{"id":19270,"date":"2022-10-10T12:34:05","date_gmt":"2022-10-10T10:34:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19270"},"modified":"2022-10-21T01:12:40","modified_gmt":"2022-10-20T23:12:40","slug":"sind-wir-noch-zu-retten-wach-auf-wach-auf-du-deutsches-land-johann-walter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19270","title":{"rendered":"Sind wir noch zu retten? \u201eWach auf, wach auf, du deutsches Land\u201c (Johann Walter)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was geht in Ihnen vor, wenn Sie h\u00f6ren \u201eWach auf, wach auf, du deutsches Land\u201c? Zucken Sie unwillk\u00fcrlich abwehrend zusammen und denken: \u201eIch w\u00e4hle aber nicht rechts\u201c? Oder nicken Sie innerlich zustimmend, aber denken dabei: \u201eDass ich <em>das<\/em> gut finde, darf ich nicht jedem sagen\u201c? Das Lied ist in den meisten g\u00e4ngigen Gesangb\u00fcchern nicht zu finden. Zwei Ausnahmen sind das Evangelische Gesangbuch (EG) der Landeskirchen in Deutschland (dort ist es die Nr. 145) sowie das vom Gnadauer Gemeinschaftsverband herausgegebene Gemeinschaftsliederbuch \u201eJesus unsere Freude&#8220;, wo es die Nr. 605 ist.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">EG und Gemeinschaftsliederbuch haben in weiser politischer Voraussicht gleich eine Textvariante vorgesehen, die sich im Original nicht findet: Statt \u201edu deutsches Land\u201c kann man auch \u201edu unser Land\u201c singen. Ich pers\u00f6nlich kann mich nicht erinnern, dieses Lied von der Zeit meiner ersten Kindergottesdienste (etwa 1957) bis heute jemals gesungen oder geh\u00f6rt zu haben. Ob es in der n\u00e4chsten Revision des EG oder des Gemeinschaftsliederbuches noch zu finden sein wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Hemmungen, Peinlichkeitsgef\u00fchle und politische Korrektheit gibt es ein probates Gegenmittel: Fakten. \u201eText und Melodie: Johann Walter (1561)\u201c informieren uns die beiden Liederb\u00fccher. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, der wei\u00df, dass es damals noch keine sogenannten \u201erechten\u201c Parteien gab, ja \u00fcberhaupt keine Parteien. Genau genommen gab es sogar Deutschland noch nicht, sondern nur das \u201eHeilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation\u201c, das eine bunte Mischung aus Sprachen, Dialekten, St\u00e4mmen und Kulturen war. Einige der Gebiete (so Sachsen) waren definitiv \u201edeutsch\u201c, andere weniger oder gar nicht. Also kein \u201enationalistisches\u201c Lied. (Aber vielleicht kann es, wenn man es beherzigt, durchaus Wirkungen auf die Politik aus\u00fcben? Das werden wir sehen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer war Johann Walter? Er wurde 1496 in Kahla geboren und starb 1570 in Torgau, war also ein direkter Zeitgenosse Martin Luthers. Er war Komponist, Kantor und Herausgeber des ersten evangelischen Chorgesangbuches (\u201eGeistliches Gesangb\u00fcchlein\u201c, erste Auflage 1524). Er arbeitete zusammen mit Luther pers\u00f6nlich an der Umgestaltung der Deutschen Messe und engagierte sich unerm\u00fcdlich f\u00fcr die Entwicklung einer kunstvollen, mehrstimmigen Kirchenmusik. Die Melodie von \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c ist mindestens unter seiner Mitwirkung entstanden. Johann Walter geh\u00f6rt zu den zu Unrecht vergessenen Namen in unseren Gesangb\u00fcchern und in der Kirchengeschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das 1561 entstandene Lied \u201eWach auf, wach auf, du deutsches Land\u201c hatte urspr\u00fcnglich nicht weniger als 26 Strophen. Manche \u2013 etwa die Verurteilung damaliger Modetorheiten in der Kleidung oder die Lobstrophe auf \u201eMartinus Luther, Gottes Mann\u201c \u2013 sind zeitgebunden und f\u00fcr den heutigen Leser von wenig Belang. Sieben (es h\u00e4tten auch mehr sein k\u00f6nnen) haben es ins EG und ins Gemeinschaftsliederbuch geschafft. Hier sind sie:<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Wach auf, wach auf, du deutsches Land!<br \/>\nDu hast genug geschlafen.<br \/>\nBedenk, was Gott an dich gewandt,<br \/>\nwozu er dich erschaffen.<br \/>\nBedenk, was Gott dir hat gesandt<br \/>\nund dir vertraut sein h\u00f6chstes Pfand,<br \/>\ndrum magst du wohl aufwachen.<\/li>\n<li><em> Gott hat dir Christus, seinen Sohn,<br \/>\ndie Wahrheit und das Leben,<br \/>\nsein liebes Evangelium<br \/>\naus lauter Gnad gegeben;<br \/>\ndenn Christus ist allein der Mann,<br \/>\nder f\u00fcr der Welt S\u00fcnd g\u2019nug getan,<br \/>\nkein Werk hilft sonst daneben.<\/em><\/li>\n<li><em> F\u00fcr solche Gnad und G\u00fcte gro\u00df<br \/>\nsollst du dem Herren danken,<br \/>\nnicht laufen aus seim Gnadenscho\u00df,<br \/>\nvon seinem Wort nicht wanken,<br \/>\ndich halten, wie sein Wort dich lehrt;<br \/>\ndadurch wird Gottes Reich gemehrt,<br \/>\ngeholfen auch den Kranken.<\/em><\/li>\n<li><em> Du solltest bringen gute Frucht,<br \/>\nso du recht gl\u00e4ubig w\u00e4rest,<br \/>\nin Lieb und Treu, in Bu\u00df und Zucht,<br \/>\nwie du solchs selbst begehrest,<br \/>\nin Gottes Furcht dich halten fein<br \/>\nund suchen Gottes Ehr allein,<br \/>\ndass du niemand beschwerest.<\/em><\/li>\n<li><em> Die Wahrheit wird jetzt unterdr\u00fcckt,<br \/>\nwill niemand Wahrheit h\u00f6ren;<br \/>\ndie L\u00fcge wird gar fein geschm\u00fcckt,<br \/>\nman hilft ihr oft mit Schw\u00f6ren;<br \/>\ndadurch wird Gottes Wort veracht\u2019,<br \/>\ndie Wahrheit h\u00f6hnisch auch verlacht,<br \/>\ndie L\u00fcge tut man ehren.<\/em><\/li>\n<li><em> Gott warnet t\u00e4glich f\u00fcr und f\u00fcr,<br \/>\ndas zeugen seine Zeichen,<br \/>\ndenn Gottes Straf ist vor der T\u00fcr;<br \/>\nDeutschland, lass dich erweichen.<br \/>\nTu rechte Bu\u00dfe in der Zeit,<br \/>\nweil Gott dir noch sein Gnad anbeut<br \/>\nund tut sein Hand dir reichen.<\/em><\/li>\n<li><em> Das helfe Gott uns allen gleich,<br \/>\ndass wir von S\u00fcnden lassen,<br \/>\nund f\u00fchre uns zu seinem Reich,<br \/>\ndass wir das Unrecht hassen.<br \/>\nHerr Jesu Christe, hilf uns nun<br \/>\nund gib uns deinen Geist dazu,<br \/>\ndass wir dein Warnung fassen.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was will uns dieses Lied sagen? Die erste Strophe stellt unmissverst\u00e4ndlich klar, dass es als Weckruf gedacht ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wach auf, wach auf, du deutsches Land!<br \/>\nDu hast genug geschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir h\u00f6ren gleich ein doppeltes <em>Wach auf<\/em>, an ein Land, das <em>genug geschlafen<\/em> hat. Solche Weckrufe sind historisch und politisch ein Ph\u00e4nomen, das immer wieder einmal vorkommt. Es hat in der deutschen Vergangenheit gen\u00fcgend Weckrufe gegeben, nicht alle zum Besten der Nation. Doch der Rest der Strophe kl\u00e4rt uns auf, dass das \u201eSchlafen\u201c nicht politisch, sondern geistlich zu verstehen ist. (Wobei das geistliche Aufwachen durchaus politische Folgen haben kann, die aber dann geistlich, also von Gott und der Gottesbeziehung her motiviert sind.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedenk, was Gott an dich gewandt,<br \/>\nwozu er dich erschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was soll das deutsche Land bedenken? Seine fr\u00fchere wirtschaftliche St\u00e4rke? Den Klimawandel? Die Energiekrise? Was fr\u00fcher alles besser war? Was fr\u00fcher alles schlimm war? Totale Fehlanzeige. Es soll an Gott denken, genauer: an das, was Gott f\u00fcr es getan (an dich gewandt) und wozu er es erschaffen hat. Was Gott getan hat, ist das Fundament f\u00fcr unser Land, ohne das alles andere ins Wanken ger\u00e4t, und das erschaffen deutet an, dass das Land eine Bestimmung hat. Das deutsche Land hat (wie viele andere L\u00e4nder auch) eine historische Mission, die ihm von Gott selber gegeben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Zeilen beginnen zu pr\u00e4zisieren, was Gott f\u00fcr das deutsche Land getan hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedenk, was Gott dir hat gesandt<br \/>\nund dir vertraut sein h\u00f6chstes Pfand,<br \/>\ndrum magst du wohl aufwachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat uns etwas gesandt, das wir selber nicht hatten und niemals aus eigenem Bem\u00fchen h\u00e4tten erwerben k\u00f6nnen. Er hat uns ein Pfand gegeben; das Wort ist hier im Sinne von \u201eZeichen f\u00fcr etwas\u201c gemeint (manchmal spricht man hier auch von \u201eUnterpfand\u201c), und dieses etwas ist Gottes Liebe und Zuwendung zu den Menschen. Und es wird noch brisanter: Gott hat uns dieses Pfand nicht einfach auf den Tisch gelegt, nach dem Motto: \u201eDas ist f\u00fcr euch, aber wenn ihr nichts damit anfangen k\u00f6nnt, ist es auch gut.\u201c Nein, er hat es uns vertraut (anvertraut). Dies ist kein Geschenk, das man bei Nichtgefallen in die Schublade legen kann, sondern etwas, mit dem wir verantwortungsvoll umzugehen haben; es ist nicht nur Geschenk, sondern gleichzeitig auch Auftrag. Es ist sicher kein Fehler, hier an das Gleichnis von dem anvertrauten Geld in Lukas 19,11-27 zu denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite Strophe erkl\u00e4rt, was dieses Geschenk Gottes, das gleichzeitig Auftrag f\u00fcr uns ist, konkret ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat dir Christus, seinen Sohn,<br \/>\ndie Wahrheit und das Leben,<br \/>\nsein liebes Evangelium<br \/>\naus lauter Gnad gegeben;<br \/>\ndenn Christus ist allein der Mann,<br \/>\nder f\u00fcr der Welt S\u00fcnd g\u2019nug getan,<br \/>\nkein Werk hilft sonst daneben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes h\u00f6chstes Pfand ist sein Sohn, Jesus Christus, dessen Werk und Wesen detailliert beschrieben werden. Christus ist erstens die Wahrheit und das Leben, was nat\u00fcrlich an Johannes 14,6 ankn\u00fcpft, wo Jesus spricht: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.\u201c Er ist weiter Gottes liebes Evangelium, und hier ist das Adjektiv lieb, das so harmlos scheint, eine massive Anfrage an uns: Ist mir denn das Evangelium (also die Botschaft von Jesus Christus) \u201elieb\u201c? Ist es etwas, was mich im Innersten immer wieder begeistert und packt, oder habe ich es zu den religi\u00f6sen Akten gelegt, sei es als Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sei es als etwas, was man nicht unbedingt braucht und was mich nicht interessiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Evangelium hat Gott uns aus lauter Gnad gegeben; wir k\u00f6nnen uns unsere Erl\u00f6sung nicht mit eigenen Leistungen (Werken) verdienen. Dies ist nicht nur klassisch lutherische Theologie, dies ist die zentrale Botschaft der Bibel. Das gr\u00f6\u00dfte Problem der Welt hei\u00dft nicht \u201eKlima\u201c oder \u201eWirtschaft\u201c oder \u201eKrankheit\u201c, sondern S\u00fcnde \u2013 die Trennung von Gott \u2013, und die einzige L\u00f6sung hei\u00dft Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist das Evangelium von Jesus Christus in die deutschen Lande gekommen? Im \u00e4u\u00dfersten Westen und S\u00fcden gab es erste Anf\u00e4nge noch im alten R\u00f6mischen Reich. Als sich nach dem Ende dieses Reiches Europa neu ordnete, wurde der aus England stammende Benediktinerm\u00f6nch Bonifatius (der im Jahre 754 den M\u00e4rtyrertod erlitt) vom Papst mit der Missionierung der Germanen beauftragt und damit zum \u201eApostel der Deutschen\u201c. In den folgenden Jahrhunderten durchdrang das Christentum vor allem durch die Arbeit der Kl\u00f6ster das Land immer mehr. Die deutschen Kaiser verstanden sich als christliche Herrscher christlicher L\u00e4nder und als Verteidiger und F\u00f6rderer des christlichen Glaubens. Eine neue Epoche begann durch die vor allem durch Martin Luther vorangetriebene Reformation, die der weitgehend korrupt gewordenen Papstkirche den wiederentdeckten biblischen Glauben entgegenstellte. Es war Luther, der jedem, der lesen konnte, den Zugang zur Bibel er\u00f6ffnete und auf die Einrichtung von Elementarschulen f\u00fcr alle Kinder dr\u00e4ngte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war die jahrhundertelange Christianisierung Deutschlands, die die kulturellen, sozialen und auch wissenschaftlichen Errungenschaften erm\u00f6glichte, die dieses Land erfahren hat. Ohne Bonifatius, Luther und die Bibel keine Matth\u00e4uspassion von Bach, keine \u201eR\u00fcckkehr des verlorenen Sohnes\u201c von Rembrandt, keine Kirchengeb\u00e4ude als Zentrum der Stadt oder des Dorfes, aber auch keine allgemeine Bildung, keine Achtung von Frau und Kindern, keine F\u00fcrsorge f\u00fcr Kranke, sozial Schwache und Behinderte, kein humanes Rechtssystem und viele Dinge mehr. Christus ist allein der Mann, der eine Gesellschaft human machen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr solche Gnad und G\u00fcte gro\u00df<br \/>\nsollst du dem Herren danken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So lautet der Aufruf zu Beginn der dritten Strophe, und der Rest der Strophe sowie die vierte Strophe f\u00fchren aus, was zu diesem Danken dazugeh\u00f6rt. Das Fundamentalste wird zuerst genannt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht laufen aus seim Gnadenscho\u00df &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das heute altert\u00fcmlich klingende Wort Gnadenscho\u00df meint schlicht die Vaterliebe und Erl\u00f6sung Gottes, die wir nur durch Jesus Christus bekommen. Es fasst Kreuz, Auferstehung, v\u00f6llige Vergebung der S\u00fcnden und die Zusage des Himmels nach dem Tod in einem einzigen Bild zusammen: der Mensch, der auf dem Scho\u00df Gottes sitzt, so sicher und geborgen wie ein Kleinkind auf dem Scho\u00df des Vaters. Es ist der sicherste Ort der Welt. Aber (siehe das Gleichnis vom verlorenen Sohn in Lukas 15) man kann diesen Ort verlassen, und dann hilft \u2013 f\u00fcr den Einzelnen wie f\u00fcr ein ganzes Land \u2013 nur eines: wieder dorthin zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2026 von seinem Wort nicht wanken,<br \/>\ndich halten, wie sein Wort dich lehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer bei Gott und seiner Gnade bleiben will, der muss seinem Wort treu bleiben. Das Wort Gottes ist das Reden Gottes zu den Menschen, im engeren Sinne das historische Reden, das in der Bibel aufgezeichnet worden ist. Johann Walter war nat\u00fcrlich wohlvertraut mit dem lutherisch-reformatorischen Prinzip Sola Scriptura (\u201eallein die [heilige] Schrift\u201c) \u2013 dass also f\u00fcr den Christen das ma\u00dfgeblich zu sein hat, was die Bibel sagt, und nicht, was irgendwelche P\u00e4pste, Gelehrte oder Konzilien sagen. Heute w\u00fcrde man die Gelehrten noch durch die \u201eExperten\u201c erg\u00e4nzen. Die innere Gesundheit einer Gesellschaft h\u00e4ngt entscheidend damit zusammen, was diese Gesellschaft sich noch (oder wieder) von der Bibel sagen l\u00e4sst. Hier ist die Diagnose im Deutschland, ja \u00fcberhaupt im \u201echristlichen Abendland\u201c, zu Beginn des 21. Jahrhunderts denkbar d\u00fcster. Ob Abtreibung oder \u201eGender\u201c, ob politische Korrektheit oder Pandemie-Priorit\u00e4ten, die Bibel ist auf dem Abfallhaufen der Geschichte gelandet. \u201eWir schaffen das.\u201c Oder: \u201eEs geht ohne Gott\u201c \u2013 und im Herbst 2022 graut allen vor der Dunkelheit, in die es geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht m\u00f6glich, ohne Gott und sein Wort eine gesunde Gesellschaft aufzubauen und zu erhalten. Es ist nicht m\u00f6glich, medizinisch und sozial, energiepolitisch und wirtschaftlich einen gesunden Kurs zu fahren, wenn die Politiker und die \u201eExperten\u201c sich nichts mehr von der Bibel sagen lassen. Es ist nicht m\u00f6glich, das Fundament der Freiheit, das 1949 f\u00fcr das moderne Deutschland mit dem Grundgesetz gelegt wurde, beizubehalten, wenn das in der Pr\u00e4ambel zitierte \u201eBewusstsein seiner Verantwortung vor Gott\u201c nicht mehr gilt. Und dieses Bewusstsein verschwindet, wo man die Bibel nicht mehr gelten l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier noch ein Wort an die Frommen im Lande: Viele von ihnen bem\u00fchen sich wacker, die Bibel immer besser kennenzulernen, ihre Struktur zu erkennen, Verse auswendig zu lernen etc. Aber es reicht nicht, die Bibel zu kennen, vielleicht sogar gelehrte Vortr\u00e4ge \u00fcber sie halten zu k\u00f6nnen. Dich halten, wie sein Wort dich lehrt \u2013 dies bedeutet, dass ich das, was Gott mir in der Bibel, in Predigten usw. sagt, praktiziere. Man kann noch so viele Bibeltexte \u00fcber das Vergeben auswendig kennen \u2013 wenn man nicht gelernt hat, ganz real und praktisch selber zu vergeben, hat man nichts von seiner sch\u00f6nen Bibelkenntnis. Gott sucht keine Auswendiglerner und Nachbeter, sondern Praktiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch wird Gottes Reich gemehrt,<br \/>\ngeholfen auch den Kranken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes Reich kommt nicht erst in der Ewigkeit im Himmel; es beginnt \u2013 dies ist ein Grundprinzip der Bibel \u2013 bereits hier auf der Erde, eben dadurch, dass Menschen Gottes Wort respektieren und befolgen. Menschen, die sich nicht [ver]halten, wie sein Wort es lehrt, bauen nicht den Himmel, sondern die H\u00f6lle auf Erden. Und das &#8222;geholfen auch den Kranken&#8220; ist zum einen w\u00f6rtlich zu verstehen; sowohl die pers\u00f6nliche Gesundheit als auch die kollektive Gesundheit (fr\u00fcher sagte man \u201eVolksgesundheit\u201c) h\u00e4ngt immer auch damit zusammen, wie unser Verh\u00e4ltnis zu Gott und seinem Wort ist. Wie vern\u00fcnftig, human, unhysterisch und erfolgreich h\u00e4tte der Umgang mit der Corona-Pandemie im deutschen Land sein k\u00f6nnen, wenn man von vornherein an Gott gedacht und Fragen gestellt h\u00e4tte wie: \u201eWas will Gott uns mit dieser Situation sagen?\u201c \u2013 \u201eWie will Gott, dass wir damit umgehen?\u201c \u2013 \u201eIst es von Gottes Wort und Geboten her richtig, wenn wir die Menschen in den Altenheimen isolieren und die Oma nicht mehr besuchen?\u201c \u2013 \u201eM\u00fcssen wir in so einer Lage nicht erst recht in die Gottesdienste gehen und gemeinsam das Abendmahl feiern?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falls Corona wirklich vorbei sein sollte, wenn Sie diese Zeilen lesen, werden gen\u00fcgend andere Themen \u00fcbrigbleiben, wo wir wieder lernen m\u00fcssen, uns von der Bibel etwas sagen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Kranken kann man auch in einem erweiterten Sinne verstehen. Da sind all die Menschen, deren Beziehungen \u201ekrank\u201c und kaputt geworden sind. Da sind die sich auft\u00fcrmenden Krisen der Gesellschaft, die wachsende soziale K\u00e4lte, die Klima- und Energiekrise, die steigenden Fallzahlen bei Sucht und Selbstmord. Immer wieder erleben wir es: Ohne Gott, ohne das H\u00f6ren auf sein Wort geht eine Gesellschaft zugrunde. Auch das deutsche Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vierte Strophe pr\u00e4zisiert weiter, was das &#8222;dich halten, wie sein Wort es lehrt&#8220; in der Praxis \u201ebringt\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du solltest bringen gute Frucht,<br \/>\nso du recht gl\u00e4ubig w\u00e4rest,<br \/>\nin Lieb und Treu, in Bu\u00df und Zucht,<br \/>\nwie du solchs selbst begehrest \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Luther war es ein geistliches Grundgesetz, dass man zwar nicht durch gute Werke in den Himmel kommt, aber dass der Glaube an Gott und sein Wort, sofern er denn echt ist, unweigerlich gute Werke (Frucht) hervorbringt. Diese Frucht wird in vier Stichworten zusammengefasst: Lieb und Treu und Bu\u00df und Zucht. Man fordere einmal auf einer Internetplattform diese vier Dinge ein und bezeichne sie als Grundlage f\u00fcr eine Genesung des deutschen Landes im 21. Jahrhundert \u2013 und dann warte man auf die Reaktion. M\u00f6glich, dass die Polizei noch nicht anklopft, aber der Shitstorm wird unsch\u00f6n sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was hei\u00dfen denn diese vier Stichworte? Liebe hei\u00dft, dass ich meine Mitmenschen (ob sie im Kanzleramt oder in der Wohnung \u00fcber mir sitzen) mit den Augen Gottes betrachte, als Menschen, die hilfs- und erl\u00f6sungsbed\u00fcrftig sind. Treue hei\u00dft, dass ich vor den Problemen und den Menschen nicht davonlaufe, sondern unverdrossen das tue, was nach Gottes Willen und Wort das Richtige ist. Bu\u00dfe hei\u00dft bekanntlich \u201eUmkehr\u201c. Ich gehe daran (als Reaktion auf Gottes Reden in seinem Wort), mein Leben zu \u00e4ndern. Allgemeingesellschaftlich gesprochen, w\u00fcrde Bu\u00dfe f\u00fcr ein ganzes Land bedeuten, dass Politiker abtreten oder sich entschuldigen, Gesetze zur\u00fcckgenommen oder nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Bibel reformiert werden, in Parlamenten und Medien zur Umkehr zu dem Gott der Bibel und seinen Ma\u00dfst\u00e4ben aufgefordert wird. Und Zucht meint einen Lebensstil (und Politik- und Regierungsstil!), der von Gottes geistlichen und ethischen Leitplanken bestimmt ist. Grenzenlose Vielfalt der pers\u00f6nlichen Lebensgestaltung, geschweige denn der Ethik ist gottwidrig und f\u00fchrt immer in Chaos und Diktatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2026 in Gottes Furcht dich halten fein<br \/>\nund suchen Gottes Ehr allein,<br \/>\ndass du niemand beschwerest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier sto\u00dfen wir auf zwei Begriffe, die f\u00fcr die meisten unserer Zeitgenossen, ob privat oder in hohen \u00c4mtern, entweder unbekannt oder absolute rote T\u00fccher sind: Gottes Furcht und Gottes Ehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gottesfurcht (so die \u00fcbliche Formulierung) meint nicht eine panische Angst vor Gott, sondern dass wir ihm mit absolutem Respekt begegnen. Gott ist das h\u00f6chste Wesen, die h\u00f6chste Instanz, der h\u00f6chste Wert im ganzen Universum und noch dar\u00fcber hinaus. Die V\u00e4ter des deutschen Grundgesetzes ahnten noch etwas davon, als sie ausdr\u00fccklich ihr \u201eim Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott\u201c in die Pr\u00e4ambel schrieben. Nicht nur die Geschichte Deutschlands, sondern die Geschichte ganz allgemein dokumentiert, dass ein Land, dessen F\u00fchrung Gott nicht mehr f\u00fcrchtet, unweigerlich in Diktatur, Chaos und Elend endet. Ohne Gottesfurcht keine Humanit\u00e4t, keine Gerechtigkeit vor Gericht, kein nachhaltiger gesellschaftlicher Zusammenhalt. Ohne Gottesfurcht auch keine L\u00f6sung der auf uns einst\u00fcrzenden Probleme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann Gottes Ehre: F\u00fcr alle m\u00f6glichen Gruppen und Anliegen wird heute \u201eRespekt\u201c eingefordert. Wer denkt heute noch an Gottes Ehre? Wem ist noch klar, dass es nicht nur Menschenrechte gibt, sondern dass auch Gott Rechte hat? Wer hat begriffen, dass Gott es mitnichten \u201en\u00f6tig hatte\u201c, seinen Sohn ans Kreuz zu schicken, damit wir erl\u00f6st werden k\u00f6nnen? Alles, was Gott in der biblischen wie der sp\u00e4teren Geschichte tut, tut er auch deswegen, weil es um seine Ehre geht. Paul Gerhardt singt in der zehnten Strophe seines Liedes \u201eDie g\u00fcldne Sonne\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist das Gr\u00f6\u00dfte, das Sch\u00f6nste und Beste,<br \/>\nGott ist das S\u00fc\u00dfte und Allergewisste,<br \/>\naus allen Sch\u00e4tzen der edelste Hort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das deutsche Land, ja jedes Land kann nur dann heil werden, wenn es diese Wahrheit wiederentdeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Lesen der f\u00fcnften Strophe sollte man sich vielleicht anschnallen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Wahrheit wird jetzt unterdr\u00fcckt,<br \/>\nwill niemand Wahrheit h\u00f6ren;<br \/>\ndie L\u00fcge wird gar fein geschm\u00fcckt,<br \/>\nman hilft ihr oft mit Schw\u00f6ren;<br \/>\ndadurch wird Gottes Wort veracht\u2019,<br \/>\ndie Wahrheit h\u00f6hnisch auch verlacht,<br \/>\ndie L\u00fcge tut man ehren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erinnern uns: Dieses Lied stammt aus der Zeit der Reformation und der aus ihr folgenden K\u00e4mpfe. Luther war bis zu seinem Tod von Verhaftung und Scheiterhaufen bedroht. Der Kampf gegen die Wiederentdeckung des Evangeliums wurde mit harten Bandagen gef\u00fchrt. Macht stand gegen Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber kommt uns das nicht merkw\u00fcrdig bekannt vor in den Jahren nach 2020? Auch heute hat die Wahrheit einen schweren Stand. Sie wird <em>unterdr\u00fcckt<\/em> durch \u201eCancel Culture\u201c und loyale \u201eFaktenchecker\u201c. <em>Niemand<\/em> will sie h\u00f6ren, will sagen: niemand (oder jedenfalls nur wenige) von denen, die die Macht haben, zu bestimmen, in welche Richtung die Gesellschaft marschieren soll. Die <em>L\u00fcge<\/em> wird <em>geschm\u00fcckt<\/em> mit den Aussagen sorgf\u00e4ltig ausgesuchter \u201eExperten\u201c, die gerne mit aus dem Zusammenhang gegriffenen Aussagen und manipulierten Statistiken <em>schw\u00f6ren<\/em>, dass die L\u00fcge in Wirklichkeit die Wahrheit sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Leser mag selber Beispiele zusammentragen. Sie in einem ver\u00f6ffentlichten Buch zu bringen, ist bereits problematisch geworden. Ein hei\u00dfer Tipp: Achten Sie auf Ihr Bauchgef\u00fchl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dadurch wird Gottes Wort veracht\u2019,<br \/>\ndie Wahrheit h\u00f6hnisch auch verlacht,<br \/>\ndie L\u00fcge tut man ehren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten uns nichts vormachen: Jede Verdrehung, Leugnung oder Kriminalisierung der Wahrheit ist in Wirklichkeit ein Angriff auf <em>Gottes Wort<\/em>. Wer bei dem Kult der L\u00fcge mitmacht (ob aus Angst, aus Dummheit oder aus dem Wunsch heraus, sich Vorteile zu ergattern), bekommt es mit Gott zu tun. Wir sollten hier wieder an <em>Gottes Furcht<\/em> und <em>Gottes Ehr<\/em> aus der vierten Strophe denken. Aber auch daran, dass Jesus den Teufel als \u201eVater der L\u00fcge\u201c bezeichnet hat (Johannes 8,44). Wer etwa als Lehrer oder Erzieher sich wider besseres Wissen f\u00fcr die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c, f\u00fcr sexuelle Experimente schon im Kindesalter oder f\u00fcr die Abtreibung als gutes Recht der Frau ausspricht, weil er an seinem Arbeitsplatz keine Probleme bekommen will, der <em>verachtet<\/em> Gottes Wort und wird die Konsequenzen tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine Neutralit\u00e4t zwischen Wahrheit und L\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der sechsten Strophe versch\u00e4rft sich der Ton noch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gott warnet t\u00e4glich f\u00fcr und f\u00fcr,<br \/>\ndas zeugen seine Zeichen,<br \/>\ndenn Gottes Straf ist vor der T\u00fcr;<br \/>\nDeutschland, lass dich erweichen.<br \/>\nTu rechte Bu\u00dfe in der Zeit,<br \/>\nweil Gott dir noch sein Gnad anbeut<br \/>\nund tut sein Hand dir reichen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Worte mobiliseren im heutigen deutschen Land s\u00e4mtliche Abwehrreflexe \u2013 bei Politikern, bei Oberkirchenr\u00e4ten und Pastoren, beim W\u00e4hler und Durchschnittsb\u00fcrger und nicht zuletzt beim Durchschnittschristen, der gerne auch \u201epietistisch\u201c oder \u201eevangelikal\u201c sein darf. An dem, was hier gesagt wird, l\u00e4sst sich nichts herummodeln. Gott <em>warnt<\/em> uns also, und dies nicht nur alle Jubeljahre, sondern <em>t\u00e4glich<\/em> und andauernd (<em>f\u00fcr und f\u00fcr<\/em>). Er warnt durch <em>Zeichen<\/em>, also durch Geschehnisse, die er entweder aktiv schickt oder zul\u00e4sst und die den Sinn haben, uns f\u00fcr die Realit\u00e4t aufzuwecken. Aktuelle Beispiele gef\u00e4llig? COVID, Energiekrise durch Energiewende, Energiekrise durch Ukraine-Krieg, Klimawandel, Inflation, beginnende Knappheiten, Fl\u00fcchtlingswellen, Zerfall der Familie, psychisch kaputte Kinder und, und, und \u2026 Und diese Warnungen und Zeichen bedeuten, dass <em>Gottes Strafe<\/em> kommt, und sie kommt nicht am Sankt-Nimmerleinstag, sondern sie <em>ist vor der T\u00fcr<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben die Christen im deutschen Land (also immerhin im Mutterland der Reformation!) es in ihrer gro\u00dfen Mehrheit nicht ganz anders gelernt in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg? Haben wir uns nicht l\u00e4ngst von einem strafenden Gott verabschiedet? Was fr\u00fchere Regierungen den menschlichen V\u00e4tern und M\u00fcttern im deutschen Land erteilt haben, haben Theologen, Pastoren und ganz normale Christen dem allm\u00e4chtigen Gott erteilt: ein umfassendes Z\u00fcchtigungsverbot. Gott straft nicht, ja er kann gar nicht strafen, und wo die Bibel etwas anderes sagt, muss man das entweder umdeuten oder ignorieren. In der gro\u00dfen Wellness-Religion ist f\u00fcr einen Gott, der warnt und straft und das Halten seiner Gebote und Ordnungen einfordert, kein Platz mehr. Gott als himmlischer Verw\u00f6hn-Papa, der manchmal ein bisschen streng tut, aber das nat\u00fcrlich nicht so meint. Gebote? Braucht man als Christ doch nicht mehr zu halten \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Botschaft der Bibel ist nat\u00fcrlich eine ganz andere, und es geht hier nicht um ein paar einzelne \u201eschwierige\u201c Bibelverse, sondern um rote F\u00e4den, die sich durch die ganze Bibel hindurchziehen. Da ist die Ur-Warnung Gottes in 1. Mose 2,17: \u201eAber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und B\u00f6sen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.\u201c Da ist die unter die Haut gehende Ank\u00fcndigung des Segens bzw. des Fluches f\u00fcr Israel in 5. Mose 28 \u2013 Segen, wenn das Volk Gottes Bund h\u00e4lt, Fluch, wenn es ihn bricht. Da ist die ganze Tradition der alttestamentlichen Propheten, die einem von Gott abgefallenen Israel bzw. Juda immer wieder Strafe und Gericht ank\u00fcndigen \u2013 ein Gericht, das im babylonischen Exil greifbar Realit\u00e4t wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ist im Neuen Testament nicht alles ganz anders? Ist Jesus nicht f\u00fcr die S\u00fcnden <em>aller<\/em> Menschen ans Kreuz gegangen und aus dem Tod auferstanden? Ohne jeden Zweifel ja. Doch auch der neutestamentliche Gott warnt und straft noch. Was im alten Bund f\u00fcr das Gottesvolk Israel galt, gilt jetzt f\u00fcr alle, die vom Evangelium erreicht worden sind: Erl\u00f6sung bedeutet auch Verpflichtung. Ob es der Exodus aus \u00c4gypten oder das Kreuz Christi ist: Die gro\u00dfe Befreiung ist keine Entlassung in die gro\u00dfe Autonomie und Beliebigkeit, sondern sie bedeutet, dass ich buchst\u00e4blich f\u00fcr immer Dem, der mich befreit hat, geh\u00f6re und nach seinem Willen frage. Er gilt auch f\u00fcr das Deutschland und seine Christen von heute, der klassische Satz des Paulus: \u201eT\u00e4uscht euch nicht! Macht euch klar, dass ihr Gott nicht einfach missachten k\u00f6nnte, ohne die Folgen zu tragen. Denn was ein Mensch s\u00e4t, wird er auch ernten\u201c (Galater 6,7 Neues Leben Bibel). Wobei das Wort \u201eMensch\u201c hier sowohl f\u00fcr den Einzelnen steht als auch f\u00fcr ein ganzes Volk bzw. Land und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr eine ganze Gemeinde oder Kirche. Ein Land, das die Demontage der Ehe und Familie und die Aufl\u00f6sung der Mann-Frau-Polarit\u00e4t s\u00e4t, wird den Untergang der Gesellschaft und das politische, milit\u00e4rische und wirtschaftliche Ende des Landes ernten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor was haben die Deutschen im Herbst 2022 Angst? Vor was haben die Christen Angst? Vor dem gro\u00dfen Blackout? Vor der Arbeitslosenwelle? Vor der galoppierenden Inflation? Davor, dass der Krieg auch nach Deutschland kommt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese \u00c4ngste sind nur zu verst\u00e4ndlich. Aber sie sind vollkommen sinnlos, solange wir immer noch nicht sehen wollen, was hinter all dem steht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Denn Gottes Straf ist vor der T\u00fcr.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber zweieinhalb Jahre nach dem Beginn der COVID-Pandemie sind Menschen, die hier ein Gerichtshandeln Gottes und einen Ruf zu Bu\u00dfe und Umkehr erkennen, nach wie vor eine Minderheit von \u2013 wir wissen schon \u2013 Querdenkern und Verschw\u00f6rungstheoretikern. Die Weigerung, Gottes <em>Zeichen<\/em> zu erkennen, reicht bis tief in das evangelikale Kernlager hinein, und die neuen Katastrophen, die sich an einem sehr nahen Horizont abzeichnen, scheinen das nicht zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eO Land, Land, h\u00f6re des Herrn Wort!\u201c (Jeremia 22,29). Wann werden wir damit anfangen im postmodernen \u201edeutschen Land\u201c? Denn dieses H\u00f6ren und diese Kehrtwende zur\u00fcck zu Gottes Wort und Geboten w\u00fcrden ja die Rettung bringen. Gottes Strafen sind in der Bibel nie sinnlose Tobsuchtsanf\u00e4lle oder willk\u00fcrliche Racheakte (<em>diesen<\/em> Gott gibt es wirklich nicht), sondern haben therapeutische Funktion; sie sind Angebote zur Heilung, zur gro\u00dfen, rettenden Wende. Daher:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Deutschland, lass dich erweichen.<br \/>\nTu rechte Bu\u00dfe in der Zeit,<br \/>\nweil Gott dir noch sein Gnad anbeut<br \/>\nund tut sein Hand dir reichen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort <em>erweichen<\/em> malt das Bild eines Menschen, der sich innerlich verh\u00e4rtet hat (in der alten religi\u00f6sen Sprache spricht man hier auch von \u201eVerstockung\u201c). Der Dichter ruft das Land dazu auf, seine Starrheit aufzugeben, offen zu werden f\u00fcr andere Gedanken als die, die politisch korrekt sind. Kehrt euch ab von der starren \u201eHaltungs\u201c-Mentalit\u00e4t des vorgeschriebenen Denkens, \u00f6ffnet eure Augen und Ohren endlich f\u00fcr die Realit\u00e4t, erkennt, was eigentlich euer Problem ist: dass ihr euch von Gott abgewandt habt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die strafende Hand Gottes ist gleichzeitig die Hand, die er uns entgegenstreckt (<em>und tut sein Hand dir reichen<\/em>). Er will uns mit seinem Reden und Strafen nicht \u201efertigmachen\u201c. Wer Gottes Hand nicht ergreift, der beh\u00e4lt nicht seine goldene Freiheit, sondern st\u00fcrzt in den Abgrund. Die Bibel nennt diese Hand, die Gott uns reicht und die allein uns retten kann, auch <em>Gnade<\/em>. Es ist eine Dynamik, die die ganze Bibel durchzieht: Gottes Gericht zielt immer auf seine Gnade. Er straft uns, weil er es gut mit uns meint. Das Schlimmste, was einem einzelnen Menschen wie einem ganzen Land passieren kann, ist nicht Gottes Strafen, sondern Gottes Schweigen. Und dieses Schweigen kann kommen, als allerletzte Konsequenz, wenn wir Gottes ausgestreckte Gerichts- und Gnadenhand buchst\u00e4blich auf Teufel komm raus beharrlich ablehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommen wir zur siebten Strophe:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das helfe Gott uns allen gleich,<br \/>\ndass wir von S\u00fcnden lassen,<br \/>\nund f\u00fchre uns zu seinem Reich,<br \/>\ndass wir das Unrecht hassen.<br \/>\nHerr Jesu Christe, hilf uns nun<br \/>\nund gib uns deinen Geist dazu,<br \/>\ndass wir dein Warnung fassen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <em>uns allen gleich<\/em> signalisiert, dass jetzt nicht mehr das Land als Kollektiv oder Institution in den Blick genommen wird, sondern der Einzelne, der in diesem Land lebt. Die so dringend notwendige Bu\u00dfe und Umkehr d\u00fcrfen wir nicht als blo\u00dfe Forderung an \u201edie da oben\u201c verstehen; sie f\u00e4ngt vielmehr bei jedem Einzelnen pers\u00f6nlich an, der ja wom\u00f6glich selber <em>genug geschlafen<\/em> (Strophe 1) hat. Die Bu\u00dfe der Regierenden bringt wenig, wenn nicht der B\u00fcrger (gerne auch der besorgte oder w\u00fctende B\u00fcrger) sich selber an die Brust klopft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00dcbrigen finden wir in dieser Schlussstrophe eine Parallelit\u00e4t zwischen dem Tun Gottes und dem Tun des Menschen. Vom Menschen wird dreierlei verlangt: <em>dass wir von S\u00fcnden lassen<\/em>, <em>dass wir das Unrecht hassen<\/em> und <em>dass wir dein Warnung fassen. <\/em>In der Realit\u00e4t ist die Reihenfolge hier nat\u00fcrlich umgekehrt: Zuerst begreifen (<em>fassen<\/em>) wir Gottes Warnung, dann fangen wir an, das Unrecht zu <em>hassen<\/em>, d.h. bewusst Nein zu sagen zu jedem Denken und Handeln, das Gottes Gebote mit F\u00fc\u00dfen tritt oder nicht ernst nimmt, und als Folge davon h\u00f6ren wir schlie\u00dflich auf mit unserem s\u00fcndigen, gegen Gott gerichteten Verhalten und fangen an, andere Menschen zu werden, die das tun, was vor Gott recht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch diese Umkehr ist nur m\u00f6glich, wenn Gott uns die Kraft dazu gibt. Es ist eine alte Tatsache und eine Erkenntnis gerade der Reformation, dass der Mensch sein Leben nicht von alleine \u00e4ndern kann; Gott muss gleichsam die T\u00fcr dazu \u00f6ffnen. Man kann sich nicht \u201eeben mal\u201c bekehren oder mit einem falschen Weltbild oder einer Lieblingss\u00fcnde Schluss machen. Und darum die drei Bitten: <em>Das helfe Gott uns allen gleich \u2026 und f\u00fchre uns zu seinem Reich \u2026 Herr Jesu Christe, hilf uns nun und gib uns deinen Geist dazu.<\/em> Der erschrockene S\u00fcnder, der erkennt, wie es um ihn (und sein Land!) steht, kann die n\u00f6tige Rettungsaktion nicht aus eigener Kraft vollbringen; bereits der erste Schritt (dass er Gottes Warnruf als solchen erkennt) gelingt nur, wenn Gott die Gnade dazu gibt. Das <em>Wach auf, wach auf<\/em> der ersten Strophe ist somit genauer zu verstehen als: \u201eLass dich von Gott wecken.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ruft uns heute im Mutterland der Reformation dazu auf, wach zu werden und zu ihm zur\u00fcckzukehren; darunter geht es nicht. Die gro\u00dfe Frage ist, ob es noch rechtzeitig zu diesem Aufwachen kommen wird. Es gibt historische Beispiele daf\u00fcr \u2013 das wohl drastischste darunter das sogenannte \u201eDritte Reich\u201c \u2013, dass es auch ein \u201ezu sp\u00e4t\u201c gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss die ganz praktische Frage, wie das \u201eAufwachen\u201c denn konkret aussehen kann. Was ist zu tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Christen gilt, dass das Aufwachen in den Kirchen bzw. Gemeinden zu beginnen hat. Wir m\u00fcssen radikal umdenken, und dies betrifft in allererster Linie unser Gottesbild. Der pflegeleichte Wohlf\u00fchlgott muss weg und wieder durch den realen biblischen Gott ersetzt werden. Es betrifft zweitens die Art, wie wir in Liturgie (falls es das bei uns \u00fcberhaupt noch gibt), Musik, Predigt und Gemeinschaft Gottesdienst feiern und Gemeinde aufbauen bzw. wiederaufbauen. (Vielleicht m\u00fcssen wir die Gemeinde wechseln, damit das Wiederaufbauen m\u00f6glich wird.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen des Weiteren aufwachen in unseren famili\u00e4ren und zwischenmenschlichen Beziehungen, in unserem Alltag und Beruf. Es gilt, Gottes Gebote und Ordnungen neu zu entdecken und zu befolgen \u2013 nicht das zu tun, was alle tun oder was als politisch korrekt verlangt wird, sondern das zu tun, was Gott will. Wir m\u00fcssen Gott mehr gehorchen als den Menschen (vgl. Apostelgeschichte 5,29) \u2013 darunter ist lebendiger Glaube, \u00fcberzeugende Christusnachfolge und die Rettung unserer Gesellschaft nicht zu haben. Und wir m\u00fcssen aufwachen in unserem Verh\u00e4ltnis zu Staat und Obrigkeit. Wir m\u00fcssen lernen von den M\u00e4nnern im Feuerofen und Daniel in der L\u00f6wengrube (Daniel 3 und 6). Wir m\u00fcssen lernen von den K\u00e4mpfern, Propheten und M\u00e4rtyrern der Kirchengeschichte. Wir m\u00fcssen uns endlich wieder im Klaren dar\u00fcber werden, dass Christen das Paradies erst im Himmel verhei\u00dfen ist, aber noch nicht auf der Erde. Christen sind in erster Linie B\u00fcrger im Reich Gottes (vgl. Philipper 3,20); wenn sie das ausleben, k\u00f6nnen sie Ver\u00e4nderungsmotoren werden in den L\u00e4ndern, in denen sie leben \u2013 auch im deutschen Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind wir noch zu retten? Ja \u2013 aber nur dann, wenn wir aufwachen und Gott wieder in unser Land hineinlassen. \u201eO Land, Land, h\u00f6re des Herrn Wort!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind wir noch zu retten? Ja \u2013 aber nur dann, wenn wir aufwachen und Gott wieder in unser Land hineinlassen. \u201eO Land, Land, h\u00f6re des Herrn Wort!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Friedemann Lux, im Oktober 2022<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Text folgt EG 145; die Rechtschreibung ist behutsam an die mittlerweile g\u00fcltige angepasst, die Interpunktion zum Teil um der besseren Verst\u00e4ndlichkeit willen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was geht in Ihnen vor, wenn Sie h\u00f6ren \u201eWach auf, wach auf, du deutsches Land\u201c? Zucken Sie unwillk\u00fcrlich abwehrend zusammen und denken: \u201eIch w\u00e4hle aber nicht rechts\u201c? Oder nicken Sie innerlich zustimmend, aber denken dabei: \u201eDass ich das gut finde, darf ich nicht jedem sagen\u201c? 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