{"id":19218,"date":"2022-09-26T12:23:51","date_gmt":"2022-09-26T10:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19218"},"modified":"2022-09-26T12:23:51","modified_gmt":"2022-09-26T10:23:51","slug":"predigt-ueber-1-joh-513-heilsgewissheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=19218","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber 1 Joh 5,13: Heilsgewi\u00dfheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wi\u00dft, da\u00df ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes<\/em><em>. (1 Joh 5,13)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser heutiger Predigttext ist ein schlichter und gleichzeitig sehr bedeutsamer Satz. Er hat die christliche Gewi\u00dfheit, insbesondere die Heilsgewi\u00dfheit zum Inhalt. Das ist ein f\u00fcr den Christen sehr bedeutsames Thema. Kann ein Christ in diesem Leben schon wissen, da\u00df er in Christus gerechtfertigt ist und das ewige Leben hat? Ist es nicht eine Anma\u00dfung, schon jetzt sagen zu k\u00f6nnen, da\u00df man dereinst in den Himmel kommt?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer kann denn garantieren, da\u00df er bis zum Tode im Glauben bleibt? Sind nicht die Verh\u00e4ltnisse hier auf Erden viel zu wechselvoll und unsicher, als da\u00df man so eine weittragende Behauptung aufstellen k\u00f6nnte? Und sagt nicht die r\u00f6mische Kirche seit dem Konzil von Trient, dem gro\u00dfen gegenreformatorischen Konzil: \u201eDenn so wie kein Gottesf\u00fcrchtiger an der Barmherzigkeit Gottes, am Verdienst Christi und an der Kraft und Wirksamkeit der Sakramente zweifeln darf: so kann jeder, wenn er auf sich selbst und seine eigene Schwachheit und Unzul\u00e4nglichkeit schaut, sich um seine Gnade \u00e4ngstigen und f\u00fcrchten [\u2026]; denn keiner vermag mit der Sicherheit des Glaubens, dem kein Trug zugrundeliegen kann, zu wissen, da\u00df er die Gnade Gottes erlangt hat\u201c (Dekret \u00fcber Rechtfertigung, Kap. 9). Unter den folgenden Verdammungsurteilen stellt das Konzil alle jene unter den Fluch, die meinen, zum Heil erw\u00e4hlt zu sein. Das aber bedeutet, da\u00df ein Katholik keine wirkliche Heilsgewi\u00dfheit haben darf. Wir sehen an dieser Perspektive, da\u00df die aus dem Evangelium kommende Heilsgewi\u00dfheit auch im christlichen Umfeld problematisiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Gibt es Gewi\u00dfheit?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bedenken des weiteren, da\u00df das Thema Gewi\u00dfheit auch in der Philosophie eine gro\u00dfe Rolle spielt, denn auch der Nichtchrist m\u00f6chte wissen, worauf er sich verlassen kann. Doch auf wen kann man sich wirklich verlassen? Die Philosophie des 20. Jahrhunderts kommt zu dem Eingest\u00e4ndnis, da\u00df es Gewi\u00dfheit im Grunde nicht geben kann. Der sogenannte kritische Rationalismus, insbesondere der Philosoph Hans Albert, der \u00fcber viele Jahre an der Universit\u00e4t Mannheim gelehrt und diese Denkrichtung im deutschen Sprachraum vertreten hat, kam zu diesem Schlu\u00df, und viele sind ihm gefolgt. In der Frage, ob es eine Letztbegr\u00fcndung gebe, verneinte er eine solche mit dem Verweis auf das sogenannte M\u00fcnchhausen-Trilemma. Drei Wege zur Letztbegr\u00fcndung scheine es zu geben, die sich aber alle drei als Sackgassen erweisen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Sackgasse sei der sogenannte unendliche Regre\u00df. Um einen Satz zu begr\u00fcnden, m\u00fcsse man nach den Gr\u00fcnden fragen, die einem Satz zugrunde liegen. Doch dann m\u00fcsse man Gr\u00fcnde finden, um diese Gr\u00fcnde zu rechtfertigen. Das gehe so fort, aber man k\u00f6nne nicht unendlich Gr\u00fcnde suchen und finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite Sackgasse besteht darin, da\u00df man zwar nach Gr\u00fcnden f\u00fcr eine Aussage fragt, aber nicht unendlich, sondern da\u00df man an einem bestimmten Punkt die Argumentation abbricht mit dem Verweis auf eine allgemein akzeptierte Wahrheit, etwa auf die Vernunft oder auf die Erfahrung. Diese aber an den Anfang der Erkenntnis zu stellen, ist eine Weltanschauung, etwas Diesseitiges und Menschliches. Damit ist keine wirklich befriedigende Letztbegr\u00fcndung gegeben. Gleiches gilt f\u00fcr eine religi\u00f6se Behauptung nach der Art \u201eDie Bibel aber sagt\u2026\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die dritte Sackgasse ist der Zirkel. Man hat eine Denkvoraussetzung, auf die man aufbaut, und wenn die dann folgende Argumentation erfolgreich abl\u00e4uft ist am Ende nichts anderes bewiesen, als das, was bereits am Anfang vorausgesetzt wurde. Die Argumentation bewegt sich im Kreis. Es gibt mehrere Arten des Zirkels, auch im christlichen Denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Sackgassen beschreiten auch bibeltreu sein wollende Theologen. Sie definieren es als Axion, als evidenten und nicht zu beweisenden Satz, da\u00df die Bibel Gottes Wort ist. In der Sache stimmt das nat\u00fcrlich. Aber dann m\u00fcssen sie erkennen, da\u00df sie selbst die Bibel zum papierenen Papst gemacht haben. Sie vertrauen auf die Bibel, weil sie selbst sie als vertrauensw\u00fcrdig bestimmt haben, mithin also, da\u00df es ihre Entscheidung war, der Bibel Autorit\u00e4t zuzugestehen. Gleiches gilt f\u00fcr den, der meint, anhand seiner Erfahrungen mit Gott beweisen zu k\u00f6nnen, da\u00df die Bibel Gottes Wort ist. Doch mit solchen Anschauungen bleiben die Christen bei sich selbst und k\u00f6nnen nicht wirklich gewi\u00df sein, da\u00df die Bibel Wahrheit sagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir werden ohne Z\u00f6gern zustimmen, da\u00df aus menschlicher Sicht und vom Menschen aus keine Gewi\u00dfheit begr\u00fcndet werden kann. W\u00e4hrend weder der Philosoph noch irgendein Mensch eine wirkliche Letztbegr\u00fcndung zu geben vermag, stellt sich uns in der Bibel Gott selbst als derjenige vor, der Gewi\u00dfheit begr\u00fcnden kann. Es ist ja zutiefst logisch, da\u00df nur Gott das Problem der Letztbegr\u00fcndung l\u00f6sen kann. Das aber hei\u00dft auch, da\u00df wir die Eigenschaft der Bibel, Gottes Wort zu sein, nicht von uns aus beweisen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen nur h\u00f6ren, was die Schrift von Gott und von sich selbst sagt. Unsere Vernunft kann an dieser Stelle nur vernehmen, was ja ihr erstrangiger Zweck ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Gewi\u00dfheit und die Treue Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heilsgewi\u00dfheit ist darin begr\u00fcndet, da\u00df Gott Wahrheit sagt, da\u00df er sein Wort h\u00e4lt und darin seine Treue erweist. H\u00f6ren wir, wie Gott sich vorstellt: \u201eGott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde\u201c (2Mose 3,14). Gott sagte dies, als er Mose am brennenden Dornbusch begegnete und ihn berief. Er stellte sich vor als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und als solcher als der, der wirklich da ist, der sich schon vor Jahrhunderten den V\u00e4tern des Volkes Gottes offenbart hatte und nun als derselbe mit Mose redet. Am Ende seines Lebens konnte Mose bekennen: \u201eEr ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein B\u00f6ses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er\u201c (5Mose 32,4). Des Weiteren konnte der Psalmist sagen: \u201eDenn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das h\u00e4lt er gewi\u00df\u201c (Ps 33,4), und von der Macht des Wortes Gottes: \u201eDer Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. \u2026 \u00a0Alle Welt f\u00fcrchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt. Denn wenn er spricht, so geschieht\u2019s; wenn er gebietet, so steht\u2019s da\u201c (Ps 33,6.8-9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df das Wort Gottes verl\u00e4\u00dflich ist, sagt auch die mehrfach wiederkehrende Aussage, da\u00df Gottes Wort in Ewigkeit bleibe, mithin also, da\u00df es auch am Ende der Zeit immer noch gilt. Wir lesen bei Jesaja, wie der Prophet der Verg\u00e4nglichkeit des Menschen die Best\u00e4ndigkeit des Wortes Gottes gegen\u00fcberstellt: \u201eAlles Fleisch ist Gras, und alle seine G\u00fcte ist wie eine Blume auf dem Felde. \u2026 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich\u201c (Jes 40,6-8). Und Jesus sagt: \u201eHimmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht\u201c (Lk 21,32). Wir k\u00f6nnten hierzu noch weitere Schriftaussagen aufbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immerhin hat Gott seine Treue offenbart, indem er im Alten Testament zahlreiche Verhei\u00dfungen gegeben hat, die schon im Rahmen des Alten Bundes ihre Erf\u00fcllung gefunden haben, so etwa die Landverhei\u00dfungen, die Gott den Erzv\u00e4tern gegeben hatte und die bei der Eroberung des Landes durch Josua in Erf\u00fcllung gingen, wie Josua bekennt: \u201eSo hat der HERR Israel das ganze Land gegeben, das er geschworen hatte, ihren V\u00e4tern zu geben, und sie nahmen\u2019s ein und wohnten darin. \u2026 Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verk\u00fcndigt hatte. Es war alles gekommen\u201c (Jos 21,43.45). Vor allem aber hat Gott seine Treue offenbart, indem er die sogenannten messianischen Verhei\u00dfungen, die er im Alten Testament gegeben hat, in der Sendung Jesu, seines Sohnes, zur Erf\u00fcllung gebracht hat. Es w\u00fcrde einer eigenen Predigt bed\u00fcrfen, um dies anhand der heiligen Schrift aufzuweisen. Die Treue Gottes zu seinem Wort ist ein ganz wesentlicher Grund, der den Christen zum Vertrauen auf ihn und seine Zusagen motiviert. Die Treue Gottes steht hinter der Heilsgewi\u00dfheit, weil Gott das, was er zusagt, auch einh\u00e4lt. Schlu\u00dfendlich verl\u00e4\u00dft sich ein Christ ja gerade darauf, da\u00df Gott sein Wort jenseits der gegenw\u00e4rtigen Welt einl\u00f6sen wird, wenn der Christ stirbt und \u00fcberhaupt nichts mehr in der Hand hat, als die Zusage Gottes, in der k\u00fcnftigen Welt in einem neuen Leib auferweckt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt auf der Hand, da\u00df die biblischen Aussagen nicht hinterfragt werden k\u00f6nnen. Zum einen sind sie Gottes Wort, das als solches Wahrheit sagt und gilt. Zum anderen wird man sie auch kaum aus menschlichen Quellen begr\u00fcnden k\u00f6nnen, au\u00dfer im Blick auf das, was einem Menschen ohnehin bekannt sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Heilsgewi\u00dfheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johannes schreibt das Wort, das wir in unserer heutigen Predigt bedenken, an Menschen, die im Glauben an Jesus Christus stehen. \u201eDas habe ich euch geschrieben, damit ihr wi\u00dft, da\u00df ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.\u201c Diese Menschen haben das Zeugnis, das Gott von seinem Sohn gegeben hat, angenommen. Sie vertrauen darauf, da\u00df Jesus Gottes Sohn ist und als solcher sie mit Gott vers\u00f6hnt hat. Sie sollen wissen, da\u00df sie in diesem Glauben das ewige Leben haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem Johannes die Heilsgewi\u00dfheit auf das von ihm geschriebene Wort gr\u00fcndet, formuliert er zugleich ein Prinzip. Gewi\u00dfheit des Glaubens kommt aus dem an sich gewissen Wort Gottes. Dieses allein kann den Glauben begr\u00fcnden und tragen, und damit zugleich die erw\u00fcnschte Gewi\u00dfheit vermitteln. Es ist also eine ganz \u00e4u\u00dferliche und menschliche Weise, wie Heilsgewi\u00dfheit zustandekommt: Der Apostel sagt, was n\u00f6tig ist, und aus dem Wort des Apostels kann der Christ wissen, da\u00df er im Heil steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist das Problem, da\u00df das Wort der Apostel sich an alle richtet, an alle Bibelleser, an die christliche Kirche, aber nicht exklusiv an den einzelnen Christen. Das gilt auch von den sogenannten allgemeinen Heilsverhei\u00dfungen. Eine solche ist etwa Jesu Wort: \u201eDenn also hat Gott die Welt geliebt, da\u00df er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.\u201c Damit ist klar gesagt: Wer an Jesus glaubt, hat das ewige Leben. Aber kann der einzelne Christ daraus ableiten: Auch ich glaube an Jesus und folglich habe ich das ewige Leben? Diese d\u00fcrre Information ist vielen zu wenig. Sie wollen f\u00fcr ihre Heilsgewi\u00dfheit einen breiteren Grund haben, denn die Zusage Gottes gen\u00fcgt ihnen nicht. Wohin k\u00f6nnen sie schauen? Woher k\u00f6nnen sie weitere Informationen bekommen? Sie meinen, an sich selbst ablesen zu m\u00fcssen, da\u00df sie im Heil stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schauen wir an dieser Stelle auf die Dordrechter Lehrregel. Sie hat bekanntlich die biblische Lehre von der Erw\u00e4hlung bestimmt. So sehr wir das Anliegen der Dordrechter Lehrregel anerkennen und sch\u00e4tzen, die biblische Erw\u00e4hlungslehre zu bestimmen, so wenig k\u00f6nnen wir ihr an dem Punkt folgen, da\u00df sie die Gewi\u00dfheit der Erw\u00e4hlung auch an religi\u00f6sen Akten festmacht. Da ist zu lesen: \u201eDieser ihrer ewigen und unver\u00e4nderlichen Erw\u00e4hlung zur Seligkeit werden die Auserw\u00e4hlten zu seiner Zeit, wenn auch in verschiedenen Graden und ungleichem Ma\u00dfe, vergewissert; nicht, wenn sie die Verborgenheit und Tiefen Gottes neugierig erforschen, sondern wenn sie die untr\u00fcglichen Fr\u00fcchte der Erw\u00e4hlung, im Worte Gottes aufgezeigt (als da sind: der wahre Glaube an Christus, kindliche Gottesfurcht, g\u00f6ttliche Traurigkeit \u00fcber die S\u00fcnde, Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit usw.) mit geistlicher Freude und heiligem Vergn\u00fcgen in sich wahrnehmen (2Kor. 13, 5)\u201c (CanDord I,12). Wir k\u00f6nnten noch weitere Aussagen aus der Lehrregel zu diesem Thema anf\u00fchren. Das Gesagte bedeutet, da\u00df der Christ im Grunde auf sich selbst schaut, auf die angeblichen Fr\u00fcchte der Erw\u00e4hlung, um seiner Erw\u00e4hlung gewi\u00df zu werden. Das ist die Folge, wenn man nicht auf die allgemeinen Heilsverhei\u00dfungen schaut, die mit Christus gegeben sind. Wenn Johannes der T\u00e4ufer von Jesus sagt: \u201eSiehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt!\u201c, dann hat doch jeder Grund zu glauben: Dann hat Jesus auch meine S\u00fcnden getragen. Gott verwirklicht seinen Erw\u00e4hlungsratschlu\u00df nicht, indem er den Christen neben der Bibel zeigt: Du bist erw\u00e4hlt, und du bist erw\u00e4hlt, sondern er packt seinen Erw\u00e4hlungsratschlu\u00df in die allgemeinen Heilsverhei\u00dfungen, um dem Menschen Anla\u00df zu geben, ihm zu glauben. Die Gewi\u00dfheit der Erw\u00e4hlung und die damit verkn\u00fcpfte Heilsgewi\u00dfheit kommt eben nicht neben Christus und neben den allgemeinen Heilsverhei\u00dfungen, sondern gerade in und mit diesen. Der Christ hat also allen Grund, seine Heilsgewi\u00dfheit an Christus, seinem stellvertretenden Tod und seiner Auferstehung abzulesen. Das aber ist keine spekulative Gewi\u00dfheit, sondern eine solche, die er im Glauben hat, und er wird bis zu seinem Lebensende nicht aus dem Glauben entlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00fcbrigen hilft auch der sogenannte <em>syllogismus practicus <\/em>nicht weiter, also die Schlu\u00dffolgerung aus dem praktischen Erleben. Auch bei diesem schaut der Christ auf sich selbst, sein Leben, seinen Gehorsam gegen\u00fcber den Geboten Gottes und auf den Segen, mit dem Gott ihn bedacht hat. Wenn also der Christ sich ein teures Auto leisten k\u00f6nne, so die Meinung, dann sei das f\u00fcr ihn ein Zeichen f\u00fcr den Segen Gottes und damit auch f\u00fcr das Heil, das er zu haben meint. Doch wir m\u00fcssen an dieser Stelle kritisch und ehrlich genug sein: Der Segen Gottes besteht doch weder in einer skandalfreien Biographie noch im materiellen Wohlstand. Aus dem nach wie vor zwiesp\u00e4ltigen Handeln des Christen und dem unsicheren Wohlstand kann man keine Heilsgewi\u00dfheit ableiten. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Mercedes vor der Kirchent\u00fcr bietet keinen Anla\u00df, seines Heils gewi\u00df zu sein, ebensowenig wie man mit einem Fiat 500 als einem vermeintlichen Aufweis christlicher Demut seine Heilsgewi\u00dfheit begr\u00fcnden kann. Bei alledem kann niemand bestreiten, da\u00df der Glaube in einem Leben in rechter Gottesfurcht und guten Werken seine Fr\u00fcchte tr\u00e4gt und der Christ diese dankbar als Gottes Gaben erkennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Verhei\u00dfung und Glaube<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das reformatorische <em>Allein die Schrift<\/em> gilt auch im Blick auf die Heilsgewi\u00dfheit. Der Christ ist gerade nicht darauf angewiesen, neben der Schrift weitere Quellen der Gewi\u00dfheit zu suchen, schon gar nicht bei sich selbst. Er hat mit dem, was ihm durch die Schrift verk\u00fcndigt wird, alles, was er braucht. Dabei kann er erkennen, da\u00df es Gottes Gabe ist, wenn er die Schrift versteht und darauf vertrauen kann. Im Bilde gesprochen: Er kann erkennen, da\u00df Gott ihm das Herz aufgetan hat, wie seinerzeit der Lydia unter der Predigt des Paulus in Philippi (Apg 16,14). Er sieht aber nicht auf sein ge\u00f6ffnetes Herz, sondern wie Lydia achtet er auf das, was von dem Apostel gesagt wird, mithin also auf das apostolische Wort, das er in Gestalt der heiligen Schrift hat. Eben mit diesem Wort empf\u00e4ngt er das Heil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heilsgewi\u00dfheit kann der Mensch auch nicht daraus sch\u00f6pfen, da\u00df er wie der Mystiker in sich hineinhorcht in der Hoffnung, eine innere Stimme, von der er meint, es sei die des Heiligen Geistes, raune ihm zu, er sei Gottes Kind. Schon gar nicht kann er in seinem Innersten irgendeine wesenhafte Verwandtschaft mit Gott oder ein verborgenes, inneres Einssein mit Gott feststellen. Wer diesen Weg beschreitet, gibt sich der Illusion hin, in seinem Innersten sei eine Sph\u00e4re, in der er Gott unmittelbar wahrnehmen k\u00f6nne. Heilsgewi\u00dfheit ist auch keine irrationale \u00dcberzeugung, nach dem Motto: Ich wei\u00df es einfach, da\u00df ich gerettet bin. Manchmal verbindet sich mit dieser Ansicht der Verweis auf ein besonderes existenzielles Erlebnis, das einem unter die Haut gegangen sei und aufgrund dessen man wisse, da\u00df Gott dadurch zu einem gesprochen habe. Nat\u00fcrlich mag es sein, da\u00df ein Mensch etwa von einer Predigt oder bei der Lekt\u00fcre der Bibel oder eines anderen Buches so von Gottes Wort angesprochen wird, da\u00df sein Herz brennt, da\u00df er sich innerlich betroffen f\u00fchlt. Doch man kann die Gestalt des Handels Gottes beim Menschen nicht zur Grundlage der Heilsgewi\u00dfheit machen. Schon gar nicht darf man solches Erleben zu einer vom Menschen zu erf\u00fcllenden Bedingung machen, zu einem Erlebnissoll, bei dem der Mensch wieder angewiesen wird, auf sich und sein Erleben zu schauen. Der Heilige Geist steckt nicht im Erleben, sondern im Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sagen wir zugleich, da\u00df Heilsgewi\u00dfheit nicht etwas Irrationales ist. Sie ist durch eine rechte, aussagbare Erkenntnis gef\u00fcllt. Der Christ, hat verstanden, was er glaubt und kann also seinen Glauben bekennen. Was vom Menschen nicht erkl\u00e4rbar ist, ist die Frage, warum Gott es dem einen Menschen gibt, an ihn zu glauben, und dem anderen nicht. Das ist das Geheimnis der Erw\u00e4hlung, das wir nicht l\u00fcften k\u00f6nnen und \u00fcber das wir auch nicht spekulieren d\u00fcrfen. Wir geraten sonst nur in theologische Sackgassen. Vielmehr sollen wir uns an das offenbare Wort Gottes halten, das wir lesen oder h\u00f6ren, und das sagt in aller Klarheit dem das Heil zu, der dem Wort glaubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlu\u00df<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben gesehen, da\u00df in Wirklichkeit nur Gott selbst Gewi\u00dfheit begr\u00fcnden kann, und er tut dies mit seinem unverbr\u00fcchlichen Wort. Gott hat sich darin als ein treuer Gott offenbart, der sein Wort h\u00e4lt, und dieses Wort gilt nicht nur in der gegenw\u00e4rtigen Welt, sondern er wird es in seiner Macht auch in der k\u00fcnftigen Welt erf\u00fcllen. Der Christ hat darum Anla\u00df genug, sein Vertrauen auf die Zusagen zu setzen, die Gott in seinem Wort macht, und er kann daraus die Gewi\u00dfheit sch\u00f6pfen, am Heil in Jesus Christus teilzuhaben. Ich will an dieser Stelle nicht unerw\u00e4hnt lassen, da\u00df Gott sein Wort, das er mit den Sakramenten Taufe und Abendmahl verbunden hat, auf den einzelnen Menschen richtet, So kann dieser erst recht anhand des sichtbaren Wortes seiner Teilhabe an Jesus Christus und seines Heils gewi\u00df sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Dr. Bernhard Kaiser, Reiskirchen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie brauchen das IRT \u2013 das IRT braucht Ihre Unterst\u00fctzung! Deutschland: Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE84 5139 0000 0045 6326 01; BIC: VBMHDE5F. &#8211; Schweiz: Raiffeisenbank Schaffhausen, RAIFCH22; IBAN: CH66 8080 8002 4002 2375 8 (EUR) oder CH56 8080 8003 9512 5898 2 (CHF).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wi\u00dft, da\u00df ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. (1 Joh 5,13) Unser heutiger Predigttext ist ein schlichter und gleichzeitig sehr bedeutsamer Satz. Er hat die christliche Gewi\u00dfheit, insbesondere die Heilsgewi\u00dfheit zum Inhalt. Das ist ein f\u00fcr den Christen sehr bedeutsames [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19218"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19218"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19219,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19218\/revisions\/19219"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}