{"id":19256,"date":"2022-10-06T10:32:47","date_gmt":"2022-10-06T08:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19256"},"modified":"2022-10-06T10:32:47","modified_gmt":"2022-10-06T08:32:47","slug":"seelsorge-fuer-singles-im-zeitalter-des-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19256","title":{"rendered":"Seelsorge f\u00fcr Singles im Zeitalter des Selbst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als der franz\u00f6sische Philosoph Ren\u00e9 Descartes sein ber\u00fchmtes Diktum \u201eIch denke, also bin ich\u201c proklamierte, legte er unter anderem den Grundstein einer Entwicklung, die in unserer Zeit zur vollen Bl\u00fcte gelangt ist: Jeder Antwort auf eine der gro\u00dfen Lebensfragen wird ein \u201eIch\u201c vorangestellt. Heute finden wir uns im \u201eZeitalter des Selbst\u201d wieder. Wenn \u201eIch\u201c der Grundbaustein des Lebens bin, dann ist Ziel und Zweck des Lebens mein eigenes Gef\u00fchl der Erf\u00fcllung, insbesondere meiner sexuellen Erf\u00fcllung.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Kontext wie dieser macht das Singledasein als Christ umso mehr zu einer Herausforderung und die gesunde pastorale F\u00fcrsorge im Blick auf Ledige zu einer absoluten Dringlichkeit. Bisher wurden in jeder Generation Stimmen laut, dass die christliche Sexualethik unn\u00f6tig restriktiv sei. Doch heutzutage w\u00e4chst in der breiten Masse unserer Gesellschaft der Druck, ebendiese Ethik als gef\u00e4hrlich f\u00fcr unser psychisches Wohlbefinden und als existenzielle Bedrohung des gesellschaftlichen Allgemeinwohls zu erachten. Ohne eine aufmerksame pastorale F\u00fcrsorge werden viele unserer Singles von den Wellen dieser gesellschaftlichen Str\u00f6mungen verschluckt und weit von Christus weggesp\u00fclt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie k\u00f6nnen wir uns nun also in so einer Zeit seelsorgerlich um Singles k\u00fcmmern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Wahrheiten sind es, derer sich die Gemeinde, insbesondere die Singles, bewusst werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung sind nicht zuerst vom Familienstand abh\u00e4ngig<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist leicht, dies zu glauben. Unsere Kultur beschallt uns ohne Unterlass mit der Botschaft, ein Leben ohne Liebesbeziehung sei \u00fcberhaupt kein Leben \u2013 zumindest kein erf\u00fclltes. Einer meiner Freunde schaute einmal auf einem Langstreckenflug drei Filme hintereinander. Eine Kom\u00f6die, einen Superhelden- und einen eher ernsten Film. Danach berichtete er mir, jeder davon h\u00e4tte die gleiche Botschaft vermittelt: du bist ein totaler Verlierer, wenn du keine romantische Erf\u00fcllung findest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer Christus hat, wird das Beste, was das Leben zu bieten hat, nicht verpassen.\u201c<\/p>\n<p>Selbst in der Gemeinde ist diese Botschaft manchmal ungef\u00e4hr dieselbe. Wir m\u00f6gen die Ehe an die Stelle der romantischen Erf\u00fcllung stellen, rechnen ihr aber genau die gleiche Bedeutung zu. Ein Gro\u00dfteil des Gemeindelebens ist um Ehepaare und ihre Familien herum aufgebaut, wodurch es Singles erschwert wird, ihren Platz zu finden. H\u00e4ufig sprechen wir von Ehe, als ob sie das Endziel des Christenlebens sei, ein Zustand, in den wir aus dem Singledasein heraus hineinwachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum ist es verst\u00e4ndlich, wenn viele in unseren Gemeinden den Eindruck haben, die M\u00f6glichkeit zu heiraten sei der wichtigste Faktor, um ein gl\u00fcckliches Leben zu f\u00fchren. Eine Botschaft, welche von der Kultur, in der wir leben, auch noch bekr\u00e4ftigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel aber zeigt uns eine ganz andere Sicht der Dinge. Nicht das Entweder-Oder von single \/ verheiratet bestimmt zuvorderst, ob unser Leben gl\u00fccklich verlaufen wird, sondern die Frage, ob ich \u201ein Christus\u201c bin oder nicht. Paulus\u2018 wiederholte Botschaft an seine philippischen Freunde war nicht \u201eerfreut euch der Ehe allezeit\u201c oder \u201eerfreut euch der romantischen Erf\u00fcllung\u201c, sondern \u201efreut euch im Herrn allezeit\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/text\/lut\/Phil4:4\">Phil 4,4<\/a>). In ihm finden wir unsere tiefste Freude und Erf\u00fcllung. Wenn wir unsere ultimative Zufriedenheit in Christus finden, erkennen wir, dass es letztendlich nicht ausschlaggebend ist, ob wir alleinstehend oder verheiratet sind. Wer Christus hat, wird das Beste, was das Leben zu bieten hat, nicht verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die pastorale Erfahrung bekr\u00e4ftigt dies. Selbst die besten Ehen entt\u00e4uschen uns manchmal. In meinem seelsorgerlichen Dienst habe ich viele Menschen kennengelernt, die geglaubt haben, die Ehe w\u00fcrde ihre tiefsten Sehns\u00fcchte stillen, nur um festzustellen, dass sie diese sogar vertiefen kann. Ein Leben in Jesus, nicht ein Ring am Finger, ist das einzige, das uns wahrlich zufriedenstellen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. In der Ehe wie auch im Singledasein geht es nicht um uns<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/text\/lut\/1Cor7:7\">1. Korinther 7,7<\/a> beschreibt Paulus sowohl die Ehe als auch das Singledasein als Geschenke Gottes. Beide kommen zu uns als gute Geschenke eines gro\u00dfz\u00fcgigen Sch\u00f6pfers. Keines ist dabei geringzusch\u00e4tzen, beide sollen in Dankbarkeit angenommen werden. Und wie jede gute Gabe Gottes sollen sie wohl verwaltet und gebraucht werden. Genauso wie die Geistesgaben, von denen Paulus sp\u00e4ter spricht, sind Ehe und Singledasein keine Selbstzwecke, sie sollen dem \u201eallgemeinen Nutzen\u201d dienen (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/text\/lut\/1Cor12:7\">1Kor 12,7<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demnach ist der Endzweck des Singledaseins \u2013 wie auch der der Ehe \u2013 nicht mein eigenes Gef\u00fchl der Erf\u00fcllung oder Befriedigung. Es ist leicht, sich im \u201eselbsts\u00fcchtigen Singletum\u201d zu \u00fcben, also die Freiheiten und M\u00f6glichkeiten der Ungebundenheit als blo\u00dfe Diener des eigenen Gl\u00fccksempfindens zu nutzen. Wir k\u00f6nnen im Fehlen ehelicher Bindung und elterlicher Pflichten lediglich ein Mittel daf\u00fcr sehen, tun und lassen zu k\u00f6nnen, was wir gerade m\u00f6chten. Dies entspricht aber nicht Gottes Absicht f\u00fcr uns. Wenn das Fehlen von uns einschr\u00e4nkenden Menschen die Motivation f\u00fcr unser Ledigbleiben ist, verfehlen wir nicht nur den Zweck des Singledaseins, sondern auch den des Christenlebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die positive Haltung des Paulus zur Ehelosigkeit \u2013 f\u00fcr moderne Ohren oft \u00fcberraschend \u2013 konzentriert sich auf die sich ergebenden Dienstm\u00f6glichkeiten, nicht unsere Selbsterf\u00fcllung. An die Stelle von famili\u00e4ren Verpflichtungen soll ein Leben \u201emit ungeteilter Hingabe\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/text\/lut\/1Cor7:35\">1Kor 7,35<\/a>, NG\u00dc) an den Herrn treten. Dies sieht Paulus als derart erstrebenswert an, dass er sich w\u00fcnscht \u201ealle Menschen w\u00e4ren wie ich\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/text\/lut\/1Cor7:7\">1Kor 7,7<\/a>), n\u00e4mlich ledig. Was Singles also dazu bewegen sollte, das Ledigbleiben in Erw\u00e4gung zu ziehen, ist nicht das Aufschieben pers\u00f6nlicher Bindungen oder der gr\u00f6\u00dfere finanzielle Spielraum, sondern die Freiheit, dem Herrn auf Arten und Weisen zu dienen, die f\u00fcr Verheiratete nicht m\u00f6glich oder nicht zu empfehlen w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Im Zeitalter des Selbst brauchen wir gottesf\u00fcrchtiges Singledasein<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir uns mit unserem \u201eZeitalter des Selbst\u201d besch\u00e4ftigen, stellen wir unter Umst\u00e4nden fest, dass viele der M\u00f6glichkeiten zu \u201cungeteilter Hingabe\u201d gegen\u00fcber Christus und seinem Reich, die Singles zur Verf\u00fcgung stehen, genau das sind, was wir in einer Zeit wie dieser brauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSingles k\u00f6nnen einen einzigartigen Beitrag dazu leisten, eben jene Arten enger und diverser Gemeinschaft zu erschaffen, die unserer Kultur abhandengekommen sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier nur ein Beispiel: Dem Zeitalter des Selbst fehlt es v\u00f6llig an Gemeinschaft. W\u00e4hrend Singles nicht die Einzigen sind, die hier etwas beitragen k\u00f6nnen, so bietet das Singledasein doch einzigartige M\u00f6glichkeiten, die gemeinschaftlichen Dynamiken innerhalb einer Gemeinde zu schmieren. Viele Singles haben mehr M\u00f6glichkeiten als Ehepaare, Freundschaften zu pflegen. Einfach gesagt: sie k\u00f6nnen Zeit f\u00fcr mehr Leute aufbringen. Singles k\u00f6nnen so generations- und gruppen\u00fcbergreifend ernsthafte Freundschaften mit einem breiten Spektrum verschiedenster Menschen aufbauen. Ihnen bieten sich mehr M\u00f6glichkeiten, sich zwischen Bev\u00f6lkerungs- und Interessensgruppen, die wenig miteinander gemeinsam haben, hin und her zu bewegen und diese zu verbinden. Singles k\u00f6nnen einen gro\u00dfartigen Job machen, wenn es hei\u00dft, unterschiedlichste Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Singles k\u00f6nnen einen einzigartigen Beitrag dazu leisten, eben jene Arten enger und diverser Gemeinschaft zu erschaffen, die unserer Kultur abhandengekommen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder man bedenke die M\u00f6glichkeiten, die gottgef\u00e4lliges Singledasein schenkt, um die tiefsitzenden Verwirrungen Vieler bez\u00fcglich ihrer Identit\u00e4t und Sexualit\u00e4t zu beantworten. Die Erwartung an romantische und sexuelle Erf\u00fcllung wird \u00fcberfrachtet, sie ist zu einem der wichtigsten G\u00fcter der modernen, westlichen Gesellschaft geworden. Nun bedenke man den christlichen Single, der die Erf\u00fcllung seiner tiefsten Sehns\u00fcchte in Christus gestillt findet und im fr\u00f6hlichen Dienst an seinen N\u00e4chsten lebt. Solche Menschen verk\u00f6rpern einen prophetischen Gegenpunkt zur Welt um uns herum. Das Leben dreht sich nicht um mich. Sex dreht sich nicht um mich. Einer ist\u2019s, der ein Br\u00e4utigam ist, so vollkommen in all seiner Perfektion, dass er selbst die intensivsten romantischen Erfahrungen dieser Welt \u00fcberstrahlt. Einer, dessen zuk\u00fcnftiges Leben mit seinem Volk so erf\u00fcllt und vollst\u00e4ndig sein wird, dass es f\u00fcr uns in der zuk\u00fcnftigen Zeit nicht mehr n\u00f6tig sein wird, zu heiraten oder verheiratet zu werden (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/text\/lut\/Matt22:30\">Mt\u00a022,30<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zeitalter des Selbst wird uns aller Voraussicht nach noch weiter erhalten bleiben. Doch die Antwort auf alle scheinbar unersch\u00fctterlichen \u201eZeitalter\u201d dieser Welt ist das Evangelium dieses einen Mannes, Jesus Christus, dessen Wort uns allezeit auf guten Wegen leiten wird und dessen Leben mit uns f\u00fcr all unsere tiefsten Bed\u00fcrfnisse und Sehns\u00fcchte genug ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sam Allberry ist Redakteur bei The Gospel Coalition, Apologet, Redner und Pastor in Maidenhead (England). Er hat mehrere B\u00fccher geschrieben, darunter Ist Gott homophob?.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Beitrag erschien zuerst bei <a href=\"https:\/\/www.9marks.org\/article\/pastoring-singles-in-the-age-of-self\/\">9Marks<\/a>. Von Evangelium21 ins Deutsche \u00fcbersetzt und ver\u00f6ffentlicht auf <a href=\"https:\/\/www.evangelium21.net\/media\/3390\/seelsorge-fuer-singles-im-zeitalter-des-selbst\">www.Evangelium21.net<\/a>. Wir danken f\u00fcr die freundliche Genehmigung, diesen Beitrag auch hier zu ver\u00f6ffentlichen. \u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als der franz\u00f6sische Philosoph Ren\u00e9 Descartes sein ber\u00fchmtes Diktum \u201eIch denke, also bin ich\u201c proklamierte, legte er unter anderem den Grundstein einer Entwicklung, die in unserer Zeit zur vollen Bl\u00fcte gelangt ist: Jeder Antwort auf eine der gro\u00dfen Lebensfragen wird ein \u201eIch\u201c vorangestellt. Heute finden wir uns im \u201eZeitalter des Selbst\u201d wieder. 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