{"id":19455,"date":"2022-12-09T09:18:35","date_gmt":"2022-12-09T08:18:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19455"},"modified":"2022-12-09T09:18:35","modified_gmt":"2022-12-09T08:18:35","slug":"homosexualitaet-und-christlicher-glaube-skizzen-eines-umbruchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19455","title":{"rendered":"Homosexualit\u00e4t und christlicher Glaube &#8211; Skizzen eines Umbruchs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Auch innerhalb der evangelikalen Bewegung wird die Akzeptanz f\u00fcr eine homosexuelle Lebensweise immer st\u00e4rker. Dabei wird gem\u00e4\u00df dem Anspruch der Bewegung, dass das Leben bibelgem\u00e4\u00df gestaltet sein muss, eine bestimmte Auslegung der entsprechenden Bibelstellen vorgenommen, wonach die Bibel Homosexualit\u00e4t nicht insgesamt, sondern nur eine <span data-token-index=\"1\" data-reactroot=\"\">falsche<\/span> Homosexualit\u00e4t ablehne. Nachdem es zu Beginn der gesellschaftlich wachsenden Akzeptanz der Homosexualit\u00e4t noch Widerstand von vielen konservativen Christen der evangelikalen Bewegung gegeben hatte, ist auch hier ein schneller und weitreichender Umbruch eingetreten. Wer an der biblischen Ethik festh\u00e4lt, sollte das mit Klarheit in den Argumenten und gro\u00dfer Barmherzigkeit gegen\u00fcber den Betroffenen tun.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will im Folgenden den Umbruch skizzieren, der zu einer sehr weitgehenden Neubewertung von Homosexualit\u00e4t innerhalb der evangelikalen Bewegung in Deutschland gef\u00fchrt hat. Als Seelsorger kenne ich die N\u00f6te und speziellen Anfechtungen, in denen homophil-empfindende Christen stehen. Wenn ich diese seelsorgerlichen Aspekte heute ausblende, darf das bitte nicht so verstanden werden, als w\u00fcrde ich die emotionalen Herausforderungen nicht ernst nehmen. Ich will aber hier einen Schwerpunkt setzen, den der franz\u00f6sische Philosoph Michel Foucault vielleicht \u201eReden von Arch\u00e4ologie oder Genealogie\u201c nennen w\u00fcrde. Ich grabe gewisserma\u00dfen in der Vergangenheit und zeichne den Bewertungsumbruch in der theologischen Diskussion \u00fcber die Homosexualit\u00e4t innerhalb der evangelikalen Bewegung in Deutschland nach. Dabei betrachten wir zwei gegens\u00e4tzliche Sichtweisen auf die Homosexualit\u00e4t. Anschlie\u00dfend zeichne ich den Verlauf des Umbruchs bis zu diesem Ergebnis nach. Zum Schluss werde ich einige Empfehlungen f\u00fcr eine Haltung geben, die ich f\u00fcr die beste halte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwei unterschiedliche Sichtweisen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Verst\u00e4ndnis der gegenw\u00e4rtigen Situ\u00adation ist es wichtig, zwischen der traditionellen und der revisionistischen Sicht auf die Homosexualit\u00e4t zu unterscheiden. Aus ihnen gehen auch bestimmte Argumentations\u00adsche\u00admata hervor, die in der Diskussion auf\u00adein\u00adandertreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die traditionelle Sichtweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die traditionelle Sicht meint die Auf\u00adfassung, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau der exklusive Liebesbund ist, in dem die Geschlechtergemeinschaft ausgelebt wird. Dieser ist schon durch die Sch\u00f6pfung vorgegeben. Alle Gebote, die sexuelles Verhalten betreffen, gehen von dieser Grundlage aus. Demnach ist Homosexualit\u00e4t nicht mit dem Willen Gottes vereinbar. Der legitime Ort sexueller Begegnung ist die Ehe, die \u00f6ffentlich und auf Lebenszeit geschlossen wird.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F1\"><sup>1<\/sup><\/a> Bis ins 20. Jahrhundert hinein galt diese Sichtweise im Judentum und in den christlichen Kirchen als selbstverst\u00e4ndlich und wurde mit der Heiligen Schrift und dem Naturrecht begr\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die f\u00fcr die Verwerfung der gleichgeschlechtlichen Liebe herangezogenen alttestamentlichen Begr\u00fcndungstexte sind vor allem 1. Mose 1\u20132, 3. Mose 18,22 und 20,13. Dabei ist wichtig, dass die Gebote aus dem 3. Mosebuch immer im Zusammenhang mit der grundlegenden Sicht auf den gesch\u00f6pflichen Sinn von Sexualit\u00e4t gesehen und nicht willk\u00fcrlich zum Ma\u00dfstab gemacht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Neuen Testament ist das erste Kapitel im R\u00f6merbrief besonders wichtig. Auf die Weigerung der Menschheit hin, Gott geb\u00fchrend zu ehren, liefert Gott die Menschen ihren eigenen Herzensgel\u00fcsten aus (vgl. R\u00f6m 1,18\u201325). Als erstes und einziges ausgef\u00fchrtes Exempel nennt Paulus das homosexuelle Verhalten der Frau (vgl. Vers 26) und des Mannes (vgl. Vers 27). Der gleichgeschlechtliche Verkehr wird als widernat\u00fcrlich bezeichnet (vgl. Vers 26).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter erw\u00e4hnt Paulus Homo\u00adsexualit\u00e4t in den sogenannten Lasterkatalogen: In 1. Korinther 6,9\u201310 schreibt etwa der Apostel warnend, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden, weder \u201eUnz\u00fcchtige noch G\u00f6tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabensch\u00e4nder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, L\u00e4sterer oder R\u00e4uber werden das Reich Gottes ererben\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus f\u00fcgt \u2013 und das ist f\u00fcr die christliche Ethik wichtig \u2013 in Vers 11 hinzu: \u201eUnd solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.\u201c Paulus rechnet also mit der Ver\u00e4nderbarkeit von Lebensweisen, die gegen Gottes Willen sind, zu denen er auch homosexuelles Verhalten z\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die revisionistische Sichtweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Christen lehnen heute diese traditionelle Sicht ab und vertreten eine revisionistische Position. Mit ihr wird der gesamte biblische Befund gegen die herk\u00f6mmliche Auslegung neu bewertet. Wesentlich ist, dass die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Homosexualit\u00e4t eingef\u00fchrt wurde. Die Homosexualit\u00e4t, die die Bibel verurteile, sei problematisch. Die redliche und legitime Homosexualit\u00e4t finde zwar in der Bibel keine explizite Erw\u00e4hnung, solle aber als mit dem Willen Gottes vereinbar oder als von Gott geduldet betrachtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt sehr unterschiedliche Begr\u00fcn\u00addungs\u00adstrategien f\u00fcr die revisionistische Sicht\u00adweise. Haupts\u00e4chlich werden folgende Ar\u00adgumente vorgebracht:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die Heilige Schrift selbst liefere eine implizite Wertsch\u00e4tzung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Demnach wenden sich die Bibeltexte, auf die sich die Traditionalisten berufen, gar nicht gegen die Homosexualit\u00e4t an sich, sondern gegen m\u00f6gliche Aspekte solcher Beziehungen, etwa gewaltt\u00e4tige Homosexualit\u00e4t, in der ein grobes Machtgef\u00e4lle f\u00fcr die sexuelle Ausbeutung genutzt werde. Gern wird auch darauf verwiesen, dass die Bibel gar nicht das Geschlechtliche verurteile, sondern nur heidnische Kulte, in der die Geschlechtlichkeit damals eine Rolle gespielt habe.<\/li>\n<li>Die Bibel kenne die Homosexualit\u00e4t nur als freie Entscheidung, nicht jedoch als nat\u00fcrliche Anlage, in der sich ein Mensch jeweils schon vorfindet. Hier werden medizinische oder human\u00adwissenschaftliche Erkenntnisse heran\u00adgezogen, um eine konstitutionelle Homo\u00adsexualit\u00e4t oder Identit\u00e4t zu behaupten. Da die biblischen Autoren diese Einsicht noch nicht hatten bzw. haben konnten, seien sie f\u00e4lschlicherweise davon ausgegangen, gleichgeschlechtliche Sexualit\u00e4t sei eine willentliche Entscheidung des Menschen. Nur deshalb konnte sie in der Antike als S\u00fcnde bezeichnet werden.<\/li>\n<li>Einige Bibelausleger und Ethiker gehen davon aus, dass die biblischen Texte sehr wohl eine bleibende Bedeutung f\u00fcr die Bewertung der Sexualit\u00e4t haben. Die biblischen Normen seien aber durch das Liebesgebot \u201eeinzufangen\u201c. Demnach habe die Gemeinde homosexuelle Menschen zu bejahen, so wie sie auch Habgierige, Stolze oder Geldliebende bejahe. Es wird also die gebotene Liebe zum S\u00fcnder ausgebeutet, um auch die S\u00fcnde im Leben eines Jesusnachfolgers zu tolerieren.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich gibt es Theologen, die zwar eingestehen, dass die Bibel die Homo\u00adsexualit\u00e4t als S\u00fcnde verwirft, aber zugleich behaupten, dass die Schrift unser Gewissen und Handeln in dieser Frage nicht binden k\u00f6nne. So sagte der Neutestamentler Friedrich Wilhelm Horn in einem Debattenbeitrag zur Ver\u00f6ffentlichung der EKD-Orientierungshilfe <em>Zwischen Autonomie und Angewiesenheit<\/em>:<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F2\"><sup>2<\/sup><\/a> \u201eIch selber bejahe das Recht auf homosexuelle Lebenspartnerschaften aus theologischen \u00dcberlegungen ausdr\u00fccklich, sage aber auch deutlich, dass ich mich mit dieser Entscheidung klar gegen biblische Vorgaben positioniere.\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F3\"><sup>3<\/sup><\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese revisionistischen Argu\u00admentationen sind inzwischen auch innerhalb der evangelikalen Bewegung zu h\u00f6ren. Schauen wir uns an, wie es dazu kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Umbruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ma\u00dfgebliche Impulse f\u00fcr eine theologische Neubewertung der Homosexualit\u00e4t kamen aus dem England der Nachkriegszeit. \u00dcber die Niederlande, aber auch Skandinavien, strahlten sie auch nach Deutschland aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine von der britischen Regierung 1954 in Auftrag gegebene Untersuchung spielt dabei eine wichtige Rolle. Da die Kommission unter dem Vorsitz von Lord John Wolfenden arbeitete, ging die Verlautbarung als Wolfenden Report in die Geschichte ein.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F4\"><sup>4<\/sup><\/a> Die Mitglieder der Kommission kamen zu dem Ergebnis, dass es nicht die Aufgabe von Recht und Gesetz sei, in das Privatleben der B\u00fcrger einzugreifen und sexuelles Verhalten zu normieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Vorarbeiten der Kommission geh\u00f6rten eine Reihe von Untersuchungen, an denen neben der katholischen Kirche auch die anglikanische Kirche mitwirkte. Dem Werk <em>Homosexuality and the Western Christian Tradition<\/em> (dt. \u201eHomosexualit\u00e4t und das westliche Christentum\u201c) des anglikanischen Moraltheologen D.S. Bailey (1955) kommt in dieser Debatte eine denkw\u00fcrdige Stellung zu.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F5\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bailey verfasste auch den Eintrag in der 3. Auflage der seinerzeit bedeutendsten deutschen theologischen Enzyklop\u00e4die (RGG, 1959). Die exegetischen Beobachtungen beschr\u00e4nken sich dabei im Prinzip auf die knappe Feststellung: \u201eDas NT verwirft m\u00e4nnliche und weibliche h[omosexuell]e Akte (R\u00f6m 1,26\u201327) und erw\u00e4hnt bes. die Lustknaben und \u201aSodomiten\u2018 (1Kor 6,9\u201310; 1Tim 1,9\u201310).\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F6\"><sup>6<\/sup><\/a> Bailey folgert daraus f\u00fcr die kirchliche Sexualethik eine Beschr\u00e4nkung legitimer sexueller Beziehungen auf \u201eheterosexuelle und bes. eheliche Beziehungen\u201c.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F7\"><sup>7<\/sup><\/a> Er f\u00fcgte aber hinzu, dass innerhalb der Kirche in dieser Frage Uneinigkeit besteht. Er selbst neige zu der Einsch\u00e4tzung, dass nur noch \u201estarke gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Faktoren pers\u00f6nlicher und sozialer Art\u201c (ebd.) schnellen Reformen im Weg st\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erster deutscher Autor meldete sich 1962 der j\u00fcdische Sozialethiker Hans-Joachim Schoeps mit einem ausf\u00fchrlichen exegetischen Beitrag zu Wort. Der Beitrag von Schoeps brachte eine radikale Neubewertung der biblischen Texte: Ihm zufolge handelt es sich bei den alttestamentlichen Versen nicht um ethische Weisungen, sondern um rein kultkritische Texte, die sich ausschlie\u00dflich gegen Kultprostitution in der kanaan\u00e4ischen Umwelt Israels wenden. Deshalb k\u00f6nnten sie f\u00fcr die ethische Diskussion keine Relevanz besitzen.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F8\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben diesem betont hermeneutischen Ansatz etablierte sich Ende des 20. Jahr\u00adhunderts ein Ansatz, der vor allem mit dem sozio-kulturellen Kontext argumentiert (z.B. Karl Hoheisel). Ankn\u00fcpfend an sp\u00e4tmoderne Identit\u00e4tskonzepte wird behauptet, die Homosexualit\u00e4t habe in der Antike einen v\u00f6llig anderen \u201eSitz im Leben\u201c gehabt, als das heute der Fall ist. Damals habe die gleichgeschlechtliche Sexualit\u00e4t gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse abgebildet und verfestigt (z.B. Herr und Knecht). Einvernehmliche und auf Treue angelegte gleichgeschlechtliche Liebe habe es nicht gegeben. Insofern beantworte der biblische Befund die ethischen Fragen der Gegenwart \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Blick auf die Entwicklung im evangelikalen Raum sei darauf verwiesen, dass es bis Ende der 90er-Jahre durchaus prominenten Widerstand gegen hermeneutische oder soziokulturelle Neuinterpretationen gegeben hat. Drei prominente Beispiele m\u00f6chte ich nennen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfhart Pannenberg (1928\u20132014), der angesehene M\u00fcnchner Systematiker, schrieb 1994:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie biblischen Urteile \u00fcber homosexuelles Verhalten sind eindeutig in ihrer mehr oder weniger scharfen Ablehnung, und alle biblischen Aussagen zu diesem Thema stimmen ausnahmslos darin \u00fcberein \u2026 In der Gesamtheit des biblischen Zeugnisses wird also praktizierte Homosexualit\u00e4t ausnahmslos zu den Verhaltensweisen gerechnet, in denen die Abwendung des Menschen von Gott besonders eklatant zum Ausdruck kommt.\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der pensionierte nordelbische Bischof Ulrich Wilckens (*1928) ver\u00f6ffentlichte 1978 in seinem R\u00f6merbrief-Kommentar eine l\u00e4ngere Fu\u00dfnote, in der er verschiedene Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze zur Entstehung von Homosexualit\u00e4t er\u00f6rtert. Er erg\u00e4nzte seine Erl\u00e4uterungen mit dem Hinweis, dass es nicht mehr m\u00f6glich sei, \u201edie Aussage des Paulus heute noch in dem Sinne zu \u00fcbernehmen, da\u00df Homosexualit\u00e4t ein sittlich verwerfbares Vergehen ist\u201c.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F10\"><sup>10<\/sup><\/a> Diese Bewertung hat er bei der Herausgabe der 3. Auflage aus dem Jahr 1997 ausdr\u00fccklich zur\u00fcckgenommen und diese Entscheidung in einem offenen Brief kommentiert. Er schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGewiss haben zur Zeit des Alten und Neuen Testaments \u201aauf Dauer angelegte Liebesbeziehungen zu Menschen gleichen Geschlechts\u2018, wie es sie heute gibt, noch nicht im Blick gestanden. Aber auch in solchen Partnerschaften heute wird doch in der sexuellen Praxis jedenfalls genau das getan, was im alttestamentlichen 3. Mosebuch (18,22; 20,13) und im neutestamentlichen R\u00f6merbrief (1,26 f.) konkret benannt wird: Beischlaf von M\u00e4nnern mit M\u00e4nnern. Diese Sexualakte sind es, die als \u201aGreuel\u2018 beziehungsweise als \u201aSchande\u2018 verurteilt werden.\u201c<sup>11<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein drittes Beispiel ist ein mir vorliegendes Fakult\u00e4tsgutachten des Profes\u00adsoren\u00adkollegiums des Fachbereichs Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Mainz aus dem Jahre 1994. Darin hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIn der Grundlinie ist das Urteil der Bibel, des Alten und des Neuen Testaments \u00fcber die Homosexualit\u00e4t einhellig und eindeutig. Sie ist S\u00fcnde gegen Gott und sie bildet ein schweres Vergehen. \u2026 Es geht in den Verwerfungen (des Heiligkeitsgesetzes) grunds\u00e4tzlich um homosexuelle Praxis, wobei auch nicht nur gleichgeschlechtliche Vergewaltigung verurteilt wird, auch nicht nur P\u00e4derastie, sondern jeder homosexuelle Verkehr.\u201c<sup>12<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter wird erkl\u00e4rt: \u201e[Die Kirche] kann nur den Segen weitergeben, der ihr anvertraut ist. Zu einer \u00f6ffentlichen Segnung des Zusammenlebens von homosexuellen Paaren besitzt sie keine geistliche Autorit\u00e4t.\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F13\"><sup>13<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute sieht die Lage v\u00f6llig anders aus. Hinter dieser Entwicklung steht meines Erachtens kein gro\u00dfer Fortschritt bei der Auslegung der entsprechenden Bibeltexte, sondern ein enormer gesellschaftlicher Druck, unter dem die kirchliche Verk\u00fcndigung und Praxis sich heute sieht. Wer es wagt, sich kritisch zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder Ehe zu \u00e4u\u00dfern, wird schnell als fundamentalistisch, intolerant, lieblos oder homophob eingestuft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schweizer Journalist Philipp Gut schrieb 2009 in der Zeitung Die Welt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Homosexualisierung der Gegenwart erreicht Rekordwerte. Mehr noch: Es scheint ein irritierender Kult um die Schwulen entstanden zu sein, Homosexualit\u00e4t ist zu einer Art Religion geworden. Wer sich outet, wird zum leuchtenden M\u00e4rtyrer einer bekennenden Kirche. Wer sich dem Kult widersetzt, den trifft der Bannstrahl. Wie in allen Glaubenssystemen gilt auch hier: Wer die Stirn runzelt, geh\u00f6rt nicht dazu. Die Schwulenparty will nicht gest\u00f6rt werden.\u201c<sup>14<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist es kaum verwunderlich, dass nicht nur im Raum der gro\u00dfen Kirchen, sondern auch innerhalb der evangelikalen Bewegung ein Umdenken eingesetzt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits in den 60er-Jahren haben bekenntnisorientierte Seelsorger und Theologen wie der Schweizer Arzt und Eheberater Theodor Bovet (1900\u20131976)<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F15\"><sup>15<\/sup><\/a>, Helmut Thielicke (1908\u20131986)<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F16\"><sup>16<\/sup><\/a> sowie Adolf K\u00f6berle (1898\u20131990)<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F17\"><sup>17<\/sup><\/a> f\u00fcr eine Korrektur der traditionellen Sicht pl\u00e4diert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thielicke meinte, die christliche Seelsorge solle sich vor allem darum bem\u00fchen, Betroffene \u201ezu einer Sublimierung des homosexuellen Triebes anzuleiten\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F18\"><sup>18<\/sup><\/a>. Ist ein Homosexueller nicht imstande, Askese zu \u00fcben, solle er bereit sein, \u201einnerhalb des Koordinatensystems seiner Konstitution die mann-m\u00e4nnliche Verbundenheit ethisch verbindlich zu gestalten\u201c (S. 803). Um Ausstrahlung und \u00c4rgernis zu vermeiden, solle eine solche Beziehung allerdings nicht \u00f6ffentlich gef\u00fchrt werden (vgl. S. 804).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelische Allianz in Deutschland sowie die ihr angeschlossenen Werke haben die traditionelle Sichtweise lange verteidigt. Allerdings wurde hinter den Kulissen seit Jahren in verschiedenen Runden dar\u00fcber diskutiert und die Einm\u00fctigkeit im \u00f6ffentlichen Auftreten war schon in den letzten Jahrzehnten br\u00fcchig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bildete sich zum Beispiel die Selbsthilfeorganisation Zwischenraum heraus. Das Netzwerk f\u00fcr Christen gleich welcher sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identit\u00e4t ist \u00fcberkonfessionell. Viele Mitglieder haben jedoch einen evangelikalen, pietistischen oder charismatischen Hintergrund.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F19\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00c4rztin Dr. Valeria Hinck lernte Zwischenraum im Jahr 2002 kennen und legte dort das Manuskript \u201eHomosexualit\u00e4t und Bibel\u201c vor. Die Untersuchung war eigentlich als Handout f\u00fcr interessierte Freunde, Bekannte und Gespr\u00e4chspartner gedacht. Zwischenraum ermutigte Frau Hinck zur Ver\u00f6ffentlichung. So erschien das Buch <em>Streitfall Liebe<\/em> in mehreren Auflagen und entwickelte innerhalb der evangelikalen Kreise eine starke Ausstrahlung.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F20\"><sup>20<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Valeria Hinck hatte fr\u00fcher selbst verschiedene seelsorgerliche Angebote in Anspruch genommen. Irgendwann gestand sie sich ein, dass es nicht ihr Weg sein kann, Ver\u00e4nderung von ihren lesbischen Gef\u00fchlen zu suchen oder sexuell abstinent zu bleiben. So entschied sie sich daf\u00fcr, als homosexueller Mensch zu leben.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F21\"><sup>21<\/sup><\/a> Sie wei\u00df, dass ihr Weg nicht unter einer biblischen Verhei\u00dfung steht, nimmt aber eine Art \u201eNotordnung\u201c f\u00fcr sich in Anspruch. Die Bibel selbst gebe Beispiele daf\u00fcr, dass \u201edas \u201a\u00dcberschreiten\u2018 von im Buchstaben an sich eindeutig formulierten Gesetzen sogar Ausdruck eines Handelns im Geist Jesu sein kann\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F22\"><sup>22<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere Theologen mit N\u00e4he zur Evangelischen Allianz meldeten sich ebenfalls zu Wort. Klaus Douglass, gut vernetzt in evangelikalen Kreisen und viele Jahre Pfarrer der Andreasgemeinde in Niederh\u00f6chstadt, schrieb ein \u00fcberschw\u00e4ngliches Vorwort zum Buch <em>Streitfall Liebe<\/em>.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F23\"><sup>23<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autorin selbst schreibt am Ende ihres Buches:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Bibel ermutigt nirgendwo zu homosexuellem Verhalten. Es bleibt unter Ber\u00fccksichtigung des kulturellen Hinter\u00adgrundes \u2026 nicht eindeutig, ob sich die Kritik der Bibel nicht nur gegen die promiskuitiven homosexuellen Verhal\u00adtensweisen ihrer Zeit (in aller Regel ausge\u00fcbt von ansonsten heterosexuell lebenden Individuen) richtet; eine in beidseitiger Liebe gelebte Partnerschaft homosexuell veranlagter Menschen hierbei aber unber\u00fccksichtigt bleibt. Diese offene Situation entspricht keiner expliziten Erlaubnis. Sie relativiert aber die grunds\u00e4tzliche Verurteilung jeglicher homosexuellen Lebensform als unzweifelhafte S\u00fcnde, wie es in konservativ-christlichen Gemeinden verbreitet ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcrgen Mette, der u.a. im Vorstand von Willow Creek Deutschland und dem Bibellesebund t\u00e4tig war und zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz geh\u00f6rte, schrieb 2015 in der Zeitschrift Wir:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch meine, wir sollten unsere schlagfertigen Argumente gegen praktizierte Homosexualit\u00e4t noch mal pr\u00fcfen, Fachleute konsultieren, Schutzr\u00e4ume f\u00fcr Betroffene in unseren Gemeinden schaffen und das ganze Thema in Barmherzigkeit tauchen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F24\"><sup>24<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rolf Kr\u00fcger, der meines Wissens von 2010 bis 2017 beim Internetportal <a href=\"http:\/\/Jesus.de\">Jesus.de<\/a> als Redakteur gearbeitet hat, warb in seinem Blog leidenschaftlich f\u00fcr die revisionistische Sichtweise und unterst\u00fctzte 2019 die Herausgabe des Buches <em>Nicht mehr schweigen<\/em>, in dem 25 homosexuelle Christen \u00fcber ihr Coming-out sowie ihre Ausgrenzungserfahrungen sprechen.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F25\"><sup>25<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Veronika Schmidt, Sexualberaterin und Autorin des bei SCM Brockhaus erschienenen Buches <em>Liebeslust \u2013 unversch\u00e4mt und echt genie\u00dfen<\/em>, sagt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer einzige Weg ist es, von Regeln und Gesetzen wegzukommen. Es muss mehr \u00fcber Verantwortung und Eigenverantwortung des Einzelnen gesprochen werden. Es sollte nicht mehr darum gehen, ob man Sex vor der Ehe haben darf oder nicht, und ob man homosexuell sein darf oder nicht.\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F26\"><sup>26<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein bemerkenswerter Einschnitt ist meines Erachtens das Dokument \u201eEhe als gute Stiftung Gottes: Leit\u00adgedanken zu Ehe und Homo\u00adsexualit\u00e4t\u201c, das 2017 von der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) ver\u00f6ffentlicht wurde. Das Papier entstand nach langem Ringen und pr\u00e4sentierte einen Kompromiss innerhalb des Hauptvorstands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Einleitung bekennen sich die Ver\u00adfasser erfreulicherweise zum Schrift\u00adprinzip, demnach die Bibel als geschriebenes Wort Gottes verbindlicher Ma\u00dfstab bei allen Fragen des Glaubens und Lebens ist.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F27\"><sup>27<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Absatz 2 ist dann aber davon die Rede, dass die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis \u201emit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar (3.Mose 18,22; 20,13; R\u00f6mer 1,24\u201327; 1.Korinther 6,9; 1.Timotheus 1,10)\u201c sei. Diese Formulierung erlaubt sowohl eine traditionelle als auch eine revisionistische Interpretation. Sie kann so verstanden werden, als ob die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis mit der heute gelebten Homosexualit\u00e4t nichts oder wenig zu tun habe und es damit auch f\u00fcr einen homosexuellen Christen m\u00f6glich ist, sein Begehren zu entfalten und gleichzeitig in Harmonie mit Gottes Willen zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich das Papier zum ersten Mal las, vermutete ich, dass diese Stellungnahme die Grundlage daf\u00fcr schaffen solle und werde, dass die traditionelle und die revisionistische Sichtweise unter dem Dach der Evangelikalen nebeneinander koexistieren.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F28\"><sup>28<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuelle Forderungen aus dem Raum der evangelikalen Szene best\u00e4tigen meine Bef\u00fcrchtungen. Ein Schl\u00fcsseltext ist das Buch <em>Homosexualit\u00e4t und christlicher Glaube<\/em> von Dr. Martin Grabe, der Teilnehmer der Konsultationen der DEA war. Das Buch, das im Jahr 2020 erschienen ist, wurde eingehend besprochen.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F29\"><sup>29<\/sup><\/a> Es bietet theologisch und argumentativ nichts Neues, darum m\u00f6chte ich nur die Reaktionen darauf hervorheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grabe deutet die einschl\u00e4gigen Bibeltexte revisionistisch, aber er geht weit dar\u00fcber hinaus. Er dekonstruiert die traditionelle Sichtweise und legt diejenigen, die Homo\u00adsexualit\u00e4t als S\u00fcnde sehen, auf die therapeutische Couch. Ihre ablehnende Haltung gegen\u00fcber dem Begehren der homosexuellen Minderheit hat vor allem etwas mit der \u201eAb\u00adwehr eigener homoerotischer Anteile\u201c zu tun (S. 9\u201310). Wenn ein Mensch homosexuell ist, dann habe Gott das so gewollt (S. 59).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sei die historische Gelegenheit gekommen, die destruktive Idee von der Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde auszumerzen. Es sei Zeit f\u00fcr einen Paradigmenwechsel (vgl. S. 87). Er vergleicht das Momentum mit der Reformation, mit dem Kampf gegen den Sklavenhandel, Bonhoeffers Widerstand im 3. Reich sowie mit Martin Luther Kings Kampf gegen die Rassendiskriminierung (vgl. S. 86\u201387).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHomosexuelle Christen d\u00fcrfen ebenso wie heterosexuelle Christen eine verbindliche, treue Ehe unter dem Segen Gottes und der Gemeinde eingehen und sind in der Gemeinde in jeder Hinsicht willkommen.\u201c (S. 76)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch hat erwartungsgem\u00e4\u00df hohe Wellen geschlagen. Wohl auch, weil Dr. Martin Grabe \u00e4rztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark in Oberursel ist, die Akademie f\u00fcr Psychotherapie und Seelsorge (APS) leitet und ein Magazin f\u00fcr Psychotherapie und Seelsorge mit herausgibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der einen Seite gab es begeisterte Reaktionen. Michael Diener, der ehemalige Vorsitzende der DEA, schrieb auf Facebook (und das wurde von Thorsten Dietz begeistert aufgenommen):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMartin Grabes Buch l\u00e4sst an Deutlichkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Er hat als Person und in der Darlegung seiner Grundthesen meine volle Unterst\u00fctzung. Und es werden immer mehr werden, die theologisch, psychologisch, existentiell aufbegehren und aus der pietistisch-evangelikalen Welt Stellung beziehen werden F\u00dcR eine offene Position, nicht GEGEN, sondern im Gehorsam gegen das Evangelium und das lebendige Wort Gottes.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite gab es kritische Reaktionen, z.B. von Pfarrer Ulrich Parzany, Dr. Joachim Cochlovius oder Prof. Dr. Christoph R\u00e4del, die auch auf den erheblichen Angriff im Buch auf die traditionelle Sichtweise antworteten, die doch in der Evangelischen Allianz vorherrschte und jetzt als S\u00fcnde bezeichnet wurde.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F30\"><sup>30<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es bei diesem Status bleibt, also beide Sichtweisen unter dem Dach der evangelikalen Bewegung vertreten werden, wird sich nach meiner Einsch\u00e4tzung die revisionistische Sichtweise immer weiter ausbreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat meines Erachtens etwas mit dem Anspruch der Post-Evangelikalen zu tun. Es gab schon immer Menschen, die sich von evangelikalen Gemeinden und einem evangelikalen Glauben abgewandt haben. Teilweise wurden sie dabei zu Anti-Evangelikalen, die Gemeinden und Glauben \u00f6ffentlich als sektiererisch anklagten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Post-Evangelikalen ist das anders. Alles, was sie sagen, k\u00f6nnten sie etwa im Raum einer durchschnittlichen landeskirchlichen Gemeinde sagen, ohne damit aufzufallen. Aber die Post-Evangelikalen verfolgen ein anderes Ziel. Sie verlassen den Raum des Evangelikalismus nicht, sondern wollen die evangelikale Bewegung radikal erneuern. Sie rufen die Evangelikalen zur Umkehr auf, etwa dazu, die Bibel kritisch zu lesen oder sich f\u00fcr eine Sexualethik der Vielfalt zu \u00f6ffnen. Sie sehen einen missionarischen Auftrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Worthaus-Initiative oder die neu ins Leben gerufene Initiative Coming In (englisch: Hereinkommen), best\u00e4tigen das. Hinter Coming In steht Zwischenraum. Es wird daf\u00fcr geworben, dass \u201eGlaubens\u00adgeschwister unabh\u00e4ngig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identit\u00e4t, als Mitglieder in christlichen Gemeinden willkommen sind und uneingeschr\u00e4nkt mitarbeiten k\u00f6nnen\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F31\"><sup>31<\/sup><\/a>. Unterst\u00fctzt wird die Initiative unter anderem von Michael Diener, Martin Grabe und dem an der CVJM-Hochschule in Kassel lehrenden Professor Tobias K\u00fcnkler, einem Baptistenpastor und zwei Pastoren aus dem Bund Freier evangelischer Gemeinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thorsten Dietz und Tobias Faix haben sich ebenfalls zur sexuellen Vielfalt bekannt.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F32\"><sup>32<\/sup><\/a> Christian A. Schwarz hat sich ebenso ge\u00e4u\u00dfert.<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F33\"><sup>33<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Christen, die innerhalb evan\u00adgelikaler Kreise an der traditionellen Sichtweise festhalten, wird die Luft d\u00fcnner. Meiner Beobachtung nach sind Seelsorger durch das staatliche Gesetz zum Verbot von Konversionstherapien bereits verunsichert. Initiativen wie Coming in f\u00fchren zu weiteren Verunsicherungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzlich sagte mir ein schwuler Christ, der abstinent lebt, aber in Anfechtungen seelsorgerlichen Beistand sucht, dass er kaum mehr Seelsorger findet, die bereit sind, ihn auf der Grundlage der biblischen Ethik dabei zu unterst\u00fctzen, ein Leben zu f\u00fchren, das Gott gef\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist zu tun? Vier Empfehlungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin trotzdem der \u00dcberzeugung, dass wir als Christen, die der biblischen Sexualethik treu bleiben wollen, den zeitgeistigen Begr\u00fcndungsstrategien sehr viel entgegenzusetzen haben. Menschen sind aus christlicher Sicht nicht einfach ihren Trieben ausgeliefert. Es ist aber auch realit\u00e4tsfremd, sich mit seiner Identit\u00e4t in gnostischer Weise von seiner Leiblichkeit emanzipieren zu wollen. Der Mensch ist nach biblischem Verst\u00e4ndnis eine Leib-Seele-Einheit. Er hat nicht nur einen Leib oder eine Seele, sondern ist Leib und Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die menschliche Sexualit\u00e4t ist jedoch niemals blo\u00dfer Trieb. Zu leiblichen Elementen des Begehrens treten immer die \u00c4u\u00dferungen des Herzens, der Wille, der Verstand, die Wertbindung. Insofern ist auch einleuchtend, dass gem\u00e4\u00df dem Neuen Testament die geschlechtlichen S\u00fcnden den ganzen Leib auf destruktive Weise beflecken (vgl. 1Kor 6,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin aber kein Romantiker und sch\u00e4tze es so sein, dass die Zeit, in der evangelikale Christen Kirche oder Gesellschaft mit biblischer Theologie und Ethik pr\u00e4gen konnten, erst einmal vorbei ist. Wir leben in einem s\u00e4kularen Zeitalter. Deshalb m\u00fcssen wir vor allem schauen, dass wir in unseren Gemeinden einen Weg finden, um mit diesen gro\u00dfen Herausforderungen umzugehen. Die Aufgaben sind jetzt schon gewaltig und werden m.E. noch gr\u00f6\u00dfer werden. Deshalb gebe ich vier Empfehlungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine <strong>erste Empfehlung<\/strong> ist eigentlich keine Empfehlung, sondern eine scharfe Warnung: Gebt dem Sauerteig keinen Raum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus schreibt an die Galater (Gal 5,7\u201310):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIhr lieft so gut. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Solches \u00dcberreden kommt nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig durchs\u00e4uert den ganzen Teig. Ich habe das Vertrauen zu euch in dem Herrn, ihr werdet nicht anders gesinnt sein. Wer euch aber irremacht, der wird sein Urteil tragen, er sei, wer er wolle.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist klar, dass die Problem\u00adlage im Galaterbrief eine andere war. Es ging um die Freiheit vom Gesetz. Dennoch meine ich, dass sich der Vers auf unser Thema \u00fcbertragen l\u00e4sst. Es geht auch in der sexualethischen Diskussion um falsche Lehre, die zu einem falschen Leben f\u00fchrt. Wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass Post-Evangelikale mit ihrer revisionistischen Sicht die Gemeindelehre oder das Gemeindeleben pr\u00e4gen. Schweigen wird leider meist als stille Zustimmung gewertet, auch wenn man oft nur Streit aus dem Weg gehen will. Wenn Gemeindeleitungen Revisionsbem\u00fchungen nicht stoppen, dann wird irgendwann ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchs\u00e4uern. Insofern halte ich es f\u00fcr unbedingt notwendig, dass Stellung bezogen wird. Hirten, die diese Entwicklung widerstandslos hinnehmen, stellen sich ihrer Verantwortung nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine <strong>zweite Empfehlung<\/strong> lautet: Die eigene Position richtig verteidigen. Viele Leute wundern sich dar\u00fcber, wie schnell der beschriebene Umbruch stattfindet. Es werden demn\u00e4chst erste Workshops dazu angeboten, wie die alte schwulenfeindliche Kultur in den Kirchengemeinden durch eine neue LGBT+-freundliche Kultur ersetzt werden kann. \u00dcber das \u201eWas\u201c wird schon nicht mehr diskutiert, sondern nur noch \u00fcber das \u201eWie\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die traditionelle Position zu verteidigen, hei\u00dft nat\u00fcrlich, dass wir uns biblisch-exegetisch r\u00fcckversichern und deutlich machen, dass die revisionistische Bibelauslegung wissenschaftlich nicht haltbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen aber genauso den geistesgeschichtlichen Aspekt im Auge haben. Der Umbruch geht auch deswegen so schnell, weil die Vertreter revisionistischer Sichtweisen sich ein psychologisches Menschenbild und moderne Ideen zur sexuellen Identit\u00e4t zu eigen gemacht haben. Es wird gar nicht mehr hinterfragt, dass jeder Mensch vor allem als sexuelles Wesen angesehen wird. Die Behauptung, Sexualit\u00e4t enthalte immer ein Spektrum von Orientierungen, bleibt unwidersprochen. Es wird auch nicht hinterfragt, welchen Stellenwert sexuelle Handlungen im Leben haben und warum sie das Wichtigste zu sein scheinen. Wir sind herausgefordert, dieses moderne Menschenbild und die entsprechenden Denkweisen zu hinterfragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine <strong>dritte Empfehlung<\/strong> lautet: Wir brauchen das Gebot und die Gnade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kenne Gemeinden, die mit bewundernswerter Sorgfalt am biblischen Gebot festhalten, aber die Augen vor den N\u00f6ten und K\u00e4mpfen sexuell angefochtener Geschwister verschlie\u00dfen. Wenn mit Gesten der Selbstverst\u00e4ndlichkeit sexuelle Reinheit eingefordert wird, entsteht schnell der Eindruck, unter Christen gebe es so etwas wie Versagen in diesem Bereich nicht. Da das Thema ohnehin sehr schambesetzt ist, findet kaum jemand den Mut, die pers\u00f6nlichen N\u00f6te ans Licht zu bringen. So kann sich eine pharis\u00e4ische Gesinnung etablieren, ein doppelter Standard. Vordergr\u00fcndig ist alles gekl\u00e4rt, aber hinter dem Vorhang sieht das Leben anders aus. Das Sollen wird so stark betont, dass das Sein nur noch verzerrt wahrgenommen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt auch die gegenteilige Reaktion: die einseitige Betonung der Gnade. Fix\u00adpunkt ist dann nicht mehr das biblische Gebot, sondern die eigene Erfahrung mit allen H\u00f6hen und Tiefen. Wie wir gesehen haben, ist es nicht un\u00fcblich, die Normen den gesellschaftlichen Wirklichkeiten an\u00adzu\u00adpassen. Die Spannung zwischen Sollen und Sein wird abgebaut, indem die Forderungen des g\u00f6ttlichen Gebots abgeschw\u00e4cht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese beiden Strategien im Umgang mit Herausforderungen des Geschlechtlichen sollten bei uns eine tiefe Traurigkeit hervorrufen. Sie antworten weder auf die Forderungen Gottes noch auf die N\u00f6te der Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00f6tig ist eine Kultur, die von dem Gebot und der Gnade gepr\u00e4gt ist, also eine evangeliumsgem\u00e4\u00dfe Kultur. Das Gebot zeigt uns unsere \u00dcbertretungen und treibt uns zum Kreuz. Die Gnade macht uns Mut, dass wir mit unseren N\u00f6ten und S\u00fcnden in das Licht treten und Vergebung sowie Erneuerung empfangen. Ganz konkret: Es braucht R\u00e4ume, in denen homosexuell empfindende Mitchristen sich \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Wir brauchen Br\u00fcder und Schwestern, die Angefochtene in ihren K\u00e4mpfen begleiten, also ihre Lasten in Beichte und F\u00fcrbitte mittragen (vgl. Gal 6,1\u20132).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinschaft und echte Freundschaften sind essenziell. Viele schwule und lesbische Christen, die sich zur Keuschheit verpflichtet haben, leben ziemlich isoliert und einsam. Solche Einsamkeit ist sehr schmerzhaft und treibt manchmal in die Verzweiflung oder auch in das sexuelle Abenteuer. Nicht selten tragen sie selbst ihren Teil zur Vereinsamung bei. Trotzdem kann die Gemeinde sie durch Gemeinschaft und durch belastbare Freundschaften unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Blick auf unsere Geschwister darf sich auch nicht auf die sexuelle Frage einengen. Das ist eine Folge der gesellschaftlichen \u00dcberh\u00f6hung. F\u00fcr gleichgeschlechtlich empfindende Christen soll und muss sich auch nicht alles um dieses Thema drehen. Sie haben doch viele Gaben Gottes, mit denen sie in der Gemeinde dienen d\u00fcrfen. Etliche sind k\u00fcnstlerisch begabt, einigen f\u00e4llt ein evangelistischer Lebensstil sehr leicht, wieder andere sind sehr sensibel. Eine Gemeinde mit einer robusten Kultur der Gnade wird Geschwistern helfen, abstinent zu leben und sich mit ihren Gaben in christusgem\u00e4\u00dfer Weise einzubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kenne Br\u00fcder, die mit gleichge\u00adschlechtlicher Anziehung k\u00e4mpfen und zur gleichen Zeit einen gesegneten Verk\u00fcndigungsdienst tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine <strong>vierte Empfehlung<\/strong> dreht sich um die Herrschaft von Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der evangelische Ethiker Klaus Bockm\u00fchl hat einmal gesagt: \u201eDie Grundregel der christlichen Sexualethik ist eine denkbar einfache. Sie lautet: \u201aIhr geh\u00f6rt nicht euch selbst. Machet Gott Ehre mit eurem Leibe!\u2018\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F34\"><sup>34<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Sexualethik muss in den gr\u00f6\u00dferen Rahmen der Herrschaft Christi hineingestellt werden. Wir m\u00fcssen weg von der Vorstellung, eine erf\u00fcllte Sexualit\u00e4t oder die Ehe sei das Wichtigste im Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wichtigste im Leben bin weder ich noch ist es die Partnerschaft. Es geht um das Reich Gottes, um die Herrschaft Christi, um Jesus selbst. Eine Leidenschaft wird nicht durch Leugnung, sondern durch eine gr\u00f6\u00dfere Leidenschaft \u00fcberwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch einmal abschlie\u00dfend Klaus Bockm\u00fchl:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs ist die \u00dcbernahme des Herr\u00adschafts\u00ad\u00adan\u00adspruches Christi und seine Ver\u00adwirk\u00adlichung, die das positiv tragende Element christlicher Sexualethik bildet. Darin findet der Christ die neuen Impulse, die neuen Motive, die in der Lage sind, seine geschlechtlichen Fragen zu ordnen und einzuordnen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo#F35\"><sup>35<\/sup><\/a><\/p>\n<p><em>Ron Kubsch<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3574\/homosexualitaet-und-christlicher-glaube?fbclid=IwAR2TKxGIAroH-hewshG3fBK9dCzeSerehmK8Q6ZP8a39gD8CByA_xogyQgo\">Evangelium21.net<\/a> (2.12.2022)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/autoren\/ron-kubsch\">Ron Kubsch<\/a> ist Studienleiter am Martin Bucer Seminar in M\u00fcnchen, Dozent f\u00fcr Apologetik und Neuere Theologiegeschichte sowie 2. Vorsitzender und Generalsekret\u00e4r bei Evangelium21. Er bloggt seit \u00fcber 15 Jahren unter <a href=\"https:\/\/www.theoblog.de\">TheoBlog.de<\/a> und hat mehrere B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht, darunter Die Postmoderne (2007), und Der neue Paulus (2017). Seit 2009 ist er Schriftleiter der Zeitschrift Glauben und Denken heute. Ron ist mit Dorothea verheiratet. Sie haben drei erwachsene Kinder.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch innerhalb der evangelikalen Bewegung wird die Akzeptanz f\u00fcr eine homosexuelle Lebensweise immer st\u00e4rker. Dabei wird gem\u00e4\u00df dem Anspruch der Bewegung, dass das Leben bibelgem\u00e4\u00df gestaltet sein muss, eine bestimmte Auslegung der entsprechenden Bibelstellen vorgenommen, wonach die Bibel Homosexualit\u00e4t nicht insgesamt, sondern nur eine falsche Homosexualit\u00e4t ablehne. 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