{"id":19229,"date":"2022-09-29T14:18:53","date_gmt":"2022-09-29T12:18:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19229"},"modified":"2022-09-29T16:56:23","modified_gmt":"2022-09-29T14:56:23","slug":"mein-traum-geht-in-die-verlaengerung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19229","title":{"rendered":"Mein Traum geht in die Verl\u00e4ngerung (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Juli 2020 habe ich <a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=5201\">einen Artikel ver\u00f6ffentlicht<\/a>, an den ich in den letzten Tagen immer wieder denken musste. Er befasste sich mit meinem gro\u00dfen Lebenstraum <em>\u201evon einer fr\u00f6hlichen, bunten und vielf\u00e4ltigen Jesus-Bewegung, die gemeinsam f\u00fcr diese eine Botschaft steht: Jesus ist Herr! Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben! Sein Blut reinigt uns von unserer Schuld! Komm und lass Dich von ihm retten!\u201c<\/em> Ich habe in diesem Artikel meine Entt\u00e4uschung dar\u00fcber geschildert, dass unter uns Christen in den letzten Jahren keine alten Spaltpilze \u00fcberwunden wurden, sondern leider auch der verbindende Konsens in zentralen Glaubensfragen dahingeschmolzen ist \u2013 und damit auch die Basis f\u00fcr unsere Einheit.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders bewegt haben mich die immer lautst\u00e4rkeren Rufe nach einer \u201c\u00d6ffnung\u201d im Bereich der Sexualethik. Das hat mich zu der Frage gef\u00fchrt: <em>\u201eSollte ich mir vielleicht doch einen Ruck geben und mit auf den Zug aufspringen? Offenkundig steigen nicht wenige gesch\u00e4tzte Mitchristen ein in diesen Zug, der jetzt wieder einmal lautstark zum Mitfahren lockt. Aber nein. Ich werde nicht mitfahren. Es zerrei\u00dft mir zwar das Herz, dass sich dadurch wohl auch Wege trennen m\u00fcssen. Aber ich kann trotzdem nicht anders.\u201c<\/em> Denn ich kann mein Gewissen vor Gott nicht kompromittieren. Und ich kann zudem absolut nicht erkennen, dass dieser Zug in Richtung Einheit und Erweckung f\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Zug ist in rasantem Tempo weitergefahren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seither ist der Zug der progressiven Sexualethik in rasantem Tempo weitergefahren. Neben zahlreichen Worthausvortr\u00e4gen, Podcasts und B\u00fcchern gab es 2021 das erste gr\u00f6\u00dfere Treffen der <a href=\"https:\/\/coming-in.de\/\">Initiative \u201eComing-In\u201c<\/a>. Schon der Name vermittelt das Bild: Wer praktizierte Homosexualit\u00e4t nicht guthei\u00dft, der glaubt nicht, dass bei Gott alle Menschen willkommen sind. In <a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=5506\">meinem Kommentar zur Gr\u00fcndung von \u201eComing-In\u201c<\/a> hatte ich drei Bitten an die Unterst\u00fctzer formuliert: Bitte sprecht anderen Christen nicht von vornherein die Liebe ab! Baut selbst Gemeinden statt andere Gemeinden umdrehen zu wollen! Und helft doch bitte mit, dass in unserem Land eine Atmosph\u00e4re echter Toleranz bewahrt bleibt, in der auch Gemeinschaften mit einer konservativen Position respektiert werden, so dass es ein respektvolles Nebeneinander und vielleicht sogar zumindest punktuell ein Miteinander geben kann. <em>\u201eVielleicht gelingt das ja eines Tages, dass wir gelassen sagen k\u00f6nnen: We agree to disagree. Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind. Aber wir unterstellen dem Anderen deshalb keine b\u00f6sen Motivationen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zum \u201eComing-In\u201c gesellt sich das \u201eGet out\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Jahr sp\u00e4ter sehe ich: Meine Bitten werden nicht geh\u00f6rt. Auf der <a href=\"https:\/\/coming-in.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/coming-in_pressemitteilung_20220910.pdf\">diesj\u00e4hrigen Coming-In-Tagung<\/a> in Niederh\u00f6chststadt <a href=\"https:\/\/www.evangelisch.de\/blogs\/kreuz-queer\/205750\/14-09-2022\">verglich Michael Diener seine Hinwendung zur progressiven Sexualethik mit dem biblischen Saulus\/Paulus-Ereignis<\/a>. Fr\u00fcher habe er andere Menschen <em>\u201ediskriminiert, falsch beraten, ihnen so Schaden zugef\u00fcgt\u201c<\/em> und <em>\u201edie Gnade, die Liebe Gottes, das Evangelium [\u2026] viel kleiner gemacht\u201c. <\/em>Christliche Gemeinschaften, die seinen Weg nicht mitgehen wollen, bezeichnet er als <em>\u201eabgeschlossene Gruppen\u201c<\/em>, in denen ein <em>\u201eZeitgeist von vorgestern\u201c<\/em> herrscht, und die<em> \u201eohne Impuls von au\u00dfen nicht in der Lage sind, sich dem Wirken des lebendigen Geistes Gottes [\u2026] zu \u00f6ffnen\u201d<\/em>. <em>\u201cMit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelzitaten wollen sich manche durch eine komplexe Zeit navigieren. Die Bibel wird so aber \u00fcberfordert und ungeistlich missbraucht.\u201c<\/em> Auf der Tagung ist davon die Rede, dass <a href=\"https:\/\/www.idea.de\/artikel\/coming-in-suende-der-ausgrenzung-muss-aufhoeren\">die S\u00fcnde der Ausgrenzung aufh\u00f6ren<\/a> m\u00fcsse. Ein guter Freund von mir reagierte mit den Worten: <em>\u201e<\/em>Wenn er Recht hat, bin ich ein selbstgerechter, verdammter Irrlehrer. Eine sch\u00e4rfere Infragestellung habe ich noch nie erlebt.\u201c Der <a href=\"https:\/\/www.mindmatt.com\/post\/coming-in-fast-alle-sind-willkommen-wie-polemisches-storytelling-funktioniert\">Blogger Matt Studer erkennt in der Tagung gar ein \u201epolemisches Storytelling\u201d.<\/a> Stillschweigend werde \u201eWillkommenskultur\u201c (die alle wollen!) mit \u201eGutheissungskultur\u201c gleichgesetzt (was niemand durchhalten kann, weil jeder Toleranzgrenzen hat). Konservativen werde unterstellt, nicht die ganze Bibel bei der Auslegung zu ber\u00fccksichtigen. Sie werden als wissenschaftsfeindlich und realit\u00e4tsfern dargestellt. Studers Fazit: <em>\u201eInklusion kommt f\u00fcr Progressive auch an ihre Grenze, wenn es um uns Konservative geht. Denn uns k\u00f6nnt ihr ja unm\u00f6glich inkludieren, es sei denn wir tun Busse und denken um!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich best\u00e4tigt sich hier, was ich schon fr\u00fcher beobachtet habe: \u201eAmbiguit\u00e4tstoleranz\u201c war gestern. Jetzt werden auch im freikirchlichen Bereich Stimmen laut, die ich aus der evangelischen Kirche schon lange kenne. Die evangelische Pastorin <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GbAOuZhQ0Fg\">Sandra Bils<\/a> (die inzwischen an der CVJM-Hochschule Kassel lehrt) schrieb schon 2015 <a href=\"http:\/\/www.pastorsandy.de\/?p=4635\">in ihrem Blog<\/a>, dass sie der Gedanke st\u00f6rt, dass man der konservativen Position noch eine Daseinsberechtigung zuspricht. <a href=\"https:\/\/www.ostsee-zeitung.de\/Nachrichten\/MV-aktuell\/Nordkirche-Segnung-homosexueller-Paare-heisst-jetzt-Trauung\">Die Nordkirche (die ev. Landeskirche in Schleswig Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern) hat 2019 nicht nur beschlossen, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen, sondern zugleich auch die Gewissensfreiheit f\u00fcr Pastoren in dieser Frage abzuschaffen<\/a> \u2013 womit Konservative dort keinen Pfarrdienst mehr anstreben k\u00f6nnen, wenn sie ihr Gewissen nicht kompromittieren wollen. 2020 hatten die <a href=\"https:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Offener-Brief_-Professorium_Endfassung.pdf\">T\u00fcbinger Theologieprofessoren die konservative Position als \u201eunertr\u00e4glich\u201c bezeichnet<\/a>. Der Trend ist klar: Zum \u201eComing-In\u201c gesellt sich rasch das \u201eGet out\u201c an alle, die diesen Weg nicht mitgehen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch 3 weitere Beobachtungen aus den vergangenen Jahren verfestigen sich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Die progressive Sexualethik geht einher mit einem ver\u00e4nderten Bibelverst\u00e4ndnis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sagt Michael Diener: Er sei gebunden gewesen an eine bestimmte Lesart der Bibel. Heute begreife er die Bibel immer noch als Heilige Schrift und Gottes Wort, <em>\u201caber zugleich so, dass sie die in ihr steckende Kraft nicht im Buchstaben allein, sondern durch Gottes Geist und in die Zeit hinein entfaltet\u201d.<\/em> Nun war Michael Diener als Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz und Pr\u00e4ses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes sicher noch nie ein radikaler Biblizist. Aber auch ein grundsolides evangelikal-\/pietistisches Bibelverst\u00e4ndnis ist offenkundig nicht mehr vereinbar mit den Thesen, die heute im Umfeld von Coming-In vertreten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Progressive Christen missionieren mit Vorliebe konservative Christen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Diener ruft dazu auf, gemeinsam zu glauben, zu hoffen, zu lieben und zu <em>\u201carbeiten f\u00fcr christliche Gemeinden, in denen Menschen nach ihrem Coming Out ein herzliches Coming In erfahren egal, ob lesbisch, schwul, bi, trans, hetero oder anders queer\u201d<\/em>. Nun gibt es ja bereits massenhaft Gemeinden, in denen gleichgeschlechtliche Paare getraut werden, vor allem in der evangelischen Kirche, zu der Michael Diener geh\u00f6rt. Trotzdem wird bei Coming-In in Workshops \u00fcber notwendige Change-Prozesse nachgedacht, damit Gemeinden sich f\u00fcr die LSBTIQ-Community \u00f6ffnen und \u201eHartn\u00e4ckige Missverst\u00e4ndnisse\u201c \u00fcberwinden. Ich finde es immer noch wenig fair und \u00fcberzeugend, mit missionarischem Eifer lebendige Gemeinden umdrehen zu wollen, die Christen mit einer anderen Position zum Bl\u00fchen gebracht haben, w\u00e4hrend zugleich liberale Gemeinden massenhaft zugrunde gehen. Und auff\u00e4llig ist: W\u00e4hrend Konservative bei jeder \u00c4u\u00dferung zum Thema Sexualethik mit dem Vorwurf konfrontiert werden, sie w\u00fcrden nur um das Thema Sex kreisen, wird auf der anderen Seite dieses Thema mit immer gr\u00f6\u00dferer Frequenz auf die Tagesordnung gesetzt. Es werden sogar spezielle Tagungen zu diesem Thema abgehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Es ist naiv, zu glauben, dass es Einheit gibt, wenn Konservative die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare tolerieren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Agenda der progressiven Sexualethik ist lang. Erst k\u00fcrzlich habe ich begr\u00fcndet, <a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6323\">warum ich \u2013 gerade auch als Christ \u2013 niemals gendern werde<\/a>. Michael Diener forderte hingegen bereits in seinem Buch \u201eRaus aus der Sackgasse\u201c die Durchsetzung von Gendersprache und Frauenquoten, und zwar <em>\u201eauch gegen eine eher fundamentalistische oder biblizistische Minderheit. Und bitte halten Sie das nicht f\u00fcr ein Nebenthema!\u201c<\/em> (S. 206)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt nach der Coming-In-Tagung <a href=\"https:\/\/youtu.be\/Hy8GbNZnHwI\">lud Michael Diener leidenschaftlich ein zur Tagung: \u201cZur\u00fcck zur \u00bbnat\u00fcrlichen\u00ab Ordnung? Theologische und theopolitische Dimensionen des Anti-Gender-Diskurses\u201d<\/a>, veranstaltet vom Studienzentrum der EKD f\u00fcr Genderfragen. Auf der <a href=\"https:\/\/mariejahodacenter.rub.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/MaJaC_Flyer_Anti-G-D_Dinlanghoch_4seiter_RC2-print-1-1.pdf\">Rednerliste der Tagung<\/a> steht unter anderem Thorsten Dietz, der \u00fcber \u201eHeteronormative Geschlechterpolitik im Evangelikalismus und seine Probleme\u201c spricht. H\u00f6hepunkt der Tagung ist der \u00f6ffentliche Abendvortrag von <a href=\"https:\/\/www.epfweb.org\/node\/73\">Neil Datta, dem Generalsekret\u00e4r des \u201eEuropean Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights (EPF)\u201c<\/a> und zugleich Vork\u00e4mpfer f\u00fcr das \u201cRecht auf Abtreibung\u201d und gegen verpflichtende Beratungsgespr\u00e4che. Aus seiner Sicht ist Deutschland noch lange nicht im gr\u00fcnen Bereich, was das \u201cRecht auf Abtreibung\u201d betrifft, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article239655707\/Schwangerschaftsabbruch-Recht-auf-Abtreibung-ist-in-der-EU-nicht-so-geschuetzt-wie-viele-glauben.html\">wie dieser WELT-Online-Artikel zeigt<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die progessive Sexualethik und Genderbewegung auch Abtreibung mit im Gep\u00e4ck hat, mag manche \u00fcberraschen. Neu ist die \u00d6ffnung in der Abtreibungsfrage im kirchlich-progressiven Umfeld aber nicht. 2018 wurde in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chrismon_(Zeitschrift)\">evangelischen Kirchenzeitschrift Chrismon<\/a> aktiv f\u00fcr die Abschaffung des \u00a7219a geworben. 2019 rechtfertigte <a href=\"https:\/\/theoblog.de\/unverschaemt-schamlos-das-neue-buch-von-nadja-bolz-weber-bringt-keine-befreiung\/34455\/\">die US-amerikanische Pastorin Nadia Bolz-Weber<\/a> (laut <a href=\"https:\/\/www.pro-medienmagazin.de\/nadia-bolz-webers-fragwuerdiges-argument-fuer-abtreibung\/\">dem christlichen Medienmagazin PRO<\/a> <em>\u201eso etwas wie der Star der Emergenten und progressiven Evangelikalen\u201c<\/em>) ihre eigene Abtreibung mit der <a href=\"https:\/\/www.pro-medienmagazin.de\/nadia-bolz-webers-fragwuerdiges-argument-fuer-abtreibung\/\">These, dass das Leben mit dem Atem beginne<\/a> \u2013 ein wahrhaft verst\u00f6render Satz. Denn als Christ und als Biologe muss ich sagen: Auch im Mutterleib sind Kinder bereits Kinder \u2013 mit einer gottgegebenen W\u00fcrde und einem Recht auf Leben. Wer daran zweifelt, dem empfehle ich den Gang durch eine Fr\u00fchgeborenenstation. Wie Christen sich mit Kr\u00e4ften gemein machen k\u00f6nnen, die die geltenden Regelungen zum Thema Abtreibung in Deutschland aufk\u00fcndigen und ein \u201cRecht auf Abtreibung\u201d vorantreiben wollen, ist mir schleierhaft. Ganz sicher ist: Zu solchen Positionen werde ich niemals Br\u00fccken bauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwei unvereinbare Positionen stehen im Raum<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso mehr bin ich froh, dass ich 2020 nicht in diesen Zug eingestiegen bin. Die \u201c\u00d6ffnung\u201d beim Thema Sexualethik hat zu vieles im Gep\u00e4ck, was ich nicht teilen kann, darunter auch eine liberalere Theologie, die weltweit Kirchen schrumpfen l\u00e4sst, wie Alexander Garth in seinem <a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6355\">Buch \u201eUntergehen oder umkehren\u201c<\/a> eindr\u00fccklich dargelegt hat. Wie spaltend progressive Sexualethik wirkt, <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/kirche\/synodaler-weg\/schisma-oder-grenzenlose-enttaeuschung-art-232035\">macht im Moment auch der synodale Weg\u201d in der katholischen Kirche vor<\/a>. Es ist zwar traurig, aber wir m\u00fcssen realistisch sein: Hier stehen sich zwei unvereinbare Positionen gegen\u00fcber. Auf beiden Seiten handelt es sich nicht nur um eine Meinung, sondern um eine Gewissensfrage. Diesen Dissens kann man vielleicht auf Kongressen \u00fcbergehen, aber in jeder Gemeinde muss zwangsl\u00e4ufig eine Entscheidung getroffen werden. Wenn sich ein Gemeindebund nicht dazu positionieren will, dann wird der Konflikt auf die Ebene der lokalen Gemeinden verschoben und damit vielfach multipliziert \u2013 mit allen zerst\u00f6rerischen Folgen, die das f\u00fcr die Gemeinden mit sich bringen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso mehr bin ich dankbar f\u00fcr alle, die sich mutig, sensibel und kenntnisreich daf\u00fcr einsetzen, dass wir gemeinsam an dem Konsens festhalten, der in der historischen Kirche durchgehend galt und bis heute f\u00fcr den allergr\u00f6\u00dften Teil der Weltkirche gilt, <a href=\"https:\/\/www.idea.de\/artikel\/thomas-schirrmacher-ich-teile-die-position-von-thorsten-dietz-nicht\">wie j\u00fcngst der Generalsekret\u00e4r der Weltweiten Evangelischen Allianz Prof. Thomas Schirmacher bekr\u00e4ftigt hat<\/a>. <a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6341\">Johannes Traichel hat in seinem Buch \u201cEvangelikale und Homosexualit\u00e4t\u201d<\/a> wunderbar beschrieben: An der Sch\u00f6nheit und Kraft biblischer Sexualethik d\u00fcrfen wir nicht nur aus soliden biblischen Gr\u00fcnden fr\u00f6hlich festhalten. Wir m\u00fcssen diese Sexualethik auch aktiv ein\u00fcben. Wir m\u00fcssen lernen, wie sie in unseren Gemeinden praktisch gelebt werden kann. Der Versuch, das Thema um des scheinbaren lieben Friedens willen einfach totzuschweigen, kann also aus vielen Gr\u00fcnden keine Option sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mein Traum ist lebendiger denn je<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Traum von Einheit in Vielfalt ist zwar immer noch in der Verl\u00e4ngerung. Aber er ist lebendiger denn je! Ich sehe viele Anzeichen, dass jenseits des Postevangelikalismus eine neue Einheit unter Jesusnachfolgern w\u00e4chst. Das Bewusstsein wird gesch\u00e4rft, wie wichtig und unersetzbar die Hochsch\u00e4tzung der biblischen Autorit\u00e4t f\u00fcr die Einheit der Kirche Jesu ist. Wo die Liebe zu Jesus gelebt wird und die gemeinsame Schrift- und Bekenntnisgrundlage feststeht, da k\u00f6nnen gro\u00dfe Differenzen in der Pr\u00e4gung und in theologischen Randfragen ausgehalten werden. Dort gelingt es auch, Menschen gemeinsam zur Nachfolge Jesu einzuladen. Dort wachsen Gemeinden auch gegen den Trend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb werbe ich leidenschaftlich daf\u00fcr, dabei zu bleiben: Christen sind Christusnachfolger. Sie folgen den Worten ihres Meisters, die sie in der Bibel finden. Ja, diese Worte bestehen aus Buchstaben. Die Buchstaben entfalten ihre Kraft nur durch den Heiligen Geist. Aber der Heilige Geist wird sich niemals gegen den Buchstaben stellen. Nur im Einklang mit Gottes Wort hat die Kirche Jesu Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Artikel, die in diesem Artikel erw\u00e4hnt werden:<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=5201\">Mein Traum geht in die Verl\u00e4ngerung<\/a> \u2013 Die Hoffnung auf Einheit hat sich (noch!) nicht erf\u00fcllt<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=5506\">Coming-In: Willkommenskultur oder Polarisierung?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6341\">Johannes Traichel: Evangelikale und Homosexualit\u00e4t \u2013 Mehr als eine Rezension<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6323\">6 Gr\u00fcnde, warum ich \u2013 gerade auch als Christ \u2013 niemals gendern werde<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6355\">Untergehen oder umkehren<\/a> \u2013 Eine dramatische Analyse \u2013 Ein Ruf zur Umkehr \u2013 Ein Mutmacher f\u00fcr einen neuen Aufbruch<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Markus Till, 16.9.2022<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=6370\"><em>Aufatmen in Gottes Gegenwart<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juli 2020 habe ich einen Artikel ver\u00f6ffentlicht, an den ich in den letzten Tagen immer wieder denken musste. 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