\u00e4t eingesetzt: \u201eAufgrund unseres Verst\u00e4ndnisses des Willens Gottes k\u00f6nnen wir zu praktizierter Homosexualit\u00e4t kein Ja finden. 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