{"id":19427,"date":"2022-12-07T08:33:12","date_gmt":"2022-12-07T07:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19427"},"modified":"2022-12-07T11:12:16","modified_gmt":"2022-12-07T10:12:16","slug":"die-deutsche-energiewende-folgen-und-moegliche-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19427","title":{"rendered":"Die deutsche Energiewende &#8211; Folgen und m\u00f6gliche Perspektiven"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Ersatz fossiler, CO<sub>2<\/sub> \u2013 emittierender Energietr\u00e4ger durch \u201eerneuerbare Energiequellen\u201c (<strong>Dekarbonisierung<\/strong>) kam es seit Mitte 2021 zur sp\u00fcrbaren Energieverknappung und &#8211; verteuerung, die sich 2022 durch den Ukrainekrieg und die darauf folgenden Sanktionen versch\u00e4rfte und sich in Deutschland wegen des <strong>Doppelausstiegs<\/strong> <strong>aus<\/strong> <strong>Kohle<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Kernkraft<\/strong> besonders stark auspr\u00e4gte. Daher wird z. Z. in Deutschland kaum ein Thema intensiver und (neuerdings) auch kontroverser diskutiert als die Energiewende und ihre Folgen. Nachfolgend sollen Besonderheiten, Folgen und m\u00f6gliche Perspektiven der deutschen Energiewende er\u00f6rtert werden, wobei Vollst\u00e4ndigkeit nicht m\u00f6glich ist.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.\u00a0\u00a0 Doppelausstieg aus Kohle und Kernkraft in Deutschland<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des <strong>Green<\/strong> <strong>Deal<\/strong> wurde in der <strong>EU<\/strong> 2015 der Ausstieg aus fossilen Energietr\u00e4gern (nicht aus Kernenergie) beschlossen. Dies f\u00fchrte u. a. zum Investitionsr\u00fcckgang bei \u00d6lbohrfirmen um zwei Drittel (<strong>3<\/strong>) und zu vermindertem Angebot. Es verdreifachte sich der CO<sub>2<\/sub> &#8211; Zertifikatspreis allein 2020 &#8211; 2021 von 20 auf &lt; 60 Euro pro t CO<sub>2<\/sub> infolge Verknappung der Emissionszertifikate durch die EU, was auch die Gasversorgung tangierte (<strong>6<\/strong>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <strong>deutsche<\/strong> <strong>Energiepolitik<\/strong> konzentrierte sich <strong>einseitig<\/strong> <strong>auf<\/strong> <strong>Wind,<\/strong> <strong>Sonne<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>(russisches)<\/strong> <strong>Erdgas<\/strong> <strong>und<\/strong> auf einen <strong>\u00fcberhasteten<\/strong> <strong>Ausstieg<\/strong> <strong>aus<\/strong> <strong>Kohle-<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Kernenergie<\/strong>, wie nachfolgend beispielhaft gezeigt wird:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Seit 1990 werden Windkraft- und Fotovoltaikstrom in Deutschland vorrangig in das Netz eingespeist und feste Verg\u00fctungen f\u00fcr deren Erzeuger (Stromeinspeisungsgesetz, sp\u00e4ter Erneuerbare- Energien &#8211; Gesetz (<strong>EEG)<\/strong>) bezahlt, die mit massiven Subventionen (j\u00e4hrlich 25 \u20ac, bis 2018 insgesamt ca. 240 Md. \u20ac) verbunden waren, die \u00fcber die EEG &#8211; Umlage den Endverbrauchern in Rechnung gestellt wurden (2017: 6,88 ct\/kWh<strong>).<\/strong> Da diese Energieformen bei Windstille und\/oder Dunkelheit kaum oder keinen Strom erzeugen, erfolgte die Kompensation tempor\u00e4rer Versorgungsdefizite durch in Reserve gehaltene Kohle- und Gas- und auch Kernkraftwerke.<\/li>\n<li>2011 erfolgte der Ausstiegsbeschluss f\u00fcr Kernkraftwerke bis 2022<\/li>\n<li>Als Reaktion auf die \u201eFridays For Future\u201c &#8211; Bewegung sowie das \u201eRezo\u201c- Video wurden 2019 <strong>zus\u00e4tzlich<\/strong> der <strong>Ausstieg<\/strong> <strong>aus<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>Kohleverstromung<\/strong> <strong>bis<\/strong> <strong>2038<\/strong> (\u201eKohlekommission\u201c und \u201eEckpunkte zur Klimapolitk\u201c, vgl<strong>. (24)<\/strong> sowie <strong>1<\/strong>) und als \u00dcbergang die Errichtung neuer Gaskraftwerke auf der Basis von (russischem) Import beschlossen (gesch\u00e4tzte Kraftwerksleistung 23 bis 40 GW, wovon bisher nur 4 GW \u201eangeschoben\u201c sind, vgl. <strong>1<\/strong>).<\/li>\n<li>Nach dem Bundesverfassungsgerichts &#8211; Urteil wurde das Klimaschutzgesetz 2021 versch\u00e4rft und das Zieldatum zur Erreichung der \u201eKlimaneutralit\u00e4t\u201c auf 2045 (eher als die \u00fcbrige Welt)<\/li>\n<li>Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung wurde 2021 die weitere Beschleunigung des Ausstiegs aus der <strong>Kohleverstromung<\/strong>, eventuell <strong>bis<\/strong> <strong>2030<\/strong>, \u201eUnd wir k\u00f6nnen es schaffen, <strong>Strom<\/strong> <strong>bis<\/strong> <strong>2035<\/strong> <strong>zu<\/strong> <strong>100<\/strong> <strong>Prozent<\/strong> <strong>aus<\/strong> <strong>erneuerbaren<\/strong> <strong>Energien<\/strong> <strong>zu<\/strong> <strong>gewinnen<\/strong>.\u201c(<strong>2<\/strong>)<\/li>\n<li>Zwischen 2017 und 2021 erfolgte in Deutschland (vor allem in der Coronazeit, auch in Italien, UK, Spanien und den Niederlanden) ein starker Kohleausstieg.<\/li>\n<li>Trotz bereits hoher Gaspreise erfolgte Ende 2021 die Abschaltung von 3 Deren Stromproduktion von ca. 5 GW muss zus\u00e4tzlich durch Gasverstromung kompensiert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der durch die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie gestiegene weltweite Energiebedarf traf somit auf ein verknapptes und damit teures Angebot.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-19430\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-1.jpg\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"604\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-1.jpg 801w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-1-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-1-768x579.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abb. 1: Phasen des geplanten Kohleausstiegs bis 2038 (<strong>22, 24<\/strong>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.\u00a0\u00a0 Die derzeitige Energiekrise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Folge dieser energiepolitischen Entscheidungen begann Mitte 2021 eine Energieverknappung und -verteuerung, die zu massivem Anstieg der Preise f\u00fcr Erdgas, Kohle, \u00d6l und Strom f\u00fchrte (Verf\u00fcnffachung des Gaspreises, Verdreifachung des Industriestrompreises, h\u00f6chste Strompreise weltweit). Diese Teuerung wurde durch den Ukrainekrieg versch\u00e4rft und f\u00fchrte durch die Sanktionen und geringere Liefermengen speziell bei Erdgas zu einem massivem Versorgungsdefizit. Der Ukrainekrieg wirkte dabei wie ein \u201eBrandbeschleuniger\u201c (<strong>4<\/strong>). Deutschland traf es besonders hart, weil es sich durch den Kohle- Kernkraft-Doppelausstieg und die einseitige Orientierung auf russisches Erdgas plus unsteter Wind- und Sonnenenergie verletzlich gemacht hat (<strong>5<\/strong>), wie bereits in der <strong>EV 7\/8 (2019<\/strong>) prognostiziert wurde (<strong>24<\/strong>). \u00a0Exorbitant steigende Energiepreise und sinkende Versorgungssicherheit gef\u00e4hrden inzwischen Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Wohlstand und haben das Potential, unsere Wirtschaft und unseren Lebensstandard schnell, massiv und langfristig zu sch\u00e4digen (<strong>4<\/strong>). Dazu einige Beispiele:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Derzeit baut sich aufgrund der explodierenden Energiepreise eine Pleitewelle auf, die unseren \u00fcber Jahrzehnte aufgebauten Wohlstand aufs Spiel setzen k\u00f6nnte. Vielen Unternehmen auch des Mittelstands droht das Aus. Beispielsweise ist die Produktion am Chemiestandort Leuna um ca. 30 \u2013 40 % gesunken (<strong>8<\/strong>), die Stickstoffwerke Piesteritz haben wie andere Produzenten die D\u00fcngemittelproduktion zeitweilig eingestellt und Kurzarbeit beantragt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die dadurch stark erh\u00f6hten D\u00fcngemittelpreise f\u00fchren zu Ertragseinbu\u00dfen und damit zu geringerer Ern\u00e4hrungssicherheit (<strong>11<\/strong>). Die Beispiele lie\u00dfen sich beliebig fortsetzen (\u00dcbersicht bei <strong>9<\/strong>).<\/p>\n<ul>\n<li>Der Lebensstandard vieler Menschen k\u00f6nnte nachhaltig sinken, weil sie ihre Energiekosten nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen oder ihren Arbeitsplatz verlieren.<\/li>\n<li>Die Stromversorgung in Zeiten von Dunkelflauten im Winter l\u00e4uft Gefahr, zur Strommangelwirtschaft mit Energierationierung und erh\u00f6hter Gefahr gezielter oder unfreiwilliger regionaler Abschaltungen bis hin zum Blackout zu werden (<strong>6,<\/strong> <strong>12<\/strong>).<\/li>\n<li>Deutschland ist inzwischen zur Versorgungssicherung auf Stromimporte (einschlie\u00dflich Atom- und Kohlestrom) angewiesen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-19434\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-2.png\" alt=\"\" width=\"758\" height=\"529\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-2.png 758w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-2-300x209.png 300w\" sizes=\"(max-width: 758px) 100vw, 758px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abb. 2: Ver\u00e4nderungen der CO2 &#8211; Emissionen nach dem Pariser Abkommen (aus <strong>22<\/strong>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund ist es fatal, <strong>dass<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>nationale<\/strong> <strong>Alleingang<\/strong> <strong>Deutschlands<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>globale<\/strong> <strong>atmosph\u00e4rische<\/strong> <strong>CO<sub>2<\/sub><\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> <strong>Konzentration<\/strong> <strong>nicht<\/strong> <strong>senken<\/strong> <strong>wird<\/strong> (<strong>10, 22<\/strong>). Bis 2030 darf z. B. China j\u00e4hrlich 14 Md. t mehr CO<sub>2<\/sub> aussto\u00dfen, w\u00e4hrend EU, USA, Japan, Russland, Australien und Brasilien zusammen genommen j\u00e4hrlich Emissionsminderungen von 4,4 Md. t erreichen sollen (<strong>Abb.<\/strong> <strong>2<\/strong>). Deutschland k\u00f6nnte maximal 200 &#8211; 300 Millionen t\/ Jahr einsparen. Also \u00e4ndern die angestrebten Bem\u00fchungen Deutschlands am globalen CO<sub>2<\/sub> &#8211; Emissionsanstieg gar nichts. Bis 2030 bauen China mit 280.000 MW und Indien mit 174.000 MW die 10fache Kohlekapazit\u00e4t auf. In 62 L\u00e4ndern werden 1600 neue Kohlekraftwerke gebaut. (Quelle: Notifizierung zum Paris &#8211; Abkommen). \u00dcbrigens sto\u00dfen auch die als Br\u00fcckentechnologie gedachten Gaskraftwerke CO<sub>2<\/sub> aus, sind also nicht \u201eklimaneutral\u201c, wenn das deutsche Verbot der CO<sub>2<\/sub> &#8211; Abscheidung und Verpressung bestehen bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.\u00a0 M\u00f6glichkeiten zur Krisenbew\u00e4ltigung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a)\u00a0 Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung m\u00fcssen von den gravierenden finanziellen Folgen der Energiekrise rasch entlastet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6ren laut Beschluss des 35. CDU- Bundesparteitags (<strong>19<\/strong>) ein Preisdeckel f\u00fcr den Strom- und Gas &#8211; Grundbedarf f\u00fcr Haushalte, Entlastung beim Strompreis (Aussetzung Netzentgelte, Senkung Stromsteuer), Energiepauschale f\u00fcr Menschen mit geringem Einkommen, K\u00fcndigungsmoratorium f\u00fcr private Strom- und Gasliefervertr\u00e4ge, Erh\u00f6hung der Pendlerpauschale, Energiekostend\u00e4mpfungsprogramm beim Mittelstand und Industriestrompreis von 4 ct\/kWh.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b)\u00a0 Zur Behebung des Energiedefizits und Verhinderung eines wirtschaftlichen Niedergangs sollte die Nutzung s\u00e4mtlicher Energieressourcen, auf die Deutschland ohne Russland Zugriff hat, konsequent in Angriff genommen werden. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">&#8211; Nutzung der heimischen Erdgasvorkommen zur Entlastung des Fl\u00fcssiggas-Imports<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der weitere Ausstieg aus der Kohle und dem Rest der Kernenergie w\u00fcrde 30 &#8211; 50 zus\u00e4tzliche Gaskraftwerke erfordern (Koalitionsvereinbarung Ampel), die urspr\u00fcnglich durch zus\u00e4tzliche Gasimporte \u00fcber Nordstream 2 versorgt werden sollten. Zus\u00e4tzlich zum Ersatz des wegfallenden russischen Gases muss daf\u00fcr noch einmal eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Menge beschafft werden. Heute verbraucht Deutschland etwa 95 Mrd. m\u00b3, 50 Mrd. m\u00b3 davon stammen aus Russland. Der Ausstieg aus Kohle und Kernenergie w\u00fcrde etwa 30 &#8211; 50 Mrd. m\u00b3 zus\u00e4tzlich erfordern. Das ergibt ein <strong>Defizit<\/strong> <strong>80<\/strong> <strong>bis100<\/strong> <strong>Mrd.<\/strong> <strong>m\u00b3<\/strong> (Berechnungen: <strong>(5)<\/strong>)<strong>.<\/strong> Die USA wollen bis 2030 ca. 50 Mrd m<sup>3<\/sup> Fl\u00fcssiggas (LNG) liefern. Diese Menge reicht insgesamt nicht aus und ist sehr teuer, weshalb dringend die einheimischen Gasvorkommen genutzt werden sollten. Andererseits liegen bis zu 2,8 Billionen m<sup>3<\/sup> erschlie\u00dfbares Erdgas unter Norddeutschland (<strong>Abb.<\/strong> <strong>3<\/strong>). Aktuell f\u00f6rdert Deutschland ca. 5,2 Mrd m<sup>3<\/sup> Erdgas nach konventionellen Methoden und deckt damit ca. 5 % des Bedarfes (<strong>13<\/strong>). Dessen Anteil lie\u00dfe sich in wenigen Wochen auf ca.10 \u2013 15 % erh\u00f6hen (Prof. Amro, Institut f\u00fcr Bohrtechnik und Fluidbergbau, Bergakademie Freiberg, nach <strong>14<\/strong>). Noch besser ist die Situation bei unkonventionellen Methoden. Gem\u00e4\u00df einer Untersuchung der Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe (<strong>15<\/strong>) gibt es davon Vorr\u00e4te bis zu 2.340 Mrd. m<sup>3<\/sup>. Hinzu k\u00e4men noch die Gasvorr\u00e4te aus Kohlefl\u00f6zen (<strong>16<\/strong>),von denen bis 450 Mrd. m<sup>3<\/sup> f\u00f6rderbar sind. Diese Mengen w\u00fcrden ausreichen, um die russischen Lieferungen bis zu 50 Jahren zu ersetzen. Die F\u00f6rderung k\u00f6nnte mit relativ geringen Kosten innerhalb von 6 &#8211; 12 Monaten beginnen und schnell gesteigert werden (Amro, nach <strong>14<\/strong>). Nat\u00fcrlich m\u00fcsste daf\u00fcr das <strong>in<\/strong> <strong>Deutschland<\/strong> <strong>geltende<\/strong> <strong>faktische<\/strong> <strong>Fracking<\/strong> <strong>-Verbot<\/strong> <strong>aufgehoben<\/strong> werden<strong>.<\/strong> Die Gegenargumente hinsichtlich der Umweltsch\u00e4dlichkeit des Frackings sind nicht stichhaltig (<strong>17<\/strong>), weil a) in Deutschland seit 1960 ca. 320 Fracking \u2013 Ma\u00dfnahmen ohne Umwelt- bzw. Trinkwassersch\u00e4digungen durchgef\u00fchrt wurden, b) das gashaltige Gestein sich in 1000 Meter Tiefe befindet, also weit unter den Grundwasservorkommen, die in Deutschland bei 50-200 Meter Tiefe liegen, und c) das importierte Fl\u00fcssiggas aus den USA ebenfalls mit Hilfe des Frackings gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-19436\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-3.png\" alt=\"\" width=\"685\" height=\"802\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-3.png 685w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-3-256x300.png 256w\" sizes=\"(max-width: 685px) 100vw, 685px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abb. 3: Erdgasvorkommen in Deutschland (gelb unterlegt, nach <strong>23<\/strong>)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">&#8211; Aufhebung des Verbots der CO<sub>2<\/sub> \u2013 Abscheidungs- und Speicherungs &#8211; Technologien (CCS, CCUS)<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das CCS \u2013 Verfahren (Abscheidung von CO2 aus Kohlekraftwerken und die Verpressung in tiefe Schichten weit unterhalb des Grundwassers) wurde in einem Pilotprojekt in der Schwarzen Pumpe entwickelt und in Ketzin erprobt. Obwohl dadurch die Produktion CO<sub>2<\/sub> &#8211; freien Stroms aus Kohle und Gas m\u00f6glich wurde, ist die Technologie verboten und nach Kanada verkauft worden. Dieses Verbot geh\u00f6rt l\u00e4ngst auf den Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">&#8211; Erzeugung CO<sub>2<\/sub> \u2013freien Kohlestroms vorrangig aus eigenen Vorr\u00e4ten<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Milderung der Energieversorgungskrise setzt die Ampelregierung stark auf die Einfuhr von teurer Kohle (z. B. aus Kolumbien), die weitgehend ohne Beachtung von Umwelt- oder Arbeitschutzstandards gef\u00f6rdert wird. <strong>Zur<\/strong> <strong>schnellen<\/strong> <strong>Krisenbew\u00e4ltigung<\/strong> <strong>w\u00e4re<\/strong> <strong>ein<\/strong> <strong>Moratorium<\/strong> <strong>zum<\/strong> <strong>Kohleausstiegsgesetz<\/strong> und zur Schlie\u00dfungsabsicht der Ampel bis 2030 n\u00f6tig, so dass unser, mit strengen Umweltstandards bewehrter und preiswerter Kohleabbau weiter genutzt werden k\u00f6nnte. Wie erw\u00e4hnt, m\u00fcsste zur Vermeidung von CO<sub>2<\/sub> &#8211; Emissionen das <strong>Verbot<\/strong> <strong>des<\/strong> <strong>CCS<\/strong> <strong>\u2013<\/strong> <strong>Verfahrens<\/strong> <strong>annuliert<\/strong> <strong>werden<\/strong>. Dies w\u00e4re ein Weg f\u00fcr umweltfreundliche und CO2 &#8211; freie Kohle- und Gasverstromung, wie sie auch f\u00fcr die von der <strong>Ampelregierung<\/strong> <strong>deklarierte<\/strong> <strong>teilweise<\/strong> <strong>Kohlekraftwerks<\/strong> <strong>\u2013<\/strong> <strong>Reaktivierung<\/strong> erforderlich ist. Dies w\u00e4re ein gutes Beispiel f\u00fcr die Dekarbonisierungsbem\u00fchungen gro\u00dfer L\u00e4nder (wie China) und k\u00f6nnte zudem Gasverstromung vermindern, so dass das Gas f\u00fcr Heizung und Industrie bereit st\u00fcnde.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">&#8211;\u00a0 Laufzeitverl\u00e4ngerung der noch betriebenen Kernkraftwerke sowie die Reaktivierung der Ende 2021 geschlossenen drei Kernkraftwerke<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts des massiven Versorgungsdefizits bei Erdgas ist es essenziell, dieses nicht zu verstromen, sondern f\u00fcr W\u00e4rmeversorgung bzw. Industrieprozesse im Winter vorzuhalten. Die Abschaltung der letzten Kernkraftwerke (KKW) Ende 2022 w\u00fcrde die Energiemangelsituation deutlich versch\u00e4rfen, denn der dadurch wegfallende Strom m\u00fcsste durch Gas- oder Kohlekraftwerke, eventuell auch durch erneuerbare Energietr\u00e4ger kompensiert werden und w\u00fcrde damit die Energieversorgungssicherheit Deutschlands gef\u00e4hrden. Die Reaktivierung der Ende 2021 abgeschalteten KKW w\u00fcrde durch Lieferung zus\u00e4tzlichen Stroms das Energieversorgungsdefizit mildern. Zur Sicherung der Energieversorgung im kommenden Winter und dar\u00fcber hinaus ist die Laufzeitverl\u00e4ngerung der noch am Netz befindlichen und die Reaktivierung der Ende 2021 abgeschalteten KKW essenziell. <strong>Die<\/strong> <strong>Wirtschaftsweisen<\/strong> <strong>empfehlen<\/strong> <strong>den<\/strong> <strong>Weiterbetrieb<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>KKW<\/strong> <strong>bis<\/strong> <strong>2024<\/strong> <strong>(18).<\/strong> <strong>Da<\/strong> <strong>KKW<\/strong> <strong>kaum<\/strong> <strong>CO<sub>2<\/sub><\/strong> <strong>emittieren<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>daher<\/strong> <strong>sowohl<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>Weltklimarat<\/strong> <strong>als<\/strong> <strong>auch<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>EU<\/strong> <strong>sie<\/strong> <strong>als<\/strong> <strong>gr\u00fcne<\/strong> <strong>Stromquellen<\/strong> <strong>einstufen,<\/strong> <strong>w\u00e4re<\/strong> <strong>dies<\/strong> <strong>auch<\/strong> <strong>aus<\/strong> <strong>klimapolitischer<\/strong> <strong>Sicht<\/strong> <strong>sinnvoll.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwischenfazit:<\/strong> Diese und weitere Ma\u00dfnahmen <strong>k\u00f6nnten<\/strong> <strong>durch<\/strong> <strong>h\u00f6heres<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>billigeres<\/strong> <strong>Energieangebot<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>Versorgungssicherheit<\/strong> <strong>erh\u00f6hen<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>Energiepreise<\/strong> <strong>senken.<\/strong> Nat\u00fcrlich m\u00fcssten sie durch <strong>sparsamen<\/strong> <strong>Umgang<\/strong> <strong>mit<\/strong> <strong>Energie<\/strong> auf allen Ebenen erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin sollte man versuchen, den Strom &#8211; Gro\u00dfhandelspreis in Europa zu regulieren (Deckelung, Herausnahme der Gaskraftwerke (<strong>19<\/strong>).<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">c)\u00a0 \u00a0Die deutsche Energiewende muss \u00fcberdacht und korrigiert werden.<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Man<\/strong> <strong>muss<\/strong> <strong>akzeptieren,<\/strong> <strong>dass<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>deutsche<\/strong> <strong>Energiewende<\/strong> <strong>mittelfristig<\/strong> <strong>im<\/strong> <strong>bisherigen<\/strong> <strong>Ansatz<\/strong> <strong>undurchf\u00fchrbar<\/strong> <strong>geworden<\/strong> <strong>ist<\/strong>. Die Aussage von Ampelkoalition und Gr\u00fcnen, bis 2030 aus der Kohle auszusteigen und bis 2035 den Strom ausschlie\u00dflich aus \u201eerneuerbaren Energien\u201c (Wind, Sonne, Biogas etc.) zu gewinnen (<strong>2<\/strong>), setzt voraus, dass aus diesen Quellen der Bedarf des Industriestandorts Deutschland zu decken sei. Diese Annahme geh\u00f6rt zu den gef\u00e4hrlichsten Illusionen der Gegenwart (<strong>4<\/strong>), und zwar u. a. aus folgenden Gr\u00fcnden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur vollst\u00e4ndigen Deckung des <strong>Prim\u00e4renergiebedarfs<\/strong> (also Strom + Verkehr + Heizung + Industrie) sind die \u201eErneuerbaren\u201c nicht geeignet. Derzeit betr\u00e4gt der Anteil von Wind und Fotovoltaik an der Prim\u00e4renergie 5,1%. Bis zu 100% ist es also ein weiter Weg. Zu bedenken ist auch, dass der heutige Strombedarf (Jahresmittel ca. 65 &#8211; 80 GW) massiv zunehmen wird, wenn Mobilit\u00e4t, Heizung und Industriew\u00e4rme elektrifiziert w\u00fcrden. Allein f\u00fcr die Chemieindustrie wird eine Vervierfachung erwartet (<strong>20<\/strong>). F\u00fcr die Erzeugung dieser Strommengen durch Windkraft und Fotovoltaik werden die verf\u00fcgbaren Fl\u00e4chen Deutschlands wohl nicht ausreichen. Stromgewinnung aus <strong>Biomasse<\/strong> l\u00e4sst sich wegen der Konkurrenz zu Nahrungs- und Futtermittelproduktion nur begrenzt und aus <strong>Wasserkraft<\/strong> gar nicht steigern.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-19437\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-4.png\" alt=\"\" width=\"934\" height=\"676\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-4.png 934w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-4-300x217.png 300w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Grafik-4-768x556.png 768w\" sizes=\"(max-width: 934px) 100vw, 934px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abb. 4: Schwankende Stromproduktion im Januar 2019 (<strong>21<\/strong>)<\/p>\n<p>Wenn wir vorwiegend auf fluktuierend einspeisende Systeme (Sonne, Wind) setzen, funktioniert das nur, wenn die t\u00e4glichen sporadischen und saisonalen Versorgungsl\u00fccken <strong>(Abb.<\/strong> <strong>4<\/strong>), die unabh\u00e4ngig von der Zahl der Anlagen auftreten, zuverl\u00e4ssig geschlossen werden. Das erfordert gro\u00dftechnische und rentable Stromlangzeitspeicher, die aber auf absehbare Zeit nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Aktuell kann Versorgungssicherheit in Deutschland nur in Verbindung mit konventionellen Kraftwerken (\u201eBack \u2013 up \u2013 Systemen\u201c) gew\u00e4hrleistet werden, und zwar nicht (wie oft angenommen) als Br\u00fcckentechnologie, sondern als Dauerl\u00f6sung (<strong>12<\/strong>). In Frage kommen daf\u00fcr (allein oder in Kombination):<\/p>\n<ul>\n<li><strong>\u00a0Gaskraftwerke<\/strong> (Empfehlung der Kohlekommission 2019), die ausreichend Erdgas unter Einbeziehung heimischen Vorr\u00e4te (mit Fracking) erfordern.<\/li>\n<li><strong>Kohlekraftwerke<\/strong> m\u00f6glichst mit billiger heimischer Kohle<\/li>\n<li><strong>Kernkraftwerke<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei m\u00fcssen <strong>Gas-<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Kohlekraftwerke<\/strong> <strong>mit<\/strong> <strong>CO<sub>2<\/sub><\/strong> <strong>\u2013Abscheidung<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>\u2013Verklappung<\/strong> <strong>kombiniert<\/strong> werden, um CO<sub>2<\/sub> &#8211; Emissionen zu vermeiden. Da Kernkraftwerke weitgehend CO<sub>2<\/sub> \u2013 emissionsarm arbeiten und die begrenzten fossilen Rohstoffvorr\u00e4te in der Industrie f\u00fcr Stoffsynthesen langfristig ben\u00f6tigt werden, sind Kernkraftwerke aus Gr\u00fcnden der Ressourceneffizienz grunds\u00e4tzlich zu bevorzugen, weshalb sie vom Weltklimarat und der EU empfohlen werden. Bei gleichzeitigem Kohle- und Kernenergieausstieg ist der Erhalt und Neubau von Gaskraftwerken in gro\u00dfem Stil unumg\u00e4nglich, die je nach Elektrifizierungs &#8211; Szenario 2030 mit ca. 75 GW und 2050 bis zu 117 GW beziffert werden (DENA, zit. nach <strong>12<\/strong>) und sich bei steigendem Zubau von Wind- und Solaranlagen erh\u00f6hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>d) Die<\/strong> <strong>Erforschung,<\/strong> <strong>Entwicklung<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Praxis\u00fcberf\u00fchrung<\/strong> von neuartigen, CO\u2082-emissionsfreien, praxistauglichen, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch <strong>nachhaltigen<\/strong> <strong>Stromerzeugungssystemen<\/strong> (z. B. Protonenfusion, Brennzellentechnik, Dual-Fluid-Reaktor), die grundlast-, regelungs- und schwarzstartf\u00e4hig sind, sowie von <strong>Speicherungsm\u00f6glichkeiten<\/strong> <strong>gro\u00dfer<\/strong> <strong>Strommengen<\/strong> sind technologieoffen voranzutreiben (32. CDU \u2013Parteitag Leipzig 2019)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Politische Aktivit\u00e4ten zur Energiekrise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz hektischer Betriebsamkeit (dubiose Entlastungspakete, Einmalzahlungen, 9-Euro Ticket, Tankrabatt , Gasumlage, unerbetene Ratschl\u00e4ge zum Energiesparen) scheint die <strong>Ampelregierung<\/strong> weder kurz- noch langfristig einen realistischen Ansatz zur Energiepolitik zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis 2030 will sie die Kohleverstromung beenden und bis 2035 den Strom zu 100% <strong>ausschlie\u00dflich<\/strong> <strong>aus<\/strong> <strong>erneuerbaren<\/strong> <strong>\u201eFreiheitsenergien\u201c<\/strong> (\u201eOsterpaket\u201c) gewinnen (<strong>2<\/strong>) und verkennt dabei (siehe Abschnitt 3c), dass <strong>der<\/strong> <strong>diskontinuierliche<\/strong> <strong>Anfall<\/strong> <strong>von<\/strong> <strong>Sonnen<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Windenergie<\/strong> <strong>auch<\/strong> <strong>bei<\/strong> <strong>massivem<\/strong> <strong>Ausbau<\/strong> <strong>entsprechender<\/strong> <strong>Anlagen<\/strong> <strong>bestehen<\/strong> <strong>bleibt.<\/strong> Da in absehbarer Zeit keine rentablen gro\u00dftechnischen Stromspeicher verf\u00fcgbar sind, kann durch Sonnen- und Windenergie die deutsche Energieversorgungssicherheit dauerhaft nur in Verbindung mit konventionellen Kraftwerken gew\u00e4hrleistet werden <strong>(12<\/strong>). Das sollte auch die <strong>CDU<\/strong> bei der Erstellung des vom 35.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bundesparteitag in Auftrag gegebenen <strong>Energiesicherheitskonzeptes<\/strong> (<strong>19<\/strong>) bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Abhilfema\u00dfnahmen der <strong>Ampelregierung<\/strong> zur kurzfristigen Bew\u00e4ltigung des Strom- und Gasdefizits der n\u00e4chsten Jahre erscheinen eher hilflos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt die <strong>Laufzeit<\/strong> der letzten <strong>Kernkraftwerke<\/strong> (KKW) zu verl\u00e4ngern und die Ende 2021 vom Netz genommenen KKW zu reaktivieren, will sie zwei der letzten drei KKW bis Winterende in Reserve schicken und eines abschalten. Dadurch entsteht ein zus\u00e4tzliches Stromdefizit bei gleich bleibenden Kosten! Daf\u00fcr will die Regierung <strong>\u00d6lkraftwerke<\/strong> in Form von Kraftwerksschiffen nutzen, eine Technik, die sonst Entwicklungsl\u00e4nder einsetzen \u2013 mit schlechter CO<sub>2<\/sub> &#8211; Bilanz. Die <strong>CDU<\/strong> schl\u00e4gt hierf\u00fcr <strong>verl\u00e4ngerte<\/strong> <strong>Laufzeiten<\/strong> f\u00fcr KKW vor. Aber auch die Reaktivierung der Ende 2021 geschlossenen KKW k\u00f6nnte eine sehr sinnvolle energiepolitische Ma\u00dfnahme sein, weil sie das Stromangebot erh\u00f6hen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ampelregierung will mit dem EKWG (Gesetz zur Bereithaltung von Ersatzkraftwerken zur Reduzierung des Gasverbrauchs im Stromsektor im Fall einer drohenden Gasmangellage durch \u00c4nderungen des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energiewirtschaftlicher Vorschriften) <strong>einige<\/strong> <strong>abgeschaltete<\/strong> <strong>Kohlekraftwerke<\/strong> <strong>reaktivieren,<\/strong> nat\u00fcrlich mit b\u00fcrokratischem Vorbehalt. Bei Inkrafttreten dieses Gesetzes wirken zwei bestehende Gesetze gleichzeitig und gegens\u00e4tzlich: \u00dcber das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) werden Kohlekraftwerke abgeschaltet, \u00fcber Ersatzkraftwerkebereitstellungsgesetz (EKWG) werden sie teilweise wieder aktiviert; ein typisches Konfusionssymptom! Da wundert es nicht, dass bis dato erst zwei Kohlekraftwerke zugeschaltet wurden. Wenn man die Dekarbonisierung ernst meint, m\u00fcsste bei der Kohle- und Gas -Verstromung das faktische <strong>Verbot<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>CO<sub>2<\/sub><\/strong> <strong>\u2013<\/strong> <strong>Abscheidungs-<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Speicherungs<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> <strong>Technologien<\/strong> <strong>(CCS<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>CCUS)<\/strong> <strong>aufgehoben<\/strong> werden. Das lehnt die Ampelregierung seltsamerweise strikt ab, im Unterschied zur <strong>CDU,<\/strong> die zum j\u00fcngsten 35. Bundesparteitag das <strong>Wiederanfahren<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>Kohlekraftwerke<\/strong> forderte und die Erarbeitung eines <strong>Konzeptes<\/strong> <strong>zum<\/strong> <strong>Umgang<\/strong> <strong>mit<\/strong> <strong>CO<sub>2<\/sub><\/strong> beschlossen hat <strong>(19).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim <strong>Ersatz<\/strong> <strong>des<\/strong> <strong>Ausfalls<\/strong> <strong>von<\/strong> <strong>russischem<\/strong> <strong>Erdgas<\/strong> setzt die Regierung vornehmlich auf den <strong>Import<\/strong> <strong>von<\/strong> <strong>teurem<\/strong> <strong>(gefracktem)<\/strong> <strong>Fl\u00fcssiggas<\/strong>. Die Nutzung der umfangreichen, billigeren und relativ schnell erschlie\u00dfbaren <strong>heimischen<\/strong> <strong>Erdgasvorkommen<\/strong> und die Aufhebung des Fracking \u2013 Verbots lehnt sie (mit Ausnahme weniger FDP &#8211; Politiker) ab <strong>(2<\/strong>). \u00a0Die <strong>CDU<\/strong> sollt die \u00a0Erm\u00f6glichung des Frackings ernsthaft in Erw\u00e4gung ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorschl\u00e4ge der Ampelregierung und der CDU zur Regulierung des europ\u00e4ischen Strom- Gro\u00dfhandelspreises sind zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vorstehende exemplarische Kommentierung zeigt, dass die Ampelregierung offensichtlich den Herausforderungen nicht gewachsen ist, die sich aus der Energiekrise ergeben. Nur durch rasche Umsteuerung k\u00f6nnen Energieversorgungssicherheit und &#8211; bezahlbarkeit, Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Wirtschaftskraft und Lebensstandard Deutschlands erhalten werden. Der 35. CDU &#8211; Bundesparteitag hat mit seiner Entschlie\u00dfung f\u00fcr sichere Energie und starke Wirtschaft (22), den Beschl\u00fcssen zur Erarbeitung von Konzepten zur Energiesicherung, zum Umgang mit CO<sub>2<\/sub> und zur Entlastung der Wirtschaft und der Bev\u00f6lkerung dazu richtige Ma\u00dfnahmen formuliert, die es nun rasch zu realisieren und weiter auszubauen gilt. Zu nennen sind hier u. a.: Diversifizierung der Energieversorgung (Energiemix), Reaktivierung der 2021 geschlossenen KKW, Nutzung einheimischer Gasvorkommen sowie technologieoffene Entwicklung nachhaltiger Stromerzeugungs- und &#8211; speichersysteme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7.\u00a0\u00a0 Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zuge der Abl\u00f6sung fossiler, CO<sub>2<\/sub> &#8211; emittierender Energietr\u00e4ger durch erneuerbare Energiequellen (Dekarbonisierung) kam es seit Mitte 2021 zur Energieverknappung und \u2013 verteuerung &#8211; die sich 2022 durch den Ukrainekrieg und die Sanktionen noch versch\u00e4rfte -, von der Deutschland durch den gleichzeitigen Kohle- und Kernkraft -Ausstieg besonders stark betroffen ist. Diese Entwicklung hat das Potential, die Wirtschaft und den Lebensstandard schnell, massiv und langfristig zu sch\u00e4digen, und birgt die Gefahr der Deindustrialisierung in sich. Daher sind alle Ma\u00dfnahmen zu treffen, <strong>Wirtschaft<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Bev\u00f6lkerung<\/strong> <strong>von<\/strong> <strong>den<\/strong> <strong>finanziellen<\/strong> <strong>Folgen<\/strong> <strong>dieser<\/strong> <strong>Krise<\/strong> <strong>zu<\/strong> <strong>entlasten<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>das<\/strong> <strong>Energiedefizit<\/strong> <strong>durch<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>unverz\u00fcgliche<\/strong> <strong>Erschlie\u00dfung<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Nutzung<\/strong> <strong>s\u00e4mtlicher<\/strong> <strong>Energieressourcen,<\/strong> <strong>auf<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>Deutschland<\/strong> <strong>ohne<\/strong> <strong>Russland<\/strong> <strong>Zugriff<\/strong> <strong>hat<\/strong>, zu <strong>beheben.<\/strong> Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Nutzung der <strong>heimischen<\/strong> <strong>Erdgasvorkommen<\/strong> zur Entlastung des teuren Fl\u00fcssiggasimports und <strong>Aufhebung<\/strong> <strong>des<\/strong> <strong>faktischen<\/strong> <strong>Fracking<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> <strong>Verbots<\/strong><\/li>\n<li>Aufhebung des Verbots der CO<sub>2<\/sub> \u2013 Abscheidungs- und Speicherungs &#8211; Technologien<\/li>\n<li>Erzeugung CO<sub>2<\/sub> \u2013freien Kohlestroms vorrangig aus eigenen Vorr\u00e4ten durch ein <strong>Moratorium<\/strong> <strong>zum<\/strong> <strong>Kohleausstiegsgesetz<\/strong> und zur vorgezogenen Schlie\u00dfungsabsicht der Ampelkoalition und kurzfristige <strong>Reaktivierung<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>Kohlekraftwerke<\/strong><\/li>\n<li><strong>Laufzeitverl\u00e4ngerung<\/strong> der drei noch betriebenen <strong>Kernkraftwerke<\/strong> und <strong>Reaktivierung<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>Ende<\/strong> <strong>2021<\/strong> <strong>geschlossenen<\/strong> <strong>drei<\/strong> <strong>Kernkraftwerke<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die<\/strong> <strong>deutsche<\/strong> <strong>Energiewende<\/strong> <strong>muss<\/strong> <strong>\u00fcberdacht<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>neu<\/strong> <strong>justiert<\/strong> <strong>werden<\/strong>, zumal der deutsche Sonderweg z. Z. wegen Tolerierung von Emissionssteigerung gro\u00dfer L\u00e4nder (China, Indien) keinen wirklichen Beitrag zur Senkung der globalen CO<sub>2<\/sub> &#8211; Emissionen bringt. Der durch die Ampelregierung angek\u00fcndigte forcierte Ausbau von <strong>Windkraft<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Fotovoltaik<\/strong> <strong>kann<\/strong> den <strong>Energiebedarf<\/strong> <strong>des<\/strong> <strong>Industriestandortes<\/strong> <strong>Deutschland<\/strong> <strong>allein<\/strong> <strong>nicht<\/strong> <strong>gew\u00e4hrleisten<\/strong>, weil deren sporadischen und saisonalen Versorgungsl\u00fccken nur in Verbindung mit konventionellen Kraftwerken zuverl\u00e4ssig schlie\u00dfbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erforschung, Entwicklung und Praxis\u00fcberf\u00fchrung von nachhaltigen Stromerzeugungssystemen sowie gro\u00dftechnischer Stromspeicherm\u00f6glichkeiten ist voranzutreiben.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Wolfgang Merbach<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Anmerkung: Dieser Beitrag ist eine leicht modifizierte Fassung eines Artikels aus \u201eEvangelische Verantwortung\u201c, Heft 9 \/ 10 (2022), S. 6 \u2013 11.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Hennig, : Focus online 25.3.2022<\/p>\n<p>(2) Lang, R: Interview Welt 9.2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Aust, S.: Video Youtube 31. 8. 2022 (https:\/\/<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s435wQjm9QQ)\">www.youtube.com\/watch?v=s435wQjm9QQ)<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Aust, S.: Interview Welt 25. 6. 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Vahrenholt, F.: Newsletter M\u00e4rz 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Vahrenholt, F.: Newsletter 12. 10. 2021<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Blackout in Deutschland. Horrorszenario oder reale Gefahr. Video WISO ZDF 1. 8. 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) H\u00f6hne, S.: MDR 18.9. 2022<\/p>\n<p>(9) Akademie Bergstra\u00dfe: Deindustrialisierung Deutschlands Europas. Doku 2022<\/p>\n<p>(10) Merbach, : Rundbrief EAK Sachsen &#8211; Anhalt Dez. 2019<\/p>\n<p>(11) Zinke, : Agrarheute online, 2.9.2022<\/p>\n<p>(12) Paulitz, : Strommangelwirtschaft, Akademie Bergstra\u00dfe 5. Auflage 2021<\/p>\n<p>(13) https:\/\/bveg.de\/die-branche\/erdgas-und-erdoel-in-deutschland\/erd gas-in-deutschland\/<\/p>\n<p>(14) Limburg, M.: Schiefergas- und Fl\u00f6zgasgewinnung mittels unkonventioneller Methoden. Admin 2. 5. 2022 (https:\/\/eike-klima-energie.eu)<\/p>\n<p>(15) https:\/\/www.bgr.bund.de\/DE\/Themen\/Energie\/Downloads\/Abschlussbericht13MBSchieferoelgas potenzial_Deutschland_2016.htmlundhttps:\/\/www.bgr.bund.de\/DE\/Gemeinsames\/Oeffentlichkeitsarbeit\/Pressemitteilungen\/BGR\/bgr-160118_studie_schiefergas-oel.html<\/p>\n<p>(16) https:\/\/bveg.de\/die-branche\/erdgas-und-erdoel-in-deutschland\/fracking-in-Deutschland\/<\/p>\n<p>(17) Kaufmann : Fracking. Salonkolumnisten 23. 3. 2022<\/p>\n<p>(18) Heinrich: Welt 13. 9. 2022<\/p>\n<p>(19) Beschl\u00fcsse 35. CDU \u2013 Bundesparteitag Hannover<\/p>\n<p>(20) Bruderm\u00fcller, M.: Handelsblatt 24. 9. 2022<\/p>\n<p>(21) Vahrenholt: IHK Halle-Dessau in Halle 27. 9. 2021<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(22) Bennert, W. et al.: Kann der Mensch das Klima retten. 5. Auflage Erfurt 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(23) Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe (Hrsg.): Absch\u00e4tzung des \u00a0\u00a0Erdgaspotentials aus dichten Tiefengesteinen (Schiefergas) in Deutschland. Hannover 2012<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(24) Merbach, W.: Ev. Verantwortung 7\/8 (2019), S. 3 \u2013 8<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Einf\u00fchrung Beim Ersatz fossiler, CO2 \u2013 emittierender Energietr\u00e4ger durch \u201eerneuerbare Energiequellen\u201c (Dekarbonisierung) kam es seit Mitte 2021 zur sp\u00fcrbaren Energieverknappung und &#8211; verteuerung, die sich 2022 durch den Ukrainekrieg und die darauf folgenden Sanktionen versch\u00e4rfte und sich in Deutschland wegen des Doppelausstiegs aus Kohle und Kernkraft besonders stark auspr\u00e4gte. Daher wird z. 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