{"id":19361,"date":"2022-11-15T11:49:49","date_gmt":"2022-11-15T10:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19361"},"modified":"2022-11-15T14:22:38","modified_gmt":"2022-11-15T13:22:38","slug":"anne-meinberg-was-ist-fuer-mich-kirche-ein-weckruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19361","title":{"rendered":"Anne Meinberg: Was ist f\u00fcr mich Kirche? Ein Weckruf!"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 10pt;\">Frau Dr. phil. Anne Meinberg ist eine K\u00f6lner Literaturwissenschaftlerin. Sie hat lange mit der Frage des Austritts aus der evangelischen Landeskirche gerungen und ihre Gedanken in einem \u201eWeckruf\u201c dargelegt. Sie selbst ist bisher nicht aus der Kirche ausgetreten, ist sie doch zu sehr mit ihr verwurzelt. <\/span><\/em><em><span style=\"font-size: 10pt;\">Wir dokumentieren ihren Weckruf, der den Gedanken vieler Christen Stimme gibt und zugleich zum kritischen Dialog einl\u00e4dt. Kommentare und <\/span><\/em><em><span style=\"font-size: 10pt;\">R\u00fcckfragen an sie k\u00f6nnen \u00fcber info@gemeindehilfsbund.de weitergeleitet werden.<br \/>\nWir verweisen auch auf die Beitr\u00e4ge von Dr. J. Cochlovius und Egmond Prill im &#8222;Aufbruch&#8220; vom M\u00e4rz 2022.<br \/>\n<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist f\u00fcr mich Kirche? &#8211; Ein Weckruf!<\/p>\n<p>11. November 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist f\u00fcr mich Kirche? Was bedeutet mir meine Zugeh\u00f6rigkeit zu einer christlichen Gemeinde, in der ich einen Sinn finde, der mir in anderen Gemeinschaften nicht begegnet? <!--more-->Diese Frage stelle nicht nur ich mir, sondern das haben sich in den letzten Jahren sehr viele Menschen gefragt, f\u00fcr die dann die Antwort R\u00fcckzug, Austritt war. Das tut weh, nicht nur mir, sondern sollte auch den Verantwortlichen der Kirche zu denken geben. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Kirchenaustritt, speziell in der Evangelischen Kirche, m\u00f6gen vielf\u00e4ltig sein. Meine Gr\u00fcnde sind folgende:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin evangelisch getauft, konfirmiert und protestantisch erzogen. Viele Jahre und Jahrzehnte geh\u00f6rte der Kirchgang an hohen Festtagen und lange auch der sonnt\u00e4gliche Kirchgang zu meinen geliebten Gewohnheiten, von denen ich mir niemals h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen, dass ich sie aufgeben w\u00fcrde. Ebenso habe ich mich in dieser Kirche jahrelang in Ehren\u00e4mtern engagiert, aus \u00dcberzeugung, dass es ein Gutes sei, sich f\u00fcr diese Kirche einzusetzen. Warum hat sich das alles ge\u00e4ndert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich laut und offen sagen darf, was ich denke und f\u00fchle, was mich beschwert, wenn ich an unsere Kirche denke. Immer wieder habe ich gek\u00e4mpft gegen Irrglauben und Dummheit, gegen Gleichg\u00fcltigkeit und die kritiklose Hinwendung von Kirchenvertretern zu ideologischen Trends, die derzeit in Mode sind. Ganz sicher habe ich es mir und auch meinen Gespr\u00e4chspartnern nicht leicht gemacht mit meinem kritischen Blick auf die Entwicklungen in der evangelischen Kirche, die ich f\u00fcr zersetzend, f\u00fcr spaltend, ja teilweise auch f\u00fcr unchristlich halte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe gek\u00e4mpft und gerungen \u2013 mit mir und auch gegen mich \u2013, weil ich lange Zeit nicht wahrhaben wollte, was doch offensichtlich ist: <strong>Die gegenw\u00e4rtigen Kirchenleitungen folgen den falschen G\u00f6ttern, wenn sie sich mit s\u00e4kularen religi\u00f6sen Bewegungen gemein machen<\/strong>. In einem \u00f6ffentlichen Brandbrief, gerichtet an einzelne Pfarrer und Gemeinden, an Tr\u00e4ger kirchlicher Institutionen habe ich versucht, in ein Gespr\u00e4ch zu kommen, aufzur\u00fctteln, in einen kritischen Diskurs zu gehen <a href=\"https:\/\/bildung-und-ethik.com\/2021\/12\/02\/offener-brief-genderideologie-und-kirche\/\">Offener Brief: Genderideologie und Kirche | bildungsethik (bildung-und-ethik.com)<\/a>. Die Antwort auf meine Zweifel, auf meine \u00c4ngste und Sorgen, war Ignoranz, H\u00e4me, Wissenschaftsfeindlichkeit \u2013 und vor allem Diskursverweigerung! Statt meinem Bed\u00fcrfnis nach einem Dialog nachzukommen, begegneten mir Selbstgerechtigkeit und Arroganz, statt Offenheit und Respekt \u2013 Abwehr und kalte Distanz sowie das Beharren auf einer eingeengten Sicht, gespeist von der kritiklosen \u00dcbernahme von Stereotypen aus dem Repertoire des Gendermainstreams. Wenn sich Pfarrer und andere Vertreter der Kirchenleitung einem offenen, unvoreingenommen Gespr\u00e4ch verweigern, ist dies ein Defizit an Kopf und Herz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich behaupte nicht, dass jeder einzelne der kirchlichen Repr\u00e4sentanten anf\u00e4llig ist f\u00fcr die derzeit mit gro\u00dfer medialer Unterst\u00fctzung vorangetriebenen ideologischen Bewegungen, aber die Summe der Erfahrungen mit Vertretern der Kirche sowie die stillschweigende kritiklose \u00dcbernahme von gender-queer-feministischen Stereotypen sprechen f\u00fcr sich. Die Schubladen, in die man die Kritiker der Gender-Ideologie und linker Identit\u00e4tspolitik steckt, sind bedenklich: alt, reaktion\u00e4r, rechts. Wer sich aber einfangen l\u00e4sst von Ideologien, verliert den kritischen Blick auf sich selbst, was die Voraussetzung ist f\u00fcr einen verantwortungsvollen Umgang mit Mainstream-Bewegungen. Gendersprache, wie sie heute in weiten Teilen der offiziellen Kirche benutzt wird, ist Teil einer linken Ideologie innerhalb der Woke-Bewegung und ein Elite-Projekt ziemlich radikaler neo-feministischer Kreise, denen einzig daran gelegen ist, ihre Agenda durchzuziehen, ohne R\u00fccksicht auf die nach wie vor \u00fcberwiegende Ablehnung der Bev\u00f6lkerung und auch ohne R\u00fccksicht auf das enorme gesellschaftliche Spaltungspotential, das sie damit ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verneigung vor Genderideologie und links-identit\u00e4ren quasi-religi\u00f6sen Bewegungen versperrt der Kirche den Blick f\u00fcr die wirklichen Probleme der Menschen, schlimmer noch: Sie pervertiert die christliche Botschaft von N\u00e4chstenliebe und F\u00fcrsorge f\u00fcr die Schwachen, f\u00fcr die Abgeh\u00e4ngten dieser Gesellschaft, die sich nicht gegen die Bevormundung durch Sprachdiktate und moralisierende G\u00e4ngelung zu wehren wissen. Gendersterne statt der Botschaft des Sterns von Bethlehem sind eine hohle Symbolpolitik, die t\u00e4tiges Handeln gegen bestehende Ungerechtigkeiten erspart. Unter dem Deckmantel von Diversit\u00e4t und Gerechtigkeit wird geflissentlich \u00fcbersehen, dass gerade die Schw\u00e4cheren in unserer Gesellschaft ausgrenzt werden: Sprachbehinderte, Migranten und bildungsferne Schichten. Ist das christlich, sich auf die Seite derjenigen zu stellen, die am lautesten schreien?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche, auch die protestantische, ist zu einer Institution geworden, die sich dem Zeitgeist nur allzu willig unterwirft. Eitelkeit, Selbstgerechtigkeit, Borniertheit bestimmen den Diskurs, wenn er nicht gar ganz verweigert wird zugunsten der eigenen als &#8222;modern&#8220; und &#8222;zeitgem\u00e4\u00df&#8220; ausgegebenen Meinung, die jedoch in Wirklichkeit nichts als eine unreflektierte Anpassung an den Zeitgeist ist. Der Genderstern liefert das neue Gottesbild \u2013 &#8222;Gott ist eine Frau, und sie tanzt&#8220; \u2013, soll den alten Mann mit dem Bart ersetzen &#8211; das eine so anthropomorph und infantil wie das andere. Der Regenbogen steht f\u00fcr die Queer-Bewegung, die mit vermehrter Radikalit\u00e4t den Diskurs in unserer Gesellschaft an sich rei\u00dft, und nicht mehr als Symbol f\u00fcr die Hoffnung nach der Katastrophe, als Symbol f\u00fcr die Liebe Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wen soll eine solche Kirche noch tr\u00f6sten? Wo ist die Botschaft der N\u00e4chstenliebe, der Barmherzigkeit, wo Bescheidenheit, Demut? Wo Ideologen das Feld beherrschen, bleibt nicht mehr viel von der urspr\u00fcnglichen Sch\u00f6nheit des christlichen Glaubens, der sich aus einer Jahrtausende alten Tradition speist, wenn diese vergessen wird zugunsten einer neuen s\u00e4kularen &#8222;woken&#8220; Religion, der man sich anpasst, geradezu anbiedert. Wenn Kirchen wieder \u2013 wie es bereits einmal war \u2013 verf\u00fchrbar werden f\u00fcr zerst\u00f6rerische, spaltende Ideologien, die den Kern des Menschseins, die menschliche W\u00fcrde besch\u00e4digen, haben sie den Bezug zu den Sorgen und Zweifeln der Menschen verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine solche Kirche, wie ich und unz\u00e4hlige andere, die in den letzten Jahren ausgetreten sind, sie wahrnehmen, liefert keine Antworten auf die dr\u00e4ngenden Fragen unserer Zeit, h\u00e4lt keinen Trost bereit f\u00fcr die Trostsuchenden. Eine solche Kirche ist eine Kirche der Eitelkeiten, die sich im selbstgerechten Wirken ihrer Protagonisten \u00e4u\u00dfern. Zu dieser Kirche sage ich Nein. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dieses Jahr und das vorige haben sich wieder sehr viele Menschen abgewandt von der Kirche, auch und gerade von der Evangelischen Kirche, die nicht so wie die katholische Kirche an dem verheerenden Erbe des sexuellen Missbrauchs krankt. Man muss sich doch fragen, warum. Um Antworten auf diese Frage zu finden, muss die Kirche bei sich selbst anfangen, herabsteigen vom Stuhl der Selbstgerechtigkeit und moralischen Kleinkariertheit. Sie muss sich wieder um ihre Gl\u00e4ubigen k\u00fcmmern, anstatt einer elit\u00e4ren genderideologischen Blase den Hof zu machen, f\u00fcr die Gerechtigkeit sich in typografischen Zeichen, in \u00c4u\u00dferlichkeiten, anstatt in t\u00e4tigem Handeln manifestiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm\u201c, hei\u00dft es im Johannes-Evangelium (1.Joh 4,6). Die Kirche folgt den falschen G\u00f6ttern, wenn sie sich vor Genderaktivisten und queer-feministischen Ideologien verneigt. Verst\u00e4ndnis haben f\u00fcr alle, die anders sind, sie akzeptieren, respektieren, tolerieren und in die Gemeinschaft aufnehmen ist eine selbstverst\u00e4ndliche Pflicht des Christenmenschen, aber eine Kirche, die radikalen Ideologen nach dem Munde redet, nur, um mit dem Zeitgeist zu schwingen, anstatt sich auf ihre 2000 Jahre alten Traditionen zu besinnen, braucht die Gl\u00e4ubigen nicht mehr, sie hat sich einer neuen s\u00e4kularen Religion verschrieben.<\/p>\n<p>Dr. phil. Anne Meinberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Dr. phil. Anne Meinberg ist eine K\u00f6lner Literaturwissenschaftlerin. Sie hat lange mit der Frage des Austritts aus der evangelischen Landeskirche gerungen und ihre Gedanken in einem \u201eWeckruf\u201c dargelegt. Sie selbst ist bisher nicht aus der Kirche ausgetreten, ist sie doch zu sehr mit ihr verwurzelt. 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