{"id":1923,"date":"2009-01-05T09:55:32","date_gmt":"2009-01-05T07:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1923"},"modified":"2009-09-02T10:22:09","modified_gmt":"2009-09-02T08:22:09","slug":"europa-asien-amerika-alterung-ist-ein-globales-phanomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1923","title":{"rendered":"Europa, Asien, Amerika &#8211; Alterung ist ein globales Ph\u00e4nomen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Europa, Asien, Amerika &#8211; Alterung ist ein globales Ph\u00e4nomen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die Bev\u00f6lkerungen in Europa und insbesondere Deutschland als Folge des Mangels an Geburten mit gro\u00dfer Geschwindigkeit altern und in den kommenden Jahrzehnten zunehmend auch schrumpfen werden, ist mittlerweile allgemein bekannt (1). In der Publizistik ist dabei gelegentlich noch die Meinung zu finden, dass die Alterung und Schrumpfung der Bev\u00f6lkerung ein spezifisch europ\u00e4isches Ph\u00e4nomen sei und die Bev\u00f6lkerungen der anderen Kontinente aufgrund starker Jugendjahrg\u00e4nge weiter dynamisch wachsen w\u00fcrden.<!--more-->\u00a0Tats\u00e4chlich ist der R\u00fcckgang der Geburten und die ihm folgende Alterung aber ein weltweit zu beobachtendes Ph\u00e4nomen: Mehr als die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung lebt in Regionen mit einem Geburtenniveau unterhalb des sog. Bestandserhaltungsniveaus von etwa zwei Kindern pro Frau (2). Ein \u201eSonderfall\u201c ist Europa nur insofern als hier die Geburtenraten besonders fr\u00fch unter das \u201eBestandserhaltungsniveau\u201c gesunken sind. In gro\u00dfen Teilen Europas einschlie\u00dflich Deutschlands, ist die Geburtenrate zwischen 1965 und 1975 von 2,2 bis 3 Kindern auf ein Niveau von etwa 1,3 bis 1,8 Kindern pro Frau gesunken (3). In anderen Regionen der \u201ewestlichen Welt\u201c war der Geburtenr\u00fcckgang noch ausgepr\u00e4gter: In Kanada ist die Geburtenrate zwischen 1960 und 2002 von 3,8 Kindern auf 1,6 Kinder eingebrochen (4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wiederum noch st\u00e4rker als in der westlichen Welt sind in den letzten Jahrzehnten die Geburtenziffern in vielen L\u00e4ndern Asiens zur\u00fcckgegangen: In Thailand ist die Geburtenrate zwischen 1970 und 2007 von 5 auf 1,87 Kinder pro Frau gefallen. In Japan erreichte sie schon 1975 nur knapp den Generationenersatz und ist seitdem weiter auf 1,3-1,4 Kinder pro Frau gesunken. In China waren in den 70er Jahren noch sehr hohe Geburtenzahlen von etwa 5 Kindern pro Frau zu verzeichnen, heute liegt die Geburtenrate durchschnittlich noch bei etwa 1,7 Kindern (5). Verantwortlich hierf\u00fcr ist nicht nur die rigorose \u201eEin- Kind- Politik\u201c der Regierung, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Denn nicht nur in China, sondern auch auf dem indischen Subkontinent sind zeitgleich Prozesse der wirtschaftlichen Modernisierung und ein R\u00fcckgang der Fertilit\u00e4t zu beobachten: So liegen in Indien in einigen Regionen im S\u00fcden des Landes die Geburtenraten mittlerweile unter dem Generationenersatz, in der Provinz Kerala sogar bei nur 1,7 Kindern (6). In umgekehrter Weise zeigt sich die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwicklung f\u00fcr die Fertilit\u00e4t in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern in Afrika s\u00fcdlich der Sahara: Die Geburtenraten verbleiben hier mangels sozialen Fortschritts auf hohem Niveau. Im Gegensatz zu Armut und Unterentwicklung verhindert auch eine islamisch gepr\u00e4gte Kultur nicht, dass die Geburtenzahlen fallen: So hat der Iran &#8211; wie der Wiener Demograph Wolfgang Lutz feststellt &#8211; \u201ein den vergangenen 20 Jahren \u201eden schnellsten Fertilit\u00e4tsr\u00fcckgang der Menschheitsgeschichte\u201c erlebt: von 7,0 Kindern pro Frau 1985 auf nur 1,8 Kinder im Jahr 2006 (7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur der Wandel des Geburtenverhaltens, auch die Zunahme der Lebenserwartung vollzieht sich in der fr\u00fcher sog. \u201eDritten Welt\u201c sehr viel schneller als in den \u201eklassischen\u201c Industrienationen (8). Geburtenr\u00fcckgang und steigende Lebenserwartung beide Entwicklungen f\u00fchren dazu, dass der Anteil der \u00c4lteren an der Bev\u00f6lkerung rasch zunimmt in Asien und Lateinamerika noch st\u00e4rker als in Europa und Nordamerika (9). Die Industriel\u00e4nder sind in den letzten Jahrzehnten auf dem Weg der Alterung bereits vorangeschritten und werden noch weiter altern. Versuche die Folgekosten der Alterung f\u00fcr ihre sozialen Sicherungssysteme zu bew\u00e4ltigen sind mittlerweile zum zentralen Anliegen der Politik in diesen L\u00e4ndern geworden. Viele der einstigen \u201eEntwicklungsl\u00e4nder\u201c folgen ihnen nun auf dem Weg der Alterung mit einer rasanten Geschwindigkeit. Sie werden schon sehr bald und noch viel intensiver mit den sozialen Folgen der Alterung zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Neben dem Geburtenr\u00fcckgang ist auch die gestiegene Lebenserwartung eine weitere Ursache der Alterung. Der Hauptgrund f\u00fcr die Alterung ist aber die \u201eUnterj\u00fcngung\u201c der Gesellschaft als Folge des abnehmenden Anteils von Kindern und Jugendlichen an der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Vgl.: Wolfgang Lutz et al: Beschleunigte Alterung weltweit. Europa: Schon bald mehr als ein Drittel der Bev\u00f6lkerung \u00fcber 60 Jahre alt, S. 1-2, in: Demographische Forschung &#8211; Aus Erster Hand, Nr. 2 \/ 2008, S. 1.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) In den s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern setzte der R\u00fcckgang der Geburten etwa zehn Jahre sp\u00e4ter und in Osteuropa nach 1990 ein und f\u00fchrte zu Geburtenraten von 1,2-1,5 Kindern pro Frau. Vgl.: Sachverst\u00e4ndigenkommission Siebter Familienbericht: Familie zwischen Flexibilit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit, M\u00fcnchen 2005, S. 32.\/\u00d6sterreichisches Institut f\u00fcr Familienforschung: Familie in Zahlen, Wien 2006, S. 16.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Im selben Zeitraum ist die Frauenerwerbsquote in Kanada von nur 30 Prozent der Frauen auf 70 Prozent gestiegen. Vgl.: Henriette Engelhardt\/ Alexia Prskawetz: Familie und Beruf immer noch schwer zu vereinbaren. Europ\u00e4ische L\u00e4nder unterst\u00fctzen Frauen unterschiedlich, S. 1-3, in: Demographische Forschung &#8211; Aus Erster Hand, Nr. 3 2005, S. 1.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) http:\/\/www.berlin-institut.org\/online-handbuchdemografie\/entwicklung.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Bernhard G\u00fcckel: Ein Blick in die demographische Zukunft Indiens: Wie wird sich die Bev\u00f6lkerungszahl Indiens k\u00fcnftig entwickeln? In: BIB-Mitteilungen &#8211; Informationen aus dem Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung, 4 &#8211; 2007, S. 24-25.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Vgl.: Wolfgang Lutz et al: Beschleunigte Alterung weltweit, op.cit. S. 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) In den Industrienationen hat die Lebenserwartung seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts j\u00e4hrlich im Durchschnitt um 2,5 Monate zugenommen. In den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern ist sie dagegen in der zweiten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhunderts j\u00e4hrlich um durchschnittlich 5,3 Monate gewachsen. Paul S. Hewitt: Die Geopolitik des globalen Alterungsprozesses, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.3.2004, bitte hier klicken<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9) Siehe Abbildung unten: Alterung der Weltbev\u00f6lkerung &#8211; \u201eEntwicklungsl\u00e4nder\u201c altern besonders rasch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2679\" title=\"alterung_der_weltbev\u00f6lkerung\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/alterung_der_weltbev\u00f6lkerung.jpg\" alt=\"alterung_der_weltbev\u00f6lkerung\" width=\"640\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/alterung_der_weltbev\u00f6lkerung.jpg 640w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/alterung_der_weltbev\u00f6lkerung-300x216.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>30.01.2009<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa, Asien, Amerika &#8211; Alterung ist ein globales Ph\u00e4nomen Dass die Bev\u00f6lkerungen in Europa und insbesondere Deutschland als Folge des Mangels an Geburten mit gro\u00dfer Geschwindigkeit altern und in den kommenden Jahrzehnten zunehmend auch schrumpfen werden, ist mittlerweile allgemein bekannt (1). 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