{"id":19511,"date":"2022-12-24T10:02:29","date_gmt":"2022-12-24T09:02:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19511"},"modified":"2022-12-26T11:38:42","modified_gmt":"2022-12-26T10:38:42","slug":"ich-steh-an-deiner-krippen-hier-zum-weihnachtslied-von-paul-gerhardt1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19511","title":{"rendered":"\u201eIch steh an deiner Krippe(n) hier \u2026\u201c  Zum Weihnachtslied von Paul Gerhardt[1]"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es gibt wenige Lieder, die mich so ber\u00fchren wie \u201eIch steh an deiner Krippe hier \u2026\u201c Advents- und Weihnachtslieder haben wir in der Christenheit ja recht viele und sch\u00f6ne, und bei den bekanntesten w\u00fcrden wohl \u201eStille Nacht \u2026\u201c und \u201eO du fr\u00f6hliche \u2026\u201c voranstehen. F\u00fcr mich geh\u00f6rt dieses Lied zu den mir allerliebsten Weihnachtsliedern. Das hat neben dem ruhigen Gang der Melodie vor allem mit der Verbindung von Dichtkunst, theologischer Tiefe und pers\u00f6nlichem Bekennen zu tun \u2013 und es ber\u00fchrt. Gerne will ich mit Ihnen den Liedstrophen nachgehen und deren Aussagen erkunden. Zun\u00e4chst aber kurz einige Informationen zum Lied.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich steh an deiner Krippe(n) hier \u2026<\/em> stammt von Paul Gerhardt (1607\u20131676), einem der gr\u00f6ssten Dichter des evangelischen Kirchlieds. Es ist ab 1653 nachweisbar und findet sich in vielen Kirchengesangb\u00fcchern: Im Gesangbuch der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz (RG), an dem wir uns orientieren, figuriert es unter der Nummer 402 und enth\u00e4lt 7 der urspr\u00fcnglich insgesamt 15 Strophen (Originaltext 1653 in Wikipedia: Ich steh an deiner Krippen hier). Weiter findet sich das Lied im deutschen Evangelischen Gesangbuch (EG 37, 9 Strophen) sowie in Liederb\u00fcchern von Freikirchen und Gemeinschaften. Es ist auch in den r\u00f6misch-katholischen Gesangb\u00fcchern der Schweiz (KG 333) und Deutschlands (GL 256) enthalten und wird also \u00f6kumenisch gesungen. Die beigegebene Melodie soll von Johann Sebastian Bach stammen (singbar ist das Lied auch zur Luthermelodie von RG 291).<\/p>\n<div id=\"attachment_19514\" style=\"width: 432px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-19514\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-19514 size-full\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild2.jpg\" alt=\"\" width=\"422\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild2.jpg 422w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild2-300x206.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 422px) 100vw, 422px\" \/><p id=\"caption-attachment-19514\" class=\"wp-caption-text\">Gerard van Honthorst (1592\u20131656), Adoration of the Child (ca. 1620), Uffizien-Gallerie, Florenz.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Ich steh an deiner Krippe hier \u2026 \u2013\u00a0die Strophen 1 und 2<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-19512\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild1.jpg\" alt=\"\" width=\"459\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild1.jpg 459w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild1-300x251.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 459px) 100vw, 459px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Abfolge von Bildern, die uns jeden Tag locken, erfreuen, erschrecken und erm\u00fcden, ist gross. Dies alte Weihnachtslied fasst ein einziges Bildgeschehen in Worte, von dem alles Weitere ausgeht: <em>Ich steh an deiner Krippe hier \u2026 <\/em>Mit diesen Worten werde ich gleichsam an der Hand genommen, zum Kind in der Krippe und zum Bekennen des Glaubens gef\u00fchrt. Es kommt zum innig-vertrauten Zwiegespr\u00e4ch mit dem Heiland. Im Vordergrund steht nicht rechtes Denken und gutes F\u00fchlen, sondern die Begegnung und heilvolle Verbindung mit dem, den ich als <em>Jesu, du mein Leben <\/em>anspreche. Das Sehen auf das Christkind \u00f6ffnet den Blick auf das weitere Geschehen, dass Jesus Christus getan hat \u2013\u00a0auch f\u00fcr mich. Er ist der gekreuzigte und auferstandene Herr seiner Gemeinde. Im sprechenden und singenden <em>Ich<\/em> \u00e4usserst sich jedes selbst, zugleich wird das Ich zum Wir: Die der Erl\u00f6sten sammelt sich singend um die Krippe. Zeiten werden dabei \u00fcbersprungen beziehungsweise \u201e\u00fcberblendet\u201c. Sehe ich mit den inneren Augen die Krippe und mich beim Christkind stehen und wird mir derart eine innige Verbindung mit Jesus Christus gew\u00e4hrt, spricht man von \u201eMystik\u201c. Das Wort ist grie\u00adchi\u00adschen Ursprungs und bedeutet: \u201edie Augen schliessen\u201c. Das Schlies\u00adsen der Au\u00ad\u00adgen dient zum Freiwerden von \u00e4usseren Ablenkungen. Die geschlos\u00adse\u00adnen Augen helfen, die inneren Augen zu \u00f6ffnen, um die g\u00f6ttliche Wahr\u00adhei\u00ad\u00adt zu schauen. Insofern ist dieses Weih\u00adnachts\u00adlied eine Sehschule des Glaubens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind nicht die ersten, die an die Krippe treten. Die Zahl derer ist \u00fcber die Jahrhunderte hinweg gross und reicht zur\u00fcck bis zum Geschehen selbst: zur Mutter Maria und Joseph, ihrem Anvertrauten; zu den Hirten, die vom Felde und den Weisen, die aus der Ferne kamen. Wo eine Futterkrippe steht, sind auch Tiere da. Sie werden in der Weihnachtsgeschichte nicht erw\u00e4hnt; beim Propheten Jesaja aber steht: \u201eEin Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn \u2026\u201c (Jesaja 1,3). Dieses Prophetenwort war der Ausl\u00f6ser, dass auf vielen Bildern und bei Weihnachtsauff\u00fchren auch Ochs und Esel ihren Platz haben. Deren Futterkrippe ist freilich \u201ebelegt\u201c: das Erl\u00f6serkind liegt darin; und es gereicht zur \u201eNahrung\u201c f\u00fcr alle Welt. Mit denen, die kommen in der Heiligen Nacht, aber auch mit Ochs und Esel, die schon da sind, stehen nun auch wir an jener Krippe und sagen, singen und bekennen:<em> Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben \u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem <em>Stehen<\/em> ist Hingabe verbunden: <em>Kommen, Bringen, Schenken. <\/em>Es ist dies Antwort auf Gottes Hingabe: <em>Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.<\/em> Was haben wir, was wir nicht von ihm h\u00e4tten? Ist er doch Sch\u00f6pfer, Retter und Vollender des Lebens. Und dann bitte ich, dass er es annehmen m\u00f6ge, es ihm gefallen darf, wenn ich als von Ihm Beschenkter mein Leben ihm ausliefere: <em>Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir&#8217;s wohl gefallen.<\/em> Wir leben in einer Welt, die haben will, die fordert, die nimmt \u2013 hier tut sich eine Welt des Gebens auf: Wer von Gott beschenkt und von Christi Liebe gen\u00e4hrt ist, vermag zu schenken. So wie die Weisen aus dem Morgenlande ihre Gaben vor das Kind legen, tut es mit dem Lob der Lippen der Betende und Singende. Gaben, Talente und Geschenke sind das eine; das Tiefste ist die Selbsthingabe \u2013 mit allem, was mich ausmacht an Freude und Not, an Licht und Dunkelheit, an Gaben und Grenzen. Die Selbsterniedrigung Gottes in der Mensch\u00adwerdung und die antwortende Selbsthingabe bekommen im Zeichen des Vorrangs der \u201eDistanzhaltung\u201c und \u201eDistanzierung\u201c in Corona-Zeiten einen beson\u00adderen Akzent: Das Nahekommen Gottes auf Erden zur Erl\u00f6sung ist unfassbar gross und l\u00e4sst uns in staunendem Dank und Hingabe an Gott und die Menschen nahekommen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die innige Wechselseitigkeit von Gottes Schenken und mein Mich-ihm-Schenken als Antwort darauf setzt sich in der zweiten Liedstrophe fort. Innerlich beim neugeborenen Christuskind stehend verbinden sich die Gedanken und Worte nun mit der eigenen Geburt: <em>Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren \u2026<\/em> Doppelsinnig werden leibliches und geistliches Geschehen verbunden. Jesu Geburt und davon ausgehend sein Heil sind Ausl\u00f6ser und Grundlage meines Heilwerdens, meiner von Gott her geschenkten Neugeburt. Dabei ist Jesu erw\u00e4hlendes und erl\u00f6sendes \u201eZuvor\u201c (<em>noch nicht \u2013 eh ich \u2013\u00a0eh ich \u2013 schon<\/em>) betont und Grund dankbaren Staunens: <em>\u2026 und hast mich dir zu Eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. <\/em>Es ist das Sehnen und Suchen des Liebenden, das schon vor meiner Zeit da war und mich gefunden hat. Die Worte lehnen sich an Psalm 139,16 an: \u201eDeine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war \u2026\u201c Bevor mein Herz zu schlagen anfing, bin ich von Gott gewollt und in seinem Herzen \u201egezeugt\u201c worden \u2013\u00a0unabh\u00e4ngig von meinen leiblichen Eltern. Im Lied singen wir es mit diesen Worten: <em>Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Du warest meine Sonne \u2026 \u2013\u00a0die Strophen 3 und 4<\/em><\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><em>Ich lag in tiefster Todesnacht, \/ du warest meine Sonne, \/ die Sonne, die mir zugebracht \/ Licht, Leben, Freud und Wonne. \/ O Sonne, die das werte Licht \/ des Glaubens in mir zugerich\u2019, \/ wie sch\u00f6n sind deine Strahlen!<\/em><\/li>\n<li><em>Ich sehe dich mit Freuden an \/ und kann mich nicht satt sehen; \/ und weil ich nun nichts weiter kann, \/ bleibe ich anbetend stehen. \/ O dass mein Sinn ein Abgrund w\u00e4r \/ und meine Seel ein weites Meer, \/ dass ich dich m\u00f6chte fassen!<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Christus-Sonne mit ihrem Leuchten und Strahlen ist das Leitmotiv der dritten Strophe. Ihr Licht erhellt die Dunkelheit des Stalls in der Heiligen Nacht. Sie sprengt auch die Finsternis von Tod und Grab. Weihnachten und Ostern finden im Lied zusammen, und die Sonne fand den Weg in meiner Schuldverfallenheit: <em>Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne \u2026<\/em> \u00a0Der Heiland sucht und findet mich dort, wo niemand hinsieht und auch ich selbst nicht hinschauen will. Er nimmt sich meiner S\u00fcndennot an und macht mich heil. Wo Jesus Christus in mein Leben kommt, wird Leben geschenkt, hat Sch\u00f6nheit und W\u00e4rme sich niedergelassen. Die Erfahrungen dieser Welt m\u00f6gen die Sonne immer wie\u00adder eindunkeln und tr\u00fcben, aber auszul\u00f6schen verm\u00f6gen sie sie nicht. Die Begegnung der Liebenden f\u00fchrt zu diesen Worten: <em>Ich sehe dich mit Freuden an \/ und kann mich nicht satt sehen \u2026<\/em> Und sie f\u00fchrt zum Stehen in Anbetung, das vom Stehen an der Krippe ausgeht (Strophe 1). Sie schliesst sich all denen an, die zuvor schon an der Krippe sich niedergebeugt (vgl. Matth\u00e4usevangelium 2,11) und danach das \u00dcbergrosse verk\u00fcndet haben (vgl. Lukasevangelium 2,17). Den Ewigen und was er brachte zu fassen, ist der Wunsch:<em> O dass mein Sinn ein Abgrund w\u00e4r und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich m\u00f6chte fassen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerhard Sch\u00f6ne, ein moderner Liederdichter, hat die Strophen 3 und 4 umgestellt und ihre Worte parodiert: \u201eIch sehe dich mit Zweifeln an \/ und will mich von dir wenden. \/ Das Geld, das ich dir geben kann, \/ klebt fest an meinen H\u00e4nden. \/ \u2019ne kleine Spende bring ich dir, \/ dann ist \u2019s Gewissen still in mir, \/ und ich kann besser schlafen. \/\/ Ich lieg in tiefer Todesnacht. \/ Kein Traum will mehr gelingen. \/ Hab T\u00fcr und Fenster zugemacht. \/ Der Mund mag nicht mehr singen. \/ O Gott des Lebens, hol mich raus! \/ Brich ein in dieses tote Haus \/ und mach es hell darinnen.\u201c Manchmal entsprechen diese neuen Worte unserem Ergehen und Empfin\u00adden mehr als die alten. Wenn wir die vom alten Gerhardt beten, bekennen und singen, ist es gut, auch um diese vom sp\u00e4teren Gerhard zu wissen und sie mit vor Gott zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>So lass mich doch dein Kripplein sein \u2026 \u2013\u00a0die Strophen 5 bis 7<\/em><\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"5\">\n<li><em>Du fragest nicht nach Lust der Welt, \/ noch nach des Leibes Freuden; \/ du hast dich bei uns eingestellt, \/ an unserer Statt zu leiden, \/ suchst meiner Seele Herrlichkeit \/ durch Elend und Armseligkeit; \/ das will ich dir nicht wehren.<\/em><\/li>\n<li><em>Eins aber, hoff ich, wirst du mir, \/ mein Heiland, nicht versagen: \/ dass ich dich m\u00f6ge f\u00fcr und f\u00fcr \/ in, bei und an mir tragen. \/ So lass mich doch dein Kripplein sein; \/ komm, komm und lege bei mir ein \/ dich und all deine Freuden.<\/em><\/li>\n<li><em>Zwar soll ich denken, wie gering \/ ich dich bewirten werde: \/ Du bist der Sch\u00f6pfer aller Ding, \/ ich bin nur Staub und Erde; \/ doch bist du so ein lieber Gast, \/ dass du noch nie verschm\u00e4het hast \/ den, der dich gerne siehet.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Strophe 5 geht es um Lust und Leiden, vor allem um das zweite. Es b\u00fcndelt sich in der tiefen Wahrheit, dass der Heiland mir zugute am Kreuz gelitten und bezahlt hat \u2013 damit ich von der Schuld befreit, f\u00fcr das Leben frei und froh sein darf. Aus einem Nazi-Konzentrationslager wird folgende Begebenheit berichtet: \u201eMorgens mussten die M\u00e4nner zum Appell antreten. Irgendeine ungl\u00fcckliche Sache war passiert. Darauf aber folgte eine heftige Strafaktion. Jeder Zehnte musste vortreten und wurde erschossen. Einfach nur so, ohne Beschuldigung oder Verteidigung! Willk\u00fcr der Macht, die sklavischen Gehorsam erzwingen will. Nat\u00fcrlich z\u00e4hlten alle heimlich vor. Voller Schrecken durchfuhr es einen von ihnen: ,Ich bin der Zehnte!\u2018 N\u00e4her und n\u00e4her kamen die Stimmen der Z\u00e4hlenden. Da tauschte sein Nachbar in einem unbeobachteten Moment mit ihm die Pl\u00e4tze: .Lass mich, du hast noch Kinder und eine Frau\u2018, fl\u00fcsterte er leise, ehe der andere abwehren konnte. Er ging in den Tod an seiner Statt! Niemals w\u00fcrde er diesen Menschen vergessen.\u201c (Gremels, Leuchtfeuer, 97). Jesus hat sich f\u00fcr mich \u201eausgetauscht\u201c \u2013 nur dass mein Tod nicht willk\u00fcrlich, sondern aufgrund meines Lebens vor Gottes himmlischem Gericht rechtens w\u00e4re. Lass es mich tun! sagte Jesus auf Golgatha, und er sagt es dir und mir: Ich habe es aus Liebe f\u00fcr dich getan!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-19518\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild3.jpg\" alt=\"\" width=\"574\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild3.jpg 574w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bild3-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 574px) 100vw, 574px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Stehen an der Krippe hatte das Lied begonnen. Wer den Liedweg mitgegangen ist, kommt am Ende in den Strophen 6 und 7 beim Wunsch an, dass mein Leben zur \u201eKrippe\u201c und zum bescheidenen Herbergsort f\u00fcr den Heiland in dieser Welt werden darf. Selbstverst\u00e4ndlich ist es ja keineswegs, dass der heilige Gott, der Auferstandene durch seinen Geist in meiner Bed\u00fcrftigkeit und Hinf\u00e4lligkeit heimisch werden will. Doch er hat es zugesagt, und so ist es gewiss, dass er als <em>ein lieber Gast <\/em>keinen verschm\u00e4ht, der ihm die T\u00fcr \u00f6ffnet \u2013 gem\u00e4ss dem letzten Buch der Heiligen Schrift, wo der Auferstanden sich mit diesen Worten an die Gemeinde richtet: \u201eSiehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme h\u00f6ren wird und die T\u00fcr auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.\u201c (Offenbarung 3,20) Zwar bin ich nur <em>Staub und Erde<\/em> bzw. werde einmal mein irdisches Kleid ablegen (vgl. Psalm 90). Doch der Ewige m\u00f6ge in dieser Erdenzeit nicht <em>ein lieber Gast<\/em> sein, der sich wieder verabschiedet. Vielmehr m\u00f6chte ich ihn <em>f\u00fcr und f\u00fcr in, bei und an mir tragen<\/em> \u2013 bis ich einmal in Ewigkeit bei ihm nicht nur Gast, sondern zuhause sein werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Beat Weber, Trouvaille Nr. 25, Evangelische Stadtmission Basel 2020<\/em> (vgl. <a href=\"https:\/\/www.stadtmissionbasel.com\/trouvaillen\">https:\/\/www.stadtmissionbasel.com\/trouvaillen<\/a>)<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[1] Den Ausf\u00fchrungen zugrunde liegt eine in der Kirchgemeinde Linden (BE) an Weihnachten 2007 gehaltene Predigt (anl\u00e4sslich des 400. Geburtstags des Pfarrers und Liederdichters Paul Gerhardt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Literatur und Links:<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Ch. Brunners \/ P. Bernoulli, Ich steh an deiner Krippe hier, in: \u00d6kumenischer Liederkommentar zum KG, RG und CG der Schweiz (\u00d6LK), Lfrg. 1, Basel \u2013 Z\u00fcrich 2001.<\/li>\n<li>Ich steh an deiner Krippen hier, https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ich_steh_an_deiner_Krippen_hier.<\/li>\n<li>Paul Gerhardt, https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Gerhardt.<\/li>\n<li>G. Gremels, Leuchtfeuer des Glaubens. Meditationen zu Liedern von Paul Gerhardt, Marburg 2007.<\/li>\n<li>Ch. Reich, Ich steh an deiner Krippen hier, in: H. Becker u.a. (Hg.), Geistliches Wunderhorn: Gro\u00dfe deutsche Kirchenlieder, M\u00fcnchen <sup>3<\/sup>2003, 249\u2013261.<\/li>\n<li>G. R\u00f6dding, Warum sollte ich mich denn gr\u00e4men: Paul Gerhardt \u2013 Leben und Dichten in dunkler Zeit, Neukirchen-Vluyn 2006.<\/li>\n<li>K.Ch. Tust, Die Lieder des Evangelischen Gesangbuchs (EG 1\u2013269), Kassel 2012.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Hinweise verdanke ich auch meinem Kollegen und profunden Kenner des Kirchenlieds Pfr. Dr. theol. h.c. Hans-J\u00fcrg Stefan).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt wenige Lieder, die mich so ber\u00fchren wie \u201eIch steh an deiner Krippe hier \u2026\u201c Advents- und Weihnachtslieder haben wir in der Christenheit ja recht viele und sch\u00f6ne, und bei den bekanntesten w\u00fcrden wohl \u201eStille Nacht \u2026\u201c und \u201eO du fr\u00f6hliche \u2026\u201c voranstehen. F\u00fcr mich geh\u00f6rt dieses Lied zu den mir allerliebsten Weihnachtsliedern. 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