{"id":19481,"date":"2022-12-16T16:37:25","date_gmt":"2022-12-16T15:37:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19481"},"modified":"2022-12-17T09:25:43","modified_gmt":"2022-12-17T08:25:43","slug":"predigt-ueber-lukas-15-25-eine-unerhoerte-adventsgottesdienststoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19481","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Lukas 1,5-25: Eine unerh\u00f6rte Adventsgottesdienstst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Advent bedeutet Ankunft. Oder, etwas pr\u00e4ziser formuliert: Die Vorbereitungszeit vor der Ankunft. Angekommen ist Jesus an Weihnachten. Aber Jesus kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Gott hat sein Kommen von langer Hand vorbereitet. Und die wichtigste Person in dieser Vorbereitungszeit ist Johannes der T\u00e4ufer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zu der Zeit des Herodes, des K\u00f6nigs von Jud\u00e4a, lebte ein Priester von der Ordnung Abija mit Namen Zacharias, und seine Frau war von den T\u00f6chtern Aaron, die hie\u00df Elisabeth. 6 Sie waren aber alle beide gerecht und fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt. 8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, 9 dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das R\u00e4ucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>10 Und die ganze Menge des Volkes betete drau\u00dfen zur Stunde des R\u00e4ucheropfers. 11 Da erschien ihm der Engel des Herrn, der stand an der rechten Seite des R\u00e4ucheraltars. 12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht \u00fcberfiel ihn. 13 Aber der Engel sprach zu ihm: F\u00fcrchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erh\u00f6rt, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn geb\u00e4ren, dem sollst du den Namen Johannes geben. 14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich \u00fcber seine Geburt freuen. 15 Denn er wird gro\u00df sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getr\u00e4nk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erf\u00fcllt werden mit dem Heiligen Geist. 16 Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der V\u00e4ter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. 18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist hochbetagt. 19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verk\u00fcndigen. 20 Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden k\u00f6nnen bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erf\u00fcllt werden sollen zu ihrer Zeit. 21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. 23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. 24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich f\u00fcnf Monate verborgen und sprach: 25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen. (<\/em>Lk 1,5-25)<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn so ein netter, vielleicht gelangweilter Konfirmand, den Pfarrer im Gottesdienst mit einem Gummiring beschie\u00dft und kichert, dann kommt der Pfarrer von der Rolle. Das ist dann eine Gottesdienstst\u00f6rung. Wenn der Pfarrer w\u00e4hrend der Predigt einen Schw\u00e4cheanfall bekommt und hinausgetragen werden muss, dann ist das eine Gottesdienstst\u00f6rung. Aber irgendjemand wird den Gottesdienst schon noch zu Ende bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist, wenn Gott den Gottesdienst st\u00f6rt. Ich will es euch sagen, dann ist Advent. Es war ein einfacher Adventsgottesdienst damals, ohne Band und Anspiel, drau\u00dfen standen die Leute. Man wartete nur noch auf den Segen und dann ab zur Sportschau. Aber der Priester machte \u00dcberstunden aus unerfindlichen Gr\u00fcnden. Interessant war das nicht. Erbaulich war das noch nicht mal f\u00fcr den Pfarrer, denn der hatte die blanke Angst und dachte zuerst er w\u00fcrde Gespenster sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott den Gottesdienst st\u00f6rt, dann ist Advent. Ich wei\u00df nicht was wir machen w\u00fcrden, wenn Gott sich so einmischen w\u00fcrde in unsern Adventsgottesdienst, so st\u00f6ren w\u00fcrde. Aber an dieser adventlichen Gottesdienstst\u00f6rung, wenn Gott st\u00f6rt, schafft er Klarheit. Das ist der Sinn seiner St\u00f6rung. Er will nicht durcheinanderbringen, er will Klarheit schaffen, da wo die Routine, die Gewohnheit, uns schl\u00e4frig gemacht hat, uns tr\u00e4ge gemacht hat, uns Hornhaut auf der Seele verpasst hat, da will er uns Klarheit schenken. Wo Gott st\u00f6rt schafft er Klarheit. Lasst mich aus dieser faszinierenden Geschichte einige Gesichtspunkte rausgreifen, an denen ich deutlich machen m\u00f6chte, wie Gott mit seiner St\u00f6rung Klarheit schafft.<\/p>\n<p><strong>1. Ein altes, aber nicht verstaubtes Ehepaar.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Dinge werden hier von Zacharias und Elisabeth gesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erstens: <\/strong>Sie lebten so, wie es Gott gefallen hat. Das hei\u00dft nicht, dass sie s\u00fcndlos waren. Aber sie hatten das Herz auf dem rechten Fleck. Lange Jahre haben sie tadellos ihren Glauben gelebt, alles tip top. Es waren zwei zuverl\u00e4ssige Menschen. Ihr h\u00f6chstes Ziel war es, Gott mit ihrem Leben zu dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zweitens: <\/strong>Das Ehepaar hatte keine Kinder. Kinderlosigkeit war f\u00fcr die Menschen damals eine mittlere Katastrophe. Wer keine Kinder hatte, hatte niemand, der sie im Alter versorgte. Kinder waren sozusagen ein anderes Wort f\u00fcr <strong>Pensionskasse.<\/strong> Aber Kinderlosigkeit war nicht nur aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden schlimm, sondern vor allem aus <strong>religi\u00f6sen.<\/strong> Sie wurde als Schmach empfunden. Es war, als w\u00e4re man bei Gott in Ungnade gefallen. Wer keine Kinder bekommt, muss von Gott gestraft sein, dachten die Leute. Kinder sind ein Geschenk Gottes, hei\u00dft es in einem Psalm (127,3). Wem Gott dieses Geschenk vorenth\u00e4lt, der muss irgendetwas ausgefressen haben. Ein kinderloses Ehepaar wurde verachtet, und stand im Verdacht, doch nicht wirklich fromm zu sein. Zacharias und vor allem Elisabeth werden viel darunter gelitten haben. Denn sie lebten doch so, wie es Gott gefiel! Indem Lukas das so nebeneinanderstellt \u2013 ihre Fr\u00f6mmigkeit und ihre Kinderlosigkeit \u2013, macht er klar: Sie waren nicht von Gott gestraft. Es lag nicht an irgendeiner Schuld von ihnen, dass sie keine Kinder hatten. Es musste einen anderen Grund daf\u00fcr geben. Wer wei\u00df, vielleicht hat Gott noch etwas ganz Besonderes mit ihnen vor? <strong>Zacharias<\/strong> hei\u00dft auf deutsch: <strong>Gott gedenkt.<\/strong> Da liegt der <strong>Schl\u00fcssel<\/strong> der ganzen Geschichte. Gott gedenkt nicht nur des alten Zacharias und der Elisabeth, sondern zugleich auch seines Volkes Israel. Gott gedenkt auch an dich und mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Dritte<\/strong>, was von Zacharias berichtet wird: Er war ein Priester. Aha, denken wir, dann war er also ein Tempelangestellter, und sein Arbeitsplatz war der Tempel. So simpel war das aber nicht. Es gab damals, eigentlich viel zu viele Priester, um die 18.000, sch\u00e4tzt man. Die Priester waren in Priesterklassen eingeteilt, das geht bis auf K\u00f6nig David zur\u00fcck (1. Chr. 24,1-19; f\u00fcr Abija siehe Vers 10 und vergleiche Nehemia 12,17), 24 Klassen insgesamt, und jede Klasse war <strong>zweimal pro Jahr<\/strong> f\u00fcr eine Woche mit dem Tempeldienst dran. Die \u00fcbrige Zeit lebten die meisten Priester au\u00dferhalb von Jerusalem; von Zacharias wird gesagt, dass er dann zu seiner Frau ins Bergland von Jud\u00e4a zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p><strong>2. Ein nicht erh\u00f6rtes, aber dann doch erh\u00f6rtes Gebet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eF\u00fcrchte dich nicht!\u201c<\/strong> sagt der <strong>Bote Gottes<\/strong> dem Zacharias, \u201edenn dein Gebet ist erh\u00f6rt.\u201c Jetzt wird der Name Zacharias Programm, Gott <strong>gedenkt<\/strong> an sie. Wir lesen nicht in der Bibel was der Zacharias gebetet hat. Viele denken er h\u00e4tte darum gebetet, dass sie auf ihre alten Tagen noch ein Kind bekommen. Aber das glaube ich nicht. Denn Zacharias konnte auch rechnen und hatte trotz seines Theologiestudiums kapiert: Wir sind zu alt! Sie h\u00e4tten sehr gerne Kinder gehabt, aber dann hat er sich auch damit abgefunden. Er hat sich gedacht, jetzt sind wir zu alt, Oma und Opa noch ein Baby, da kriegen wir ja einen Rappel. Viele haben geraten: Was hat er denn gebetet? <strong>Luther<\/strong> sagt: Das allgemeine Gebet des Volkes war so: \u201eAch, dass der Messias k\u00e4me und br\u00e4chte deinem Volk Hilfe!\u201c So war das an Gott gerichtet. Herr schick den Messias, den K\u00f6nig, die Schl\u00fcsselfigur. Er sollte die T\u00fcren aufschlie\u00dft zur Freiheit, zur Gerechtigkeit, zu einem Leben, das den Namen Leben verdient. Ach, dass der Messias k\u00e4me und br\u00e4chte deinem Volk Hilfe. Das war das t\u00e4gliche Gebet in Israel beim Rauchopferaltar, wenn geopfert wurde. Ein Sinnbild dieses t\u00e4glichen Gebetes: Hilfe f\u00fcr Gottes Volk! Schick, du den, der uns befreien kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann passiert die gro\u00dfe <strong>Gebetserh\u00f6hung:<\/strong> F\u00fcrchte dich nicht, Zacharias dein Gebet ist erh\u00f6rt. Aber jetzt achte darauf, wie Gott das tut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es f\u00e4ngt damit an, dass der alte Priester Zacharias im Tempel steht. Er r\u00e4uchert und betet in gro\u00dfer Stille. Als er nun seine Augen erhebt, sieht er den gewaltigen Engel Gabriel (zu deutsch: <strong>Bote Gottes<\/strong>) vor sich stehen. Er erschrickt furchtbar. Aber der Engel tr\u00f6stet ihn und verk\u00fcndet: \u201eDein Weib Elisabeth wird einen Sohn haben, den sollst du Johannes nennen.\u201c Jetzt bewahrheitet sich was Elisabeth hei\u00dft: Elischeba, zu deutsch: <strong>Gott ist mein Eidschwur.<\/strong> \u201eJetzt f\u00e4ngt Gott an, seinen Eid einzul\u00f6sen: Jetzt kommt der, Vorbereiter f\u00fcr den Messias, und der wird dann der Schlange den Kopf zertreten! Johannes wird ein gro\u00dfer Erweckungsprediger werden und viele zum Herrn bekehren. Zacharias, dieses Kind wird der <strong>Herold<\/strong> des Sohnes Gottes, des fleischgewordenen Wortes, des Heilandes, sein. Gott l\u00f6st seinen Eid jetzt ein!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann verstehen, dass der Zacharias gewaltig erschrocken ist. Denn es war \u00fcber <strong>500 Jahre<\/strong> her, dass zuletzt ein Bote Gottes auf der Erde erschienen war. Ja, seit den Zeiten des Propheten Sacharja war kein Engel mehr erschienen. Und Gott hatte auch in diesen <strong>500 Jahren<\/strong> durch keinen Propheten mehr gesprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>500 Jahre lang<\/strong> hatte Gott geschwiegen. <strong>500 Jahre lang<\/strong> war der Himmel verschlossen. Das ist furchtbar! Da verw\u00fcsten schreckliche Kriege das Angesicht der Erde; Kinder werden get\u00f6tet; M\u00e4nner fallen; Frauen werden gesch\u00e4ndet; unz\u00e4hlige Tr\u00e4nen werden geweint \u2013 und Gott schweigt. Der Himmel bleibt zubetoniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird frech gesungen: Lebt denn der Alte Holzmichel noch? Es wird frech ges\u00fcndigt; Fromme schreien zu Gott; Philosophen diskutieren, ob er \u00fcberhaupt existiere; Freidenker spotten, er sei eine Erfindung der Dummen \u2013 und Gott schweigt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist geradezu unheimlich, dass man im Blick auf Gott manchmal so fragen muss. Man h\u00f6rt nichts von ihm. Man sieht nichts von ihm. Die Welt geht offenbar ohne ihn weiter. Gott ist so regungslos, dass man meinen k\u00f6nnte, er sei gestorben. \u2013 Es gibt ein seltsames Wort im Propheten Jesaja: \u201eSo spricht der Herr: Ich will stillhalten und schauen in meinem Sitz wie bei heller Hitze im Sonnenschein.\u201c (Jes. 18,4) Es gibt nichts Stilleres als eine Sommerlandschaft in br\u00fctender Hitze. So regungslos kann Gott sein. \u201eLebt er noch?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis auf einmal Advent wird: Da \u00f6ffnet sich die unsichtbare Welt, und ein Engel erscheint. Und ein paar Monate sp\u00e4ter erscheinen sogar ganze Engelheere auf Bethlehems Feld. Das ist Gottes Advent: Der verschlossene Himmel kommt in Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehnen wir uns danach? Dann werden wir vielleicht eines Tages erfahren: Wenn heute der Himmel wieder in Bewegung kommt, dann haben wir es nicht mit Engeln zu tun, sondern mit einem viel Gr\u00f6\u00dferen: mit der dritten Person der Dreieinigkeit, mit dem Heiligen Geist, der die schlafende, weltliche, selbsts\u00fcchtige Christenheit wie ein Sturmwind erwecken kann. Das ist der wahre Gottes-Advent!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr eilige Leute sind wir doch! Da hei\u00dft es immer: Tempo! Tempo! 4 Wochen feiern wir Advent. Und dann st\u00fcrzt sich die verlorene Welt schnell in den Fasching.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unser Gott hat Zeit.<\/strong> Wenn der einen Advent bereitet, dann geht das durch lange Zeitr\u00e4ume. Das merken wir in unserem Text: Das erste Adventslicht steckt Gott an, indem der Engel Gabriel die Geburt des Johannes verk\u00fcndet. Das zweite Adventslicht Gottes hei\u00dft: \u201eDer wird viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren.\u201c Zwischen diesem ersten und dem zweiten g\u00f6ttlichen Adventslicht liegen immerhin 30 Jahre. Die m\u00fcssen wir nun im Geist mit \u00fcberspringen, um zu sehen, wie Gott einen Advent bereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt wird das <strong>gro\u00dfe Gebet um Rettung beantwortet,<\/strong> in dem der K\u00f6nig Gottes, Jesus angek\u00fcndigt wird, und Gott seine weltweite Herrschaft aufbaut und er seine durchschlagende Rettung f\u00fcr den Kosmos schafft. Eine <strong>weltweite Aktion<\/strong> startet. Und so ganz nebenbei, punktgenau, wird die kleine Not des Zacharias und seiner Frau Elisabeth mit geheilt. So ist Gott immer. Er ist kein Taschengott, der nur f\u00fcr die kleinen Probleme des pers\u00f6nlichen Lebens da ist, aber f\u00fcrs Gro\u00dfe untauglich. Er schafft mit seinem K\u00f6nig Jesus in dieser Welt eine <strong>grunds\u00e4tzliche Wende.<\/strong> Er richtet seine Herrschaft auf, \u201emir ist gegeben alle Gewalt\u201c sagt Jesus \u201eim Himmel und auf Erden.\u201c \u201eGott vers\u00f6hnte in Christus den Kosmos mit sich selber\u201c sagt Paulus. Gott hat die ganz, ganz <strong>gro\u00dfe weite Sicht und Aktion<\/strong> gestartet, aber er verliert bei der gro\u00dfen Weite seiner Aktionen nie dich und <strong>mich aus dem Blick,<\/strong> uns mit unserem kleinen Kummer, so wie er den Zacharias und die Elisabeth mit ihrem kleinen Familienkummer, nicht aus dem Blick verloren hat. Was ist das f\u00fcr ein Gott?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der macht aber auch nicht nur die gro\u00dfe Weltpolitik und sagt: \u201eAch das kommt doch auf den Kleinkram deines Lebens nicht an.\u201c Er sieht die <strong>gro\u00dfe Welt<\/strong> und schafft eine <strong>gro\u00dfe L\u00f6sung<\/strong> in seinem K\u00f6nig Jesus und hat einen <strong>scharfen, sorgf\u00e4ltigen Blick<\/strong> der Liebe f\u00fcr jeden <strong>Einzelnen<\/strong> in seiner besonderen Not und Verlorenheit. So f\u00e4ngt es an, am ersten Advent mit Zacharias, bei dem erh\u00f6rten Gebet um die Rettung Israels und die Befreiung der Erl\u00f6sung der Welt. Und er l\u00f6st so ganz liebevoll nebenbei, diese schmerzende alte Wunde in dieser Familie. Was ist das f\u00fcr ein Herr, dem die Welt zu F\u00fc\u00dfen liegen wird eines Tages. Er wird kommen, du sollst es wissen, und niemand wird es verhindern k\u00f6nnen. Er wird kommen und das letzte Wort des Gerichtes sprechen und der Neusch\u00f6pfung der Welt einleiten und alle Knie werden sich beugen m\u00fcssen. Er ist der Herr des Universums. Und in diesem Augenblick denkt er liebevoll an deine und meine N\u00f6te und sie sind ihm nicht egal. Was f\u00fcr ein Gott! Wer das in seinem Leben je begriffen hat, diese Weite seiner gro\u00dfen Rettungstat und die Sorgfalt der pers\u00f6nlichen F\u00fcrsorge f\u00fcr unser kleines Leben, der muss raus, <strong>der muss es sagen.<\/strong> Geh, sag es \u00fcberall: \u201eGo tell it on the mountain, Over the hills and everywhere\u201c ist eins der \u00e4ltesten Weihnachtslieder, das wir singen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott st\u00f6rt, schafft er langsam Klarheit indem er Gebete erh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>3. Ein altes, aber nicht unbrauchbares Ehepaar.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Elisabeth und Zacharias das ideale Brautpaar gewesen ist, wei\u00df ich nicht. Ihr langes Leben war ziemlich bestimmt von den Problemen, die Sie hatten. Ihre Kinderlosigkeit hat sicher den Ehealltag h\u00e4ufig notvoll \u00fcberschattet. Aber Gott findet dieses Ehepaar <strong>ideal f\u00fcr seine Zwecke.<\/strong> Es ist das Traum-Ehepaar f\u00fcr Gott. Gott sucht ein einzigartiges <strong>altes<\/strong> aber nicht <strong>unbrauchbares<\/strong> Ehepaar, um uns etwas deutlich zu machen. Diese beiden, die vereinigen in ihrer Ehe eigentlich einen Widerspruch, den ich versuche euch klarzumachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der einen Seite sind sie ein <strong>Sinnbild der Geschichte des Volkes Gottes.<\/strong> Der lebendige Gott hat \u00fcber Jahrhunderte beharrlicher Kleinarbeit an seinem Volk, auf ein Ziel hingearbeitet, n\u00e4mlich auf das Kommen des Retters Jesus. Da gab es die Priester, da gab es die Gesetze mit den Opfern, da gab es die Propheten, und nun kommen die beide aus den wichtigsten Priesterfamilien. Und er nimmt die beiden und sagt: Seht mal, ich nehme jetzt ein <strong>altes Ehepaar,<\/strong> das sozusagen ein Symbol ist f\u00fcr die lange Geschichte der Vorbereitung, die ich mit Israel gegangen bin. Auf dieses eine Ziel hin, jetzt bin ich da, jetzt bin ich am Punkt. Das ist Elisabeth und Zacharias, um daran zu verdeutlichen: Gottes sorgf\u00e4ltige langfristige Vorbereitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die andere Seite, bei diesem Ehepaar hei\u00dft es: <strong>Kinder<\/strong> kriegen k\u00f6nnen sie nicht. Die nat\u00fcrlichen Voraussetzungen sind gleich null. Wenn ihr mal die Bibel aufmerksam lest, ist <strong>Gott ein richtiger Provokateur.<\/strong> Es \u00e4rgert ja den Verstand bis heute, dass Gott immer wieder so demonstrativ diesen Weg geht. Wo wir Menschen uns gerade innerlich die \u00c4rmel so aufkrempeln und sagen: Gott, das ist ja prima, wir m\u00fcssen wirklich an dieser Welt was reparieren. Man muss sich engagieren. Suchst du noch ein paar <strong>Freiwillige<\/strong> und <strong>T\u00fcchtige.<\/strong> Hier bin ich. Ich m\u00f6chte mithelfen, die neue Welt der Gerechtigkeit und Freiheit zu bauen. Da sagt Gott erst mal: Lass mal Luft ab. Krempel die \u00c4rmel mal wieder runter. Pass mal genau auf, ich will dir wieder mal zeigen, wie ich das mache. Wenn ich einen Retter bringe, oder nur den Vorboten des Retters, dann mach ich es anders. Ich tue es immer demonstrativ so, dass ich Leute gebrauche, die aus sich nichts mehr erzeugen k\u00f6nnen. Ihr m\u00f6chtet immer gerne Produzenten der Rettung sein. Ihr m\u00f6chte immer gerne sagen k\u00f6nnen, dass wir uns bem\u00fcht haben und engagiert haben, und dass wir was zur Verbesserung geschafft haben. <strong>Als ob Gott unsere Nachhilfe br\u00e4uchte.<\/strong> Wir mit unserer Wichtigtuerei machen uns nur l\u00e4cherlich! Er nimmt Leute, die nat\u00fcrlicherweise aus sich nichts mehr hervorbringen k\u00f6nnen und daraus l\u00e4sst er seinen Hilfe entstehen. So ist es auch bei Jesus. Er ist v\u00f6llig der Erzeuger seines Rettungsplanes und l\u00e4sst nur den Menschen als Empf\u00e4nger, die Maria passiv eine Rolle spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch eine <strong>Demonstration Gottes,<\/strong> der mit dem scheinbar Unbrauchbaren Brauchbares schafft. Weil er ein Sch\u00f6pfer ist, der aus dem Nichts etwas schaffen kann. Du sollst wissen, Jesus, der dir helfen will, ist kein Zufallsprodukt der Geschichte. Gott hat immer langfristige Absichten und sorgf\u00e4ltige Gedanken um dir zu helfen. Und auf der anderen Seite verdeutlicht er an Zacharias und Elisabeth: <strong>aus den Menschen kommt nichts mehr. <\/strong>Er nimmt sich die Unfruchtbaren, die die nichts mehr hervorbringen k\u00f6nnen, um aus ihnen die Rettung wachsen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser <strong>Stempel<\/strong> f\u00fcr das Ehepaar hei\u00dft: eigentlich <strong>unbrauchbar,<\/strong> zu alt und Gott setzt seinen Stempel daneben: dadurch erst <strong>brauchbar!<\/strong> Wir sind immer beleidigt, wenn Gott uns so an die Seite schiebt und unsere T\u00fcchtigkeit nicht einbaut in seine Aktionen. Aber es ist doch wirklich unser Gl\u00fcck, dass Gott das tut. Denn wenn wir beteiligt w\u00e4ren, wenn wir die Rettung mit schaffen m\u00fcssten, dann w\u00e4re doch der Wurm von Anfang an drin. Dann w\u00e4re doch das Sterben drin, wir produzieren doch nur Scherben und Sterben. Gott aber will, dass du hundertprozentig gewiss bist, das du sein Kind sein darfst, dass da nichts dran wackelt und kein Wurm und keine Verwesung drin ist, wenn er dir die Hilfe anbietet. Deshalb macht er 100 % alles alleine und verankert es in Gottes Ewigkeit und bereitet es langfristig vor und alles soll auf den einen Punkt gehen, dass durch Jesus dein Leben und das vieler anderer endlich in Ordnung kommt, und der lebendige Gott reinkommt in dein Leben, und du rein kommst in Gottes Herrschaft. Und das Letzte,<\/p>\n<p><strong>4. Eine Adventsst\u00f6rung bringt Adventsklarheit.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <strong>eigentliche Wunder<\/strong> ist ja mal wieder <strong>verkehrt<\/strong> herum. Das ist ja ist ein Wunder, wenn Gott einen Menschen den <strong>Mund auftut.<\/strong> Wenn er Gott nicht mehr totschweigt in dieser Welt. Da sind wir Weltmeister drin. Die Welt l\u00e4uft wie sie l\u00e4uft und wir machen uns unsere Gedanken, aber wir schweigen Gott tot. Ich sehne mich nach dem Wunder, dass er uns den Mund \u00f6ffnet, mitten in unserer Alltagswelt, dass wir glaubw\u00fcrdige Zeugen des lebendigen Gottes sind. Aber was er hier tut ist genau umgekehrt, ein Wunder verkehrt herum. Da ist sein Priester, der uns hier begegnet, und was tut Gott in seinem Advent? Er verbietet ihm den Mund, er l\u00e4sst ihn verstummen, er kann die Klappe nicht mehr aufmachen, er kann nicht mehr reden, was er mit Gott erlebt hat. Warum tut Gott das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist es eine merkw\u00fcrdige Adventsgeschichte. Gott n\u00f6tigt uns eine Lektion auf und die Lektion hei\u00dft, wenn ich an den <strong>Versprechen Gottes zweifle<\/strong> und nicht mehr dem lebendigen Gott vertraue, habe ich in dieser Welt <strong>nichts mehr zu sagen.<\/strong> Gro\u00dfe Erlebnisse hat der Zacharias, aber er vertraut nicht dem Wort des lebendigen Gottes. Und da lehrt Gott ihn, dass ein Mensch nichts mehr zu sagen hat, wo er aus dem Vertrauen zum lebendigen Gott rausbricht. Wei\u00dft du, zwischen ersten und vierten Advent war Zacharias stumm, stumm, stumm und musste in sich selber verarbeiten: wo ich Gott nicht beim Wort nehme, habe ich nichts mehr zu sagen f\u00fcr die Welt. Aus mir kommt nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir vom <strong>\u201eUnglauben\u201c<\/strong> des Zacharias sprechen, dann denken wir oft an Freidenker und Marxisten. Wir denken an die gro\u00dfe Masse, die \u00fcber das Evangelium spottet oder gleichg\u00fcltig daran vorbeigeht. Aber bei all dem handelt es sich meist gar nicht um Unglauben, sondern vielmehr um Unwissenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein! Unser Text deckt auf: Der <strong>Unglaube <\/strong>sitzt bei uns, die wir in die Kirche gehen. Seht den Zacharias an! Er ist ein frommer <strong>Priester.<\/strong> Es wird ihm bescheinigt, dass er ein Gebetsleben f\u00fchrt. Er glaubt ja der Bibel, dass ein Heiland von Gott kommt. Er rechnet sogar mit dem Vorl\u00e4ufer, der \u201eim Geist und Kraft Elias\u201c dem Herrn den Weg bereitet. Er ist in der Tat ein gl\u00e4ubiger Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ihm donnert der Engel zornig entgegen: \u201e. . . <strong>weil du nicht geglaubt hast dem Wort,<\/strong> das mir Gott f\u00fcr dich aufgetragen hat . . .\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da habt ihr den <strong>Unglauben eines Gl\u00e4ubigen.<\/strong> Wo liegt der wunde Punkt? Er glaubt die ganze Heilsgeschichte. Aber er fasst nicht, dass er, der unbekannte kleine Mann, ganz speziell mitten drin steht in der Heilsgeschichte. Er glaubt nicht, dass er selbst pers\u00f6nlich einbezogen ist. Und hier liegt auch unser Unglaube.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man nennt sich Christ. Man geht in die Kirche. Man glaubt, dass ich euch mit meiner Predigt nicht anschwindele. So glaubt ihr, dass Jesus Gottes Sohn ist und der Heiland der Welt. Aber \u2013 nun kommt das <strong>\u201eAber\u201c<\/strong> \u2013: Du glaubst nicht, dass der Sohn Gottes deinetwegen kam. Die Theorie ist klar, die Praxis unklar! Du glaubst, dass Jesus f\u00fcr S\u00fcnder am Kreuz gestorben ist. Aber du glaubst nicht, dass Er an dich dabei dachte. Sonst w\u00fcrdest du Ihm dein Herz aussch\u00fctten mit all deiner Schuld und w\u00fcrdest erfahren: \u201eDie S\u00fcnden sind vergeben. \/ Das ist ein Wort zum Leben \/ f\u00fcr den gequ\u00e4lten Geist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du glaubst,<\/strong> dass der Heilige Geist am Werk ist. Aber du glaubst nicht, dass Er dir ein ganz gehorsames Herz geben kann. Darum lebst du in <strong>der alten Tour<\/strong> immer weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du glaubst,<\/strong> dass es ein ewiges Leben gibt. Aber du glaubst nicht, dass Jesus dir einen Platz in den himmlischen Wohnungen bereit h\u00e4lt. Sonst w\u00fcrdest du ja nicht so verzweifelt nach den irdischen Gen\u00fcssen jagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist der entscheidende <strong>Schritt<\/strong> vom Unglauben zum Glauben, dass ich nicht nur die Heilsgeschichte von Jesus h\u00f6re, sondern dass ich sie f\u00fcr mich annehme, dass ich selbst in die Heilsgeschichte hineingeh\u00f6re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlimme Lektion! Es ist sch\u00f6n, wenn Gott diese Lektion uns an Zacharias\u00a0 beibringen kann, damit er sie nicht an uns noch mal durchf\u00fchren muss. Wir haben nichts zu sagen, in dieser notvollen Welt, wenn wir nicht mit ganzem Leben und ganzem Herzen uns auf die Zusagen des lebendigen Gottes verlassen, und sie nachbuchstabieren, davon leben, und sie anderen sagen: Fester Halt in dieser Welt ist allein bei den Zusagen unseres Herrn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus sagt im 2. Korintherbrief: <strong>In Jesus sind alle Versprechen Gottes zusammengefasst<\/strong> wie in einem gro\u00dfen, starken Ja. Darum d\u00fcrfen wir als Antwort jetzt sagen: <strong>Amen,<\/strong> gewiss, es soll gelten in meinem Leben. Wie ist es an diesem 3 Advent, an dem Gott hinein will in unser Leben mit seinen Verhei\u00dfungen, seinen Zusagen, mit seinem Wort und ruft: Du, wenn ich diesem Wort nicht traue, habe ich nichts zu sagen, dieser Welt. Und deine und meine Umwelt, die Menschen mit den wir reden hungern danach, dass ihnen ein helfendes, m\u00e4chtiges Wort der Freiheit von Gott gesagt wird. Wenn Gott st\u00f6rt, schafft er Klarheit und wenn er im Gottesdienst st\u00f6rt, ist Advent. Ob heute bei dir Advent ist? Herr schaff, dass Advent passiert. Lass uns nicht allein, lass uns nicht in unseren eigenen Gedanken. Komm, rede, schweige nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker, Im Advent 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Advent bedeutet Ankunft. Oder, etwas pr\u00e4ziser formuliert: Die Vorbereitungszeit vor der Ankunft. Angekommen ist Jesus an Weihnachten. Aber Jesus kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Gott hat sein Kommen von langer Hand vorbereitet. Und die wichtigste Person in dieser Vorbereitungszeit ist Johannes der T\u00e4ufer. 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