{"id":19302,"date":"2022-10-21T15:54:39","date_gmt":"2022-10-21T13:54:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19302"},"modified":"2022-10-21T16:04:16","modified_gmt":"2022-10-21T14:04:16","slug":"predigt-ueber-1-joh-518-21-christsein-in-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19302","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber 1 Joh 5,18-21: Christsein in der Welt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir wissen, da\u00df, wer von Gott geboren ist, der s\u00fcndigt nicht, sondern wer von Gott geboren ist, den bewahrt er und der B\u00f6se tastet ihn nicht an. 19 Wir wissen, da\u00df wir von Gott sind, und die ganze Welt liegt im Argen. 20 Wir wissen aber, da\u00df der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn daf\u00fcr gegeben hat, da\u00df wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 21 Kinder, h\u00fctet euch vor den Abg\u00f6ttern! (1 Joh 5,18-21)<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen Worten beschlie\u00dft Johannes seinen ersten Brief. Wir nehmen wahr, da\u00df Johannes in den wenigen Versen unseres Predigttextes dreimal vom Wissen spricht, das dem Christen eignet. Doch wir m\u00fcssen zugleich sagen, da\u00df dies kein abgehobenes Wissen ist wie bei den Gnostikern, die meinten, ihre Religion auf das Wissen reduzieren zu k\u00f6nnen, sondern das Wissen des Christen tr\u00e4gt das Leben. Wir werden darauf in unserer Predigt eingehen m\u00fcssen. Ferner mu\u00df uns auffallen, da\u00df Johannes hier wie auch sonst den Widerspruch sieht zwischen dem Christen und der Welt. Er denkt antithetisch, also in Gegens\u00e4tzen. Die Welt liegt im Argen, w\u00e4hrend der Christ Christus erkennt, an ihn glaubt und im Glauben lebt. Diese Dinge sollen uns in unserer heutigen Predigt besch\u00e4ftigen. Wir beginnen mit der Feststellung, die die Welt betrifft, um dann den Gegensatz herauszuarbeiten, der den Christen kennzeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Die Welt liegt im Argen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie ganze Welt liegt im Argen\u201c \u2013 so sagt es Johannes, und er stimmt damit ganz mit Paulus \u00fcberein, der zum Beginn des Galaterbriefes sagt, da\u00df Jesus gekommen sei, \u201eder sich selbst f\u00fcr unsre S\u00fcnden dahingegeben hat, da\u00df er uns errette von dieser gegenw\u00e4rtigen, b\u00f6sen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vaters\u201c (Gal 1,4). Dabei haben wir vor Augen, da\u00df diese Welt Sch\u00f6pfung Gottes ist und da\u00df sie als solche nicht b\u00f6se ist. Aber sie liegt im B\u00f6sen. Sie steht unter dem Einflu\u00df des Satans. Wir k\u00f6nnen hier nicht n\u00e4her auf die physikalischen Aspekte eingehen, auf die Fallgestaltigkeit der Sch\u00f6pfung, auf die Zerfallserscheinungen, die M\u00fchsal der Arbeit, die Verg\u00e4nglichkeit des Lebens und auf den Tod. Das sind ja nur Folgen des S\u00fcndenfalls. Viel bedeutsamer ist die Tatsache, da\u00df der Satan seinen Einflu\u00df auf die Menschen aus\u00fcbt und da\u00df diese B\u00f6ses tun. Mit diesen m\u00fcssen sich die Christen auseinandersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der Perspektive, da\u00df der Satan in der Bibel als Vater der L\u00fcge bezeichnet wird, besteht der wesentliche Einflu\u00df des Satans in der Form, da\u00df er die Menschen l\u00fcgen l\u00e4\u00dft, und zwar durch Menschen, die ihm \u2013 ob sie es wissen oder nicht \u2013 h\u00f6rig sind. L\u00fcgen k\u00f6nnen eine \u00f6ffentliche Dimension annehmen, so wie einst Ulbricht wenige Wochen vor dem geplanten Mauerbau in Berlin log mit den Worten: \u201eNiemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.\u201c Aber auch ein angesehener europ\u00e4ischer Demokrat wie Jean-Claude Juncker, der damalige Vorsitzende der Euro-Gruppe und sp\u00e4tere Pr\u00e4sident der EU-Kommission, sagte angesichts der Eurokrise in 2011 ganz unverfroren: \u201eWenn es ernst wird, mu\u00df man l\u00fcgen.\u201c Es geh\u00f6rt zur D\u00e4monie des Menschen, die meist desastr\u00f6se Wirklichkeit mit der L\u00fcge sch\u00f6nzureden, im Kleinen wie im Gro\u00dfen. Es ist ja bekannt, da\u00df ein Mensch fast jeden Tag eine Halbwahrheit, eine Notl\u00fcge oder auch eine bewu\u00dfte L\u00fcge ausspricht. Die L\u00fcge ist die Software, mit der eine marode Gesellschaft zusammengehalten wird, und nicht selten wird die L\u00fcge mit staatlichem Druck zur Durchsetzung gebracht. Darum sollten wir uns auch nicht der Illusion hingeben, die sogenannten Leitmedien w\u00fcrden uns seri\u00f6s und wahrheitsgem\u00e4\u00df informieren. Auch wenn sie keine offensichtlichen Unwahrheiten verbreiten, so ist schon die einseitige, tendenzi\u00f6se Darstellung eines Sachverhalts eine verkappte L\u00fcge. Indem bestimmte Sachverhalte ausgeblendet werden, andere aber breit zur Darstellung gebracht werden, wird schon die Wirklichkeit verzerrt und ein einseitiges Bild von dem, was der Fall ist, verfestigt sich in den K\u00f6pfen der Medienkonsumenten. Wir schlie\u00dfen daraus: Medien sind kritisch zu konsumieren. Man lese auch die Gegendarstellung. Das gilt auch im Blick auf die Berichterstattung zu Corona oder zum Krieg in der Ukraine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Medienschelte ist einigerma\u00dfen billig. Nicht selten bel\u00fcgen wir einander auch in unseren Familien und Ehen und unter Freunden. Das scheinbar vertraute Gespr\u00e4ch bei Tisch ist mitunter so von der pers\u00f6nlichen Sicht des einen gepr\u00e4gt, da\u00df es wegen der Einseitigkeit der Darstellung zur L\u00fcge wird. Ein jeder m\u00f6ge einmal einen Tag lang auf seine Worte achten und sich kritisch fragen, was davon wirklich als hieb- und stichfest behauptet werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die L\u00fcge steht auch hinter den bekannten S\u00fcnden wie Diebstahl, Gewalttat, Mord, Unzucht und Ehebruch. Der Dieb, der im Supermarkt stiehlt, denkt falsch; er f\u00fcttert sein Gewissen mit einer L\u00fcge, mit der er sein Handeln rechtfertigt, sei es das ganz subjektive Interesse, mit dem Diebstahl Geld zu sparen, oder sei es das ideologische Interesse, dem reichen Kaufmann oder Konzern angeblich unrecht erworbenes Gut wegzunehmen. Unter dem Einflu\u00df des Satans zerf\u00e4llt der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenh\u00e4lt, n\u00e4mlich Treu und Glauben. Dann ist auf ein gegebenes Wort kein Verla\u00df mehr. Dann ist es besser, nachts bestimmte Stra\u00dfen oder Viertel einer Stadt zu meiden oder vielleicht ganz zu Hause zu bleiben. Dann nimmt die Kontroll- und \u00dcberwachungstechnik die Rolle des Schutzes. Dann wird das Recht k\u00e4uflich oder nach dem Ansehen einer Person gesprochen. Dann zerf\u00e4llt die Toleranz gegen\u00fcber Andersdenkenden. Dann halten Betrug und Korruption Einzug in die Arbeit von Institutionen und Betrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles sind Aspekte der Welt, die uns umgibt. Billigerweise k\u00f6nnten wir nun das Lied des Weltschmerzes anstellen, uns \u00fcber die gottlosen Menschen ereifern, unsere Politik beklagen, die wie die Mehrzahl der Menschen so gar nichts von Gott und seinem Sohn wissen will. Doch seien wir ehrlich: Wir haben uns in der gottlosen Welt ganz passabel eingerichtet: Wir haben unser Haus, unser Einkommen, unsere Familie, unser Auto und unseren Urlaub. Wir k\u00f6nnen uns immer noch dieses und jenes leisten, und es ist keineswegs abwegig, da\u00df wir das Internet haben, unsere Unterhaltungselektronik, unsere K\u00fcchenger\u00e4te und vieles, was uns ein ziemlich angenehmes Leben beschert. Wir haben auch unseren christlichen Glauben, unsere Gottesdienste und unsere private Erbauung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen ja nicht all den Unsinn konsumieren, der uns im Fernsehen vorgetragen wird, und auch nicht alle Bosheit und S\u00fcnde, die uns beim Surfen im Internet auf den Bildschirm kommt. Dennoch ist es wahr, da\u00df unsere Welt im Argen liegt, und es ist im \u00fcbrigen interessant zu vermerken, da\u00df Johannes dies schon vor bald zweitausend Jahren feststellen mu\u00dfte. Wir m\u00fcssen der Tatsache ins Auge sehen, da\u00df in einer Welt ohne Christus der Satan die Menschen in unterschiedlichem Ma\u00dfe durch die L\u00fcge steuert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Der Christ unter Gottes Bewahrung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Sachverhalt stellt Johannes gegen\u00fcber: \u201eWir wissen, da\u00df wir von Gott sind.\u201c Herrscht der Satan durch die L\u00fcge, so herrscht Christus durch Wahrheit, Wahrheit, die im Sinne des klassischen Verst\u00e4ndnisses als \u00dcbereinstimmung von Sache und Verstand zu fassen ist. Wahrheit hei\u00dft: Der Mensch, der Christus durch den Glauben folgt, hat teil an der Wahrheit Gottes, am Evangelium, am Heil in Christus und am ewigen Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen an dieser Stelle die Tatsache w\u00fcrdigen, da\u00df der christliche Glaube sehr viel mit dem Wissen zu tun hat. Johannes spricht in unserem Predigttext dreimal von einem solchen Wissen: \u201eWir wissen, da\u00df, wer von Gott geboren ist, der s\u00fcndigt nicht, sondern wer von Gott geboren ist, den bewahrt er und der B\u00f6se tastet ihn nicht an.\u201c \u201eWir wissen aber, da\u00df der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn daf\u00fcr gegeben hat, da\u00df wir den Wahrhaftigen erkennen.\u201c Und der bereits zitierte Satz \u201eWir wissen, da\u00df wir von Gott sind.\u201c Dabei hat Johannes sehr wohl vor Augen, da\u00df die Gnostiker, die es zu seiner Zeit schon gab, die Religion auf das blo\u00dfe Wissen oder Erkennen reduzierten. Einige Gnostiker folgerten daraus, da\u00df man dann mit seinem Leib machen k\u00f6nne, was man wolle, w\u00e4hrend andere Gnostiker eine strenge Askese forderten, also die konsequente Unterwerfung des Leibes unter den Geist. Eine rechte, positive Bewertung des Gesch\u00f6pflichen gab es bei den Gnostikern nicht. Johannes aber denkt schriftgem\u00e4\u00df und stellt heraus, da\u00df der christliche Glaube sich im Handeln zeigt, im rechten Umgang mit den gesch\u00f6pflichen Dingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist der Satz zu verstehen: \u201e\u2026 wer von Gott geboren ist, der s\u00fcndigt nicht.\u201c Wir beachten, da\u00df Johannes hier im Grundtext im Pr\u00e4sens redet, was soviel bedeutet, da\u00df die S\u00fcnde f\u00fcr den Christen nicht stete, gegenw\u00e4rtige Praxis ist. Wir bedenken des Weiteren, da\u00df die eigentliche S\u00fcnde, die Wurzel aller S\u00fcnden, der Abfall von Gott und die Abg\u00f6tterei ist. Das ist die Lebenswirklichkeit des Heiden, der seine G\u00f6tzen hat und diese in seinen Tempeln verehrt. Er will Gott, den Sch\u00f6pfer, nicht erkennen und ehren und verkehrt das rechte Wissen von Gott in eine falsches: Er macht sich G\u00f6tzenbilder und denkt von diesen, da\u00df sie die g\u00f6ttliche Kraft repr\u00e4sentieren und betet sie an. Die Folgen des Abfalls sind die vielen anderen Erscheinungsformen der S\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Kinder der Aufkl\u00e4rung haben wir diesen Formen der Religion l\u00e4ngst den R\u00fccken gekehrt. Wir wollen nicht mehr glauben, da\u00df es Gott gibt. Wir kommen aber angesichts der Wirklichkeit der Welt nicht umhin, dann anzunehmen, da\u00df die Welt sich selbst erschaffen habe, indem sie sich aus sich selbst heraus entwickelt habe. Dann spricht ein Physiker beispielsweise von einem kreativen Universum. Mit anderen Worten, er h\u00e4lt die materielle Welt f\u00fcr so kreativ, da\u00df sie all das, was ist, tats\u00e4chlich hervorbringen kann. Das aber bedeutet, da\u00df man das Gesch\u00f6pf zum Gott macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen aber nicht \u00fcbersehen, da\u00df es bis auf den heutigen Tag sogar Heidentum in christlichem Gewand gibt. Man besuche ein Marienheiligtum, das als Wallfahrtsst\u00e4tte ausgewiesen ist. Dort wird Maria angerufen und wenn das Erbetene eintritt, h\u00e4ngt der Betreffende eine Votivtafel auf, die die sp\u00e4teren Pilger informiert: \u201eMaria hat geholfen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat sie das wirklich? So wird der Kritiker mit Recht fragen. Aus evangelischer Sicht ist die Anrufung Mariens schlicht Abg\u00f6tterei, denn hier wird ein Gesch\u00f6pf Gott gleichgestellt und der dreieinige Gott verkannt. Man \u00fcbersieht dabei, was Gott in Jesus von sich offenbart hat: Da\u00df er ein gn\u00e4diger Gott ist, der S\u00fcnden vergibt, der seinen Kindern das t\u00e4gliche Brot geben will, der sie im Glauben bewahren will, der ihnen die Freiheit gibt, ihn im Namen Jesu anzurufen und in Dankbarkeit vor ihm zu leben. In Jesus k\u00f6nnen sie Gott recht erkennen und wissen, wie er denkt und was er will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df ein Christ Gott recht erkennen kann, ist weder eine Anma\u00dfung noch ein menschliches Verdienst. Ausdr\u00fccklich sagt Johannes, da\u00df Jesus selbst das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr \u00f6ffnet, Gott, den wahrhaftigen Gott, recht zu erkennen. Er hat das damals bei seinen J\u00fcngern getan und tut es seit Pfingsten durch deren Wort, das er im Heiligen Geist gegeben hat und der Kirche aller Zeiten verk\u00fcndigen l\u00e4\u00dft. Er vergewissert den Christen durch das apostolische Wort, da\u00df er an Christus teilhat, an dem einen und wahren Gott, durch den alles geschaffen ist. Damit ist klar, da\u00df das Wissen, von dem Johannes mehrfach redet, aus dem Wort der Apostel kommt. Nicht zuletzt ist es Gottes Gabe, wenn ein Christ sich im Glauben bew\u00e4hrt und trotz mancher Widerst\u00e4nde daran festh\u00e4lt. Der Christ wird indes nicht s\u00fcndlos, aber ein Leben in offener S\u00fcnde ist mit seinem Glauben nicht zu vereinbaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Christus oder ein Abgott?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Predigttext schlie\u00dft mit den Worten: \u201eDieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Kinder, h\u00fctet euch vor den Abg\u00f6ttern!\u201c Es entspricht nicht dem Gedankengang des Johannes, diesen letzten Satz als gesonderten Absatz zu drucken, so als st\u00fcnde er unverbunden hinter dem ihm vorausgehenden Text. Wir erkennen vielmehr den unmittelbaren Zusammenhang mit der Betonung, da\u00df Jesus Christus \u201eder wahrhaftige Gott und das ewige Leben\u201c ist. Abfall von Christus bedeutet, das ewige Leben zu verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Christ steht immer in der Konfrontation mit der Welt. Wir haben in einer fr\u00fcheren Predigt bereits \u00fcber die Aussage des Johannes nachgedacht, da\u00df der Glaube der Sieg ist, in dem der Christ die Welt \u00fcberwindet. Das stete und bewu\u00dfte H\u00f6ren auf die Zusagen Gottes, die den Glauben tragen, das Wissen, das sich damit verbindet, ist die Software, mit der der Christ dem Anruf des Unglaubens widerstehen kann. Indem Johannes nun bewu\u00dft vor der Abg\u00f6tterei warnt, weist er seine Leser darauf hin, da\u00df der allgegenw\u00e4rtige G\u00f6tzendienst in ihrer Umgebung eine stete Anfrage an die Echtheit des Glaubens an Christus darstellt. Wir bedenken, da\u00df die Christen der damaligen Zeit umgeben waren von G\u00f6tzentempeln. In Ephesus, einem der Wirkungsorte des alternden Johannes, war eine ber\u00fchmter Tempel der Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin Diana, und die Menschen glaubten, da\u00df das Bild der Diana, das im Tempel stand, vom Himmel gefallen sei (s. Apg. 19,35-36). Tempel und G\u00f6tzenbilder gab es in allen St\u00e4dten des R\u00f6mischen Reiches, und au\u00dferhalb des Reiches, etwa bei den Kelten oder Germanen, war der G\u00f6tterglaube in gleicher Weise verbreitet. Man denke etwa an die Auseinandersetzung mit dem germanischen G\u00f6tterglauben, den Bonifatius im achten Jahrhundert in unserer Region zu f\u00fchren hatte. Gesch\u00fctzt durch k\u00f6nigliche Soldaten und kirchliche Mitarbeiter konnte er es wagen, die Donareiche zu f\u00e4llen, denn der Glaube an die alten G\u00f6tter vermischte sich mit dem christlichen Glauben. Bonifatius wollte nicht die Christifizierung des Heidentums betreiben, sondern sah den Gegensatz zwischen beiden und wollte die Menschen zum christlichen Glauben bekehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Gegensatz wurde im Laufe der Jahrhunderte verwischt. Dagegen bildete sich vor allem im protestantischen Umfeld die \u00dcberzeugung aus, da\u00df der Glaube an Christus eben doch der rechte Glaube sei. Diese \u00dcberzeugung zerbrach im Zuge der Aufkl\u00e4rung und der folgenden Jahrhunderte, und an ihre Stelle ist der Glaube an den Menschen getreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn gegenw\u00e4rtig die Forderung nach freier Selbstbestimmung erhoben und zum leitenden Prinzip menschlichen Handelns gemacht wird, dann ist das eine Folge dieses Denkens. Ein solches Denken ist gegen Gott gerichtet, denn der sich selbst bestimmende Mensch will keinen Gott \u00fcber sich haben, sondern selber sein wie Gott. Da\u00df dies der Url\u00fcge des Satans entspricht, liegt auf der Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus oder Abgott? Das ist die Frage, vor der die Kirche im Allgemeinen und jeder einzelne Christ im Besonderen heute steht. Wir beachten, da\u00df dies nicht einfach eine menschliche Entscheidung ist, um die es hier geht. Es ist f\u00fcr den Christen vielmehr eine Gabe Gottes, wenn er zum einen die Frage, die ihm das heutige Denken stellt, in ihrer Schicksalhaftigkeit erkennt und versteht, und wenn er zum anderen durch die Erkenntnis Christi, des wahrhaftigen Gottes, die L\u00fcge hinter der Selbstverg\u00f6tterung des Menschen \u00fcberwindet und sein Leben in rechter Gottesfurcht und im Vertrauen auf Gott f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei geht es konkret um die Frage, ob der Christ etwa sein Bauchgef\u00fchl zum Leitmotiv seines Lebens macht, mithin also an der Kultur der Lustverfallenheit teilnimmt, oder ob er im Glauben an Christus die Welt gebraucht, sich an den Gaben Gottes freut, aber die Lust nicht zum Ziel seines Handelns macht, sondern Wahrhaftigkeit und Besonnenheit. Es geht auch um die Frage, ob man den von den Medien vorgestellten sogenannten Experten in den verschiedenen Bereichen des Lebens vertraut, oder auf Gottes Wort. Wenn etwa ein Psychologe behauptet, der Mensch sei von der Evolution her nicht auf die Einehe programmiert, sondern die Polyamorie guthei\u00dft, dann ist der Christ herausgefordert, dem Gebot Gottes gem\u00e4\u00df die Sch\u00f6nheit und Freiheit der ehelichen Treue zu erkennen und zu praktizieren. Nicht zuletzt findet sich gerade auf dem Gesundheitssektor viel Aberglaube an nicht wissenschaftlich bewiesene verborgene Kr\u00e4fte und Versprechungen<br \/>\nvon Heilung oder Besserung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlu\u00df<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Herausforderungen, die Johannes in den Versen unseres Predigttextes anspricht, geht es im Grund um die Frage: Auf wen oder was vertraue ich? Was halte ich f\u00fcr wahr? Wenn der Christ Christus recht erkannt hat, dann kann er ohne Furcht oder Gefahr f\u00fcr seinen Glauben G\u00f6tzenopferfleisch essen, sich gegen eine Krankheit impfen lassen, eine Feuerversicherung abschlie\u00dfen oder eine riskante Bergtour unternehmen. Er wei\u00df, da\u00df alle diese Aktivit\u00e4ten unter dem Vorbehalt stehen, da\u00df sie ihm Leben und Lebensqualit\u00e4t nicht sichern k\u00f6nnen, sondern nur bis zu einem gewissen Grad ihre Wirkung haben, endlich und diesseitig sind. Er wei\u00df, da\u00df Christus selbst ihn davor bewahrt, etwa das Bergsteigen oder etwas, was ihm sonst Lebensqualit\u00e4t verspricht, zu verg\u00f6ttern, und da\u00df Christus selbst ihm Leben und Gesundheit erh\u00e4lt oder im gegebenen Fall auch nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freude dagegen wird er haben an der Wahrheit, die Gott in Jesus Christus offenbart hat. Diese Wahrheit wird er \u00fcber alles lieben, an ihr wird er festhalten, von ihr wird er reden, auch wenn es politisch nicht korrekt ist. Mit ihr kann er die L\u00fcge \u00fcberwinden, die ihm in dieser Welt begegnet und derentwegen die Welt im Argen liegt. Die Wahrheit des Evangeliums ist zugleich der Grund seiner Hoffnung auf das ewige Leben, die ihn schon hier erf\u00fcllt.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><em>Dr. Bernhard Kaiser, Predigt vom 25.9.2022<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a9 Institut f\u00fcr Reformatorische Theologie gGmbH; www.irt-ggmbh.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir wissen, da\u00df, wer von Gott geboren ist, der s\u00fcndigt nicht, sondern wer von Gott geboren ist, den bewahrt er und der B\u00f6se tastet ihn nicht an. 19 Wir wissen, da\u00df wir von Gott sind, und die ganze Welt liegt im Argen. 20 Wir wissen aber, da\u00df der Sohn Gottes gekommen ist und uns den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19302"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19302"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19302\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19304,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19302\/revisions\/19304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19302"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19302"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19302"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}